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Philosophie eines Massakers
Mirage

Endlich kommt die lang ersehnte Übersetzung. Das Thema ist zwar aus den Mainstream-Medien fast verschwunden, jedoch behält dieser Text m.E. seine Aktualität, da er offen legt, wie manche wenn nicht sogar viele Schreiberlinge in Europa vorgehen, wenn es um die heikle Thematik der aggressiven Vorgehensweise Israels geht.

Zum Autor, Bruno Paoli, ist zu sagen: Er ist Dozent für Arabisch und arabische Literatur an der Universität von Bordeaux und seit September 2005 Forscher beim französischen Institut für den Nahen Osten (Ifpo) in Damaskus (Syrien)

Zu den zwei schillernden Figuren der „intellektuellen“ Pariser Szene: Bernard-Henri Lévy und André Glucksmann, die Möchte-Gerne-Vorzeige-Philosophen Frankreichs. Beide sowie andere Konsorten mögen sich zwar ihrer Ansicht nach am Anfang ihrer Karriere politisch links engagiert haben. Dennoch sind sie relativ sehr schnell zu Vertretern des Establishments geworden. Bei ihren Auftritten oder Einsätzen für eine Sache geht es nicht um Idealen, wie sie es gerne verkaufen möchten, sondern immer um die Interesse der politischen Macht, sei es auf nationaler oder internationaler Ebene. Die vermeintlichen Meinungsverschiedenheiten unter ihnen, die sie gerne mit großer Inszenierung vorführen, sind m.E. nur Makulatur. Spätestens, wenn es um Israel geht, sind sie wieder wie die eineiigen Zwillingen einig!

Die „Kriegstagebücher“ bzw. der „Notizblock“, von denen im Artikel die Rede ist, sind eine bevorzugte Mitteilungsweise von BHL. So veröffentlichte er schon früher Bücher in ähnlicher Form, wobei er sich oft keinen Deut um die historische Faktizität scherte, was ihm harsche Kritik seitens Historikern wie Pierre Nora oder Pierre Vidal-Naquet brachte.
Ähnliche Tagebücher wurden auch im Sommer mit dem üblichen Pathos über die georgischen Krise veröffentlicht. Allerdings brachte kurzer Zeit später die online-Zeitung Rue89 (das ironische ist, dass Rue89 durch frühere Libération-Jouralisten gegründet wurde, während BHL seit 2007 Aktionnär der Zeitung Libération ist) Gegendarstellungen u.a. von Europa-Abgeordneten, die selbst zur gleichen Zeit dort waren, die die Erzählungen dieses alternden Schönlings, die immer weniger Leute ernst nehmen, arg ramponierten.

Nun hat er seine Lieblingsausdrucksform der israelischen Gaza-Intervention gewidmet, was zu dieser Reaktion von Bruno Paoli führte. Der Ton mag vielleicht für Nicht-Franzosen etwas hart sein, ist aber in dem Diskurs in Frankreich üblich.

Mirage

Philosophie eines Massakers
Mirage


Philosophie eines Massakers: André Glucksmann und Bernard-Henri Lévy verherrlichen die israelischen Kriegsverbrechen


Donnerstag, den 12. Februar 2009 – von Bruno Paoli

Die Zeitung Le Monde war schon einmal im Sommer 2006 bei dem letzten Fieberschub der israelischen Kriegstreiber im Libanon aufgefallen, als sie ihre Kolumnen dem pathetischen und bestürzenden Reisetagebuch von Bernard-Henri Lévy eröffnete, der sich den von den Hisbollah-Raketen bedrohten Siedlungen im Norden Israel als menschlichen Schutzschild anbot, während die israelische Armee den Libanon in Schutt und Asche legte[1]. Die Zeitung ist nun erneut aufgefallen, diesmal mit der Veröffentlichung in ihrer Ausgabe vom 6. Januar des ruchlosen Geschwafels des selbst ernannten Herrn Philosoph Glucksmann, während zur gleichen Zeit Israel sich den Gazastreifen vorknöpfte.

In dem Protestbrief, den ich gleich am nächsten Tag an Le Monde schickte, sagte ich voraus, dass, während er selbst in den Ring stieg, sein Freund und Kollege, Bernard-Henri Lévy, als praktischer Philosoph ohne Furcht und Tadel, wahrscheinlich an der Front in Sderot oder auch in Ashkelon oder Beersheba stehen würde, um wieder einmal mit seinem Körper von den Hamas-Raketten terrorisierte Israelis zu schützen. Und ich habe mich nicht geirrt. Zwei Tage später, zurück von seiner ganz eigenen Front, schrieb ebenfalls der Soldat Lévy in den Kolumnen der Zeitschrift Le Point vom 8. Januar und berichtete vom „Alptraum“ für die Bewohner von Sderot, die in den Kellern ihrer Häuser verkrochen ein „Dasein auf Widerruf inmitten heulenden Sirenen und Explosionen“ leben: „Ich war in Sderot, sagt er, also weiß ich“.

Wohlbehalten zurückgekommen, nachdem er sein Leben für Israel riskiert hat, aber wahrscheinlich durch seine Reise in die Hölle erschöpft, liefert er uns lediglich seine persönlichen Wahrheiten, die er als „Fakten“ hinstellt. Die besagten „Fakten“ wurden sehr sorgfältig ausgesucht und geben von dem realen Massaker in Gaza lediglich ein absichtlich verformtes und partielles Bild wieder. Denn warum, fragt sich der naive Leser, nutzte er seine Reise nicht dazu, den so nahen Gazastreifen zu besichtigen, es sei denn er wollte über das Drama, das sich dort abspielte, nicht alles wissen und sagen?... Eyeless in Sderot. Zehn Tage später jedoch veröffentlichte Lévy in der Zeitung Le Journal du Dimanche seine heiß erwarteten Kriegstagebücher, in denen er beichtet, um uns besser wie Lügner aussehen zu lassen, dass er Gaza nachts zusammen mit einer israelischen Eliteeinheit besucht habe[2]: „Bestrebt im Gegensatz zu Ihnen wenigstens zu versuchen dorthin zu gucken, sagt er, bin ich an diesem Dienstag, den 13. Januar, nach Sonnenuntergang in die Vororte von Gaza-City, in das ein Kilometer nördlich von Khan Younes gelegene Viertel Abasan Al-Jadida, hineingefahren – „embedded“ in einer Eltitebrigade ‚Golani’.

Ich habe es mein Leben lang vermieden, weshalb ich sehr wohl weiß, dass der Standpunkt eines „embedded“ nie der richtige Standpunkt ist. Ich werde auch nicht behaupten, innerhalb wenigen Stunden den Geist dieses Krieges erfasst zu haben. Aber ich werde berichten“. Wahrscheinlich in einem Panzer verkrochen mit dem stark reduzierten und einzigen Sichtfeld aus einem Schacht noch dazu bei Nacht erzählt Lévy, was er sieht: „Das bisschen, das kleine bisschen, was ich sehe (stehende Hochhäuser ohne Licht, verwilderte Obstgärten, die Straße Khalil al-Wazeer mit den geschlossenen Geschäften) deutet auf eine benommene, zur Mausefalle gewordene, terrorisierte Stadt, die aber ganz bestimmt nicht den Erdboden gleichgemacht wurde, wie es in Grozny oder in manchen Vierteln Sarajevos der Fall war. Vielleicht wird man mir widersprechen, wenn die Medien endlich in Gaza zugelassen werden. Aber im Moment, ist es noch ein Fakt!“.

Denn schließlich beruhen die tiefsinnigen Überlegungen des Hauptgefreiten Lévy immer auf „Fakten“. Er ist wie unsereiner bestrebt, zu sehen und zu wissen. Dann hat er seither sicherlich die furchtbaren Bilder eines vielmehr verwüsteten als „benommenen“ Gazastreifens entdeckt und diese vielsagenden Zahlen zur Kenntnis genommen[3]: innerhalb drei Wochen haben die israelischen Truppen folgendes vollkommen zerstört: mehr als 2.400 Häuser, 28 öffentliche Anlage und Gebäude, darunter Ministerien, Rathäuser, Regionsräte, der Legislativrat sowie Fischerhäfen, 21 Baustellen mit Selbstbedienungsrestaurants, Festsäle, Hotels und touristische Einrichtungen, 30 Moscheen (und zusätzlich noch 15 schwer beschädigt), die Büros von 10 karitativen Organisationen, 121 Industrie- und Handelsbetriebe, 5 Betonfabriken und eine Produktionseinheit für Fruchtsäfte, 60 polizeiliche Einrichtungen, 5 Gebäude, in denen Medien untergebracht waren, und 2 für die ärztliche Versorgung, 29 Schuleinrichtungen.

Außerdem wurden Hunderte Hektar Ackerboden zerstört. Was Fakt ist, braucht nicht mehr beschaffen zu werden, würde Lévy sagen. Und was den Besuch von Gaza by night, zu dem er vom israelischen Militär eingeladen wurde, angeht, dieser ähnelt sehr stark denjenigen, die seinerzeit die kommunistischen Regime organisierten, wobei die Strecke peinlich genau festgelegt und die Orte sorgfältig ausgesucht wurden, um den Gästen das bestmögliche Bild zu geben, und sei es noch so falsch oder verfälscht.

Was den Rest der Erzählung von Bernard-Henri Lévy betrifft, zusammen mit zwei vielsagenden Klischees des Autors in Begleitung seiner israelischen Freunde, Barak, „die Friedenstaube“ und Yoay Galant, einer der für die Operation „gegossenes Blei“ zuständigen Generäle, so entspricht sie unseren Erwartungen: geballte Heuchelei, in der der Autor offensichtlich seinen ganzen Zynismus und Unaufrichtigkeit einsetzt, um Israel in Schutz zu nehmen, koste es, was es wolle. Insofern war also der kleine Artikel in Le Point lediglich einen Appetithappen: Lévy hatte einiges vorenthalten, um uns endlich großes Kino zu präsentieren.

Wie Glucksmann ist Lévy schon seit langem ein Meister in der Kunst geworden, die Öffentlichkeit falsch zu informieren und zu manipulieren, zumal diese Öffentlichkeit um so besser zu beeinflussen ist, je schlechter sie informiert ist: sicherlich wirksam, aber um so widerlicher, wenn das erklärte Ziel darin besteht, die Kriegsverbrechen Israels während diesem dreiwöchigen mörderischen Wahnsinns zu minimieren, zu leugnen oder zu rechtfertigen. Gluckmann und Lévy sollten wissen, dass die Verherrlichung von Kriegsverbrechern in Frankreich strafbar ist, da laut Gesetz „Schriften, die kriegsverbrecherischen Handlungen rechtfertigen, als verherrlichend zu betrachten sind“. Sollten die israelischen Verbrechen in Gaza offiziell als solche Kriegsverbrechen anerkannt werden und die Täter gerichtlich verfolgt werden, dann müssen sich ggf. die beiden für ihre Verherrlichung verantworten.

Aber zuerst ist es unsere Pflicht, das Geflecht an Lügen, Unwahrheiten und unredlichen Andeutungen auseinanderzufädeln, das das Gerüst für die armseligen Haarspaltereien und Spitzfindigkeiten unserer beiden „Philosophen“ darstellt. Somit können wir für die französische Öffentlichkeit und insbesondere für die Leser der Zeitungen Le Monde, Le Point und Le Journal du Dimanche, die eigentlichen Opfer dieser schändlichen Manipulation, einige Grundwahrheiten über Gaza richtig stellen.

In seinem „Notizblock“ in Le Point hat sich Lévy zuerst mal ganz schnell dieser störenden Last, die diese Hunderte von toten Kindern darstellen, entledigt, wobei er sich „natürlich aufgewühlt“ sagte, jedoch ohne Scham darauf verzichtete, da er „kein militärischer Fachmann sei“, „einen Urteil darüber zu fällen, ob die israelischen Bombardierungen von Gaza zielsicherer und nicht so heftig hätten stattfinden sollen“. Ganz schnell geht er dazu über, „diesen Wahnsinn“ anzuprangern, der „wie immer bestimmte Medien packt, wenn es sich um Israel handelt“, sagt er, „Israel, das verunglimpft, durch den Schmutz gezogen, dämonisiert wird“.

Die Vorgehensweise ist bekannt. Sie besteht darin, Israel als Opfer einer breitangelegten, von der radikalen Linken und der Antiglobalisierungsbewegung organisierten Desinformationskampagne hinzustellen, welchen unterstellt wird, gemeinsame Sachen mit denjenigen zu machen, die die fanatischen Islamophoben, Podhoretz und Taguieff, die „Islamrevolutionären“[4] nennen. In seinen „Kriegstagebücher“ erklärt uns Lévy mit Hilfe von Amos Oz, wie Gerüchte verbreitet werden. Als Beispiel nennt er „diese Geschichte über ein Haus in der Gegend von Zeitun, in das man hundert Leute gelockt hätte und anschließend in den Haufen geschossen habe“. Eine Geschichte, die seinem Freund Amos „derlei unsinnig vorkommt, dass er nicht weiß, wie er sie behandeln soll und wie sie entstand“.

Laut Lévy „soll alles anscheinend mit den vagen Aussagen einer NGO angefangen haben“, die dann durch die Journalisten und später „das mediale Weltdorf“ verbreitet wurden: „Zahal soll..... Zahal könnte.... der Arzt X bestätigt, Zahal wäre derjenige, der...“ Ah, was für ein Gift, diese subtilen und angeblich vorsichtigen Konjunktive, ruft er aus! In zwei Tagen, spricht niemand mehr über das Gerücht von Zeitun.

Was wird aber die Welt daraus schließen? Das es so ist, weil dieses Gerücht absurd ist? Oder weil ein Grauen das andere verjagt und weil Zahal zwischenzeitlich eine weitere Stufe auf der Leiter der Abscheulichkeit und des Verbrechens erklommen haben mag?“ Die Wahrheit ist, dass zwei Tage später ausschließlich von diesem niederträchtigen Verbrechen die Rede war, von diesem bombardierten Haus, in dem Zahal dort die Bewohner des Viertels eingesammelt hatte, was zu 30 Toten, die Hälfte Kinder, führte. Einer der am Kopf verletzten Überlebenden, Salah Talal, erzählt in der Zeitung L’Humanité[5]: „Die israelische Arme hat uns alle in diesem Haus eingesammelt, weil sie die anderen Häuser ringsherum brauchte. Sie hatten uns ohne Wasser und Nahrung gelassen, und so sind wir nach draußen gegangen, um Holz zu sammeln und etwas Brot zu backen.

Dann fingen sie an zu schießen. Eine erste Bombe fiel. 5 Personen wurden getötet. Dabei wurde ich verletzt. Eine zweite Rakete kam runter und tötete 22 weitere Personen“. Das Gerücht ist also bei weitem nicht absurd sondern ganz konkret. Und wenn anschließend etwas weniger die Rede von „dieser Geschichte über das Haus“ war, dann nur weil tatsächlich, wie Lévy es voraussagte, dieses Verbrecher durch noch schlimmere schnell überdeckt wurde, wie z.B. diese Phosphorbomben und ihre dramatischen Folgen für die Bevölkerung, worüber die machtlosen Ärzte seit einigen Tagen berichten.

Gluckmann seinerseits unterteilt die Öffentlichkeit in nicht weniger als zwei Kategorien: einerseits die „Bedingungslosen“, die schon vorab festgelegt haben, wer Recht hat und wer nicht, und eine feste und unwiderrufliche Meinung haben; andererseits die „Umsichtigen“, die abwarten und nachdenken, um sich eine Meinung zu bilden. Er sagt uns jedoch nicht, in welche Kategorie er sich selbst einordnet. Aber der tiefsinnige Gedankengang, der dieser hoffnungsvollen Einleitung folgt, lässt keinen Zweifel über seiner geforderten Zugehörigkeit zu zweiter Kategorie. Dabei würde man aus seiner pro-israelischen, blinden und .... bedingungslosen Verbissenheit durchaus ableiten, dass er zur ersten Kategorie gehört.

Daran soll’s nicht liegen.. Die Israelis ihrerseits gehören selbstverständlich zu den Umsichtigen: was für eine Demokratie, in der man über die Art und Weise, wie auf seinen besten Feind einzuschlagen ist, und über den geeignetsten Zeitpunkt in aller Ruhe diskutieren kann! Laut Glückmann stellen sich die Umsichtigen nicht mehr und nicht weniger als drei Fragen: „Ist der Zeitpunkt gekommen? Bis wohin? Bis wann?“; Und die Frage, ob es vielleicht nicht andere Lösungen als die Verwendung brachialer Gewalt gibt, stellt er sich offensichtlich nicht... Was für eine schöne Demokratie, die eine einvernehmliche Haltung - egal wie kriminell sie ist - anzunehmen weiß, sobald es um ihr „Überleben“ in einem feindlichen Umfeld geht! So etwas lässt den Palästinensern wenig Hoffnung.

Gluckmann sieht jedoch „einen Hoffnungsschimmer aufkeimen“: manche vermeintlichen Bedingungslosen sollen dazu neigen, etwas umsichtiger zu werden, so wie Mahmud Abbas, der „den Mut findet, der Hamas [...] die ursprüngliche Verantwortung für das Unglück der Zivilbevölkerung von Gaza anzulasten“. Ja, man brauchte tatsächlich Mut, um sich einem Standpunkt anzuschließen, der kein anderer ist, als der Standpunkt von Israel und seinen Gefolgsleuten.

Mahmud Abbas, der durch die jüngsten Ereignisse weiter geschwächt und noch etwas mehr diskreditiert wurde, findet also langsam Gnade in den Augen unseres Philosophen, der offensichtlich kurz davor ist, ihn als einen guten Palästinenser anzusehen. Aber verstehen Sie richtig, gemeint ist ein gefügiger Palästinenser, den die Israelis nach Belieben manipulieren und ad vitam aeternam zappeln lassen können, während sie mit Ausdauer und Geduld ihr großes Werk, die Kolonisierung des Westjordanlands, fortsetzen, dessen Endziel es ist, für alle Ewigkeit die Gründung eines lebensfähigen palästinensischen Staat zu verhindern. Im Schlusswort seiner „Kriegstagebücher“ erwähnt Lévy auch diese guten, friedensdurstigen Palästinenser: „Hier sind sie, natürlich, die Gesprächspartner für Israel, sagt er in einem lyrischen Schwung.

Hier sind sie, die Partner des künftigen Friedens“. Er spricht von Mustapha Barghouti, Vorsitzender der Palestinian Relief Society, und von Mamdouh Aker, Arzt, „moralische Instanz und Veteran des israelisch-palästinensischen Dialogs“, die er in Ramallah getroffen hat. „ Ein Frieden trotz allem, führt er vollen Schwung fort. Ein Frieden über die Verwüstungen und die Tränen hinweg. Ein Frieden der Vernunft, ohne Gefühlsausbruch und Enthusiasmus – aber vielleicht, deswegen, so nah wie noch nie greifbar. Zwei Völker, zwei Staaten. Ein trockener Frieden“.

Er wird uns erklären müssen, wie es möglich sein soll, den Frieden zu machen, wenn man sich weigert, mit den Vertretern des palästinensischen Volkes zu reden und wenn selbst „moderate Palästinenser“ wie Barghouti und Aker, wie Lévy selbst sagt, „nicht an die Ernsthaftigkeit eines durch einen Ministerpräsident auf dem Absprung getragenen Friedensangebots glauben“. Müssen neue Wahlen abgehalten werden, die höchstwahrscheinlich die Übergelegenheit der Hamas bestätigen werden? Oder wird man weiterhin das Recht der Palästinenser auf Demokratie leugnen? Die Leerformeln des Herrn Lévy sind eine Beleidigung der Opfer von Gaza sowie derjenigen, die diese Hölle überlebt haben. Der Frieden, sollte er noch möglich sein, kann nicht so ein „trockener Frieden“ werden, als dessen Fürsprecher er sich hinstellt.

Frieden kann nicht entstehen, wenn man die Tausende Opfer der seit 61 Jahren durch die israelischen Politiker gewissenhaft durchgeführten, ethnischen Säuberung in der Versenkung verschwinden lässt, insbesondere die jüngsten Opfer der Strafexpedition in Gaza. Der Frieden wird um eine Versöhnungskommission nicht herumkommen, die alle von dieser und jener Seite begangenen Verbrechen berücksichtigt, so wie es z.B. in Südafrika nach dem Apartheid stattfand. Was seiner Vision von „zwei Völker, zwei Staaten“ angeht, welchen Sinn soll sie haben, wenn man weiß, dass jeder fünfter Israeli Palästinenser ist? Ist Lévy etwa ein Befürworter von dem, was die Israelis höflich den „Transfer“ der Palästinenser nennen, dass heißt, die Vertreibung all derjenigen, die den jüdischen Charakter ihres Staates bedrohen? Eine Idee, die in Israel offen diskutiert wird und die offensichtlich in einer immer extremistischeren israelischen Gesellschaft unbeirrt seinen Weg geht.

Aber kommen wir zu den von Lévy in der Wochenzeitschrift Le Point aufgeführten Fakten. Kein anderes Land als Israel, sagt er zuerst, „würde es dulden, dass über Jahren Tausende von Granaten auf seine Städte fallen„: er wundert sich also nicht so sehr über die „Brutalität“ Israels wie über seine lange Zurückhaltung. Nebenbei sei auf die geschickte Benutzung der Gänsefüßchen hingewiesen, um die angebliche israelische Brutalität zu minimieren oder anzuzweifeln, und auf die Unterstreichung des Wortes „Zurückhaltung“ durch Kursivformat, um ihre Weisheit zu loben. Sonst macht Lévy, der, wie er oft zugibt, kein Militärexperte ist, einen groben Fehler (aber vielleicht ist er auch gewollt?), wenn er von Granaten anstelle von Raketen spricht.

Der Unterschied ist erheblich. Denn die in Gaza durch israelischen Granate verursachten Schäden sind unvergleichbar größer als die in Sderot durch Hamas-Raketten verursachten. Schließlich auch wenn der Alltag der israelischen Grenzbewohner in den letzten Jahren nicht gerade lustig war, was soll man über die jahrzehntelange Besatzung und Demütigung sagen, die die Palästinenser ertragen müssen? Lévy hat offensichtlich nichts darüber zu sagen. Er wird es bestimmt vorziehen, uns daran zu erinnern, dass Gaza seit drei Jahren kein „besetztes Territorium“ mehr ist.

Wie jedoch Norman Finkelstein sagt[6], „obwohl Israel 2005 seine Siedler und Soldaten von Gaza zurückgezogen hat, kontrolliert es weiterhin sehr streng die Küste vor Gaza sowie den Luftraum und die Grenzen. Folglich bleibt Israel eine Besatzungsmacht mit der rechtlichen Verpflichtung, die Zivilbevölkerung von Gaza zu schützen. Aber die achtzehnmonatige Belagerung des Gazastreifens vor der jetzigen Krise verletzte diese Verpflichtung in krassester Weise.

Die Belagerung führte zu einer fast völligen Stilllegung der Wirtschaft, sie hinterließ hungrige und schlecht ernährte Kinder und hinderte die palästinensischen Studenten daran, im Ausland studieren zu können“. Seine Unaufrichtigkeit führt Lévy sogar dazu, die Realität der „berühmten, einem hungernden Volk aufgezwungenen, totalen Blockade“ und der humanitären Krise, die zur Zeit in Gaza herrscht, zu leugnen.

Von Sderot aus gesehen, ist die Lage in Gaza, „so wie sie sein sollte“[7], um die Worte von Livni nach einem Gespräch mit Sarkozy zu benutzen. In Sderot also, da wo er war, konnte Lévy sich davon überzeugen, dass die israelischen Krankenhäuser ununterbrochen „jeden Tag palästinensische Verletzten aufgenommen und gepflegt haben“. Aber warum sagt er uns denn nichts über die große Dankbarkeit, die diese wenigen Auserwählten ihren Wohltätern gegenüber sicherlich nicht vergessen haben auszudrücken? Sind alle Mittel gerechtfertigt, um sich ein gutes Gewissen zu geben zu versuchen?

Zum Glück hat auch Israel seinen Levy vom Dienst, sicher von einem ganz anderen Schlag. Gideon Levy, Journalist bei der israelischen Tageszeitung Haaretz, prangert die durch die Regierung und die Armee seines Landes begangenen Verbrechen unaufhörlich an. „Wir werfen Bomben auf Wohnanlagen ab, sagt er, und dann versorgen wir die Verletzten in Ichiloy; wir werfen Granaten auf eine in UN-Schulen geflüchtete Bevölkerung ab und anschließend behandeln wir die durch uns behindert gewordenen Leute in der Reha in Beit Lewinstein. Wir schießen auf Leute und weinen dann über ihr Schicksal; wir morden und dann jammern wir, wir zerfetzen wie „automatische Mordmaschinen“ Frauen und Kinder und anschließend müssen wir unsere Würde bewahren“.

Und der Gedanke, dass die Hamas durch den Bruch der Waffenruhe der erste Verantwortlicher des palästinensischen Unheils sei - Glucksmann freut sich darüber, dass Abbas das akzeptiert - muss ebenfalls korrigiert werden. Wie die Archive der Homepage des israelischen Außenministeriums bestätigen, hat Israel als erstes die Waffenruhe gebrochen, als es schon am 4. November einen Angriff über den Gazastreifen flog, wobei eine Person starb. Als Vergeltung warf die Hamas Raketen und Israel tötete dann weitere 5 Palästinenser.

In den darauffolgenden Tagen schoss die Hamas weitere Raketen ab, ohne dass es Opfer gab. Wie Finkelstein sagt, „kann Israel nicht behaupten, sich gegen diese Eskalation verteidigen zu müssen, denn diese Eskalation wurde ja durch seinen eigenen Bruch der Waffenruhe verursacht“[9]. Es sei hinzugefügt, dass Israel während dieser sechsmonatigen Waffenruhe die Zusage die Blockade aufzuheben und die Checkpoints nach draußen zu öffnen nicht eingehalten hat. Um so verständlicher scheint es also, dass die Hamas über die Situation erbost und über die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Gaza-Bewohner besorgt war und folglich die Waffenruhe nicht fortzusetzen wollte.

Die anderen „Fakten“, die Lévy erwähnt, betreffen speziell die Ereignisse der letzten Wochen: „Die Tatsache, sagt er zuerst, dass die israelischen Granaten so viele Opfer forderten, bedeutet nicht, wie die Demonstranten letztes Wochenende gröllten, dass Israel absichtlich ein „Massaker“ betreibt, sondern dass die Gaza-Führung bewusst eine gegensätzliche Haltung zu derjenigen Israels gewählt hat, die ihre Bevölkerung beschützt. Sie setzt ihre Bevölkerung bewusst der Gefahr aus: die altbekannte Taktik des „menschlichen Schutzschilds“! Das macht die Hamas wie die Hisbollah vor 2 Jahren: sie richtet ihre Kommandozentralen, ihre Waffenlager, ihre Bunker in den Kellern von Wohngebäuden, Krankenhäusern, Schulen, Moscheen ein – wirksam aber widerlich“.

Wieder einmal soll die Hamas die Verantwortung für das Massaker tragen, denn sie, so sagt es auch Glucksmann, „benutzt die Gaza-Bevölkerung als menschlicher Schtzschild“. Und Gilles Bernheim, der Großrabbiner Frankreichs setzt noch eins drauf; „die Hamas, behauptet er ungeniert, lässt Familien, also Zivilisten, auf das Dach einer Moschee steigen oder versteckt sich in den Schulen um auf die israelischen Armee zu schießen“[10]. Solche entehrenden Behauptungen ermöglichen schließlich, die Bombardierung von Schulen, Moscheen, Krankenhäusern, Krankenwagen und Konvois der Hilfsorganisationen zu legitimieren. Kein des Namen würdigen Philosoph könnte jedoch bestreiten, dass solche Taten in Anbetracht der internationalen Rechtsordnung Kriegsverbrechen darstellen. Diejenigen, die wie Lévy, Glucksmann und Bernheim, diese Taten verherrlichen, indem sie vergebens versuchen, sie zu rechtfertigen, sollten sich schämen! Denn nichts kann solche Massaker rechtfertigen, wie das in einer UNO-Schule (mindestens 43 Tote, darunter viele Kinder) oder das in diesem Haus, das bombardiert wurde, nachdem Zahal die Bewohner des Viertels dort versammelt hatte (30 Tote, die Hälfte davon Kinder).

Selbst wenn Hamas-Kämpfer in einer Schule, einer Moschee oder einem Krankenhaus wären, kann der Wille, sie zu beseitigen, rechtfertigen, dass Dutzende von Zivilisten, Männer, Frauen und Kindern in der Hoffnung massakriert werden, dass vielleicht ein Kämpfer drunter ist? Für den Großrabbiner Frankreichs, der kurz vor Beginn der Operation „gegossenes Blei“ ohne Zucken behauptete, „das einzige Anliegen Zahal sei, mit Liebe und Mut die Idee der Menschlichkeit und der Freiheit für alle Menschen zu bewahren“[11], ist die Antwort, leider Gottes, wahrscheinlich ja. Eric Hazan hat nicht übertrieben, als er vor ein paar Tagen von „dem zweiten Tod des Judaismus“ sprach[12].

In dem Interview vom 22. Januar in der Zeitung Le Figaro sagt Bernheim , dass er schon „Mitgefühl mit der zivilen palästinensischen Bevölkerung“ empfände, aber es war, um noch besser im selben Satz, im gleichen Atemzug, ohne Punkt und Komma, sogar ohne jegliche Krokodilsträne die „Hamas-Krieger“ zu stigmatisieren; er bedauerte, dass sie „einem mörderischen Wahn folgen würden, der sie überholt und zermalmt“. Das Mitgefühl eines Herrn Bernheim hat seine Grenzen. Das von Lévy ebenfalls. Uns was Glucksmann angeht, sagt sein Schweigen viel mehr als die üblichen Floskeln seiner Gesinnungsgenossen.

Laut internationalem Roter-Kreuz-Komitee (CICR) hat Zahal ebenfalls verhindert, dass Hilfeleistungen zu den palästinensischen Opfern kamen. Kinder blieben fünf Tage lang in ihrem Haus in dem Viertel Zeitun mit dem Leichnam ihrer getöteten Mutter eingesperrt. Die israelische Armee verhinderte, dass Hilfe in dieses Viertel kam, in dem gekämpft wurde und in dem zahlreiche Tote und Sterbende lagen. Die israelische Armee ist den palästinensischen Verletzten nicht zu Hilfe gekommen und hat die Prinzipien der Genfer-Konvention verletzt, indem sie dem Roten Kreuz nicht erlaubte, den Opfern zu helfen.

Noch besser, das Hilfswerk der Vereinten Nationen, UNRWA musste über mehrere Tage seine Hilfsaktionen einstellen, nachdem eines seiner Konvois durch die israelische Armee bombardiert und der Fahrer eines Krankenwagens getötet wurde. Schließlich hat die israelische Armee Waffen eingesetzt, die in Wohnbezirken absolut verboten sind, wie z.B. Granate mit weißem Phosphor und DU(=Depleted Uranium)-Munition, ganz zu schweigen von der neuesten amerikanischen Wunderwaffe, der „intelligenten“ Bombe DIME (für Dense Inert Metal Explosive), die aus kleinen mit einer Wolfram-, Kobalt-, Nickel- oder Eisenlegierung versehenen Kohlenstoffkügelchen bestehen und derer Explosionskraft enorm ist: „Auf zwei Meter, erklärt einer der beiden norwegischen Ärzte, der im Krankenhaus al-Chifa in Gaza während der Ereignissen war und dessen Äußerungen in Le Monde[13] wiedergegeben werden, wird der Körper durchtrennt; auf acht Meter werden die Beine abgetrennt, wie verbrannt durch Tausende von Nadelstiche.

Wir haben die durchtrennten Körper nicht gesehen, aber wir haben viel Amputierte gesehen. Es gab ähnliche Fälle 2006 im Südlibanon und wir sahen welche im gleichen Jahr in Gaza während der israelischen Operation „Sommerregen“. Versuche mit Ratten haben gezeigt, dass diese Partikel, die im Körper bleiben, krebserregend sind.“

Seit Beginn der Waffenruhe und dem Rückzug der israelischen Armee häufen sich die Aussagen und die Beweise, jeder erdrückender als der andere. Man muss es der Zeitung Le Monde hoch anrechnen, dass sie ausführlich darüber berichtete. In der arabischen Welt haben Hunderte Millionen Zuschauer bei den Info-Kanälen wie Al-Jazeera oder Al-Arabiva diese zerlegten, verstümmelten, verbrannten Kinderkörper gesehen. Das Image von Israel hat wieder einmal einen Schlag erlitten, vielleicht den fatalen Schlag, den Point of no return. Ob Lévy, Glucksmann und Bernheim es wollen oder nicht, es hat tatsächlich Israel das Blut der palästinensischen Kinder an den Händen kleben und nicht die Hamas. Und was die Überlebenden, die Blinden, die Verbrannten, die für immer Verstümmelten, die Querschnittgelähmten oder auch nur die Waisen als die letzten Überlebenden von dezimierten Familien angeht, sie werden niemals vergessen, und es ist schwer vorstellbar, dass sie eines Tages mit ihren Peinigern in Frieden leben können.....

Die Israelis selbst scheinen nun zu begreifen, dass das was sie gemacht haben, nicht gutgeheißen wird. Keine Reue, nein, auch kein Bedauern und keine Abbitte. Alle gratulieren sich und beglückwünschen sich für diesen „kleinen schönen Krieg“, dessen einziges „positives“ Ergebnis es ist, „das Abschreckungsvermögen von Zahal wiederhergestellt“ zu haben, d.h. die Fähigkeit jederzeit einige Hunderte oder Tausende Palästinenser zu massakrieren, um sie davon abzubringen, sich gegen die Besatzung zu wehren. Laut Tzipi Lini, die die Verluste unter zivilen palästinensischen Bevölkerung als „Ergebnis der Umstände“ bezeichnet hat, ist Israel im frieden mit sich selbst“[14].....

Also ein ruhiges Gewissen. Einziger Dämpfer: die Angst, dass die Offiziere von Zahal sich nicht frei außerhalb von Israel bewegen könnten, sollten sie wegen Kriegsverbrechen belangt werden. Wenn man der Zeitung Yedioth-Ahronoth glauben darf, soll die israelische Armee ihre hohen Offiziere, die nach Europa wollen, vor dem Risiko eines möglichen internationalen Haftbefehls gewarnt haben.

Sie hat auch jedem untersagt, die Identität der Offiziere preiszugeben, die an dem Gemetzel beteiligt waren. Die Kriminellen haben bestimmt Gründe, sich Sorgen zu machen. Auch wenn es nicht ihre erste Missetat ist, die Empörung über ihre letzten Verbrechen ist so groß, dass man durchaus denken kann, dass die laufenden Untersuchungen und die eingeleiteten Verfahren eine kleine Chance haben, zu konkreten Ergebnissen zu gelangen. Hoffen wir, dass nicht nur ein paar Stabsoffiziere belangt werden sondern auch und vor allem die tatsächlichen Verantwortlichen Olmert, Barak und Livni.

Aber offensichtlich reicht es noch lange nicht, um einen Glucksmann oder einen Lévy zu erweichen. Trotz der gehäuften israelischen Kriegsverbrechen bleiben die beiden zusammen mit ihren angepassten Kumpels aus den Pariser Promi-Kreisen, diesen umsichtigen oberflächlichen Philosophen und Pseudo-Intellektuellen, deren Gewissen und Urteilsfähigkeit verschwindet, sobald es um das „Überleben“ Israels geht, in Frankreich die treuesten und wirksamsten Vermittler der israelischen Kriegspropaganda und ihrer kriminellen Politik, die innerhalb drei Wochen mehr als 1.300 Palästinenser tötete, darunter mindestens ein Drittel Kinder, und Tausende verletzte....

Es muss schon unendlich viel mehr sein, was einem Bernard-Henri-Lévy aus der Fassung bringen kann, der es sogar wagt, zu sagen, dass „die Israelis auf militärische Einrichtungen abzielen und schlimme Schäden unter den Zivilisten verursachen, ohne dass sie dies beabsichtigt hätten“. Dies trägt im Kriegsjargon den Namen „Kollateralschaden“, einen Name, der zwar scheußlich klingt, dafür um so besser auf die tatsächliche strategische und moralische Dissymmetrie hinweist. Denn die Hamas-Palästinenser „schießen ja auf Städte, oder anders gesagt auf Zivilisten“, sagt er weiter, und begehen also „Kriegsverbrechen“. Man kann die Schlichtheit und die Klarheit der Argumentation nur bewundern.

Es ist jedoch schwer zu glauben, dass das palästinensische Parlament, die Ministerien, die Universität, die Krankenhäuser, die Moscheen, die Schulen und die Lagerhäuser der UNRWA, die offenbar zivile Ziele sind, systematisch aus Versehen zerstört wurden und auch nicht, dass sich hinter den Hunderten getöteten Kinder und der weiteren Tausenden Verletzten Hamas-Kämpfer versteckten. Gideon Levy sagte am 15. Tag dieses Massakers: „Dieser Krieg ist auch von seinen Opfern her ein Kinderspiel.

Ein Drittel der im Gazastreifen Getöteten sind Kinder, 311 laut palästinensischem Gesundheitsministerium, 270 laut der Menschenrechtsorganisation B’Tselem - von insgesamt tausend Toten bis Mittwoch, den 15. Januar 2009. Circa ein Drittel der 4.500 Verletzten sind ebenfalls Kinder laut den Zahlen der UNO, wonach die Zahl der getöteten Kinder seit Beginn der Bodenoffensive sich verdreifacht hat. Dies ist ob nach moralischem oder humanitärem Standpunkt ein zu großes Missverhältnis bezüglich der Kriegsopfer“. „Man kennt aus der Geschichte unzählige Kriege mit einer unfassbaren Zahl an Getöteten, führt er fort, aber die Zahl der getöteten Kinder im Gaza-Krieg – ein Drittel der Toten – hat man bisher laut Menschengedächtnis nirgendwo gesehen“[15].

Die Verhältnisfrage führt uns natürlich zu dem brillanten Aufsatz von Meister Glucksmann, einer „(ein)leuchtenden“ Reflexion über die Benutzung des Adjektivs “unverhältnismäßig“, das als übertrieben empfunden wird, sobald es sich auf Israel bezieht, und zwar aufgrund des folgenden, zumindest entrüstenden Arguments: der jetzige Konflikt ist wie jeder andere, ernsthafte Konflikt von Anfang an und demnach von Natur aus „unverhältnismäßig“. Wenn ich richtig verstehe, wäre also das hinzufügen des Adjektivs „unverhältnismäßig“ nichts anderes als ein Pleonasmus, den man sich ersparen sollte..... Nebenbei gemerkt, kennt Glucksmann eines der Grundprinzipien der Genfer Konventionen nämlich das Prinzip der „Verhältnismäßigkeit“ nicht, bzw. tut es so als würde er es nicht kennen.

Da jedoch Israel offensichtlich über die besagten Konventionen steht.... erreicht Glucksmann das Gipfel des Zynismus, wenn er folgende Frage stellt: „Welches angemessene Verhältnis müsste von Israel beachtet werden, damit es sich die Gunst der Öffentlichkeit verdient?“ Man spürt die ganze Frustration derjenigen, die durch die internationale Öffentlichkeit daran gehindert werden, noch radikalere Lösungen einzusetzen; und man wagt kaum, sich vorstellen, was diese ohne diese verfluchten „Bedingungslosen“ wären.

Gemäß dem Autor kann also Israel die naturgegebene Ungleichheit der vorhandenen Kräfte und Mittel nur hinnehmen. Zum Besten der Palästinenser, da Zahal „ihre technische Überlegenheit dafür einsetzt, ihre Ziele genau abzustecken“ und somit die zivile Bevölkerung zu verschonen: Die Bombardierung von Schulen, Moscheen und Krankenhäusern veranschaulicht am besten die Urteilsfähigkeit, die Menschlichkeit, die „moralischen Skrupel“ (um die vom Autor gewählten Worte zu benutzen) der israelischen Armee! Wenn es nach unserem Philosoph gehen würden, sollte man sich eigentlich den „Versuchungen der Bedingungslosigkeit entziehen“ und folglich wahrscheinlich anerkennen, dass Israel nicht anders vorgehen kann, als ohne jeglichen Skrupel und Moral alles, was sich bewegt, blind zu massakrieren.

Bernard-Henri Lévy bemüht sich ebenfalls, die vermeintliche Moral der israelischen Armee zu beweisen, wie der fünfte der sechs in seinem Artikel in Le Point aufgeführten „Fakten“ am besten zeigt: „ Da man Klartext sprechen sollte, schreibt er, sollte man ein Ereignis erwähnen, worüber die französischen Medien seltsamerweise wenig gesprochen haben, wofür ich jedoch bei keinem anderen Krieg und seitens keiner anderen Armee einen Präzedenzfall kenne: während des Luftangriffs haben die Zahal-Einheiten die Gaza-Bewohner, die in der Nähe eines militärischen Zieles wohnen, systematisch angerufen (die angelsächsischen Medien sprechen von 100.000 Anrufe) und sie gebeten, die Gegend zu verlassen“.

Kolonialministerin, Tzipi Livni, die ebenfalls auf die außerordentliche Rücksicht durch Zahal hinwies, wurde von einem Al-Jazeera-Journalisten gefragt, wohin die Bewohner, die per Telephon gewarnt wurden, dass ihr Haus oder Ihr Viertel bombardiert werden sollte, hätten flüchten sollen, während die Übergänge vom Gazastreifen nach außen sowohl von Israel als auch von Ägypten geschlossen wurden und die einzigen als sicher geltenden Orte, wo sich die zivile Bevölkerung hätte in Sicherheit bringen können, wie Schulen, Moscheen oder Krankenhäuser ebenfalls bombardiert wurden.

Wir wissen, welches Schicksal diejenigen, die sich für eine solche Lösung entschieden haben, erfahren haben. Selbstverständlich hat es Livni vorgezogen, dieser verfänglichen Frage auszuweichen. Wir hätten sie doch so gerne gefragt, was vorgesehen war, für den Fall, dass die Telefonleitung der zu evakuierenden Leute besetzt oder auch nur tot gewesen wäre. Wäre die Bombardierung solange hinausgezögert worden, bis man die Leute hätte kontaktieren können? Hätte man ihnen vielleicht ein Einschreiben mit Rückantwort geschickt? Der brave Soldat Lévy wird uns bestimmt aufklären können, er ist ja so gut informiert.

In seinen „Kriegstagebücher“ findet er auch in der Erwähnung von Asaf, diesem Hubschrauberpilot voller Skrupel, für den „nichts den Tod eines Kindes rechtfertigen kann“, eine erneute Gelegenheit, die Humanität der israelischen Armee zu unterstreichen. Hier seine ergreifende Erzählung: „Videos des Cokpit von Asaf. Aufnahme seines Gesprächs am 3. Januar mit jemandem am Boden, den er darüber unterrichtet, dass er alles abbrechen will, weil der „Terrorist“ in seiner Visierlinie von einem Kind eingeholt wird. Und dann unglaubliche Filme – ich habe 4 angeschaut – über diese schon abgeworfenen Raketen, die der Pilot von ihrem Zielkurs ablenkt und somit in einem Feld explodieren lässt, weil er sieht, dass eine Zivilperson auf seinem Schirm auftaucht oder weil der angepeilte Jeep in die Garage eines Gebäude einfährt, dessen Bewohner nicht gewarnt wurden, wie sonst üblich. Dass nicht alle die selben Skrupel haben, kann ich mir wohl denken (denn wie wären sonst die allzu zahlreichen und inakzeptablen Blutbäder zu erklären?)

Es ist aber wichtig zu sagen, dass es Leute wie Asaf in Zahal gibt, dass die Anweisungen befehlen, eher so wie Asaf vorzugehen, kurzum, dass Asaf keine Ausnahme sondern die Regel ist (und sei drum um das Klischee, das Zahal auf ein Haufen Grobiane, die auf Frauen und Alten losgehen...)“. Angesichts des durch die Bombardierungen angerichteten Blutbads ist es schwierig zu glauben, dass Leute wie Asaf die Regel sind. Vom ersten Tag an, schreibt Gideon Levy,[16] „haben sie die Diplomverleihung an die jungen Polizeioffiziere bombardiert, die dieses seltene Privileg hatten, eine Arbeit in Gaza zu finden; sie wurden zu Dutzenden massakriert. Sie haben eine Moschee bombardiert und töteten dabei fünf Schwester der Familie Balousha, die jüngste war gerade vier Jahre alt.

Sie haben ein Polizeirevier bombardiert und dabei einen Arzt getroffen, der sich in der Nähe befand. Dieser vegetiert nun im Koma im Krankenhaus Shifa dahin, das mit Verletzten und Toten überfüllt ist. Sie haben eine Universität bombardiert, die wir in Israel die palästinensische Rafael nennen..... und die Studentenwohnheime zerstört. Sie haben Hunderte von Bomben vom blauen Himmel abgeworfen, ohne dabei auf den geringsten Gegenschlag oder Gegenwehr zu stoßen. Innerhalb 4 Tagen haben sie 375 Personen getötet. Sie haben nicht unterschieden, denn sie konnten es nicht, zwischen einen Hamas-Verantwortlichen und seinen Kindern, zwischen einem Verkehrspolizisten und einem Qassam-Werfer, zwischen einem Waffenversteck und einem Krankenhaus, zwischen dem ersten und dem zweiten Stockwerk eines dicht bevölkerten Wohngebäudes mit Dutzenden von Kindern darin. Gemäß den erhaltenen Informationen war ca. die Hälfte der getöteten Personen unschuldige Zivilisten“.

Die Schlussfolgerung von Glucksmann kann in einem Satz zusammengefasst werden: „es ist nicht unverhältnismäßig, überleben zu wollen“, sagt er. Aber von wem spricht er denn? Von den Bewohnern von Gaza, die über Monate alles entbehren mussten und auf die wie auf Kaninchen geschossen wurde, ohne dass sie sich verteidigen oder flüchten konnten, wodurch sie Opfer von widerlichen Kriegsverbrechen wurden? Natürlich nicht. Es geht um Israel, das ewige Opfer, das kämpfen muss, um in einem feindlichen Umfeld zu überleben, einem Umfeld, das eigentlich immer feindlicher wird, je länger die Liste der blutigen Verbrechen wird, deren letztes in Gaza begangenes Verbrechen die Grenzen des Abscheu immer weiter hinausschiebt und gleichzeitig die Hoffnung für Israel, eines Tages im Frieden zu leben, womöglich für immer begräbt. Die Schlussfolgerung von Lévy in seinem „Notizblock“ in Le Point ist nicht weniger interessant als die von Glucksmann. Der schlimmste Feind der Palästinenser, schreibt er, ist die Hamas, derer „extremistischen Führer weder den Frieden noch einen Staat wollten, und ihr Volk nie anders denn als Instrument und Geisel sahen“.

Unseres Wissens ist der Staat Israel der einzige Feind, den die Palästinenser der ganzen Welt seit 60 Jahren kennen, dessen koloniale und rassistische Politik ihnen bis heute verbietet, normal und mit Anstand in ihrem eigenen, von der zionistischen Besatzung befreiten Staat zu leben. Was die Hamas betrifft: sie ist zur Zeit, ob man es will oder nicht, der einzige, glaubwürdige Vertreter des palästinensischen Widerstands gegen diese Besatzung, und sie besteht, wie alle Widerstandsbewegungen auf der Welt, vom französischen Algerien zum britischen Nordirland über die türkischen Kurden, aus einem politischen und einem militärischen Arm.

Außerdem wurde ja der politische Arm der Hamas schon vor 2 Jahren durch die Palästinenser in Gaza und im Westjordanland demokratisch gewählt, um das Schicksal ihres Staatenembryos zu lenken. Dabei hatten die zahlreichen internationalen vor Ort anwesenden Beobachter den guten Ablauf und die Transparenz der Wahlen bestätigt. Israel, die USA und Europa vergaßen doch schnell die demokratischen Ideale, auf die sie sich sonst gerne berufen, und weigerten sich das Ergebnis an den Wahlurnen anzuerkennen und die Entscheidung des palästinensischen Volkes zu akzeptieren. Sie entschieden sich dazu, die Hamas zu dämonisieren und isolieren, und zögerten für ihre Zwecke sogar nicht, die gesamte Gazabevölkerung einer verheerenden Blockade zu unterwerfen, derer humanitäre und wirtschaftliche Konsequenzen katastrophal waren. Nach alldem können Sie jetzt einen Palästinenser fragen, was er von unserem demokratischen Modell hält! Er wird sie auslachen, egal ob er Mitglied oder Sympathisant der Hamas ist oder nicht.

Denn, um von dieser „zweigleisigen Demokratie“ angewidert zu sein, braucht man kein „Islamofaschist“ zu sein, um die Bezeichnung des widerlichen Taguieff zu benutzen, wobei ich wetten könnte, dass er nicht in der Lage ist, auch nur einen einzigen Palästinenser zu finden, der ein „Feind der Freiheit“[17] wäre. Andererseits wird es für ihn nicht schwierig sein, Palästinenser zu finden, die ausschließlich die israelische Besatzung gekannt haben und somit ganz einfach nicht wissen, was Freiheit ist: die unter 60-jährige Bevölkerung, die nach der Nakba, der palästinensischen Katastrophe der Vertreibung, geboren ist, stellt mindestens 90% der Bevölkerung des Gazastreifens und des Westjordanlandes dar. Und was die Formulierung von Lévy angeht, sehen wir uns leider gezwungen, sie ihm zurück zu schicken, und sogar lieber zweimal: Israel ist nicht nur für die Palästinenser der (schlimmste) Feind.

Israel ist auch für die Juden auf der ganzen Welt der schlimmste Feind. Seine kriminelle und selbstmörderische Politik bildet für den Antisemitismus den besten Nährboden, das man sich vorstellen kann. Und die schlimmsten Feinde Israels sind nicht die Palästinenser, und auch nicht die Araber oder die „Islamofaschist“, sondern wohl all diese meistens jüdischen Intellektuellen und Politiker, die überall in der Welt trotz allem die Kolonialpolitik Israels weiterhin unterstützen und fördern. Ein Lévy, ein Glücksmann, ein Finkielkraut, ein Klarsfeld und andere Lanzmann sind in Frankreich deren berühmtesten Vertreter.

Man erweist nämlich Israel keinen Dienst, indem man es in diese Flucht nach vorne, die schnurstrack zu Katastrophe führt, bestärkt. Man erweist den Juden in Frankreich ebenfalls keinen Dienst, wenn man die Vermischung zwischen Juden, Israelis und Zionisten fördert. Wenn man den Großrabbiner Gilles Bernheim hört, oder den CRIF-Vorstand [französischer Zentralrat der Juden][18], der behauptet im Namen der Juden Frankreichs zu sprechen, wenn man hört, wie sie Israel bedingungslos unterstützen und die durch Zahal begangenen Verbrechen gutheißen, verstehen man dann, wie ein junger pro-palästinensischer Franzose sich unschwer davon überzeugen kann, dass der Feind nicht nur Israel sondern letztendlich „die Juden“ sind. Gerade diejenigen, die, wie sie sagen, ein „Überschwappen des Konflikts“ befürchten, fördern dies letztendlich durch ihre Stellungnahmen und ihre Worte, die nicht nur meistens ohne jegliches Mitgefühl für die Opfer von Gaza, sondern ebenso völlig unverantwortlich sind, genau wie die „politischen“ Entscheidungen Israels, das von dem Kraftkult und der durch die US-amerikanische politische und militärische Unterstützung hervorgebrachten Machtillusion verblendet ist.

Die Verblendung dieser potenziellen Kriminellen findet nur ihresgleichen in der Verblendung der israelischen Politiker über alle Parteien hinweg, jedoch mit der erwähnenswerten Ausnahme der arabischen Parteien, die für die bevorstehenden Parlamentswahlen nicht zugelassen wurden. Was für eine schöne Demokratie, das kann man nie genug wiederholen! Auf jedem Fall die einzige, in der die natürlichen Vertreter eines Fünftels der Bevölkerung problemlos und unter trügerischem Vorwand von nationalen Wahlen ausgeschlossen werden können.

Lévy ist seinerseits den Palästinensern Israels in Baka El-Garbil in der Nähe von Oum al-Fahm entgegengegangen, „einer dieser Städte mit israelischen Arabern, die sich 1948 dafür entschieden haben, dort zu bleiben“.... Ich habe das Verb kursiv markiert, denn es ist offensichtlich, dass Lévy, der genug Tricks auf Lager hat, es absichtlich gewählt hat, um den Eindruck zu erwecken, dass die anderen 800.000 freiwillig in das Westjordanland, nach Gaza und in die Nachbarländer geflüchtet sind. Er hat bestimmt die Werke der israelischen „Neuen Historiker“ gelesen, die die Wahrheit über die ethnische Säuberung von 1948 ans Tageslicht gebracht haben und mit einigen der Gründungsmythen Israels gebrochen haben, aber er ignoriert sie lieber. Wie dem auch sei, er hat bei einer Solidaritätsdemonstration für die Palästinenser von Gaza zugesehen und am Anfang des Zuges „Jugendlichen mit Kapuzen beobachtet, die also mitten in Israel zu Intifada, zum Djihad und zum Märtyrertum aufrufen“. Er hat sie gefragt: „Dieses Israel, das ihr so bespuckt, ist das nicht auch euer Israel? Ist das nicht der Staat, dessen Bürger ihr seid, zum gleichen Teil und mit den gleichen Rechten wie seine anderen Bürger?“

Man antwortet ihm, „dass Israel ein rassistisches Staat ist“, der seine arabischen Bürger wie „Untermenschen“ behandelt. Lévy ist keineswegs über diese „zweigleisige Demokratie“ entrüstet. Er bleibt lieber positiv und sieht darin ein Hinweis auf den guten Zustand Israels: „Wie stark muss wohl eine Demokratie sein, sagt er, die zu Kriegszeiten damit zurechtkommt, dass jeder fünfter Bürger kurz vor der politischen Abspaltung steht.“ Aufgrund der Nichtteilnahme der kürzlich verbotenen arabischen Parteien, ist es schwer ersichtlich, wodurch die Palästinensern sich von den bevorstehenden Wahlen betroffen fühlen sollten. Sollen sie Livni, Barak oder Netanyahou wählen? Die ersten zwei haben gerade ihre Brüder in Gaza massakriert und der dritte, der als Premierminister zwischen 1996 und 1999 am endgültigen Scheitern des Osloer Abkommens beteiligt war, verheißt noch Schlimmeres....

Kürzlich wurde Michel Warchawski gefragt, was er denn von den Gedanken unserer beiden Philosophen bezüglich Gaza denkt. Ich kann es mir nicht entgehen lassen sein Antwort im vollen Wortlaut zu wiedergeben[19]: „Leute wie Glucksman und BHL, sagt er, haben mich nie beeindruckt. Sie sind Ausdruck eines typisch französischen Phänomens: die von den Medien aufgebauschten Produzenten. Ich sage Produzent und nicht „Intellektueller“, denn auch wenn sie zwar reichlich viele Worte produzieren, sie haben nicht eine einzige neue oder originelle Idee entwickelt, sie haben höchsten 10 Jahre später die amerikanischen, neo-konservativen Ideologen nachgeahmt.

Außerdem ist ein Intellektueller, der diese Bezeichnung verdient, - und es gab Zeiten wo es große Intellektuelle in Frankreich gab – immer ein Dissident und Kämpfer und kein Ideologe des Establishments. Ich sage von den Medien aufgebauscht, denn die beiden brillieren nicht in den Sphären der Intellektuellen und der Universitäten sondern in der Glitzerwelt der Talkshows. Wer hat schon an einer amerikanischen oder asiatischen Uni von BHL gehört? Diese Kettenhunde des Establishments haben noch nie eine einzige interessante und originelle Idee vorgebracht. Angesicht des momentanen Gemetzels machen sie nichts anderes als mit den Wölfen zu heulen und das von militärischer Seite vorgegebenes Lied nachzusingen, jedoch mit weit weniger Talent als ein Oz oder Yehoshua, ihren Vorbilder bei uns.“

Während die Gaza-Bewohner ihre Toten zählen, haben sich Glucksmann und Lévy in ihr bequemes Pariser Loft oder sogar in ihrem Riyad (Villa) in Marrakesch zurückgezogen und beobachten durch die kleine verstaubte Dachlucke, die ihnen als Fenster zu Welt dient, das von Davidsternen bespickte Himmelsgewölbe. Vielleicht meditieren sie, solange die Zeit noch reicht, (und das wird wohl das übelste, das man ihnen wünschen kann) über das tragische Schicksal Goliaths.... Gewiss unverhältnismäßig aber nicht hoffnungslos. Denn es gibt gerechte Anliegen, gegen die alle Armeen dieser Welt nie etwas ausrichten werden können. Und das Anliegen der Palästinenser gehört dazu.


1) Le Monde vom 27. Juli 2006 « La guerre vue d’Isarel » (Der Krieg von Israel aus gesehen)
2) Le Journal du Dimanche vom 28. Januar 2009
3) Laut einem ersten Bericht des PCHR (Palestinian Center for Human Rights) für die Zeit vom 27. Dezember 2008 bis 18. Janaur 2009.
4) Siehe als Beispiel „Der Sinn der Schlacht um Gaza. Radikaler Antizionismus und neue Judeophobie“, Gespräch zwischen Aleksandra Rybinska und Pierre-André Taguieff in der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita (Die Republik) vom 17.-18. Januar 2009.
5) Pierre Barbancey, „Gaza. Unter dem Beton die Körper toter Kinder”, Artikel in der Ausgabe vom 19. Januar 2009.
6) Beitrag von N. Finkielstein in der Sendung von Amy Goodman, Democracy Now! Vom 8. Janaur 2009, niedergeschrieben und ins französische übersetzt von Florence Labat für die Webseite Info-Palestine, unter dem Titel „Einige Fakten über die Hamas und den israelischen Angriff auf Gaza“ (am 15. Januar online gestellt)
7) Libération vom 1. Januar 2009: „Die [israelische Außen-]Ministerin hat außerdem versichert, dass Israel während den Operationen zwischen dem Krieg gegen den Terrorismus, gegen die Hamas und der zivilen Bevölkerung unterscheidet. Dabei halten wir die humanitäre Lage in Gaza genau so wie sie sein soll“.
8) G. Levy, „Die Zeit der Gerechten“, in der Tageszeitung Haaretz vom 9. Januar 2009 veröffentlicht („The Time of the Righteous“).
9) N. Finkelstein, ibid.
10) Äußerung am Sonntag, den 11. Januar 2009 im Radiosender Europe 1 in der Sendung „C’est arrivé demain“ von Dominique souchier.
11) Äußerungen am 4. Dezember 2008 in Paris am Rande eines vom CRIF organisierten, stillen Solidaritätstreffen für die israelischen Opfer der Hamas.
12) E. Hazan, „der zweite Tod der Judaismus“ am 15. Januar 20009 auf diversen Webseiten online veröffentlicht (z.B. europalestine.com und ujfp.org).
13) Sophie Shihab, „Zwei in Gaza anwesenden norwegischen Ärzte behaupten, Opfer von einer neuen Waffensorte, den DIME, gesehen zu haben“, Le Monde vom 13 Januar 2009.
14) Äußerungen im Sender Raio-Israel am 19. Januar 2009.
15) „Die israelische Armee zeigt kein Erbarmen/Mitleid für die Kinder in den Kindergärten in Gaza“, Artikel veröffentlicht in der Ausgabe vom 15. Januar 2009 der israelischen Tageszeitung Haaretz (übersetzt von D. Hachilif).
16) G. Levy, „die israelische Luftwaffe säht den Tod“, Haaretz vom 4. Januar 2009.
17) „Der Sinn der Schlacht um Gaza. Radikaler Antizionismus und neue Judeophobie“, Gespräch zwischen Aleksandra Rybinska und Pierre-André Taguieff in der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita (Die Republik) vom 17.-18. Januar 2009.
18) Als Beispiel erwähnen wir Haim Musicant, Generaldirektor des CRIF, der auf die Fragen von France-Culture und anderer Medien wiederholte: „Der CRIF steht an der Seite der israelischen Regierung und ihrer Armee, derer erste Pflicht es sit, für die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen. Wir sind mit dem israelischen Volk solidarisch, der den Angriffen der Hamas ausgesetzt ist.“
19) „Lassen wir nicht zu, dass die Öffnungen in der Koexistenz sich wieder verschließen“, Gespräch mit Michel Warchawski auf der Webseite alternatives-international.net am 15. Januar 2009.

http://oumma.com/Philosophie-d-un-massacre-Andre

 

 

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