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Kleidung aus Palästina
Traditionelle palästinensische Kleidung

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Auch hier: Fotoserie -  traditionelle palästinensische Kleidung >>>

 

 

 

 

 


Volkstracht und Stickerei früher und heute

Wie schon erwähnt, haben sich in den letzten 50 Jahren die örtlichen Besonderheiten der Stickerei und der Trachten im allgemeinen vermischt. Durch die modernen Verkehrsmittel wurde es den Frauen möglich, weiter und öfter zu reisen als früher. Sie lernten die Gestaltungsprinzipien anderer Orte kennen und übernahmen Motive von importierten Teppichen, Musterbüchern und anderen Materialien, die sie in der Stadt gesehen hatten. Auch gesellschaftliche Faktoren spielten bei der Vermischung der lokalen Stickereitraditionen eine Rolle. Die wichtigste davon war die Erweiterung des Heiratskreises. Früher wurde der Ehepartner unter Verwandten oder den Bewohnern desselben Dorfes oder derselben Stadt gewählt, oder die Partner stammten aus benachbarten Orten. Nun aber brachten die Bräute aus weiter entfernten Gebieten ihre heimischen Stickereiformen mit und beeinflußten dadurch die Trachten im Dorf des Bräutigams. Andererseits lernten die Verwandten der Braut bei Besuchen im Dorf des Mannes die dortigen Traditionen kennen und übernahmen nun ihrerseits Elemente davon.
 

Die Produktion der Trachten

Der Ruhm der Kordelstickerei verbreitete sich in den 20er Jahren in vielen Gebieten Palästinas. Das führte zur Entwicklung einer gewerblichen Stickerei in Bethlehem und im nahegelegenen Beit Dschala. Einige Frauen stellten nun beruflich bestickte Bruststücke und Seidenstreifen für Ärmel und Seitenteile her, die dann meist durch wandernde Händler verkauft wurden. Man nähte diese Stücke auf die fertigen Kleider auf. Überhaupt wurden oft die bestickten Teile, wenn die Kleider abgetragen waren, von diesen abgetrennt und auf neue aufgenäht. Das wird noch heute praktiziert. Neben dem käuflichen Erwerb fertig bestickter Stücke gab es auch Nachahmungen der Kordelstickerei in vielen Dörfern.
Außer der Stickerei wurde auch die Brauttracht von Bethlehem weithin berühmt und von den Frauen in benachbarten Orten übernommen. Das thob al-malik und die taqsira bildeten seit den 20er Jahren zwei wesentliche Stücke der Aussteuer, die der Bräutigam, wenn es seine finanziellen Verhältnisse erlaubten, der Braut übergeben mußte.

Abgesehen von der Aufmerksamkeit, die die palästinensischen Frauen ihren Trachten schenken, verwenden sie auch große Sorgfalt auf die Ausschmückung der Häuser mit Stickereien in Form von Kissen, Wandbehängen und Tischläufern. Bei diesen Arbeiten wird der Kreuzstich angewandt. Manchmal verwenden die Frauen auch gut erhaltene Bruststücke von Kleidern, um daraus Kissen anzufertigen.
 


Die palästinensische Männertracht

Die Männertrachten Palästinas unterscheiden sich von denen der Frauen durch große Schlichtheit. Die am meisten verbreitete Tracht besteht gewöhnlich aus einem langen Gewand (qumbas), Hosen (sirwal), weißer Baumwollkappe, Kopftuch (hatta) und Kopfringen (iqal), Gürtel, Jackett und Umhang (aba'a). Diese Kleidung tragen alle Dorfbewohner und auch viele Städter.

Der qumbas ist ein fußlanges, vorn offenes Gewand mit engen langen Ärmeln. Er wird wie ein Mantel getragen. Wenn er geschlossen wird, schlägt man eine Seite über die andere und bindet sie mit Hilfe von Bändern, die innen und außen angebracht sind. Meist wird ein arabisches Hemd im orientalischen Schnitt darunter getragen. Es hat einen Bündchenkragen, der etwas höher als der des qumbas ist.

Der einfache qumbas, der am üblichsten ist, wird aus graublauem Seidenstoft (atlas) hergestellt. Der schlichte qumbas besteht nur aus gestreiftem Leinen. Er ist billiger und wird dimaya genannt. Der luxuriöse qumbas besteht aus hellbeiger Seide (al-rusa) oder aus hellbeiger Seide mit dunkleren Mustern (ghabani, syrischer Import).

Unter dem qumbas wird eine weiße, schwarze oder dunkelblaue Hose (sirwal) getragen. Meist trägt man die weißen im Sommer und die dunklen im Winter. Stoffqualität und Farbe des sirwal werden durch den qumbas bestimmt. Die gewöhnliche Hose besteht auch aus Leinen. Um die Hüfte ist der sirwal etwas weit und unten eng. Eine Schnur hält die Weite zusammen.

Taqiye heißt eine Kappe aus Baumwolle oder Wolle, die in Handarbeit gefertigt wird. Obwohl sie käuflich erworben werden kann, stellen manche Männer sie auch selbst her. Die baumwollene taqiye wird meist unter dem Kopftuch (hatta) getragen. Da sie den Schweiß aufsaugen soll, wird sie auch »Schweißkappe« (araqiya) genannt. In manchen Gegenden trägt man wollene Kappen als alleinige Kopfbedeckung während der Arbeit.

Das Männerkopftuch (hatta, auch kufiye genannt) ist ein viereckiges Stück weichen weißen Baumwollstoffes, das zum Dreieck gefaltet um den Kopf gelegt wird, wobei die Zipfel auf Schultern und Nacken herabfallen. Gehalten wird es durch den Kopfring (iqal). Dieser ist eine aus Kamel- oder Ziegenhaar gedrehte schwarze Schnur, die doppelt um das Kopftuch gelegt wird. Am Hinterkopf hängen zwei oder mehrere dünne Schnüre mit kleinen Troddeln herab, die von gleichem Material und gleicher Farbe wie der iqal sind.

Der Gürtel besteht gewöhnlich aus schwarzem Seidenstoff mit kleinen Fransen. Ist er an beiden Enden mit Silberstreifen verziert, wird er schamla genannt. Man schlingt ihn mehrmals um den qumbas. Ein anderer, festlicher Gürtel, den die Alten tragen, besteht aus weichem Wollstoff, manchmal auch aus Seide mit eingewebten farbigen Ornamenten. Viele Männer benutzen auch einen gewöhnlichen Lederriemen als Gürtel, oder man trägt den qumbas ganz ohne Gürtel.

Über dem qumbas wird gewöhnlich ein kurzes europäisches Jackett getragen, das manchmal knielang ist. Qualität und Farben seines Stoffes werden von der Art des qumbas bestimmt.

Die aba'a ist ein mantelartiger Überwurf. Im Sommer besteht sie aus dünner, transparenter, weicher weißer oder beiger Wolle. Die winterliche aba'a besteht aus dicker Wolle, meist braunem oder schwarzem Kamelhaar. Sie ist rechteckig geschnitten und hat an den Seiten oben je eine Öffnung für die Hände. Vorn ist sie offen und besonders am Hals mit Ornamenten aus gestickten Goldfäden verziert. Die aba'a ist keine Arbeitskleidung und auch kein volkstümliches Kleidungsstück, sondern wird bei besonderen Gelegenheiten und von Männern in gehobenen gesellschaftlichen Positionen getragen. Sie ist nicht typisch für Palästina, sondern ist in allen Ländern des arabischen Ostens zu finden.

Die Arbeiter an der Küste tragen eine besondere Tracht, vor allem in den Hafenstädten Jaffa und Akka. Sie besteht aus dem arabischen Hemd, einer Weste (sdeiri), einer Hose (sirwal), Gürteltuch (schamla) und dem Tarbusch. Die sdeiri ist eine hüftlange, ärmel- und kragenlose Weste. Sie kann mit Hilfe von Schlaufen und gedrehten Knöpfen vorn geschlossen werden. Knöpfe und Schlaufen sind von einigen Ornamenten - in ähnlicher Farbe wie die Weste - aus dicken Seidenfäden umgeben. Die Hose (sirwal) ist bei dieser Tracht oben breiter, weiter und faltenreicher als der gewöhnliche sirwal, der schon erwähnt wurde, und hat außerdem im Gegensatz zu ihm an den beiden Seitentaschen in Kordelstickerei aufgestickte Ornamente in der gleichen Farbe wie der Stoff. Das ebenfalls bereits erwähnte Gürteltuch (schamla) wird hier über den oberen Rand der Hose um die Taille geschlungen und befindet sich unter der Weste.

 


Die Volkstracht der Frauen

Früher drückte sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sippe oder einem Stamm in der Kleidung aus. Dann erweiterte sich der Kreis auf ein Dorf oder eine Stadt, bis schließlich ein ganzes Gebiet erfaßt wurde und man letztlich von einer Nationaltracht sprechen kann. Bis zu Beginn unseres Jahrhunderts war es leicht, die Herkunft einer Frau durch ihre Kleidung zu bestimmen, man konnte oft sogar den Ort feststellen, aus dem sie kam. Seit den 20er Jahren wurde das jedoch schwieriger. Durch das Eindringen moderner Verkehrsmittel, die das Reisen erleichterten, wurden die Besonderheiten der Kleidung dieses oder jenes Dorfes oder Gebietes in anderen Landesteilen bekannt und übernommen. Manche Besonderheiten einzelner Trachten verwischten sich. Bei der Übernahme anderer Elemente wählten die Frauen das aus, was sie schön fanden, ließen sich davon anregen und fügten so ihrer eigenen Kleidung neue Elemente hinzu. Einige Trachten aber erhielten sich trotzdem in ihrer traditionellen Form, wie z. B. die der Frauen von Bethlehem.


Die unterschiedlichen Trachten

Im folgenden soll im wesentlichen nur die Tracht der Bäuerinnen und einfachen Arbeiterinnen, die die Mehrheit der palästinensischen Frauen bilden, erläutert werden. Geographisch betrifft dies hauptsächlich Mittel- und Südpalästina. Das betrifft sowohl Moslems als auch die christlichen Minoritäten. In den großen Städten trugen die sozial besser gestellten Frauen meist importierte Kleidung. Gegen Ende der Osmanenherrschaft kleideten sie sich nach türkischer Art, mit einem die Figur vollständig verhüllenden Schleier, und nach dem ersten Weltkrieg, als Palästina unter britischer Mandatsherrschaft stand, begannen sie sich europäisch zu kleiden.

Trotz der ursprünglichen Besonderheiten der Trachten in den verschiedenen Landesteilen kann man bei den meisten von ihnen gemeinsame Elemente feststellen, die die typische palästinensische Tracht charakterisieren. Das betrifft in erster Linie den Schnitt der Gewänder, die Verteilung der Stickerei auf ihnen und die Wiederkehr ganz bestimmter Stickmotive in ganz Palästina. Die Tracht besteht im wesentlichen aus einem langen Kleid mit engen oder weiten Ärmeln, einem Gürtel, einer Kopfbedeckung mit aufgenähten Münzen und einem langen Schleier darüber. Kleid, Haube und oft auch der Kopfschleier waren meist bestickt. Dazu gehörte noch Schmuck. In einigen Gegenden, wo die Frauen sehr viel auf dem Feld zu arbeiten hatten, wurden aus Zeitmangel keine bestickten Kleider angefertigt.


Das Arbeitskleid

Die palästinensische Frau hatte üblicherweise drei Typen von Kleidern. Das Arbeitskleid ist aus einfachem, billigem Stoff genäht und hat wenig Stickerei. Das einfache Festkleid (thob) besteht aus kostspieligerem Stoff, hat oft spezielle, den lokalen Traditionen entsprechende Besonderheiten und ist an den entsprechenden Partien mit dichter, sorgfältiger Seidenstickerei versehen. Dazu kommen die Brautkleider. Die gebräuchlichste Form war die der dschilaye. Sie unterscheidet sich vom gewöhnlichen Festkleid vor allem durch die Verzierung der vorderen Rockseite, die sonst frei bleibt. Die dschilaye hat in jedem Gebiet ihre Besonderheiten. In Bethlehem gab es ein besonders berühmtes Brautkleid, das malak, welches aus gestreiftem Samt genäht war. Dazu gehörte noch ein reich besticktes kurzärmeliges Samtjäckchen (taqsira).


Das Brautkleid

Das Brautkleid war das wichtigste Kleidungsstück der Aussteuer und wurde nach der Hochzeit noch bei ganz besonderen privaten oder öffentlichen Festen getragen. Die Form der Ärmel der Kleider war unterschiedlich - es gab lange oder dreiviertellange, die unten eng waren, oder man hatte weite, schwingende, die manchmal sehr lange Zipfel besaßen. Diese wurden bei der Arbeit hinten zusammengebunden oder in den Gürtel gesteckt. Brust, Seiten, Ärmel und der hintere untere Rockteil wurden bestickt, ebenso die Schulter- und Nackenpartie, die meist noch mit einem Stück Seide oder Samt besetzt war.
Der Gürtel (schaddad oder hisam) besteht meist aus Stoff, unterschiedlich in Qualität und Farbe. Es gibt Gürtel aus gestreiftem Satin, aus Wolle und aus Baumwolle. Sie werden entsprechend den lokalen Gepflogenheiten in verschiedener Weise um die Taille gebunden und dienen manchmal auch als Tasche.

 


Die Kopfbedeckung

Die Kopfbedeckung (wuqa oder semada) ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Im allgemeinen besteht sie aus besticktem Baumwoll- oder Leinenstoff, auf den alte Silbermünzen oder, seltener, auch Goldmünzen genäht werden. Oft ist hinten eine Stoffwust befestigt, mit deren Hilfe die Haare verdeckt oder festgehalten werden. In Bethlehem trägt man eine besondere Form, die schatwa. Sie ähnelt dem tarbusch (Fez), ist ebenfalls bestickt und vorn mit Silber- oder Goldmünzen, manchmal auch mit Korallen verziert. Viele Kopfbedeckungen werden durch eine oder mehrere Ketten mit Münzen unter dem Kinn gehalten.

Der Kopfschleier (ghudfa oder khirka) besteht aus einem rechteckigen oder quadratischen Stück Baumwoll-, Woll-, Leinen- oder Seidenstoff, meist weiß oder rot. Manche Kopfschleier sind entsprechend den Traditionen der jeweiligen Gegend bestickt und mit Fransen versehen. Man verwendet auch einfachen weißen oder hellgestreiften Stoff. Dieser Kopfschleier wird noch über der wuqa in verschiedener Weise getragen, das Gesicht bleibt unverhüllt.
 
Die Schuhe haben keine Besonderheiten, da das Gewand bis zu den Füßen der Frau reicht und sie oft auch barfuß ging.

Zwischen den Frauentrachten Mittel- und Südpalästinas und denen von Galiläa im Norden bestehen große Unterschiede. Es soll hier nur eine bestimmte Tracht erwähnt werden, die bis zum Ende des 19. Jh. fast überall in Galiläa getragen wurde, seit Beginn dieses Jahrhunderts jedoch nur noch in einigen Dörfern Obergaliläas anzutreffen war. Zu ihr gehört ein langer, oben enger Mantel aus dunklem Baumwollstoff (indigoschwarz, dunkelrot) mit kurzen Ärmeln, der vorn offen ist. Auf den in Hüfthöhe eingesetzten Seitenteilen und dem Rücken ist er reich und schön bestickt und vorn und an den Ärmeln mit farbiger Samt- oder Seidenapplikation verziert. Dieser Mantel wird über einem knielangen weißen Hemd mit einfachen bündchenlosen Ärmeln getragen. Unter diesem Hemd trugen die Frauen Hosen in der Farbe des Mantels, manchmal auch weiße, deren untere Teile bestickt waren. Den Kopf umhüllten sie sich mit dunklem Stoff, der bis zu den Schultern reichte, den Hals umschloß und im Nacken zusammengebunden wurde. Darüber legte man eine farbige Seidenbinde, die am Hinterkopf geknotet wurde, die Zipfel hingen lang herunter.

Die am meisten verbreitete Farbe der palästinensischen Frauenkleider ist dunkelblau (indigo). Man findet auch sehr viele schwarze und manchmal weiße Kleider. An einigen Orten, z. B. in den beiden Städten Ramallah und Bira, trägt man im Winter dunkelblaue und im Sommer weiße Gewänder. Je nach den örtlichen Traditionen werden auch andersfarbige Kleider getragen. Im Gebiet von Medschdel hatte man Gewänder aus schwarzem bzw. indigofarbenem Stoff mit farbigen Randstreifen in Purpur, Rot, Hellblau oder Grün. In Bethlehem werden Kleider aus dem al-khidari al-mubarsam-Stoff getragen, der schmale, vorwiegend rote Streifen hat.
 


Die palästinensische Stickerei

Die palästinensische Stickerei wird hauptsächlich in drei Techniken ausgeführt: Kreuzstich, genannt Bauernstich (al-fellahiye), Kordelstickerei (tahrin und raschiq) und Plattstich (laff). Dazu kommt noch der Saum- oder Applikationsstich, mit dem die Kleidersäume verziert und die verschiedenen Seiden- und Samtstücke aufgenäht werden. Die Stickerei Obergaliläas (Nordpalästina) hebt sich durch die Verwendung anderer Techniken und Muster von der im übrigen Palästina ab. Als Stickmaterial dient Seide, manchmal auch Baumwolle.
 
Der Kreuzstich dominiert. Er ist auf jedem Kleid zu finden, ausgenommen auf denen aus Bethlehem. Bei dieser Art von Stickerei werden zählbare Muster gebildet. Die vorherrschende Farbe ist Rotbraun. Sie wird je nach Geschmack des Mädchens oder der Frau durch verschiedene leuchtende Farben ergänzt, so daß eine angenehme Harmonie entsteht. Bei der eleganten Kordelstickerei werden auf Seide (hermes) dicke, gezwirnte Seidenfäden aufgenäht. Sie ist typisch für Bethlehem und war ursprünglich nur dort zu finden. Bei dieser Technik werden wellen- und kreisförmige Ornamente, inspiriert durch Blüten und andere pflanzliche Motive, gebildet. Die Grundfarben sind Gold, Silber und Rot. Hinzu kommen andere Farben als Ergänzung.

Der Plattstich dient zur Füllung von Leerräumen in den Ornamenten der Kordelstickerei und bildet somit kein selbständiges Element in der palästinensischen Stickerei. Man arbeitet hier mit vielen verschiedenen leuchtenden Farben.

Die Formen und Namen der Grundornamente, die in den meisten Gegenden Palästinas verwendet werden, beruhen auf der Verbindung der Palästinenser mit ihrer natürlichen Umgebung und ihrem gesellschaftlichen Leben. Folgende Bezeichnungen sind zu finden: Zypressen, Ähre, Feder, hohe Palme, Rosen-»Reihe«, Apfel-»Reihe«, Tomaten-»Reihe«, Blumentopf, Vögelchen, Igel, Kuhauge, Halskette, Pascha-Zelte, Monde, Sterne, Leuchttürme, Kissen, Schwert-»Reihe«, Amulett, Sicheln, Kamm, Uhr. Diese Namen zeigen die Liebe der palästinensischen Frauen zu ihrer Umgebung und ihrem Leben, besonders auch ihre enge Bindung an den Boden und den Ackerbau. Die meisten von ihnen sind Namen, die mit der Landwirtschaft zusammenhängen, mit Dingen, die im täglichen Leben der palästinensischen Frauen und Männer eine wichtige Rolle spielten.

Die Unterschiede im Aussehen der Gewänder der verschiedenen Ortschaften und Gebiete Süd- und Mittelpalästinas bestehen nicht in der Verwendung unterschiedlicher Ornamente, sondern in der Art der Anordnung von relativ wenigen Grundmotiven auf den Kleidern. Hinzu kommen noch die im vorherigen Abschnitt schon erwähnten Unterschiede.
 


Volkstracht und Stickerei früher und heute

Wie schon erwähnt, haben sich in den letzten 50 Jahren die örtlichen Besonderheiten der Stickerei und der Trachten im allgemeinen vermischt. Durch die modernen Verkehrsmittel wurde es den Frauen möglich, weiter und öfter zu reisen als früher. Sie lernten die Gestaltungsprinzipien anderer Orte kennen und übernahmen Motive von importierten Teppichen, Musterbüchern und anderen Materialien, die sie in der Stadt gesehen hatten. Auch gesellschaftliche Faktoren spielten bei der Vermischung der lokalen Stickereitraditionen eine Rolle. Die wichtigste davon war die Erweiterung des Heiratskreises. Früher wurde der Ehepartner unter Verwandten oder den Bewohnern desselben Dorfes oder derselben Stadt gewählt, oder die Partner stammten aus benachbarten Orten. Nun aber brachten die Bräute aus weiter entfernten Gebieten ihre heimischen Stickereiformen mit und beeinflußten dadurch die Trachten im Dorf des Bräutigams. Andererseits lernten die Verwandten der Braut bei Besuchen im Dorf des Mannes die dortigen Traditionen kennen und übernahmen nun ihrerseits Elemente davon.

 


Spinnen und Weben

Spinnen und Weben sind in Palästina seit Jahrtausenden üblich und schon bei den Kanaanäern bekannt (Funde bei Akka). Die Phönizier übernahmen von ihnen z. B. auch die Herstellung purpurgefärbter Stoffe, für welche sie weithin berühmt wurden. Die Farbe dafür wurde aus Meeresschnecken (Purpurschnecken, Murex) gewonnen. Diese Purpurfärberei blühte bis in das frühe Mittelalter, d.h., bis in die Zeit nach der Ausbreitung des Islam und in die Zeit der Kreuzfahrer.
Über die Herstellung von Stoffen in jüngerer Zeit berichteten zahlreiche Reisende, die Palästina im vergangenen und zu Anfang unseres Jahrhunderts besuchten, so z. B. Lithgow (1814), Burckhardt (1822) und Dalman (1937). Dieses Gewerbe war in Palästina weitverbreitet. Safed, Nazareth, Nablus, Beit Dschala, Hebron, Medschdel und Gaza waren die dafür bekannten Zentren im Land.
 


Die Kunst des Färbens

Ursprünglich wurden Schaf- und Kamelwolle sowie Ziegenhaar als Material verwendet. Baumwolle und Flachs wurden bis zum Ende des 19. Jh. kaum angebaut, sondern als Rohfaser oder als Garn aus Ägypten importiert. Seide kam vorwiegend aus Syrien, wurde aber auch im Lande selbst hergestellt. Das Garn wurde meist mit Handspindeln gesponnen und dann auf verschiedene Weise gefärbt. Manchmal färbte man auch erst die fertigen Stoffbahnen. Es wurden Farben pflanzlichen und tierischen Ursprungs verwendet. Der bedeutendste Farblieferant war die Indigopflanze, die wie die anderen Farbträger im Lande selbst angebaut wurde oder dort wild wuchs. Sie wurden aber auch importiert, und in unserem Jahrhundert wechselte man größtenteils zu Industriefarben über.


Die Verarbeitung der Stoffe

Das gefärbte Garn wurde auf Handwebstühlen verschiedener Bauart gewebt: es gab waagerechte und senkrechte, einfache und kompliziert gebaute. Spinnen und Weben war vor allem Frauenarbeit. Manche Arbeiten verrichteten sie allein, z. B. die Wirkteppichherstellung auf horizontalen Webstühlen. Die Arbeit an den relativ komplizierten Webstühlen, die zur Bedienung Hände und Füße erforderten, war dagegen den Männern vorbehalten. Neben Kleiderstoffen stellte man auch Zeltbahnen aus schwarzem Ziegenhaar und gestreifte und gemusterte Wirkteppiche (Kelims) aus Schaf- und Kamelwolle her. Letztere dienten als Fußbodenbeläge, Satteltaschen, Kinderwiegen und Säcke und Beutel für verschiedene Aufbewahrungszwecke.
In Nazareth gab es Ende des 19. Jh. etwa 300 Webstühle. In den 30er Jahren unseres Jahrhunderts waren in Beit Dschala 300 und in Medschdel 500, 1948 sogar 800 Webstühle in Betrieb. Die Weber aus Medschdel flüchteten 1948 vor den israelischen Truppen nach Gaza, wo ein Teil von ihnen bis heute arbeitet. Weitere Zentren sind noch heute Safed, Medschd al-Kurum, Nablus, Abu Dabs, Hebron und al-Sumu.

In Medschdel wurden bis 1948 hauptsächlich folgende Stoffarten hergestellt: al-rahbani - grobe Baumwolle, indigo oder schwarz; al-mabrum - mittelstarke Baumwolle, ungefärbt; libb al-mabrum - feinere Baumwolle, schwarz oder ungefärbt; al-muqat'a - schwarzes Leinen; al-kermesut - Mischgewebe aus Baumwolle und Seide, meist rotbraun, auch gestreift; al-khidari al-mubarsam - gestreifte Baumwolle mit eingewebten roten Seidenblumen; al-hermes - dünne Seide, hergestellt in einfarbigen schmalen Bahnen; al-tubeit - schwarzer Baumwollstoff mit glänzender Oberseite; al-rusa - weiche hellbeige Seide

Diese Stoffe dienten der Kleiderherstellung. Manche wurden nur für Frauengewänder, andere auch für Männerkleidung gewebt. Neben diesen einheimischen Produkten waren auch syrische Stoffe, die z. T. eigens für den palästinensischen Markt hergestellt wurden, sehr verbreitet.
 

 

 

Quelle
 

 

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