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Reuven Moskovitz

 
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Reuven Moskovitz im November 04

 

 

Älterwerden
Sterne der Jugend wohin seid ihr hinabgefallen?
Keinen mehr von euch allen seh in Gewölk ich ziehen.
Ihr meiner Jugend Genossen,
Ach wie früh mit der Welt habt ihr Frieden geschlossen!
Dennoch kämpfe ich weiter.
Steh entgegen der Welt!
Kann ich nicht siegen als Held, will ich doch fallen als Streiter.

(Hermann Hesse)

Osterbrief 2008

Reuven Moskovitz
e-mail:
vardamos@hotmail.com

 

Solche Bücher lässt du drucken,
Teurer Freund, du bist verloren.
Willst du Geld und Ehre haben,
musst du dich gehörig ducken.

Nimmer hätt ich dir geraten,
so zu sprechen vor dem Volke
so zu sprechen von den Pfaffen
und von mächtigen Magnaten.

Teurer Freund, du bist verloren!.
Pfaffen haben lange Zungen,
Fürsten haben lange Arme,
Und das Volk hat lange Ohren.
Heinrich Heine

 

 

Liebe Freundinnen und Freunde

Dieses Gedicht ist eines der wenigen Gedichte Heines, die ich noch auswendig weiß. Die lange und giftige Zunge von Henryk Broder, der lange Arm meiner gegenwärtigen Fürsten, ausgerichtet auf die langen Ohren des Volkes, haben mich diesmal erwischt.

Einige von Euch wissen vielleicht, dass sich Henryk M. Broder im Dezember in „DIE JÜDISCHE“ mit meiner Biografie befasst hat. Das Ergebnis ist eine für Broder typische Vermengung von Wahrheiten, Halbwahrheiten, Unwahrheiten und schweren Beleidigungen. In seinem Aufsatz erhebt er den Vorwurf, ich hätte mir in betrügerischer Weise den Doktortitel angemaßt. Zum Beweis dafür listet er u.a. zahlreiche Veranstaltungen auf, zu denen ich als Dr. Reuven Moskovitz angekündigt worden bin. Das ist richtig. Richtig ist auch seine Darstellung, dass ich keinen Doktortitel führen darf. Wahr ist aber auch, dass ich diesen Titel selbst nie benutzt habe: Weder habe ich mich jemals als Dr. M. eingeführt, noch habe ich ein einziges Schriftstück als Dr. M. unterzeichnet. Ebenso wenig habe ich mich auf Visitenkarten oder auf Briefpapier mit einem Titel geschmückt. Allerdings muss ich einräumen, dass ich nicht immer mit dem gebotenen Nachdruck eine Korrektur verlangte, wenn die Veranstalter meiner Vorträge den Doktortitel vor meinen Namen setzten. Diese Praxis hatten sie offensichtlich aus früheren Ankündigungen Dritter übernommen.

Diese Nachlässigkeit habe ich mir vorzuwerfen. Vermutlich lag der Grund weniger in persönlicher Eitelkeit als in dem Bestreben, meinem Eintreten für einen gerechten Frieden in meiner Heimat mehr publizistisches Gewicht zu verleihen. 

Tatsache ist auch, dass ich in den Jahren 1974/75 in Berlin eine Arbeit (Dissertation) mit dem Titel "Juden und Deutsche zwischen Macht des Geistes und Ohnmacht der Gewalt" geschrieben habe. Mein damaliger Doktorvater Prof. Walter Grab hatte mir geholfen, ein Stipendium der Friedrich Ebert-Stiftung zu bekommen. Es kam aber nicht zu einem Promotionsverfahren –wohl auch wegen der in  meiner Arbeit angeblich aufgestellten Behauptung, Israel sei ein faschistischer Staat. Inzwischen hatte ich an mein Gymnasium in Rechovot  zurückkehren müssen, wo ich jedoch, wiederum auf Grund  derselben  Unterstellung, entlassen wurde. In der Folgezeit beteiligte ich mich mit allen Kräften an der Gründung und dem Aufbau des Friedensdorfes Neve Shalom/Walat al Salam. Die ursprünglich angestrebte Promotion verlor darüber immer mehr an Bedeutung. Wichtiger war für mich die Erkenntnis, dass sich im Laufe der Jahre meine Befürchtungen mehr und mehr bestätigten, dass sich Israel einem gerechten Frieden verweigert und dass die israelische Gesellschaft zunehmend durch faschistoides, klerikales, rassistisches und rechtsvergessenes Denken vergiftet wird.

Tatsache ist schließlich, dass von meiner "Dissertation" drei Exemplare existierten: je eines hatten meine mittlerweile verstorbenen Professoren Grab und Gollwitzer und eines hatte ich. Ist es Zufall, dass bei einem Einbruch in mein Arbeitszimmer ausschließlich diese Arbeit mitsamt aller von mir in hebräischer Sprache veröffentlichten Aufsätze und Zeitungsartikel gestohlen wurden?

Liebe Freundinnen und Freunde, ich habe Euch offen die Hintergründe geschildert, die den „Stoff“ für Broders Hetzartikel bilden. Ihr könnt nun selbst urteilen und  es ist an Euch, ob Ihr dem Reuven, der nicht „ Dr. Reuven“ ist, weiter vertrauen wollt.

Nicht alle werden reagieren wie Übereifrige in Freiburg, die die Entfernung meines Buches, das doch nur der Versöhnung und Vergebung dienen sollte, aus der Uni-Bibliothek verlangten – Gott sei Dank hat man auf die Verbrennung verzichtet. 

Für meinen weiteren Brief an Euch suchte ich einige Zitate aus, die die heutige schlechte Situation gut beschreiben.

 

Ein unbequemer Mahner

 

Vor über 30 Jahren, auch in der Passionszeit, schrieb ich, ein durch die Gräuel  der Nazizeit gebrannter Jude, meinem ersten Brief an deutsche Freunde – an „die Freunde, um derentwegen ich sagen kann: Es gibt ein Deutschland, das ich liebe“.  Erschüttert durch das Gefühl, dass ich mit meiner Botschaft so einsam blieb wie Jesus in Getsehmane unter seinen schlafenden Jüngern und besorgt  durch das Scheitern aller Friedensinitiativen nach dem Jom-Kippur-Krieg und das, wie ich meinte, Einschlafen der deutschen Friedensbewegung, rief ich auf zu einer „aktiven Stellungnahme“ an dem Geschehen in diesem Wirbel von Gewalt und Gegengewalt im „Heiligen Land“

Zu meinem großen Bedauern haben sich seither alle meine Befürchtungen bestätigt:

Ermutigt durch das Schweigen der Weltöffentlichkeit, haben die verschiedenen israelischen  Regierungen weiter ausschließlich auf Gewalt und Unterdrückung gesetzt .Es wurde auch hier keine Gelegenheit verpasst, die Gelegenheit des Friedens zu verpassen.

Muss man warten“ – schrieb ich damals „bis sich auch dort alles kompliziert wie in Vietnam? müssen wir warten, bis wir noch mehr Flüchtlingen und Waisen helfen müssen, statt alles zu tun, dass keine weiteren Flüchtlinge und Waisen im Nahen Osten hinzukommen und die schon existierenden Flüchtlinge eine Heimat erhalten?“

Dieser Aufruf, von Hunderten und später  Tausenden deutscher Friedensbewegter aufgenommen, wurde von der deutschen Politik – egal, ob rechts oder links -  überhört – und es bestätigte sich leider die Klage  unseres Propheten Jeremia: “Denn sie gieren alle, klein und groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: Friede!Friede! und ist doch nicht Frieden.“

Jeremia 6, 13-14.

 

Vor 35 Jahren konnte man denken, dass meine Mahnung einem merkwürdigen israelischen Nestbeschmutzer und Selbsthasser zuzuschreiben sei...

Versuchen wir aber, nicht nur mich selbst zu zitieren. Was schreibt ein Leitartikel der  einzigen seriösen  israelischen Tageszeitung Ha’aretz  im Jahr 2008:

 

Bush macht sich einer Sünde mitschuldig.

 

Die „provisorische“ Siedlung Migron, die auf privatem palästinensischem Boden gebaut worden ist und deren Auflösung die Vereinigten Staaten mit angeblicher Entschlossenheit fordern, ist eine stabile Siedlung, die seit 7 Jahren existiert. Es gibt dort Gärten, Spielplätze mit Schaukeln, Kindergärten und eine Infrastruktur, in die 4 Millionen Schekel Staatsgelder investiert worden sind. Diese Siedlung Migron ist nur ein Beispiel. Es gibt solche provisorischen Siedlungen mit mehr als 500 Einwohnern und solche, wo mehr als 1000 Menschen wohnen. Der Begriff „Provisorium“ ist ein leeres Wort. Die Lüge in der Unterscheidung zwischen legaler Siedlung und illegaler – als hätte jemand  die Legalität der alten Siedlungen anerkannt, und als ob diese provisorischen Siedlungen aufgebaut worden wären gegen den Willen der Regierungen und nicht durch deren aktive Unterstützung – ist offensichtlich.

Die Israelis meinen, es gelänge ihnen, die ganze Welt zu betrügen, aber sie betrügen nur sich selbst. Die provisorischen Siedlungen stellen die Essenz des israelischen Bluffs dar. Seit 40 Jahren siedelt Israel in den besetzten Gebieten und tut so, als wäre es bereit, sich jeden Augenblick zurückzuziehen, sobald eine Friedensaussicht besteht. Eigenhändig nimmt Israel der 2-Staaten-Lösung  jegliche Relevanz, während es in aller Öffentlichkeit erklärt, das sei die einzig mögliche Lösung, Während die Außenministerin Zippi Livni während ihres 1. Besuchs in der Westbank fordert, dass wir die Frage der Räumung der Provisorien nicht mit einem Augenzwinkern behandeln dürfen, erklärt ihr der verantwortliche Offizier, dass es doch schon 89 solcher angeblich provisorischen Siedlungen gibt. Als ob sie ein Gast von einem anderen Stern wäre und nicht eine  Mittäterin an diesem nationalen Unglück.“

Auch der amerikanische Präsident zeigt sich mitverantwortlich für diese Sünde, denn die Verpflichtung Olmerts  Bush gegenüber, dass er für die Räumung eintritt, ist nicht mehr als leeres Gerede. Die Vereinigten Staaten fordern nicht ernsthaft die Räumung dieser Siedlungen. Wäre es so, würden diese Siedlungen schon lange nicht mehr existieren“.

Dieser Artikel bringt die Quintessenz dessen, was ich schon seit Jahren als die kolossale Lüge der israelischen Politik bezeichne, die uns und den Nahen Osten in den immerwährenden zerstörerischen Konflikt treibt.

 

Kann es auch uns nicht  passieren?

In meinem  Brief von vor 30 Jahren mahne ich, dass kein Volk vor der Gefahr gefeit ist, die das deutsche Volk betroffen hat. Diese Behauptung wurde mit einem skeptischen und empörten Augenbrauenzucken erwidert.

Zitieren wir den Mann, Avner Werner Less, der israelische Polizeibeamte, der Eichmann verhört und auf Tonband aufgenommen hat.

„Das Furchtbare dabei ist, dass dieser Eichmann keine Ausnahme bildet. Seiner gibt es viele, ja, ganze Heerscharen. Ein jeder, der passiv solche Gräueltaten mit ansieht und sich abwendet mit der Ausrede, dass er es ja nicht gewollt und befohlen habe, ist für alle Ewigkeit mitverdammt. Kein Volk bleibt hier verschont, kein Volk bildet eine Ausnahme, keine Nation kann sagen:’ das gibt es nicht bei uns, das ist bei uns nicht möglich’.

So brutal es auch klingen mag, so sehr man auch dagegen protestieren wird, aber viele unter uns sind fähig, eine Eichmann-Rolle zu spielen. Und so wird Eichmann zu seinem Symbol des Übels“.

 

Dies ist das Wesentliche meiner langjährigen Warnungen angesichts des eskalierenden Verrohung auf allen Seiten als Ergebnis der nachhaltigen Besetzungs- und Siedlungspolitik.

 

 

Was ist Jiddischkeit?

 

Wenn man denkt, das könne Juden nicht passieren, erlaube ich mir ein Weiteres Zitat aus einem Aufsatz in jiddischer Sprache von dem großen jüdischen Schriftsteller I.L.Peretz unter dem Titel: Was is Jiddishkeit?

„Jiddishkeit ist die jiddishe Weltanschauung, die Weltidee, die ihre Verkörperung sucht in der Moral. Die Welt mit jiddische Augen gesehen, ist organisch zusammengebunden und darüber hinaus moralisch verantwortlich. Die Welt mit götzendienerischen Augen betrachtet, ist epileptisch, eine Welt, die kein Gesetz kennt und in welcher man keine moralische Forderung stellen kann.

Unser moralisches Ringen ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Wir sind ein Weltvolk geworden und verpflichtet, die Fahne der jiddische Renaissance hochzuhalten, des Messias und  des Weltrechts und der Befreiung...Der jiddische Messias soll nicht nur Juden befreien, er soll kommen die Welt zu erlösen von Pein, von Krieg und von den Abgründen zwischen Armen und Reichen...Alles soll für alle sein. Unser Messias ist noch nicht gekommen, aber er darf nicht nur für sein Volk allein kommen. Die ganze Menschheit muss befreit werden von der menschlichen Tragödie.“

 

Nichts von dem hier zitierten Geist  ist  übriggeblieben, weder im Diskurs noch im Handeln des zeitgenössischen Israel. Ich wage zum Ausdruck zu bringen, dass das von Gewalt, Unrecht und Erbarmungslosigkeit geprägte heutige Judentum für viele jüdische Überlebende - und nicht nur diese - wie ein geistiger Holocaust empfunden  wird. Dieser Geist ist auch realpolitisch nicht zu verantworten. Die Fortsetzung des Krieges als einziges Mittel der Politik zum Überleben verurteilt unseren Staat, der doch als einmaliges Wunder begann, zum Untergang.

 

60 Jahre Israel – berauschender Aufstieg , trostlose Naqba

 

Nun sind wir im 60.Geburtsjahr des Staates Israel. Wir hätten dieses Jubiläum krönen können durch einen hoffnungsvollen politischen Schritt, der die vergangenen 60 Jahre Sicherheitspolitik, die uns und unsere arabischen Nachbarn anhaltend unsicher gemacht haben, überwinden und uns umsteigen ließe zu einer verheißungsvollen Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben. 22 arabische Länder und Vertreter der Hamas hatten uns ihre Hand hingestreckt und ihre Bereitschaft erklärt, mit Israel Frieden zu machen unter der Bedingung, dass Israel sich aus den 1967 eroberten Gebieten zurückzieht. Israel  würde weltweit anerkannt werden und damit seine Berechtigung, in Frieden auf knapp 80% des ehemaligen Palästina zu leben. Wie wurde diese einmalige Gelegenheit versäumt? Anstatt sofort ja zu sagen und zu einer internationalen Konferenz aufzurufen, eilt Olmert nach Washington, um diese Friedensgefahr alsbald zu beseitigen.

Annapolis wurde bestimmt, diese vielversprechende Friedensaussicht in die Sackgasse zu treiben. Gleichzeitig besuchte er Berlin und andere Hauptstädte in dem Versuch, eine Front gegen Iran aufzubauen. Der klare Aufruf des syrischen Präsidenten Bashar Assad, mit Israel einen Frieden zu schließen, der die Räumung der Golan- Höhen voraussetzt, wird beantwortet mit einem feindlichen Anflug über syrisches Territorium und die Bombardierung und Zerstörung einer vermeintlichen nordkoreanischen Atomanlage.

Was den 2. Libanonkrieg anbelangt, habe ich ihn in einem Interview des Deutschlandfunks bezeichnet als eine gezielte Brandstiftung, die den Libanon und Israel brennen ließ.

Die einzige Schlussfolgerung , die in Israel aus diesem Verbrechen gezogen wurde, war, den nächsten Krieg  genauso wie den vorigen von langer Hand vorzubereiten, ihn dann aber kompetenter zum Erfolg zu führen – d. h. noch gründlichere Zerstörung, noch mehr Tote und  noch mehr Streubomben zum Abschluss.

 

Gaza ist ein beschämendes und verbrecherisches Kapitel: Ein Gebiet von knapp 150 qkm, wo über 1300 000 Menschen zusammengepfercht sind, überwiegend Vertriebene des Krieges von 1947- 49. Schon unmittelbar nach 1949 waren sie  mörderischen Vergeltungsschlägen ausgeliefert, die oft eine ungewünschte Friedensinitiative unterlaufen sollten. Ein 60jähriges nachhaltiges Kalvarium. Wenn auch von Gaza mörderische Anschläge gegen Israel verübt wurden und werden, ändert das nichts an der Tatsache, dass es sich dort um eine andauernde Verletzung von Menschen - und Völkerrecht handelt. Der „friedfertige“ Sharon hatte die Armee beauftragt, dafür zu sorgen, täglich „Berge von Leichen“ zu hinterlassen. Das schmälerte nicht die Bewunderung der Welt und besonders deutscher Politiker für den „friedlichen Abzug“ aus Gaza unter Umständen, die den Bürgerkrieg unter den Palästinensern und das gegenwärtige Gemetzel provozierten. Dass Gaza das größte Gefängnis ist, in dem die Menschen hungern und verhungern ist keine Metapher mehr.

 

Kein Grund zum Feiern

 

In den kommenden Wochen wird man, besonders in Deutschland, die Errungenschaften von 60 Jahren Israel kritiklos loben und preisen. In Israel werden nicht alle in den Jubel einfallen, denn jetzt besteht noch weniger Anlass zum Feiern als beim 50.Jahrestag.

Damals schrieb Nathan Zach, Literaturprofessor, Dichter und Israelpreisträger in seinem Artikel ‚Kein Grund zum Feiern’

„Ah, meine Unschöne, die Jahre haben dir gegenüber gesündigt, meinte der Dichter. Diese Worte treffen genau auf unseren 50 Jahre alt gewordenen Staat zu, der frühzeitig gealtert ist und den man jetzt in Festkleider hüllt, ohne ihn dadurch attraktiver zu machen. Gerade so, als gäbe es Grund zur Freude. Gerade so, als gäbe es ein Jubiläum zu feiern. Wen hat dieser Staat in den letzten 50 Jahren nicht enttäuscht? Wen oder was hat dieser Staat nicht verraten? Welche Vision ist noch geblieben, die nicht verblasst oder verloren gegangen ist? Von welchen Grausamkeiten hat dieser  Staat seine Seele ferngehalten, welche Lüge und Heuchelei ist nicht aus seinem Munde verkündet worden? Ein Ungeheuer des 2000jährigen Traumes (...). Sollen wir wirklich des 50jährigen, frühzeitig vergreistren Staates gedenken, des industriellen Aufschwungs, der Errungenschaften von Medizin, Landwirtschaft und Wissenschaft, der Wolkenkratzer und der eindrucksvollen Betonklötze?  Nein, nicht deshalb standen die Gründer dieses Staates vor den Völkern der Welt und appellierten an ihr Gewissen, um 1917 Hilfe für eine nationale Heimat und 1947 die Staatsgründung zu erhalten. Nicht um so stark sein wie Sodom, so reich wie Gomorrha und so furchterregend wie Ninive ist dieser Staat zur Welt gekommen. Nicht das war der Traum der Gründergeneration und nicht dafür ist so viel Blut geflossen.“

 

Dieser Zustand hat sich in den vergangenen 10 Jahren nur noch verschlimmert. Dass man in Deutschland  diesen Staat weiter kritiklos feiern und bejubeln wird, spricht nur für die willige Blindheit der Feiernden, die sie hindert, zu sehen, dass der  Staat Israel schwer erkrankt ist an der Krankheit der Friedlosigkeit. In Deutschland höre und lese ich immer wieder den Spruch aus dem Talmud, dass die Erlösung in der Erinnerung liegt.

Unablässig, bis zu meinem letzten Atemzug, werde ich an die palästinensische Naqba erinnern und die friedfertigen und differenziert denkenden Deutschen aufrufen, nicht nur des Wunders der israelischen Staatsgründung zu gedenken, sondern auch der gekreuzigten  Freiheit des palästinensischen Volkes.

 

Jetzt in der Karwoche bin ich wieder in Jerusalem – und gleich erschütterten mich zwei Ereignisse:

1.      Obwohl im Westjordanland seit drei Monaten Waffenruhe herrscht, drang die israelische Armee in Bethlehem und Tulkarem ein und tötete mehrere Menschen.

2.      Die deutsche Bundeskanzlerin hält es für richtig, gerade in diesen Tagen nach Israel zu kommen, um der israelischen Regierung den Rücken zu stärken.

 

Nun etwas für die Seele

 

Vom 14. bis 17. August 2008 veranstalten wir in der Friedenswerkstatt in Bentierode die Sommertage unter dem Motto “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“

Gedacht ist an ein offenes Zusammensein, das den Teilnehmenden ermöglicht sich einzubringen und sich anregen zu lassen.

Wir werden musizieren, erzählen, singen, tanzen, diskutieren und spazieren. Die täglichen Aufgaben – besonders das Kochen – wollen wir in das kreative Geschehen mit hinein nehmen. Es wird nicht Herren und Knechte, Referenten, Hörer und Dienstpersonal geben, sondern ganz kindlich: einfach Geschwister.

Die drei Aachener Musikanten „Kaleidoklez“ haben zugesagt und Christa wird mit uns tanzen.

 

Nähere Informationen über Ort und Anreise findet Ihr unter www.friedenswerkstatt.de.

Anmeldungen bitte bis spätestens zum 10. Juni 2008 bei hanja.vandyck@t-online.de oder 030/34503244. Kosten für die Teilnahme sind auch bei Ihr zu erfragen.

 

Ich freue mich auf Euch!

 

Herzliche Grüße,

 

 

Euer Reuven                                                             Münster, den 16. März 2008

 

 

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