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Friedlicher Widerstand in Nabi Saleh, Westbank, 6. Mai 2011

 

Joseph Dana: Das Gewicht des jüdischen Nationalismus in Nabi Saleh

In seinem Bericht über die Freitagsdemonstration am 6. Mai in Nabi Saleh berichtet der israelische Autor, Journalist und Aktivist über die Massnahmen der israelischen Besatzungsarmee zur Niederschlagung der friedlichen Widerstandsbewegung im Westbankdorf Nabi Saleh, das seit Dezember 2009 gegen Annexionsversuche israelischer Siedler und gegen die israelische Besetzung von palästinensischem Land kämpft.

 

Es ist nicht einfach, nach Nabi Saleh zu kommen. Die Armee schliesst am Freitag schon frühmorgens alle Zugänge ins Dorf, weil an diesem Tag seit zwei Jahren die wöchentlichen Demonstrationen stattfinden. So müssen israelische und internationale Aktivisten, die sich an den unbewaffneten und meist gewaltlosen Demonstrationen beteiligen wollen, viele Kilometer entfernt parken und durch Täler und kleine Hügel zum Dorf hoch wandern.

Israelische Soldaten waren an diesem Freitag schon lange vor Beginn der Demonstration im Dorf und verbreiteten eine unangenehme Atmosphäre der Ungewissheit unter den Dorfbewohnern. Zu dieser Unsicherheit trugen auch die aggressiven Bemerkungen von einer Gruppe Soldaten bei, die ein Hausdach in der Dorfmitte besetzt hatten.

„Bald macht dein Haus kabum!“ bellte einer der arroganten Soldaten einen älteren Dorfbewohner an. Es war nicht klar, ob der Soldat davon sprach, dass er das Haus in die Luft sprengen oder mit Tränengas und Schockgranaten angreifen wolle. Auf jeden Fall war der ältere Mann angesichts dieser bedrohlichen Sprache des Soldaten sichtlich geschockt. 

Männer und Jungen versammelten sich  nach den Mittagsgebeten, trotz der militärischen Präsenz zur Demonstration entschlossen. Ungefähr 12% der männlichen Dorfbewohner, von einer Gesamtbevölkerung von 500 Menschen, waren wegen der Teilnahme an den Demonstrationen bereits in israelischen Gefängnissen. Bassem und Naji Tamimi, die Leiter des Bürgerkomitees Nabi Saleh sind zur Zeit in Haft. Sie wurden noch nicht verurteilt, werden aber angesichts ähnlicher Vorgänge in Bil’in [in den vergangenen zwei Jahren] wahrscheinlich die nächsten ein, zwei Jahre im Gefängnis verbringen. Ihr Verbrechen: Organisation von unbewaffneten Demonstrationen, die Israelis,Palästinenser und Internationale zusammenbringen, um Widerstand gegen die Besatzung zu leisten.

Innerhalb von Minuten eröffneten die Soldaten das Feuer von drei Seiten auf die Demonstranten. Tränengas füllte die Luft und Schockgranaten explodierten in alle Richtungen mit Explosionen, die zu Orientierungslosigkeit und Panik führen. Kinder, manche nur vier oder fünf Jahre alt, rangen in ihren Häusern um Atem, ein Entkommen war nicht möglich. Diese offizielle nicht erklärte Ausgangssperre für Nabi Saleh wurde von den Soldaten  beinahe fünf Stunden aufrechterhalten.

Als die Sonne unterging, lockerten die Soldaten ihre Ausgangssperre ein wenig. Weil ununterbrochen Tränengas abgeschossen wurde, hatte es keine Zusammenstösse zwischen palästinensischen Jugendlichen und Soldaten gegeben. Der Dorfladen öffnete wieder seine Türen und trotz der Anwesenheit von einem Dutzend schwer bewaffneter Soldaten im Dorfzentrum kam eine gewisse Ruhe im Dorf auf. Sporadisch eröffneten die Soldaten das Feuer und füllten einen Teil des Dorfes mit Tränengas, was die Menschen zum Rückzug in ihre Häuser zwang, in denen die Fenster zum Schutz gegen das Tränengas mit grossen Teppichen verhängt sind. Nach einer halben Stunde kamen die Dorfbewohner langsam aus ihren Häusern und Ruhe kehrte ein.

Als die Soldaten endlich Vorbereitungen zum Abzug vor der Nacht begannen, rollte der berüchtigte „Skunk“ Wagen ins Dorf, was bei den jungen Männern von Nabi Saleh eine Welle der Aufregung auslöste. Provozierend fuhr der Wagen durchs Dorf und richtete die bedrohliche Spritze mit der penetranten chemischen Mischung  auf jedes Haus. Die Jugend des Dorfes reagierte und warf mit Steinen auf den gepanzerten Wagen, was wiederum eine brutale Reaktion in Form von Tränengas und Gummimantelgeschossen von den patrouillierenden Soldaten provozierte. Die Zusammenstösse zwischen Soldaten und Jugendlichen dauerten bis acht Uhr, bis der letzte Soldat in die Siedlung/Militärstation Halamish zurückgekehrt war.

Ich habe von Nabi Salehs Saga des waffenlosem Widerstand gegen die israelische Besatzung seit Beginn der Demonstrationen vor über einem Jahr  berichtet. Die Demonstration an diesem Freitag war anders. Ich sah ein Dorf unter einer Ausgangssperre. Ich sah, wie  Menschen dazu gezwungen wurden,  in ihren Häusern Schutz zu suchen, weil sie den Weg des waffenlosen Widerstandes gewählt hatten, im Geist der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Ich sah Kinder, die Tränengaswolken in ihren Schlafzimmern hatten und um Atem rangen. Die einzige Erklärung für dieses Verhalten ist die israelische Absicht, Nabi Saleh zu schikanieren und die gewaltlose Bewegung zu zerschlagen.

Auf meinem Heimweg nach Tel Aviv überlegte ich, was den Soldaten wohl durch den Kopf ging, wenn sie das Feuer auf israelische und palästinensische Zivilisten eröffnen? Dachten sie, dass ihr Verhalten heroisch sei? Wurden sie von Hass und Angst angetrieben? Hat unser Nationalismus einen Punkt erreicht, an dem er Leute dazutreibt, blindlings Zivilisten zu terrorisieren, die ein grundlegendes Menschenrecht ausüben wollen? Die traurige Antwort ist ein Ja, aber Sie müssen mir nicht einfach Glauben schenken, kommen Sie am nächsten Freitag nach Nabi Saleh und entscheiden Sie selbst.

The weight of Jewish nationalism in Nabi Saleh: http://josephdana.com/

 

 
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