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Israel begeht in Gaza einen Holocaust: Norman Finkelstein

 

 

Brüssel, Nach Finkelstein begeht Israel – ein Staat auf der Asche des Holocaust aufgebaut - jetzt einen Holocaust gegen die Palästinenser im Gazastreifen. In einem Telefon-Interview mit Tosay’ Zaman ( türk. Zeitung), sagte Finkelstein, Israel wäre ein ‚Terroristenstaat’, der durch die ethnische Säuberung Palästinas 1948 geschaffen wurde. Während er Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und das türkische Volk für seinen Mut, das palästinensische Volk zu unterstützen,  lobte, sprach Finkelstein über Israel als einem ‚satanischen’ und  ‚wahnsinnigen’ Staat. Finkelsteins Eltern überlebten die Nazilager im 2. Weltkrieg und wanderten dann nach den USA aus.

 

Nachdem sein Buch ‚Die Holocaust-Industrie’, in dem er viele prominente jüdische Führer anklagte, die Opfer des Holocaust zu missbrauchen, veröffentlich wurde, wurde Finkelstein  von amerikanischen einflussreichen zionistischen Zirkeln fast zur Persona non grata erklärt.

 

Frage: „Was will Israel mit seiner Operation im Gazastreifen erreichen?“

N.Finkelsteins Antwort: Grundsätzlich will Israel zwei Ziele erreichen: seine Abschreckungs-Kapazität wieder herstellen – Furcht unter den arabischen Staaten verbreiten. Dies ist einer der Kernprinzipien israelischer Strategie-Doktrin. Arabische Staaten müssen vor Israel Angst haben, Angst vor seiner militärischen Macht. Und Araber sollen das tun, was Israel wünscht. Sie sollen  israelischen Befehlen gehorchen.

 

Die israelisch militärische Abschreckung leidet seit dem Rückzug aus dem Libanon im Mai 2000, als es der Hisbollah gelang, die israelischen Besatzungskräfte aus dem südlichen Libanon zu vertreiben. Fast direkt danach plante Israel einen neuen Krieg mit der Hisbollah, um seine Abschreckungsfähigkeit wieder herzustellen. 2006 nach langen Vorbereitungen und  Luftwaffenschlägen, erlitt Israel im Libanon noch eine schmachvolle Niederlage gegenüber der Hisbollah.

Das zweite Ziel war, die palästinensischen Friedensbemühungen zu torpedieren. Dies ist ein anderes Grundprinzip israelischer Doktrin. Mit Arabern verhandelt man nicht. Man gibt ihnen (höchstens) Befehle. Die palästinensische Organisation Hamas war im Begriff  zu moderat zu werden. Sie verwandelte sich und gab Signale,  sie sei bereit,  mit einer Zwei-Staatenlösung in den Grenzen von 1967 zufrieden zu sein. Die Führung von Syrien und der Westbank hatten ähnliche Statements gemacht. Deshalb beunruhigte sich Israel, es könne gezwungen werden, über ein Abkommen zu verhandeln, das die internationale Gemeinschaft seit 30 Jahren unterstützt.

Diejenigen, die gegen solch ein Abkommen sind, sind die USA oder Israel, von den USA unterstützt. Wenn also die Hamas moderater wird und die Feuerpause, die im Juni 2008 vereinbart wurde, einhält, zeigt es  sich  als glaubwürdiger Verhandlungspartner. Hamas stand zu ihrem Wort. Doch mittlerweile hat Israel ein anderes wichtiges Prinzip der Feuerpause vernachlässigt, die Blockade  zu lockern. Israel muss also die palästinensische Friedensoffensive  vereiteln. Dies tut es immer. Es provoziert die Palästinenser zu  re-agieren. Es will Hamas zerstören oder ihr soviel Schaden zufügen, dass sie nie mit Israel  verhandeln will. Es ist genau das, was Israel wünscht. Israel wünscht keinen moderaten  Verhandlungspartner; denn wenn es so einen  gäbe, würde der Druck auf Israel wachsen. Hamas ist für ein Abkommen bereit. Hamas steht zu ihrem Wort. Aber Israel liegt nichts am Verhandeln.

F.: Was sie grundsätzlich sagen, ist also, dass Israel gar nicht an Frieden interessiert sei.

NF:  Israel wünscht Frieden - doch nur nach seinen Bedingungen. Und seine Bedingungen sind, dass die Westbank zu  Israel gehört.

 

F. Wird Israel mit solch einer Operation Erfolg haben?

NF. Zunächst mal, müssen wir  sprachlich genau sein: Es gibt keine Operation und es gibt keinen Krieg. Was hier geschieht, ist  Morden, ein Massaker. Wenn man 200-300 Kinder getötet hat, dann ist das kein Krieg. Wenn man mit starkem Militär gegen eine ungeschützte Bevölkerung losgeht, dann ist das kein Krieg. Wenn man jemanden  in einem  Käfig erschießt, dann kann man  dies nicht Krieg nennen. Wie ein israelischer Kolumnist es nannte, braucht es nicht viel Mut, um Kampfflugzeuge und Helikopter zu schicken, um in ein Gefängnis zu schießen. Was hier geschehen ist, war kein Krieg. Ein Drittel der Todesfälle waren Kinder. Es war  ein Massaker.

 

Was die israelischen Ziele betrifft, muss man also sagen, Israel  war erfolgreich. Es hat unter den Palästinensern und allgemein unter Arabern Angst verbreitet, und dass Israel ein wahnsinniger Staat sei und man seinen Befehlen gehorchen muss. 2. Es zerstört die Hamas als Verhandlungspartner. Man hört jetzt von der Hamas, dass es keine Friedensverhandlungen mehr mit Israel führen wolle. Genau das war es, was Israel wollte.

 

F. Auf Ihrer Website findet man ein Argument, dass die Enkel der Holocaustüberlebenden gegenüber den Palästinensern genau dasselbe tun, was ihnen Nazis angetan hätten. Stimmen Sie damit überein?

NF: Ich denke, Israel wird immer mehr ein psychisch kranker Staat, wie eine Reihe von Kommentatoren schon aufgezeigt haben. Und wir müssen ehrlich sein. Während der Rest der Welt Frieden will, Europa  und die USA Frieden will – wünscht dieser Staat Krieg, Krieg, Krieg. Während der ersten Wochen des Massakers gab es Berichte in der israelischen Presse, dass Israel nicht alle Bodentruppen nach Gaza  schicken wolle, sondern einen Angriffe auf den Iran vorbereite. Dann gab es Berichte, dass es Angriffe auf den Libanon plane. Es ist ein Staat, der wahnsinnig geworden ist.

 

F: Aber sind Sie mit der Charakterisierung einverstanden?

 

NF: schauen Sie sich die Fotos an und entscheiden Sie selbst. Ich sage den Leuten nicht, was sie denken sollen. Ich sage: schaut euch die Bilder an und entscheidet selbst. 

( http://www.normanfinkelstein.com/article.php?pg=11 )

 

F. Warum wird es Ihnen seit 10 Jahren verboten, Israel zu betreten? Als Kind von Holocaustüberlebenden können Sie nicht nach Israel?

NF:  Lassen Sie es mich klar stellen. Ich will gar nicht nach Israel. Ich habe gar kein Interesse, Israel zu besuchen. Ich möchte meine Freunde in der Westbank besuchen. Nach internationalem Recht - so denke ich -  haben sie  kein Recht, mich davon abzuhalten . Ich stelle kein Sicherheitsproblem gegenüber Israel dar. Am Tag, nachdem mir der Zutritt nach Israel verwehrt worden war, fragte Haaretz: „Wer fürchtet sich vor Norman Finkelstein?“ Haaretz schreibt auch, dass ich keine Sicherheitsbedrohung darstelle. Ich habe gar kein besonderes Interesse, solch einen wahnsinnigen Staat zu besuchen.

 

F. Es gibt jüdische Intellektuelle, die Israel jetzt einen ‚terroristischen Staat’ nennen. Ist das eine korrekte Bezeichnung?

NF: Ich weiß nicht, wie man damit nicht einverstanden sein kann. Das Ziel der Operation war, die zivile Bevölkerung  zu terrorisieren, damit sich die Palästinenser so richtig  vor Israel fürchten. Dies ist die lexikalische Definition von Terrorismus : eine zivile Bevölkerung angreifen, um ein politisches Ziel zu erreichen. Das Ziel  dieser Operation oder  eher des Massakers war, die zivile Bevölkerung zu terrorisieren und so viel Zerstörung  der zivilen Infrastruktur wie möglich anzurichten, damit sich die Palästinenser unterwerfen. Wenn man Schulen, Moscheen, Ambulanzen, Krankenhäuser und UN-Hilfsorganisationen angreift – was ist das? Wenn dies nicht Terrorismus ist, was ist dann Terrorismus?

 

F: In Ihrem bekannten Buch ‚Die Holocaust-Industrie’ behaupten Sie, dass der Staat Israel, einer  der  militärisch stärksten Mächte mit einem horrenden Menschenrechtsbericht, sich selbst als Opferstaat hinstellt, um  gegenüber Kritik immun zu sein. Hat man das auch während der Gaza-Operation gesehen?

NF: Man versuchte, den Holocaust  hier einzubeziehen. Es war fast lächerlich. Der Führer des amerikanischen Jüdischen Komitees,  David Harris schrieb einen Artikel, es sei kein Zufall, dass dieser Krieg in Gaza um den 27. Januar geschah, der ja der Holocaustgedenktag sei. Er wollte eine Verbindung herstellen. Tatsächlich gibt es eine Verbindung – aber er hatte nicht  an diese Verbindung gedacht. Er wollte die Holocaustkarte  spielen. Aber die funktioniert nicht mehr gut. Während dieses letzten Massakers im Gazastreifen  wandte sich die liberale jüdische öffentliche Meinung gegen Israel. Wenn man sich die Petitionen, Demonstrationen, Briefe,  nicht nur  in der internationalen Gemeinschaft, sondern auch in der jüdischen Gemeinschaft ansieht, so ist die Unterstützung für Israel weniger geworden. Die Holocaust-Karte und die antisemitische Karte wirken also nicht mehr  so wie vorher einmal.

 

F. Sie werden sicher auch ein Antisemit genannt.

NF: Ich denke, diese Propaganda wirkt nicht mehr.

 

F: In Ihrem Buch ‚Antisemitismus als politische Waffe’ behaupten Sie, dass Israel nach der ethnischen Säuberung der Palästinenser geschaffen wurden; doch die Frage, ob diese vorsätzlich geplant war, bleibt unbeantwortet. Wenn dies vorsätzlich geplant war, dann kann  es Genozid genannt werden?

NF: Ja, es war vorsätzlich geplant, und ich denke, der Bericht ist ziemlich klar. Sogar Israels früherer Außenminister Shlomo Ben-Ami veröffentlichte vpr ein paar Jahren in seinem Buch „Scars of War“, dass es 1948 ganz klar eine vorsätzlich geplante Vertreibung war und dass diese in der zionistischen Philosophie des Transfer verankert sei. Ethnische Säuberungen sind Kriegsverbrechen.

 

F: Warum glauben Sie, dass die US-Medien so einseitig  sind und so pro-Israel?

NF: Ich denke, das hat zwei Gründe: zunächst einmal dient Israel amerikanischen Interessen in der Region. Und die amerikanischen Medien geben immer den Staaten   eine Freikarte, die amerikanischen Interessen dienen. Das ist das allgemeine Bild und unterscheidet sich nicht von andern Teilen der Welt. Die abscheulichen Regierungen wie Saudi Arabien und Ägypten bekommen in den amerikanischen Medien auch Freikarten. Dies ist der größere Kontext. Und dann  ist da natürlich als zweiter Grund das ethnische Element. In vielen dieser Zeitungen und den Medien allgemein gibt es eine starke jüdische Präsenz. Und da gibt es natürlich eine jüdische Solidarität, die eine Rolle spielt. Aber ich denke, wir müssen den sekundären Faktor relativieren . Der primäre Faktor sollte nicht aus dem Blick geraten: Israel ist ein Satellitenstaat der USA; 2. In diesem vergangenen Krieg  hat sich die liberale jüdische Bevölkerung unter 40 vollkommen  von dem Krieg,  bzw. dem Massaker, distanziert. Sie waren vom 1. Tag an gegen das Massaker.

 

F. Der türkische Ministerpräsident Recep T. Erdogan war  gegenüber Israel was Gaza betrifft sehr kritisch und einige amerikanische Kreise machten ihn deshalb fertig. Was denken Sie darüber?

NF: Ich wünschte, er wäre noch weiter gegangen, wie Qatar, Mauritanien, Bolivien und Venezuela und er hätte die diplomatischen Beziehungen  mit diesem Wahnsinnsstaat. abgebrochen … Ich war froh, dass die Hamas die Gesten der türkischen Regierung zu schätzen wusste und bereit war, türkische Truppen an „unsern Grenzen’  zu sehen. Das ist ein hohes Lob für die türkische Regierung.

 

Türken zeigten den Palästinensern gegenüber Mitleid, Anstand und Gerechtigkeitsgefühl. Das ganze türkische Volk kann auf diese Haltung stolz sein, wie es  vor dem amerikanischen Einfall in den Irak  2003 der Fall war . Es war das türkische Volk und die Regierung, die Mut zeigten. 96% des türkischen Volkes waren gegen den Irakkrieg. Die türkische Regierung weigerte sich, den Amerikanern Land zum Angriff (auf den Irak) zur Verfügung zu stellen  …

 

F: Wie fühlen Sie sich persönlich bei Israels Operationen im Gazastreifen – als Sohn von Holocaustüberlebenden?

NF: Lange Zeit hatte ich keine emotionale Verbindung mit Israel, das  unerbittlich, brutal und unmenschlich diese mörderischen Kriege führt. Es ist ein Wandalenstaat. ….Ich hab ein paar gute Freunde und ihre Familien dort. Natürlich möchte ich nicht, dass ihnen was geschieht … 90% der Bevölkerung  jubelt weiter und fühlt sich stolz und heroisch. Sie schicken einen Panzer auf einen Spielplatz und verbrennen Kinder? Ist das Heldentum? Ist das Mut? ….

Dieser Staat überfiel  1978 (den Gazastreifen), dann wieder 1982, und 1993 und 1996 und 2006 und 2008 ..

Dann wirft dieses narzisstische (isr.) Volk seine Hände in die Luft und fragt: „Warum lieben sie uns nicht? Warum wollen unsere Nachbarn uns nicht hier haben?“

Warum sollten sie?

 

(dt und  geringfügig gekürzt: Ellen Rohlfs)

 

 

Selcuk Gultasli  Counter currents.org

16. Februar 2009   http://www.countercurrents.org/Gultasli160209.htm

 

 

 

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