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Reuven Moskovitz

 
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Deutscher Emil Zola gewünscht.
Reuven Moskovitz im November 04

 

 

Mag sein, dass ich bau in der Luft meine Schlösser.

Mag sein, dass mein Gott ist im ganzen nicht da.

Im Traum ist mir heller, im Traum ist mir besser,

im Traum ist der Himmel noch blauer als blau.

Mag sein, dass ich werd’ mein Ziel nicht erreichen.

Mag sein, dass mein Schiff wird nicht kommen zum Steg.

S’geht mir nicht darum, ich soll was erreichen.

S’geht mir um den Gang auf einem sonnigen Weg.

Josef Papiernikoff, 1924

 

Reuven Moskovitz, vardamos@hotmail.com

  

Liebe Freundinnen und Freunde,                                                     Münster, Dezember 2008

  

In den letzten Wochen wurde mein 80. Geburtstag an vielen Orten gefeiert, in

der Familie, in Newe Shalom / Wahat Al Salam, mit Freunden, auch in Deutschland.  Hunderte kamen oder schrieben, musizierten oder dichteten, wünschten mir Glück und ein noch längeres Leben, Gesundheit und Tatkraft und ein fröhliches Herz. Ich danke ihnen allen, die mich so froh machten und mir das Gefühl gaben, Freund zu sein, Gesprächspartner und Mahner.

 

In diesen schönen Novembertagen bin ich zutiefst beeindruckt von den bunt-goldenen Farben der Ahorn-, Ginko- und Buchenblätter, die mich an die bunten Herbstjahre meines Lebens erinnern. Mit beklommenen Herzen nur merke ich, wie die schönen bunten Blätter von Wind und Regen weggetragen und von Passanten mit Füßen getreten werden. So denke ich an die vielen Hunderttausenden von Menschen überall in der Welt, Friedensarbeiter, die den bunten Traum von Frieden und Menschlichkeit träumen und die Verleumdungen, Gleichgültigkeit und Beschimpfungen ausgesetzt sind. Für sie möchte ich ein Hohes Lied der Liebe und Dankbarkeit anstimmen - während doch ihre Würde und ihr Glaube weiter mit Füßen getreten werden. Ich habe leider keine tröstende Botschaft für diese Menschen und Freunde, außer den Trost sich selbst treu geblieben zu sein. Ihren - unseren - Feinden aber, die mit Bosheit und Menschenverachtung unablässig Gewalt schüren und die Menschen mit Friedlosigkeit infizieren, auch in meinem Land,  möchte ich zornig eine Jeremiade entgegenschleudern.

 

80 Jahre...

Als ich mit 19 Jahren ins Land kam, war ich durchdrungen von der Vision einer neuen Gesellschaft, eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Ich kam mit Träumen, und jetzt, mit 80 Jahren, als "Kind mit Falten", träume ich weiter und weiß dabei, dass wir nicht einen neuen Himmel und eine neue Erde brauchen, sondern ein neues Verhältnis der Menschen untereinander. Die andauernde Eskalation von Gewalt und Hass hat viele Menschen stumpf gemacht.  Was wir brauchen ist ein neues Herz, das sich öffnet für Liebe, Frieden, Barmherzigkeit und Verzeihung. Im Sinne des großen islamisch iranischen Dichters Omar Chayyam  (der Zeitmacher) zitiere ich hier seine Zeilen:

„Beurteile niemanden und versuche zu verstehen und verneige dich wehmütig vor dem Schmerz der ganzen Welt“.

 

Im Laufe der Jahre musste ich viele Enttäuschungen einstecken und erfahren, dass sich Träume in Alpträume verwandelten. 60 Jahre habe ich mich geweigert, von der Hoffnung zu lassen, dass meine Vorstellungen Wirklichkeit werden könnten, auch wenn nicht das Reich Gottes auf dem Boden des gelobten Landes daraus werden würde. Aber schließlich haben sich nur manche zionistischen Visionen erfüllt und gezeigt, dass es nicht nur viele Steine und wenig Brot dort gibt, sondern Milch und Honig fließen können.  Leider ergab sich aber, dass bei der Umsetzung in die Realität überwiegend Hass, Gewalt und Menschenverachtung entstehen.

Meine innere Zerrissenheit hat auch hiermit zu tun. Mir persönlich geht es gut, aber: Ich habe zwar zahlreiche Freunde gewonnen und Neve Shalom/Wahat al Salam als Modell eines friedlichen Zusammenlebens von Palästinensern und Israelis mitbegründet, aber ein durchschlagender politischer Erfolg hat sich nicht eingestellt. Noch länger als 60 Jahre ist der Weg der realpolitischen Strömung der zionistischen Politik, die die Weichen gestellt hat zu der fast unheilbaren Friedlosigkeit auf beiden Seiten. Es ist mir nicht gelungen, die Menschen  in meinem Land und in Deutschland davon zu überzeugen, dass diese politische Weichen Israel und Palästina in dieselbe Richtung führen, die schon das 20. Jahrhundert verwandelt haben in das blutigste der menschliche Geschichte – mit 133 Millionen Toten.

 

Die verklärten Israel-Anbeter, die sich blind mit der israelischen Kriegspolitik identifizieren, mögen mich weiter als Antisemit und Nestbeschmutzer anprangern. Das ändert nichts an der Tatsache, dass in den vergangenen 60 Jahren die israelische Regierung konsequent den Frieden verweigert hat. So weit überhaupt ein Frieden erreicht worden ist, geschah es nur, weil ein mutiger amerikanischer Präsident – Jimmy Carter - sie am Kragen gezogen hat.

Die Entscheidung, Krieg oder Frieden mit den Palästinensern zu machen, darf man auf keinen Fall nur der gegenwärtigen oder zukünftigen israelischen Regierung überlassen. Ein Schimmer von Hoffnung kommt von der Wahl Barack Obamas. Eine Mehrheit des amerikanischen Volkes hat in 6 Jahren gelernt, was die Mehrheit der israelischen Bevölkerung in 60 Jahren nicht gelernt hat. Jetzt kommt es darauf an, ob Obama und seine Berater die Erkenntnis verinnerlichen, dass der Frieden im Nahen Osten,  ja,  vielleicht der Weltfrieden, nicht nur über Kabul, Bagdad oder Teheran zu erreichen ist, sondern über Jerusalem.

 

Es muss aber auch ein Ruck entstehen im Bewusstsein von Israel, Palästina und Deutschland  in bezug auf die Geschichte und die Vergangenheit .Es muss ein Ende haben damit, dass der Auschwitzkult eingespannt und in Dienst genommen wird als Rechtfertigung der Gewaltpolitik im Nahen Osten.

 

Mit meinen herzlichen Wünschen für die Feiertage und das Neue Jahr

 

Reuven

 

 

 

P.S. Da ich als Friedensarbeiter eine Art „Einmann-Betrieb“ bin, bitte ich alle, die das noch nicht getan haben, mir für Porto und Spesen einen Betrag nach eigenem Ermessen zu erstatten. Auch über eine Spende für mein Projekt "Versöhnungswege und Versöhnungsräume“ würde ich mich sehr freuen. Ich danke allen herzlich, die bereits gespendet haben.

 

KONTO  Verein der Freunde von Newe Shalom /Wahat Al Salam e.V.      

Kreissparkasse Köln

BLZ 37050299             

Kto-Nr.:  32000986

Stichwort: „Friedensräume“

Angabe der vollständige Anschrift wegen einer Spendenquittung

Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Bis 100 € gilt der Überweisungsdurchschlag als Spendenquittung.

 

 

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