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Der Grund für unsere Wasserkrise
- Shaddad Attili -
Anfang dieses Monats nahm ich an einer Paneldiskussion über die Wasserkrise im
Nahen Osten teil. Zusammen mit Vertretern aus Jordanien und Frankreich war Gilad
Erdan, Israels Minister für Umweltschutz, auf dem Podium.
Das Thema war „Gerechte
Verteilung und vernünftige Verwendung des Grenz-Wasserlaufs“ was direkt mitten
in den Wasserstreit zwischen Palästinensern und Israelis geht.
Die gerechte Zuweisung von
gemeinsamen Wasserquellen ist ein Prinzip, das kodifiziert ist unter dem
üblichen internationalen Wassergesetz. Es gilt für beide, das
Untergrund-Berg-Aquifer, das über die 1967 Linie geht, die Israel von der
Westbank trennt, als auch den Küsten-Aquifer, der entlang der Mittelmeerküste
und unter Gaza verläuft Es gilt auch für das Jordanbasin.
Dieses Prinzip bedeutet, dass
überall, wo Wasser eine oder mehrere Grenzen überquert, muss es gerecht und
fair verteilt werden und in einer Weise, die die Wasserrechte aller Beteiligten
berücksichtigt.
Für die meisten Leute erscheint
dies vollkommen vernünftig. Aber nicht für Gilad Erdan, dessen Vortrag erklären
wollte, warum wenige in der internationalen Gemeinschaft glauben, die
augenblickliche israelische Regierung sei überzeugt und fähig, um echten Frieden
zu verhandeln, und warum internationale Unterstützung für die UN-Anerkennung
eines palästinensischen Staates im September schnell wächst.
Insbesondere versuchte Erdan
schamlos die schwere Wasserkrise der Palästinenser den Palästinensern selbst die
Schuld zu geben, indem er sie mit besonderer Kritik heraushob: die
palästinensische Behörde, wie z.B. ich selbst weigerten sich, sich mit
israelischen Offiziellen zu treffen. Seine Behauptungen wurden in der JP vor
zwei Wochen wiederholt.
Wasser ist tatsächlich eines der
wenigen Themen, zu dem sich palästinensische und israelische Offizielle
regelmäßig treffen und zwar im Joined Water Komitee (JWK), obgleich Israels
Gebrauch des JWC im wesentlichen im Veto besteht und im Verzögern von
palästinensischen Wasserprojekten. Da ist ein Kommentar überflüssig. Israel ist
an Herrschaft interessiert, nicht an Zusammenarbeit.
Tatsächlich hat Israel in der
Woche, in der Erdan zur Zusammenarbeit aufrief, 8 palästinensische Wasserquellen
im Dorf Kufr Dan zerstört und damit die ganze Bevölkerung gefährdet, die von
Landwirtschaft als ihrer hauptsächlichen Einnahmequelle abhängt.
Erdans Unterstützung für illegale
Siedlungen auf besetzten palästinensischem Land wirft ein Licht auf die Hohlheit
seines Aufrufs zur Zusammenarbeit. Dies schließt seine Teilnahme bei der
Einweihung einer neuen Siedlung in Ost-Jerusalem ein, weshalb ich mich weigerte,
ihn zu treffen.
Die Ironie von Erdans
Anschuldigungen ist natürlich das Versöhnungsabkommen zwischen der Fatah und der
Hamas.
Um den wahren Grund hinter der
Wasserkrise zu verstehen, denen sich die Palästinenser gegenüber sehen, muss man
auf die Menge der diskriminierenden Wasserpolitik und Praxis schauen, die Israel
in den besetzten palästinensischen Gebieten ausübt, die das rechtliche Prinzip
von gerechter und fairer Verteilung von gemeinsamen Wasserquellen ausübt.
Die Statistik sprich für sich
selbst. Israel nützt 90% unserer gemeinsamen Wasserressourcen in den besetzten
Gebieten und teilt den Palästinensern nur 10 % zu. Als Folge davon konsumieren
etwa 9000 Siedler im Jordantal nahezu ein Drittel der ganzen Wassermenge, die
Israel für alle 2,5 Mill. Palästinenser, die in der Westbank leben, zur
Verfügung stellt. (s. auch den letzten Bericht von B’tselem „Ausbeutung und
Enteignung: israelische Politik im Jordantal und nördlich des Toten Meeres“)
Während die Israelis im
Durchschnitt 280 Liter Wasser pro Kopf und Tag verbrauchen
Dürfen Palästinenser im
Durchschnitt nur gerade 60 Liter verbrauchen. Einige palästinensische Gemeinden
sind gezwungen, mit einem täglichen Durchschnitt von nur 10-15 Litern pro Kopf
auszukommen – weit unter dem empfohlenen Standard der Weltgesundheitsbehörde
von 100 Litern. Wie von der Weltbank verdeutlicht wird, verbrauchen Israelis
viermal so viel Wasser als Palästinenser allein für den Hausverbrauch.
Alle diese Statistiken weisen auf
dasselbe Phänomen: die Palästinenser haben viel weniger Wasser , nicht weil ihr
Lebensstil anders ist, nicht weil wir uns weigern, uns mit israelischen
Offiziellen zu treffen und nicht weil die Klimaveränderung unsere natürlichen
Wasserressourcen ausgetrocknet haben. Es ist, weil die sich folgenden
israelischen Regierungen künstliche Wasserknappheit in allen besetzten
palästinensischen Gebieten konstruiert haben, und das Wasser, das rechtmäßig
unseres wäre, gestohlen haben. Man hatte die palästinensische Behörde daran
gehindert, wesentliche Wasserinfrastruktur zu entwickeln und die geringe
Infrastruktur, die wir haben, wie Wasserquellen, Regenwasserzisternen und
Abwässeraufbereitungsanlagen wurden zerstört. Solange diese Politik nicht
verändert wird, wird das Wasserproblem nicht zu lösen sein.
Der Trend der Weltmeinung wendet
sich, da immer mehr Menschen erkennen, dass Aussichten auf eine
Zwei-Staatenlösung schnell dahinschwinden. Stattdessen zerteilen Siedlungen (das
Land) und schaffen eine sehr verschieden Zukunft für beide, für die
Palästinenser und die Israelis.
Als Erdan durch die besetzte
Westbank tourte und für noch mehr Siedlungen trommelte, erkennt man schnell,
dass das, was er befürwortet, nicht zwei Staaten sind, die Seite an Seite
friedlich und in Sicherheit leben. Ohne Land und Wasser kann es keinen
lebensfähigen palästinensischen Staat geben. Stattdessen werden die
Palästinenser sich weiter großer Wasserknappheit gegenübersehen und anderen
Formen institutionalisierter Diskriminierung als Folge der illegalen Politik,
die Erdan mit großer Mühe zu verbergen versucht.
Der Autor ist Chef der
palästinensischen Wasserbehörde. (dt. Ellen
Rohlfs)
http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=47256
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