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Der Todeskult
Gideon Spiro, (Red Rag Column) 12. 4. 13

Diese Zeilen wurden  in der Mitte der Todes-Woche geschrieben. Wir haben gerade den Holocaust-Gedenktag  gefeiert und in ein paar Tagen werden wir den Gedenktag für die israelischen gefallenen Soldaten haben.

Der Holocaust-Gedenktag bewegt mich und irritiert mich. Ich bin irritiert durch die Reden vom Ministerpräsident  und dem Präsident des Staates, die dieses historische Ereignis in den Dienst ihrer  schmutzigen politischen Ziele stellen.  Und wieder beginnen sie mit dem Mantra der Zerstörung durch den Iran und  fügen direkt an, dass  es nicht so sei, wie während des Holocaust: jetzt haben wir eine Armee. Und noch einmal: Wir haben eine Armee und wieder: eine Armee und wir werden uns selbst verteidigen. Und sie weisen darauf hin, falls „Die Welt“ (natürlich sind die USA gemeint) nicht reagiert, werden wir uns wieder verteidigen, weil wir eine großartige Armee haben. Dann kommt die dunkle Warnung, dass „in jeder Generation erheben sie sich gegen uns, um uns zu zerstören“, aber diesmal haben wir  -- warte – eine Armee. Und so weiter. Israel stößt die US tatsächlich in den Krieg; und da diese Supermacht, die schon schlimm von Kriegen in Mitleidenschaft gezogen wurde, die sie geführt haben und noch weiter führen, versucht Israel  mit dem Mantra zu besänftigen  „Alle Optionen liegen auf dem Tisch; sie bitten Israel tatsächlich, der Diplomatie eine Chance zu geben. Und die Antisemiten? Sie freuen sich beim Beobachten, wie der Schwanz mit dem Hund wedelt.

Was mir in der Reihe von Feierlichkeiten an diesem Tag fehlt, ist die universale Dimension. Ein Besucher eines anderen Planeten, der die Holocausttag-Feierlichkeiten in Israelmiterlebt, würde denken, dass die Nazis nur Juden gemordet haben – dass der Krieg gegen die Juden das Ein-und-Alles der Geschichte von Nazi-Deutschland wäre. Aber das ist eine  grobe Verdrehung der Geschichte. Wenn sich Nazi-Deutschland nur auf den Krieg gegen die Juden konzentriert hätte, dann müssen wir annehmen, dass der 2.Weltkrieg nicht ausgebrochen wäre und die Invasionen in Polen, die Tschechoslowakei, Russland, Skandinavien und Afrika wären nicht geschehen. Nur um des Hasses gegen die Juden hätte Deutschland sich nicht selbst in Gefahr gebracht, um die ganze Welt einzunehmen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Nazis  vor allem Feinde der Menschlichkeit waren. Ihre rassistischen Doktrinen waren verbunden mit imperialen Zielen, die über das jüdische Problem hinausgingen. Das tausendjährige Reich sollte über Europa herrschen – ohne Juden und ohne Sinti und Roma, ohne Schwarze, Kommunisten, Sozialisten, Liberale, Homosexuelle und geistig Behinderte.

Mit andern Worten: der jüdische Holocaust ist anders, aber nicht einzigartig unter den Verbrechen des Naziregimes. Deshalb ist es wichtig, den universalen Aspekt bei der Einhaltung des Holocaustgedenktages  mit zu berücksichtigen. Aber genau dies versuchen  die Wächter des Gedenktages in Israel zu verhindern. Die universalen Lektionen aus dem Holocaust sind vor allem, dass wir die Menschenrechte, die Demokratie und die Rechte der Minderheiten schützen, dass wir Flüchtlingen helfen und gegen Rassismus kämpfen. Aber im heutigen kolonialen Israel, in dem Rassismus und Arroganz gegenüber Schwarzen  und Araber triumphieren, sind alle jene Worte schmutzige Worte.

Israel hat eine Generation erzogen, die nichts über den 2. Weltkrieg weiß und was  mit ihm zusammenhängt. Der Holocaust hat sich in Fahrten nach Polen und dem Marsch nach Auschwitz verwandelt. Die Armee zieht die Soldaten von ihren Pflichten der Unterdrückung im Dienste der Besatzung ab  und schickt sie als IDF-Delegation zu den Todeslagern, von denen sie voller Motivation  wieder zurückkehren, um die Arbeit der Erhaltung der Besatzung und Apartheid in den besetzten Gebieten zu erhalten.

Dasselbe gilt für die Sekundarschulen. Ermutigt Vom Bildungsminister ermutigt, werden Jugendliche kurz vor ihren Prüfungen und bevor sie zum Militär eingezogen werden, nach Auschwitz geschickt, wo sie  gehirngewaschen werden: die wichtigste Lektion ist die Bedeutung der jüdischen Armee. Sie kehren dann sehr motiviert zurück, um sich der Armee anzuschließen. Äußerst ironisch ist, dass das Auschwitz-Lager zu einem wirksamen Propagandainstrument  geworden ist für das Prestige der Armee und für die Rechtfertigung von Israels Rassismus durch jene, die für die Bildung in Israel. zuständig sind. In diesem Jahr ist es der IDF-Chef Benny Ganz, der die führende Rolle bei der Auschwitzschau für die Armee hatte. Die Absurdität der Auschwitz-Prozession erreichte in diesem Jahr einen solchen Punkt, dass die Bank Leumi eine Gruppe Angestellte nach Auschwitz sandte, wo sie im Fernsehen gezeigt wurden – dekoriert mit dem Logo der Bank. So ist Auschwitz eine Plattform für Werbung für eine Bank geworben, die sich weigerte, das Geld von Holocaustüberlebenden an ihre Erben weiter zu geben.

Ich bin auch  von der Militäreinheit irritiert, die auf der Bühne der Hauptfeier des  Yad-Vashem-Platzes standen; also von ihren Pflichten der Besatzung und Unterdrückung geholt, um nach der Feier zu ihren brutalen Pflichten zurückzukehren. Die Teilnahme der Fallschirmspringer bei der Feier ist  eine Erinnerung  daran, dass die Lektionen aus dem Holocaust nicht gelernt worden sind.

Ich bin auch irritiert von all den Reden im Namen von 6 Millionen – keiner von ihnen kann darauf antworten. In dem Gebet, das speziell zum Gedenken derer, die im Holocaust verdarben, gesprochen wurde, ist ein bewegender Text: sie gingen von dieser Welt zur Heiligung Gottes … Auf diese Weise übernimmt Religion  das Leben in Israel. Die säkularen Juden sind nicht zur Heiligung Gottes ermordet worden und die Millionen jüdischer Kinder wurden nicht zur Heiligung Gottes ermordet ???

Menschliche Wesen wurden auf dem Altar einer wahnsinnig rassistischen Ideologie ermordet, egal ob sie Juden oder Roma waren, und es ist bedauerlich, dass Gott  in dieses Bild hineingenommen wird; denn falls er existiert, schwieg er genau wie sein irdischer Vertreter, der Papst. Warum haben sie in einer Feier, die im Wesentlichen säkular ist, die Religion mit hineingezogen? Abgesehen davon, wenn diese 6 Millionen in Israel gelebt hätten, dann wäre ein großer Prozentsatz von ihnen gar nicht als Juden anerkannt worden, weil sie entweder mit Nichtjuden verheiratet waren oder weil nur die Väter jüdisch waren und nicht die Mütter. Sie würden  auf anderen Friedhöfen beerdigt werden, so wie es heute noch üblich ist bei Soldaten, deren Jüdischkeit vom Rabbinat bezweifelt wird…

Am Holocausttag kommen die Familien zusammen  mit den Mitgliedern der Familien, die beim Holocaust  Verwandte   verloren haben. Das geschieht auch in meinem Haus. Die Familie meiner Partnerin und auch meiner Familie haben im Holocaust Verwandte verloren. Auch wenn die Mehrheit der israelischen Juden nicht daran denkt, so denke ich noch an ein anderes Opfer des Holocaust: an das palästinensische Volk, das indirekte Opfer des Holocaust. Ich zweifle nicht daran, dass der Holocaust und Tausende von jüdischen Flüchtlingen in den Lagern der displaced Persons (DP) in Deutschland (Ich kann mich noch an eines bei Nürnberg erinnern ER) sich nach Palästina sehnten und dass dies die UN-Teilungs-Resolution von 1947 mit entschieden hat- die Palästinenser, die eine massive Mehrheit im Lande waren, sahen, wie sich nach der jüdischen Einwanderung das Land veränderte. Ihre Opposition gegen diese demographische Veränderung war nur natürlich …

Wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte, wären die meisten Juden aus Polen, Deutschland, Tschechoslowakei, Rumänien und Ungarn in ihren Ländern geblieben, so wie Juden in den USA heute. Die zionistische Einwanderung in dieses Land würde sehr langsam weitergegangen sein, der Staat Israel würde nicht 1948 geboren worden  sein, Die marokkanischen und irakischen Juden wären nicht nach hier umgesiedelt worden. Die Nakba wäre nicht geschehen ---- der Holocaust  schuf eine Tragödie innerhalb einer Tragödie und man sieht keine Lösung am Horizont.

 

Alles beginnt im Kindergarten

Ein Freund hat meine Aufmerksamkeit auf ein Phänomen gelenkt, das ihm Sorgen bereitet. Seine 5jährige Tochter geht in den Kindergarten und die Eltern erhielten einen Brief zur Party am Unabhängigkeitstag. U.a. steht im Brief: „an diesem Tag sollten die Kinder in einer weißen Bluse oder einem weißen Kleid kommen. Die Kinder sollen nichts zu essen mitbringen, weil man Falafel im Kindergarten ausgibt. Wir benötigen zwei Freiwillige, die für diesen Zweck Kuchen backen. Bitte geben Sie uns per Email Nachricht.  Zu Ehren unserer Soldaten vom Nahshon-Bataillon bitten wir die Kinder. Das jedes ein Päckchen für einen Soldaten vorbereitet. Das Päckchen könnte Dinge enthalten wie eine Zahnbürste, Zahnpasta, Socken, Deodorant , etwas zum Naschen … Zusätzlich  legt ins Päckchen einen Brief oder eine Zeichnung von eurem Kind. Man kann auch eine Telefon-Nummer dazulegen, weil sich manchmal die Soldaten persönlich bedanken wollen.

So werden unsere Kinder schon im Alter von 5 Jahren mit allem, was zur Armee gehört, gehirngewaschen.  So wird der Samen eines katastrophalen Kontinuum gesät, an dessen Ende die Feiglins (1) und  „The KingsTorah“ (2) steht. Unsere Pflicht als Friedenssucher, als Verteidiger der Menschenrechte und als Gegner der Besatzung ist es, keine Mühe zu sparen, dieses Band der Kontinuität zu zerreißen, damit ein Militärdienstverweigerer anstelle eines Besatzungssoldaten erscheint – ein Dienstverweigerer wie der 19Jährige Nathan Blanc, der jetzt seit mehr als 100 Tagen im Militärgefängnis sitzt, weil er nicht bereit ist, an den Verbrechen der Besatzung teilzunehmen. Wer ist der wirkliche Held?  Derjenige, der sich weigert, ein Kriegsverbrecher zu werden. Man stelle sich vor, wie anders die Geschichte gelaufen wäre, wenn es in Deutschland eine Million Wehrdienst-Verweigerer gegeben hätte und Zehntausende in Israel, die ihren Regierungen gesagt hätten: „Wir wollen  nicht (an diesem Krieg)  teilnehmen oder unsern Namen für diese (Kriege) hergeben.“ Das Problem ist hier wie dort, dass die entschiedene Mehrheit der Jugend blind und bereitwillig in die Armee strömt, wo sie solange geknetet wird, bis sie die gefühllosen und grausamen  Gehorsamen von Befehlen werden. Meine Botschaft an die Eltern der Kinder im Kindergarten ist diese: „Schickt sie nicht mit Geschenken für die Soldaten;  denn diese lernen zu töten;  wir wollen, dass unsere Kinder leben.“

1.        Moshe Feiglin ist der Führer einer extremistischen Fraktion innerhalb des rechten Flügels der Likudpartei.

2.        The King’s Torah ist ein 2009 veröffentlichtes Buch der Rabbiner Shapira und Elitzur, indem es darum geht, wann Juden Nicht-Juden, einschließlich Kindern töten könnten. Es verursachte einige Kontroversen und Zorn.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

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