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In Gaza ist der Weihnachtsmann insolvent
Mohammed Omer  (www.antiwar.com/ips/omer.php?articleid=12109)

 

Gaza-Stadt,  “der Weihnachtsmann hat dieses Jahr leere Hände  -- er ist insolvent,“ sagt Vater Manuel Musallam, Direktor der „Schule der Heiligen Familie“ in Gaza-Stadt.

„Es gab keine Feiern,“ sagt er und hob seine leeren Hände gen Himmel. Wir Christen und Muslime leben hier alle in Angst und Unsicherheit. Die israelischen Panzer, Bulldozer und Flugzeuge belagern uns alle.“

Seine Schule, in die Muslime und Christen gehen, feiert gern und schließt alle mit ein. Aber in diesem Jahr waren nur wenige Feiern geplant und für weniger Kinder.

Der Leiter der Sonntagschule der griechisch-orthodoxen Kirche, Jaber al-Jilda, sagt etwa dasselbe wie sein katholischer Kollege. „Dieses Jahr sind die Feiern fast nur religiös,“ sagt er,

„Wir  wollten gerne feiern, aber unsere Herzen sind voller Schmerz und Trauer. Wir können nicht feiern und gleichzeitig die Beerdigung von einem weiteren von den Besatzern Getöteten beobachten, wenn der Trauerzug an unserer Kirche vorbeizieht.“

Am Freitag ist das Gebäude, in dem er unterrichtet, eine Mosche. Am Sonntag ist es eine Kirche.

 

„Ich hab nicht das Gefühl, Weihnachten zu feiern,“ sagt die 16Jährige Merkiana Tarazi. „Ohne Sicherheit und Frieden, selbst wenn ich ein neues Kleid trage – ich bin nicht glücklich.“

Wie viele in Gaza, die Familienmitglieder in Israel, Jordanien oder auf der Westbank haben, ist Merkiana von einem großen Teil ihrer Familie abgeschnitten. Ihre ältere Schwester studiert an der Birzeit-Uni in der Westbank. Sie kann an Weihnachten wegen der Belagerung des Gazastreifens nicht nach Hause kommen.

In der Vergangenheit feierte die christliche Gemeinde von Gaza Weihnachten, wenn auch nicht so großartig wie im Westen. Vor der 2. Intifada, die 2000 begann, versammelten sich Christen und Muslime am Weihnachtstag auf Gazas Hauptplatz. Ein riesiger Weihnachtsbaum  stand mitten auf dem Platz, und der Weihnachtsmann verteilte Gaben an die Leute auf der Straße. Heute kann sich die Gemeinde keinen Weihnachtsbaum leisten.

 

„Wir verteilten sonst Schokolade an unsere Kinder in der Schule,“ sagt Vater Musallam.   „Aber jetzt mit der israelischen Belagerung gibt es keine Schokolade.“

Es gibt auch  keinen Weihnachtsschmuck. „Papier und Malutensilien gibt es auch kaum. Und wenn wir  auf dem Markt wirklich etwas davon finden, können wir es uns nicht leisten. Selbst Kleidung oder nur die Zutaten zu einem Weihnachtskuchen können wir uns nicht leisten.“

 

Aber diese Bedingungen haben unsern Geist noch nicht umgebracht. Anstelle von Schokolade hat die Schule Erdbeeren organisiert, die im Gazastreifen angepflanzt und dieses Jahr  nicht nach Europa ausgeführt werden können. Die Erdbeeren bereiteten ein bisschen Hoffnung zu Weihnachten.

Yilda hat seinen eigenen Ersatz gefunden. Als Weihnachtsgaben bot er religiöse Bücher anstelle von Schokolade, Kleidern und traditionelle Geschenke an.

Weihnachten liegt dieses Jahr inmitten von Geschichten, die in den westlichen Medien auftauchen und die die Hamas-Regierung oder die Muslime allgemein anklagen, sie würden die Christen  im Gazastreifen oder  in Palästina verfolgen . Das sagen aber nicht viele Christen.

 

„Hamas hat das nie getan“, sagt Jilda  nachdrücklich. „Sie schicken Vertreter der Hamas zu unsern Feiern. Im letzten und vorletzten Jahr kamen sie und brachten Weihnachtsgrüße zu unserer Kirche und der ganzen Gemeinde.“

Da sonst alles fehlt, können die christlichen Führer uns nur Worte der Hoffnung geben.

„An Weihnachten geht es um Vergeben und Frieden,“ sagt Vater Musallam. „Es beginnt mit einem Kind. Wenn wir in die Herzen unserer Kinder einen Baum der Heiterkeit pflanzen, dann werden die Früchte Frieden sein. Ich schicke meine Grüße der Liebe und der Achtung hinaus in die Welt, während unser Volk zum einen von Hoffnung und zum andern  in Verzweiflung lebt.“

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 
 

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