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Brief aus Nazareth: die vergessenen Palästinenser

 Jonathan Cook, 25. 12. 15

 

Die Christen und Muslime der Stadt kämpfen weiter gegen Israels „Teile und herrsche“ –Politik. Mit 26 m  ist Nazareths künstlicher Weihnachtsbaum der größte im Nahen Osten. Deshalb rühmen sich die Stadtoberen. Sein roter, silberner und goldener Schmuck hat eine  vorübergehende , aber dringend nötige Freude zur Stadt von Jesu Kindheit gebracht.

Trotz der festlichen Stimmung kämpfen Freunde und Nachbarn in Israels größter palästinensischer Stadt einen Kampf, um hoffnungsvoll über die  Zukunft zu klingen. Selbst der aufblasbare Father Christmas, der vor dem Laden hängt. Sieht verloren aus .

Der Tourismus ist seit Israels Angriff  auf Gaza 2014 zusammengebrochen. Die Unruhe  aus der Nähre der besetzten Westbank bringt  unerbittliche Berichte  über die palästinensischen  Todesfälle.

Und in Syrien- ein Steinwurf weit von Galiläa entfernt. Die auseinander fallende regionale  Ordnung klingt wie ein  ominöses böses Omen.

Genau so aufregend sind die Zeichen, die israelische Feindseligkeit der Gesellschaft gegenüber  seiner palästinensischen Minderheit wird immer hässlicher. Tod den Arabern  wird nicht mehr nur in den Fußballstadien gesungen,  sondern auch auf den Schnellstraßen.

Meine in Nazareth geborene Frau wagt kein Messer mehr mitzunehmen, um bei einem Ausflug mit unsern jungen Töchtern Früchte  zu schälen. Sie hat Angst, dass  bei der neuen Stimmung von Selbstjustiz, sie  erschossen wird, als ob sie als Einzelgänger ein Angreifer wäre.

In jüdischen Gegenden  geben Freunde und Verwandte zu, immer ängstlicher zu werden, in der Öffentlichkeit oder im Telefon arabisch zu sprechen.

Der Historiker Ilan Pappe nennt die 1,6 Millionen Palästinenser  unter den israelischen Bürgern „Die vergessenen Palästinenser“. Während der Nakba 1948 brachten sie es fertig, der Massenenteignung der Palästinenser zu entkommen und sich nicht vom neuen Staat  vertreiben zu lassen. Jetzt ist  einer von fünf Palästinenser  in Israels Bevölkerung.

Es ist ihr seltsamer Status als „gefangene Minderheit“ mit den Worten eines israelischen Soziologen, der mich als Journalist  vor mehr als zehn Jahren zu Beginn der 2. Intifada nach Nazareth zog.

Während der Jahre bin ich langsam dahinter gekommen, welche Schwierigkeiten palästinensische Bürger in Israel  überwinden müssen, da sie in dem permanenten  Status „Der Feind von Innen“ leben müssen. Sie mussten einen Komplex entwickeln und eine gefügige Identität und einen 6. Sinn, um den konstanten Intrigen ihres, eigenen Staates entgegenzutreten, um ihn zu schwächen.

Nazareth hat die größte Konzentration von  Christen im Heiligen Land, aber auch die 2/3 Mehrheit einer muslimischen Mehrheit, nachdem die Stadt  eine Art Heilige Stätte für viele Flüchtlinge nach 1948 wurde. Das hat die Stadt besonders verwundbar gemacht nach Israels „Teile und Herrsche-Strategie“.

Benjamin Netanjahu‘ s unheilvolle Bemühungen in den späten 1990er Jahren, während seiner ersten Regierungszeit als Ministerpräsident,  Zwietracht anzufachen, ist nicht vergessen worden. Er löste sektiererische Aufstände aus, als er einen provokativen Plan ausheckte: eine riesige  Moschee  an die heiligste Stätte der Stadt zu bauen: neben die Verkündigungsbasilika. Hier soll der Engel  der Maria verkündet haben, dass sie Jesus in sich trägt. Der Plan wurde zurückgehalten. Netanjahu  ließ dem Moschee-Plan fallen.

Als er seit 2009 wieder an der Macht war, spielte er aggressiv die Teile und Herrsche-Rolle wieder. Er machte den Christen Angst wegen der wachsenden Macht  von ISIL in der Region.

Nach lokalen Medien und kürzlichen israelischen Umfragen behaupten 17% der Muslime in Israel, dass sie die IS-Gruppe unterstützen.

Eine nähere Untersuchung jedoch enthüllt, dass die Gefragten  nicht wegen ISIL gefragt worden seien, sondern ob sie sich als Araber schämen. Bei dieser Zählung  wäre sogar meine palästinensische christliche Frau  zu den Unterstützern von ISIL gezählt worden.

Trotz alledem: die Öffentlichkeit, der die Meinungsumfragen gegeben wird, wie auch die Verhaftung von fünf Männern aus Nazareth, die angeklagt wurden ISil zu unterstützen, hat einige Christen nervös gemacht. Sie fragten sic, ob oder wie bald  sie das Abfallprodukt von Syrien erreichen wird.

Netanjahu ist  nur sehr glücklich, die Ängste geschürt zu haben. Er hat einen Priester aus Nazareth auf seine Seite gezogen und behauptet, dass es jetzt für Christen – nicht für Muslime – an der Zeit wäre, ihre jahrzehntelange Opposition aufzugeben, in der israelischen Armee zu dienen. Junge Christen  - so sagte Netanjahu sollten lernen, wie man sich selbst  als israelischer Soldat verteidigt, selbst wenn das bedeuten sollte, ihre Verwandten in den besetzten Gebieten zu unterdrücken.

Die Idee ist für die meisten  unappetitlich, aber Netanjahu  arbeitet mit Zuckerbrot und Peitsche, um sie zu locken. Ein Anlass liegt neben meinem Haus -  Land  auf einem Hügel über der Basilika. Seit Jahrzehnten war das Gebiet voller Abfall und sonst seltsam leer. Und das in einer Stadt, die übervölkert ist ….

Ein Stadtangestellter sagte mir, das Grundstück war vom Staat konfisziert worden, nachdem sein Besitzer 1948 geflohen war. Die Regierung hat nun entschieden, das Land für Hausbau anzubieten, aber nur Palästinensern, die bei den Sicherheitsdiensten dienen. Netanjahu hofft so,  Nazareth Land- und Wohnungsmangel  zu verbessern, zusammen  mit der traditionellen Verpflichtung für palästinensische Männer, vor der Hochzeit ein Haus zu bauen.  Das ist, als ob man den christlichen  Schulabgängern, die nun zur Armee müssen, den Arm verdreht.

Die unerwünschte Einmischung geht noch tiefer. Die israelische Regierung hat eine neue Nationalität eingeführt: Aramäisch. Das ergänzt die bestehenden Einteilungen auf israelischen ID-Karten : jüdisch, arabisch und drusisch.

Das Ziel ist , junge Christen  davon zu überzeugen, ihr arabisches Erbe zu leugnen, die Sprache und Kultur und Identität und stattdessen Aramäer zu werden.

Shadi Halul, ein früherer Sprecher  einer kleinen Gruppe von Christen, die freiwillig in die israelische Armee ging, hat vor kurzem  die Leitung der ersten aramäischen Schule in seinem Dorf nördlich von Nazareth übernommen .

Als ich ihn in seiner Wohnung traf, hat er ärgerlich verleugnet, dass er ein Araber sei, uns sagte, die muslimischen Eroberer  hätten  im 7. Jahrhundert ihnen die arabische Identität aufgezwungen.

„Wir sind Aramäer, aber die meisten haben unsere wahre Identität vergessen, weil sie uns  Jahrhunderte verboten war,“ sagt er. „Der erste Kampf der Christen,

 wird sein, dass sie ihre Geschichte und Sprache lernen

Nach seiner Ansicht können Christen in dieser Region  nur an der Seite von Israel existeieren, wenn beide Juden  und Christen am Einfluss gewinnen, wenn sie  Aramäisch sprechen. Die Wiedergeburt einer Sprache ist der Schlüssel ihrer Verbindung.

„ Wir müssen   wie ein Wolf sein, um in dieser Region zu leben“, sagt er. „Wir müssen in der Lage sein, uns zu verteidigen“

In Nazareth hat solch ein Denken eine kleine aber wachsende Gruppe gefunden. Die erste palästinensische-christlich-zionistische politische Partei beginnt bald in der Stadt. Ihr Hauptziel  - außer Christen in die Armee zu rekrutieren , ist, eine große Statue von Jesus zu bauen  - nach der von Rio de Janiero, die den Eingang der Stadt bewacht.

Khalil Haddad, ein christlicher Reisefrührer und Restaurantbesitzer, der ein prominenter Kritiker von Halul und seinen Nachfolgern ist, fürchtet, dass zu gegebener Zeit solche Ideen an Boden gewinnen. Er weist auf das Paradox, dass diese Christen zu Loyalität zu Israel zu einer Zeit aufrufen, in der sie unter allgemeinem Angriff leben (Nicht von ISIL oder ihren muslimischen Nachbarn , sondern von ihrer eigenen Regierung und von jüdischen Extremisten.

Im letzten Sommer  erklärte Israel gegen 50 kirchliche Schulen Krieg, zog den größten Teil der Geldmittel ab und zwang Lehrer und Schüler – meine eigenen auch – zum Streik. In derselben Zeit bombardierten jüdische Fanatiker die berühmte Kirch Tabgah als ernsteste Welle der Rache –Angriffe auf muslimische und christliche  heilige Stätten. Während der letzten zwei Jahren.

Netanjahu will die neue aramäische Nationalität dazu benützen, den Christen Privilegien anzubieten, die den Muslimen verweigert werden, um so weiter Mistrauen zu säen. Selbst Israels Ausgrenzung  der nördlichen islamischen Bewegung  im letzten Monat – so glaubt er -  könnte  als Teil beabsichtigt gewesen sein, um die Einstellung  zu verstärken : „gute Christen“ und „schlechte Muslime“.

 „Christen und Muslime haben jahrhundertelang in gemeinsamen Gemeinden  in Harmonie gelebt,“ sagte er, „ die Art  eines sektiererischen Konflikts, den Netanjahu kultiviert, wird Israel zu gute kommen und uns schaden.

http://der Semit.de/letter-from-nazareth-the-forgotten-palestinians/  ( dt. Ellen Rohlfs)

 

 

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