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„Nun ist alles weg!“

Israels Zerstörung von palästinensischem Eigentum im Jordantal trifft vor allem die Frauen
( Ethnische Säuberung !!! ER)

 Nora Barrows-Friedman, Elektronic Intifada, 24.6.11
http://electronicintifada.net/content/now-is-all-gone-women-cope-siege-jordan-valley

 

Das israelische Militär (IDF) hat während der letzten zwei Wochen im Jordantal in den besetzten Gebieten 27 Häuser zerstört. Mehr als 140 Palästinenser sind durch die Zerstörungen obdachlos geworden, während die Ausdehnung israelischer Siedlungen weiter wächst und den Wasserzugang einschränkt – und so die Lebensfähigkeit palästinensischer Dörfer in diesem Gebiet  stark beeinträchtigt.

 

Nach der Jordantal-Solidaritäts-Kampagne (JVS), einer Organisation, die mit den lokalen Gemeinden arbeitet, überfielen am 21.6. israelisches Militär, Polizeijeeps und zwei Bulldozer die Beduinengemeinde von al-Hadidya. Die Bulldozer „demolierten sieben Wohnzelte, 18 Tierschuppen und vier Küchen und ließen 32 Menschen obdachlos,“ berichtet die Gruppe.

 

Al-Hadidya liegt in der Nähe zweier illegaler israelischer Siedlungen, die teilweise auf dem Farmland des Dorfes liegen – nach JVS.  Das Gebiet ist umgeben von drei Militärbasen und ist vom israelischen Militär zum „geschlossenen militärischen Gebiet“ erklärt worden. JVS fügt hinzu, dass seit 2007 hier fast ein Dutzend Zerstörungen palästinensischer Hütten in dem Dorf staatgefunden haben. Viele Dorfbewohner haben ihre Hütten mehrfach verloren.

 

Nach der Zerstörung von al-Hadidya fuhren die Bulldozer ins nahe Khirbet Yerza, wo sie zwei Hütten und zwei Tierställe zerstörten. Wieder wurden zehn Leute obdachlos, berichtet JVS. Die Gruppe filmte die Zerstörung in al-Hadidya, die die Familie Daraghmeh, obdachlos ließ ( s. Video YouTube vom 21.6.11) Der Familie war nicht vorneweg mitgeteilt worden, dass ihr Besitz am Dienstag zerstört werden wird.

 

Die Zerstörungen in Al-Hadidya und Khirbet Yerza kamen direkt nach der massiven Zerstörung innerhalb des Dorfes von Fasayil am 14. Juni.  Das Committee against House Demolitions (ICAHD) bestätigt in einem Bericht, dass mehr als 100 Personen – einschließlich 64 Kinder – obdachlos geworden sind, nachdem die IDF 21 Bauten, einschließlich 18 Wohnhütten zerstört hatten.

 

ICAHD –Co-Direktor Itay Epshtein sagt, dass die letzten Zerstörungen von Fasayil „ein Teil

der andauernden ethnischen Säuberung des Jordantales ist. …Es ist Israels offene Politik, palästinensische Wohnhütten im Jordantal zu zerstören, dass benachbarte  Siedlungen

auf palästinensisches Land vordringen und Land enteignen können.

 

Der Fasayil-Bewohner Khaled Abdallah Ali Ghazal sagte noch, dass er beabsichtige. seine

zerstörte Hütte wieder aufzubauen; denn er wüsste nicht, wohin er gehen solle…

 

Unterdessen wurden am 20 Juni  Zerstörungsbefehle palästinensischen Hausbesitzern in Jiftlik, einem Dorf mitten im Jordantal, überreicht, nachdem israelische Offizielle gekommen waren und Fotos von den  Bauten gemacht hatten, die auf der Liste der bevorstehenden Zerstörungen standen, entsprechend einem JVS-Bericht.

Die Zerstörungen sollten am 11.Juli stattfinden; aber die drei Familien, denen die Zerstörungsbefehle gegeben wurden, planen, sie vor Gericht anzufechten.

 Es geschieht sehr selten, dass Rechtsanwälte eine Stornierung erreichen, aber zuweilen erreichen sie einen Stopp. Es lässt die Leute bis zum Ende des Stopps in ihrem Haus. Wenn das Gericht, den Appell zurückweist, lässt er 17 Personen obdachlos.

 

Belagerung in Zone C

Diese Angriffe auf palästinensische Dörfer sind ein Teil der Hauszerstörungswelle in der ganzen Zone C in der Westbank. (wie sie in den Oslo-Verträgen festgelegt wurden)

60% der Westbank ist als Zone C bestimmt worden, einschließlich Ost-Jerusalems und dem Jordantal. Zone C – sollte nach den Oslo-Verträgen -  von der israelischen Regierung und ihrer Regierung  verwaltet und kontrolliert werden.  Drei Viertel des Landes wurden zu

geschlossenen Militärzonen erklärt werden oder als Naturreservate und waren deshalb für Palästinenser nicht zugänglich. Etwa 40 000 Palästinenser leben in Zone C.

 

Gleichzeitig dehnen sich israelische Siedlungen auf pal. Land im Jordantal aus und profitieren von dem guten Boden und den reichlichen Wasserquellen.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem berichtete kürzlich, dass in den ersten sechs Monaten von 2011 schon mehr Hauszerstörungen stattfanden als im ganzen Jahr 2010. Seit Januar wurden mehr als 700 Personen, einschließlich 341 Kinder obdachlos gemacht, da 103 Häuser/Hütten in Zone C zerstört worden waren.

 

Das ist eine enorme Zunahme an Hauszerstörungen in Zone C, stellt B’tselem in seinem Bericht fest: 2010 wurden von der Zivilverwaltung 86 Wohnhütten zerstört, 2009 28 .

 

Israelische Siedlungen und Ressourcendiebstahl im Jordantal

 

In einem gründlichen Bericht, der von B’tselem  über die israelische Politik im Jordantal veröffentlicht wurde, stellt die Organisation fest, dass 9400 israelische Siedler in 37 Siedlungen im Jordantal und im nördlichen Gebiet des Toten Meeres leben, einschließlich sieben Außenposten, die noch nicht einmal von israelischer Seite anerkannt wurden.

 

Der Bericht findet auch, dass Israel das „Gesetz für den Besitz Abwesender“ angewandt hat, das während der ersten Jahre der ethnischen Säuberung und Enteignung in den 40erJahre und im 67er-Krieg erlassen und angewandt wurde, um noch mehr palästinensisches Land zu nehmen und es den Siedlungen zuzuweisen, nachdem die Palästinenser aus ihren Wohnstätten durch israelische Gewalt vertrieben und daran gehindert wurden, zurückzukehren.

 

Ende 2010 berichtet B’tselem, dass die israelische Regierung das Finanzieren für den Bau von Dutzenden Hauseinheiten in zwei Siedlungen im nördlichen Jordantal genehmigt hat. Die Regierung sagt, das Wachstum der jüdischen Bevölkerung im Jordantal sei „bescheiden“ und deshalb versuche man, mehr Siedler zu ermutigen, im Jordantal zu siedeln, in dem man ihnen wirtschaftliche Anreize gibt.

Mit dem Versprechen von billigem Land im Jordantal wird diesen Siedlern noch enorme Mengen an Wasser aus den unterirdischen Quellen, vorher von palästinensischen Gemeinden zur Bewässerung für reichliche Ernten und für ihre Häuser das ganze Jahr zur Verfügung gestellt. Diese Quellen sind nun in den letzten Jahren vertrocknet, da die israelischen Siedlungen das Wasser für eigenen Gebrauch umgeleitet haben.

 

In einer Zusammenfassung des Berichtes sagt B’tselem, dass diesen Siedlern 45 Millionen cbm Wasser im Jahr aus Quellen, aus dem Jordan, von behandelten Abwässern und von künstlichen Wasserreservoirs geliefert wird. Dies ist etwa ein Drittel der Wassermenge, die für 2,5 Millionen Palästinenser, die in der Westbank leben, zur Verfügung stehen. Diese großzügigen Wasservorräte haben es den Siedlungen möglich gemacht, intensive Landwirtschaftsmethoden zu entwickeln und das ganze Jahr lang zu bewirtschaften und für den Export zu produzieren. („Israelische wirtschaftliche Ausnützung des Jordantals“, Bericht vom 12.Mai 2011)

 

 

Auswirkungen israelischer Politik auf Frauen und Kinder

 

Die Elektronic Intifada  (EI)sprach mit mehreren Frauen, die mit dem Auja-Fasayil Frauenzentrum zusammenarbeiten. Diese Gemeinde-Organisation, die ihren Sitz in Aujadorf hat, hilft den einheimischen Frauen und Familien mit Handeltraining, Bildung und wirtschaftlichen Möglichkeiten, da die israelische Politik den Lebensunterhalt der Bauern ernsthaft beeinflusst hat.

Auja mit fast 5300 Bewohnern war bekannt für seine reichen Ernten an Weizen und anderen Produkten wie Wassermelonen, Bananen, Zitrusfrüchte  nicht nur in Palästina, sondern auch in Jordanien. Das Gebiet war wegen seiner reichen Wasserquellen bekannt.

Die Bewohner sagten Elektronic Intifada, dass die Menschen ein Wassersystem entwickelt hatten, um das Wasser unter den Gemeinden gerecht zu verteilen. Es war ein kompliziertes System, das teilweise noch auf die Römer zurückging.

„Unsere Hauptquelle als Lebensunterhalt war das Wasser selbst,“ sagte Suheir Nujum, 37, ein Mitglied des Vorstandes des Zentrums. „Aber jetzt, mit der Entwicklung der Siedlungen sind wichtige Teile  des Kanalsystems konfisziert worden und in das Bewässerungssystem der Siedlungen umgeleitet.

Allein in den letzten Jahren ist der größte Teil des Dorflandes staubtrocken und unfruchtbar geworden und zwingt die Dorfbewohner, ihre Felder an Hühnerfarmen zu verkaufen, die ihr Hühnerfleisch in der ganzen Westbank verkaufen. Das Einkommen der Familien im Jordantal wie in Auja war abhängig von Gemeindelandwirtschaft. In einer dramatisch kurzen Zeit, während das Wasser zu den illegalen Siedlungen umgeleitet wurde und das Land vertrocknete, ist die Arbeitslosigkeit in die Höhe geschossen.

 

„Wir haben nur zwei Möglichkeiten“, sagte Nujum,“ Die jüngeren müssen entweder mit der PA arbeiten oder  auf den Farmen der nahen Siedlung“ Sie wies auf die schockierende Demütigung der letzten Option hin, da dies die 1. Generation ist , die nicht ihre eigene wirtschaftliche  Unabhängigkeit mit dem eigenen Land hat und jetzt gezwungen wird, auf Land zu arbeiten, das ihnen weggenommen und fremden Siedlern vermacht wurde. Israel erlaubt uns nicht, als Bewohner von Auja zu überleben. Sie nehmen uns alles weg.“ Fügte sie noch hinzu.

 

Nun können wir nicht einmal das Getreide anpflanzen, um unsere Schafe damit zu füttern.

 

Nujum sagte, dass die Auswirkungen auf Frauen unter dieser Art von Stress bedeutsam wurde. Die Frauen in Auja und anderen Gemeinden im Jordantal  haben eine gute Ausbildung. Viele von uns haben  eine Fachschule besucht. Aber es gibt  nur begrenzte Möglichkeiten für Frauen, um das Einkommen für unsere Familien einzubringen. Deshalb haben wir dieses Zentrum geschaffen.

„Wir pflegten, uns selbst zu versorgen. Wir hatten  unsern Viehbestand, den wir  mit Korn fütterten, das wir selbst anpflanzten,“ sagte Nujum, „nun können wir kein Korn anpflanzen, um die Schafe zu füttern. Wir haben keine Schafe mehr und können keine Milchprodukte  herstellen. Wir hatten so viele Möglichkeiten, unsere Familie zu ernähren. Nun sind die gut ausgebildeten Frauen zu Hause  und sind arbeitslos. Wir pflegten an der Seite unserer Männer auf dem Land zu arbeiten.

 

Umm Hamza, 47, die die Beziehungen des Zentrum nach außen pflegt, sagte zur EI, dass sie früher mit ihrem Mann eine Bäuerin war. Nun, wo das Wasser  zur neuen Siedlung umgeleitet wurde, sind sie und ihr Mann arbeitslos. Es hängt alles mit einander zusammen. Unsere Kinder kümmerten sich um das Land. Nun gibt es nichts für sie zu tun. Das Land brachte die ganze Familie zusammen. Wir brauchten niemand von außen, der uns half.“

 

Jetzt ist die Gemeinde abhängig davon, niedrige Arbeit außerhalb des Dorfes zu finden, um ein Einkommen  zu bringen, und Frauen müssen geringere Qualitäten kaufen, importierte Waren zu hohen Preisen, um die Familie zu ernähren.

Umm Hamza sagte auch, dass sie jetzt Wasser zum Trinken, Baden, Kochen und Gießen jetzt mit einem LKW von der isr. Wasserbehörde kaufen müssen. Die Behörde ist  für ihre  diskriminierende Wasserpolitik bekannt. Regelmäßig wird den Palästinensern in der Westbank und besonders im Jordantal die Wassermenge sehr knapp bemessen oder  ganz abgestellt.

„Das Wasser ist  schmutzig; unsere Kinder werden  krank, wenn sie es trinken. Und zuweilen müssen wir  im Dorf Tage oder Monate ohne Wasser auskommen.

Umm Hamza und Nujum sagten, dass die Dorfbewohner in Auja und Fasayil gezwungen werden, für die Verteilung von unsauberen Wasser Mekorot zu bezahlen, während sie bis vor kurzem genug und sauberes Wasser hatten, sogar um die Felder zu bewässern.

Nujum sagte, dass sich alles dramatisch in ihrem Dorf verändert habe. Da ihre Familie und Gemeinde gegen die nächste Hauszerstörung, die Siedlungsübergriffe und Wasserabsperrung  kämpft, erklärt sie, dass sie zusammen mit anderen Frauen in ähnlichen Situationen  sich gegenseitig stärken, aber dass gegen Israels zerstörende Politik im Jordantal etwas getan werden muss, bevor es zu spät ist.

Wir pflegten, das beste Leben hier zu haben mit dem, was wir hatten – und alles aus unseren eigenen Quellen. Wir würden gerne zurück zu unseren Traditionen gehen und unser Land bearbeiten. Dies war unsere Hauptquelle unseres Einkommens. Es war unsere Lebensweise. Es ist noch nicht so lange her, dass wir dieses Leben hatten, und jetzt ist alles weg.“

 

Nora Barrows-Friedman ist eine unabhängige Journalistin, die schon einen Preis gewonnen hat. Sie gehört zum Mitarbeiterstab  der Electronic-Intifada. Sie schreibt auch für Inter Press Service, al Jazeera, Thruthout und andere  und regelmäßig Berichte über Palästina.

 

(dt. und geringfügig gekürzt: Ellen Rohlfs)

 

 

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