Freitag, 27. Oktober 201720:16   -    HELFEN     BDS     facebook    LINKS     ARCHIV    THEMEN

 


Israel lässt sich von US-Anwaltskanzlei im Kampf gegen BDS-Aktivisten in Europa und Nordamerika helfen - Chaim Levinson und Barak Ravid - 25.10.2017 - Die Regierung lässt sich nach Dokumenten, die Ha'aretz bekommen hat, heimlich von einer US-amerikanischen Anwaltskanzlei im Kampf gegen BDS (Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen) in Europa, Nordamerika und andernorts helfen.

Die Regierung hat die Kanzlei Sidley Austin beauftragt rechtliche Möglichkeiten vorzubereiten und Gerichtsverfahren abwickeln. Das Justizministerium und das Ministerium für Strategische Angelegenheiten haben es abgelehnt, die Natur dieser Aktivitäten offen zu legen, für die der Staat im Lauf der letzten zwei Jahre hunderttausende Dollar gezahlt hat. Die Ministerien bezeichnen die Aktivitäten als "diplomatisch extrem sensibel".


Vor etwa zwei Jahren verpflichtete das Sicherheitskabinett das Ministerium für Strategische Angelegenheiten für die Koordinierung des Kampfes gegen "Delegitimierung" und bestimmte größere Mittel für diese Bemühungen. Das Ministerium für Strategische Angelegenheiten überweist einen Teil des Geldes an das Außenministerium in verschiedenen Plätzen weltweit, und einen anderen an jüdische Organisationen im Ausland für Öffentlichkeitsarbeit an Campussen und anderen Orten.


Aber auch das Ministerium für Strategische Angelegenheiten operiert in dieser Sache auf eine Weise, die es nicht öffentlich bekannt gemacht hat. In der Vergangenheit hat der Generaldirektor des Ministeriums, Sima Vaknin, der Knesset mitgeteilt, dass es damit befasst sei "geheimdienstliche Informationen zusammenzutragen und anzugreifen" (gathering intelligence and attacking).


Im Lauf des letzten Jahres hat Anwalt Eitay Mack Regierungsministerien gebeten, im Namen von Menschenrechtsaktivisten Informationen über alle mit ausländischen, an anti-BDS-Aktivitäten beteiligten Organisationen unterzeichneten Vereinbarungen anzunehmen. Das Außenministerium sagte, es hätte noch keine solchen vertraglichen Verpflichtungen, aber das Justizministerium stellte zensierte Dokumente zur Verfügung.


Die Dokumente zeigen, dass die Abteilung für Sonderaufgaben im Büro des Staatsanwalts, die – in Zusammenarbeit mit dem Minsterium für Strategische Angelegenheiten - für Angelegenheiten der nationalen Sicherheit zuständig ist, Anfang 2013 öffentliche Ausschreibungen für internationale Anwaltskanzleien gemacht hatte. Und zwar für "Vorbereitung von Dokumenten und rechtlichen Möglichkeiten sowie die Abwicklung von Gerichtsverfahren (Rechtsstreitigkeiten oder Prozessvertretung), soweit es für die Bekämpfung des BDS-Phänomens erforderlich ist, insbesondere hinsichtlich Aufrufen und Initiativen zur Verhängung von  Boykott und Sanktionen gegen israelische Unternehmen und Betriebe sowie gegen ausländische Unternehmen, die in Israel geschäftlich tätig sind".


Die detaillierte Beschreibung der Dienstleistungen war aus dem Dokument gestrichen (zensiert) worden. Das Justizministerium sagte, die Details würden noch überarbeitet, da ihre Veröffentlichung "den Auslandsbeziehungen des Landes schaden und der Fähigkeit dieser Institutionen, die erbetenen Dienstleistungen zu erbringen, beeinträchtigen könnte". >>>

 

 

 

 

 


 

Gasteig verbannt erneut Israel-Kritiker – Grüne warnen vor Gefährdung der Meinungsfreiheit - Donnerstag, 26. Oktober 2017 - P R E S S E M I T T E I L U N G - Fraktionschef Dr. Florian Roth hat vor einer schleichenden Aushöhlung der Meinungsfreiheit in städtischen Institutionen gewarnt. Hintergrund ist das erneute Vorgehen der Gasteig-Geschäftsführung gegen eine Veranstaltung mit Kritikern der israelischen Regierungspolitik, die wegen ihres Eintretens für die Kampagne BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) aus den Räumen des Gasteigs verbannt werden sollen.

Bereits Ende September war der Gasteig vor dem Landgericht München damit gescheitert, eine Vermietungszusage für einen Vortrag von Judith Bernstein von der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe aus formalen Gründen nachträglich zurückzuziehen. Diesmal zielt die Ablehnung einer Raumvermietung direkt auf das politische Engagement von Judith Bernstein: Ihr soll, gemeinsam mit ihrem Mann Reiner, der Preis „Aufrechter Gang“ der Humanistischen Union verliehen werden – Laudator soll Tilman Spengler sein. Die Humanistische Union ist eine angesehene linksliberale, maßgeblich von Intellektuellen getragene Bürgerrechtsorganisation, in deren Beirat etwa Klaus Hahnzog, Hartmut von Hentig, Burkhard Hirsch, Claudia Roth und Klaus Staeck vertreten sind.


Die Gasteig-Geschäftsführung hat eine Raumvermietung nun mit dem Hinweis abgelehnt, für den Gasteig kämen „Veranstaltungen von oder mit Personen, aus dem Umfeld der BDS-Kampagne entsprechend unserer Mietbedingungen nicht in Frage“ und bezieht sich dabei auf einen von CSU und SPD gestellten Antrag zu diesem Thema.


Dr. Florian Roth: „Es kann nicht angehen, dass städtische Gesellschaften bestimmte Meinungen und Personen nur auf Grund von Stadtratsanträgen aus ihren Räumen verbannen – auch wenn diese Anträge von den Mehrheitsfraktionen stammen. Ein solcher vorauseilender Gehorsam ist geeignet, die politische Kultur ernsthaft zu gefährden – denn wozu noch Stadtratssitzungen abhalten, wenn der Wille der Großen Koalition ohnehin für verbindlich gehalten wird?“ >>>



 

Pressemitteilung - der HUMANISTISCHE UNION e.V. - Die Bürgerrechtsorganisation vereinigt mit der Gustav Heinemann-Initiative Regionalverband München-Südbayern - München, 25.10.17 - ++++++ Preisverleihung ++++++ „Aufrechter Gang" für Judith und Reiner Bernstein - Für ihren Einsatz zur Verlegung von Stolpersteinen in München sowie ihren unermüdlichen Beitrag zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern erhalten Judith und Reiner Bernstein den Preis „Aufrechter Gang" der Humanistischen Union München-Südbayern (HU).

Judith Bernstein ist in Jerusalem geboren als Tochter deutscher Juden, die nach Palästina auswandern mussten. Dr. Reiner Bernstein ist Historiker und Publizist; er hat sich in vielen Schriften mit der Situation im Nahen Osten auseinandergesetzt.

Im Vorstand der „Initiative Stolpersteine für München“ haben beide jahrelang gemeinsam für die Verlegung der Stolpersteine auf öffentlichem Grund gekämpft. Immer wieder wurde ihre Arbeit vom Münchner Stadtrat behindert und die Verlegung auf öffentlichem Grund verboten, obwohl bereits in fast 1200 deutschen Kommunen Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der Nazidiktatur verlegt wurden. In zahlreichen Veranstaltungen zur friedlichen Regelung des Nahostkonflikts haben Judith und Reiner Bernstein sich engagiert. Sie treten für die politische Koexistenz beider Völker ein und setzen dafür ihre Kontakte zu israelischen und palästinensischen Friedensgruppen ein. Auch in der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe sollen Brücken des Verständnisses und der Zusammenarbeit gebaut werden.

Weil im Münchner Rathaus CSU und SPD die Kritik an der Siedlungspolitik der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichsetzen, sollen keine kommunalen Räume für ihre Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden. Dieser absurde Vorwurf trifft jetzt auch die Humanistische Union, d.h. der HU wird die Nutzung kommunaler Räume für die Preisverleihung verwehrt.

Vor dem Hintergrund, dass die HU in ihrer Arbeit besonders ihrem Mitgründer Fritz Bauer verpflichtet ist, der durch sein Engagement u.a. den Frankfurter Auschwitz Prozess maßgeblich vorangetrieben hat, erscheint das Verbot, städtische Räume zu nutzen, geradezu skandalös! Trotz dieser Widrigkeiten wird die Humanistische Union Judith und Reiner Bernstein mit ihrem Preis „Aufrechter Gang" für ihr Engagement und ihren Widerstand gegen den öffentlichen Machtanspruch sowie für ihren Kampf für die Meinungsfreiheit im Geiste des Grundgesetzes auszeichnen. Die Preisverleihung wird Anfang 2018 stattfinden. Die Laudatio hält der Autor Dr. Tilman Spengler.

Mit diesem Preis würdigt die Humanistische Union seit 30 Jahren Frauen und Männer, die sich in Bayern für Bürgerrechte und Demokratie einsetzen und mit dieser Haltung zur demokratischen und politischen Kultur beitragen.

Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Killinger, Vorstandsmitglied - suedbayern@humanistische-union.de

LINK zu dem Preis "Aufrechter Gang"

 


 

 

»Zur Zeit der Verleumder«
Eine ideologiekritische Intervention gegen die Instrumentalisierung von Juden, Judentum und der jüdischen Katastrophe

 

Pressemitteilung - Konferenz am 10. Februar 2018 in Berlin - Mit dem israelischen Historiker Moshe Zuckermann, dem Schauspieler Rolf Becker, der Musikerin Esther Bejarano, dem britisch-israelischen Autor Moshé Machover, der britisch-jamaikanischen Bürgerrechtsaktivistin Jackie Walker u.a.

»Zur Zeit der Verleumder« - Eine ideologiekritische Intervention gegen die Instrumentalisierung von Juden, Judentum und der jüdischen Katastrophe

Der Rechtstrend in der westlichen Welt hat bizarre Erscheinungsformen. Linke werden als »Nazis«, jüdische Antifaschisten als »Verräter« diffamiert. Bereits Anfang der 1980er-Jahre klagte der Dichter Erich Fried die Stigmatisierung jüdischer Linker als »rote Antisemiten« an. Seine von den ersten Verwerfungen des neoliberal radikalisierten Kapitalismus geprägte Gegenwart beschrieb er als »Zeit der Verleumder«. Was damals mit wütenden Polemiken begann, ist heute zu einem Komplex aus Rufmordkampagnen und Sanktionen ausgewachsen, die aus den etablierten Parteien und AfD, von neokonservativen »Antideutschen«, »Antinationalen« und christlichen Fundamentalisten initiiert und von den hegemonialen Medien propagiert werden.

Kritische Juden sind wüstesten Attacken ausgesetzt: Drohungen, vereinzelt sogar Tätlichkeiten, meist aber Beschimpfungen und Herabwürdigungen, wie »Alibi-Jude« und »selbsthassender Jude«, sogar Holocaust-Überlebender und deren Nachkommen, gehören mittlerweile zum politischen Alltag. Die im September von der Deutschen Bundesregierung angenommene groteske Antisemitismus-Definition, mit der so gut wie jede Kritik an Israel, sogar an »nicht-jüdischen Einzelpersonen und/oder deren Eigentum« als Erscheinungsformen von Judenhass gebrandmarkt werden sollen, zielt auf eine Kriminalisierung jüdischer Marxisten und anderer kapitalismuskritischer Linker. Die jüngst von deutschen Bürgermeistern und ihren Magistraten auf den Weg gebrachte Verordnung des Entzugs öffentlicher Veranstaltungsräume, durch den offensichtlich ein Redeverbot für jüdische Linke im Täterland exekutiert werden soll, wird den ohnehin in der Berliner Republik fortschreitenden Prozess der Entdemokratisierung und Einschränkung der Meinungsfreiheit beschleunigen.  

Das Projekt Kritische Aufklärung möchte diese Besorgnis erregenden Entwicklungen auf einer ideologiekritischen Konferenz in Berlin mit Vorträgen und anderen Beiträgen von deutschen und internationalen Wissenschaftlern, Künstlern, Journalisten und Aktivisten analysieren, aufarbeiten und Gegenstrategien diskutieren. 

Auf Wunsch vermitteln wir Interviews mit den Referenten und Rednern der Konferenz. - Berlin, 26. Oktober 2017

Projekt Kritische Aufklärung - ist ein Zusammenschluss für ideologiekritische Interventionen gegen rechte Tendenzen in Deutschland. Er wurde im Juli 2017 von deutschen und israelischen Marxisten – u.a. Journalisten, Künstler, Wissenschaftler, die meisten sind politische Aktivisten – gegründet, die besonders besorgt sind über antiemanzipative Bestrebungen, den fortschreitenden Verrat an kritischer Aufklärung und Verfall der politischen Kultur innerhalb linker Bewegungen, Parteien und Medien. Nähere Informationen >>>          Kontakt: pka@projektkritischeaufklaerung.de

 

 

 

 

 

Gideon Levy benennt Israels fundamentale, rassistische Religion: Zionismus - Jonathan Ofir  -  2. September 2017 - Gideon Levy hat gestern in Haaretz eine Kolumne veröffentlicht, die am weitesten geht, was ich in israelischen Mainstream-Medien gesehen habe, als ich den Zionismus herausforderte. Er nennt es eine Bewegung, die "im Widerspruch zu den Menschenrechten steht und damit tatsächlich eine ultranationalistische, kolonialistische und vielleicht sogar rassistische Bewegung ist, wie sie von Befürwortern der Gerechtigkeit weltweit behauptet wird".

Sein Text mit dem Titel "Minster of Truth" war ein typisch sarkastisches Stück vor dem Hintergrund von Justizministerin Ayelet Shaked, die Anfang der Woche gesagt hatte:
„Der Zionismus sollte sich nicht - und ich sage hier, er wird es auch nicht - weiterhin einem universell ausgelegten System individueller Rechte beugen ".


Levy nimmt Shaked's Worte auf und erläutert die Botschaft weiter:

So glaubt Shaked, wie so viele Menschen auf der ganzen Welt, dass Israel auf den Fundamenten der Ungerechtigkeit aufgebaut ist und deshalb vor dem feindlichen Gerede von Gerechtigkeit geschützt werden muss. Wie sonst lässt sich die Abstoßung von Diskussionsrechten erklären? Individuelle Rechte seien wichtig, aber nicht, wenn sie losgelöst von den zionistischen Herausforderungen "seien, sondern wieder richtig: Die zionistischen Herausforderungen stehen in der Tat im Widerspruch zu den Menschenrechten.


Und Levy ist sehr klar, was es heißt, sich dagegen zu stellen:

Der Zionismus ist die fundamentalistische Religion Israels, und wie in jeder Religion ist seine Leugnung verboten. In Israel sind' nicht-zionistisch' oder' antizionistisch' keine Beleidigungen, sondern soziale Ausweisungsbefehle. Es gibt nichts Vergleichbares in einer freien Gesellschaft. Aber nun, da Shaked den Zionismus entlarvt hat, ihre Hand auf die Flamme gelegt hat und die Wahrheit zugegeben hat, können wir endlich freier über den Zionismus nachdenken. Wir können zugeben, dass das Recht der Juden auf einen Staat dem Recht der Palästinenser auf ihr Land widersprach und dass der rechtschaffene Zionismus ein schreckliches nationales Unrecht hervorgebracht hat, das nie berichtigt worden ist; dass es Wege gibt, diesen Widerspruch zu lösen und zu büßen, aber die zionistischen Israelis werden ihnen nicht zustimmen ".


Hintergrund ist, dass Shaked auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom vergangenen Montag reagiert hat, in der er sich gegen die unbefristete Inhaftierung afrikanischer Asylsuchender ausgesprochen hat, die sich weigern, in >>>

Eine automatische Übersetzung mit DeepL – ein wenig überarbeitet.
 

 

 

 

17.-19.11. Art Violence – Udi Aloni Filmretrospektive – arabisches Rap Konzert mit Tamer Nafar & Rasha Nahas zur Eröffnung - Hoffnung durch gelebte, jüdisch-palästinensische Zusammenarbeit verschiedener Generationen sowie sein Einsatz für den Binationalismus und einen gemeinsamen, jüdisch-arabischen Staat treiben den israelisch-amerikanischen Regisseur und Künstler Udi Aloni (*1959 in Tel Aviv) zu seinen Filmen an. Vom 17. bis 19. November stellt er erstmals komplett alle seine Filme aus 20 Jahren, seine kulturellen Visionen und künstlerischen Mitstreiter im Babylon in der „Udi Aloni Filmretrospektive – Art Violence“, in Gesprächen und einer Lecture vor. Zur Eröffnung am 17. November um 20 Uhr ist seine jüngste Produktion „Junction 48“ zu sehen. Im Anschluss gibt es ein Live-Konzert mit dem arabischen Rap-Star und „Junction 48“-Hauptdarsteller Tamer Nafar (*1979 in Lod) und mit Rasha Nahas (*1996 in Haifa). Mit ihrem poetischen, experimentellen Rock gilt Nahas als junger, aufstrebender Star der palästinensischen Musik-Undergroundszene. Aloni unterstützt Nahas als Mentor und lässt sie als Artist in Residence aktuell in Berlin leben. Beide palästinensischen Musiker treten erstmals gemeinsam in einem Konzert auf und werden begleitet von Samar Qupty (*1989 in Nazareth), der Hauptdarstellerin von „Junction 48“.

Udi Aloni ist streitbarer, kontrovers diskutierter Visionär, für viele ein Enfant terrible, Freund von Philosophen wie Slavoj Žižek, Judith Butler, Alain Badiou sowie Sohn von Shulamit Aloni (1928-2014), der bekannten israelischen Menschenrechtsaktivistin und Erziehungsministerin in der Regierung von Yitzhak Rabin. Seine Arbeiten verbinden Kunst, Musik, Philosophie und politisches Engagement. Zeitweilig hat Aloni in Berlin gelebt. Seit 2003 hat er seine Filme auf der Berlinale in der Panorama-Sektion vorgestellt, insgesamt inzwischen fünf abendfüllende Produktionen und einen Kurzfilm. Wieland Speck unterstützt deshalb die Babylon Retrospektive. Auch das Babylon in der Rosa-Luxemburg-Straße ist für Aloni von symbolischer Bedeutung: Rosa Luxemburg hat maßgeblich die politische Sichtweise seines polnischen Großvaters David Adler (1905-1980) geprägt. Seine Mutter Shulamit Aloni hat die neue hebräische Ausgabe von Luxemburgs „Briefe aus dem Gefängnis“ mit einem Vorwort versehen.

Udi Aloni: “As a paraphrase of Joseph Beuys‘ work: I love Berlin. Berlin loves me. Five of my films were opened at the Berlinale and achieved amazing awards here. The pre-war German philosophy was a big influence on my theological, political thinking. We could say ‘Local Angel’ is travelling with Walter Benjamin and ‘Forgiveness’ is like dancing with Franz Rosenzweig.”

Im Zentrum des arabischen Hip Hop Films „Junction 48“ (2016), u.a. mit dem Berlinale Panorama Publikumspreis ausgezeichnet, steht eine junge, palästinensische Generation, verkörpert durch den Hip Hopper Kareem (Tamer Nafar) und seine Freundin und Gesangspartnerin Manar (Samar Qupty). Sie leben als palästinensische Minderheit im israelischen Lod, arabisch Lyd, heute ein Vorort von Tel Aviv. 1948 wurden zehntausende Palästinenser gewaltsam aus Lod vertrieben, um israelischen Siedlern Platz zu machen. Kareem und seine Freunde erleben nicht nur Diskriminierung und Willkür durch die Polizei. Sie wollen sich auch von ihrer Elterngeneration emanzipieren, insbesondere von der patriarchalischen Einengung, die Frauen kaum Spielraum lässt.

Musik ist ein wichtiger Bestandteil in Udi Alonis Filmen. 2001 lernte er Tamer Nafar und dessen Band D.A.M. kennen und hat inzwischen in fünf Filmen mit Nafar zusammengearbeitet. Nafar gilt als einer der ersten, arabischsprachigen Hip Hopper. „Junction 48“ erzählt im wesentlichen seine Geschichte. Zum anderen zeigt der Film aber auch die Bedeutung junger, palästinensischer Frauen. So beginnt Aloni mit einer Nahaufnahme von Tamer Nafar und endet mit einem Close Up auf Samar Qupty.

Tamar Nafar: “We as Palestinians must fight the Israeli Apartheid and the Gender Apartheid. My dream is to march hand in hand, a woman holding a man’s hand against any separation wall. It is not reasonable to walk separately and ask for unity at the same time! … Freedom for all or freedom for none!” (2016, offener Brief an den Popsänger Mohammed Assaf)

Alonis erster Spielfilm “Forgiveness” (2005) weist wie “Junction 48” auf die gewaltsame, jüdisch-palästinensische Geschichte hin: Der junge David Adler weiß nicht, wohin er gehört. Sein Vater entkam Auschwitz und lebt nun in den USA. Als Davids Mutter jung verstarb, schickte er den Sohn nach Israel, holte ihn aber bald wieder zurück. David fühlt sich wie ein “fucking Yo-yo”, träumt auf Englisch, stottert in Hebräisch. Nun kehrt er nach Israel zurück, leistet dort seinen Militärdienst und findet sich nach einem Vorfall im psychiatrischen Krankenhaus von Deir Yassin wieder. 1948 tötete dort eine jüdische Miliz über 100 arabische Dorfbewohner. Kurz danach wurde das Krankenhaus auf den Ruinen erbaut. Die ersten Patienten waren Holocaustüberlebende.

Als Rückkehrer, der mit neuen Augen auf seine alte Heimat blickt, agiert Aloni selbst in zwei seiner dokumentarischen Werke: In „Left“ (1996), ursprünglich Teil des Ausstellungsprojektes „Re-U-Man“ im Metropolitan Museum of Art in New York, hält er den israelischen Wahlkampf fest, aus dem erstmals der Hardliner Benjamin Netanjahu siegreich als Ministerpräsident hervorgeht. Aloni spricht mit den arabischen Bürgern Israels, interviewt den arabisch-israelischen Politiker Azmi Bishara (*1956), der an der Humboldt-Universität in Berlin studierte, 1996 Knesset-Abgeordneter wurde und 2007 Israel verließ.

In „Local Angel“ (2002), inspiriert von Walter Benjamins „Angelus Novus“ und „Engel der Geschichte“, versucht Udi Aloni den theologisch-politischen Hintergrund zu begreifen, vor dem seine Mutter Shulamit Aloni als Friedensaktivistin und Gründerin des Israeli Civil Rights Movement agiert. Durch Vermittlung der Freundin von Shulamit Aloni, der palästinensische Menschenrechtsanwältin Hanan Aschrawi (*1946), Tochter einer der PLO-Gründer, trifft er Yassir Arafat. Inspiration sieht Aloni in der jungen Generation. Erstmals tritt Tamer Nafar in einem seiner Filme auf.

Einen starken Mitstreiter für die Vision des jüdisch-palästinensischen Zusammenlebens fand Udi Aloni in dem Regisseur, Schauspieler und Gründer des Freedom Theatres in Jenin, Juliano Mer-Khamis (1958-2011). Mer-Khamis war palästinensischer Jude und befand sich mit seiner emanzipatorischen Theaterarbeit für Flüchtlinge zwischen allen Stühlen. Aloni war für das Cinema Department des Theaters zuständig. Nach dem schockierenden Mord an dem Freund drehte Aloni zusammen mit den zwei Freedom-Schauspielerinnen Batoul Taleb und Mariam Abu Khaled (*1991 in Nazareth) ein berührendes, filmisches Denkmal mit „Art/Violence“ (2013), ausgezeichnet auf der Berlinale mit dem Cinema Fairbindet Preis. Die Schauspielerin Maryam Abu Khaled arbeitet aktuell im Exil Ensemble am Maxim Gorki Theater, u.a. in dem als Stück des Jahres 2016 ausgezeichneten „The Situation“. Abu Khaled wird am 18. November zu einem Gespräch mit Udi Aloni zu „Art/Violence“ zu Gast sein.

Wie ein Solitär wirkt der Dokumentarfilm „Kashmir: Journey to Freedom“ (2008) nur auf den ersten Blick. Tatsächlich bleibt sich Aloni in seinem Bestreben, als Jude solidarisch mit friedvollen Muslimen zu sein, treu. Zusammen mit dem aus den USA zurückgekehrten Kashmiri-Amerikaner Usmaan Raheem Ahmad blickt er auf die konfliktreiche Kaschmir-Region und die Jammu Kashmir Liberation Front. Yasin Malik (*1966), Anführer der JKLF und früherer Soldat, begibt sich auf einen gewaltlosen Friedensmarsch durch die Region. In Malik Sajad, einem 19-jährigen Cartoonisten, findet Aloni einen beeindruckenden Vertreter der jungen Generation. Auch mit diesem Film machte sich Aloni Gegner: Indien verbot ihm die Einreise.
 

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