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Israel drängt kranke Palästinenser, Kollaborateure zu werden
Dion Nissenbaum, McCltchy Newspaper, 24. Oktober 2007

 

Khan Yunis, Gazastreifen: Yasser Hiyya wusste bis zu diesem Sommer  nicht, warum er immer so schwach und müde war, bis Ärzte entdeckten, dass er ein kleines Loch in seinem Herzen hat. Israel gab Hiyya im letzten Monat die Genehmigung, den Gazastreifen zu verlassen und israelisches Gebiet zu durchfahren, damit in der  palästinensisch kontrollierten Westbank eine Operation gemacht werden kann.

Aber als er an der israelischen Grenzstelle ankam, erfuhr er, das dies eine Falle war. während eines tagelangen  Verhörs bot ihm der Geheimdienstmann einen Deal an: „Sage uns (alles) über deinen Bruder, einen gesuchten Militanten, und ich lass dich zu der für dich nötigen Operation durch Israel fahren, .“

Als Hiyya sich weigerte, bei diesem Deal mitzumachen, wurde er abgewiesen.

 

Menschenrechtsgruppen erheben die Anklage, dass Hiyyas Fall nur einer von fast einem Dutzend ist, die sie dokumentiert haben, bei denen Israelis angeblich versucht hätten, kranke Palästinenser als Informanten im Kleinkrieg   mit den militanten Hamasgruppen zu bekommen.

Seit die Hamas ab Mitte Juni die Kontrolle über den Gazastreifen hat …hat Israel dahin gearbeitet, den Küstenstreifen und seine 1,5 Millionen Bewohner zu isolieren. Die einzigen, denen es erlaubt ist, den Gazastreifen zu verlassen, sind Palästinenser, die dringende medizinische Versorgung brauchen.

 

Jetzt klagen Menschenrechtsgruppen an, dass Israel versucht, diese zu Kollaborateure zu machen.

„Nutzen aus den Schwächsten zu ziehen, ist nicht nur illegal, sondern auch abscheulich,“ sagt Fred Abrahams, ein Mitarbeiter von Human Rights Watch, der einige der Fälle aus dem Gazastreifen dokumentierte. „ die Schlinge  (um den Hals) wird langsam immer enger gezogen und die Menschen sterben.“

 

Seit Juni sind nach PHR mindestens  fünf Palästinenser  gestorben, nachdem ihnen der Passierschein verweigert wurde, um den Gazastreifen  für eine medizinische Behandlung zu verlassen. PHR ( isr. Ärzte für Menschenrechte) versuchen, den Patienten in Gaza zu helfen.

 

Der israelische Geheimdienst (GSS), besser als Shabak/Shin Beth bekannt, lehnt es ab, über irgend einen dieser Fälle zu reden oder über seine Strategie, Informationen zu sammeln, aber er weist die Behauptungen zurück, dass er ernsthaft kranke Palästinenser für eine medizinische Behandlung nicht aus dem Gazastreifen lässt, es sei denn, sie seien bereit, Informationen zu geben.

„Das GSS-Verfahren von der Vergabe von Passierscheinen sei nicht abhängig, ob man Kollaborateur wird oder nicht,“ sagt eine Mitarbeiter in einem vorbereiteten Statement.

 

Wenn Palästinenser abgewiesen werden, dann deshalb, weil man Verdacht habe, sie hätten Verbindungen zu Terroristen.

Es ist nicht klar, wie viel Leute den Gazastreifen verlassen durften.

 

Im Durchschnitt haben etwa 700 kranke Palästinenser den Gazastreifen monatlich seit der Übernahme der Kontrolle durch die Hamas, verlassen dürfen. – nach der WHO.

Aber weniger als 200 Leute durften während der letzten beiden Wochen  des September aus dem Gazastreifen ausreisen, als Hiyya versuchte – nach WHO-Zahlen aus israelischen Berichten.

Hiyya, 37, hatte Probleme, weil sein jüngerer Bruder ein führender Fatahmilitanter in Gaza ist, den Israel schon  wenigstens zweimal umzubringen versuchte.

Hiyya sagte, er sei nie im Gefängnis gewesen und hätte sich von den Angelegenheiten seines Bruders ferngehalten – was ihm der israelische Vernehmende nicht abnehmen wollte.

Am 18.September  musste er sich 12 Stunden lang am Erez-Grenzkontrollpunkt einer Körpervisitation unterziehen und zwar in einem unterirdischen Verhörraum. Er wurde über seinen Bruder ausgequetscht.

Sein Vernehmender nannte ihn einen Lügner und  klagte ihn an, er würde seinem Bruder helfen, Raketen zu verstecken, die dann nach Israel abgefeuert werden.

 

Im September  versuchte  Hiyya dreimal zur Operation in die Westbank zu gelangen.

Jedes Mal wurde er, obwohl er die schriftliche Genehmigung hatte, abgewiesen. Die Ärzte im Gazastreifen sind nicht in der Lage, ihm zu helfen.

 

„Wenn ich nicht zu meiner Behandlung nach Nablus komme, dann werde ich sterben, fürchte ich. Aber meine Seele verkaufe ich nicht,“ sagte er.

 

Bassam Wahedi erhielt den Passierschein für eine Augenoperation in Israel, um seine Sehkraft zu retten.

Wahedi, 28, Journalist, sagte auch, er habe eine Körpervisitation in Erez durchmachen müssen. Auch er war in einem unterirdischen Verhörraum mit einem Spionspiegel (? R.). Er sagte, sein Vernehmender habe ihm angeboten, ihn in ein besseres israelische Krankenhaus zu schicken, wenn er sich bereit erklärt, Informationen über Militante zu sammeln, die Raketen nach Israel feuern.

„ Du wirst den Gazastreifen nie verlassen, wenn du uns nicht hilfst,“ sagte warnend  der Vernehmende zu Wahedi.

Genau wie Hiyya weigerte er sich, das Angebot (unter diesen Umständen) anzunehmen. „Es wäre ein großer Verrat, wenn ich, um meine Augen zu retten, Israel Informationen geben würde,“ sagte Wahedi.

 

Abrahams von Human Rights Watch warnte davor, dass die israelische Strategie  ein großes Risiko für Palästinenser bedeuten würde, denen es erlaubt ist, den Gazastreifen zu verlassen, weil Militante sie dann verdächtigen würden, Kollaborateure zu sein.

 

„Es wirft den Schatten von Verdacht auf jene, denen es gelang, den Gazastreifen zu verlassen,“ sagte er, „ denn  die Leute würden sich fragen, was sie getan haben könnten, um hinaus zu kommen.“

 

( dt. Ellen Rohlfs)

 

 

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