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hoffnung und erinnerung

4
 

susanne

erhard

 Dienstag, 5. Februar 2002 15:52


in guten tagen

streichelt lauer wind
gedankenfernes leben
ruhen glimmende punkte
ist das ich
ein verlöschendes etwas
sind wege nach innen
herzförmig zugespitzt

an einem guten tag
hoffentlich
endet die geländebegehung
die notwendige




in kargen niederungen
kauern worte
lichte gestalten
sprachlose töne
durch Rühr-mich-nicht-an gestutzt

in raschen zeiten
klagen triebe
verfilzte knospen
kleine tode
durch ein wachstum gehetzt

in schattenreichen stunden
wehen körper
letzte staubfäden wehmut
brechen langgestielte blicke
am entsagen entlang

so bauen wir ein luftgrab
so weben wir es leinen
so lächeln wir uns licht
so sagen wir einander - ja


 

 

So 03.02.2002 21:04


ein guten tagen
erinnerung ziehen sich am faden entlang
zwischen gestern und morgen
wie ein seiltänzer
bewegst du dich

die die gehen
flüchten
verlassen vorzeitig das spiel
eine vorstellung
die begann
und nie endet
der spieler ist stumm
das publikum geht
ohne applaus
das ende erlebt man nicht mehr
 

so leicht
schwebend  im sonnenwind

nun wieder so schwer
fassungslos
nebelwolken  in den wäldern
ich ertrinke darin

das möcht ich nicht
ein hamster in seinem laufrad sein
immer wieder am gleichen orte

wen ich hereinlasse entscheide ich
die fesseln sind zerbrochen

eine verrostete uhr
der körper trägt die spuren der zeit
eingraviert ist die erinnerung
vieler seiten
verkratzt das glas
 

ich  kratze meine spuren in die zeit
dort wo man sie sieht
da bin ich noch
auch wenn ich längst schon gegangen bin

 

So 10.02.2002 21:15

erinnerung
ist die kultur der väter
ist die kultur der mütter

ist alt
wird neu
wird alt
ist neu

unbemerkt
tiefversenkt
eine kultur
zeitversetzt
pulsierendes
bröckelndes absterbendes
weggestoßen

eine stetige häutung
eine nullzone frieren
zwischen zwei generationen

ich bin ein produkt
leben
vater
mutter
ich bin kein ganzes ich
ich bin zur hälfte ein produkt
hoffnung
vater
mutter
ich bin zur hälfte ein ich
ich bin kein produkt
vorstellung
vater
mutter
ich bin eine hälfte
ich bin ein produkt einer hälfte ich
ich bin ein ich
fleisch blut
lebendiges ich
ich bin ein ganzes ich
vater
mutter
erinnerung
ganz und gar erinnerung

ich bin eine nullzone frieren
der bloße rücken gegenwart
tonverzerrt
stimmverwirrt
sprachunfähig
ich bin die antwort
mein eigenes ich


einem sein nicht sein sein sein
diesem sein mein sein sein sein
meinem sein ein sein sein


 

 

 

 


 

 

Sa 09.02.2002 00:44

erinnerungen
viele  generationen
erfüllung in mir
verkörperung
ich
erinnern sich in mir

spurenträger
hoffnungsträger
auf dem weg wohin?

GEDANKENSPLITTER
 

1.
die gezeichneten karten
zeigen die vergangenheit
ich fahr durch die landschaften
in mich hinnein
hindurch
und zeichne neue karten
 

2.
schlafen
ohne erinnerung und hoffnung
an einem anderen ort
weit von den plätzen
auf denen die hoffnung
nur noch erinnerung ist

3.
erinnerung
zeitliches verschieben
das original
und doch nur ein teil
zeitversetztes leben

4.
ich verabschiede mich
in die erinnerung hinnein

5.
die hoffnung
sie ist nicht käuflich
hat keine grenzen
triumphiert über die erinnerung
solange sie vorhanden
stirbt es nicht in mir
ein schmerz bleibt


6.
das erleben in der gegenwart
ist gespeist von der hoffung auf morgen
und der erinnerung an gestern
der umrechnungsfaktor ging mir verloren

7.
man liebt immer zweimal
die erinnerung ist die kopie des schmerzes
der freude
des leides
ich erinnere mich
die welt wollte anders sein
 

8.

hoffnung
hoff nun
nur

im sekundenschlag
der vergessenheit

 

Do 21.02.2002 16:06

wenn ich mich suche
in der erinnerung
in der hoffnung

drehe ich das radio ab
schalte den fernseher aus
alte zeitungen zusammen
schließe die bücher

dort bin ich nicht

ich warte
auf die lidschläge
suche den boden
den lufthauch
die direkte berührung
warte auf meine geschichte

manchmal bin ich müde
atme alles aus
bin ein vogel ohne federn
ein berg ohne pfad zum gipfel
ein meer ohne auftrieb
ein bretterzaun
beschriftet mit unleserlichen kürzeln
ist mein ich
ein neutrales wesen
höre ich zitternd - ganz wach
diesen windschlag
dieses wissen
spüre ich mein eigenes unvermögen
sind mein körper
mein geist
meine seele
fallende masten
zwingt mich dieses wissen
zu einer art flucht

nchmal bin ich ein leuchten
eine hand fast wie ein licht
vergreife mich an herzen
und trinke dort die glut
durchblättere fremde seiten
schreib meinen spruch hinein
dann nähe ich an worten
verknüpfe neue muster
trage alte flicken hinaus
atme!
atme ein!
atme aus ein aus ... atme!
dann bin ich eine nahrung
dann strömt mein überfluss hoffnung
in schwarzumringtes sein

und immer jagt ein pfeil
zieht gnadenlos bilanz
mehren sich die kreuze
füllt eine blutige träne
immerwährend stumm
ein großes auge mensch
ziehen menschen durch ihre leiden
mit der hoffnung
die erinnerung zu vergessen
mit der erinnerung
die hoffnung zu behalten

 

 

 

 

 

So 17.02.2002 19:17

fotos
gespeicherte wirklichkeit
verlagerte erinnerung
was übrigblieb

mitteilsam
ich zeige sie dir
kannst du es sehen

erinnerungen
lagern sich wie ein schleier
in mein gehirn

konserviertes leben
sender
empfänger
wie - was
empfange ich
dich
du bist bei mir

im bilderbuch des lebens
sehen
erkennen
wir blättern um
und bleiben doch zurück

ich bin die antwort
meines eigenes ich
gemischt aus den samen
meiner vorgänger

unsterblich
für lange zeit vielleicht
als ich jung war
nun nur noch kurze tage
nichtenmal
ein sekundenschlag der zeit

ich bin gerührt
es rührt
bewegt
wohin

bist du die antwort
oder die frage

..............

ich erinnere mich

anfangs gehören wir uns
eine welt  voller ich
unbefangen
 unbedacht
ein kind
mit einer offenen welt
allein nur für uns


später
versuchen wir
unseren platz zu finden
zu füllen
zu halten
ein teil von vielen sein
einen fuß freihalten
 


 

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