Von: Ruth Asfour
Gesendet: Freitag, 9. Februar 2007 16:26
An: 'bronski@fr-online.de'
Betreff: Prof. Brumlik und P. Vonnahme
Leserbrief zum Artikel: "Wie der Bau der Bagdad-Bahn von
Prof. Micha Brumlik
Brumlik antwortet auf den Artikel
von Peter Vonnahme
Herr Professor Brumlik übersieht
völlig bei seiner versuchten Widerlegung der Ansichten des Herrn
Vonnahme die immense Wichtigkeit die das furchtbare Geschehen
des Holocaust für die israelische Politik hat.
Wird nicht jedes Staats-Oberhaupt,
welches Israel besucht, zuerst nach Yad Vashem, bei Jerusalem,
dem (völkerrechtlich umstrittenen) Sitz der israelischen
Regierung geführt ?
In erster Linie Deutsche, die ja
die Schuld an der Shoah tragen, werden natürlicherweise mundtot
– vor Entsetzen. Sie trauen sich nicht die Menschen- und
Völkerrechtsverletzungen, das Ignorieren Israels sämtlicher UN
Resolutionen und des Den Haager Urteils über die landräuberische
Mauer zu erwähnen. (Landräuberisch und Quellenraubend weil sie
nicht auf der 1967er Grenze verläuft )
Eine „Verhöhnung der Opfer“ nennt
die Menschenrechtsanwälting Felicia Langer (altern. Friedens
Nobelpreis) diese Handhabung des Holocaust zu politischen
Zwecken. Ihr neuestes Buch war 2006 auf der Buchmesse: „Die
Entrechtung der Palästinenser – 40 Jahre Besatzung“ Sie ruft uns
zu : „Ihr habt schon einmal geschwiegen – jetzt schweigt ihr
wieder !“ Sollten wir das nicht beherzigen, da doch heute in
unserem Grundgesetz als Paragraph Nr. 1 steht: „Die Würde des
Menschen ist unantastbar !“ ?
Gush Shalom in Tel Aviv und die
israelischen Professoren Ilan Pappe, Jeff Halper u.a. die
„Haaretz“ JournalistInnen Gideon Levy und Amira Hass, die EJJP
(European Jews for a just Peace), Prof. Verleger mit seiner „Schalom
5767 Berliner Erklärung“ ermuntern uns, unsere Stimme gegen die
israelische Politik zu erheben und auf diese Weise für die
Menschenrechte für alle Menschen zu sorgen. (Die Berliner
Erklärung war auch in Ihrer Zeitung abgedruckt und man kann noch
Unterschriften sammeln bis 12. September 2007 (Roshanna) wenn
Schalom 2768 – beginnt)
Auch Herr Carsten Kühntopp (ARD)
adressierte kürzlich unsere Kanzlerin: „Keine weiteren
Plattheiten, Frau Merkel“ wegen ihrer einäugigen Politik im
Konflikt Israel/Palästina.
In seiner Argumentation „der Staat
Israel wäre auch ohne den Holocaust enstanden“ hat Herr Prof.
Brumlik Recht – aber es wäre dann ein „anderes Israel“ (the
Other Israel heißt eine Friedensbewegung dort ) gewesen, ohne
die Hinweise auf das Grauen des Holocaust.
Es wäre sozusagen ein
Martin-Buber-Israel gewesen und kein Ben-Gurion-Israel. Martin
Buber hatte in seinem Testament palästinensische Studenten mit
Stipendien bedacht. Martin Buber hatte nach dem Massaker in Deir
Yassin an arabischen Frauen und Kindern vier Mal an Ben Gurion
geschrieben wegen Errichtung eines Gedenksteins. Ben Gurion
antwortete kein einziges Mal. Sein Ausspruch „ohne Deir Yassin
wäre die Staatsgründung Israels nicht so schnell gegangen“ ist
überliefert. Deir Yassin (unweit von Yad Vashem) war nur eines
von den 450 im sog. „Unabhängigkeitskrieg“ von den Juden
zerstörten Dörfern des alten Palästinas. Es haben noch andere
kleinere Massaker stattgefunden, aber Deit Yassin genügte um die
Bevölkerung in hellen Scharen in die Flucht zu treiben.
Prof. Brumliks Vergleich mit der
Integration der deutschen Flüchtlinge aus dem Osten hinkt sehr.
Deutschland hatte einen schrecklichen Krieg angefangen und ihn
verloren.
Es ist ein Industriestaat und
bekam Wiederaufbau-Hilfe durch den Marshal-Plan. Unzählige
Arbeitsplätze mussten besetzt werden, dass sogar Fremdarbeiter
eingestellt wurden. Dies alles trifft auf die wenig
industrialisierten Nachbarländer Israels nicht zu. Sie haben
kaum genug Arbeitsplätze für ihre eigenen Bürger, viele wandern
aus. Außerdem hatten sie dem Teilungsplan nicht zugestimmt.
Warum hätten sie das tun sollen ? Die Balfour Deklaration 1918
(eine „Heimstätte für das jüdische Volk“) war erlassen worden,
ohne sie zu konsultieren.
Allerdings war der Mufti von
Jerusalem Hitler gegenüber freundlich gesinnt , der Mufti war
aber beim Volk nicht beliebt. Ich fürchte, Prof. Brumlik
übernimmt da die Behauptungen des neuen Buches „Halbmond und
Hakenkreuz“, in welchem versucht wird, den Arabern eine
Mitschuld am Holocaust anzulasten. Auch in diesem - sehr
einseitigen – Buch wird verschwiegen, dass Araber und Juden
vereint z.B. im alten Andalusien eine blühende Kultur
entwickelten und dass Juden friedlich in arabischen Ländern
leben konnten. Meist war es der Zionismus, der sie - auch mit
unlauteren Mitteln - zur Auswanderung in den neu gegründeten
Staat Israel bewog.
Als sei es nicht genug, dass es
Israel gelungen ist, die Palästinenser überall als „Terroristen“
zu diffamieren und jede Kritik an dem israelischen
Staatsterrorismus als „Antisemitismus“ zu brandmarken, jetzt
sollen sie auch an dem Verbrechen des Holocaust mit schuld sein.
Dieses Buch dient nicht dem Frieden und die Ausführungen des
Prof. Brumlik auch nicht.
Ruth Asfour, Offenbach am Main