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Gaza im Lichte der Zionistischen Ideologie
Prof. em. Dr. Kenneth Lewan

 

Um zu verstehen, warum ein Massaker unter der Bevölkerung des Gazastreifens stattgefunden hat, sollte auch die zionistische Ideologie vergegenwärtigt werden. Die Ideologie der zionistischen Bewegung ist eine nationalistische Ideologie. Deren Grundeinstellungen beinhalten eine Missachtung anderer Nationen und ethnischen Gruppen und ihrer Interessen. Der Patriotismus hingegen lässt sich gut mit der Achtung und Anerkennung anderer Nationen vereinbaren. Wie andere nationalistische Ideologien hat die zionistische eine eigene Prägung. Sie steckt in folgender Aussage von Theodor Herzl, dem Hauptideologen und Organisator der Bewegung. Er schrieb in seiner Streitschrift „Der Judenstaat“ (1896): Kein Volk der Geschichte hat solche Kämpfe und Leiden ausgehalten, wie wir,...denn tief im Volksgemüt (aller anderen Völker, K.L.) sitzen alte Vorurteile gegen uns...und je länger der Antisemitismus auf sich warten lässt, um so grimmiger muß er ausbrechen. Die einzige Hoffnung, den Verfolgern zu entrinnen“, sei „ein Staat der jüdischen Nation“.

 

Diese Aussage über das Leiden der Juden und die tiefsitzenden Vorurteile in anderen Nationen ist empirisch nicht überprüfbar. Das war Herzl gewiß einerlei; ihm und seinen Mitstreitern ging es um die Gründung eines Staates „der jüdischen Nation“. Die zu erwartende Grundeinstellung der wirklich Überzeugten wäre Misstrauen, Unsicherheit und Angst vor Nichtjuden. Andere Juden würden tun, als ob sie Herzls furchterregende Aussage verinnerlichten, weil es für das zionistische Vorhaben nützlich sein könnte. Eine weitere Anzahl von Juden würde das Vorhaben der Zionisten rundweg ablehnen, sie würden lieber Bürger eines bestehenden Staates bleiben. Die ersten zionistischen Aufgaben waren, die Stärkung des jüdischen Nationalbewusstseins und dazu die fortschreitende Assimilierung von Juden in ihren Heimatländern zu unterbinden.

 

Der Staat, der vorgesehen war, sollte für „die jüdische Nation“ sein. Herzl und die anderen Führer der Bewegung meinten, dass die palästinensische Bevölkerung, die sich auf eine tausendjährige arabische Geschichte berufen konnte, aber keine Juden waren, das Land verlassen müssten. In der UNO und anderswo Öffentlichkeit beteuerte die Führung, dass die Juden und Araber friedlich miteinander leben würden. Das war aber nur vorgetäuscht. Herzl , der die Bewegung jahrelang geführt hat, vertrat die Meinung, dass die Araber „unbemerkt“ über die Grenze in Nachbarländer gebracht werden sollten, nachdem sie die gröbste Kolonisierungsarbeit für den Judenstaat geleistet hätten. Weizmann, der Führer der Bewegung in England forderte die britische Regierung 1937 auf, die Palästinenser auszusiedeln. 1943 bot er König Ibn Saud 20 Millionen Pfund an, wenn er die Palästinenser aufnehmen würde. Lasky, der damalige Führer der britischen Labour Party und ein enger Mitarbeiter von Weizmann, schrieb 1931 an den amerikanischen Richter Brandeis: „Das Wirtschafsproblem in Palästina lässt sich nicht lösen, außer wenn die britische Regierung Transjordanien für eine arabische Besiedlung nutzt“. Ben Gurion, der die Zionisten in dem Eroberungskrieg 1947/48 führte, meinte, er sähe nichts Unmoralisches darin, die Araber zu zwingen, das Land zu verlassen. Sollten einige Palästinenser doch bleiben dürfen, war schon von der Ideologie her anzunehmen, dass sie keine gleichberechtigten Bürger sein würden. Nach der Entstehung Israels hat die Besatzungsmacht immer wieder in Friedens- wie in Kriegszeiten Maßnahmen ergriffen, die einheimische Bevölkerung auszudünnen. Die Ideologie wirkte richtungweisend und stark auf Israels Entscheidungsträger und wurde zu einer Goldgrube für israelische Propaganda.

 

Prof. em. Dr. Kenneth Lewan

 

 

 

 

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