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Tsafrir Cohen
Representative in Palestine & Israel
medico international e.V.

 

medico-Partner leistet Nothilfe im Gazastreifen
Dringend weitere Spenden nötig

Dank zahlreicher Spenden kann die palästinensische medico-Partnerorganisation Palestinian Medical Relief Society (PMRS) ihre Nothilfeaktivitäten im Gazastreifen ausweiten. medico international konnte bereits 150 000 Euro für die medizinische Versorgung der Kriegsopfer bereitstellen. Angesichts der humanitären Krise durch die israelische Militäroffensive werden jedoch dringend weitere Spenden, z.B. für Medikamente benötigt.

Medizinische Nothilfe: Palestinian Medical Relief Society (PMRS)

Dr. Aid Yaghi, Leiter der PMRS-Basisgesundheitsdienste in Gaza berichtet, dass die Kampfhandlungen die Arbeit der Gesundheitsarbeiter erschweren. Zwei ihrer Kliniken, in Um An-Nasser und in Hizbet Beit Hanun mussten schließen, da sie sich in Gebieten befinden, die die israelische Armee erobert hat. PMRS versucht, über den Roten Halbmond mit der israelischen Armee zu kommunizieren, damit sie die Kliniken wieder öffnen kann � bislang vergebens. Dieses Personal arbeitet jetzt etwa in der Klinik in Jabalia, die 24 Stunden am Tag geöffnet hat. Diese Klinik befindet sich wenige Meter entfernt von einer UN-Schule. Israelisches Feuer tötete dort 42 Menschen. Die Verletzten wurden in der nahen PMRS-Tagesklinik behandelt, bevor sie in Krankenhaus gebracht wurden. Die vierte Klinik in Khan Yunis im Süden ist von der Stadt Gaza aus nicht mehr erreichbar. Glücklicherweise hat die PMRS noch vor der Bodenoffensive eine Lieferung mit Medikamenten und anderen medizinischen Gütern dorthin transportiert. Wie viele Tausende andere Gebäude im Gazastreifen, haben auch alle PMRS-Kliniken keine Glasscheiben mehr. Diese gingen bei den Bombardierungen der israelischen Luftwaffe zu Bruch.

Seit dem Beginn der Bombardements leistet die medico-Partnerorganisation PMRS medizinische Nothilfe im Gazastreifen. Ihre Mitarbeiter und zahlreiche Freiwillige arbeiten rund um die Uhr in drei Schichten. Sie versorgen Verwundete und bringen sie in die Krankenhäuser. Manchmal kommen sie zu spät. Dann bleibt ihnen nur noch das Aufsammeln von Körperteilen und die Bergung von Leichen. Sozialarbeiterinnen betreuen die Angehörigen der vielen Toten und Verletzten.

Viele Gebiete im Gazastreifen sind durch die Bodenoffensive von den Gesundheitseinrichtungen abgeschnitten. Zwei sechsköpfige Teams behandeln Verwundete mit mobilen Kliniken, dort wo es keinen Zugang zu medizinischer Versorgung gibt. Sie versuchen, Patienten zu Hause zu besuchen. Viele Menschen, vor allem Mütter mit Kindern oder alte, chronisch kranke Menschen haben Angst, ihre Wohnungen zu verlassen und müssen zu Hause versorgt werden. Mitarbeiter der PMRS bieten außerdem Erste-Hilfe-Kurse an und bilden derzeit 330 Freiwillige aus.

Hunderte Freiwillige des PMRS-Netzwerkes verteilen Wasser oder Decken. Vor allem an Familien, die aus ihren Häusern geflohen sind � etwa in Schulen und andere Gebäude, die sie für sicherer halten. Mit den Spenden von medico sollen ca. 2000 weitere medizinische Notfall-Päckchen mit Medikamenten und Verbandsmaterial bereitgestellt werden. Auch an ihr Personal hat PMRS Medikamente ausgegeben, damit diese � auch wenn sie nicht an den Arbeitsplatz können - in ihrer Nachbarschaft helfen. So konnten Mitarbeiter der PMRS im entlegenen Zeitun der Großfamilie As-Samuni Erste-Hilfe leisten, nachdem 22 Mitglieder dieses Clans getötet worden sind, darunter sieben Frauen und sechs Kinder.

Da die regulären Krankenhäuser aufgrund der vielen Verwundeten vollkommen überfordert sind und derzeit chronisch Kranke, Herzpatienten oder Schwangere abweisen müssen, sind auch alle Gesundheitseinrichtungen der PMRS überlastet, da sie zusätzlich versuchen, deren Versorgung mit zu übernehmen. Dennoch wurden drei PMRS-Ärzte an das Shifaa� Krankenhaus in Gaza ausgeliehen, da dort die am schwersten Verletzten eingeliefert werden.

Politischer Druck: Physicians for Human Rights (PHR-IL)

Aber auch die israelische medico-Partnerorganisation Ärzte für Menschenrechte (PHR-IL) ist aktiv. Sie übt politischen und juristischen Druck auf die israelische Regierung aus.

Am Freitag, den 9. Januar verhandelte der Oberste Gerichtshof in Jerusalem eine Petition der PHR-IL und fünf weiterer israelischer Menschenrechtsorganisationen. Sie fordern, dass die Verwundeten aus dem Gaza-Streifen unverzüglich in Israel behandelt werden dürfen. Es kam jedoch noch zu keiner Entscheidung, da das Gericht der israelischen Regierung vier Tage Zeit für eine Stellungnahme einräumt. Hada Ziv, die Geschäftsführerin der PHR-IL reagierte empört: ?Vier weitere Tage kosten Menschenleben. Wenn es so weiter geht, wird jede halbe Stunde ein Palästinenser umgebracht und alle sechs Minuten einer verwundet.� Notwendig sei ein sofortiger Waffenstillstand um die Verletzten zu bergen und behandeln zu können.

Die aktuelle Stimmung in der israelischen Gesellschaft macht Hadas Ziv zu schaffen. Sie berichtet von einer neue Qualität des Hasses gegen die Palästinenser. ?Ältere Menschen kannten wenigstens noch Palästinenser. Dies hat sich durch die israelische Trennungspolitik und den Aufbau eines Enklavensystems verändert. Die jungen Menschen in Israel kennen Palästinenser nur noch durch die Medien und durch Zielfernrohre. Sie nehmen sie nicht mehr als Menschen wahr. Folglich können wir sie beschießen, als ob sie keine Menschen sind.�

PHR-IL dokumentiert und recherchiert auch die Verstöße des israelischen Militärs gegen internationales humanitäres Recht. So machten sie schon mehrere Vorfälle öffentlich, bei denen Sanitätern der Zugang zu Verwundeten verwehrt wurde.

Kollaps: Lage im Gazastreifen

Die Angriffe der israelischen Armee haben im Gazastreifen eine Situation geschaffen, welche das durch die anderthalb-jährige Blockade geschwächte Gesundheitssystem kaum noch bewältigen kann. Israels Schließung sämtlicher Zugänge von und nach Gaza verschärft die humanitäre Tragödie, die das Leben im Gazastreifen bestimmt.

Auch Krankenhäuser werden nur vier bis fünf Stunden täglich mit Strom versorgt und sind auf Generatoren angewiesen. Nach den jüngsten Hilfslieferungen reichen die Kraftstoffvorräte nun schätzungsweise wieder weitere fünf Tage.

Durch die Zerstörungen der Militärangriffe sind viele Menschen von der Trinkwasser- und Stromversorgung abgeschnitten. Die Abwasserentsorgung ist beeinträchtigt. Nahrungsmittel sind knapp und während der täglichen, dreistündigen Waffenruhe bilden sich lange Schlangen.

medico international fordert deshalb gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen, den israelischen Ärzten für Menschenrechte und der Palestinian Medical Relief Society einen sofortigen, beiderseitigen Waffenstillstand und den freien Zugang für humanitäre Güter, Waren und Personen in den Gazastreifen und hinaus.

Für die medizinische Nothilfe im Gazastreifen bittet medico international dringend um Spenden.

Spendenkonto: medico international
Frankfurter Sparkasse
Kontonummer 1800
BLZ
              500 502 01       
Stichwort: ?Palästina�

 

 

 

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