o

 

Palästina Portal


Israelische + Jüdische Stimmen

Dies ist mein Land, wie allgemein bekannt: „die einzige Demokratie im Nahen Osten.“

Prof Abraham Oz, Haifa  ( avitaloz(at)gmail.com) www.kibbush.co.il

 

Liebe Freunde,

Dies mein Land ist , wie allgemein bekannt, „die einzige Demokratie im Nahen Osten.“

 

Dies ist mein Land:

In dem Bürger mit Gewissen, die  gegen Gräueltaten protestieren, die in ihrem Namen von Generälen, Offizieren und Soldaten im Wehrdienst und Reservedienst begangen werden, dafür verfolgt werden, weil sie diese vor ein internationales Gericht für Kriegsverbrechen bringen, da das israelische Justizsystem seinen moralischen Verpflichtungen  nicht nachkommt; und in dem solche Bürger von einem hochrangigen Likud-MK Steinitz ( einem früheren Kollegen meiner Universität – woher sonst?) bedroht werden. Er versucht, ein „Verräter-Gesetz“ zu erlassen, das an dunkle Zeiten erinnert. Nach diesem Gesetz sollen Bürger mit Gewissen vor Gericht gestellt werden und für ihre  Initiative Gefängnisstrafe erhalten.

 

Dies ist mein Land:

In dem von den vielen Polizeioffizieren kein einziger  dabei ist, der in die Demonstrationen seiner palästinensischen Mitbürger geschossen, 13 getötet und viele verletzt hat, und als verantwortlich gefunden wurde, um vor Gericht gestellt zu werden – nicht wegen einer kleinen Nachlässigkeit, oder gar für  schwerwiegendere Vergehen – selbst wenn eine sehr nachsichtige und milde offizielle Ermittlungskommission Fehler am Verhalten der Polizei vor fünf Jahren finden würde. Wahrscheinlich würde auch kein einziger Soldat ( vor Gericht kommen), der jemanden bei den fast täglich stattfindenden Demonstrationen gegen den  Mauerbau  in Bil’in  verletzt,  obwohl die Mauer das Leben der Bewohner  in großes Elend bringt. Gleichzeitig muss eine junge Frau, Tali Fahima, seit Monaten eine Gefängnisstrafe absitzen und  wegen mysteriöser Beschuldigungen vor Gericht erscheinen, weil sie – zusammengefasst -  bereit war, menschliches Schutzschild für einen palästinensischen Widerstandskämpfer zu sein, der von den IDF in einem Flüchtlingslager während der berüchtigten Jenin-Operation  gezielt getötet werden sollte.

 

Dies ist mein Land:

In dem das angebliche Leiden der Siedler – evakuiert vom Haus, Land und Wasserressourcen, die den Palästinensern gestohlen wurden – dramatisch in allen Medien vorgeführt  wurde, während die Familien von kaltblütig bei Terrorakten ( aus Protest gegen die Evakuierung) von Siedlern und ihren Unterstützern erschossenen und verwundeten Palästinensern  kein Recht auf reguläre Entschädigung haben, die sonst Terroropfern gegeben werden. Das Gesetz  in meinem demokratischen Land definiert Terrorismus als ein Verbrechen gegen den Staat Israel, wobei jüdische Mörder nicht  in diese Kategorie passen.

 

Dies ist mein Land:

In dem ein nackter Bau, der als Synagoge von den Siedlern einer evakuierten Siedlung benutzt wurde ( und aus dem alle heiligen Geräte offiziell entfernt wurden) in einer heidnisch-militärischen Weise begraben wird und ähnliche Konstruktionen – im Gegensatz zur Meinung der Rabbiner - nicht zerstört  werden, um die Palästinenser nach der Evakuierung zu provozieren, die keinen Grund sehen, diese leeren Bauten  als heilige Stätten zu behandeln: und während man Zetermordio  über die „Entheiligung“ solch unheiliger Bauten schreit, erinnere ich mich sehr wohl an unsern Lieblingsspielplatz als Kind: ein Hügel neben dem Meer im Norden der Stadt, wo wir Kinder gelegentlich Knochen im Boden fanden. Die Eltern nannten den Hügel den muslimischen Friedhof. Jahre später machte ich meine Abschlussprüfung an einer Universität, die auf den Ruinen eines arabischen Dorfes – Sheikh Muanis – stand. Versuche, sich an  dieses Dorf zu erinnern ( durch die Gruppe  Zochrot – auf hebräisch „erinnere dich!“), wirden als staatsgefährdend diffamiert.

 

 

Dies ist mein Land:

Eines, das damit prahlt, „die einzige Demokratie im Nahen Osten“ zu sein, dessen Ministerpräsident öffentlich verkündet, er wolle die demokratischen Wahlen in den palästinensischen Gebieten sabotieren, weil er sich über das Parteiprogramm einer dieser zur Wahl aufgestellten Parteien – so anstößig es auch sein mag – ärgert.

 

Dies ist mein Land:

In dem eine Universität, in der Vorlesungen über Demokratie gehalten werden, ein Militärprogramm für Studien für Geheimdienstkadetten gibt, die auf dem Campus in Uniform auftreten, eine ganze Abteilung der Studentenschlafräume in Anspruch nimmt, (ohne nach den Bedürfnissen der arabischen und jüdischen Studenten zu fragen.) und so zu einem militärischen Bezirk wird ( ja, es ist meine Universität), während man das gewählte arabische Studentenkomitee nicht anerkennt, das 20 % der Studenten vertritt, auch nicht der Forderung, Schilder auf dem Campus ebenso auf arabisch – eine offizielle Sprache in Israel -  aufzustellen nachkommt;  oder das Theater für arabische Spiele  schließt oder verbietet, einen Weihnachtsbaum neben den Chanukkaleuchter aufzustellen, wenn die beiden Feste auf den gleichen Termin fallen.....

 

Dies ist mein Land:

In dem der Ausdruck „ein Staat aller seiner Bürger“ von seiner offiziellen Regierung missbilligt wird; in dem die „einzige Demokratie in der Region“ das Schulkurrikulum verbietet, das ( nur am Rande) einige arabische Schriftsteller wie Edward Said, Azmi Bishara oder Mahmoud Darwish enthält, damit nicht die Idee, die anderen  könnten – neben den Juden - gleichwertige Bürger sein, und so die Bildung seiner Jugend verdirbt. Und dann werden Schreie des Entsetzens vernommen, wann immer ein  in dieser Weise offiziell erzogener Jugendlicher seine Mitbürger als nicht gleichwertig betrachtet und aus ethnischen oder religiösen Gründen Gewalt anwendet, womöglich sogar Mord.

 

Dies ist mein Land:

Während die Evakuierung von ein paar Siedlern aus dem besetzten Gazastreifen politisches Chaos  verursacht und die Regierung zu stürzen droht, die demokratisch für die Evakuierung gestimmt hat, werden Millionen Schekel in die Stärkung der meisten Siedlungen in den besetzten Gebieten gesteckt, die Entfernung  der sporadischen „illegalen Siedlungen“ ( als ob es legale gäbe) nicht bestätigt, neue Straßen zu ihnen gebaut und diese mit Strom versorgt und eine Mauer des Hasses gebaut, (die gerade vom israelischen Obersten Gerichtshof bestätigt wurde - trotz der gegenteiligen ausländischen Entscheidung ), die palästinensische Dorfbewohner von ihrem Land trennt, Kinder von ihren Schulen  und jede Hoffnung für einen anhaltenden Frieden von der Realität.

 

Dies ist mein Land: zuweilen wird es freundlich getadelt, regelmäßig freundschaftlich als aufgeklärte Demokratie im Nahen Osten  gelobt –  ich aber frage  mich, ob dies die Lektion für selektive Demokratie ist, die gerade von der demokratischen Welt  den meinem Land benachbarten Ländern  mit Gewalt  beigebracht wird?

 

Auf bessere Zeiten!    Abraham Oz

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Start | oben

Mail           Impressum           Haftungsausschluss           Translate          Honestly Concerned  + Netzwerk           Erhard  arendt art