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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 


 

Die bittere Konfrontation mit der Wahrheit

Der Israeli Miko Peled schildert in seinem Buch „Der Sohn des Generals“, wie für ihn das Ideologie-Gebäude des Zionismus langsam zusammenbrach

Arn Strohmeyer

Ich muss gestehen, dass ich mit einem beträchtlichen Misstrauen zu diesem Buch gegriffen habe. Wenn der Sohn eines der prominentesten israelischen Generäle seine eigene und die Geschichte seines Vaters erzählt, (beide überzeugte Zionisten), was kann man da anderes erwarten als ein Hohelied auf den Besatzungs- und Apartheidstaat Israel? Aber bei der Lektüre wird man mehr als angenehm enttäuscht.

Die Befürchtung war ja zunächst auch durchaus berechtigt, denn General Peled (1923-1995) nahm als junger Offizier 1948 an der ethnischen Säuberung Palästinas (Nakba) und an dem Krieg gegen die arabischen Staaten teil, den die Israelis den „Unabhängigkeitskrieg“ nennen. Auch im Krieg von 1967, in dem Israel das Westjordanland, den Gazastreifen, die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel eroberten, spielte Matti Peled eine treibende und entscheidende Rolle. Er war also einer der militärischen Erbauer des siedlerkolonialistischen Staates Israel. Dass sein Sohn bei einem solchen Hintergrund ein gläubiger Zionist wurde, verwundert da nicht, zumal sein Großvater mütterlicherseits der radikale Zionist Abraham Katznelson war, der in der zionistischen Bewegung eine führende Rolle spielte und einer der Unterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung war.

Aber der General-Vater machte nach dem Krieg von 1967 eine erstaunliche Wandlung durch. Zunächst erklärte er der obersten militärischen Führung, der er selbst angehörte, dass dieser Krieg kein Krieg um die Existenz Israels gewesen sei, wie die israelische Propaganda behauptet hatte, denn der Staat sei von den arabischen Armeen zu keinem Zeitpunkt bedroht gewesen. In höchster Gefahr habe sich dagegen die ägyptischen Armee befunden, die sich von der Sinai-Halbinsel aus der israelischen Grenze genähert habe. Deshalb habe man sich entschlossen, die Truppen Nassers zu vernichten.

Und dann die Wende: Matti Peled gründete mit dem Publizisten Uri Avnery und anderen Linkssozialisten den „Israelischen Rat für den israelisch-palästinensischen Frieden“. Er forderte die eigene Regierung auf (zu einer Zeit also, als dies noch gesetzlich verboten war), mit der PLO Jassir Arafats zu verhandeln, weil diese die legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes sei. Er forderte zudem den Rückzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten, wandte  sich gegen die Siedlungspolitik und setzte sich für die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates im Westjordanland und im Gazastreifen mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt ein – Forderungen, die auch in der Charta des Rates standen und zur damaligen Zeit äußerst radikal waren.

Matti Peled sagte außerdem voraus, dass die Armee, die er selbst mit aufgebaut hatte, eine brutale Streitmacht ohne Moral  werden würde, wenn ihre Hauptaufgabe darin bestehe, eine ganze Nation zu unterdrücken, von der es klar war, dass sie Widerstand gegen die Besatzung leisten würde. Außerdem machte er sich Sorgen um den Zustand der jüdischen Demokratie, die er als Folge der Besatzung in der Gefahr sah zu korrumpieren – Prophezeiungen, die sich inzwischen erfüllt haben. Matti Peled machte diese Äußerungen als Zionist, der er sein Leben lang blieb, aber er war sich bewusst, dass nur ein gerechter Frieden unter Gleichen Israels Zukunft sichern könne. Dieser außergewöhnliche Mann redete nicht nur, er kämpfte (wenn auch erfolglos) für seine Ideen, traf mit Jassir Arafat in Tunis zusammen und pflegte eine enge Freundschaft mit dem Vertrauten des PLO-Chefs, dem Arzt und Politiker Issam Sartawi, der später ermordet wurde. Mit 45 Jahren verließ Matti Peled die israelische Armee, lernte Arabisch, studierte die Literatur dieses Kulturkreises, um dann noch Professor für dieses Fach zu werden.

Der Sohn Miko Peled sucht in seinem Buch nach den Gründen für die erstaunliche Wandlung seines Vaters. Der frühere Fatah-Kommandeur Abu Ali Shahim entschlüsselte ihm das Rätsel. Kurz nach dem Krieg von 1967 tauchte im Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen ein israelischer Offizier mit einem Trupp Soldaten auf. Sie befahlen allen Leuten, aus ihren Häusern zu kommen. Dann nahmen die Soldaten eine Selektion vor: Die Frauen und Kinder unter 13 Jahren schickten sie in die Häuser zurück, die Männer und Jungen über 13 brachten sie in einen anderen Teil des Lagers, stellten sie an eine Wand und erschossen sie. Die Leichen machten sie mit einer Planierraupe unkenntlich. Abu Ali Shahim verlor bei diesem Massaker alle männlichen Mitglieder seiner Familie.

Matti Peled, der zu dieser Zeit auch Gouverneur von Gaza war, erfuhr von der Mordaktion, überzeugte sich an Ort und Stelle von der Wahrheit des ihm berichteten Geschehens und leitete eine Untersuchung ein. Er hat in seiner Familie und seinem Sohn Miko gegenüber nie über dieses Massaker gesprochen, aber es ist ganz offensichtlich, dass es für ihn die innere Wende brachte. Der Palästinenser Abu Ali Shahim  sagte zu dem Sohn: „Es wurde unter uns bekannt, dass dieser Vorfall ihn aus einem ‚Militanten‘ in einen Mann verwandelte, der für den Frieden eintrat. Ich merkte. dass Ihr Vater auf unserer Seite war, und das schwemmte allen Zorn in meinem Herzen vollkommen weg. Vollkommen!“ Der zionistische General Matti Peled wird so bei den Palästinensern zu einem großen Sympathieträger, in Israel dagegen nennt man ihn einen „Verräter“.

Der Sohn Miko Peled, der in Israel und den USA aufgewachsen und erzogen worden ist und seinen Wehrdienst in einer israelischen Elite-Einheit abgedient hat, schildert in seinem Buch, wie er sich langsam von dem zionistischen Hintergrund seiner Familie und seines Staates löst, weil er diese Ideologie immer mehr als brutal und unmenschlich empfindet. Als seine Schwester, die Pädagogin Nurit Peled, bei einem Terroranschlag ihre Tochter verliert, ist er schockiert, reagiert aber nicht mit Hass, sondern begrüßt die Gründung einer Organisation von jüdischen und palästinensischen Eltern, die bei Anschlägen ebenfalls Kinder verloren haben und sich nun gemeinsam für den Frieden einsetzen. Auch Nurit Peled tritt dieser Organisation bei.

In San Diego (USA), wo Miko Peled eine Karateschule betreibt, nimmt er Kontakt zu dort lebenden Palästinensern auf, tritt mit ihnen gemeinsam bei Vortragsveranstaltungen auf, unternimmt Reisen ins Westjordanland und in den Gazastreifen, kommt mit vielen Palästinensern in Kontakt und kann aus allen diesen Begegnungen nur den Schluss ziehen: „Warum dämonisieren wir diese Menschen, warum fürchten wir sie, wo wir sie doch mit offenen Armen begrüßen sollten?“ Er ist überzeugt: Die Palästinenser wollen den Frieden, aber das zionistische Israel will ihn nicht.

Miko Peled lässt damit auch die Positionen seines Vaters weit hinter sich. Er lehnt den Zionismus ab, weil er für ihn identisch ist mit Gewalt, Unterdrückung und Rassismus. Frieden in Palästina kann es – davon ist er überzeugt – nur außerhalb des ideologischen Paradigmas des zionistischen Staates geben. Er macht den zionistischen Siedlerkolonialismus für die offene politische Wunde im Nahen Osten verantwortlich, die hier seit der Ankunft der ersten jüdischen Siedler klafft. Er zitiert den französischen Schriftsteller Franz Fanon, der schrieb: „Der Kolonialismus ist keine Maschine, die des Denkens fähig ist, ein Körper, der Vernunft besitzt. Er ist nackte Gewalt und gibt nur auf, wenn er mit einer noch größeren Gewalt konfrontiert ist.“

Deshalb nennt Miko Peled das ausführende Organ dieser Gewalt, die israelische Armee, eine „Schande“ und eine „Terrororganisation“, fordert die jungen Israelis zur Wehrdienstverweigerung auf, wirft Israel vor, aus dem Gazastreifen ein riesiges Gefängnis, ja ein „Konzentrationslager“ gemacht zu haben. Die ständigen brutalen Angriffe gegen den Gazastreifen sieht er als Fortsetzung des permanenten Krieges gegen die Palästinenser, der seit mehr als 60 Jahren betrieben werde und dessen Ziel es sei, die ethnische Säuberung Palästinas (Nakba) zu Ende zu führen. Er hält BDS für den einzigen Weg, diese Besatzungsbarbarei endlich zu stoppen. Das Ziel ist für ihn ein säkularer demokratischer Staat, in dem Juden und Palästinenser gleichberechtigt leben können. Nur so sei der Frieden möglich.

Solche Ein- und Ansichten zwingen Miko Peled auch, das Verhältnis zu seinem Vater zu überdenken. Er ist überzeugt, dass der General es mit seinem versöhnenden Ansatz ernst gemeint hat, aber er bescheinigt ihm auch, gravierende Fehler gemacht zu haben. Miko Peled schreibt: „Er versuchte, die Bestie im Zaum zu  halten, zu deren Erschaffung er selbst beigetragen hatte, aber Israel wird vor nichts haltmachen.“ Das abschließende Urteil über den Vater fällt bitter aus: „Matti Peled spielte eine wichtige Rolle bei der Etablierung eines rassistischen, kolonialistischen Unternehmens in Palästina durch einen gewaltsamen Prozess der ethnischen Säuberung. Danach kämpfte er für die Aufrechterhaltung dieses Staates, indem dieser einen Kompromiss mit seinen Opfern, den Palästinensern, schloss. Heute bleiben vom ehemaligen Palästina nur noch kleine Bruchstücke, in denen die Palästinenser kaum noch Rechte genießen und gleichzeitig der Gnade des Militärs und der Geheimpolizei Israels ausgeliefert sind, zwei Institutionen, die sie bisher gnadenlos unterdrückt haben.“

Und auch die Mutter bezieht er in seine Kritik ein. Er bat sie, das mit einer handschriftlichen Widmung versehene Bild des Zionistenführers und ersten israelischen Ministerpräsidenten Ben Gurion im Arbeitszimmer des Vaters abzuhängen – mit der Begründung: „Er war ein grausamer Mensch und war für schreckliche Verbrechen verantwortlich.“ Aber die Mutter weigerte sich. Das Bild hängt noch heute dort.

Miko Peled hat ein sehr ehrliches, deswegen bewegendes und äußerst wichtiges politisches Buch geschrieben. Er beschreibt seine Wandlung vom überzeugten Anhänger des Zionismus (einer chauvinistischen Stammesideologie) zum Weltbürger, Menschenrechtler und Universalisten, der es mit der Gleichheit und dem Frieden unter allen Menschen (nicht nur in Palästina/Israel) sehr ernst meint. Dem Vater war dieser Schritt nur halb gelungen, der Sohn schafft ihn dann ganz und steht damit in der besten Tradition der großen humanistisch gesinnten Juden. Dem Buch ist allergrößte Verbreitung zu wünschen – vor allem unter Lesern, die immer noch an den Zionismus glauben, ihn mit Judentum gleichsetzen und ihn deshalb rückhaltlos verteidigen.            25.07.2017
 

Miko Peled
Der Sohn des Generals

Reise eines Israeli in Palästina

Zürich 2016, ISBN 978-3-85990-290-9, 23,80 Euro

 

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