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Kommentar des Monats Dezember 2011 für: "Das Palästina Portal"

von Abraham Melzer


An Edom!


Ein Jahrtausend schon und länger,
Dulden wir uns brüderlich,
Du, du duldest, daß ich atme,
Daß du rasest, dulde Ich.
Manchmal nur, in dunkeln Zeiten,
Ward dir wunderlich zu Mut,
Und die liebefrommen Tätzchen
Färbtest du mit meinem Blut!
Jetzt wird unsre Freundschaft fester,
Und noch täglich nimmt sie zu;
Denn ich selbst begann zu rasen,
Und ich werde fast wie Du.
Heinrich Heine (1797-1856)
 

 

Warum sind die Israelis  ein so peinlich selbstgerechtes, verlogenes, boshaftes und heuchlerisches Volk? Oder vielleicht sind die Israelis, gar keine Juden mehr, sondern das geworden, was die Feinde der Juden einmal waren. Heinrich Heine hat es in seinem Gedicht „An Edom“ schon vor zweihundert Jahren sehr genau vorausgesehen. Und passen denn die Worte des Propheten Jesaja nicht auch auf die Juden (nicht nur in Israel) von heute: „Denn eure Hände sind mit Blut befleckt, eure Finger mit Unrecht. Eure Lippen lügen, eure Zunge flüstert Worte voll Bosheit.“ (Jesaja 59/3)

Israel beschuldigt immer wieder die Palästinenser, dass an ihren Händen Blut klebt. Klebt denn an den Händen von Ehud Barack, Benjamin Netanjahu, Shimon Peres, Yitzhak Rabin, Arik Sharon und vielen anderen kein Blut? Klebt denn an den Händen des Piloten, der eine Tausend-Kilo-Bombe auf ein Wohngebiet in Gaza abgeworfen hatte, kein Blut?

Noch vor 50 Jahren haben alle israelischen Politiker sämtlicher Fraktionen in der Knesset gemeint, dass das jüdische Volk niemals dem deutschen Volk das vergessen wird, was es ihm angetan hat, und das es mehrere Generation dauernd wird, bis man mit den Deutschen wieder an einem Tisch sitzen wird. Es hat allerdings nicht einmal eine Generation gedauert und der Staat Israel hatte volle diplomatische Beziehungen mit Deutschland.

Damals hieß es: „Das deutsche Volk hat ein Drittel des jüdischen Volkes vernichtet. An der Vernichtung haben sich hunderttausende Deutsche beteiligt, Millionen haben davon gewusst. Den Todesmarsch der Häftlinge von Dachau haben Millionen Deutsche gesehen. Sie haben das jüdische Volk vernichtet nicht wie Soldaten im Krieg, sondern als Volk. Wie das Beispiel Amalek haben sie Kinder und Greise, Kranke und Krüppel ermordet – aus Lust am Vernichten.“

Das jüdische Volk wollte das niemals vergessen und es dem deutschen Volk niemals vergeben. Es ist aber schon nach weniger als einer Generation vergessen und vergeben gewesen, und heute ist Deutschland der beste Freund Israels, von den Amerikanern abgesehen. Die Stellung eines Volkes in der Geschichte, seine Stellung in der Völkergemeinschaft, seine Selbstachtung und seine Achtung durch andere werden durch zwei Faktoren bestimmt. Achad Haam hat sie wie folgt beschrieben: „Durch die Kraft seiner Erinnerung und die Kraft seiner Hoffnung.“

Wir erinnern uns als Volk immer noch an die Vertreibung und die Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer vor zweitausend Jahren; wir erinnern uns an die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge vor tausend Jahren; wir erinnern uns an die Schrecken der Inquisition und die Vertreibung aus Spanien vor fünfhundert Jahren, und wir haben auch die Pogrome im zaristischen Russland nicht vergessen. Aber das, was die Deutschen von sechzig Jahren getan haben, das haben wir vergessen. Es ist allein ein Ritual geblieben, das man allen wichtigen und unwichtigen Staatsgästen in Israel vorführt, wenn man sie nach Yad Vashem bringt. Und es ist natürlich auch in Deutschland ein Ritual geblieben, das man sich am 9. November an die Judenverfolgung erinnert. Und das ist auch gut so, denn wir Juden sollten unser Jude sein nicht durch die Shoah definieren, wie es der Zentralrat immer noch macht, da es nach Meinung von Dieter Graumann, „keinen Schlussstrich geben darf“.

Natürlich darf und soll man nicht vergessen, aber noch weniger darf und soll man Generationen von jungen Juden, jungen Israelis, seelisch und emotional manipulieren, indem man ihnen die Identität der Auschwitzhäftlinge anerzieht und in einzelnen Fällen sogar eintätowiert. Die jüdischen Opfer dürfen, können und sollen natürlich nicht vergessen, allein schon um künftige Generation warnen zu können.

Wir haben den Deutschen vergeben, die uns vernichten wollten, aber wir sind nicht in der Lage, den Palästinensern zu vergeben, die wir vernichten wollen. Der zynische und furchtbare Satz von Golda Meir, „Wir werden den Arabern nie vergessen, dass sie unsere Jungs gezwungen haben, ihre Kinder zu töten“, schwebt noch immer als Damoklesschwert über den Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern. Warum können wir den Palästinensern nicht „vergeben“, dass sie uns ihr Land nicht auf einem silbernen oder gar goldenen Tablett überreicht haben, und nicht „freiwillig geflohen“ sind? Worin liegt denn ihr Verbrechen gegenüber dem jüdischen Volk? Dass sie um ihr Land, ihre Häuser und ihr Leben gekämpft haben? Hätten wir das nicht auch getan?

Wir produzieren am laufenden Band falsche Mythen und primitive Lügen über die „Geburt“ Israels. Man sollte ab und zu auch ein Buch lesen, wie die Lebensgeschichte von Abdullah Frangi, der die Geschichte von der Entstehung Israels und die Vertreibung der Palästinenser mal aus der Sicht der Palästinenser erzählt, die von den Israelis vertrieben wurden. Da erfahren wir eine ganz andere Wahrheit, die mitunter überzeugender ist, als die Wahrheit der israelischen Mythen, die inzwischen schon von unzähligen jüdischen und israelischen Historikern als Lug und Trug entlarvt worden sind. Während für die Juden die Shoah eine abgeschlossene Episode in ihrer Geschichte ist, erleben die Palästinenser heute noch, nach mehr als 60 Jahren, fast tagtäglich die Nakba, die Katastrophe, in Form ihrer Vertreibung, denn noch werden Palästinenser aus ihren Häusern und Ländereien vertrieben, weil Juden sie haben wollen. Der Raub palästinensischen Landes wird heute noch fortgesetzt, in Jerusalem, im Jordanland und anderswo.

„Durch die Kraft seiner Erinnerung und die Kraft seiner Hoffnung“ hat, nach Achad Haam, das jüdische Volk die Erneuerung seiner staatlichen Existenz erlebt. Diese Kraft der Erinnerung ist aber auch bei den Palästinensern vorhanden, auch wenn Israel mit aller Macht und seinen perfidesten Gesetzen versucht, die Erinnerung an die Nakba zu verbieten. Aber Erinnerung verbieten wäre genauso, als wenn man den Menschen verbieten würde zu denken. Die Gedanken sind, Gott sei Dank, frei, behauptet ein deutsches Volkslied. Die Erinnerung ist auch frei, keiner kann sie verbieten. Und natürlich gilt das alles noch viel mehr für den Begriff der Hoffnung. Hoffnung hat nicht nur das jüdische Volk am Leben erhalten; Hoffnung erhält alle Völker der Welt und alle Menschen der Welt am Leben, die Palästinenser ganz besonders. Das Prinzip Hoffnung ist der Motor, der alles schafft, eines Tages auch einen Staat Palästina. Und da können sich die Israelis dagegen wehren, wie sich seinerzeit die Palästinenser gegen die Gründung Israels gestellt haben. Wenn die Zeit reif sein wird, wird er kommen.

Vor einigen Tagen hat die israelische Tageszeitung Haaretz enthüllt, dass man den Offiziersanwärter in der israelischen Militärakademie nicht nur viele Fakten aus der israelischen Politik vorenthält, sondern dass man sie regelrecht belügt und ihnen Märchen erzählt. So erfahren sie z. B. nicht, dass es Zahal, der israelischen Armee, 2006 im Libanonkrieg  nicht gelungen ist, die Hisbollah zu zerschlagen und, was ein Skandal ist, das Gebiet der Palästinenser ist auf den Landkarten im Unterricht überhaupt nicht markiert, als ob es sie gar nicht gäbe. Wie wäre es, wenn man sich in Deutschland darüber aufregen würde, und nicht über einen Palästinensertuch auf dem Israel nicht genannt wurde? Die künftigen Offiziere werden nicht zur Ehrlichkeit, wahrhaften Information und Selbstbewusstsein erzogen, sondern, wie es einer der Leser bestätigte, zur Zensur, Mundhalten und die Wahrheit unter dem Teppich zu kehren.

Seit Jahrzehnten schon stecken führende israelische Politiker und jüdische Funktionäre überall auf der Welt ihren Kopf in den Sand und wollen die Welt um sich herum nicht sehen und schon gar nicht anerkennen. So hat Israel Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die Anerkennung Palästinas als selbstständiger Staat zu verhindern und sich wie ein ungezogenes Kind im Kindergarten benommen, als die UNESCO die Palästinenser als neues Mitglied aufgenommen hat. Leider hat Deutschland, im Gegensatz zu den meisten Staaten der Welt, sich hier auf die Seite Israels geschlagen und sich ebenfalls wie ein Vogel Strauß benommen. Golda Meir hat auch den Satz geprägt, der bis heute noch lebendig ist: „Ich kenne kein palästinensisches Volk.“ Und so wie dieser Satz sich als pure Dummheit erwiesen hat, so wird sich auch die Nichtanerkennung Palästinas als eine noch größere Dummheit erweisen. Und eines haben wir von der Geschichte gelernt: Man kann Politikern die bösesten und naivsten Fehler verzeihen, aber nicht Dummheit.

Natürlich fehlte hier auch nicht die Stimme des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Dieter Graumann, der Vorsitzende dieses Sprachrohrs Israels in Deutschland, hatte noch die Chuzpeh in einem Interview zu behaupten: „Der Zentralrat ist keine Agentur der israelischen Regierung.“ Was denn sonst, wenn er fast wöchentlich Presseerklärungen zum Nahostkonflikt abgibt und sich anmaßt, den palästinensischen Politikern „gute“ Ratschläge zu geben, wie sie der Politik Israels am wenigsten in die Quere kommen können. Warum erhebt er nicht seine jüdische Stimme gegen die Versuche von Netanjahu, Lieberman und einigen durchgeknallten ultrarechten Abgeordneten, Israel in einen faschistischen Staat zu verwandeln? Die Gesetzesvorlagen, die in dieser Legislaturperiode am laufenden Band in die Knesset eingebracht werden, erschrecken zum Teil auch Netanjahu und Barak selbst, von den noch liberalen Abgeordneten, die leider in der Minderheit sind, und von Teilen der Öffentlichkeit, die noch denken kann, ganz zu schweigen. Die ewigen jüdischen Gralshüter  und Blockwarte des Zionismus in Deutschland, schweigen sich auch dazu aus. Was sollen sie auch sagen, wenn sie selber von sich behaupten reaktionär zu sein.

So bleibt uns allen nichts anderes übrig, als dieses Trauerspiel des Aufstiegs und Untergangs des Israelischen Reiches zu beobachten. In künftigen Generationen wird man darüber so dicke Bücher schreiben, wie über den Aufstieg und Fall des Römischen Reiches. Die Korruption, die eines der Gründe für den Untergang Roms war, hat Israel mit Rom schon gemeinsam. Auch der Größenwahnsinn, die militärische Omnipotenz und Aggressivität, der ewige Drang seine Grenzen auszudehnen, und die Ausbeutung anderer Völker sind gemeinsame Merkmale. Die Römer sind am Ende gescheitert. Israel scheint dieses Schicksal noch bevorzustehen. Da Israel über ein riesiges Atomwaffenarsenal verfügt, könnte es wie weiland Samson die ganze Region mit in den Abgrund reißen.

 

"Der Semit" - Heft 4 August/September 2011
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Im Verkauf ab 5. Oktober 2011.


 

 

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