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Reuven Moskovitz

 
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Reuven Moskovitz im November 04

 

 

                                           Mag sein, dass ich bau in der Luft meine Schlösser,

                                            Mag sein, dass mein Gott ist im ganzen nicht da.

                                            Im Traum ist mir heller; im Traum ist mir besser,

                                            im Traum ist der Himmel noch blauer als blau;.

                                            Mag sein, dass ich wird mein Ziel nicht erreichen.

                                            Mag sein, dass mein Schiff wird nicht kommen zum Steg.

                                            S´geht mir nicht darum, ich soll was erreichen;

                                            S´geht mir um den richtigen Weg.

                                             Josef Papiernikoff, 1924

                                             

Reuven Moskovitz, Jerusalem
Daniel Barenboim und sein Orchester, das  West-Eastern-Divan Orchestra

 

             Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Friedensfreunde,

 

ich bin Jude und Israeli aus Jerusalem, der sein ganzes Leben dem Frieden, der Versöhnung und der Vergebung widmet.

Ich begrüße Sie als Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Konzertes. Dieses Konzert ist nicht nur ein hervorragendes Kultur-Kunst- oder musikalisches Ereignis, sondern beinhaltet auch ein tiefsinniges politisches Symbol. Es ist ein Beweis, dass es nicht Krieg zwischen Juden und Arabern gibt, sondern dass es Juden und Araber gibt, die auf Konflikt, Krieg und Hass gerichtet sind und Juden und Araber, die sich der Liebe, dem Frieden und der versöhnenden Kunst verpflichtet fühlen.

Als Überlebender und Opfer von Krieg, Hass, Verfolgung und rassistischer Vorurteile beschäftigt mich mein ganzes Leben die Frage wie man den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt überwinden kann.

Eine der überzeugenden Antworten erleben wir an diesem Abend. Ein Spruch der jüdischen Weisen heißt:

                   Ein Held ist, wer seinen Feind zum Freund macht.

Daniel Barenboim und sein zusammen gestelltes Orchester, das  West-Eastern-Divan Orchestra, sind die Helden unserer Zeiten und nicht diejenigen, die sich gegenseitig in hoffnungs- und sinnlosen Kriegen  umbringen, diejenigen, die Teile unserer Welt in Brand gesetzt haben, wie im Libanon, in Israel, Palästina,  Afghanistan und im Irak.

 

Vor 32 Jahren habe ich mich überwunden nach Deutschland zu fahren um den Weg Deutschlands von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus zu studieren. Ich habe mir die schmerzhafte Frage gestellt: Ob nicht auch wir Juden, ein Volk das Jahrtausende durch die Macht des Geistes und der Gewaltlosigkeit überlebte, als Anbeter der Gewalt nicht auch gefährdet sind, daran zugrunde zu gehen. Zutiefst überrascht habe ich nicht nur die zerstörerischen Denk- und Handelsstrukturen des Dritten Reiches  erkannt,  von denen auch unsere Machthaber schwer kontaminiert sind. Ich habe auch eine neue deutsche Identität entdeckt: Die erstaunliche Fähigkeit des Übergangs von tief eingeprägtem rassistischem Vernichtungswahn zu einer erfolgreichen Friedens- und Versöhnungspolitik, die zu einer Friedensidentität geführt hat. Diese Tatsache hat mich 1974 dazu bewegt, einen Brief an deutsche Freundinnen und Freunde unter dem Titel „Es gibt ein Deutschland, dass ich liebe“ zu schreiben. Bewegt und berauscht von dieser neuen deutschen Identität hat sich bei mir die Hoffnung entwickelt, dass von Deutschland aus die aktivsten und unablässigsten Versuche kommen könnten und müssten, um zu Frieden und Versöhnung zwischen uns Juden und den Palästinensern zu gelangen. Zu meinem tiefsten Bedauern musste ich auch die deutsche „Schuldidentität“ wahrnehmen. Diese Identität als Ergebnis von Reue und Scham kann ich verstehen und achten. Nicht nachvollziehen kann ich, wenn diese Identität für deutsche Menschen bedeutet, mit zweierlei Maß zu handeln, wenn es um den tragischen jüdisch-palästinensischen Konflikt geht. Denn dieser Konflikt ist nicht wenig von der deutschen Vergangenheit geprägt und mit verursacht worden. Ich wage zu denken, dass, wenn sich die deutsche Außenpolitik mit derselben Entschlossenheit und Gründlichkeit, mit denen es sich alle ehemaligen Feinde zu Freunden gemacht hat, sich für einen Frieden zwischen Israel und Palästina eingesetzt hätte, wäre es nicht zu diesem dramatischen Wirbel von Gewalt und Gegengewalt gekommen.

Leider hat die Schuldidentität, bewusst oder manipuliert durch unsere „Meinungsgestalter“, die deutsche Politik und die meisten Deutschen dazu geführt, sich verlegen und gelähmt ziemlich einseitig in eine falsche bedingungslose Solidarität mit Israel zu begeben. Bedingungslose Solidarität  mit dem Existenzrecht  Israels muss selbstverständlich sein. Nicht aber mit dem Recht Israels seinen Nachbarn durch Gewalt Annexionsansprüche aufzuzwingen und Selbstbestimmung zu verweigern.

Im Vorwort zu der fünften Auflage meines Buches: Der lange Weg zum Frieden schrieb ich: „Ausgerechnet bei mir, dem verfolgten Juden, hat sich die Vision eines überwältigenden, von Deutschland ausgehenden Aktes entwickelt. Dieser Akt sollte so einmalig aufbauend sein, wie der Holocaust einmalig und zerstörerisch war“. 

Daniel Barenboim zeigt seine Größe nicht nur als Dirigent und Pianist sondern seine politische Einsicht: „Jeder militärische Sieg lässt Israel politisch schwächer und den Gegner immer radikaler werden. Israel wird nur Sicherheit haben, wenn es wirklich ein Teil der Familie der Nationen im Nahen Osten wird. Schafft es das nicht, wird es nicht weiter existieren. Aber das muss man sagen, dass ist unsere jüdische, unsere israelische Verantwortung……..

Alles ist möglich und nur eines nicht: Und das ist eine militärische Lösung“.

 

Ich wage Sie aufzurufen die aus der Vergangenheit entstandene Verantwortung zu übernehmen. Bitte setzen Sie sich mit der Kraft, die Ihnen aus dem sechzigjährigen Frieden und Versöhnungserfahrung erwachsen ist, für eine friedensfähige und menschenwürdige Lösung im Nahen Osten ein.

               

Es gibt keinen Frieden und keine Sicherheit für Israel ohne Freiheit und Frieden für die Palästinenser.

 

Zur Person: Reuven Moskovitz ist Historiker und seit Jahren in der israelischen Friedensbewegung aktiv. Er  ist  Mitbegründer des Friedensdorfes Neve Shalom/Wahat Al Salam , in dem israelische  Juden und Palästinenser zusammen leben. Er kämpft für die Verständigung und Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis und bemüht sich auch um die deutsch-israelische Versöhnung. Er ist Preisträger des Mount Sion Award 2001 und des Aachener Friedenspreises 2003.

 

Sein 1996 erschienenes Buch „Der lange Weg zum Frieden - Deutschland-Israel-Palästina“ gibt es jetzt in 5. Auflage. Es ist zum Preis von 13 EU (zzgl. Portokosten) zu beziehen über:

Adalbert Janssen, Klunderburglohne 1, 26736 Krummhörn (Tel. 04923/ 200).

 

 

 

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