oo

Das Palästina Portal

Kostenlos  IST nicht Kostenfrei

Unterstützen Sie
unsere Arbeit

Nach oben
Pressemitteilung - Clemens Ronnefeldt - 2008
Free Gaza - Aktion Nr. 2
Nur kleine Kriegsverbrecher werden bestraft
Kasbauer E. spricht mit Sara Roy
Dimona –Reaktor
Hausbericht 97
IWPS.info Augusti 2006
IWPS.info Juli 2006
IWPS.info April 2006
IWPS.info April 2006
Belagertes Flüchtlingslager Balata
Olivenkampagne 2005
Mauerbau in Salfit
Schwerkranker verhaftet, gefesselt
Jaber Dalany
Iskaka kämpft um Gerechtigkeit
Berichte 30.09.04
Wahre Geschichte - Ariel und Salfit
Das besetzte Salfit
Schulanfang -Leben und Leiden
Ghetto von Mas’ha
Budrus
„Keine Araber, kein Terror“
Sperren, Checkpoints - parallele Welten
Vergiftete Beziehungen
Unterstützung - Wahl 9.1.2005
„Das Dorf der Mauer“
Die Armee + der Volksaufstand
Kate Raphael
Mauertore + Zwischenfälle
Israelis entdecken Palästina
Kampf gegen die Mauer - Gasangriff???

 

International Womens' Peace Service berichtet:
IWPS Berichte in deutscher Übersetzung

 

 

Straßensperren, Checkpoints und parallele Welten
IWPS Bericht Nr. 39

 

Es ist eine Kunst, sich in der Westbank zu bewegen. Es ist, als ob parallele Welten bestünden – die Siedlerstraßen und Siedlungen die nun ein nahtloses Ganzes mit Israel bilden - , und die palästinensischen Gebiete, beschnitten und mit miserablen Verkehrsverhältnissen. Es wurde sorgfältig darauf geachtet, dass sich diese zwei Welten nirgendwo kreuzen. Während es auf der Landkarte so aussieht, als seien die Straßen verbunden, gibt es faktisch am Boden keinen Zugang. Von einer zur anderen zu kommen ist nicht unmöglich, aber schwierig.

Während Palästinenser auf der Straße 446 fahren, flitzen Siedler auf der neuen Autobahn Nr. 5, die palästinensische Dörfer voneinander abtrennt und Bauern von ihrem Feld abschneidet. Möchte man von einer Dorf nahe Qalqilya nach Jayous, so zeigt die Karte, dass man einfach nach rechts auf die Straße 55 fahren kann, dann etwas nach Osten und nach einer Abbiegung nach links nordwärts nach Jayous.  Eine Metallbarriere mit Schloss und Riegel zeigt aber, dass das überhaupt nicht möglich ist.  So muss ein Palästinenser auf den schwierigen Straßen wieder retour und muss einen langen Umweg auf die 446 machen, die unter der Schnellstraße 55, nur für Siedler gedacht, unten durchführt. So wird aus einer 15-Minuten-Strecke ein einstündiges Herumfahren.

Siedler verbringen ihr Leben, indem sie sich bequem, schnell und geradlinig fortbewegen können, in ihren meist neuen Autos auf breiten Asphaltstraßen. Palästinenser fahren meist in klapprigen Autos, die mit Drähten zusammengebunden sind, mit unheimlichen Geräuschen von kreischenden Stoßdämpfern und Beweisen von kreativen Arten, Kühler und Achse zusammenzuhalten. Wer eine Weile auf den alten Landstraßen fährt - meist sind es unbefestigte Straßen voller Schlaglöcher -, versteht sehr schnell, wie man zu einem solchen Autoverschleiß kommt. In Wahrheit wundert man sich eigentlich, wie die Wagen überhaupt noch zusammenhalten und sich fortbewegen.

Palästinensische Autos haben grün-weiße Nummernschilder, und wenn ein Palästinenser auf einer Siedlerstraße ertappt wird, wird sein Auto mit großer Wahrscheinlichkeit konfisziert. Manche nutzen die Chance, um die Reisezeit zu verkürzen  Nur Taxifahrer mit gelbem israelischen Nummernschild und einer speziellen Genehmigung dürfen auf diesen Straßen fahren.

Die Schilder auf Siedlerstraßen geben meistens nur die Namen der israelischen Siedlungen an. Während diese in Hebräisch, Arabisch und Englisch geschrieben sind, sieht man oft die arabischen Schriftzeichen heruntergekratzt.  Sehr selten sieht man die Namen der palästinensischen Dörfer angeschrieben, auch wenn man sie von der Autobahn aus sehen kann. Es wird schwierig werden, einen lebensfähigen palästinensischen Staat in der Westbank zu schaffen.  Es sieht mehr nach einer Reihe von „Palestans“ aus, ähnlich den früheren südafrikanischen Bantustans. Während Palästinenser gezwungen sind, auf den Landstraßen herumzukarren oder zu riskieren, stundenlang an Checkpoints zu warten, ihre Autos oder Schlüssel für Stunden konfisziert zu bekommen, haben die Siedler alle Bewegungsfreiheiten, bequeme Straßen, keine Checkpoints and keine Angst, ihr Auto zu verlieren.

Um das Leben der Palästinenser noch schwieriger zu machen, sind vor fast jeder Dorfeinfahrt Straßensperren. Es sind Hindernisse aus Erd- und Geröllhaufen und großen Betonblocks.  Man muss seine Reise um sie herum planen.  Wer ein Auto hat, muss sich glücklich schätzen, wenn erst nach 10 Kilometern eine solche Straßensperre die Weiterfahrt blockiert.  Einmal bei einer Straßensperre angekommen, muss man das Auto zurücklassen, über die Absperrung gehen und ein Sammeltaxi nehmen, oder bis zur nächsten Straßensperre zu Fuß weitergehen.  Manchmal, besonders in der Früh, wenn sich die Glücklichen, die noch eine Arbeit haben - meist im Industriegebiet der Siedlung -, auf den Weg machen, ist das Militär an der Straßensperre und kontrolliert jede Identitätskarte. Eine Form der Schikane und um zu zeigen, wer hier die Macht ausübt. Palästinenser können zurückgehalten werden für einen Tippfehler bei den hebräischen Buchstaben oder einem anderen speziellen Grund, auch wenn sie dann zu spät zur Arbeit kommen (oder gerade deshalb?).

Das Dorf Bruqin hat 9 Straßensperren hintereinander. Taxifahrer tun ihr bestes, um die Leute so nahe wie möglich zu bringen, fahren über unüberwindbar scheinende Sperren mit Passagieren, die fürchten, dass Achse und Stoßdämpfer in Brüche gehen, bevor sie vor den wirklich unüberwindlichen Hindernissen anhalten. Dann muss man bis zu seinem Ziel zu Fuß gehen, oder ein neues Taxi rufen. Wenn man entlang der Straße geht, ist man unmittelbar parallel zur Siedlerstraße und man kann den Autos zusehen, wie sie vorbeijagen.  Es ist ein Ort, wo man die Apartheidelemente im besetzten Palästina ganz deutlich erkennt.

Man lernt die Straßensperren zu überwinden, ob man darüber und daran vorbei geht.  Sie sind nicht immer mit Soldaten besetzt. Soldaten tendieren dazu, früh am Morgen dort zu sein oder wenn es Abend wird. Das ist ein Unterschied zu den Checkpoints, die ständig mit Soldaten besetzt sind, um jeden der ein und ausgeht, zu kontrollieren.

Eine Fahrt vom Bezirk Salfit nach Jerusalem muss in Abschnitten zurückgelegt werden.  Zuerst nimmt man ein Sammeltaxi zur Kreuzung Tapuach/Zatara. Der verwendete Name hängt davon ab, in welcher Welt man sich befindet.  Ist man mit Palästinensern unterwegs, dann heißt die Kreuzung Zatara. Wenn man mit einem israelischen Siedler fährt, spricht man von Tapuach. Dann geht man zu Fuß um die Kurve am Checkpoint Zatara vorbei. Die paar Soldaten, die dort sind, kontrollieren normalerweise keine Ausweise von Nichtpalästinensern, wie Internationalen oder Siedlern. Von dort nimmt man ein weiteres Sammeltaxi zum Qalandia Checkpoint.  Meine ersten Erfahrungen dort geben nur einen kleinen Vorgeschmack der Verrücktheit „Qalandia“.

Qalandia ist ein Flüchtlingslager westlich von Ramallah mit einem der größten Checkpoints der Umgebung. Ein Jeep fuhr vor unser Sammeltaxi und zwang unseren Fahrer zum Anhalten. Ein wütender Soldat schrie den Fahrer an, dass er aussteigen solle. Auch wir stiegen aus, um zu zeigen, dass Internationale ihn beobachten. Er aber warf uns nur einen finsteren Blick zu und fuhr weg. Kurze Zeit später kam er wieder und nahm den Führerschein unseres Fahrers mit. Wir fanden noch andere Taxifahrer, denen die Führerscheine weggenommen worden sind und auf die Rückgabe warten. Einer davon wartete seit 9.30 in der Früh, und zu der Zeit war es schon 5.30 am Abend, acht Stunden später.

Eine Mitarbeiterin von IWPS telefonierte mit einer israelischen Menschenrechtsorganisation, um den Fahrern zu ihren Führerscheinen zu verhelfen. Während wir darauf warteten, dass sich etwas dafür tut, gingen wir zum Kontrollpunkt, wo die Leute versuchten, nach Ramallah hinein oder heraus zu kommen und beobachteten die Vorgänge. Es war eine lange Reihe von Menschen, die darauf warteten, kontrolliert und durchgelassen zu werden. Eine Frau wurde aufgehalten, als sie versuchte durchzugehen. Ein Soldat befahl ihr, zurückzukommen. Ein anderer Soldat, der freundlich zu mir sein wollte, erklärte mir, dass sie keine Bewilligung habe und versuchen wolle den Checkpoint zu umgehen. Unser Taxifahrer erklärte uns später, dass sie gleich außerhalb des Checkpoints wohne. Zweifellos muss sie oft durch diesen Checkpoint und hatte die endlosen Wartezeiten satt.

Unser Fahrer bekam seinen Führerschein zurück und wir nahmen wieder ein anderes Sammeltaxi für den Abschnitt Qalandia – Jerusalem. Auf dem Weg war ein fliegender Checkpoint mit ein paar Jeeps und Soldaten, aber wir konnten passieren und kamen schließlich um 8 Uhr abends an – 3 ½ Stunden nach der Abfahrt (was verhältnismäßig schnell ist).

Es gibt so viele Checkpointgeschichten. Berichte über Frauen, die ihre Kinder an einem Checkpoint zur Welt brachten, Rettungswagen, die ihre Patienten nicht ins Krankenhaus bringen konnten, weil sie keine Durchfahrtserlaubnis bekamen. Babies, die an Checkpoints starben. Kranke Menschen, die an Checkpoints gestorben sind. Es gibt auch die relativ glückliche Geschichte eines Paares, das am Checkpoint geheiratet hat. Der Bräutigam, der sich entschieden hatte zu heiraten, ohne dass sich ihm Checkpoints in den Weg stellten.

Checkpointerfahrungen reichen von freundlichen Soldaten, die versuchen verschreckte Kinder mit Süßigkeiten zu beruhigen – das sieht vor anwesenden Internationalen immer gut aus - ,  bis zu Soldaten, die wartende Reihen ohne ersichtlichen Grund anschreien. Studenten, die versuchen, zu ihrer Vorlesungen zu kommen, werden am einen Tag durchgelassen, am nächsten nicht.  Viele Familien fürchten um das Leben ihrer Jugendlichen, die nach Nablus zur Universität gehen. Oft werden sie nicht durchgelassen, gehen dann über die Berge um den Checkpoint herum und riskieren angeschossen, verletzt oder gar getötet zu werden, da Soldaten sie für „Terroristen“ halten könnten.

Während der restlichen Welt erzählt wird, dass Bewegungseinschränkungen gelockert werden, zeigen die Tatsachen das Gegenteil. Palästinenser brauchen Genehmigungen, um von Gebiet A (angeblich unter palästinensischer Kontrolle) nach B (angeblich unter gemeinsamer Kontrolle) zu kommen.  Eine weitere Tatsache, dass das Osloabkommen den Bach hinuntergeht, scheint nichts zu machen. Sogar wenn man sich eine Genehmigung besorgen konnte – kein leichtes Unterfangen – garantiert es noch lange kein sicheres Passieren. Sie können immer noch zurückgewiesen werden.

Es gibt eine Gruppe israelischer Frauen, die regelmäßig Checkpoints beobachtet und versucht, die Härte und willkürliche Behandlung zu verbessern.

Dem Urteil der Palästinenser zufolge sind Straßensperren und Checkpoints ausschließlich da, um das Leben schwer zu machen. Sie fragen: „Wie erklärst du dir sonst einen Checkpoint in Surda, zwischen Ramallah, einer palästinensischen Stadt, und Birzeit, einem palästinensischen Dorf, beides palästinensische Gebiete im Gebiet A mit keinerlei Siedlung dazwischen?“

Text: IWPS, Barbara, July 2003 
Übersetzung: Karin

 

 

Um Berichte zu erhalten senden Sie bitte ein e-mail an iwps-berichte-subscribe(at)lists.riseup.net
Um sich aus der Liste auszutragen, senden Sie bitte ein e-mail an
iwps-berichte-unsubscribe(at)lists.riseup.net  
IWPS Tel: +972 (0)9 2516644 oder (Mobil) +972 (0)547 621 431
www.iwps.info Für deutschsprachigen Raum: e-mail: iwpseurope(at)gmx.net  

Vielen Dank für Ihre Spende, um das Projekt aufrechtzuerhalten:   Spendenkonto Österreich: "IWPS-Palästina" Hypobank Bregenz, Blz 58000 Kontonummer: 10.340935.018 Konto:  10340935018 IBAN:  AT87 5800 0103 4093 5018 BIC:  HYPVAT2B     Spendenkonto Deutschland: "IWPS-Palästina" Hypobank Riezlern, Blz 733 11 600 Kontonummer: 0340935.018   Spendenkonto Schweiz: "IWPS Palestine" POFICHBE. Clearing Number 9000 Kontonummer: 90-183121-8   Das Copyright (c) 2002 liegt bei IWPS. Alle Rechte vorbehalten. Die Publikationen von IWPS sind urheberrechtlich geschützt. Nicht-Regierung-Organisationen (NGO´s), Aktivisten und Bildungsorganisationen sowie gemeinnützige Projekte dürfen unsere Berichte und Fotos herunterladen, speichern, drucken, kopieren und weiterleiten, sofern sie für den nicht-kommerzeillen Gebrauch verwendet werden und mit den Zielen von IWPS im Einklang sind. Bitte verändern sie keinen Teil davon. IWPS  

Das Palästina Portal
 

Start | oben

Mail            Impressum             Haftungsausschluss                 arendt art