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Einige Perlen aus der Rede des Präsidenten des Staates Israel, Schimon Peres,

vor dem Deutschen Bundestag am 27. Januar 2010

 Felicia Langer

 

Dankenswerterweise hat die Zeitschrift „Der Semit“ die Rede des israelischen Präsidenten Schimon Peres in der Ausgabe Nr.04 August/September 2011 verbatim abgedruckt. So kann man sich mit hehren Worten belehren lassen, was Moral, Liebe und Frieden für Israel und für Peres selbst bedeuten…

 

Ein solches Meisterstück der Verdrehung und Umwertung der Bedeutung wäre selbst dem berühmten George Orwell nicht so ohne weiteres gelungen, auch wenn sich bei ihm der bekannte Spruch findet, Krieg ist Frieden….

 

Den Teil der Rede, den Peres den Mitgliedern seiner Familie widmet, die Opfer des Holocaust wurden, übergehe ich. Lassen wir die Ermordeten in Frieden ruhen…Anschließend spricht er aber über die Verpflichtung des jüdischen Volkes gegenüber den Zehn Geboten, unter allen Umständen und überall: „Morde nicht!“, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ und „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Da klingen in meinen Ohren aber unüberhörbar die Worte etlicher Rabbiner in Israel – sie beziehen ihr Gehalt von der Regierung -, die in aller Öffentlichkeit sagen, dass man sogar die Kinder der Araber töten muss, weil sie künftig als Erwachsene zu Terroristen werden. Und der „Nächste“, den zu lieben man geboten ist, gilt ausschließlich für Juden. Dass Israel den Frieden tatsächlich sucht oder sogar danach jagt, ist schwer zu glauben; im Gegenteil, auf Friedenssuchende, Juden wie Palästinenser, wird seit geraumer Zeit intensiv Jagd gemacht.

 

Bezüglich der Lehre aus dem Holocaust sagt der Präsident: „Und nun zur bedeutendsten aller Lehren: ‚Nie wieder eine Rassenlehre. Nie wieder ein Gefühl von Überlegenheit. Nie wieder eine scheinbar gottgegebene Berechtigung zur Hetze, zum Totschlag, zur Erhebung über das Recht.’“ Die Rassenlehre in Israel gegen die Palästinenser hat in der Knesset einen „honorigen“ Platz gefunden, wo in jüngster Vergangenheit Gesetze verabschiedet wurden, die nicht nur wie bisher versteckt, sondern offen rassistisch sind. Die israelischen Friedenskräfte sagen, dass die gegenwärtige Knesset die rassistischste aller Zeiten ist. Hetze gegenüber den Palästinensern und Mord und Totschlag insbesondere in den besetzten Gebieten sind an der Tagesordnung – und der Präsident ist bestens im Bilde.

 

 

Aber er appelliert an das deutsche Volk mit den Worten: „Um eine zweite Schoah zu verhindern, ist es an uns, unsere Kinder zu lehren, Menschenleben zu achten und Frieden mit anderen Ländern zu wahren. Die junge Generation muss lernen, jede einzelne Kultur und die universellen Werte zu respektieren. Die Zehn Gebote müssen immer wieder neu gedruckt werden.“ – Das sagt der Präsident, der die israelischen Kriege, die Tausende von Opfern gekostet haben, gutgeheißen hat. In einem Land, in dem die jungen Generationen nicht mehr lernen, universelle Werte zu respektieren. In einem Land, das seit 44 Jahren eine kolonisatorische Besatzung betreibt, in deren Dienst die junge Generation zu routinierten, grausamen Unterdrückern erzogen wird. Der Präsident, der das Massaker in Gaza Dezember 2008/Januar 2009, das den bildhaften Namen „Gegossenes Blei“ hatte, mitgetragen hat, mit etwa 1.440 toten Palästinensern, in der Mehrzahl Zivilisten, darunter Hunderte von Kindern, in dessen Verlauf das israelische Militär u.a. weißen Phosphor gegen Zivilisten eingesetzt hat und zahlreiche Verwundete ohne ärztliche Hilfe oder sogar auf Grund der Behinderung der Notfallversorgung qualvoll verblutet sind. Wie es aussieht, hat der Präsident, der „Vater der atomaren Waffen“ in Israel,  die Zehn Gebote längst vergessen, so wie alle bisherigen israelischen Regierungen.

 

Aber der Präsident versäumt nicht zu betonen: „Israel ist ein jüdischer und demokratischer Staat, in dem rund 1,5 Millionen gleichberechtigte arabische Bürger leben. Wir werden es nicht zulassen, dass jemand wegen seiner Nationalität oder Religion diskreditiert wird.“ Von welchem Israel spricht der Präsident da eigentlich? Solche Lügen kann er nicht einmal in der israelischen Knesset vorbringen, dazu braucht er den Deutschen Bundestag als unkritische, gläubige Zuhörerschaft – so  wie Benjamin Netanjahu den amerikanischen Kongress…

 

Die ca. 1,5 Millionen Araber (d.h. Palästinenser) in Israel sind in Wirklichkeit Bürger zweiter oder dritter Klasse, wegen ihrer Nationalität diskriminiert, was Bürgerschaftsrechte, Landnutzung und Landerwerb, Bildung, Behausung und vieles mehr angeht. Sogar das Recht auf Trauer über ihre Vertreibung und Enteignung, die Israel zu verantworten hat, sowie über ihre Entrechtung ist ihnen genommen, öffentliche Bekundung dieser Trauer ist mittlerweile gesetzlich verboten. - Ich habe 40 Jahre in Israel gelebt und gegen diese Diskriminierung gekämpft. Und ich versuche es weiter zu tun.

 

Präsident Peres spricht auch martialisch gegen den Iran, was für die israelische „Hasbara“ (Propaganda) obligatorisch ist: „Genau wie unsere Nachbarn lehnen wir ein fanatisches Regime ab, das die UN-Charta missachtet.“

Eine Dreistigkeit sondergleichen, die Missachtung der UN-Charta zu beklagen, angesichts der Tatsache, dass Israel die UN-Charta und UN-Resolutionen seit Jahrzehnten missachtet, was die israelische Besatzung und Kolonisierung der palästinensischen Gebiete betrifft, und das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes ignoriert.

 

Am Ende noch eine Rede-Perle, die gewissermaßen den Gipfel der Verzerrung darstellt: „Es gelüstet uns nicht nach Gebieten, die uns nicht gehören.“

Herr Präsident, wenn nur ein Hauch von Wahrheit in diesem Satz enthalten wäre, hätte man schon seit Jahren Frieden mit den Palästinensern und allen arabischen Ländern schließen können! Sie lügen wissentlich, Herr Präsident, was eine Schande ist.

Wenn es einen Nobelpreis für Betrug mit Worten gäbe, hätten Sie ihn redlich verdient.

Ich verneige mich vor den Abgeordneten im Deutschen Bundestag, die nach Ihrer Rede sitzen geblieben sind.

 

Felicia Langer

 

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