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Ein Dorf kämpft ums Überleben

 (Die ethnische Säuberung geht weiter R.),  von ISM Juni 2008

 

In dieser Woche besuchten  IWPS-Freiwillige das kleine Dorf von Al Aqaba im Jordantal. Das Dorf gehört seit dem Oslo-Abkommen  zu Zone C, ist also unter voller israelischer Verwaltung und Sicherheitskontrolle. Die Existenz des Dorfes steht auf dem Spiel, da die isr. Regierung  für 73 % der Gebäude Abrissbefehle erteilt hat und jeden weiteren Neubau im Dorf verboten hat. Es scheint so, als ob die Regierung das dem Dorf gehörende Land zur Erweiterung  eines bestehenden Militärübungsgebietes verwenden will. Etwa 700 Menschen haben das Dorf infolge der militärischen Aktivitäten schon verlassen. Nun leben nur noch 295 Menschen dort.

Nach Israels Besatzung von Al-Aqaba 1967 wurden in unmittelbarer Nähe des Dorfes  drei Militärbasen dort errichtet. Nach einer juristischen Anrufung blieben immer noch zwei. Das Militär benützte Helikopters, Panzer, schwere Fahrzeuge und scharfe Munition in der unmittelbaren Nachbarschaft des Dorfes. Bis jetzt wurden bei isr. Militärübungen auf dem Land des Dorfes 50 Bewohner  getötet oder verletzt und auch eine Anzahl von Tieren.

Im Augenblick wird der Zugang zum Dorf  am Tayasir-Checkpoint kontrolliert und  sehr eingeschränkt. Der öffentliche Verkehr und Transport ist begrenzt und nach 17Uhr gibt es keinen öffentlichen Verkehr mehr.  Zur Zeit gibt es für 35 der 48 Bauten dort Abrissbefehle. Internationale Spenden hatten geholfen, eine Klinik, eine Moschee und einen Kindergarten zu bauen, der von 130 Kindern von Al-Aqaba und den umliegenden Dörfern besucht wird. All diese Gebäude haben von der isr. Regierung Abrissorder erhalten.

 

2007 zerstörte das isr. Militär 7 Häuser, der Strom wurde abgestellt und erst  vor kurzem wieder angestellt. Der Teich, der zum Bewässern der Nutzpflanzen verwendet wurde, war auch zerstört worden. Das Dorf hat noch immer kein Wassernetz. Es ist abhängig von kleinen Wassertanks, deren Wasser in schlechtem Zustand ist.

Die israelische Besatzung hat dem Dorf eine große wirtschaftliche Belastung auferlegt, da es nicht mehr in der Lage ist, viel von seinen Ländereien zu bewirtschaften, da die Gefahr von Seiten der militärischen Übungsplätze zu groß war. Die Gefahren, der Mangel an Diensten und die Drohung der Hauszerstörung hat den großen Teil der Bevölkerung  gezwungen, wegzuziehen und diese Gefahren hinterlassen bei den Zurückgebliebenen psychische Schäden. Das israelische Militär bringt Bulldozer bis an den Rand des Dorfes, um offensichtlich die eingeschüchterten Dorfbewohner auch noch  in Angst und Schrecken zu versetzen.

 

Das Dorf hatte die Abrissbefehle  für seine Häuser  bis vor den Obersten  Gerichtshof gebracht. 2003 hatte es  Erfolg, indem die Abrissorder für einige Gebäude eingefroren wurden, doch im April 2008 wurde ein Bauplan für das Dorf  aufgestellt. Der Plan schlägt vor, dass das Dorf Bauten innerhalb eines kleinen Kreises um das Dorfzentrum erhalten darf und innerhalb dieses Kreises  neue Gebäude bauen darf. Der Kreis umfasst 3% des Dorfes und  schließt Häuser aus, in denen z.Zt. 18 Familien also ca. 160 Menschen leben – also mehr als die Hälfte der augenblicklichen Bewohner. Nach der Größe des angegebenen Kreises wird es für jene, die schon weggezogen  sind,  unmöglich sein, wieder zurück zu kommen, da es keinen Platz  mehr für neue Gebäude gibt.

 

Das Oberste Gericht hat gegen das Dorf  entschieden und gesagt, es müsse den Plan akzeptieren und sein Land um 97 % reduzieren. Im Augenblick sind die Abrissorder für die Gebäude innerhalb des Kreises eingefroren, die Befehle für die Gebäude außerhalb des Kreises könnten jederzeit ausgeführt werden. Wenn der Oberste Gerichtshof weiterhin so gegen das Dorf entscheidet und die Abrissorder für die Gebäude innerhalb des Kreises aufrecht erhält, dann wird das Dorf tatsächlich vollkommen zerstört werden.

 

Das Dorf erhielt internationale Unterstützung von einer Reihe profilierter Besucher, einschließlich Jimmy Carter und Tony Blair und Botschaftern aus Kanada, Jordanien, der EU und den USA. Der Bürgermeister des Dorfes – seit seinem 16. Lebensjahr an den Rollstuhl gebunden, nachdem er während einer Militärübung verletzt wurde - soll nächste Woche die USA besuchen und zu Mitgliedern des US-Kongresses über Al-Aqaba  sprechen. Doch bis jetzt hatte er Probleme damit, ein Visum für die USA zu erhalten. Und wenn sie ihm gewährt wird, wird seine Reise wahrscheinlich sehr schwierig, da Personen mit einem palästinensischen Pass  die Westbank nur über den Jordan verlassen können.

 

Al-Akaba führt seinen Kampf  mit dem Obersten Gerichtshof  weiter, auch dadurch dass es sich  weiter international profiliert. Das Dorf hat schon eine Menge  Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft erhalten und so ist es wahrscheinlich, dass dies auch weiterhin für seinen Versuch zum Überleben wichtig ist. 

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

 

 

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