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Gaza in Richtung Selbstständigkeit?
Laila el-Haddad,  Gaza Mom ,  5. Sept. 2010
http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=42124

 

Was ist aus dem Land der Siedlungen geworden?  Verpasste Gelegenheiten! Das Land ist zurückgegeben worden und was für eine Verschwendung“, hören wir von Zeit zu Zeit von zionistischen Apologeten und ihresgleichen . „Wenn die Gazaer nur endlich ihr Leben selbst in die Hand nehmen  und nicht  andern  die Schuld aufladen würden!“

 

Lassen wir mal die naheliegende Frage beiseite, wie ein Gebiet und seine Menschen, deren Leben äußerst wirksam von einer Besatzungsmacht kontrolliert wird - die sich weigert, ihre Verantwortung als Besatzer anzuerkennen - einen „Staat aufbauen“ und ( ein normales) Leben gestalten soll. Die Gazaregierung hat schon einige ziemlich eindrucksvolle Dinge erreicht.

 

Am Donnerstag hatte ich die Gelegenheit, ein Fahrt durch die befreiten Ländereien von Gaza zu machen also dort, wo einst die Siedlungen standen.

 

Ein Gewächshaus in der früheren Siedlung Neve Dekalim wird dazu benützt, Früchte zu ziehen. Es war die Fortsetzung eines Interviews meiner Kollegin Maggie Schmitt und mir mit dem Landwirtschaftsminister Mohammad al-Agha. Nach Konsultationen mit Dutzenden von internationalen und lokalen NGOs hat das Gazaministerium einen  eindrucksvollen „Zehnjahresplan“ aufgestellt, um Gazas Abhängigkeit von importierten israelischen Produkten zu reduzieren, indem es organischen Anbau in größerem Ausmaß integriert und allgemein „ sich selbst hilft“, indem es zu nachhaltigeren Praktiken  zurückkehrt ( auf Anbau, der vom Regen abhängig ist, und nicht für den Export bestimmt ist und Mengen von Wasser  und Pestiziden benötigt und schließlich dann doch von den israelischen Behörden und den geschlossenen Grenzen abhängig ist) .

 

Der Plan ist von vielen Leuten verspottet worden, mit denen Maggie und ich im privaten oder Nichtregierungssektor sprachen: Gaza kann nie selbständig werden.  Und warum sollte es das auch?  Das macht wirtschaftlich keinen Sinn.

Wir waren also neugierig … war es so lächerlich, wie sie es machten. Keineswegs. Tatsächlich hatten nur wenige das dicke Manifest gelesen, das noch nicht veröffentlich wurde. ..

 

In der früheren Siedlung Kfar Darom, wo einst die Scharfschützentürme die Landschaft beherrschten, ist nun ein mächtiger organischer Komposthaufen für jahreszeitliche Pflanzen ( (und auch für Abwässer ein Kompost für Bäume.) und eine organische Versuchsfarm, in der Workshops durchgeführt werden, um lokalen Bauern organische (Bio)-Praktiken zu lehren . diejenigen, die sich für Bioanbau entscheiden, werden mir kostenlosem Kompost und Baumpflänzchen belohnt.  Im früheren Gush Qatif Block weiter südlich stehen unendliche Reihen verschiedener Arten von Dattelpalmen und jungen Olivenpflanzen, die nur vom Regenwasser abhängig sind und sehr gut im Gazastreifen wachsen – soweit das Auge schauen kann.

In einem anderen Abschnitt dieser weiten leeren Fläche ist der Obstgarten … verschiedene Fruchtbäume, jede Reihe mit einem Zeichen versehen: Mangos, Zitrus, Äpfel und Steinobst

Gaza ist im Augenblick sehr von der Einfuhr aus Israel abhängig, da Zehntausende seiner eigenen Bäume während der 2. Intifada und die meisten während des letzten Krieges Cast-Lead zerstört wurden. „Wir hoffen, dass innerhalb der nächsten 3 Jahre diese Bäume  Früchte zu tragen beginnen und innerhalb 5 Jahren die Oliven und Datteln“, erklärt mein Führer.

Am interessantesten war vielleicht eine Farm, die Austernpilze in eng kontrollierter Umgebung unter der begeisterten Beobachtung des Landwirtschaftsingenieurs Amjad al-Agha zieht. Die Ernte wird entweder getrocknet oder gemahlen oder an lokale Restaurants verkauft, die sie für Suppen, Salate, Sandwiches gebrauchen. Oder sie werden in Plastikkörben an eine Frauengruppe verkauft, die sie weiterverarbeitet und  schließlich verkauft… Al-Agha sagte, die Pilze dienen als alternative Quelle für Protein für die Menschen. Sie wachsen schnell und  sind leicht heranzuziehen. Ich fragte, ob diese Exporte ausgeführt werden: „nein, es gibt keinen Export außer ein paar Blumen, die die Holländer  eifrig unterstützen“. Es gibt auch eine Fischfarm und eine Hühnerfarm und einiges mehr.

 

„Die Idee ist,  eine strategische Änderung der Vision für Gazas landwirtschaftlichen Sektor  zu erfüllen – als Antwort auf die Situation, in der wir uns jetzt und in der voraussehbaren Zukunft befinden,“ erklärte Minister Agha, es geht uns nicht um eine 100%ige Selbständigkeit. Wir sagen nicht einmal, dass dies möglich ist. Aber wir wollen unsere lokale Nahrungsproduktion, die Bio-Landwirtschaft erhöhen …

Noch sind einige lokale Experten kritisch. Sie sagen, ohne Technokraten in den Prozess einzuschließen oder ausgebildete lokale Berater, die bei den Methoden, der Ausführung und möglichen Exporten behilflich sind, werden sie nie in der Lage sein, den Wissensstand zu erreichen, den sie wollen.

„Gaza könnte sich zum Beispiel auf Pilzkultur spezialisieren. Was wir benötigen, wäre eine Art Halbregierung, die die Kluft zwischen der Hamasregierung und europäischen Regierungen überbrückt und die finanzielle und politische Unterstützung hinter solch einem Projekt abgibt,“ erklärte der Ökonom Omar Shaban. Er fügte noch hinzu, dass viele in der Hamasregierung sich solchen Ideen noch verschließen und sie verdächtig finden.“

Der Plan und die Projekte werden lokal noch  als Kennzeichen für die Fähigkeit der Hamasregierung, um sich der Belagerung und ihren Auswirkungen zu widersetzen, selbst wenn die Ergebnisse sehr weit in der Zukunft liegen.

Mehr zu diesem Thema: Jon Elmers: „Going organic: die Belagerung von Gaza.“

 

(dt. und geringfügig gekürzt: Ellen Rohlfs)

 

 

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