GAZA

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Oktober 2004 - "Tage der Buße" - Tage der Vergeltung, des Blutes.

Die ....  Angriffe sind wesentlich verheerender als ‘Operation Regenbogen’ im Mai. Damals starben in Rafah 40 Menschen, und es kam zu einem internationalen Aufschrei. Heute herrscht vor allem in Amerika Stille. Diese Stille scheint zu akzeptieren, daß Gaza in ein ‘killing field’ verwandelt wird. Scharon hat den Zeitpunkt wirklich gut gewählt, die Kinder in Gaza zu dezimieren. Amerika ist mit seinem Präsidentschaftswahlkampf und seiner Irak-Invasion beschäftigt. Wie viele müssen noch sterben, ehe die Welt ihre Stimme erhebt? Quelle

 

Israels blutige "Tage der Buße" in Gaza

Hinter dem so genannten Schutzwall errichtet Israel  im nördlichen Gazastreifen eine bis zu neun Kilometer tiefe "Sicherheitszone" "gegen Raketenangriffe".

Dieser Streifen der Verwüstung erinnert an eine 1982 im Südlibanon eingerichtete Sicherheitszone gegen den Beschuss mit Kassam- und Katjuscha-Raketen.

Die anhaltende Offensive der israelischen Armee im Gazastreifen wird unterdessen weltweit als "völlig unangemessen hart" kritisiert. Auch US-Außenminister Powell empfahl im UN-Sicherheitsrat der israelischen Regierung "angemessenere Mittel" gegen palästinensische Extremisten. Seit Beginn des jüngsten israelischen Einsatzes im Gazastreifen vor einer Woche kamen fast 80 Palästinenser ums Leben. Der Einsatz "Operation Tage der Buße" ist damit der blutigste seit Beginn der zweiten Intifada vor vier Jahren. Verteidigungsminister Shaul Mofaz kündigte an, die militärischen "Aktivitäten zu Lande und aus der Luft" weiter zu verstärken. Auslöser war der Tod zweier israelischer Kinder in Sderot durch Kassam-Raketen. Das sei unverzeihlich, sagt Minister Mofaz.
Quelle

Tage der Buße
von Mohammad Omer
Rafah Today / ZNet 19.10.2004

Der Gestank hier ist einfach bestialisch. Gehst du irgendeine Straße entlang - falls du dich traust -, bist du gezwungen, den Blutlachen auszuweichen, manchmal mußt du auch mittendurch. Überall hängen Fetzen von Menschenfleisch - oft kaum noch als menschliche Überreste erkennbar -, auf den Dächern, auf der Straße, oder das Fleisch klebt an kaputten Fensterscheiben.
Der Geruch von faulendem Blut mischt sich mit dem beißenden Gestank schwarzverkohlten Menschenfleischs - verbrannt durch eine Rakete, die aus einem in Amerika fabrizierten Apache-Hubschrauber der israelischen Armee abgefeuert wurde. Der Himmel ist verqualmt mit schwarzem Rauch. Zum Teil stammt der Qualm von den Raketenexplosionen; manchmal scheint es aber, als sei die Hauptursache der Verqualmung die ständigen Müllfeuer, die die Leute mit Reifen und anderem Müll nähren. Der Rauch verwirrt nämlich die unbemannten Drohnenüberwachungsflugzeuge, die auf Hitze reagieren. Ein auf relativ freiem Gelände gelegtes Feuer lenkt so Geschoßfeuer und Bomben auf harmlosere Ziele ab. Der Rauch - vermischt mit Gips- und Zementstaub - ist Fluch und Segen zugleich. Der Gestank verbrannten Fleisches und verwesenden Bluts verdrängt bis zu einem bestimmten Grad den der ungeklärten Abwässer aus geborstenen Kanalrohren und den Geruch von zehntausenden Menschen, die sich seit mehr als einer Woche nicht mehr waschen konnten. Trinkwasser ist hier zum raren, wertvollen Gut geworden. Duschen oder baden - ein Luxus, den sich niemand mehr leisten kann. Der Rauch reizt die Augen, daran ist nichts zu ändern, aber er schützt die Augen auch ein klein wenig vor jenen noch schrecklicheren Bildern: Körperteile, die als solche erkennbar sind - ein Stück Bein oder ein Stück Torso. Finger liegen verstreut - noch deutlich als Finger erkennbar, mit ganz persönlichen Merkmalen. Eigentlich sollte niemand etwas Derartiges sehen müssen. Gruppen von Freiwilligen sammeln die Körperteile auf und bringen sie in eins der beiden Krankenhäuser Jabalyas. Die Ambulanzen kommen nicht nach, die Flut der Verletzten und frisch Verstorbenen zu bewältigen.

Überall sieht man Beerdigungszüge und “Trauerhäuser” (so nennt man die Zelte, die trauernde Familien errichten, um Freunde und Angehörige zu empfangen). Aber in Wirklichkeit ist hier jedes Haus ein Trauerhaus - ob noch relativ intakt oder komplett bzw. teilweise zerstört durch Panzer und Bulldozer der israelischen Armee (IDF). Vor den Geräuschen gibt es keinen Schutz - nicht vor dem Weinen und Wehklagen der Väter und Mütter, der Kinder und Ehemänner bzw. Ehefrauen der Getöteten. Nichts schützt vor den Schreien der Verletzten, dem Heulton der Ambulanzen, dem Gewehrfeuer der Heckenschützen, dem dumpfen Knall einer Panzergranate, den ständigen Explosionen durch einschlagende Apache-Granaten. Die Zeit ist aus den Fugen geraten. Eine Stunde ist hier wie ein Tag; ein Tag ist wie eine Woche oder ein Monat.

Wir reden hier vom Flüchtlingslager Jabalya, im nördlichen Gazastreifen. In Jabalya - einem der dichtbevölkertsten Orte der Welt - werden seit über einer Woche 106 000 Männer, Frauen und Kinder, überwiegend unbewaffnete Zivilisten, schonungslos attackiert. Die offizielle Version der Israelis: Das Gemetzel sei die “Antwort” auf eine selbstgebastelte Kassam-Rakete, die palästinensische Militante letzte Woche auf die israelische Stadt Sderot abfeuerten. Die Rakete tötete zwei Kinder. In Wirklichkeit drangen die ersten israelischen Panzer schon Stunden vor dem Raketenanschlag auf Sderot in Jabalya ein. Seit Wochen beobachten wir mit Besorgnis, wie sich im Norden Gazas die israelischen Streitkräfte sammeln: 2000 frische Soldaten mit mehr als hundert zusätzlichen Panzern und Bulldozern.

Erst seit ich hier sitze und meine Notizen, die ich in den letzten Tagen sammelte, durcharbeite, wird mir klar, was für einen grausamen Namen die IDF für ihre Offensive wählte: ‘Tage der Buße’. Sie schlachten nicht nur unbewaffnete Zivilisten ab, sie vergehen sich sogar an der Sprache. Nach meinem Verständnis bedeutet “Buße” soviel wie das Bereuen einer schlechten Tat - aus freien Stücken. Soll das Massaker die Opfer etwa zu Büßern machen? Soll es in ihnen Trauer wecken für 4 oder 5 getötete israelische Soldaten und 2 tote israelische Kinder - während man den Tod von mehr als 60 palästinensischen Zivilisten als eine Art Gerechtigkeit hinnehmen soll? Für uns, die wir in der Jabalya-Falle sitzen, hört sich das eher wie ‘Tage der Rache’ an. Zweifellos ein Akt der Kollektivbestrafung - laut Genfer Konvention verboten.

Aber vielleicht sollten wir uns gar nicht wundern. Israels Premierminister Ariel Scharon hat angekündigt, den Angriff “solange wie nötig” fortzusetzen - bis von selbstgemachten Raketen des palästinensischen Widerstands “keine Gefahr mehr” ausgehe. Vor mehr als 20 Jahren war Scharon Architekt der Massaker von Sabra und Schatila. Heute verfährt er fast identisch - allerdings mit weit besseren Waffen. Natürlich gibt es militante Gruppen. Letzte Woche schlugen sie hin und wieder zu. Aber die Israelis sind ihnen zahlenmäßig und natürlich waffenmäßig haushoch überlegen. Die Hamas verteilt in Gaza-Stadt Flugblätter, in denen sie schwört, ihre Raketenangriffe (mit selbstgebastelten Waffen) auf illegale jüdische Siedlungen in Gaza bzw. auf jede erreichbare Stadt in Israel solange nicht zu beenden, wie die Israelis ihre Einmärsche nicht beendeten. Der internationale Protest ist angesichts der amerikanischen Unterstützung für Israel verstummt bzw. erlahmt. Einzig die dünne, einsame Stimme des US-Außenministeriums drängt Israel, seine “Reaktionen” “verhältnismäßig” zu gestalten. Dem ging natürlich wieder das obligatorische Mantra voraus: “Israel besitzt das Recht auf Selbstverteidigung”. Zu Beginn dieser Woche wurde eine UN-Resolution eingebracht, die Klartext redete und den Angriff verurteilte. Das Veto der USA schlug sie nieder.

In puncto genaue Opferzahlen ist es gar nicht so einfach, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die aktuellen Zahlen lauten: 80 getötete Palästinenser (davon 20 Militante, die die Hamas für sich reklamiert) und über 200 Verletzte. Bevor dieser Artikel in Druck geht, werden die Zahlen sicher weiter steigen. In Jabalya existiert kein Zufluchtsort, und in den Kliniken herrscht Chaos. Die Bestände gehen zur Neige, das Personal arbeitet ausnahmslos rund um die Uhr - schon seit Tagen. Ich sah Abu Nedal - Vater des 14jährigen Nedal Al Madhown - der um Fassung rang und die erschöpften Ärzte und Ambulanzfahrer fragte: “Wurde mein Sohn getötet? Wurde er getötet?” (Der Junge war schon bei seiner Ankunft im Krankenhaus tot). Bei der Mehrzahl der Toten und Verletzten handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die offensichtlich nicht gekämpft hatten.

Ich führte ein Interview mit Dr. Mahmoud Al Asali, Direktor des Kamal Adwan Hospitals. Man müsse wohl zwangsläufig davon ausgehen, daß die israelische Armee es absichtlich auf Zivilisten abgesehen hat, so der Doktor. Die meisten der durch Gewehrschüsse Verletzten wiesen Oberkörperwunden auf, was auf einen Tötungsbefehl für israelische Scharfschützen schließen lasse. Die palästinensischen Ärzte entfernten etliche sogenannte ‘Flechettes’ aus verletzten und toten Körpern; das läßt darauf schließen, daß die IDF illegale Splitterbomben verwendet, Bomben, die bei der Explosion rasierklingenscharfe Splitter streuen. Wie mir Dr. Al Asali sagt, ist der Einsatz illegaler Splitterwaffen für die hohe Zahl Toter und Schwerverletzter bzw. für den hohen Schweregrad der Verletzungen verantwortlich. Die IDF verweigert eine Stellungnahme.

Die Krankenhaus-Teams und Ambulanzen-Crews sind so gestreßt, daß sie Freiwillige mit der grauenhaften Aufgabe betrauen müssen, die menschlichen Überreste einzusammeln, zu sortieren und zuzuordnen. Den trauernden Familien soll möglichst viel Substanz übergeben werden. Einer dieser Sanitäter ist Ahmed Abu Saali, 26, vom Kamal Aswan Hospital: “Enorme Schwierigkeiten bereitet uns die Tatsache, daß diese gewaltigen Bomben Teile der einzelnen Opfers über einen großen Radius verstreuen können. So kann es leicht passieren, daß einige Teile einer Person im Al Awda Hospital landen, also im Osten des Lagers, während wir hier im Westen andere Teile derselben Person haben”. Manchmal sind Kleiderfetzen bei der Zuordnung hilfreich. Immer wieder schießt die israelische Armee auf Sanitäter-Teams oder Journalisten. Bislang wurden 2 Ambulanzfahrer sowie ein Kameramann der Ramatan New Agency verletzt. Ambulanz-Crews und Presseleute tragen natürlich spezielle Kleidung, die sie kenntlich macht.

Israel hat alle Grenzen zu Gaza dichtgemacht. Auch innerhalb des Gazastreifens wurde die Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt. Es existieren drei Haupt- “Zonen” - die durch abgeriegelte militärische Checkpoints voneinander getrennt sind. Während der letzten Tage wurden zahlreiche neue Checkpoints eingerichtet und Straßen mit Zementblocks und Sandbarrieren abgeriegelt. Die Menschen können nicht mehr von Stadt zu Stadt - nicht einmal Ambulanzen, die Patienten in die Klinik bringen wollen. Darüber hinaus wurde der Hauptübergang zwischen Israel und Gaza geschlossen - selbst für NGOs, humanitäre Hilfsorganisationen und ausländische Journalisten. So intensiv die Militäroffensive auch ist und war, den Menschen droht noch weitere Gefahr. Viele Familien haben seit Tagen weder Wasser noch Nahrung. In Tal Al Zattar, Ost-Jabalya, habe ich eine ältere Frau namens Umm Ramzi interviewt. Sie sprach mit mir durch das klaffende Loch in ihrer Hauswand, das eine israelische Panzergranate riß. Sie sagte: “Wir haben das Rote Kreuz angefleht, unser Leben und das unserer Kinder zu retten, aber niemand reagierte”. Der Großteil der NGO-Mitarbeiter und Hilfsorganisationen nimmt natürlich - logischerweise - an, daß durch die Linien des israelischen Militärs rund um Jabalya kein Durchkommen ist. Gleichzeitig ist ihnen aber absolut klar, daß die Zivilisten Hilfe brauchen. Es gelang mir, mich mit dem Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC) in Verbindung zu setzen. Sein Name ist Simon Schorno. Er sagte mir am Telefon: “Im Moment befinde ich mich auf dem Weg nach Gaza. Wir haben mit der IDF geredet und um Erlaubnis gefragt, Nahrungsmittel und Wasser zu bringen. Es ist uns jedoch nicht gelungen, ein Okay für umfassende Lebensmittelverteilungen zu erhalten”. Auf die Frage, warum das Rote Kreuz während der letzten Tage, als soviele Familien in Not waren, nicht da war, antwortete Mr. Schorno: “Ich fühle mich furchtbar. Wir tun wirklich unser Bestes, um Nahrung und Wasser reinzubringen, aber auch die beschädigten Straßen sind ein Grund, warum wir die Menschen nicht so schnell erreichen”. Eine Reihe Einwohner - Augenzeugen - haben bestätigt, daß die israelische Armee mehrere hohe Gebäude zu Heckenschützenposten umfunktioniert hat. Und sie würden auf alles schießen, was sich bewegt. Eines der aktuellsten Opfer ist Islam Dweidar, 14. Das Mädchen wollte während einer scheinbaren Feuerpause für die Mutter Brot einkaufen. Ein israelischer Heckenschütze schoß ihr in den Kopf.

Im Süden des Gazastreifens verstärkt die israelische Armee ihre Panzer und Bulldozer - überall in Khan Younis und Rafah. Jede Nacht kommt es zu Granatbeschuß, mit vielen Toten und Verletzten. Heute morgen sprach im am Telefon mit Dr. Ali Mussa. Er ist Direktor des Abu Yousif Al Najjar Hospitals in Rafah. Er erzählte mir von der 13jährigen Eman al Hums, die von israelischen Scharfschützen getötet wurde: “Das Kind kam im Krankenhaus an und war übersät mit insgesamt 20 Schußwunden in verschiedenen Körperteilen, 5 davon im Kopf”. Palästinensische Augenzeugen berichten, das Mädchen wurde getötet, als es mit zwei anderen Schulmädchen auf dem Weg zur Schule war. In ersten Medienberichten behauptete die IDF noch, das Mädchen habe versucht, eine Bombe zu legen. Später sah man sich gezwungen einzugestehen, daß dies eine falsche Beschuldigung war.

Die heutigen Angriffe sind wesentlich verheerender als ‘Operation Regenbogen’ im Mai. Damals starben in Rafah 40 Menschen, und es kam zu einem internationalen Aufschrei. Heute herrscht vor allem in Amerika Stille. Diese Stille scheint zu akzeptieren, daß Gaza in ein ‘killing field’ verwandelt wird. Scharon hat den Zeitpunkt wirklich gut gewählt, die Kinder in Gaza zu dezimieren. Amerika ist mit seinem Präsidentschaftswahlkampf und seiner Irak-Invasion beschäftigt. Wieviele müssen noch sterben, ehe die Welt ihre Stimme erhebt?

Quelle   Quelle Originaltext

Kinder zu töten, ist keine große Sache mehr
von Gideon Levy
Haaretz 17.10.2004

Mehr als 30 palästinensische Kinder wurden in den ersten zwei Wochen der „Operation Tage der Sühne“ im Gazastreifen getötet. Es ist kein Wunder, dass viele Leute solch ein massenhaftes Töten von Kindern mit „Terror“ bezeichnen. Während in der Gesamtzählung aller Intifada-Opfer das Verhältnis drei getötete Palästinenser zu einem getöteten Israeli ist, kommt es bei den Kindern zu einem Verhältnis von 5:1. Nach B’tselem der israelischen Menschenrechtsorganisation wurden sogar vor der augenblicklich laufenden Operation 557 Minderjährige (unter 18) getötet im Vergleich zu 110 israelischen Minderjährigen.

Palästinensische Menschenrechtsgruppen sprechen sogar von einer höheren Zahl: 598 palästinensische Kinder (unter 17) wurden nach der Palästinensischen Menschenrechtsüberwachungsgruppe (PHRMG) und 828 (unter 18) nach dem Roten Kreuz getötet. Man beachte auch das Alter: Nach B’tselem, deren Daten bis etwa vor einem Monat erfasst worden waren, waren 42 Kinder unter 10 Jahre alt; 20 waren sieben, 8 waren zwei Jahre, als sie starben. Die jüngsten Opfer waren 13 Neugeborene, die während der Geburt an den Checkpoints starben.

Mit solch erschreckenden Statistiken wie diesen, sollte die Frage, wer ein Terrorist ist, schon für jeden Israeli längst eine sehr belastende Frage sein. Aber dies steht nicht auf der öffentlichen Tagesordnung. Kindermörder sind immer noch nur die Palästinenser, die Soldaten verteidigen uns und sich – zur Hölle mit den Statistiken.

Die reine Tatsache, die ganz klar festgestellt werden muss, ist die, dass das Blut von Hunderten palästinensischer Kinder an unseren Händen klebt. Keine verworrene Erklärung vom Büro eines IDF-Sprechers oder von Militärkorrespondenten über die Gefahren, denen Soldaten durch Kinder ausgesetzt sind, keine zweifelhafte Entschuldigung durch Leute der PR im Außenministerium darüber, wie Palästinenser ihre Kinder benützen, wird diese Tatsache ändern. Eine Armee, die so viele Kinder tötet, ist eine Armee ohne Hemmungen, eine Armee, die ihren Moralkodex verloren hat.

Als das Knessetmitglied Ahmed Tibi (Hadash) in einer besonders emotionalen Rede in der Knesset sagte, dass es unmöglich sei, länger zu behaupten, alle diese Kinder werden versehentlich getötet. Eine Armee macht bei der Identifizierung nicht 500 Irrtümer pro Tag. Nein, das ist kein Irrtum sondern die verheerende Folge einer Politik, die hauptsächlich von einer erschreckend leichten Finger-am-Abzug-Mentalität bestimmt wird und von der Dehumanisierung der Palästinenser. Auf alles zu schießen, was sich bewegt - einschließlich auf Kinder – ist zur Norm geworden. Sogar die augenblickliche Mini-Wut, die über die „Bestätigung des Tötens“ des 13jährigen Mädchens, Iman Alhamas, ausbrach, dreht sich nicht um die wahre Frage. Der Skandal sollte allein durch den Akt des Tötens selbst verursacht worden sein, nicht durch das, was ihm folgte. Iman war nicht die einzige. Mohammed Aaraj aß ein Sandwich vor seinem Haus, dem letzten vor dem Friedhof des Balata-Flüchtlingslagers bei Nablus, als ihn ein Soldat aus nächster Nähe erschoss. Christine Saada saß im Auto ihrer Eltern, die von einem Verwandtenbesuch auf dem Weg nach Hause waren, als die Soldaten den Wagen von allen Seiten mit Kugeln beschossen. Sie war 12 als sie starb. Die Gebrüder Jamil und Ahmed Abu Aziz fuhren mitten am Tag auf ihren Fahrrädern, um sich Süßigkeiten zu kaufen, als sie direkt von einer Salve getroffen wurden, die von einer israelischen Mannschaft eines Panzers abgeschossen wurde. Jamil war zur Zeit seines Todes 13, Ahmed sechs.

Muatez Amudi und Subah Subah wurden von einem Soldaten getötet, der auf dem Dorfplatz von Burkin stand, der auf jeden feuerte, der in der Nähe von Steinewerfern war. Radir Mohammed aus dem Khan Yunis Flüchtlingslager saß in ihrem Klassenzimmer, als sie zu Tode kam. Sie war 12, als sie starb. Alle diese hatten nichts Böses getan und wurden von Soldaten getötet, die in unserem Namen handeln.

Wenigstens in einigen Fällen musste den Soldaten klar gewesen sein, dass sie auf Kinder zielten, aber das hielt sie von ihrem Tun nicht ab. Palästinensische Kinder haben keinen Schutzraum: tödliche Gefahr lauert in ihren Wohnungen, in ihren Schulen und auf der Straße. Nicht eines der Hunderte von Kindern, die getötet worden sind, verdienten den Tod. Die Verantwortung für ihr Töten sollte nicht anonym bleiben. Doch die Botschaft, die den Soldaten übermittelt wird, lautet so: Es ist keine Tragödie, Kinder zu töten – und keiner von euch macht sich deshalb schuldig.

Der Tod ist für die Kinder natürlich die größte Gefahr, aber sie ist nicht die einzige. Entsprechend von Angaben des Palästinensischen Ministerium für Erziehung sind 3409 Schulkinder während der Intifada verletzt worden, eine Reihe von ihnen werden nun lebenslang behindert sein. Die Kindheit von Zehntausenden palästinensischer Kinder geht von einem Trauma zum Nächsten, von einem Schrecken zum nächsten Schrecken. Ihre Häuser werden zerstört, ihre Eltern vor ihren Augen gedemütigt, Soldaten fallen brutal mitten in der Nacht in ihre Wohnungen ein, Panzer eröffnen das Feuer auf ihre Klassenzimmer. Und es gibt keinen psychologischen Dienst. Hat man jemals gehört, dass ein palästinensisches Kind ein „Opfer von Angstneurose“ wurde?

Die allgemeine Gleichgültigkeit, die diese „Schau“ von unglaublichem Leiden begleitet, macht alle Israelis zu Komplizen eines Verbrechens. Selbst Eltern, die wissen, was Angstzustände für das Leben eines Kindes bedeuten, wenden sich weg und wollen nichts von den Ängsten hören, die sich bei den Eltern auf der anderen Seite des Zaunes ansammeln. Wer hätte glauben wollen, dass israelische Soldaten Hunderte von Kindern töten würden – und dass die Mehrheit der Israelis dazu schweigt? Selbst die palästinensischen Kinder sind ein Teil der Dehumanisierungskampagne geworden: Hunderte von ihnen zu töten, ist keine große Sache mehr.

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"Mission has been effectively accomplished", sagte Hauptmann Jacob Dallal, Sprecher der israelischen Armee. (Washington Post, 16. Oktober). "Mission erfolgreich ausgeführt"- vielleicht war es ein Zufall, daß die gleichen Worte seinerzeit auf einem US-Flugzeugträger auf ein Transparent geschrieben waren, vor dem US-Präsident Bush das - wie er dachte - Ende des Irak-Krieges verkündete. Doch vielleicht ist die Sprache gewisser Politiker und Militärs einfach so.

Der "Mission", die am 29. September begann, hatte man den Namen "Operation Days of Penitence" verpaßt, was in Deutschland von den meisten Medien mit "Tage der Reue" übersetzt wurde. Doch wer sollte was bereuen? Penitence heißt auch "Buße", und das ist logischer: Die Palästinenser sollten "büßen" - konkret für den Abschuß einer Qassam-Rakete auf die israelische Stadt Sderot, die zwei Kinder tötete. mehr >>>

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