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Uri Avnery

 

 



 

Präsident Kong

Uri Avnery, 28. Januar 2017


ICH WUSSTE
, er  erinnerte mich an jemanden, aber ich konnte ihn nicht unterbringen.. Wer war es, der sich so heftig auf die Brust schlug?

Und dann erinnerte ich mich: es war der Held von einem Film, der produziert wurde als ich 10 Jahre alt war: King Kong.

King Kong, der riesige Primat mit dem Herzen aus Gold, der auf riesige Gebäude skalierte und Flugzeuge mit dem kleinen Finger herunterholte.

Wow: Präsident Kong, das mächtigste Wesen auf der Erde.

 

EINIGE VON uns hatten gehofft, dass Donald Trump  sich umdrehen  würde und eine ganz andere Person sein als seine Wahl-Person. In einer Wahl-Kampagne sagt man  viele  Arten von albernen Dingen.  Das soll am nächsten Tag vergessen sein.

Aber der Tag danach ist gekommen und gegangen und die albernen Dinge  wurden immer mehr. Der unglaubliche Trump, von dem wir glaubten, er würde nicht wirklich existieren, wird bleiben—wenigstens vier Jahre.

Am ersten Tag im Amt sahen wir zwei Jungen auf dem Schulhof, die darum stritten, wer den größeren hatte.

In diesem Fall die größere Inaugurationsmenge. Trump bestand darauf, er habe die größte, die es jemals gab.  Wie er hätte wissen müssen, dass innerhalb von Minuten die Luftaufnahmen auf dem Fernsehschirm zeigten dass Barak Obamas Menge  bei weitem viel größer war.

Entschuldigte er sich? Im Gegenteil, er bestand darauf.

Eine Sprecherin erschien und erklärte, dass dies gerade ein Fall von „alternativen Tatsachen“ sei.  Eine wunderbare Phrase. Schade, dass ich  diese in den vielen Jahren meiner lebenslangen Arbeit als Journalist nicht kannte. Wenn ich Mittags sage, dass es Mitternacht ist, ist es nur eine alternative Tatsache. (Und ist natürlich wahr in Hawai oder sonst wo.)

 

ICH HABE ein sehr begrenztes  Verständnis von Wirtschaft. Doch nur eine kleine Menge von einfacher Logic sagt mir, dass Trumps wirtschaftliche Versprechungen  Quatsch sind. Man  bringt Arbeitsstellen nicht  durch Rede  zurück.

Handarbeit ging durch Automatisierung zurück. Die deutschen  und britischen Weber zerstörten die Maschinen, die ihnen ihre Arbeit wegnahmen. Das war vor etwa 300 Jahren und es half ihnen nichts. Jetzt schaut Trump ein Hundert Jahre zurück und wünscht,  dass Dinge zurückkehren.

Vor hundert Jahren benötigte man  ein Tausend  Arbeiter, um die Dinge zu tun, die heute zehn Arbeiter tun. Das wird so bleiben und eher schlimmer werden,  selbst wenn man alle Computer in der Welt zerstört.

Globalisierung  ist der Geist der Zeit. Es ist das natürliche  Ergebnis einer Situation, die mir erlaubt, auf Trumps Worte  innerhalb weniger Sekunden auf seine Äußerungen zu reagieren. Wenn ich rund um die Erde  in weniger als 30 Stunden fliegen kann.

Trump kann sehr wenig dazu tun. Er kann nicht die „protektionistische“ Wirtschaft des 18.Jahrhunderts zurückbringen.  Falls er  Straf-Zölle auf Importe  aus Mexiko und China  legt, werden Mexiko und China Zölle auf Importe aus den USA legen. Keiner wird gewinnen.

 

LEICHTGLÄUBIGE LEUTE  mögen solch simple Slogans glauben. Die bringen uns auf  das Problem der Demokratie.

Ich lese gerade einen Artikel, der behauptet, dass die Demokratie tot ist. Vergangen.

Winston Churchill  sagte berühmter Maßen,  die Demokratie sei ein  sehr schlechtes System , aber dass alle anderen  bis jetzt versuchten Systeme,  noch schlimmer seien.

Er sagte auch, dass das beste Argument gegen Demokratie ein Gespräch von fünf Minuten von  einem durchschnittlichen Wähler sei.

Demokratie  könnte funktionieren, wenn es einen sensiblen Filter zwischen  dem Kandidaten und dem Volk gäbe. Eine wahrheitsliebende Presse , eine  gebildete Elite.  Selbst  im Deutschland von 1933 mit Millionen  von Arbeitslosen, hat Adolf Hitler nie eine Mehrheit in freien Wahlen erhalten.

Jetzt mit Kandidaten, die sich direkt an die Wähler  durch die sozialen Medien  wenden,  gibt es keine Filter mehr. Auch keine Wahrheit. Die scheußlichsten Lügen  reisen in Sekunden durch Twitter und  Facebook direkt  in die  Gesinnung von Millionen, die nicht die Fähigkeit haben, sie zu beurteilen.

Ich denke es war Joseph Goebbels, der schrieb , dass je größer die Lüge ist , um so glaubwürdiger ist sie, da einfache Leute sich nicht vorstellen können, dass jemand eine  riesige Lüge  wie diese verbreiten würde.

Zum Beispiel, die Behauptung von Präsident Trump, dass drei  Millionen Stimmen  von ihm gestohlen worden wären, was für ihn der Verlust der  Volksstimme bedeutete. Kein Beweis. Nicht ein Schnipsel eines unterstützenden Beweises. Blanker Unsinn, aber viele Millionen  gewöhnlicher Leute scheinen es zu glauben.

Aber wenn die Demokratie überholt ist, was könnte sie ersetzen? Wie Churchill  zu verstehen gab -  es gibt kein besseres System.

 

DIES IST die Ernte der ersten Woche im Amt:  noch mehr Packs von Lügen oder „alternative Tatsachen“ mit jeden day.??

Was ist mit den substantiellen Problemen?

Falls wir glaubten, dass viele seiner politischen Versprechen nur Wahl-Unsinn wäre  –  hatten wir Unrecht. Ein Problem nach dem anderen.-Trump hat angefangen, pflichtgetreu seine Versprechen  zu halten.

Schwangerschaftsabruch –Rechte.  Schutz der Umwelt. Krankenversicherung.  Steuern für  Superreiche.  Alles geht  den Potomac hinunter.

Auch dies ist ein Zeichen der neuen Zeit: die Ärmsten stimmen für die Reichsten, gegen ihre eigenen elementaren Interessen. Das  ist in Amerika wahr,  so wie es in Israel wahr ist. (Und mag vielleicht auch  sehr bald in Frankreich und vielen anderen  Ländern wahr sein)

 

AH, ISRAEL.  Israel ist  mit endlosen Spekulationen  über Trumps Versprechen beschäftigt, die US-Botschaft  nach  Jerusalem zu verlegen.

Man könnte vermutet  haben, dass Israel  größere Probleme hat. Da gäbe es eine Art  Bürgerkrieg, der zwischen der Regierung und der arabischen Minderheit, (die 21% der  Bürger des eigentlichen Israels ausmacht), grassiert. Auf beiden Seiten gibt es Todesfälle. Und besonders mit den Beduinen (auch im eigentlichen Israel), die freiwillig in der Armee dienen, aber deren Wohnstätten die Regierung zu zerstören wünscht, um Platz für  jüdische Siedler zu machen.

Und die Besatzung der Westbank. Und die Blockade des Gazastreifens. Und  die vielfachen Korruptions-Untersuchungen des Ministerpräsidenten und seiner Frau und  die möglichen riesigen Bestechungen von  Verwandten  Benjamin Netanjahus zum Erwerb von Unterseebooten von Deutschland. Und  für Bestechung von Zeitungsmagnaten.

Ach, das sind Bagatellen, verglichen mit der Verlegung der US-Botschaft.

Der UN -Teilungsplan von 1947, der die legale Basis für den Staat Israel schuf, schloss  Jerusalem nicht in das israelische Gebiet ein. Er sorgte für einen jüdischen und einen arabischen Staat in Palästina mit Jerusalem und Bethlehem als eine  eigene Enklave.

Israel annektierte natürlich bald nach seiner Gründung West-Jerusalem, aber keine ausländische Botschaft zog dorthin. Sie blieben alle in Tel Aviv, das viel hässlicher  aber  eine viel lebendigere Stadt ist. Sie sind noch alle hier, einschließlich der amerikanischen Botschaft, die an Tel Avivs Küste liegt, gerade gegenüber von  meinem Fenster.

(Zwischendurch zogen einige südamerikanische Bananen-Republiken dorthin, sie zogen aber bald wieder zurück.)

Bei jeder amerikanischen Wahl  versprechen einige Kandidaten,  die Botschaft nach Jerusalem zu  legen, und jeder neu gewählte Präsident  nimmt das Versprechen zurück,  sobald ihm Experten die Tatsachen schildern.

Trump versprach das auch. Auch er wollte einige jüdische Stimmen anziehen, zusätzlich zu der einen seines jüdischen Schwiegersohnes.  Wahrscheinlich dachte Trump: abgesehen  von  diesen verflixten Juden, wer kümmert sich schon darum?

Etwa 1,5 Milliarden Muslime in aller Welt  kümmern sich darum. Und sie kümmern sich sehr darum.

Falls Trump einige Kenntnisse hätte, würde ihm die Tatsachsache klar sein, dass in den  frühen  Tagen des Islam, die Gebetsrichtung Jerusalem war, bevor sie nach Mekka verändert wurde. Ost Jerusalem ist der dritt-heiligste Ort im Islam.  

Das ganze Jerusalem als die Hauptstadt Israels anzuerkennen, könnte  zu einer  unvorstellbaren Gewalt gegen US-Einrichtungen führen – von Indonesien bis Marokko.

Es scheint, dass jetzt  auch Experten mit Trump  gesprochen haben, weil er über dieses Problem  zu stottern begann. Er denkt noch darüber nach. Dazu braucht er noch Zeit. Vielleicht später.

Vielleicht  wird der neue US-Botschafter, ein eifriger  Zionist vom rechten Flügel  nach Jerusalem gehen, um dort zu leben, während die Botschaft  in Tel Aviv bleibt.

Armer Mann. Er wird  dann täglich von Jerusalem nach Tel Aviv fahren müssen, auf einer Straße, die fast immer von Verkehrstaus blockiert ist. Aber jeder hat für seine  Überzeugungen zu leiden.

 

ABER DIE wirklich traurige Sache ist, dass seit der Inauguration  in jeder einzelnen seiner Reden das Hauptthema  - tatsächlich fast das einzige Thema - Präsident Donald Trump ist   Ich-Ich-Ich.

Ich – ich – ich mit einer Menge  Auf -die –Brust-Klopfen.

Warten wir auf den Film -  King Kong II.

(dt. Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

 

 

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