o
oo

 

Palästina Portal
 


Israelische jüdische Stimmen
Reuven Moskovitz

 
Nach oben
Internationaler Frauentag – 8. März 2017
Brief im Oktober 2016
Reuven Moskovitz - 12. 3. 2016
Brief am Tag des Holocausts 2013
Jahresbrief 2013
Jahresbrief 2011
Karfreitagsgruß 2011
Jahresbrief September 2010
Jahresbrief 2010
Karfreitag 2009 von Reuven Moskovitz
Reuven Moskovitz - Jahresbrief 2008
Osterbrief 2008
Jahresbrief 2007
Jahresbrief 2006
April 2005 - Wahrheit + Hoffnung
Jahresbrief 2005
Brief vom 19.2.05
Ostern 2004 - Ein Brief aus Jerusalem
Israel will keinen Frieden
Juden und Deutsche 2 – Symbiose!
Juden und Deutsche – Symbiose!
Brief Abgeordnete Bundestag - Mai 2008
Aufruf an die Deutschen - 29.10.07
Kette von Brandstiftungen in Israel/Palästina
Daniel Barenboim + sein Orchester
Scharon heizt den Terror an
Ein Friedensabenteurer
Holocaust im  Dienst der Gewalt  des Todes
"Auschwitzkult" + "Erinnerungskult"
Stimme deutlicher hören zu lassen
Verhängnisvolle Fussion
Siedler machen das Leben zur Hölle
Deutscher Emil Zola gewünscht.
Reuven Moskovitz im November 04

 

 

 

Reuven Moskovitz

„Ein Held ist, wer seinen Feind zum Freund macht“ - Dr Reuven Moskovitz fühlt sich dieser jüdischen Weisheit verpflichtet.
 

Dezember 2003

Der Holocaust im  Dienst der Gewalt und des Todes

....... Nach dem zweiten Weltkrieg war ein Teil der Welt erschüttert über die Folgen des bestialischen National-Sozialismus. Angesichts der einmalig schrecklichen Situation herrschte ein fast einheitlicher Aufschrei: "NIE WIEDER"! Es darf der Menschheit nie wieder Ähnliches passieren. Wesentlich anders war die Schlussfolgerung der führenden israelischen Politiker. "Es darf uns Juden nie wieder passieren. Damit es nie wieder passiert, müssen sich alle Juden in einem jüdischen Staat konzentrieren und dafür sorgen, sich stark und gewalttätig wehren zu können. Die Welt hat gleichgültig und herzlos zugeschaut, wie die Juden abgeschlachtet wurden, und nur wir, der Zionistische und Demokratische Staat Israel, entscheiden, was richtig für unsere Sicherheit ist. Für diesen Zweck sind alle Mittel heilig“.

Ausser der militärischen Stärke, die Israel zur regionalen Supermacht umwandelte, ist der Holocaust das wichtigste Mittel zum Zweck. Diese Auffassung ist in der israelischen Öffentlichkeit heftig umstritten gewesen. So zum Beispiel haben Martin Buber, Akiba Ernst Simon und viele andere noch vor fünfzig Jahren vor der Gefahr gewarnt, Sparta oder Preussen zu werden.

Neulich erschien in deutscher Sprache das Buch von Idith Zertal "Nation und Tod. Der Holocaust in der israelische Öffentlichkeit". Zertal ist in einem Kibbuz geboren und zionistisch-sozialistisch erzogen worden. Sie schliesst sich der Kritik von Hannah Arendt an, die die "Germanisierung der Israelischen Politik" durch die Einspannung des Holocaustes an den Wagen der nationalistisch-militaristischen Politik Israels mit Sorge verfolgt. Ein kurzes Zitat aus ihrem Buch : "Mit Hilfe von Auschwitz - Israels ultimativer Trumpfkarte bei seinen Beziehungen zu einer Welt, die immer wieder aufs Neue als antisemitisch und auf ewig feindselig definiert wurde - immunisierte sich Israel selbst gegen jedwede Kritik und genehmigte sich einen quasi sakrosankten Status, verschloss sich einem kritischen, rationalen Dialog mit seiner Umwelt".

Dieser Satz erläutert das Wesen der israelischen Politik seit der Staatsgründung. Die Fusion zwischen Holocaust und aggressivem, expansionistischem Militarismus, die Einbahnstrasse einer Politik, die nur in eine Richtung führt: Möglichst viele Palästinenser zu vertreiben, viel Land mit der zynischen Behauptung, es sei öffentliches Land, zu enteignen, viele uralte Weinberge und Olivenhaine für Strassen zu entwurzeln, auf denen nur die gewalttätigen Siedler fahren dürfen, um sich auf den "befreiten"Gebiete unserer Vorfahren vor Jahrtausenden niederzulassen. Diese Schandtat - als neue Siedlungen bekannt - bezeichnet eine andere Fusion: Nämlich die Fusion zwischen Nationalismus und faschistischem Klerikalismus. Bis 1977 herrschte ununterbrochen eine säkulare Regierung mit einer zionistisch-sozialistischen Mehrheit. Sozialisten, die mehr und mehr nationalistisch werden und den Staat teilweise klerikal prägen, fördern die Ansiedlung von einem fanatisch überhitzten Messianismus, der das Leben von armen und schwer schuftenden Bauern zu einer Qual und Hölle macht. Die "Einbahnstrassenpolitik" findet auch seinen Ausdruck in  der scheinheiligen Behauptung, dass – n a c h  Hitler - diejenigen, die sich weigern, das Recht von Juden anzuerkennen, sich in irgendeinem Teil von Eretz-Israel niederzulassen, die antisemitische und rassistische "Judenreinpolitik" untermauern. Warum eigentlich auch sollten Juden nicht in der Westbank als friedfertige Nachbarn leben? Warum aber dürfen von Israel vertriebene Palästinenser nicht in Israel leben? Ein Recht, das nicht nach zweitausend Jahren verjährt, verjährt nicht nach fünfzig Jahren. Nun  zeigt sich aber der rassistische Haken: Ein Rückkehr von Palästinensern wird unausweichlich die Sicherheit von Israel gefährden. Unausweichlich aber kommt die Frage: Und was ist mit der palästinensischen Sicherheit? Denn die meisten Siedler haben das Leben in der Westbank zu einer Hölle gemacht. Kein Palästinenser heute ist sich seiner Freiheit, seines Olivenhains, seines Hauses, seines  Vermögen und seines Lebens sicher. Eine die Menschen liebende und Freiheit achtende Welt hätte längst diese gewalttätige Bande von Rowdies als Verbrecher angeprangert. Wir aber sind ewige Opfer, ewig gefährdet durch diese „ewig wilden Tiere, die man, wenn man sie nicht los werden kann, hinter Mauern und Zäunen einsperren muss“.

Die Schilderung aller Ungeheuerlichkeiten der "Einbahnstrassenpolitik" sprengt den Rahmen dieses Artikels. Mit Bertolt Brecht kann man behaupten, dass nur Menschen mit glatter Stirn, mit tauben Ohren, mit geblendeten Augen und mit stumpfen Gefühlen es noch nicht erfahren haben. Die "Ultimative Auschwitz -Trumpfkarte" funktioniert ausgezeichnet. Sie schliesst zauberhaft den Mund und das Gewissen von vielen anständigen Menschen in Deutschland, die mit ehrlicher Sorge und Kummer verfolgen, wie Israel mit dieser "Trumpfkarte" sich in den Abgrund steuert.

Man kann sich in Deutschland die Hände in Unschuld waschen und das abgedroschene "Mantra" wiederholen: "Was können wir schon mit unserer Vergangenheit tun"? Die Achse aber von Bush / Sharon arbeitet und das sehr wirksam. Der neuer Spin - von Sharon und von Bush genehmigt - heisst "Einseitiger Rückzug aus Gaza". Er fegt alle UNO - Beschlüsse samt der "Roadmap" In den Papierkorb. Mehr als drei Millionen Palästinenser werden in einem riesen Käfig eingesperrt, mit Sicherheit aber nicht der Terror.

Der fusionierte Terror von "el-Kaida" und" Hamas" bleibt nicht vor den Toren Europas stehen. Sagt bitte bloss nicht wieder, es nicht gewusst zu haben. 

mehr >>>>

Dezember 2003

Liebe Freundinnen und Freunde,

Das Jahr 2003 war, was mich persönlich und meine Familie betrifft, ein beglückendes und schönes Jahr. Der Kreis von Freunden und Bekannten hat sich sehr ausgeweitet und ich kann eine lange Liste von Menschen und gute Freunde aufzählen, die ich, leider, nicht öfter begegnen kann. Meine Friedens und Versöhnungsbotshaft hat durch meine Jahresbriefe und viele gut besuchte Auftritte, Tausende von Menschen erreicht. Beim ökumenischem Kirchentag bin ich, unterstützt und organisiert von einigen unermüdlicheren Freunde, wie Hanja Van Dyck, Dorothea Tettenborn, Hans Bender, Macky Gabriel, Reiner Dalchow, Jörg Machel, Hermann Sieben, und vielen anderen, in mehr als ein Dutzend Veranstaltung aufgetreten. Die dritte Auflage meines Buches ist vergriffen und ich habe eine Vierte bestellt. Die Höhepunkte des Jahres waren für mich die Verleihung des Aachener Friedenspreises und mein 75. Geburtstag, gefeiert in Newe-Shalom/Wahat-Salam. Meine dürftige deutsche Sprache ermöglicht mir nur eingeschränkt meine Empfindungen und Erlebnisse zum Ausdruck zu bringen. Für die Vorbereitungen zum Friedenspreis möchte ich mich insbesondere bei Britta Reinhardt und bei Hunderten Freunden, die den langen Weg aus alle Ecken Deutschlands nach Aachen machten um mich zu ehren und zu beglücken, bedanken. Für meine Geburtstagsfeier bedanke ich mich bei meiner Frau Varda, unserer Kinder Semadar und Shlomi und den Freunden von Newe-Shalom, die auf meinen Wunsch eingegangen sind, dort mein Geburtstag zu feiern. Alle diese wohltuende Erlebnisse habe dabei geholfen manche Gesundheitsbeschwerden gut zu überwinden.

Mein Glück und Freude aber werden stets überschattet durch die eskalierende Gewalt
s unsicherste Land unserer Zeiten ist. Diese Tatsache aber wollen unsere Machthaber, berauscht von Macht und Reichtum, nicht wahrhaben. Ermutigt von dem Schweigen der demokratischen Welt, angesichts zahlreiche Verletzungen von Menschenrecht und Völkerrecht, instrumentalisieren sie unsere schreckliche Vergangenheit, das schlechte
Gewissen der westlichen Welt und die Schuldgefühle der deutsche Bundesrepublik um die oben erwähnten Unsicherheitspolitik weiter zu treiben.
Leider verstehen nur wenige führende Politiker der BRD und schon gar nicht die der USA, das diese Politik nicht nur die Zukunft Israels, sondern den ganzen Nahen Osten und bestimmt auch Europa bedroht. Auch unter der Gefahr als 'Antisemit' oder 'Nestbeschmutzer' bezeichnet zu sein, wage ich zu behaupten, das alle Regierungen Israels eine Politik getrieben haben, die uns und die Palästinenser in eine Sackgasse oder umzäunten Getto gesteuert haben.

Mit dem Antisemitismus ist auch so eine Sache: Ein schrecklicher Syndrom, die die jüdische und die christlich-europäische Geschichte seit Jahrhunderte begleitete, hat sich in rassistischen Antisemitismus umwandelt und zum entsetzlichen Nationalsozialismus geführt. Aus diesem Brand sind die Juden aus Europa geflüchtet um sich einen eigenen Staat zu bauen. So ist der eskalierende Konflikt zwischen uns, die Palästinenser und der arabischen Welt entstanden. Solange diese Welt nicht bereit war Israel anzuerkennen, war die israelische Angst und der übertriebene militärische Machtausbau verständlich. Da aber kam die Euphorie und die Berauschung. "Als aber, Jeschurun (Israel) fett ward, wurde er übermütig." - 5.Mose 32, 15-16. Das hat schon Mose behauptet. Leider hat sich das in unserer Zeiten wiederholt und führt zu verheerenden Ergebnissen. Der Drang aller israelischen Regierungen sich nicht mit  den erreichten Grenzen seit 1949 zu begnügen, hat uns zu den zahlreichen Kriegen, unzählige Vergeltungsaktionen und gewalttätige Auseinandersetzungen geführt, und den palästinensischen Terror und den israelischen staatlichen Gegenterror geschürt. Das Ausmaß dieses Terrors und Gegenterrors hat alles anderes als Sicherheit für Israel und Freiheit für die Palästinenser gebracht.

Zurück aber zum Begriff 'Antisemitismus'. Angeblich ist es ein abgedroschener begriff bis zu 'nicht mehr geht' mißbraucht. Dennoch bedienen sich Politiker auf die arabischen Seite gerne, nicht weniger aber auf die israelische Seite um ihn zu instrumentalisieren. Es ist bedauerlicherweise ein semitischer Antisemitismus entstanden. Arabisch fanatische Kreisen machen Gebrauch von den europäischen steriotypischen Feinbildern um Israel und die Juden zu dämonisieren. Das gilt aber nicht weniger für manche israelische rechtsradikale Kreisen, die sogar in die Regierung vertreten sind. Am schlimmsten aber ist, meine ich, den Einsatz von Antisemitismus seitens unserer Ministerpräsidenten Scharon und viele prominente Politiker um, meiner Meinung nach, gerechtfertigte Kritik zurückzuweisen. Das ist eine schamlose geistige Erpressung. Alle westeuropäische Regierungen, und
darunter auch die Deutsche, mit Antisemitismus anzuprangern, nur weil die nicht einverstanden sind mit einer aussichtslosen Politik, ist nur einen Beweis wie tief meine Machthaber moralisch heruntergekommen sind. Wir Juden, sind gebranntes Kind, was anbelangt kollektive Beschuldigungen. Leider scheint es, das diese Erpressung nicht erfolglos bleibt. Auch demokratische und friedfertige Kreisen in Deutschland tun sich schwer mit meiner Kritik der israelischen Politik gegenüber, abzufinden.

Um zu meiner Person zurückzukommen: Ich schreibe diese Zeilen dreißig Jahre nach dem ich das erste Mal nach Deutschland kam. Meine Vermutungen, das es Gemeinsamkeiten gibt zwischen dem Untergang der deutschen Weimarer Republik und dem demokratischen Israel, haben sich zu meinen großen Bedauern bestätigt. Was erfreulicherweise sich bestätigte war meinen unaufhörlichen Aufruf von außen einzuwirken. Die führenden Kreisen unserer Friedensbewegung haben es letztendlich verstanden, den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt von unten zu durchbrechen. Der neulich unterschriebene 'Genfer Konvent' ist ein Beweis dafür. Was sich nicht bestätigt hat, ist meine Hoffnung auf die deutsche und europäische Politik einwirken zu können. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung und die deutsche Außenpolitik, hauptsächlich, bleibt gefangen und befangen in einen festgefahrenen Konzept,das im Nahostkonflikt nur die amerikanische Politik das Wort führen kann.
Unablässig habe ich als Friedensabenteurer versucht an deutsche Politiker anzukommen um klar zu machen das eine deutsche und europäische Mitwirkung im Nahostkonflikt nicht nur eine Moralische, sondern, auch eine real politische Aufgabe ist. Noch versuche ich einem Lobby für Frieden und Versöhnung in Deutschland aufzurufen. Es scheint mir aber das die Zurückhaltung und die Angst als Antisemit angeprangert zu sein, stärker sein werden als meine Bemühungen. Ich kann nur hoffen, das meine Befürchtungen sich nicht bestätigen und das Deutschland und Europa geschont bleiben von dem Brand, der Scharon und Busch im Nahen Osten gestiftet haben. In der Überzeugung, das einen für beide Völker erträglichen Frieden in Israel/Palästina hauptsächlich durch eine Einwirkung von Außen, erreicht werden kann, habe ich nicht wenig meine Familie und meine Friedensarbeit in Israel vernachlässigt. Ich stehe vor einem Wendepunkt: Mein Traum von einem von mir mit bewirkten Friedenskonzept in der deutschen Politik ist nicht wahr geworden. Nach dreißig Jahren Arbeit in Deutschland aber, sind viele Träume wahr geworden, und ich lebe meine Träume in verschiedenen Oasen, wo ich meine Botschaft der Liebe, des Friedens, der Versöhnung und der Nachsicht bringe.

Die Verleihung des Internationalen Aachener Friedenspreises ist ein wunderbares Höhepunkt in meinem leben und ich frage mich, ob es noch höher  führen kann. Ich bin mir bewußt, das ich mich im späten Herbst meines Lebens befinde, zwar noch so bunt, wie der herbstlicher Wald. Eine alte Weisheit sagt: Den Rat des Alters sich zu unterwerfen und aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Mein Herz aber, das sich noch im Frühjahr befindet, weigert sich diesen Rat zu befolgen. Gerne hätte ich noch versucht an neue Tausende von Freunden mit meiner Botschaft der Liebe und der Nachsicht anzukommen. Ich frage mich aber, wie lange meinen alten Körper die Reisen kreuz und quer durch Deutschland noch mitmachen. Vorläufig habe ich vor vielleicht meine letzte Botschaft für das 'Deutschland das ich liebe' durch einen Versuch ein neues Buch zu schreiben, unter dem Titel "Blick zurück im Zorn und Nachsicht", zu bringen. Für dem Versuch mir zu helfen die neue Auflage zu verbreiten, werde ich sehr dankbar sein.

Zu den kommenden Feiertagen wünsche ich Euch viel Glück, Frieden und Zufriedenheit.   Euer Reuven

 
 

Start | oben

Mail           Impressum           Haftungsausschluss           Translate          Honestly Concerned  + Netzwerk       Erhard  arendt art