Bei dem israelischen Versuch ein palästinensisches Haus
in Rafah zu zerstören, wurde Rachel Corrie, eine amerikanische Friedensaktivistin
der Organisation "International Solidarity Movement " am
16.3.2003 von einem Bulldozer
der israelischen Besatzungsarmee IOF erfasst und getötet.
.... Rachel
war als Mitglied des International Solidarity Movement ein Teil der internationalen Zivilgesellschaft wie wir alle. Durch ihr Handeln
bekannte sie sich zu ihrer Verantwortung für die inhärente Würde und die gleichen
Rechte aller Menschen, damit auch das Recht auf eine Nationalität. Gewaltlos
stellte sie sich der Gewalt entgegen, die die Besatzung den Palästinensern
.... antut.
Quelle
Das schreckliche Geschehen
Die folgenden Fotos und Texte, zeigen den
Ablauf ihrer Tötung Quelle
Rachel Corrie stellt den Bulldozerfahrer
zur Rede
(Foto: ISM)
Hier wird deutlich, dass
Rachel markierte Kleidung trägt, sie hält ein Megaphon u. spricht mit
dem Bulldozerfahrer, der gerade dabei ist, ein palästinensisches Haus
niederzureißen. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)
Friedensaktivisten kümmern
sich um Rachel, nachdem sie durch den Bulldozer verletzt wurde. Rafah,
okkupiertes Gaza, am 16. März 2003.
Man sieht, wie Rachel
Corrie, tödlich verletzt durch den israelischen Bulldozer, am Boden
liegt. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)
Rachel im Najjar-Hospital
in Rafah, Okkupiertes Gaza. Die israelische Tageszeitung 'Ha'aretz'
berichtet, laut Dr. Ali Mussa, Arzt des Hospitals, war Rachel Corries
Tod Folge "von Brüchen im Kopf- und Brustbereich" (Mohammad Al-Moghair)
Rachels Kameraden trösten
einander im Hospital von Najjar, Rafah, Okkupiertes Gaza. Laut 'Ha'aretz'
wurde noch ein zweiter Aktivist - an gleicher Stelle - verletzt (Mohammad
Al-Moghair).
Ein späterer Bericht
des ISM-Medienkoordinators Michael Shaikh / Beit Sahour gibt Aufschluss
über weitere Details der Geschehnisse
"Die Konfrontation zwischen den ISM-Leuten
u. der Israelischen Armee hatte bereits 2 Stunden gedauert, als Rachel
überfahren wurde. Rachel u. die übrigen Aktivisten hatten sich klar
als unbewaffnete internationale Friedensaktivisten zu erkennen gegeben
- während der gesamten Konfrontation. Derzeit versucht die Israelische
Armee, Rachel lächerlich zu machen u. behauptet, sie sei vor den Bulldozer
gerannt u. durch einen Unfall ums Leben gekommen. Augenzeugen des Mordes
widersprechen dieser Version kategorisch. Vielmehr war es so, dass Rachel
dem Bulldozer im Weg saß. Er kam auf sie zugefahren. Als sie sah, dass
der Bulldozer offensichtlich weder halten noch ausweichen werde, stieg
sie auf einen Haufen Erde u. Trümmer, um dem Fahrer direkt in die Augen
zu sehen, aber der fuhr dennoch weiter. Sie trug eine fluoreszendierende
Jacke. Der Bulldozer fuhr weiter, sodass sie unter den Erdhaufen gezogen
wurde (auf dem sie zuvor gestanden hatte). Nachdem sie darunter verschwunden
war, fuhr der Fahrer einfach weiter, bis der Bulldozer auf ihr stand.
Der Fahrer hob die Bulldozer-Schaufel nicht an, sodass Rachel von ihr
erdrückt wurde. Schließlich fuhr der Bulldozer zurück. Die 7 andern
ISM-Aktivisten, die an der Aktion beteiligt waren, rannten sofort hin,
um Rachels Körper aus der Erde zu graben. Eine Ambulanz brachte sie
ins Al-Najjar-Hospital, wo sie starb".
Medienmitteilung ISM
Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56
Am Sonntag, 16. März
um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager Rachel Corey, Aktivistin
des International Solidarity Movements ISM, durch einen Bulldozer der
israelischen Besatzungsarmee IOF getötet. Sie versuchte mit anderen
AktivistInnen, die illegalen Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.
Rachel Corey, 23-jaehrige
Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag von einem IOF-Bulldozer
getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam im Flüchtlingslager Rafah
zerstören wollte. Rachel verhandelte zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer,
blieb aber erfolglos. Der Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich
beim späteren Opfer um eine internationale Menschenrechtsaktivistin
handelte. Da der Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt
auf die amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer
fuhr schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss
Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen Schädel-
und Knochenbrüchen.
Dies ist nicht der erste
direkte und absichtliche Angriff israelischer Besatzungssoldaten auf
internationale AktivistInnen. Rachel Corey ist jedoch das erste Todesopfer
aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für die AktivistInnen vor Ort ein Schock,
ISMs fortdauernder Widerstand gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen
der israelischen Regierung und der IOF steht deswegen nicht in Frage.
Die israelische Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten
Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr
davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar
– wie heute – zu ermorden.
Seit Ausbruch der 2.
Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320 PalästinenserInnen
durch die Repression der israelischen Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen
wurden bislang mehr als 600 Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe
der Grenze zu Ägypten, von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer
Konvention eindeutig verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig
zwei schweizer Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen
Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.
ISM ist eine palaestinensisch-internationale
Bewegung, deren Ziel es mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen
Zivilbevölkerung unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen
die alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl
gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer
Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt" behandelt
werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit Jahren nicht
ernsthaft mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung befasst
und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller Welt übernehmen seit
längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute ihr Engagement gegen
die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit ihrem Leben bezahlt.
Nablus, Occupied Palestine, 16/03/03
Offizielle
Verlautbarung der Israelischen Botschaft in Deutschland
(Newsletter der Israelischen Botschaft in
Berlin Montag, 17. März 2003):
DEMONSTRANTIN BEI
MILITÄRMASSNAHME IN RAFAH GETÖTET
Bei einer israelischen Militäraktion an der israelisch-ägyptischen Grenze
bei Rafah ist am Sonntag die Demonstrantin Rachel Corrie verletzt worden.
Die Amerikanerin erlag später ihren Verletzungen in einem Krankenhaus:
“Bei einer israelischen Militärmaßnahme,
in deren Verlauf Sprengsätze entdeckt und beseitigt wurden, hat die
israelische Armee am Sonntag Gestrüpp an der israelisch-ägyptischen
Grenze nahe Rafah beseitigt. Die Maßnahme erfolgte im Rahmen eines Einsatzes
in einem Gebiet, das gemäß des Oslo-Abkommens unter der vollen zivilrechtlichen
und sicherheitstechnischen Kontrolle Israels steht. Während der Militärmaßnahme
betraten Dutzende von Demonstranten das Sperrgebiet, um den Einsatz
zu stören.
Um eine Konfrontation mit
den Demonstranten zu verhindern, zogen sich die Einsatzkräfte zunächst
zurück, um den Einsatz später fortzusetzen. Daraufhin setzten die Demonstranten
ihren Konfrontationskurs fort und näherten sich den Einsatzwagen erneut.
Dabei wurden die Demonstranten wiederholt aufgerufen, sich aus dem Sperrgebiet
zurückzuziehen. Nach vorläufigen Untersuchungen ergriff im weiteren
Verlauf ein gepanzerter Militär-Bulldozer, der vor Ort tätig war, eine
Demonstrantin, die sich dem Gebiet trotz der Warnungen genähert hatte.
Es ist zu erwähnen, dass das gepanzerte Fahrzeug nur über ein beschränktes
Sichtvermögen und kleine gepanzerte Gucklöcher verfügt und der Fahrer
die Frau aus diesem Grund auf ihrer Stellung nicht sehen konnte. Die
israelische Armee kündigte an, in dem Fall zu ermitteln und drückt ihr
Bedauern über den Unfall aus.“ (Mitteilung eines Armeesprechers).
The Israeli Army erased
the landmarks where the American activist Rachel Corrie was killed
last year by demolishing the house which she was protecting and
separating the eyewitnesses on that murder..
A new step, carried out by
the cruel Israeli occupation when they demolished Samer Nasrallah's
house, the house in front of which Rachel Corrie was killed while
she was protecting it from demolishment last year..
They also demolished other
farm areas that were planted with olive and orange trees belonging
to an old man named Awad Al Saher.
A large number of children
demonstrated to mark the anniversary of Rachel's death. O ther
children participated with other UNRWA school children by acting and
by decorating a view of Israeli bulldozers and imitating how Rachel
was killed..
Every day Rafah children
plant more trees as more Israeli bulldozers demolish olive and
orange trees. This project has began few months ago when we planted
olive trees in Rachel's Corrie honor through PCWF
www.pcwf.org -
Quelle
..... Rachel war nicht die Erste, die im Zusammenhang mit Israels
grausamer Politik der Häuserzerstörungen umgekommen ist. Vor
weniger als zwei Wochen wurden, ebenfalls in Gaza, Nuha Makadma
Sweidan und ihr ungeborenens Kind getötet, als israelische Soldaten
ihr Haus "aus Versehen" zerstörten; sie hatten eigentlich nur das
Wohnhaus nebenan in die Luft jagen wollen. Wenige Wochen zuvor
starben eine ältere Frau und ein behinderter Mann unter den Trümmern
ihrer Häuser in Gaza, als Soldaten sie schlicht "übersahen". Das
waren nicht einfach Unfälle. Es ist gängige israelische Praxis,
Häuser so überstürzt abzureißen, dass noch die gesamte Habe der
Bewohner darin ist und in der Eile keine Zeit für prosaische
Sicherheitsvorkehrungen bleibt.....
Quelle
Rafah:
ISM-Aktivistin von Bulldozer getötet
Medienmitteilung ISM Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56
Am
Sonntag, 16. März um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager
Rachel Corey, Aktivistin des International Solidarity Movements ISM,
durch einen Bulldozer der israelischen Besatzungsarmee IOF getötet.
Sie versuchte mit anderen AktivistInnen, die illegalen
Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.
Rachel
Corey, 23-jaehrige Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag
von einem IOF-Bulldozer getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam
im Flüchtlingslager Rafah zerstören wollte. Rachel verhandelte
zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer, blieb aber erfolglos. Der
Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich beim späteren Opfer um
eine internationale Menschenrechtsaktivistin handelte. Da der
Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt auf die
amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer fuhr
schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss
Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen
Schädel- und Knochenbrüchen.
Dies
ist nicht der erste direkte und absichtliche Angriff israelischer
Besatzungssoldaten auf internationale AktivistInnen. Rachel Corey
ist jedoch das erste Todesopfer aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für
die AktivistInnen vor Ort ein Schock, ISMs fortdauernder Widerstand
gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen der israelischen Regierung
und der IOF steht deswegen nicht in Frage. Die israelische
Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten
Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr
davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar
– wie heute – zu ermorden.
Seit
Ausbruch der 2. Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320
PalästinenserInnen durch die Repression der israelischen
Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen wurden bislang mehr als 600
Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe der Grenze zu Ägypten,
von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer Konvention eindeutig
verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig zwei schweizer
Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen
Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.
ISM ist
eine palaestinensisch-internationale Bewegung, deren Ziel es
mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen Zivilbevölkerung
unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen die
alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl
gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer
Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt"
behandelt werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit
Jahren nicht ernsthaft mit der Situation der palästinensischen
Bevölkerung befasst und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller
Welt übernehmen seit längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute
ihr Engagement gegen die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit
ihrem Leben bezahlt.
Das
International Solidarity Movement (ISM)
ist von dem Kanadischen Parlamentsabgeordneten Svend J. Robinson am
2. Mai für den Friedesnobelpreis 2004 vorgeschlagen worden, wie
jetzt ein Mitarbeiter Robinsons, Jake Wilson, Freace gegenüber
bestätigte.
In dem Nominierungsbrief schreibt er: "Der Beitrag des ISM für den
Frieden im Mittleren Osten, bei der Verteidigung von Menschenrechten
und beim Schutz internationaler Gesetze ist beispiellos. Die
selbstlosen Bemühungen der organisation, den Frieden zu fördern und
das Leben unschuldiger Zivilisten im israelisch-palästinensischen
Konflikt zu schützen verdienen eindeutig internationale
Anerkennung."
Trotz der Nominierung der Organisation hebt Robinson in dem
Schreiben die Leistungen und Schicksale dreier Mitarbeiter des ISM
besonders hervor. Das von Rachel Corrie, die von einem israelischen
Bulldozer getötet wurde, als sie das Haus einer palästinensischen
Familie vor der Zerstörung schützen wollte, das von Tom Hurndall,
der von einem israelischen Scharfschützen angeschossen wurde und
seitdem im Koma liegt und das von Brian Avery, dem ebenfalls von
einem Israeli ins Gesicht geschossen worden ist.
Das Schreiben schließt mit den Worten "Ein Friedensnobelpreis für
das ISM wäre die passende Anerkennung für die Tapferkeit und die
Prinzipientreue, die von den Mitgliedern dieser Organisation und
insbesondere von diesen drei Menschen gezeigt werden.
Quelle
Rachel Corrie
wuchs in Olympia/Washington auf. Ich
sah sie zum erstenmal, als sie Schülerin im Wahlfachprogramm der Lincoln-Schule
war - 1989. In den letzten beiden Jahren haben wir viel miteinander
geredet. Rachel war sanft und engagiert. Unterdrückung, egal wo, machte
sie rasend. Sie war aktiv in der Bewegung für soziale Gerechtigkeit
und Frieden. Rachel war sehr bescheiden und verantwortungsbewusst. Sie
war die Seele der 'Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit' hier in Olympia.
Zur Gruppe war Rachel über ihre Studien ('Local Knowledge'-Programm
bei Anne Fischel u. Lin Nelson) gekommen. Rachel engagierte sich sehr
aktiv gegen den US-"Krieg gegen den Terror" u. gegen US-Militarismus.
Ich erinnere mich an ein Projekt, in dem sie mit Leib und Seele aufging:
die Aktion in Percival Landing zum Jahrestag der Anschläge - am 11.
September 2002. Dabei ging es gegen den Krieg in Afghanistan und die
Repression im eigenen Land. Auch viele Grundschul-Kinder waren damals,
dank Rachels Engagement, beteiligt. Heute (Sonntag, den 16. März um
19 Uhr) werden wir auf Percival Landing eine Gedenkwache abhalten. Wir
halten sie einerseits im Angesicht des drohenden Irak-Kriegs und andererseits
aus Trauer u. Hochachtung für Rachel. Beide Anliegen passen gut zusammen,
finden wir.
Rachel war eine sehr rationale junge Frau. Sie dachte viel über Strategien
nach - wie kann man die verschiedenen Gerechtigkeits-Organisationen
vernetzen - zum Beispiel die Arbeiterbewegung mit der Friedensbewegung?
Rachel arbeitete als Freiwillige am 'Evergreen Labor Center', organsierte
dort maßgeblich eine Konferenz zum Thema 'Networking' u. 'Strategien
für Frieden und Gerechtigkeit'. Das war im Frühjahr 2002. Und immer
war ihr wichtig, die Gemeinde Olympia miteinzubeziehen: Menschen, die
nicht viel wussten über 'Evergreen' oder die Antikriegs-Bewegung oder
über unsere Gruppen zum Thema Ökonomie oder 'Soziale-Gerechtigkeit'.
Neben ihrem Studium arbeitete Rachel in einer lokalen Einrichtung für
Psychischkranke (BHR).
Gerechtigkeit für das palästinensische Volk - eines von vielen Themen,
für die Rachels Herz schlug. Sie war eine entschiedene Gegnerin der
israelischen Okkupation. Fühlen war für Rachel gleichbedeutend mit handeln.
Sie hatte in 'Evergreen' Arabisch studiert. Also beschloss sie über
den Winter ins okkupierte Palästina, nach Gaza, zu reisen. Ihre Motivation
unter anderem: Es könnte sehr wichtig sein, dass internationale Beobachter
dort sind. Rachel hatte erkannt, falls die USA den Irak angreifen, bombardieren,
besetzen, nimmt die israelische Aggression vermutlich noch weiter zu.
Dass es gefährlich sein würde in Gaza, war Rachel voll bewußt. Um den
20. Januar ist Rachel von hier, von Olympia, abgereist. Sie reiste zunächst
in die Westbank, dann nach Gaza. Dort beteiligte sie sich mit Leib und
Seele an Menschenrechts-Aktionen u. praktizierte Solidarität mit dem
palästinensischen Volk. Zum Frühjahr wollte sie wiederkommen, zurück
ans 'Evergreen'. Rachel Corrie wird nie mehr wiederkommen. Nehmen wir
uns also einen Moment Zeit und überlegen uns, was wir in ihrem Namen,
als ihr Vermächtnis, tun können für ein wenig mehr Frieden, Gerechtigkeit
u. Gleichheit, nicht nur im Nahen Osten sondern überall auf der Welt,
auch in den USA. PETER BOHMER
Quelle
Auszüge aus einer Mail
von Rachel am 7. Februar 2003
Ich bin jetzt 14 Tage und eine Stunde in Palästina und ich habe noch
immer wenig Worte, um das zu beschreiben, was ich sehe. Es ist sehr
schwierig für mich, darüber nachzudenken, was hier abläuft, wenn ich
einen Brief in die USA schreibe.... Ich weiß nicht, ob viele Kinder
hier jemals ohne Raketen-Löcher in den Wänden ihrer Wohnungen gelebt
haben und ohne Türme einer Besatzungsarmee, die sie ständig aus nächster
Nähe beobachtet. Ich denke, bin mir aber nicht ganz sicher, dass selbst
die kleinsten Kinder begreifen, dass das Leben nicht überall so ist.
Vor zwei Tagen wurde ein Achtjähriger von einem israelischen Panzer
angeschossen und getötet und viele flüstern mir gegenüber seinen Namen
"Ali" oder zeigen auf das Poster von ihm an den Wänden. Die Kinder lassen
mich auch gern meine sehr begrenzten arabischen Sprachkenntnisse ausprobieren
und fragen mich: "Kaif Sharon? Kaif Bush?" Und sie lachen, wenn ich
als Antwort sage: "Bush Majnoon!" "Sharon Majnoon!" (Wie ist Sharon?
Wie ist Bush?" "Bush ist verrückt!" "Sharon ist verrückt!" Natürlich
ist das nicht ganz, was ich glaube und einige der Erwachsenen, die englisch
können, korrigieren mich: "Bush mish Majnoon! Bush ist ein Geschäftsmann".
Heute versuchte ich auf arabisch zu sagen: "Bush ist ein Werkzeug"-
aber ich glaube, ich habe es nicht richtig übersetzt. Aber auf jeden
Fall gibt es hier Achtjährige, die mehr davon verstehen, wie globale
Machtstrukturen arbeiten, als ich vor wenigen Jahren, zumindest was
Israel betrifft. Trotzdem denke ich über die Tatsache nach, dass egal
wie viel man liest, auf Konferenzen hört, Dokumente studiert und mündlichen
Zeugen lauscht, mich nichts auf die Realität der Situation hier vorbereiten
konnte. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wenn Ihr es nicht selbst
seht - und selbst dann , ist man sich ständig bewusst, dass die eigene
Erfahrung ganz und gar nicht die Realität ist. Welche Schwierigkeiten
die israelische Armee wohl hätte, wenn sie auf einen unbewaffneten US-Bürger
geschossen hätte? Und die Tatsache, dass ich Geld habe, um Wasser zu
kaufen, wenn die Armee die Quellen zerstört und natürlich die Tatsache,
dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, das Land zu verlassen. Keiner
in meiner Familie wurde erschossen, keiner im Wagen fahrend von einer
Granate getroffen, die von einem der Türme am Ende einer Hauptstraße
in meiner Heimatstadt abgeschossen wurde. Ich habe ein Zuhause. Mir
ist es erlaubt, das Meer zu sehen. Noch ist es für mich sehr schwierig,
mir vorzustellen, dass man monate- oder jahrelang ohne Gerichtsverhandlung
gefangen gehalten werden kann (und dies nur weil ich eine weiße US-Bürgerin
bin im Gegensatz zu vielen anderen) Wenn ich zur Schule oder zur Arbeit
gehe, kann ich ziemlich sicher sein, dass es da keinen schwer bewaffneten
Soldaten gibt, der auf halben Weg von Mud Bay zur Innenstadt von Olympia
an einem Checkpoint auf mich wartet - mit der Entscheidungsgewalt, ob
ich meinem Beruf nachgehen kann und dann wieder nach Hause, wenn ich
fertig bin. Wenn ich mich bei der Ankunft dabei grob verletzt fühle
und kurz und nicht vollkommen in die Welt dieser Kinder eintrete, dann
frage ich mich, wie es sein würde, wenn sie in meine Welt eintauchen
würden.
Sie wissen, dass Kindern in den USA die Eltern gewöhnlicherweise nicht
erschossen werden, und sie wissen, dass die Kinder dort immer wieder
mal das Meer sehen können. Aber wenn du einmal das Meer gesehen hast
und an einem stillen Ort lebst, wo Wasser selbstverständlich ist und
nicht übernacht von Bulldozern gestohlen wird, und wenn du mal einen
Abend verbracht und dich nicht dabei gewundert hast, dass die Wand deines
Heimes nicht plötzlich nach innen fällt und dich vom Schlaf aufschreckt.
Und wenn du einmal auf Leute triffst, die niemals jemanden verloren
haben, und wenn du einmal die Erfahrung der Realität einer Welt gemacht
hast, die nicht umgeben ist von mörderischen Türmen, Panzern, von Waffen
strotzender"Siedlungen" und nun von einer riesigen Metallwand, dann
frage ich mich, ob du der Welt für all die Jahre deiner Kindheit vergeben
kannst, die du im Widerstand lebtest, nur lebtest, -- im Widerstand
lebtest gegen die ständige Strangulierung durch die militärisch viert
stärkste Macht der Welt., die auch noch von der einzigen Weltmacht unterstützt
wird - im Widerstand lebtest gegen den Versuch, dich und dein Haus auszulöschen.
Das ist es, was ich von diesen Kindern wissen will. Ich frage mich,
was würde geschehen, wenn ihnen das alles ganz bewusst wäre.
Übrigens - nach all den offenen Fragen und Gedanken - bin ich in Rafah,
einer Stadt von etwa 140 000 Bewohnern, von denen etwa 60 % Flüchtlinge
sind, viele zum zweiten oder dritten Mal Flüchtlinge. Rafa existierte
schon vor 1948, aber die meisten Leute hier sind selbst Flüchtlinge
oder Abkommen von solchen, die früher im historischen Palästina - jetzt
Israel lebten. Rafah wurde geteilt, als der Sinai an Ägypten zurückgegeben
wurde. Im Augenblick bauen die Israelis eine 14 m hohen Mauer zwischen
Rafah in Palästina und der Grenze und schaffen zwischen den Häusern
und der Grenze Niemandsland. 602 Häuser sind - nach dem Rafah-Flüchtlingskomiteee
- schon vollständig zerstört worden. Die Zahl der Häuser, die teilweise
zerstört wurden, ist viel größer. Als ich heute über die Schutthügel
lief, wo einmal Häuser standen, riefen mir ägyptische Soldaten von der
andern Seite zu: "Mach dass du wegkommst!" denn ein Panzer rollte heran.
Sie winkten mir dann noch zu und riefen "What's your name?" (Wie heißt
du?) Diese freundliche Neugierde hat etwas Beunruhigendes an sich. Es
erinnerte mich daran, dass wir bis zu einem gewissen Grad alle gegenüber
andern Kindern neugierige Kinder sind. Ägyptische "Kinder" rufen einer
Ausländerin zu, dass sie auf der Spur eines Panzers läuft. Palästinensische
Kinder werden beschossen, sobald sie neugierig um Mauerecken schauen,
um zu erfahren, was dort los ist. Internationale "Kinder" stehen mit
Postern vor den Panzern. Israelische "Kinder" in den Panzern schreien
gelegentlich - und manchmal winken sie sogar - viele sind gezwungenermaßen
hier - viele nur eben aggressiv und schießen in die Häuser, während
wir weggehen. Zusätzlich zu der ständigen Gegenwart der Panzer an der
Grenze entlang und im westlichen Gebiet zwischen Rafah und den (isr.)Siedlungen
an der Küste, gibt es so viele israelische Militär-Türme, dass ich sie
gar nicht mehr zählen kann, am Horizont entlang, am Ende jeder Straße.
Manche nur gerade aus militärgrünem Metall. Andere bestehen aus seltsamen
Wendeltreppen, von Netzwerk verhangen, damit man nicht sieht, was sich
dahinter abspielt. Einige sind versteckt zwischen Häusern und gerade
so hoch wie sie. Da entstand kürzlich ein neuer Turm - innerhalb der
kurzen Zeit, in der wir Wäsche wuschen und zweimal die Stadt durchquerten,
um Transparente aufzuhängen. Trotz der Tatsache, dass einige der Gebiete,
die der Grenze am nächsten liegen, zum ursprünglichen Rafah gehören,
dessen Familien seit wenigstens hundert Jahren auf ihrem Land leben,
sind nur die Lager von 1948 im Zentrum der Stadt nach dem Oslo-Abkommen
palästinensisch kontrollierte Gebiete. Aber so weit wie ich es sehen
kann, gibt es nur wenige oder gar keine Orte, die nicht innerhalb der
Sichtweite des einen oder andern Wachturms liegen. Ganz sicher gibt
es keinen Ort, der nicht von Apachen-Hubschraubern getroffen werden
kann oder von den Kameras der unsichtbaren Dronen, die wir stundenlang
über der Stadt summen hören. Ich habe Probleme damit, an Nachrichten
von der Außenwelt heranzukommen, aber ich höre dass eine Eskalation
im Irakkrieg unvermeidlich sei. Da macht man sich hier große Sorgen,
wegen einer "Wiederbesetzung des Gazastreifens". Aber Gaza ist schon
täglich in verschiedenem Ausmaße wiederbesetzt. Ich glaube, man hat
Angst davor, dass Panzer bald wieder in allen Straßen stehen und dort
bleiben, statt in einige Straßen zu rollen und sich nach einigen Stunden
oder Tagen wieder zurückzuziehen, nachdem sie beobachtet und vom Rand
der Gemeinden geschossen haben. Ich hoffe, die (verantwortlichen) Leute
fangen an, über die Folgen des Krieges für die ganze Region nachzudenken.
Ich hoffe, Ihr kommt hierher. Unsere Zahl an Internationalen schwankt
zwischen fünf und sechs. Die Stadtteile, die uns um unsere Gegenwart
gebeten haben, sind Yibna, Tel El Sultan, Hi Salam, Brazil, Block J,
Zorob und Block O. An einer Quelle in den Außenbezirken von Rafah sollte
jemand Tag und Nacht sein, nachdem die israelische Armee die beiden
größten Quellen von Rafah zerstört hat. Nach der zuständigen Wasserbehörde
hatten diese beiden Quellen Rafah mit der Hälfte der notwendigen Wassermenge
versorgt. Viele Gemeinden baten die Internationalen Helfer, nachts anwesend
zu sein, um Häuser vor Zerstörung zu schützen. Nach zehn Uhr ist es
sehr schwierig, sich zu bewegen, weil die Armee jeden, der sich auf
der Straße befindet, als Widerständler ansieht und auf ihn schießt.
Wir sind einfach viel zu wenige.
Ich denke noch weiter daran, dass meine Stadt Olympia, eine Menge gewinnen
und anbieten könnte, wenn sie sich entscheiden könnte, mit Rafah eine
Partnerschaft einzugehen. Einige Lehrer und Kindergruppen haben schon
ihr Interesse an einem E-mail-Briefwechsel gezeigt. Aber das wäre nur
die Spitze eines Eisberges an Solidaritätsarbeit, die getan werden könnte.
Viele Leute wollen gehört werden, und ich denke, wir sollten einige
unserer Privilegien als Internationale (Helfer) nützen, dass diese Stimmen
direkt in den USA gehört werden, nicht nur durch das Filter wohlmeinender
Internationaler (Helferinnen), wie ich es bin. Ich stehe am Anfang eines
Lernprozesses, der mir meine sehr intensive Bevormundung zeigt und die
Fähigkeit von Menschen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu organisieren
und all diesen Widrigkeiten zu widerstehen.
Quelle
16.3.2013
Rachel
Corrie, elf Jahre alt, fleht die Welt um
Hilfe an!!
"Ich bin für die anderen Kinder hier.
Ich bin hier, weil ich mir Sorgen mache.
Ich bin hier weil Kinder überall leiden
und weil 40.000 Menschen jeden Tag an
Hunger sterben. Ich bin hier, weil diese
Menschen hauptsächlich Kinder sind. Wir
müssen verstehen, das die
Hilfsbedürftigen überall um uns herum
sind und wir ignorieren sie. Mein Traum
ist es die 40.000 Menschen zu retten,
die jeden Tag sterben. Mein Traum kann
und wird wahr werden.
Wenn wir alle gemeinsam in die Zukunft
schauen und das Licht sehen, das da
scheint."
Racheel Corrier appelierte an die Welt
Gemeinschaft als sie elf Jahre alt war.
Sie machte ihren Appell wahr, in dem sie
mit 21 Jahren nach Palästina ging, um
den dort bedrängten Menschen zu helfen.
Sie teilte gemeinsam mit den Armen und
Verfolgten Palästinensern Tisch und
Bett. Half ihnen bei der Feldarbeit.
Baute gemeinsam mit ihnen deren Häuser
auf. Sie stellte sich schützend vor den
Bulldozer der israelischen Armee, die
die Häuser der Palästinenser
niederreißen sollten, um Platz zu
schaffen für die illegalen Siedlungen.
Am 16 März 2003 geschah das Unfassbare!
Racheel Corrier wurde von einem
israelischen Bulldozer überfahren als
sie sich wieder einmal schützend vor
einem Haus der Palästinenser stellte um
die Zerstörung dessen Hauses zu
verhindern.
Der Baggerfahrer überschüttete Racheel
mit Sand um sie danach mehrmals zu
überrollen. Racheel Corrier eine
amerikanisch-jüdische Studentin
wurde mit 23 Jahren von der israelischen
Armee feige ermordet
Sie wollte Frieden stiften zwischen
Juden und Palästinensern, sie wollte ein
Zeichen setzten und büßte dafür mit dem
Tod. Wir gedenken ihr in Ehrfurcht. Möge
ihr Einsatz für den Frieden im Nahen
Osten ein Beisbil für viele Nachahmer
sein. Möge ihr Traum in Erfüllung
gehen. Die Hoffnung stirbt zu letzt! -
Klaus Franke
16.3.2013
Wir
werden Dich nicht vergessen
Rachel Corrie
Geboren: 10. April
1979, Olympia - Gestorben:
16. März 2003, Rafah
Rachel Corries
letzte E-mail an ihre Mutter,
28. Februar 2013 -
Am 16. März
2003 wurde die 23-järige
Amerikanerin Rachel Corrie
beim Versuch, das Haus einer
palästinensischen Familie
vor der Zerstörung zu schützen,
von einem israelischen Bulldozer
überfahren und getötet.
Sie war als Mitglied der
Internationalen Solidaritätsbewegung
in den Gazastreifen gekommen,
um gegen die Menschenrechtsverletzungen
der israelischen Armee zu
protestieren. Eine Untersuchungen
der israelischen Armee kam
zum Schluss, dass weder
der Fahrer noch seine Vorgesetzten
in der Armee am Tod von
Rachel Corrie schuldig waren.
Daraufhin reichten ihre
Eltern reichten im März
2010 Zivilklage gegen den
Staat Israel und das Verteidigungsministerium
an. Im August 2012 wies
ein Richter in Haifa die
Klage zurück und urteilte,
dass Rachel Corries Tod
ein Unfall war. Die Eltern
kündigten Berufung an.
Danke, Mutti,
für Deine Antwort auf meine
E-Mail. Es hilft mir wirklich,
wenn ich von Dir höre und
von anderen Leuten, denen
ich etwas bedeute.
Nachdem ich
Dir geschrieben hatte, verbrachte
ich etwa 10 Stunden incommunicado
von meiner Verbindungsgruppe
bei einer Familie an der
vordersten Front in Hi Salam
– sie luden mich zum Essen
ein- und haben Kabelfernsehen.
Die zwei vorderen Zimmer
des Hauses können nicht
benutzt werden, weil Gewehrschüsse
durch die Mauer gefeuert
wurden, deshalb schläft
die ganze Familie – drei
Kinder und zwei Eltern-
im Schlafzimmer der Eltern.
Ich schlafe auf dem Boden
neben der jüngsten Tochter,
Iman, und wir alle teilen
uns die Decken.
Ich half
dem Sohn ein bisschen mit
seinen Englischhausaufgaben,
und wir sahen uns ‚Pet Semetery‘
an, was ein schrecklicher
Film ist. Ich glaube, sie
fanden es ziemlich lustig,
dass ich solche Schwierigkeiten
hatte, den Film zu sehen.
Freitag ist
der Feiertag und als ich
aufwachte, sahen sie sich
„Gummy Bears“ auf Arabisch
an. Also frühstückte ich
mit ihnen zusammen und sass
eine Weile und genoss einfach
das Dasein in diesem grossen
See von Decken mit dieser
Familie, die sich Samstagmorgen
Comics ansahen, wie mir
schien.Dann lief ich eine
kurze Strecke nach B’razil,
wo Nidal und Mansu und Grossmutter
und Rafat und der ganze
Rest der grossen Familie
leben, die mich aus ganzem
Herzen adoptiert haben.
(Übrigens hat mir vor einigen
Tagen die Grossmutter eine
pantomimische Standpauke
auf Arabisch erteilt, die
zum grossen Teil aus Pusten
bestand, und auf Deuten
auf ihren schwarzen Schal.
Ich teilte ihr durch Nidal
mit, dass meine Mutter sich
über die Nachricht freuen
würde, dass jemand mir eine
Rede hier über das Rauchen
hält, das meine Lungen schwärzt.)
Ich traf ihre Schwiegertochter,
die auf Besuch vom Flüchtlingslager
Nusserat war, und spielte
mit ihrem Baby.
Nidals Englisch
wird jeden Tag besser. Er
nennt mich „Meine Schwester“.
Er hat angefangen, seiner
Grossmutter beizubringen,
wie man auf Englisch sagt:“Hallo.
Wie geht es Dir?“ Man kann
zu jeder Zeit die Panzer
und Bulldozer vorbeifahren
hören, aber alle hier gehen
wirklich herzlich miteinander
um, und mit mir.
Wenn ich
mit palästinensischen Freunden
zusammen bin, bin ich nicht
so entsetzt als wenn ich
versuche, in der Rolle des
Menschenrechtsbeobachters
zu dokumentieren oder in
direkter Aktion Widerstand
zu leisten. Sie sind ein
gutes Beispiel, wie man
auf die Dauer aushalten
kann. Ich weiss, dass die
Situation sie auf verschiedenen
Ebenen beeinflusst – und
sie letztendlich wirklich
bedrückt-, aber ich bin
trotzdem erstaunt über ihre
Stärke, mit der sie ihre
Menschlichkeit zu einem
grossen Grad– Lachen, Grosszügigkeit,
Zeit für die Familie- gegen
den unglaublichen Horror
bewahren können , der sich
in ihrem Leben ereignet,
und gegen die konstante
Gegenwart des Todes.
Nach dem
heutigen Morgen fühlte ich
mich viel besser. Ich habe
sehr viel Zeit mit dem Schreiben
über die enttäuschende Entdeckung,
aus erster Hand zumeist,
verbracht, zu welchem Übel
wir immer noch fähig sind.
Ich muss zusätzlich beschreiben,
dass ich auch einen Grad
der Stärke und die grundlegende
Fähigkeit von Menchen entdecke,
in den schwierigsten Umständen
menschlich zu bleiben –
was ich ebenfalss zuvor
nicht gesehen habe. Ich
glaube, das Wort dafür ist
Würde.
Ich wünschte,
Du könntest diese Menschen
treffen. Vielleicht, hoffentlich,
wirst du sie eines Tages
treffen.
Die Tötung
von Rachel Corrie
-
Tom Dale schrieb am 18.
März 2003: Viele von euch
werden verschiedene Berichte
über den Tod von Rachel
Corrie gehört haben, vielleicht
haben manche nichts davon
gehört. Nicht wichtig, ich
war 10 Meter entfernt, als
es sich vor zwei Tagen ereignete,
und so geschah es.
Wir hatten
die zwei Bulldozer zwei
Stunden lang beobachtet
und manchmal blockiert,
als einer [der Bulldozer]in
Richtung eines Hauses fuhr,
das - wie wir wussten- von
der Demolierung bedroht
war. Rachel ging vor ihm
auf die Knie. Sie war 10-20
Meter vor dem Bulldozer,
klar zu sehen, das einzige
Objekt auf viele Meter,
in direkter Sicht. Sie standen
im Funkkontakt mit einem
Panzer, von dem man die
Situation im Profil sehen
konnte. Es ist nicht möglich,
dass sie sie nicht von ihrem
erhöhten Führerhaus sehen
konnten. Sie wussten, wo
sie war, ohne Zweifel.
Der Bulldozer
fuhr langsam auf Rachel
zu, und sammelte beim Fahren
Erde in der Schaufel an.
Sie kniete dort, sie rührte
sich nicht. Der Bulldozer
erreichte sie, und sie stand
auf und kletterte auf den
Erdhaufen. Es sah aus, als
würde sie ins Cockpit sehen.
Der Bulldozer schobRachel
weiterhin, so dass sie den
Erdhaufen hinunterrutschte,
wobei sie sich umdrehte.
Ihr Gesicht zeigte, dass
sie in Panik geriet und
es war klar, dass sie in
Gefahr war, überwältigt
zu werden.
Alle Aktivisten
schrien dem Bulldozer zu,
dass er anhalten müsse und
zeigten der Mannschaft durch
Gesten, dass Rachel sich
dort befand. Wir waren deutlich
zu sehen, wie Rachel zuvor.
Sie machten weiter. Sie
drückten Rachel zuerst unter
den Erdwall, dann unter
die Schaufel, dann fuhren
sie weiter, bis ihr Körper
unter dem Cockpit war. Sie
warteten einige Sekunden
über ihr, bevor sie rückwärts
fuhren. Sie fuhren zurück,
mit der Schaufel heruntergedrückt,
so dass sie ein zweites
Mal über ihren Körper presste.
Ich dachte jeden Moment,
dass sie stoppen würden,
aber das taten sie nicht.
Ich rannte
auf der Suche nach einem
Krankenwagen; sie rang nach
Atem und ihr Gesicht war
blutig von einer Wunde,
die zwischen Lippen und
Wange klaffte. Sie zeigte
Anzeichen einer Gehirnblutung.
Sie starb einige Minuten
später in der Ambulanz an
massiven internen Verletzungen.
Sie war ein brillianter,
intelligenter und erstaunlicher
Mensch, äusserst tapfer
und engagiert. Sie ist von
uns gegangen und ich kann
es nicht glauben.
Die Gruppe
hier in Rafah hat beschlossen,
dass wir hier bleiben und
weiterhin, so weit wir können,
gegen die Menschenrechtsverletzungen
kämpfen.
Ich will
noch hinzufügen, dass nach
Rachel 10 Palästinenser
im Gazastreifen starben.
Peace Under
Fire. Israel/Palestine and
the International Solidarity
Movement, 2004, S. 235-236
(Übersetzung: Martina Lauer)