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Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE
 

Ben Gurion: „Wir müssen sie mit Gewalt vertreiben!“
Ein Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba

Arn Strohmeyer

 

Uri Avnery ist ein äußerst verdienstvoller Mann, der als Politiker, Publizist und Friedensaktivist sehr viel Mut, Realitätssinn, humanes Engagement und visionäre Weitsicht bewiesen hat. Wenn es nach ihm gegangen wäre und noch ginge, gäbe es keinen Konflikt mehr mit den Palästinensern, und Israel befände sich nicht in der politischen Sackgasse, aus der nun kein Ausweg mehr zu sehen ist und die die Zukunft dieses Staates verdüstert. Aber immer wenn dieser große Journalist sich die Nakba von 1948 als Thema vornimmt, verwundert es sehr, wie einseitig er die Ereignisse beschreibt. Er beruft sich dabei auf sein Augenzeugentum, denn er war im Krieg von 1948/49 Soldat an der Südfront dabei und kämpfte dort gegen die Ägypter.

Die Berufung auf Augenzeugen wirft eine grundsätzliche Frage der Geschichtswissenschaft auf: Wie weit können Augenzeugen wirklich authentische Aussagen über das Gesamt geschehen von historischen Ereignissen machen, denn sie bekommen ja selbst auch immer nur einen kleinen Teil des Geschehens mit. Ihre Sicht – wie die jedes Menschen – ist noch dazu von politischen und ideologischen Prägungen vorbestimmt. Um ein Beispiel für das Gesagte zu nennen: Könnte ein Soldat, der in Hitlers Wehrmacht an der Ostfront gekämpft hat, allein aus dieser Erfahrung heraus die Geschichte des Zweiten Weltkrieges schreiben? Sicher nicht.

Es liegen inzwischen wichtige historische Arbeiten zur Nakba vor – etwa die von Simcha Flapan, Benny Morris, Avi Shlaim und Ilan Pappe. Diese Autoren kommen zu ganz anderen Ergebnissen wie Uri Avnery. Er schreibt, der Krieg von 1948/49 habe eigentlich aus zwei Kriegen bestanden, die ineinander übergingen. Von Dezember 1947 bis Mai 1948 sei es der Krieg zwischen den Arabern und der jüdischen Bevölkerung innerhalb Palästinas gewesen, vom Mai bis zum Waffenstillstand Anfang 1949 der Krieg zwischen der israelischen Armee und den Armeen der arabischen Länder. Kritikwürdig ist der erste Teil des Satzes: Gab es von Dezember 1947 bis zum Mai 1948 wirklich einen Krieg zwischen den palästinensischen Arabern und den Juden? Das klingt nach der Zwei-Seiten-Theorie, aber die zwei gleich starken Seiten in dieser Auseinandersetzung gab es nicht. Die Palästinenser verfügten lediglich über einige kleine Milzverbände, die militärisch bedeutungslos und der zionistischen Armee – der Hagana – weit unterlegen waren. Letztere war seit 1920 systematisch aufgebaut und auch schon von den Briten, die das Mandat über Palästina hatten, mit Waffen und Gerät versorgt worden.

Was sich nach dem Teilungsbeschluss vom November 1947 abspielte, war von den Zionisten gut geplant und wohl vorbereitet worden. Der zionistische Führer und spätere erste Ministerpräsident Ben Gurion ließ verlauten: „In unserem Land [so nennt er Palästina] ist nur für Juden Platz. Den Arabern werden wir sagen: ‚Macht Platz!‘ Wenn sie nicht einverstanden sind, wenn sie Widerstand leisten, dann vertreiben wir sie mit Gewalt!“ Auch Yossef Weitz, ein hoher Funktionär des Jüdischen Nationalfonds, bestätigte schon 1940 die Absicht der Zionisten. Er setzte sich für die Vertreibung der Araber ein, um das Land von ihnen „freizumachen“ und so für die jüdische Besiedlung zur Verfügung zu stellen. Am 31. Dezember 1947 formulierte er das Ziel der Zionisten so: „Ist nicht der Zeitpunkt gekommen, uns von ihnen zu befreien? Warum sollten wir diese Stacheln in unserem Fleisch behalten, wenn sie für uns eine Gefahr darstellen?“ Das Zitat stammt aus dem Tagebuch Ben Gurions.

Die Vertreibung der Palästinenser wurde dann auch ganz systematisch mit Gewalt und Terror durchgeführt. Dieses Vorgehen ergab sich also keineswegs – wie Uri Avnery anmerkt – aus der Kriegssituation, und es handelte sich dabei auch nicht um ein „Wunder“, wie später oft behauptet wurde. Die Idee, Palästina zu judaisieren und das Land mit der Umsiedlung der arabischen Bevölkerung zu „befreien“, stand von Anfang an auf der politischen Agenda der Zionisten, es gibt sehr viele Belege dafür. Noch im Jahr 1947 begann das, was heute als die „ethnische Säuberung“ Palästinas bezeichnet wird – ein bis in die Gegenwart tabuisiertes Kapitel im zionistischen Geschichtsverständnis, dem sich das offizielle Israel unter gar keinen Umständen stellen will, denn die brutale Gewalt dieser ethnischen Säuberung mit all ihren Gräueltaten würde das zionistische Selbstverständnis und den Gründungsmythos des Staates in Frage stellen. Vielleicht ist das der Grund, warum Uri Avnery das Thema so vorsichtig mit Samthandschuhen anfasst.

Es kann hier nicht die ganze Geschichte der Nakba dargestellt werden. Aber sie begann nach der Darstellung von Ilan Pappe so: „Am 10. März 1948 saßen elf Männer zusammen – altgediente zionistische Führer und junge jüdische Offiziere – und legten letzte Hand an einen Plan für die ethnische Säuberung Palästinas. Noch am selben Abend ergingen militärische Befehle  an die Einheiten vor Ort, die systematische Vertreibung der Palästinenser aus weiten Teilen des Landes vorzubereiten. Die Befehle gaben detailliert die Einsatzmethoden zur Zwangsräumung vor: groß angelegte Einschüchterungen; Belagerung und Beschuss von Dörfern und Wohngebieten; Niederbrennen der Häuser mit allem Hab und Gut; Vertreibung; Abriss und schließlich Verminung der Trümmer, um eine Rückkehr der vertriebenen Bewohner zu verhindern. Jede Einheit erhielt eine Liste mit Dörfern und Stadtvierteln, den Zielen des Masterplans. Er trug den Codenamen Plan D (Dalet in Hebräisch) und war die vierte und endgültige Version vorausgegangener Planungen für das Schicksal, das die Zionisten für Palästina und seine heimische Bevölkerung vorsahen. Die ersten drei Pläne hatten nur vage umrissen, wie die zionistische Führung mit der Anwesenheit so vieler Palästinenser in dem Land, das die jüdische Nationalbewegung für sich haben wollte, umzugehen gedachte. Diese vierte und letzte Blaupause sprach es klar und deutlich aus: Die Palästinenser mussten raus. (...) Ziel des Plans war tatsächlich die Zerstörung ländlicher und städtischer Gebiete Palästinas.“

Das Ergebnis der ethnischen Säuberung war furchtbar: Elf arabische Stadtviertel oder Städte und 531 Dörfer wurden zwangsgeräumt und völlig zerstört, 800 000 Menschen mussten fliehen – die Hälfte des palästinensischen Volkes. Es kam zu zahlreichen Massakern (das schlimmste war das von Deir Jassin mit über 200 Toten), sie sollten die palästinensische Bevölkerung in Panik versetzen und zur Flucht veranlassen, außerdem waren Vergewaltigungen und Plünderungen an der Tagesordnung. Heute bedecken, als sei nichts gewesen, Wälder, Parks und Freizeiteinrichtungen diese Orte des Schreckens. Die Erinnerung an die Nakba soll vollständig ausgelöscht werden.

Sowohl Simcha Flapan als auch Ilan Pappe berichten, dass es kaum Gegenwehr auf der palästinensischen Seite gab. Die Dörfer lagen so friedlich da, dass die zionistischen Soldaten der Hagana zum Teil Skrupel hatten, gegen die Bewohner vorzugehen. Man schickte deshalb Propaganda-Offiziere an die „Front“, die den Soldaten erklärten, dass die Palästinenser einen „neuen Holocaust“ planten und man deshalb mit aller Gewalt gegen sie vorgehen müsse. Das spielte sich gut zwei Jahre nach dem Ende des wirklichen Holocaust ab – ein abschreckendes und erschütterndes Faktum. Ilan Pappe hat deshalb auch alle Tagebucheintragungen Ben Gurions aus dieser Zeit befragt. Von einem „neuen Holocaust“ ist da nirgends die Rede. Die Soldatin Tikva Honig-Parnass, die damals in der Hagana mitkämpfte, fühlte sich später auch getäuscht. Sie hatte fest daran geglaubt, einer „revolutionären“ Armee der Unterdrückten anzugehören und nicht etwa einer Streitkraft, die ein arabisches Land erobern und ihre Bewohner vertreiben sollte.

Sie schrieb später: „Dann begriff ich, das der Zionismus ein kolonialistisches Unterfangen war, das von Anfang an den Aufbau eines exklusiv jüdischen Staates im historischen Palästina angestrebt hatte und dabei auch nicht davor zurückschreckte, das palästinensische Volk gewaltsam zu enteignen.“ Sie habe damals nicht verstanden, fährt sie fort, dass die Werte, die die Zionisten vertraten, nicht für alle Menschen galten: „Ich verstand nicht, dass sich dieser warmherzige Humanismus nur auf diejenigen bezog, die ‚wie wir‘ waren, während wir uns von denen, die ‚anders‘ waren, entfremdeten und sie entmenschlichten.“ An dieser Einstellung gegenüber den Palästinensern hat sich bis heute nichts geändert.

Von der Verabschiedung des UNO-Teilungsbeschlusses bis zu Gründung des Staates Israel (also im Zeitraum von Ende November 1947 bis zum 14. Mai 1948) hatten die zionistischen Verbände nach dem Plan D, also bevor eine einzige arabische Armee palästinensischen Boden betreten hatte, mehr als 200 Ortschaften erobert und ihre Bewohner vertrieben – dazu zählten die großen palästinensischen Städte Tiberias, Haifa, Jaffa und Safed. Außerdem hatten die Zionisten große Teile des Territoriums eingenommen, dass der UNO-Teilungsplan für den palästinensischen Staat vorgesehen hatte. Vielleicht sollte Ur Avnery doch mal zu den Büchern von Benny Morris, Simcha Flapan, Ilan Pappe und Avi Shlaim greifen, Augenzeuge sein allein reicht eben nicht immer, um sich ein Bild vom gesamten Geschehen zu machen.

7.06.2015

 

Die wirkliche Nakba - Uri  Avnery,  6.6. 15 - VOR DREI Wochen  war Nakbatag – der Tag, an dem Palästinenser innerhalb und außerhalb Israels  an ihre „Katastrophe“ denken – den Exodus  von mehr als der Hälfte des palästinensischen Volkes aus den von Israel besetzten Gebieten im Krieg von 1948. Jede Seite hat ihre eigene Version dieses folgenschweren Ereignisses >>>

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