kunst zerstört das schweigen ] treffen zwischen tag und  traum ] eis ist an den scheiben ] hoffnung und erinnerung ] wechselgespräche ]

1 ] [ 2 ] 3 ] 4 ]   Start

 


hoffnung und erinnerung

2
 

susanne

erhard

 

Mi 19.12.2001 22:06
 

ich erinnere mich an meine zukunft
ein blätterwald gedanken
wild durcheinandergewirbelt
ohne jede ordnung
gedacht erlebt geträumt erhofft
kleine hände getaucht ins leben

ich sitze auf dem warmen stein meiner eigenen zukunft pulsierend und lebendig

leben durchrieselt mich
ich durchriesele mich selber
durch einen irrgarten erreiche ich mich
manchmal sofort
manchmal niemals
mein eigenes buch
steht geschrieben in mir

stabile seiten
haltbare tinte
aktuelle erzählungen
seite um seite umgeblättert
ich schreibe
ich lese
ich schreibe
ich lese

und die gegenwart zeichnet
parallelspuren erinnerungen
meine blicke sind langsam geworden
sie treffen sich mittig mit der erkenntnis
sparen kraft

wofür?

hoffnungen
sind schweigsam
tropfen durch die zeit
fallen ins nichtsichtbare
finden keine worte
keine gesten

hoffnungen sind wünsche, die sich erinnern...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17.12.01


ich drehe mich
sehe die strasse hinter mir
bekannt und fremd
die ränder mehr oder weniger
deutlich verzehrt
aus einem nebel steigend
fallend
machens bewußt
anderes für immer verloren
 in der erinnerung versteckt sich unter steinen
das was übrigblieb
löste sich wie eine wolke
ein nebel
verloren
in die zeit


kurzfristige illusion
die das leben vergass
können manchmal überlebend
wie die erdhaufen die maulwurfhügel
verwelkte disteln, verblühte rosen, verosteter stahl
abgestorbene äste, hoffnungen
hinter mir


warum gehen wir so schwer
warum tragen wir all die lasten
legen sie erst abends ab
morgens schnallen wir sie um
und steigen erneut auf den berg
um abends wieder zu fallen


geh leichten fußes
nicht sorglos
doch unbeschwert
keine angst
dein leben wird nicht enden
ohne dich
vergeht  mit dir allein
 

las dich tragen
von der wolke
hoffnung
sie trägt die erfüllung in sich
wird  dünner
verliert sich
wird stark
wächst
bekommt farbe in der  wirklichkeit
eines  gelebten traumes

 

Di 25.12.2001 20:05

da stehe ich draussen

reibe meine scheibe blank

eine rosa wange frisch gelacht

da fallen worte in eine endlose ebene

da sind worte

eine fläche töne

eine symbiose masse

ein überwurf hören lässig getragen

da sind worte eine kette

mit absicht gefädelt

nicht erkannt

es nicht können

noch nicht

ohne struktur

ohne frage davor danach

ein haus kindsein

mit offenen türen und fenstern

fliegende worte

bleibende worte

ein wildes stetiges treiben

worte mit afrika und donner

mit keller und zorniger tafel

eine zeittafel

mit worten

gestochen scharf beschriftet

merkmale regeln gebote gesetze

eingesponnen

warm gefüttert

mit worten nie gesprochen

worte sind eingriffe

verankerte

disteln und rosen

in das kindsein

 

weihnachten

schnelle schritte

verlangsamt

zurückgeführt in eine starre

pulsierende ruhe

weihnachten

wie geht das?

eine lüge überholmanöver

für das gestell besinnung?

die erinnerung weihnachten

immer schneller immer jünger

immer weniger erstrebenswert

worte brechen

formen das schweigen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weihnachten 22.12. 2001 - 22.12 Uhr

I

hoffnungen
wünschen sich  in die wolken hinein
angelhacken
am  ende der welt

aus der erinnerung heraus
verschwimmt es
vor meinen augen
ich sehe immer klarer

das geschenkpapier wird transparenter
ich sehe was nicht darunter ist
fällt ab,
löst sich auf

der inhalt
ist meist kleiner
als die verpackung


momentaufnahmen
abgeheftet im bilderbuch deines lebens

II

die liebe die ihr schenkt
(meistens euch selber)
vorbei an der illusion neuerer hoffnung
der erinnerung wie war das doch schön
im muttterbauch
 

immer wieder
ertrinkt die hoffnung
im blut eines neuen krieges
in dir
um dich herum
voreilig geflossen
und erst von bedeutung
wenn es das eigene ist



die  tagtäglichkeit des seins
wiederholt sich bis zur erschöpfung
mit gierigen lust
saug ich dich das leben in mich hinnein
verdursten
es stirbt in der  unendschiedenheit
 

frohes fest
ostern, weihnachten
ein  besonderer kleister für die seele
golderner lackiertes zeitungpapier
morgen auch
auf dem müllhaufen der weltgeschichte
 


warum nicht
warum nicht auch das andere

bunte lichter
am baum der hoffnung
geschmückt mit dem lametta
der erinnerung


es verdeckt für kurze zeit


die schwere des lebens
die uns nie wieder auf den wolken schweben lässt
sie tragen uns noch
oder immer

vermischt
mit dem weihnachtsläuten das aus den lautsprechern quillt
steigt meine traurigkeit
das bimmeln der roten kappen
lässt es nicht erkennen
immer die gleichen
jahr für jahr
dem rascheln der einkaufstüten
dem klimpern der geldbomben
die die banken verschlingen
getragen vorbei an denen
die vergebens die hand heben
um  geld betteln und hilfe brauchen

der geruch von gebranneten mandeln
ist verwachsen mit der erinnerung
eines gewesen kindes
mit der hand der mutter

das immer neue hoffen
in den augen der anderen
auf die bescherung warteten
die dann in der tagesschau
in den augen der kinder liegt

das handy unterm weihnachstbaum klingelt
komunikation unsrer sehnsucht
der wunsch nach gefühlen
kurzfristig berühren
eine süße  die das oft bittere
des alltags  überdeckt

das rot der kugeln
 ihr leuchten
vermischt sich
der geruch von verbrannter wurst
weckt schmerzhaft
die erinnerung an verbrannten fleisch


spüle hinweg das übersüße
der marktschreier
in den bunten läden
an bunten fassanden hängen
aufgehängte bunt angemalte
gestorbene hoffnungen und träume
glitzerndes angemaltes scheinbares leben
kassenfüllende hoffnung
 

sich auflösen
wie ein fata morgana
in der kälte der nacht
in das  nichts
 


 

 

So 30.12.2001 10:44

es ist still hier
es ist laut hier
erinnerungswelten
tauchen durch ein relais
gedanken
werden NUR
BLEIBEN
gedanken
quer gedreht
zucken zimmern neues gut
die wege
kornbreit entlang dem blut
streben ins licht
in die realität
aus dem vergessen
aus der tiefe verästelung gehirn
weites WIRD

------------------------------------------------------

erinnerung weihnachten 2001

eine rede
eine stimme
pergamenten schon
wo bekommt dieser alte kranke mann diese kraft her?
ist es hoffnung?
ist es erinnerung?
dieses gemisch leben zu einem wissen geformt?

-------------------------------------------------------

ein papstwunsch

-------------------------------------------------------

ein kindsein
so eine art
licht
papierfalter
flußlandschaft
doch es brennt es brennt
es schlottert und brennt
sie brennen es
kleine hände
aufgetaute augen
geformt
geknetet
geknechtet
zertreten
so ganz beiläufig
so eine art
geste gewalt
so eine art
selbstdarstellung
so eine art
mensch - sein

-------------------------------------------------------

meine erinnerung
kennt keinen hunger
keinne durst
keine schmerzenden glieder
durch arbeit gebeugt
meine erinnerung ist warm gewachsen
eine schale sicherheit
in einem meer frieden
meine erinnerung ist rosa
ist weich
ist kein knorriger stamm
dem die wurzeln fehlen
ist ein mantel
ist ein wille
der meine schritte bewegt
oder sie verhält
so gesehen
ist erinnerung eine gnade
ein geschenk

 

 

Do 27.12.2001 21:43

wie das drehen einer gebetsmühle
immer wieder die gleichen worte
ein ewiges lied
die lügen, die wahrheiten wechseln sich ab

es dreht sich, dreht sich
leer und voll
wahr oder unwahr
auch wieder anders
und nicht das sein

sie ziehen vorbei
aneinandergereiht wie perlen
die augen des betrachters
suchen sich   worte
 

stop

ein teppich aus worten
wo sucht der blick, wo er fällte, findet
ein teppich aus erinnerungen
du verstehst es
oder nicht
es zählt das ganze
nicht ein einzelnes wort
 

stop

hoffnungen, erinnerungen
fäden die sich durchs leben spannen
ich tanze wie ein tanzbär um mich herum
hab ich die wahl?
 

stop

auch das formlose
hat seine struktur
erkennbar in der nichterkennbarkeit
aus seiner vielfältigkeit
geformte
sich neu ergebene einheit
du kannst  nur  abstand
erkennen und sehen
 

stolp


ewiges meer
wasserspritzer
ich
geboren
schon wieder verloren
 

stop

immer wieder die gleichen worte
ein meer von worten
das immer wieder im nicht verstehen
gefangen sein

 

 

 

Mo 07.01.2002 11:21

erinnern und hoffen hat einen feind

wir leben im gefüge
vergänglichkeit
rinnern und hoffen
sequenzen im rausch
die augen
gebündelte suchobjekte
zündung idee
motor zeitüberschuss
in wärme und zufriedenheit gebettet
suchen wir die grenze
das dahinter
wir tauchen im nebel

die vergänglichkeit betört mit hoffnung
die hoffnung erwächst aus schmalwüchsigem wissen

für das menschliche wissen
ist die vergänglichkeit die größte hoffnung
die erfahrung ist der gnädige freund der hoffnung
eine fahrt über land ohne höhenflüge
die erfahrung schreibt einen science fiction roman
der eigenen zukunft in etappen
entgegengedacht
entgegengelebt
eine spirale
das zusammenziehen einer logik
auseinander fallende vorstellungen
unser sein
bizarre zuckungen
ein zurechtgebogenes etwas
letztendlich
ein grandioser akkord


manchmal nur
ja
manchmal
eine fingerspitze
die den himmel berühren darf

 

Di 01.01.2002 21:32

erinnerung
abschußrampe
für die hoffnung

ein theaterspiel
der zuschauer sind wir
die spieler, marionetten geführt
aus der vergangenheit heraus
das drehbuch
schreibst du
einige seiten
vielleicht

die hoffnung
ist wie der bratenduft
der am sonntag oft aus den fenstern quillt
er ist da
du weißt aber nicht genau woher er kommt
er gilt nicht dir
es wird von anderen gegessen

die erinnerung
der weg woher du gekommen
du kennst ihn


du siehts markierungen vor dir
gehst darauf zu oder auch nicht
erfahrungswerte
sagen  dort ist der weg,
das ziel vielleicht
 

zwischen  der hoffnung
und der erinnerung
steht die erfüllung

 

 

 

 

1 2 - 3 - 4