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Reuven Moskovitz

 
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Verhängnisvolle Fussion
Siedler machen das Leben zur Hölle
Deutscher Emil Zola gewünscht.
Reuven Moskovitz im November 04

 

 

Deutscher Emile Zola erwünscht
Reuven Moskovitz: Klare Aussage Berlins ist nötig

 

Reuven Moskovitz ist nach Deutschland gekommen, um eine Lobby zu gründen für Frieden in Palästina: Der 75-Jährige ist Träger des Aachener Friedenspreises 2003. Mit dem israelischen Autor und Gründer mehrerer Friedensorganisationen sprach René Gralla.

ND: Der Plan von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon liegt auf dem Tisch: die Räumung aller israelischen Siedlungen im palästinensischen Gaza-Streifen. Sucht der Hardliner nun doch ernsthaft nach einer Friedenslösung?
Moskovitz: Nein. Scharon ist Israels König der Lügner, und er ist davon überzeugt, dass er die ganze Welt belügen kann.

Das ist ein harter Vorwurf.
Ich sage es noch einmal: Scharon lügt. Seine Spezialität ist es, angeblich sensationelle Initiativen zu starten und eine neue Ente durchs Dorf zu treiben, wie wir das in Israel nennen. In Wahrheit hat Scharon immer wieder versucht, jeden Friedensvorstoß zu erledigen, ganz gleich, ob der aus den USA, aus Westeuropa oder aus Saudi-Arabien gekommen ist.

Aber Scharon hat doch nun davon gesprochen, dass es innerhalb von zwei Jahren keine Juden mehr im Gaza-Streifen geben werde.
Dazu wird es doch gar nicht kommen! Und selbst wenn Scharon tatsächlich damit beginnen sollte, seine Ankündigungen wahrzumachen und Siedlungen aus Gaza auf die Westbank zu verlegen, dann soll mir doch bitte jemand denjenigen Palästinenser zeigen, der bereit wäre, sich allein mit Gaza als Heimstatt zu begnügen.

Scharon will also eigentlich keinen einzigen Quadratmeter des palästinensischen Territoriums aufgeben?
Die Welt muss wissen: Wenn es überhaupt eine Chance für Frieden geben soll, dann muss man sofort die gesamte Westbank räumen und die israelischen Truppen abziehen. Und es müssen dort internationale Einheiten stationiert werden.

Der israelische Publizist Uri Avnery wertet Scharons Räumungsplan als ersten Schritt zur völligen Abtrennung der Palästinensergebiete. Den Palästinensern blieben nicht mehr als zehn Prozent des ursprünglich palästinensischen Territoriums. Halten Sie das für realistisch?
Mögen es 15 Prozent sein – die ganze Geschichte ist doch ein Witz! Es gibt eine konsequente Politik Israels, die darauf abzielt, die Hoffnungen der Palästinenser auf Selbstbestimmung zu vernichten.

Bereits im Sommer soll die einseitige Abtrennung von den Palästinensergebieten beginnen, falls es keine Fortschritte im Friedensprozess gibt. Das hat Vizeregierungschef Ehud Olmert angekündigt.
Das kann sein. Aber das wird die Palästina-Frage eben gerade nicht lösen. Weil die Palästinenser das niemals akzeptieren werden. Unser Problem ist doch der Terror – aber wer will, dass der Terror endlich aufhört, der muss den Palästinensern wenigstens den Zipfel Land lassen, der ihnen heute noch geblieben ist: neben Gaza ungefähr 20 Prozent der Westbank. Wenn man den Palästinensern nicht einmal das geben will, dann wird man mit dem Terror nicht fertig werden. Man kann zwar eine Zeitlang versuchen, die Palästinenser kaputt zu machen – aber man wird sie nie endgültig in die Knie zwingen.

Die Regierung Scharon strebt eine andere Lösung an. Sie forciert den Bau von Sperranlagen, um Israelis und Palästinenser voneinander zu separieren.
Dieses Unternehmen wird ähnlich ausgehen wie die Geschichte der Berliner Mauer. Die Maßnahme soll nur vom Kern des Problems ablenken – und das sind die israelische Besatzung und die Erniedrigung der Palästinenser.

Muss sich Israel denn nicht mit der Betonbarriere vor dem Terror schützen? Erst gestern gab es wieder ein Selbstmordattentat in Tel Aviv.
Ich bin kein Befürworter von Hamas. Das ist eine Bande von Mördern und Fanatikern. Aber jeder Militärschlag Israels gegen Hamas oder den islamischen Dschihad zieht eben unweigerlich einen Gegenschlag nach sich – und verurteilt unschuldige Israelis zum Tode.

Wie sollte denn Deutschland agieren?
Berlin sollte verlangen, dass Israel die Bereitschaft zur Räumung der Westbank erklärt.

Aber Sie wissen doch: Die Erblast des Holocaust führt dazu, dass es den Deutschen besonders schwer fällt, gegen die Politik Israels Stellung zu beziehen, weil jedes kritische Wort als antisemitisch abgestempelt werden kann.
Diese Situation ist nur ein weiterer Beweis für diese Krankheit, die der Nationalsozialismus den Deutschen und uns Juden hinterlassen hat. Und die die klare Aussage verhindert: »Wir erwarten von Israel, dass es seine Nachbarn so behandelt wie auch wir unsere Nachbarn behandeln.«

Sie sind nach Deutschland gekommen, um eine Friedenskampagne für Palästina auf den Weg zu bringen. In einem Aufruf wünschen Sie sich »einen deutschen Emile Zola, der mutig jede Unterdrückung und mörderische Politik anprangert«.
Noch leben in der Bundesrepublik Menschen, die versuchen, die Weichen der Geschichte neu zu stellen. Diese Politik führt direkt in den Abgrund: Bei den Palästinensern ist so viel Hass gewachsen, dass dieser nicht in zehn oder 15 Jahren verschwinden wird. Aber es kann einfach nicht sein, dass das bis zum bitteren Ende so weitergeht.

Ihr Markenzeichen ist eine Mundharmonika, die Ihnen ein kleines Mädchen schenkte, als Sie im Sechs-Tage-Krieg 1967 als Besatzungssoldat nach Ramallah kamen. Haben Sie sie noch?
Ja. Meine Mundharmonika aus Ramallah ist immer dabei.



Reuven Moskowitz wurde 1928 in Rumänien geboren. Er ist Holocaust-Überlebender. 1947 wanderte er nach Palästina aus,  wo er zum Mitbegründer des Kibbuz Misgav nahe der libanesischen Grenze wurde. Er engagiert sich von Anfang an in der israelischen Friedensbewegung.

  

Sein aktuelles Buch »Der lange Weg zum Frieden« kann im Direktvertrieb bezogen werden über: Dorothea Tettenborn, Mariendorfer Damm 342, 12107 Berlin (Tel.: (030) 74105056).

(ND 23.02.04)

http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=49226&IDC=2
Neues Deutschland -
23.02.04

 

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