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Palästina Portal


Israelische + Jüdische Stimmen

 

„Ich liebe meinen Bruder“ von Adam Maor
(ein Plädoyer für seine Verweigerung des Militärdienstes)

(Aus dem Hebräischen: Nurit Peled-Elhanan)

 

Ich habe große Schwierigkeiten, wenn ich meine Weigerung, in der israelischen Armee zu dienen, zu erklären versuche. Ich habe Mühe, den Weg aufzuzeigen auf dem meinem Gewissen klar wurde, dass für mich der Militärdienst heute im Gegensatz zu den meisten meiner Werte steht. Es ist auch schwierig für mich, den Prozess zu beschreiben, der mich zu dem Schluss brachte, wenn ich in die Armee eintrete, bedeutet das für mich, dass ich ein Komplize der Übeltäter gegenüber fast 10 Millionen Menschen werde.

Die Besatzung ist nämlich nicht unsere einzige Sünde seit 1967; sie besteht aus einer Reihe von Sünden, die mit schlechter Verwaltung unmoralischer Handlungen zusammenhängt. Besatzung ist eine unmoralische, andauernde Tätigkeit. Es ist eine sich immer wieder erneuernde Sünde, die Hunderte und Tausende von Sünden auf täglicher Basis begeht. Sogar jetzt, wo wir hier in diesem wunderschönen Gebäude zusammensprechen, wütet die Besatzung frei durch ganz Palästina und verschont niemanden. Checkpoints, Fahrverbot, häufige Ausgangssperren, aber am schlimmsten die erstickende Gegenwart der Unterdrückung durch die Siegerarmee, die die Einwohner Palästinas quält, so wie sie sie in den vergangenen 36 Jahren gequält hat.

Da ich hier, trotz der Schwierigkeiten, Zeugnis darüber ablegen muss, habe ich ein paar typische Beispiele ausgewählt, die ich selbst erlebt habe und die mich besonders berührt haben.

Ich will vor Ihnen die Fälle und Fakten darlegen, die ich erfahren habe, aber auch meine persönliche Ansicht über die Dinge und die Folgerungen daraus. Am Ende meines Zeugnisses will ich über die Faktoren reden, die bei der Bildung meiner Weltsicht, meines Gewissens und meiner Ideen wichtig waren und die die israelische Besatzung der Westbank und den Militärdienst betreffen.

Taayush ( T. ist eine israelisch-palästinensische Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Palästinensern beim täglichen Überlebenskampf unter Besatzung zu helfen und unnötige Schikanen an den Checkpoints und auf den Straßen zu verhindern)

Aktion im Dorf Yanun. Yanun ist ein winziges Dorf nicht weit vom palästinensischen Ort Akraba und der israelischen Siedlung Itamar. Nach dem Osloabkommen zwischen Israel und Palästina und der Idee einer permanenten Lösung sollte Itamar aufgelöst werden. Um die Auflösung zu verhindern, entschied man, eine durchgehende Reihe von Siedlungen zwischen Itamar und dem Jordantal zu  schaffen, einer Region, die keine israelische Regierung aufgeben wollte. Um die durchgehende Linie aufrecht zu erhalten, wurden 4 Siedlungen gegründet: Gidonim 1,2,3. und die For-ever-Ranch – nach israelischem Gesetz alles illegale Siedlungen. Alle diese Siedlungen umgeben die Ruinen von Yanun und liegen auf den Hügeln rund herum. Übrigens war es für Yanun seit 1992 von der zivilen Verwaltung Israels verboten, sich auszudehnen. Durch die verbotene Expansion und dem Verbot, neue Häuser zu bauen, verurteilte die zivile Verwaltung– ohne ersichtlichen Grund – alle jungen Paare, außerhalb des Ortes zu leben, und begrenzte so die Bevölkerung auf alte Leute und ihre kleinen Kinder.

Nach dem Ausbruch der Intifada, fingen die Siedler an, die Dorfbewohner zu tyrannisieren, um sie wegzuscheuchen. Die Siedler drangen in die Häuser der Dorfbewohner ein, schlugen sie, wuschen sich, ihre Hunde und ihre Wäsche in dem Trinkwasser des Dorfes. Sie beraubten die Dörfler und behinderten sie an der Olivenernte – die Oliven sind aber die einzige Lebensgrundlage. Nachts kamen die Siedler von Gideonim, stiegen auf die Dächer von Yanun mit dem einzigen Ziel, die Bewohner in Angst und Schrecken zu versetzen.

All diese schrecklichen Taten waren dem Militär und den zivilen Behörden wohl bekannt, weil dies in der Zone C geschah, die immer unter israelischer Kontrolle war. In den andern von Israel besetzten Gebieten gab die Armee und die zivilen Behörden stillschweigend zu solchen Aktionen ihr Einverständnis und behinderte sie nicht daran, obwohl sie wussten, dass solches Tun im Gegensatz zu jedem moralischen Maßstab war.

Während einer der Angriffe näherte sich der Dorfälteste den Siedlern, die dabei waren, das Trinkwasser des Dorfes zu verunreinigen, und bat sie, dieses Wasser nicht zu benützen, weil es die einzige Trinkwasserquelle des Dorfes wäre. Ein paar Tage später kamen ein paar junge Männer zu seinem Haus und schlugen ihn vor seiner Frau und den Kindern bewusstlos. Am selben Tag erhielt er einen Anruf von einem Mann mit Namen Avri Ran. Er übernahm die Verantwortung für das Schlagen und warnte ihn, sich noch einmal in die Aktionen der Siedler einzumischen. Dieser Mann sagte, dass diese Schläge nur eine Lektion war, die ihn lehren sollte, wer die Region kontrolliert. Das nächste Mal würde es viel schmerzvoller werden. Diese Aktionen war nicht einmalig. Sie wurden immer schlimmer und wurden zur Routine. Nach zwei Jahren unaufhörlicher Schikanen gegenüber den Einwohnern von Yanun, verließen sie das Dorf. Kurz vor dem Verlassen ermordeten die Siedler Hani Ben Mania im Olivenhain in der Nähe des Dorfes Akraba.

Ich kam mit einer Taayush-Aktion ins Dorf, bei der Aktivisten im Dorf schlafen sollten, um die Dorfbewohner, von denen einige dann tatsächlich nach Hause kehrten, vor den Siedlern zu schützen. Der Weg dorthin war nicht ohne Probleme. Die israelische Armee ist gegenüber solchen Aktionen sehr feindlich und versucht sie zu stoppen und überall zu unterbrechen. Uns war gesagt worden, dass es auf dem Weg nach Akraba eine Militärsperre gibt und dass wir einen Umweg machen müssten auf einer Straße, die von der Armee zerstört worden war, sodass Palästinenser nicht mehr auf ihr fahren konnten. Wir wollten bei der Olivenernte helfen, doch weil wir zu spät waren, gingen wir direkt zum Dorf. Unterwegs sahen wir Leute, die an einem Generator arbeiteten, den die Siedler in Brand gesteckt hatten.

Im Dorf angekommen, ließen wir uns in einem Haus nieder, das man uns geliehen hatte. Dann gingen wir vor Sonnenuntergang durchs Dorf. In der Dämmerung sahen wir Leute sitzen und mit einander plaudern und nicht weit von ihnen eine Gruppe spielender Kinder. Es war ein unglaublicher Anblick, dessen sich das Dorf erfreute. Und ich sah auf jedem Hügel, den Kreuzfahrerfestungen ähnlich, die Höfe von Gideonim, die einen großen Schatten auf die ganze Gegend warfen. Ich musste nicht weit gehen, um zu entdecken, dass die Atmosphäre friedlichen Lebens, wie sie mir die Leute zu meiner Linken vermittelten, nichts als eine Illusion war. Das Haus, aus dem ich kam, war eines von denen, die das Tal überblickten. Von seiner Rückseite sah ich das verlassene Dorf, seine im Zwielicht gespensterhaften Häuser, die an dort begangene Gräueltaten erinnerten. Mir war klar, dass ich nicht nur auf Yanun schaute, sondern auf eine Wiederholung verwüsteter Dörfer in der Geschichte, auf Pogrome in anderen Ländern und zu einer anderen Zeit – nur diesmal waren wir die Kossacken.

Jeder, der sah oder hörte, was in Yanun geschah, würde erschreckt sein. Keiner mit gesundem Menschenverstand würde die Tatsache in Frage stellen, dass Avi Ran, der all diese Aktionen angeführt hatte, ein Terrorist ist, ein Beispiel für einen Terroristen. Ich möchte aber betonen, dass mein Zorn sich nicht gegenüber Avri Ran und seiner Bande erhob. Religiöser und national fanatischer Fundamentalismus und rassistische Manifestationen wie diese sind überall ein Teil der Geschichte, und das jüdische Volk unter anderen Minoritäten hat diese immer wieder erlebt. Meiner Ansicht nach ist nun die Frage, wie hat die gesunde/ vernünftige Mehrheit in solchen Fällen reagiert?

Es ist ganz sicher, wäre Avri Ran mit seinen Burschen in mein Haus eingebrochen, hätte er mich geschlagen und ausgeraubt, das wäre nicht zwei Jahre lang unbehelligt so weitergegangen oder nur mehr als einmal. Es ist auch ganz sicher, wenn die pal.Dorfbewohner von Yanun sich einer  jüd. Siedlung genähert hätten, dann hätte die Armee sehr schnell reagiert. Aber Avri und seine Burschen erfreuen sich der Immunität, wenn nicht gar der Zusammenarbeit mit der Armee und allen anderen israelischen Behörden in den besetzten Gebieten. Die vernünftige Mehrheit stoppt in diesem Fall nicht nur nicht die Terroristen; sie finanziert und  schützt sie und kooperiert mit ihnen. So geschieht es, dass Leute, die nichts mit diesen fanatischen Hooligans gemeinsam haben, sie schützen, zwischen ihnen und deren Opfer unterscheiden und viele andere Taten der Armee unterstützen, um die kriminelle Besiedlung der Westbank zu fördern, z.B. auch die Annexion von Gebieten unter dem Vorwand von Sicherheitsbedürfnissen und mit dem Ziel, später Siedlungen darauf zu bauen und noch mehr Vergehen von Diskriminierung und Apartheid zu begehen. Wenn die Armee zum Werkzeug der fanatischen Fundamentalisten wird, dann wird jeder einzelne ihrer Soldaten, unwissentlich oder unbedacht selbst zu einem fanatischen Fundamentalisten.

 

Die Höhlen in den südlichen Hebroner Bergen.  Eine andere Aktion von Taayush, an der ich mich beteiligte, war die Fahrt in die südlichen Hebroner Berge. Wie man uns im voraus sagte, verhinderten Siedler die Kinder daran, zur Schule zu gehen, da die Straße zu ihr an einer Siedlung vorbeiläuft. Sie würden Steine auf die Kinder werfen und sie mit ihren Waffen bedrohen. Die Folge dieser Drohungen: die Kinder müssten zweimal am Tag 7km laufen, statt des üblichen 1km Schulweg. Deshalb war ein Drittel der Kinder – meist 1. und 2. Klasse  - der Schule ferngeblieben, da sie unfähig waren, so weit zu gehen. Unsere Aufgabe war es nun, die Kinder zur Schule zu begleiten und sie vor ihren Angreifern zu schützen. Wir brachten auch zwei LKWs mit Wasser mit und Schulbedarf. Ich kam also, um die Kinder gegenüber den Siedlern abzusichern. Keiner stoppte die Schikanen gegenüber diesen Kindern.

Aber als wir ankamen, erfuhren wir, dass die Siedler das geringste Problem waren. Hier – im Gegensatz zu Yanun – war es nicht die Armee und die Zivilbehörden, die den Siedlern halfen, sondern umgekehrt, diese halfen ihnen, Verbrechen zu begehen. Die südlichen Hebroner Berge waren wieder C-Gebiet, das vollkommen von Israel beherrscht wird. Die (pal.) Bewohner leben dort seit 1830 und haben eine einzigartige Kultur und eine besondere Lebensweise entwickelt. In den 1970er Jahren wurde dieses Gebiet zum militärischen Sperrgebiet erklärt, wieder unter dem unerklärten Vorwand von Sicherheitsbedürfnissen. Aber seitdem hat an diesem Platz nie eine Armeeübung stattgefunden. 1977,1982 und 1997 gab es Versuche, die Bewohner zu vertreiben, indem ihre Hütten und Gebäude zerstört wurden. Später wurden sie von ihren Besitzern wieder aufgebaut. 1984 gab es eine endgültige Vertreibung der Bewohner von Hirbet Algeneba. Die Höhlen, in denen die Leute seit Generationen lebten, wurden blockiert und die Brunnen mit Dreck gefüllt. Der Status der  südlichen Hebroner Berge hat sich 1994 vollkommen verändert, als die Option einer israelisch-palästinensischen Lösung zur Sprache gebracht wurde. Moshe Yaalon, heute der Generalstabschef der israelischen Armee, sagte am 15. Februar 2000 bei einem Gespräch mit israelischen Schriftstellern, dass in dem Augenblick, wo Israel ein Abkommen über endgültige Grenzen bevorsteht, es ein Interesse gibt, dieses Gebiet in israelischen Händen zu halten. Das bedeutet, dass dies von der einheimischen Bevölkerung „gereinigt“ werden müsste und mit israelischen Bürgern besiedelt werden sollte. Mit einem anderen Wort: Transfer, Vertreibung.

Im November 1999 vertrieb das Militär 750 Menschen aus ihren Wohnbereichen und zwang sie so, sich bei Winterkälte im Freien aufzuhalten. Armeebulldozer zerstörten jede Unterkunft, jede Hütte, jedes Strohhütte und Gebäude und verschloss alle Höhlen. Im Frühling 2000 nach einem harten Winter der Heimatlosigkeit und einem fortdauernden Kampf durch Menschenrechtsgruppen informierte der Oberste Gerichtshof die Armee, die Leute wieder in ihre Heime zurückkehren zu lassen.

Eine gründlichere Vertreibung geschah im Juli 2001 nach dem Mord von Yair Har Sinai, einem Siedler der Gegend. Die Armee kam ein paar Tage nach dem Mord und zerstörte das Dorf in beispielloser Weise. Die Höhlen, die beim ersten Mal nur verschlossen worden waren, wurden nun vollkommen zerstört, die Ernte vernichtet, das Vieh getötet, die Brunnen vollkommen zerstört. Das Eigentum der Leute wurde verwüstet, und die ganze Aktion wurde durch unbarmherzige Akte der Gewalt begleitet. Schockgranaten wurden gegen unbewaffnete Zivilisten geworfen, die sich in ihren Wohnhöhlen versteckt hielten, um die Vertreibung zu beschleunigen. Unschuldige Leute wurden zusammengeschlagen, obwohl sie keiner Sache beschuldigt wurden. Unter den Vertriebenen waren Leute, die vom Obersten Gericht informiert waren, dass sie in ihre Wohnhöhlen zurückkehren könnten.

Die Armee war so eifrig, dass sogar die vom Roten Kreuz zur Verfügung gestellten Zelte zerstört  und alle humanitäre Hilfe verboten wurde. Diese Aktionen wurden ohne Vorwarnung ausgeführt und mit vollständiger Nichtbeachtung der Order des Obersten Gerichtshofes. Nach Zeugenaussagen, die von der Menschenrechtsorganisation B’tselem gesammelt worden waren, waren 15 Zivilisten unter den Militärs, einige mit einer Kippa auf dem Kopf. Die Soldaten sagten zu den Einwohnern, dass sie einen Vater von neun Kindern getötet hätten und dass ihre Strafe noch zu leicht sei.

Die Dörfler, die zum größten Teil Hirten waren, konnten nicht weggehen und blieben dort obdachlos, ohne Wasser und ohne Herde. Als wir in dieses Gebiet kamen, wurde uns von der Armee gesagt, dass dies eine Militärsperrzone sei. Das Wasser, das wir irgendwie den dort gebliebenen Leuten brachten, war am nächsten Tag ausgelaufen, weil die Soldaten den einzigen Brunnen gesprengt hatten....

Da wir nicht tun konnten, was wir tun wollten, fuhren wir durch das Gebiet und sahen dort, was wir schon in Yanun gesehen hatten: Zerstörung, Ruinen und ein paar verzweifelte Leute. Wir verbanden unser Telefon mit Lautsprechern, um in der Lage zu sein mit den Leuten zu sprechen – und was ich niemals vergessen werde: von der anderen Seite der Leitung hörten wir plötzlich die Kinder, die wir eigentlich zur Schule bringen wollten. Sie sangen Friedenslieder. Wieder sah ich mich einer Situation gegenüber, die ich nicht ertragen konnte. Dieses Mal war es im Gegensatz zu Yanun, nicht die Aktion von ein paar Wahnsinnigen vom Rande der Gesellschaft, sondern ein organisiertes Verbrechen, begangen von Soldaten in meinem Alter oder gar jünger. Von jungen Leuten, die nicht unbedingt diese Aktionen gut heißen und die vielleicht gar nicht begriffen haben, was sie getan haben. Sie erhielten einen Befehl zu vertreiben – und sie gehorchten. Sie gehorchten Befehlen, die kategorisch unmoralisch waren.

 

URI.  Doch kann ich nicht die Schuld für all die üblen Taten, die ich bis jetzt beschrieben habe, den Soldaten in die Schuhe schieben, die sie tatsächlich begangen haben, weil ich die Soldaten genau so wie die Palästinenser, ja, auch die Opfer der Selbstmordattentäter als Opfer der israelischen Besatzung sehe. Deshalb will ich ihnen von Uri erzählen, den ich im Gefängnis getroffen habe, natürlich nicht weil er den Dienst verweigert habe. Ich traf Uri während meiner ersten Nacht im Gefängnis. Ich hatte kein Bett, er bemerkte es und „organisierte“ mir eines, was gar nicht so einfach war.

Wenn man ins Gefängnis kommt, wird man kurz über den Ort und die Normen unterrichtet und erst später wird man nach der Art des begangenen „Verbrechens“ gefragt, und woher man kommt und warum man hier ist. Die Reaktionen auf Verweigerung aus Gewissensgründen waren unterschiedlich, wurden aber gewöhnlich irgendwie anerkannt. Die meisten Fragen betrafen gewöhnlich technische Aspekte und die Konsequenzen solchen Tuns. Einige fragten nach den Motiven. In jener Nacht war die Reaktion untolerant und zornig. Besonders einer der Mitgefangenen schrie mich an und Uri beschwichtigte ihn. „Ich möchte wissen, was er zu sagen hat“. Später saßen wir zusammen und redeten. Jeder erzählte von seinen Erfahrungen in den besetzten Gebieten. Unser Gespräch war von da an immer höflich und ruhig. Uri kommt aus Yeruham, einer armen und benachteiligten Stadt im Negev, wo der größte Teil der Bevölkerung marokkanischen Ursprungs ist und orthodox was dieReligion betrifft.

Uri behauptete, dass er, als er zur Armee ging, ziemlich frei von irgend welchen politischen Neigungen war; außer einem tiefsitzenden Hass gegenüber allen Arabern und dem Wunsch, sie alle zu töten, der sich bei der Armee entwickelte. Er kümmerte sich sonst nicht um Politik und Politiker.

Er wusste nichts von einer „Grünen Linie“ ( die Grenzlinie, die Israel vor 1967 von den besetzten Gebieten trennte), oder was das Oslo-Abkommen war. All diese politischen Begriffe waren für ihn ohne Bedeutung. Uri diente in einem regulären Regiment und war mächtig stolz auf seine Einheit. Er behauptete, dass er all seine Werte während des Militärdienstes erworben habe und dass seine Persönlichkeit dort geprägt wurde. Als ich ihn fragte, wie einige der Dinge, die er tat, mit den Idealen .

der Menschenwürde zusammenpassten und mit der „Reinheit der Waffen“, antwortete er ohne zu zögern: „Dies zählt nicht; die Palästinenser sind keine menschlichen Wesen.“

Eines Nachts nahmen Uri und seine Einheit einen Mann gefangen, der im Begriff war, in eine Siedlung einzudringen. Sie überließen ihn während der Nacht den Siedlern. Am nächsten Morgen fanden sie ihn blutend und voll blauer Flecken an einem Baum festgebunden; ein Zehennagel und einige Zähne fehlten. Die Soldaten ließen ihn noch einen letzten Wunsch aussprechen. Er bat um eine Zigarette. Sie zündeten eine Zigarette an und löschten sie auf seiner Zunge aus. Sie waren im Begriffe – auf Befehl ihres Kommandeurs – ihn zu töten, als einer der Siedler kam und ihnen sagte, die Gefangennahme eines lebenden Terroristen sei berichtet worden, und dass Reporter auf dem Wege seien. Bei einer anderen Gelegenheit nahmen Uri und seine Freunde die drei Kinder einer Familie eines nach dem anderen und simulierten, sie zu töten, um die Zusammenarbeit ihrer Eltern zu erzwingen.

Es gibt wenig Menschen, deren Freundschaft ich so sehr schätze wie die von Uri. Aber ich konnte nicht glauben, dass dieser sensible, rücksichtsvolle und weiche Bursche dieselbe Person ist, die all diese Taten begangen hat, von denen er mir erzählt hat.

Nachdem ich in psychologischer Fachliteratur nachgelesen hatte, verstand ich dies besser: Uri dient in der Armee unter Bedingungen der Furcht. Die Furcht weckt in ihm den Impuls der Aggressionen. Selbst nach dem die Bedrohung neutralisiert war ( der Mann war unbewaffnet), blieb er voller aggressiver Gefühle. Er hasste den Mann und wollte ihn töten. Er wurde eine gespaltene Persönlichkeit: er konnte Uri den moralischen Mann nicht mit Uri dem aggressiven versöhnen, so hat er die Menschlichkeit des anderen ( des Palästinensers) geleugnet und so sich von der Schuld des Folterns freigesprochen.

Ein anderer Aspekt muss berücksichtigt werden, der soziale. Wenn Uri nicht seinen Verteidigungsmechanismus aktivieren kann, der ihm erlaubt, aggressiv zu sein , riskiert er, ein Ziel der Verachtung, der Kritik und sogar der Bestrafung durch den Kommandeur zu werden. Sehr wenige dieser jungen Leute können diesen Preis ertragen. Ein Artikel, den ich las, endete mit folgendem Satz: „Auf diese Weise wird aus einem 19 jährigen Gymnasiasten auf einmal ein Richter, ein Henker und ein Totengräber ... Auf diese Weise wird aus einem unschuldigen, sensiblen Jungen ein gewalttätiger“

Was wird aus Uri in der Zukunft? Eine übertriebene Anwendung des Verteidigungsmechanismus’ macht einen oberflächlich, hart und verschlossen. Es ist eines der Merkmale einer kranken Persönlichkeit und einer der Gründe für einen möglichen Nervenzusammenbruch in der Zukunft, wie es immer wieder in psychologischen Berichten über Soldaten und Ex-Soldaten nachgewiesen wird.

Unerträgliche Schuld, Scham, Alpträume und Ruhelosigkeit, Angstanfälle sind nur ein paar der Nachwirkungen von begangenen Taten, ohne sie dem eigenen Gewissen zuzugestehen.

Das wissen wir von Leuten, die um Hilfe bitten. Die meisten bleiben innerhalb dieses Gefühlstrudels, ohne zu erkennen, was mit ihnen geschieht.

Wenn man weiß, dass das Hinausschicken von Leuten, um eine zivile Gesellschaft zu erobern und zu unterwerfen, nicht nur unnötig sondern auch kriminell ist, wenn man weiß, dass solch ein Dienst das Urteilsvermögen trübt und ihn sein Leben lang psychisch zum Krüppel macht, so kann und will ich es nicht tun. Ich mache mir keine Sorgen um meine Seele, weil ich meinem Bewusstsein und meiner Stärke vertraue, zwischen Moral und Unmoral unterscheiden zu können. Aber ich will nicht bei einem doppelten Verbrechen beteiligt sein: dem Verbrechen gegen die palästinensische Bevölkerung und dem Verbrechen gegenüber der israelischen Jugend.

Nachdem ich Uri kennen gelernt habe, bin ich noch sicherer, dass ein Mann in dieser Situation kein moralisches Urteil haben kann. Sein Urteil ist von Furcht und Angst getrübt und ist gegen Leute gerichtet, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu schützen, weil er hoch ausgerüstet ist. Ich will keine Verantwortung für den psychischen Zustand von Soldaten und deren Taten übernehmen, weder als Partner noch als Mittäter.

 

Brian: hier ist zunächst ein Zitat aus dem Bericht von Brian Ivory, einem Freiwilligen der ISM über die Ereignisse des 5. November 2002 in Jenin: „An jenem Tag wachte ich nachmittags von einem langen Schlaf auf, da ich die Nacht über in den Ambulanzen des lokalen palästinensischen Hilfswerkes Dienst getan hatte. Einige Freunde kamen und wir entschieden uns, hinunterzugehen, weil wir wussten, dass palästinensische Kinder auf der Straße spielten, obwohl Ausgangssperre war, und sie verletzt werden könnten. Wir trugen unsere leuchtend roten Jacken und gingen hinaus. Wir sahen kein Militär auf der Straße und gingen nach Süden, um andere Freunde zu treffen. Dann hörten wir Armeefahrzeuge sich nähern. Wir dachten, es ist klug, stehen zu bleiben, und sie vorbeifahren zu lassen, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Die Fahrzeuge waren mit Kanonen bestückt. Wir hoben unsere Arme hoch, um ihnen zu zeigen, dass wir keine Gefahr darstellen. Es war früher Abend und alle Straßenlaternen waren an. Plötzlich wurde von den Fahrzeugen aus geschossen. Ich wurde ins Gesicht getroffen und fiel zu Boden und versuchte, am Leben zu bleiben. Als ich aufwachte, war ich im Rambam-Krankenhaus in Haifa in der Abteilung für Kiefernchirurgie. Alles, was ich weiß, ist, dass wir während des Schießens die einzigen weit und breit waren, und dass die Soldaten nicht anhielten und keinerlei Hilfe anboten.“

Ich traf Brian im Krankenhaus, wo ich selbst behandelt wurde. Den Ärzten war es gelungen, seinen rechten Kiefer mit Knochen aus seinem Schädel wieder herzustellen, einen Teil seines Mundes wieder herzustellen auch einen Teil seiner oberen Backenknochen, damit sie sein Auge wieder einsetzen können, und er sehen kann.. Als ich in sein Zimmer kam, las er. Ich stellte mich vor. Zunächst war der Anblick unerträglich. Er war sehr dünn, weil er nur direkt über den Magen ernährt wurde. In seinem Hals ist ein Loch zum Atmen und über seinen Kopf läuft eine große Narbe. Es ist sehr hart für mich, die Schwere des Schocks zu beschreiben, den ich beim Treffen mit Brian empfand, weniger wegen seines schrecklichen Aussehens, sondern weil man ihn nicht ansehen konnte, ohne daran zu denken, was er durchgemacht hat und was ihm noch bevorsteht. Ich war mir sicher, dass er nicht gern mit Leuten zusammentraf, noch dazu Israelis. Aber ich hatte mich geirrt.. Er hieß mich herzlich willkommen, freundlich und klug und wir hatten viele interessante Gespräche.

Brian kam als Freiwilliger der ISM-Bewegung in die besetzten Gebiete. Ihre Aktionen waren ganz verschieden: Unterricht in Schulen, von alltäglicher Hilfe für die Bevölkerung bis zum aktiven Protest gegen die Zerstörung von Häusern und anderen unbarmherzigen Taten durch die Armee. Sie hatten auch die Rolle von Beobachtern der Menschenrechte und berichten jede Verletzung. Genau deshalb war Brian an diesem Abend auf der Straße, speziell gekleidet, sodass man ihn leicht erkennen konnte.

Die Armee tut alles, um die Aktivitäten der Freiwilligen zu unterbrechen. Einige von ihnen sind schon lange Zeit ohne Gerichtsurteil verhaftet gewesen, einige sind zusammengeschlagen worden, ihre Computers wurden konfisziert und in ihre Büros war eingebrochen worden. Die letzte Aktion gegen sie ist die, in der Brian verletzt wurde, das unerwartete Schießen ins Gesicht oder das Töten durch einen Bulldozer, wie es gegenüber Rachel Corrie, einem anderen ISM-Mitglied geschah. Bei Folgendem muss ich zugeben, dass es meine Interpretation ist: denn die Armee leugnet, dass das Töten/ Verletzen der drei Freiwilligen so kurz hinter einander absichtlich war. Tatsache ist, dass keiner der „Killer“ bestraft wurde.

 

Brian war zornig aber auch voller Zuneigung und nannte Haifa seine 2. Heimat, wegen all der Leute, die sich um ihn sorgten und ihn besuchen kamen. Er ist ein Optimist. Er will dieses schreckliche Geschehen überwinden. Brian ist (inzwischen) zurückgekehrt und muss sich noch einer Reihe von Operationen unterziehen. Die Armee weigert sich, sie zu bezahlen. Sie behauptet, sie hätte nichts mit dem Schießen zu tun. Seine einzige Sünde – so er selbst - war es, in der Schusslinie der Armee gestanden zu haben. Und dass er sich nicht mit dem Schlimmen abfinden kann, das Menschen gegenüber getan wird, egal wie weit weg sie von seinem eigenen Lande leben.

Die Armee wählte ihn als exemplarisches Opfer, eines von jenen, auf die sie ihre berüchtigte Abschreckungsmacht baut.

 

Vor meinem Schlusswort: Bevor ich zum Ende meines Zeugnisses komme, will ich noch ein paar Worte über mich selbst sagen, über die Umstände, die meine Weltsicht prägten, und die mich direkt oder indirekt dahin brachten, das zu tun, was ich getan habe. Ich beginne mit der Musik. Ich begann mit 13 Jahren, klassische Gitarre zu spielen. Als ich älter wurde, wurde Musik das Wichtigste in meinem Leben. Musik ist für mich kein Hobby . Sie bedeutet Kommunikation und Schönheit ... Musik lehrte mich, das Wunder im Menschen zu sehen und die Tiefe seines Wesens zu erkennen – und zwar bei jedem Menschen. Nachdem mir dies klar war, empfand ich ein tieferes Mitgefühl gegenüber Menschen......

Nebenbei habe ich mich immer als Sozialist empfunden. So bin ich erzogen worden. Ich habe immer geglaubt, dass es nur einen Weg gibt, in einer Gesellschaft zu leben, indem man Gleichheit zwischen den Menschen schafft, damit jeder ein erfülltes Leben leben kann ohne Unterschiede und Benachteiligung. Als ich entdeckte, dass es in Israel Diskriminierung von verschiedenen Gruppen von Bürgern und zwischen verschiednen Regionen gibt, protestierte ich dagegen. Dann fand ich heraus, dass nicht weit von mir Menschen in erdrückender Armut leben, in einem Teufelkreis stecken, dem sie kaum entrinnen können und verurteilt sind da zu bleiben (wo sie sind), nur weil Politiker und ihre Unterstützer dies so entschieden haben.

Nach einer wunderbaren Musikstunde dachte ich, wie wunderbar die Welt  wäre, wenn ich mit jedem diese meine Gefühle teilen könnte. Dann erinnerte ich mich daran, dass es Menschen gibt, für die eine musikalische Ausbildung wie die meine nur ein Traum ist. Dann wurde mir klar, dass ich anderen Musikunterricht geben muss. Deshalb machte ich ein freiwilliges Jahr in Kiryat Gat, einer anderen benachteiligten Stadt im Negev, wo ich 30 „gefährdeten Jugendlichen“ im Alter von 18 Musikunterricht gab.

Und dann, nachdem ich diesen jungen Leuten das gegeben habe, was mir am meisten Freude machte, wurde ich gerufen, um jungen Palästinensern genau dies zu rauben. Mein Staat, der Staat Israel, ist dabei, die Palästinenser von jeder Art eines normalen Lebens, ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, der Ausbildung ...zu berauben. Sicher, der Staat Israel beraubt auch seine armen jüdischen Bürger eines normalen Lebens, indem es sein Budget in erster Linie für die Expansion der Siedlungen und für die Aufrechterhaltung der Besatzung verbraucht.

Ich weigere mich, irgend jemandem die Möglichkeit zu versagen, die jedermanns Recht sein sollte. Ich sehe den Militärdienst als genaues Gegenteil dessen an, was ich in meinem Jahr des freiwilligen Dienstes getan habe. In der Armee zu dienen, bedeutet für mich, das ungeschehen zu machen, was ich guten Glaubens getan habe.

Eines der klarsten Statements von Tolstoi in seiner Novelle „ Krieg und Frieden“ ist, dass historische Entscheidungen nicht von Führern alleine gemacht werden. Dass die Entscheidungen der Führer ein Teil eines größeren Ganzen von Entscheidungen ist, an dem jeder teilhat, der sich mit in der Situation befindet. Für mich hat dieses Statement nicht nur Gültigkeit für Analysen historischer Ereignisse, sondern auch für die Frage der eigenen Verantwortung, wann immer ich großen Entscheidungen gegenüberstehe. Da gibt es keinen Zweifel in mir, dass die Entscheidung, ein anderes Volk zu kolonisieren, unmoralisch und korrumpierend ist. Dies ist die Grundlage für alle unmoralischen Taten der Armee (IDF), die das Werkzeug ist, mit dem diese Entscheidungen erfüllt werden, und dass diese Entscheidung die Hauptursache aller palästinensischen Terroraktivitäten ist.

Aber die Frage der Verantwortund ist viel komplexer. Meine Überzeugung ist, dass jeder, der sich an der Besatzung beteiligt, für diese verantwortlich ist, daher auch für den Terror mitverantwortlich ist. Ich denke nicht, dass das, was den Leuten in den Bergen südlich Hebron widerfährt, mehr oder weniger schrecklich ist als das, was israelischen Kindern geschieht, die durch einen Selbstmordattentäter getötet werden. Beide Aktionen sind gleich schreckliche, vorausgeplante Gräueltaten, die kaltblütig ausgeführt werden, um politische Ziele zu erreichen. Aber ich weiß auch, dass diese beide Aktionen den selben Ursprung haben und wenn ich mich für den Militärdienst einschreibe, bin ich für beides verantwortlich.

 

Schlusswort: An dem Abend, an dem ich mich entschied, den Militärdienst zu verweigern, war ich zu Hause und beobachtete meinen 1Jahr alten Bruder Daniel, wie er seine ersten Schritte machte. Keine Worte können meine Gefühle dieses Augenblicks beschreiben, aber ich erinnere mich, wie ich mir vorstellte, dass er lesen, schreiben und musizieren wird und wie wir gemeinsam Ausflüge machen werden. Im Hintergrund berichtete das israelische Fernsehen von den Geschehnissen der Woche. Es war Freitagabend. Ich sah, wie palästinensische Kinder Steine gegen monströse israelische Panzer warfen und wie sie dafür beschossen wurden. Riesige, raffinierte Militärmaschinen waren eifrig damit beschäftigt, die Infrastruktur und was von den palästinensischen Städten übrig geblieben ist, zu zerstören, einschließlich Schulen und Krankenhäuser. Dutzende von Leuten werden täglich getötet und verletzt.

An jenem Abend wurde mir klar, wenn ich in die Armee gehe, dann beraube ich diese Kinder all dessen, wovon ich für meinen Bruder träume. Sogar die für uns selbstverständlichsten Dinge, ohne die wir uns das tägliche Leben nicht mehr vorstellen können, wird von ihnen genommen: Wohnung, Nahrung, Unterhaltung, Gesundheit und die persönliche Sicherheit.

Ich könnte nicht mehr sagen, dass ich meinen Bruder liebe, ich könnte niemals mehr von einer glücklichen Kindheit für ihn träumen, wenn ich an einem System teilnehme, das andere Kinder unterdrückt. Weil an einem Ort, wo kleine Kinder nachts aus ihren Betten gerissen und als Gefangene gehalten werden, um aus ihren Eltern wahre oder falsche Geständnisse herauszupressen, es keinen Platz für Kindheit gibt. Und ich will nie an etwas teilnehmen, das solch einen Ort schafft. Aber das ist noch nicht alles. Die Ereignisse, von denen ich Ihnen erzählte, sind nur ein kleiner Teil von dem, was ich weiß – und das ist nur ein kleiner Teil dessen, was wirklich geschieht.

Kolonialisierung hat immer Protest hervorgebracht, der niemals endete, bevor die Besatzung endete. Terror beeinflusst unser Leben in sämtlichen Bereichen und verursacht die Entartung der israelischen Gesellschaft. Die Fortdauer und Aufrechterhaltung der Besatzung bedeutet Fortdauer und Aufrechterhaltung des Terrors.

Immer wieder bin ich von israelischen Führern betrogen worden, die uns Frieden versprochen und ihr Wort nicht gehalten haben. Ich beobachte den Verfall des Staates Israel. Ich will nicht teilnehmen an der Schaffung eines Ortes, wo mein Bruder, wenn er das Haus verlässt, jederzeit verletzt werden kann.

Ich weiß nicht, was die israelische Regierung mit der fortgesetzten Weigerung, die Besatzung zu beenden, zu erreichen versucht – oder beim andauernden Begehen der schrecklichsten Verbrechen gegen die palästinensische Bevölkerung. Ist es der Wunsch, einen „freiwilligen Transfer“ zu verursachen oder den Geist des palästinensischen Volkes und die Hoffnung nach Unabhängigkeit und Freiheit zu brechen? Ich weiß es nicht. Nur eines weiß ich, dass aus diesen schlimmen, korrupten und unmoralischen Aktionen nur Schlimmes kommen kann. Ich kann daran nicht teilnehmen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wie oft ich mit meinem kleinen Bruder während der 5 Monate langen Haft gesprochen habe, um ihm dem dreijährigen Kleinkind zu erklären, warum ich ihn nicht besuchen kann. Aber wenn er größer ist, werde ich in der Lage sein, ihm zu sagen, dass ich das alles für ihn getan habe und dass ich keine andere Wahl hatte.

 

*Zeugnis, abgegeben vor dem Militärgericht in Jaffa am 15.7. 2003. Adam Maor ist ein 19 jähriger Israeli, der vor Gericht steht, weil er sich weigert, an der Besatzung von palästinensischem Land teilzunehmen und an Gewalt gegenüber Palästinensern. Adams Vater, Alex, wird im Rahmen des Refuser Solidarity Network ab 11.Oktober 2003 in Olympia mit einer Vortragsreise durch die USA beginnen.

 

„Here’s freedom to him, who would speak, here’s freedom to him who would write.

For there’s non ever feared, that the truth should be heard. Save he who the truth would indict.”

Robert Burns.

 

(Aus dem Englischen  übersetzt und leicht gekürzt: Ellen Rohlfs) 

 

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