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Samstag, 03. Juni 201715:10  -     facebook     LINKS       ARCHIV      BDS      THEMEN

 

 

Rundbrief aus Gaza Mai 2017 - Abed Schokry - pdf - Sehr geehrte Damen und Herren, Anfang März habe ich Ihnen meinen letzten Rundbrief aus dem Gazastreifen bzw. Gaza Stadt gesendet. Heute, nach über zwei Monaten, sende ich Ihnen und Euch einen aktuellen Bericht über die Lage im Gazastreifen und über unseren Alltag während der vergangenen Monaten.

Seit zehn Jahren lebe ich mit meiner Frau und unseren vier Kindern wieder im Gazastreifen, Gaza Stadt, nachdem ich siebzehn Jahre in Deutschland verbracht habe. Genau seit zehn Jahren ist der Gazastreifen abgeriegelt, drei Mal in dieser Zeit hat Israel das Gebiet angegriffen. Unsere Lage kann nur als katastrophal beschrieben werden. Es leben hier über zwei Millionen Menschen, die fast keine Rechte haben, denen die Bewegungsfreiheit vom Nachbarn verwehrt wird. Stellen Sie sich einfach vor, Sie dürften nicht über die Stadtgrenze von Bremen, München, Frankfurt, Hamburg usw. hinaus. Sie wären eingesperrt, dort wo Sie zufällig leben. Ich denke daran, dass man im Westen die Menschen in der DDR bedauert hat, weil sie nur mit Schwierigkeiten nach Westdeutschland reisen durften. Aber die Menschen in der DDR konnten dennoch in andere Länder reisen, konnten an der Ostsee oder im Thüringer Wald oder sonst wo Urlaub machen. Wir können weder Richtung Norden noch Richtung Süden, weder nach Westen noch nach Osten aus dem Gazastreifen raus.


Der Gazastreifen ist völlig abgeriegelt. Gaza ist ein Getto im 21. Jahrhundert. Aus der Geschichte müsste unser Nachbar wissen, was es bedeutet, in einem Getto leben zu müssen. Unsere Familie und die allermeisten Menschen im Gazastreifen sind ebenso unschuldig eingesperrt, wie es die Menschen im Getto damals waren. Warum nur wird all das vergessen? Warum fügt man heute anderen Menschen wieder dieses Leid zu, obwohl man es doch wissen müsste, dass Gewalt und Zerstörung, Unterdrückung und Diskriminierung nicht zum friedlichen Zusammenleben führen können.


Wegen der Blockade durch Israel, der sich aus politischen Gründen auch Ägypten angeschlossen hat, gibt es im Gazastreifen keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten. Gaza kann sich aufgrund dieser Situation auch nicht selbst versorgen und ist darauf angewiesen, dass der Gefängniswärter das Tor öffnet, damit die Grundversorgung gewährleistet ist. Nur die Grundversorgung und nicht mehr. Die Bevölkerung in Gaza ist enormen Belastungen ausgesetzt, sie ist gezwungen, unter Bedingungen zu leben, die unmenschlich sind und die keinerlei Perspektive bieten.


Wir leben einen Alltag voller mentaler, physischer und psychischer Belastungen und Bedrohungen. Im Freiluftgefängnis Gaza leben wir mit der Angst, dass der Krieg im Prinzip jeden Augenblick ausbrechen kann. Und wir können dann nicht fliehen, wie etwa die Menschen in Syrien. Wir sind den Bomben ausgeliefert. Es gibt keine Schutzzonen, keine Bunker. Trotz allem versuchen wir, uns ein Stück Normalität zu schaffen. Wir versuchen das >>>

US-Botschaft bleibt in Tel Aviv - Der Umzug nach Jerusalem fällt aus - Frust in Jerusalem, Freude in Ramallah: Donald Trump verlegt die US-Botschaft vorerst nicht aus Tel Aviv - anders als er zuvor ankündigte. Die hochsymbolische Entscheidung kommt für Israel zur Unzeit. - Von Dominik Peters - Sie haben alles versucht, um zu gefallen: Als Donald Trump vor eineinhalb Wochen auf seiner ersten Auslandsreise in den Nahen Osten kam, wollten Israelis wie Palästinenser dem US-Präsidenten schmeicheln. In Bethlehem hängte man große Plakate mit seinem Konterfei auf, darauf war der Satz zu lesen: "Die Stadt des Friedens heißt den Mann des Friedens willkommen." In Jerusalem zog man die kulinarische Karte, um zu beeindrucken.

Bei seinem Abendessen mit Israels Premier Benjamin Netanyahu bekam der Gast aus Washington neben Lachsfilet mit Miso-Karamell-Glasur auch ein Dessert: Pralinen in der Form von Schachfiguren, auf einem Teller drapiert, der beide Gesichter zeigte - das von Trump und das von Netanyahu.

Von Trumps Reise nach Jerusalem, vor allem von seiner dortigen Grundsatzrede blieb vor allem das hängen, was er nicht sagte: Er erwähnte die viel diskutierte mögliche Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem mit keinem Wort. Nun hat er sich entschieden: Der Umzug fällt vorerst aus, die Diplomaten bleiben, wo sie sind - am Strand der Mittelmeermetropole Tel Aviv. >>>

 



US-Botschaft wird vorerst nicht nach Jerusalem verlegt - Donald Trump will die Botschaft in Israel bis auf Weiteres in Tel Aviv belassen. Die Verlegung sei aber nicht vom Tisch, sondern nur verschoben.

Entgegen seiner Wahlkampfankündigungen will US-Präsident Donald Trump die Botschaft in Israel vorerst nicht nach Jerusalem verlegen. Trump hat eine Verfügung abgezeichnet, wonach die Botschaft bis auf Weiteres an ihrem bisherigen Sitz in Tel Aviv bleiben soll. Einer Pressemitteilung zufolge >>>

Die Besatzung der Palästinensergebiete durch Israel hat auch heute, 50 Jahre nach dem Krieg von 1967 maßgeblichen Einfluss auf das Leben aller Palästinenser*innen und Israelis. Wer israelische Politik und Gesellschaft oder die lokalen Kämpfe um eine bessere Welt verstehen möchte, kann einer Auseinandersetzung mit der Besatzung nicht aus dem Weg gehen. Aus diesem Grund haben wir ein Dossier mit einer Vielzahl von Artikeln, Grafiken, Bildern und Landkarten aufbereitet, das sich dem Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven nähert.

Ist die Besatzung eine temporäre Erscheinung? Welches Recht gilt in der Westbank? Ist Gaza noch besetzt? Mit welchem Geld bezahlt man in Bethlehem? Wer verwaltet die Besatzung? Wie gestaltete sich israelischer Widerstand gegen die Besatzung über fünf Jahrzehnte? Kann internationales Recht sein Versprechen halten, Menschenrechte zu garantieren? Was sind im Jahr 2017 die Perspektiven, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden? Wie spiegelt sich die Besatzung in der israelischen Kunst?

Wir laden Euch ein, dieses Dossier häufiger zu besuchen, da wir es als Work in Progress verstehen und Ihr folglich im Laufe des Sommers weitere Artikel finden werdet.

Dieses Dossier ist vom Tel Aviv-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellt und nimmt sich nicht vor, die Erfahrungen von Palästinenser*innen in den besetzten Gebieten widerzuspiegeln. Hierfür legen wir Euch die Webseite unserer Kolleg*innen in Ramallah ans Herz: www.rosaluxemburg.ps. >>>

Maulkorb für Israel-Kritiker - Elisa Rheinheimer-Chabbi aus: Publik-Forum 9/2017 vom 12.05.2017 In ganz Deutschland werden systematisch kritische Veranstaltungen zur israelischen Politik abgesagt. Vermieter werden unter Druck gesetzt, Räume nicht zur Verfügung zu stellen. Darüber wird kaum gesprochen: Dass sein Besuch in Israel so hohe Wellen schlagen würde, hätte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel wohl nicht erwartet. Weil er sich dort mit der Menschenrechtsorganisation Breaking the Silence traf, verweigerte Premierminister Netanjahu ihm ein geplantes Treffen. Gabriel blieb standhaft – ein Eklat war die Folge.

Derselben Organisation, die Gabriel besuchte, wurde im Juni 2015 in Köln eine Ausstellung untersagt. Als Begründung hieß es, man wolle keinen Antisemitismus schüren. Das bezeichneten viele Kommentatoren als »haarsträubend«, sollte es doch darum gehen, dass Israelis anhand von Fotos und Texten das Unrecht des Militärs dokumentieren. Denn Breaking the Silence besteht aus früheren israelischen Soldaten. Diese Absage ist kein Einzelfall. Freiburg, Göttingen, Mainz, Bremen, Nürnberg …, die Liste der Städte, in denen Veranstaltungen abgesagt oder behindert wurden, weil dort Kritik an der israelischen Politik geübt oder im Vorfeld vermutet wurde, ist lang. In Frankfurt am Main war für Juni eine Konferenz zum Thema »50 Jahre israelische Besatzung« geplant, >>>

 

Christoph Rinneberg hat eine Skandalliste erstellt >>>

DEMOKRATIE IN ISRAEL

Adalah: Israel Has No Legal Right To Offer Lands Tenders In The West Bank - Adalah - Adalah, the Legal Centre for Arab Minority Rights in Israel, sent a letter to senior Israeli officials on May 23, 2017 urging them to cancel open tenders offering Palestinian lands declared as state property in the West Bank because Israel has no legal authority in the 1967 occupied territories, the Palestinian Information Centre has reported. Lawyer Suhad Bishara, director of Adalah’s land and planning rights unit, wrote in the letter to Israel Land Authority (ILA) Director Shimron Adiel, Construction Minister Yoav Galant, Finance Minister Moshe Kahlon, and Attorney General Avichai Mandelblit that “the ILA does not have the legal authority to offer land tenders in the West Bank.”>>>

Israel practices aggressive boycott, divestment and sanctions – against Gaza - Jonathan Ofir - Nearly seven years have passed since the ICRC noted that “The whole of Gaza’s civilian population is being punished for acts for which they bear no responsibility”, that “the closure therefore constitutes a collective punishment imposed in clear violation of Israel’s obligations under international humanitarian law”, and that “the dire situation in Gaza cannot be resolved by providing humanitarian aid”.>>>

UN denounces Israeli occupation`s impact on Palestinian humanitarian situation - in its 2016 annual report released on Wednesday, the United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) denounced Israeli policies for remaining “the key driver of humanitarian need” in the occupied Palestinian territory (OPT). OCHA estimated that some 4.8 million Palestinians were affected by the occupation, two million of whom were “in need of humanitarian assistance and protection” and exposed to conflict, violence, forced displacement, and restricted access to essential infrastructure and services.“The prolonged occupation, with no end in sight, cultivates a sense of hopelessness and frustration that drives continued conflict and impacts both Palestinians and Israelis,” the report deplored, days ahead of the 50-year anniversary of the Israeli occupation of the West Bank and East Jerusalem. >>>

Trump risks repeating Obama`s Mideast mistakes - Akiva Eldar - President Donald Trump has placed the resolution of this conflict at the top of his agenda. He chose the Middle East as his first overseas trip and was quick to appoint a special envoy to the region. Trump has invested the presidential prestige before the entire world in a speculative startup stock, a stock that has for years been a source of bitter disappointment to anyone who touched it. Most importantly, Trump invested in it a huge chunk of his ego. He probably doesn’t believe a Jew (Prime Minister Benjamin Netanyahu), whose country is not even the size of New Jersey, and a Muslim (Palestinian President Mahmoud Abbas), who has no state at all, would dare say “no” to Donald Trump. After all, both promised him that they want peace. So, let them sit down together. Each will present his positions. One will compromise a bit, the other will budge slightly. Special envoy Jason Greenblatt will give a little push when necessary, and we have a deal. Piece (or “peace”) of cake.>>>

The man on the heels of Israel's settlement enterprise - Since 1967, the settlement has grown into Israel's greatest national project. Nearly a million Israeli citizens live beyond the Green Line, while their Palestinian neighbors live under military rule. A journey to the heart of the West Bank with Dror Etkes, the man who has dedicated the last two decades to monitoring the goings on in Israel's backyard. - Edo Konrad

“The story of the occupation is here for everyone to see,” Dror Etkes mutters, half smiling, as we stand on a hilltop in the West Bank settlement of Haresha. “The problem is very few people are willing to see it.”

The view from Haresha, one of several settlements that comprise the “Talmonim bloc” approximately 10 kilometers northwest of Ramallah, is spellbinding in both its beauty and scope. Looking west, the foreground is littered with rows of Jewish settlements dotting the arid hills. Beyond them is a row of Palestinian villages — Ras Karkar, Ein Ayub, and Deir Ammar — lined north to south. Even further yet another cluster of settlements hugs the Green Line, effectively cutting off any chance for Palestinian territorial contiguity here.

Talmonim is the logical conclusion of 50 years of military occupation. “This is the backyard Israeli society prefers not to talk about,” Etkes says sheepishly, as he gazes out over the sprawling settlement bloc from vista point. “If you think Talmonim will stop expanding, you’re a fool.”

Etkes, 48, is one of Israel’s foremost experts on Israel’s land management and settlement policies in the West Bank. For the better part of the last 15 years, he has tracked how the Israeli army seizes and expropriates land, how it declares private plots “state land,” and makes illicit back room land deals.

Etkes. ‘The settlements are not the result of a deep, inherent evil, rather of a mosaic of millions of tiny actions embedded in Israel’s foundation.’ (Edo Konrad)

I spent a day traversing the West Bank with Etkes in order to see, and not just hear or read, the story of how the Israeli settlement enterprise, and the occupation, became what they are today.

The story he tells is not a new one. It’s not difficult, driving through the West Bank, to notice the stark difference between Jewish settlements and the neighboring Palestinian towns and villages. And yet there is something about seeing Israel’s territorial expansion through Etkes’ eyes that puts the entire situation in a far clearer and starker light. >>>

Hebron – Die zerrissene Stadt
auslandsjournal – die doku: 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg

50 Jahre nach dem Sechstagekrieg beleuchtet eine "auslandsjournal"-Dokumentation das Leben in der größten palästinensischen Stadt im besetzten Westjordanland: Nicola Albrecht, Leiterin des ZDF-Studios in Tel Aviv, begleitet in "Hebron – die zerrissene Stadt" jüdische Siedler, Soldaten und Palästinenser. Diese blicken zurück auf die fünf Jahrzehnte seit dem Sechstagekrieg, der vom 5. bis 10. Juni 1967 stattfand. Ist der Konflikt immer noch der gleiche wie vor 50 Jahren? Haben sich nur die Methoden des Kampfes verändert?

Mittwoch, 7. Juni 2017, 0.45 Uhr



 

"Dieser Konflikt ist komplex und vielschichtig" - ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht im Interview - Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuletzt Ende April dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel "instinktloses Verhalten" bei dessen Besuch in Israel vorgeworfen und deswegen ein geplantes Treffen platzen lassen. Waren Sie überrascht oder mehren sich gerade die Anzeichen, dass Israels Rechtsregierung übersensibel auf Kontakte zu politischen Gegnern reagiert?

Ich war nicht überrascht. Bereits seit einigen Monaten fahren Netanjahu und seine Rechtsregierung einen extrem harten Kurs gegen bestimmte regierungskritische Organisationen. Netanyahu ist daran interessiert seine lange Amtszeit – seit 2009 ist er ohne Unterbrechung Ministerpräsident – weiter zu verlängern. Das Treffen mit Bundesaußenminister Gabriel platzen zu lassen, war sicher von Netanjahu wohl kalkuliert: Er setzte auf ein innenpolitisches Echo und nahm in Kauf, den "deutschen Freund" vor den Kopf zu stoßen – und das Echo hat ihm recht gegeben: Seine Koalitionspartner und die Mehrheit der Gesellschaft haben applaudiert. Denn Gabriel wollte sich mit Organisationen treffen, die Netanjahu als Feinde von innen ansieht. "Das sind Organisationen, die unsere Soldaten diffamieren, sie als Kriegsverbrecher vor Gericht stellen wollen", sagte Netanjahu wörtlich und ergänzte: "Unsere Soldaten sind die Basis unseres Daseins, sie schützen uns und wir schützen sie". Seine Regierung versucht diese angeblichen Feinde schon seit längerem mit sogenannten Transparenzgesetzen mundtot zu machen. Es sind Organisationen, die das Vorgehen der israelischen Armee in den besetzten Gebieten kritisieren und grundsätzlich für Frieden und gegen die Besatzung eintreten. Im Fall von "B’Tselem" und "Breaking the Silence" handelt es sich um Nichtregierungsorganisationen, die von jüdischen Israelis gegründet wurden, die keineswegs anti-israelisch sind oder ihr Land hassen. Im Gegenteil, es handelt sich um Menschen, die ein großes Interesse an einem jüdisch-demokratischen Staat haben, der in Frieden mit den palästinensischen Nachbarn existiert.

Immer wieder ist im Nahost-Konflikt der Vorwurf einseitiger Berichterstattung zu vernehmen – von beiden Seiten. Inwieweit beeinflusst das die journalistische Recherche? >>>

1. 6. 2017

Die absurde Apartheidsituation in Hebron mit den Augen einer Künstlerin gesehen
Die 14. Documenta in Athen (und Kassel) räumt den Fotografien der Palästinenserin Ahlam Shibli großen Raum ein


Arn Strohmeyer

Die 14. Documenta ist zwischen den beiden Städten Athen und Kassel aufgeteilt. Der aus Polen stammende Kurator Adam Szymczyk hat ganz bewusst eine sehr politische Ausstellung gestaltet, was auch gar nicht anders möglich ist in einer Stadt wie Athen – dem Ort der ultimativen Krise , in dem Schuldenlast, Arbeitslosigkeit, wachsende Armut, politische Instabilität und immer noch drohender EU-Austritt die Alltagsrealität sind. Szymzyk hat selbst als junger Mann in seiner Heimat die Demokratie- und Freiheitsbewegung miterlebt – Ereignisse, die auch sein Verständnis von Kunst stark beeinflusst haben: Sie ist für ihn die „Möglichkeit, Freiheit zu finden“.

In diesem Sinne ist die Documenta für ihn ein Instrument, um mit Hilfe der Kunst in einer sich durch Krieg, Finanzkrisen, Flüchtlingsdramen und Rechtsruck zuspitzenden Wirklichkeit Perspektiven aufzuzeigen. Szymczyk lockt der „Ausnahmezustand“, den er als Chance zum Aufbruch zu etwas ganz Neuem sieht. Ohne Kritik an den Zuständen einer Welt, die die Widersprüche des Kapitalismus erzeugt haben und weiter erzeugen, geht das aber nicht. Hier ist eben auch das kritische und aufklärerische Element der Kunst gefragt.


Bei einer solchen Sicht auf die Welt drängt sich eine künstlerische Stellungnahme zum Palästina-Konflikt geradezu auf: ein anachronistischer Siedlerkolonialismus unterdrückt seit Jahrzehnten ein ganzes indigenes Volk, um für sich selbst „Lebensraum“ zu schaffen, den er dem ursprünglich dort lebenden Volk verweigert. Der permanente „Ausnahmezustand“ ist hier gegeben und ebenso der Kampf um die Freiheit, der für die Palästinenser zunächst ein Kampf ums nackte Überleben ist, dann aber auch ein Kampf um die nationale Befreiung.

Fotos zum Vergrößern  anklicken.

Die Macher der Documenta haben diesem Thema breiten Raum gegeben – im wörtlichen Sinne, denn die palästinensische Fotografin Ahlam Shibli (Jahrgang 1970) hat im Athener „Museum für zeitgenössische Kunst“ (und hoffentlich auch in Kassel) einen ganzen Raum für die Präsentation ihrer Fotos von der Apartheidsituation in Hebron erhalten. Die Bilder geben die furchtbare, weil so abgrundtief inhumane Realität in dieser großen arabischen Stadt wider, die mit Unterstützung der israelischen Armee von wenigen hundert fanatischen jüdisch-religiösen Siedlern terrorisiert wird.

Ahlam Shiblis Fotos tun das auf eine sehr direkte und dennoch nicht platt vordergründige, eher zurückhaltende Weise. Sie schafft es, kritische Distanziertheit und emphathische Anteilnahme zugleich zu zeigen. Sie praktiziert einen Stil der „dokumentarischen Ästhetik“, bei dem sie ihr Hauptthema aber nie aus den Augen verliert: den Verlust, den ihr Volk durch den israelischen Siedlerkolonialismus erlitten hat – den Verlust des „zu-Hause-sein“ zu können. Und ihre Bilder schildern den Kampf gegen diesen Verlust, die Entwurzelung, Diskriminierung und die soziale Ausgrenzung. Es gelingt ihr, die Schrecken der Wirklichkeit in Hebron auf eine allgemeinere Ebene zu heben und so die Wirkung noch zu erhöhen. Genau dadurch werden ihre Fotos zu ganz eigenständigen Kunstwerken, die man natürlich nur als Ganzes sehen muss, denn sie sind nur im politischen Gesamtzusammenhang verständlich. Die Brutalität der israelischen Besatzung und das Elend der palästinensischen Bevölkerung sind in Hebron wie in einem Brennglas konzentriert.


In einem Documenta-Statement zu diesen Bildern heißt es: „Neben anderem protokollieren diese Fotos die Zeichen einer verwirrenden doppelten Umkehrung. Auf der einen Seite zeigen sie, wie die Siedler das Land der Palästinenser besetzen und sie so daran hindern, ihr Eigentum zu nutzen. Gleichzeitig schränken die Siedler die Bewegungsfreiheit der Palästinenser ein, schaffen so aber auch einen gefängnisartigen Raum für sie selbst. Auf der anderen Seite nutzen die Palästinenser die ‚hardware‘ der Abriegelung, die die Besetzung ihnen auferlegt – etwa Metallplatten, rasiermesserscharfer Stacheldraht, mit Zement gefüllte Fässer, Mauern und Zäune sowie Gitternetze usw. – , aber auch, um ihre eigenen öffentlichen Räume und ihre Häuser zu schützen, als ob die Besatzung es erfolgreich geschafft hätte, sich selbst zu besetzen.“


Ahlam Shiblis Fotos zeigen viele der Total-Absurditäten, die die israelischen Besatzung für die arabischen Menschen in dieser Stadt geschaffen hat und die so große Leiden für sie bedeuten: die Mauern und die Checkpoints, die die Palästinenser daran hindern, bestimmte >>>


Ahlam Shibli - documenta 14 >>>
Ahlam Shibli – Wikipedia >>>
Homepage von Ahlam Shibli >>>

 

 

 

 

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