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Die Nahrung der Koexistenz
Michal Palti, Haaretz 28.12.05

 

Was hat eine US-Lotterie, ein Mörser, ein Stössel und Chanukka gemeinsam?

Jawdat Ibrahim glaubt, die Verbindung sei klar: seitdem der Besitzer des Restaurant in Abu Gosh im Staat Illinois 1990 in der Lotterie gewonnen hat, hält er Konferenzen und  Seminare in seinem Restaurant ab und initiiert und unterstützt gemeinsame Aktivitäten für Araber und Juden.

Gestern morgen füllten 50 Kinder und ihre Eltern das Restaurant zu einem Hummus-Seminar. Die arabischen und jüdischen  Kinder  wurden geduldig von Ibrahim und seinem Team in beiden Sprachen unterwiesen.

 

Nach einer halben Stunde sah der Ort wie jeder andere aus, wo sich Kinder während der Chanukkazeit aufhalten. Es war ein wüstes Durcheinander: Schalen und Stößel lagen auf dem Tisch zusammen mit leeren Tassen und Flaschen. Luftballone lagen  verstreut da. Clowns hatten die Kinder damit unterhalten. Draußen zeigten Dutzende von Kindern ihren selbstgemachten Hummus mit Kichererbsen verziert, nach Knobloch duftend, mehr oder weniger zerdrückt, mit einer Pita oder in einer Pita drin, zusammen mit Falafeln oder einfach so. Da gab es 50 verschiedene Arten von „kindlichem“ Hummus, jeder dem Geschmack einer besonderen Familie angepasst.

 

Chanukka-Ferien sind in vollem Gange  und Ibrahims Seminar, das mit einem Poster am Eingang seines Restaurant angekündigt war oder über Mund zu Mund-Propaganda bekannt gemacht wurde, zog viele 6-14 jährige Köche und ihre Eltern an, die glücklich an runden Tischen saßen, während ihr Nachwuchs ausgelassen im Restaurant herumrannte. Jeder erhielt eine weiße Schürze und eine Kochsmütze, einen Mörser und einen Stößel  und nach anderthalb Stunden  Verkleinern, Zerschneiden und Zerdrücken konnte das Endprodukt gekostet werden.

 

Manal Nofel und ihre drei Kinder kamen  mit einem Taxi aus dem palästinensischen Ort Shufat. Maram,7, Majid, 10, und Zina, 2,  kosteten die dicke Paste, die sie machten. Ihre Mutter  atmete  erleichtert und weit hörbar auf. Drei Kinder zufrieden um einen Tisch sitzen zu haben, ist in den Ferien nicht selbstverständlich. „Mein Mann hatte von diesem Seminar gehört, und ich war auch glücklich, davon zu hören. Es ist eine wunderbare Idee. Die Kinder tun gemeinsam etwas und sie treffen hier Kinder, die sie sonst nicht treffen. Und wer mag keinen Hummus?

Eine Gruppe Lehrer aus dem Givat Ram-Campus von der  Jerusalemer  ORT-Akademie sitzt an einem Tisch in einem inneren Raum. Majda Atamma, Ibrahims Schwester erzählte ihren Kollegen von dem Seminar. Alle lieben Hummus  und Pommes frites und Selterwasser.

 

Esther Haviv, auch ein Mitglied der ORT-Gruppe brachte ihre Enkel Tomer, 10, und Gal,6, mit.

„Ich koche gern und ich koche viel zu Hause,“ sagte Tomer, „ ich wusste etwa, wie man Hummus macht, aber es ist immer besser, wenn man genaue Anweisungen erhält , wie ein Rezept.

Ibrahim leitete das Seminar und lief stolz durch das heillose Durcheinander des Restaurant.

Es machte ihm nichts, dass Tischdecken vom Tisch gezogen waren, Kichererbsen unter den Schuhen klebten und Coca-Cola-Flaschen über den Flur rollten. (Das Seminar, das traditionelle Chanukka-Krapfen einschloss, war umsonst.)

All das war nichts im Vergleich zu der großen Freude des Aktivisten, der auch mit einer Fernsehkamera kam, um das Ereignis zu dokumentieren, einschließlich des großen Photos des Restaurantbesitzers mit König Hussein, das den Eingang zierte.

 

Vor 17 Jahren veränderte sich  Ibrahims Leben völlig: Der Immigrant, der Abu Gosh verließ, um in Chikago zu leben, knackte bei der Illinois Staats-Lotterie den Jackpot von 23 Mill. $ .

Das System dort ist klug: man bekommt das Geld in jährlichen Zuwachsraten (?),“ erklärte Ibrahim. Er kehrte nach Abu Gosh zurück, eröffnete das Restaurant und machte es zu einem Zentrum der Koexistenz. Er initiierte den Abu-Gosh-Fond, der für arabische und jüdische Studenten ist, er organisierte gemeinsame Fahrten, pflegte Beziehungen zu König Hussein und  hatte regelmäßig Gäste aus dem Außenministerium.

„Mein Restaurant hier liegt auf ihrem Weg,“ erklärt er.

 

Nach Ibrahim lehnt sich sein Modell von Aktivitäten an das der jüdischen Gemeinde in den USA an . Ich würde mich freuen, wenn die Araber in Israel eine ähnliche Rolle spielen könnten wie die Juden in Amerika. Wenn sie Initiativen hätten und mehr engagiert wären,“ sagte er .

Ich habe Verwandte in Ramallah, die mir erzählten, dass ihre Kinder noch nie ein jüdisches Kind getroffen haben . Und Kinder sind doch Kinder. Gemeinsames Tun im frühen Alter ist doch lebensnotwendig – da beginnt doch alles.

Wenn man die Auswirkung dieses Projektes nach dem Geschmack des Hummus beurteilt, so fand Jawdat Ibrahim einen gemeinsamen Nenner von einzigartig breiter Werbung.

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

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