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Friedlicher, Gewaltloser Widerstand in Palästina - Seite 5

 

Friedlicher Widerstand in der Westbank, Beit Ommar, Januar/Februar 2011

 

Weltweite Solidaritätsaktionen fordern Gerechtigkeit für Yousef Ikhlayl  - Ende Januar 2012 organisierte das Bürgerkomitee Beit Ommar zusammen mit dem Palestine Solidarity Project [PSP] einen Tag der internationalen Solidarität für Yousef Ikhlayl. Aktivisten in den USA, England, Frankreich und Mexiko folgten dem Aufruf, verteilten Plakate und Flugblätter und informierten die Öffentlichkeit über ein Opfer der israelischen Besatzung, stellvertretend für alle Opfer der Menschenrechtsverletzungen in den besetzten palästinensischen Gebieten. In Beit Ommar versammelten sich zahlreiche Aktivisten am 31. Januar zu einer Demonstration und forderten ein Ende der Straffreiheit für gewalttätige Siedler. Bei der Demonstration wurden vier Menschen von israelischen Soldaten mit Holzknüppeln geschlagen und verletzt. Vor einem Jahr wurde Yousef Ikhlayl aus Beit Ommar von israelischen Siedlern erschossen. Bis heute blockiert Israel die Suche nach den Tätern und die gerichtliche Verfolgung.1)

Am 28. Januar 2011 ging Fakhri Ikhlayl zusammen mit seinem Sohn Yousef um halb sieben zur Feldarbeit auf das Land der Familie in einem Tal nicht weit von Beit Ommar. Auf den Hügeln um das Westbankdorf wurden seit den 70er Jahren fünf israelische Siedlungskolonien erbaut. Beit Ommar organisiert wöchentliche Demonstrationen gegen die israelische Besetzung und Siedlunspolitik und gegen die fortgesetzten Angriffe der Siedler auf die örtliche palästinensische Bevölkerung.

Eine halbe Stunde später verliessen zwei grosse Gruppen israelischer Siedler die naheliegenden Kolonien Bat Ayn und Kiryat Arba, um eine Tour auf palästinensischem Privatland zu unternehmen.

Für den siebzehnjährigen Yousef und seinen Vater gab es keine Vorwarnung, dass die bewaffneten Mitglieder der Gruppe schiessen würden. Fakhri berichtete, dass der erste  Schuss seinen Sohn am Kopf traf. Die Siedler feuerten weitere Runden scharfer Munition in die Luf, um herbeieilende Dorfbewohner fernzuhalten, während sein Vater verzweifelt um Hilfe rief.

Yousef wurde zu einem Wagen getragen, der ihn aus dem Tal zur Hauptstrasse transportierte. Ein Krankenwagen fuhr den Schwerverletzten nach Hebron, eine Transportroute, auf der Palästinenser zwei Armeecheckpunkte passieren müssen . Yousef war bereits Gehirntod, als er  an eine Beatmungsmaschine angeschlossen wurde. Er starb wenig später.

Sein Begräbnis am nächsten Tag wurde, wie es routinemässig bei der Beerdigung von Märtyrern, d.h. Opfern der militärischen Besatzung geschieht, von der israelischen Besatzungsarmee angegriffen. Hunderte von Soldaten drangen in Beit Ommar ein und griffen die Trauernden mit Tränengas, gummi-ummantelten Stahlkugeln und scharfer Munition an. Vierzig Menschen wurden verletzt.

Die Tötung von Yousef war ein grosser Schock für die Mitglieder der PSP und des Widerstandes der Bevölkerung im Hebrondistrikt. 2006 initiierte das PSP Programme im Gebiet um Beit Ommar, vor allem in der Umgebung von Bat Ayn, um Bauern bei der Feldarbeit vor der extremen Gewalt und den Aggression von Siedlern zu schützen.

Yousef nahm regelmässig an den Aktionen des PSP teil, den Demonstrationen, Sommerkamps, dem Englischunterricht und einem Fotografiekurs. Er hatte die Siedlergewalt gegenüber den örtlichen Bauern oft erlebt und begleitete die Bauern zusammen mit Aktivisten des PSP zur Feldarbeit. Das Begleitunsgprogramm des PSP war sehr erfolgreich, die Anwesenheit von Aktivisten, Palästinensern, Israelis und Internationalen hielt die Siedler auf Distanz, auch wenn es zu zahlreichen Verhaftungen der Aktivisten führte.

Nach dem tödlischen Schuss auf Yousef  blieben die Siedler zwei Stunden in der Gegend, beschossen Einwohner und die Jugendlichen, die sich versmmelten und Steine warfen. Erst nach zwei Stunden gelang es der israelischen Besatzungsarmee, die Siedler zur Rückkehr in die Siedlungen zu bewegen. 20 Siedler wurden vor Ort festgenommen, ein sehr ungewöhnliches Vorgehen der Armee, vielleicht aufgrund der Anwesenheit von internationalen und israelischen Aktivisten. Sie wurden am gleichen Tag wieder freigelassen.

In diesen zwei Stunden kamen PSP Aktivisten an und fotografierten die Siedler. Zusammen mit Yousefs Vater gingen diese Aktivisten zur israelischen Polizeistation in der israelischen Siedlungskolonie Kfar Etzion, einer Nachbarsiedlung von Bat Ayn und erstatteten Anzeige. Fakhri legte die Fotos vor und identifizierte einige der Mitglieder der Gruppe, die ihnen am nächsten standen, als Yousef erschossen wurde. Familie und Freunde weisen daraufhin, dass man angesichts der Schwere des Verbrechens und der Menge des Beweismaterials eine gründliche Untersuchung und zügige gerichtliche Verfolgung erwarten könne. In Fällen von Siedlergewalt gegen Palästinenser in der Westbank geschieht das nicht.

Im Dezember 2011 legte Yesh Din, eine israelische Menschenrechstorganisation, neue Statistiken zur gerichtlichen Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen durch israelische Zivilisten und Soldaten in der Westbank vor. Yesh Din überprüfte 700 Fälle, in denen Palästinenser bei der israelischen Polizei in der Westbank Anzeige erstatteten: In 91% der Fälle wurde die Untersuchung ohne eine offizielle Anklageerhebung geschlossen, obwohl 85% der Fälle Gewalttaten gegen Palästinenser betrafen. Die meisten Fällen wurde geschlossen, weil der Täter nicht ermittelt werden konnte. In 2% der Fälle aus Mangel an „öffentlichem Interesse“. Nur 7,4 % aller Fälle von Siedlergewalt gegen Palästinensern zwischen  2005 und 2011  endeten mit einer Verfahrenseröffnung. In Fällen von Gewalt durch israelische Armeemitglieder gegen Palästinenser kamen nur 3,5% vor ein Militärgericht. Yesh Dins Bericht zeigt  das häufige Versagen des Systems im Verlauf des gesamten Prozesses, von der anfänglichen Anklage zur polizeilichen Ermittlung und dem Beginn des Verfahrens. In Yousef Ikhlays Fall berichtete Yesh Din, dass es eine Untersuchung gab (Möglicherweise bestand diese lediglich aus dem Gespräch mit Yousefs Vater). Bis heute liegt der Fall bei der israelischen Staatsanwaltschaft. Eine entgültige Entscheidung über eine offizielle Anklageerhebung wird blockiert, weil immernoch kein Anwalt für den Fall ernannt wurde.

Beit Ommar und das PSP riefen zu einem internationalen Tag der Solidarität auf, um Israels Straffreiheit zu beenden und um die Welt daran zu erinnern, dass hinter den Statistiken und Polizeiberichten echte lebende Menschen sind. Die Aktivisten fordern, dass Israel für seine kriminellen Akte zur Verantwortung gezogen wird, nicht nur  durch die BDS-Kampagne und die Solidaritätsarbeit in Palästina, sondern auch durch die Offenlegung der Menschlichkeit der Opfer dieser Verbrechen.

Im Januar 2011 waren israelische Siedler für weitere Gewalttaten gegen Palästinenser verantwortlich: Am 27. Januar 2011 erschossen Siedler im Nablusdistrikt einen Dorfbewohner aus Iraq Burin, Uday Maher Qadous. Am nächsten Tag wurde Murad Halil neben Yousef ein weiteres Opfer der aggressiven Siedlergruppe aus Bat Ayn. Siedler beschossen eine Gruppe von Steine werfenden Jugendlichen mit scharfer Munition und eine Kugel traf ihn am Arm und verursachte einen Knochenbruch. Zwei Wochen später wurde Murad Halil zur Polizeistation bestellt und wegen Steine werfens verhaftet. Obwohl sein rechter Arm eingegippst war, entschied ein Militärrichter, dass er bis zur Verfahrenseröffnung inhaftiert bleibe, weil er ein Sicherheitsrisiko darstelle.2)  

1) http://palestinesolidarityproject.org/2012/02/01/global-actions-remember-yousef-ikhlayl/

http://palestinesolidarityproject.org/2012/01/31/four-injured-as-beit-ommar-marks-anniversary-of-yousef-ikhlayls-murder/

Bekah Wolf, Demanding  justice for Yousef, a quiet boy killed by Israeli settlers, 27. Januar 2012, The Electronic Intifada

2) http://www.haaretz.com/print-edition/news/palestinian-hit-by-gunfire-sent-to-idf-jail-despite-injury-1.345109  

http://palsolidarity.org/2011/01/16513/

 

 

 

Demonstranten in Beit Ummat pflanzen 700 Olivenbäume - Am 4. Januar 2012 pflanzten die Demonstranten in Beit Ommar 700 Olivenbaumsetzlinge auf den Feldern in der Nähe der Siedlung Karmei Tsur. Eine Gruppe von palästinensischen und internationalen Marathonläufern beteiligte sich an der wöchentlichen Demonstration gegen Israels Besatzung und Siedlunspolitik. Sie nahmen an einem fünftägigen Marathonlauf von Hebron nach Jenin teil, das von Fair -Trade Gruppen und der amerikanischen Gruppe „On the Ground“ geplant wurde. Das Projekt soll Kleinbauern und Fair- Traid- Praktiken in der militärisch besetzten Westbank unterstützen. Die israelische Militärpolizei verhaftete drei Marathonläufer auf dem Weg von Hebron nach Beit Ommar; die zwei Franzosen wurden am gleichen Tag freigelassen, der palästinensische Läufer wurde wegen der Organisation einer illegalen Demonstration angeklagt und muss im Juni vor Gericht gehen. Die israelische Besatzungsarmee versuchte die Demonstranten zu blockieren und mit Tränengas, Gewehrkolben und Schockgranaten zurückzutreiben. Die Demonstranten liessen sich nicht provozieren und pflanzten ihre 700 Setzlinge.

http://palestinesolidarityproject.org/2012/02/05/beit-ommar-demonstration-plants-hundreds-of-olive-trees/

 

 

Siedlerwanderungen und Erbschaftstouren in der Westbank: Mit Maschinengewehr und zionistischer Gesinnung - Touren durch die militärisch besetzte Westbank, auch in den Zonen unter palästinensischer Kontrolle, finden Interessenten in ganz Israel, berichtete Ynet News in Reaktion auf den Tod von Yousef Ikhlayl und Uday Qadous  im Juni 2011.1) Die so-genannten Exkursionen werden von den palästinensischen Dorfbewohnern und Bauern als Provokationen gesehen und haben zu zahlreichen Verletzungen und einigen Todesfällen auf der Seite der Palästinenser geführt.

An vorderster Front dieses „Wantertrends“ steht die Organisation „ David und Ahikam Tours“. Die Gruppe wurde nach zwei Soldaten benannt, die 2007 auf einer „Erbschaftstour“ in der Region getötet wurden und vielen Teilnehmern ein Vorbild sind. Auf der Webseite der Firma werden Interessenten gewarnt, dass die Tourorganisatoren  keine Verantwortung für die Sicherheit der Kunden übernehmen und nicht garantieren, dass eine Genehmigung von der israelischen Besatzungsbehörde vorliegt. Zwischenfälle und Auseinandersetzungen halten die Reisenden nicht ab, im Gegenteil, sie sind mit der Grund für die Teilnahme an den Exkursionen.

Einige israelische Gruppen unternehmen sogenannte Protestmärsche zu Städten, aus denen sich Israel nach der Unterzeichnung der Osloverträge zurückzog. „Das Ziel ist die Rückkehr in diese Städte und darauffolgend zum Rest von Judea und Samaria“ wird ein Tourteilnehmer zitiert.1) Die Touren werden meist von fünf oder sechs Soldaten oder Reservisten geplant, die mit der Region vertraut sind und mit einer Waffe oder einem Gewehr ihrer Einheit bewaffnet sind. Weitere Reisewillige, meist religiöse Israelis, kommen durch Facebook zur Gruppe. Zusätzlich begleiten Freiwillige mit Kameras die Gruppe als Beobachter, um Material zu sammeln, sollte einer der Teilnehmer vor Gericht landen.

Sicherheitsoffiziere in Israels illegalen Siedlungen in der Westbank fordern, dass die Tourplanern ihre provozierenden Wanderungen mit der israelischen Armee koordinieren, um Zusammenstösse mit Palästinensern zu vermeiden. “Ich bin sehr für diese Reisen und sie haben einen immensen zionistischen Wert“, sagte Avigdor Shatz vom Binyamin Regionalrat für 42 israelische Siedlungskolonien. „Aber die IDF ist die Institution, die Terroristen bekämpfen soll, nicht die Staatsbürger.“

 Die Organisatoren dieser Touren haben eine andere Perspektive: Die Palästinenser sind die Angreifer und sollen bestraft werden, nicht die zionistischen Wanderer, die sich als Opfer sehen.

Four suspects under investigation for shooting during field trip near Bat Ayin

Nicht weit vom Westbankdorf Ein Yabrud kam es zu einem Schusswechsel zwischen fünf israelischen Soldaten auf Urlaub und Palästinensern auf der Jagd. Ein Palästinenser starb und die Soldaten wurden zu 10 Tagen im Militärgefängnis verurteilt. In einem weiteren Fall wurden zwei IDF Offiziere der Nahal Infantriebrigade mit Gefängnis bestraft, nachdem sie einen Jungen verletzt hatten, als es wärend ihrer Tour zu Auseinandersetzung mit der örtlichen Bevölkerung kam. In Reaktion darauf gab die israelische Armee eine Order heraus, die Soldaten auf Urlaub die Teilnahme an nichtgenehmigten Exkursionen verbietet. Die Order wird meist ignoriert und hat die Zahl der Touren nicht reduziert.

Anfang März 2011 erhielten die Tourorganisatoren offizielle Unterstützung: Der israelische Erziehungsminister Sa’ar kündigte ein neues Programm an, das Touren für jüdische Schulen in Jerusalem nach Hebron in der besetzten Westbank organisiert. Innerhalb eines Jahres wurden 1000 Schulkinder unter Polizeischutz nach Hebron eskortiert. Im Januar 2012  kündigte Sa’ar die Ausweitung des Programmes auf Schulen in Israel an. Warum Hebron? Die Touren zum jüdischen Erbe in Hebron–„heritage tours“- sagte Sa’an in der Knesset, sollen Palästinensern und der Welt klarmachen, dass Juden nach ihrem Glauben immer in Hebron leben werden: „ Wir dürfen nicht zulassen, dass die Illusion unter Arabern entsteht, dass es je möglich sein wird, Juden aus Hebron zu entwurzeln.“3)

Oder wie die Broschüre von David and Ahikam Touren ausführt: „Wo der jüdische Wanderer vorbeikommt, da folgt die jüdische Grenze.“2)

In Reaktion auf Kritik von Eltern am Konzept der offiziellen Hebrontouren hatte eine Schule ein alternative Tour für ihre Achtklässler geplant. Mitglieder der israelischen Gruppe Breaking the Silence sollten die Tour mitorganisieren und die negativen Aspekte der militärischen Besatzung aufzeigen. Breaking the Silence sammelt Zeugnisse von israelischen Soldaten, die von den Menschenrechtsverletzungen in den besetzten palästinensischen Gebieten durch die Besatzungsarmee und die Siedler berichten. Die Teilnahme der Gruppe wurde nach Beschwerden von Siedlergruppen abgesagt und fand ohne Breaking the Silence statt.3)

LeserInnen in Ha‘aretz charakterisierten die Exkursionen als „Apartheidtouren“ und schlugen ein Parallelprogramm von palästinensische Touren nach Israel vor.

1)Akiva Novick, Fearless in the West Bank, Israel News, 2. Juni 2011; http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4024789,00.html

2)Lia Tarachansky, In the Land of David, 11. März 2011 http://www.newclearvision.com/2011/03/11/in-the-land-of-david/#more-350

3) Talila Neshe, All Israeli schools can now join West Bank 'heritage' tours, Education Minister says, 1. Februar 2012; http://www.haaretz.com/news/national/all-israeli-schools-can-now-join-west-bank-heritage-tours-education-minister-says-1.410413

http://www.haaretz.com/print-edition/opinion/students-must-be-exposed-to-the-israeli-occupation-1.409940

4) http://www.breakingthesilence.org.il/

 

 

Friedlicher Widerstand in der Westbank und Gaza, 24. Januar 2012

 

Scharfe Munition gegen friedliche Demonstranten in Gazas Bufferzone - Bei der friedlichen Demonstration gegen die von Israel auferlegte Bufferzone entlang Gazas Grenze am 24. Januar 2012 feuerten israelische Soldaten bis zu 50 Runden scharfer Munition direkt auf die palästinensischen Demonstranten und Mitglieder der Internationalen Solidaritätsbewegung [ISM-International Solidarity Movement].

Die Demonstration begann gegen halb elf Uhr, als Teil der seit Januar 2010 regelmässig stattfindenden gewaltlosen Proteste gegen die Politik der israelischen Armee, jeden zu beschiessen, der dem Grenzzaun um Gaza zu nahe kommt.

Als sich die Demonstranten einem israelischen Wachturm an der Grenze näherten, wurden sie aus etwa 25 Meter Entfernung mit scharfer Munition beschossen; einige Tränengaskanister wurden ebenfalls abgefeuert. Nach einer Viertelstunde unter Feuer beobachteten die Demonstranten, wie ein Panzer der israelischen Besatzungsarmee auffuhr und Position einnahm. Der Beschuss wurde kurze Zeit später fortgesetzt und nach Berichten der Demonstranten etwa 50 Runden Munition verschossen. Die wöchentlichen unbewaffneten Dienstagsproteste gegen die Bufferzone werden fortgesetzt, versicherten die Protestteilnehmer.

 

Schon im Juli 2008 hatten israelische Apachehubschrauber Flugblätter über Gaza abgeworfen, in denen das Betreten eines 300 Meter breiten und etwa 55 Kilometer langen Streifens entlang der Nord- und Ostgrenze Gazas verboten wurde. Bauern haben allerdings berichtet, dass sie bei der Erntearbeit aus bis zu 1000 Meter Entfernung beschossen wurden. Die No-go Zone erstreckt sich über 30-40% von Gazas fruchtbarstem Land.

Gazas Fischer sind bei ihrer Arbeit durch eine maritime No-go Zone behindert. Am 11. Januar 2012 forderten sie die internationale Gemeinschaft auf, Israel zur Beendigung der Blockade der Küstengewässer Gazas zu zwingen. Palästinensische Fischer können nur noch innerhalb von drei Seemeilen, in verschmutzten und fischarmen Küstengewässern fischen. In ihrer Erklärung riefen sie auch zur Unterstützung der internationalen Beobachtergruppe CPSGAZA [Civil Peace Service Gaza] und ähnlicher friedlicher Initiativen auf, die Israels Angriffe auf Gazas Fischer dokumentieren und durch ihre Präsenz ein grösseres Mass an Sicherheit bringen.

Nach dem Gaza-Jericho Abkommen von 1994 haben die Fischer in Gaza das Recht, innerhalb von 20 Seemeilen zu fischen; seit der zweiten Intifada wurde diese Zone schrittweise reduziert, nach dem Angriff Israels 2008/2009 auf drei Seemeilen.

LIVE AMMUNITION FIRED AT PEACEFUL DEMONSTRATORS IN GAZA BUFFER ZONE, 24. Januar 2012, International Solidarity Movement; http://palsolidarity.org/

http://palsolidarity.org/2012/01/march-on-the-no-go-zone/

http://gazadispatches.blogspot.com/2010/04/leader-of-gazas-new-wave-of-bilin.html      
http://www.pchrgaza.org/facts/factsheet-bufferzone.pdf

A Call from Gaza fishermen, 11. Januar 2012; http://palsolidarity.org/2012/01/a-call-from-gaza-fishermen/

 

 

Ni’lin: Eine Woche der Armeeinvasionen im Dorf - Am 18. Januar 2012 kam die israelische Besatzungsarmee um halb vier Uhr nachmittags ins Dorf Ni’lin, terrorisierte die Bevölkerung und nahm einen jungen Palästinenser mit, Saeed Amireh, der nach zwei Stunden wieder freigelassen wurde.

Die israelischen Soldaten hatten das Dorf durch die Felder erreicht und stellten sich an der Strasse auf; Autos wurden angehalten und Insassen und Passanten belästigt. Zusätzlich schossen die Soldaten mit scharfer Munition in die Luft und feuerten Tränengas und Schockgranaten auf die Menschen. Sobald einige Jugendliche darauf mit Steine werfen reagierten, feuerten die Soldaten ihre Gewehre in Richtung der Menschen. Ein Dorfbewohner wurde von einer Tränengasbombe verletzt und in der örtlichen Apotheke behandelt.

Zwei Häuser waren das nächste Ziel des israelischen Kommandos und wurden zwei Stunden lang besetzt.

Nachdem die Soldaten gegangen waren, drangen fünf Militärjeeps im Dorf ein und fuhren zum Haus von Saeed Amireh, der abgeführt und erst zwei Stunden später wieder freigelassen wurde.

Donnerstag um zwei Uhr morgens kamen die Soldaten wieder.Dieses Mal gingen sie zu Mohammed Amirehs Haus, einem Mitglied des Bürgerkomitees. Die Familie Amireh musste zusehen, wie sich die etwa 25 Soldaten ohne Rücksicht und Respekt für die Hausbewohner  im Haus breit machten und ihre Stiefel den Schmutz der regennassen Felder im Haus hinterliessen.

Am Freitag, dem Tag der wöchentlichen Demonstration gegen die Apartheidmauer in Ni’lin, wurden die Demonstranten mit scharfer Munition beschossen; niemand wurde verletzt.

Israel  greift zu gewaltsamen und illegalen Methoden, um die gewaltlose, von Israel gefürchtete Protestbewegung gegen die Kolonisierung und Besetzung der palästinensischen Westbank zu beenden.

Ni’lins Komitee, das die Proteste im Dorf organisiert, verurteilt die militärischen Angriffe auf Zivilisten und erklärt dass die Proteste weitergeführt werden, bis die Mauer fällt und Palästina frei ist.

Week of military invasions in Ni’lin village, 23. Januar 2012; http://www.nilin-village.org/


 

Ein Fussballspiel gegen Israels Apartheidpolitik - Am 21. Januar 2012 organisierte das Bürgerkomitee Beit Ummar ein Fussballspiel am Tunnel-Checkpunkt im Süden Jerusalems als Protest gegen Israels Apartheidsystem in der besetzten Westbank.

Der Tunnelcheckpunkt kontrolliert die Zufahrt vom südlichen Teil der Westbank nach Jerusalem. Obwohl er auf palästinensischem Land steht, dürfen Palästinenser nicht in Richtung Norden, nach Jerusalem passieren. Palästinenser aus Beit Ummar, Yatta und Beit Jala und dem Palestinian Women's Struggle Committeebeschlossen deshalb zusammen mit Israelis und internationalen Aktivisten, ein Protestfussballspiel auf dem militärischen Gelände zu veranstalten, um ihr Recht auf Bewegungsfreiheit auf ihrem palästinensischen Land  einzufordern. Kurz nach dem Anpfiff kamen dutzende von israelischen Soldaten und versuchten, die etwa 50 Protestteilnehmer physisch vom Geländ des Checkpunkts zu verdrängen. Ein Mitglied des Bürgerkomitees von Beit Ummar, Mousa Abu Mariya wurde dabei festgenommen und erst wieder freigelassen, nachdem sich die Gruppe der Demonstranten weigerte, den Checkpunklt ohne ihren Mitstreiter zu verlassen. Durch den Protest wurde der Checkpunkt etwa eine halbe Stunde lang teilweise stillgelegt.

http://popularstruggle.org/content/demonstrators-stage-protest-football-match-main-checkpoint-jerusalem

 

 

Militärgerichtsverfahren gegen 17jährige Palästinenserin - Amal Mamamdeh aus Mufakarah wurde von der israelischen Besatzungsbehörde vor ein Militärgericht gestellt unter der Anklage, den israelischen Soldaten Assaf Oron mit Wasser begossen zu haben.

Während die israelische Armee im vergangenen Jahr im Dorf Mufakarah Hausdemolierungen vornahm, protestierten u.a. zwei junge Frauen gewaltlos gegen das Vorgehen der Besatzugnsarmee. Beide wurden festgenommen und wegen „Angriffs auf Soldaten“ vor ein Militärgericht gestellt. Das Verfahren gegen die ältere der zwei, Sausan Mamadeh, wurde nach Zahlung einer Geldstrafe ausgesetzt. Die Famile und Freunde ihrer Kusine Amal hofften deshalb, dass die Besatzungsbehörde die Siebzehnjährige nicht vor Gericht stellen würde, schliesslich hatte sie Sausan lediglich eine Wasserflasche zum Spülen ihrer vom Tränengas brennenden Augen  gereicht. Als Soldaten dazwischenkamen, wurde etwas von dem Wasser auf sie verschüttet.
Am 15. Januar 2012 wurde das Militärverfahren im Westbankgefängnis Ofer entgegen aller Erwartungen eröffnet und Amal u.a. wegen Wasserwerfen, Spucken und Fluchen angeklagt. Am 5. Februar 2012 soll das Verfahren fortgesetzt werden.

Amal berichtete ihrem Anwalt Neri Ramati von der Rechtsfirma Gaby Lasky, dass sie auf der Fahrt im Militärjeep zur nächsten Polizeistation sexuell belästigt wurde.

Das Militärverfahren gegen die junge Palästinenserin ist nach Ansicht von Menschenrechtsgruppen ein Teil der verstärkten Kampagne der israelischen Besatzung, Palästinenser aus der Zone C in der militärische besetzten Westbank zu vertreiben.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der EU verweist auf den Anstieg der Zahl der israelischen Siedler in der Zone C der palästinensischen Westbank auf 310 000, die in 124 jüdischen Siedlungen auf etwa 62% der Westbank, dem wasserreichsten und fruchtbarsten Land unter voller israelischer Kontrolle leben. Das 16-seitige Dokument warnt, dass Israels Politik der Demolierung von Häusern, Scheunen und Ställen, der Ausbau der israelischen Kolonien und der Mauer, die Behinderungen der Bewegungsfreiheit und die Verweigerung des Zugangs zu Wasser und Land im erzwungenen  Transfer der palästinensischen Bevölkerung, etwa 150 000 in der Zone C, resultierten. Die Präsenz der Palästinenser im grössten Teil der Westbank werde von Israel ständig untergraben und die Zeit für die Schaffung einer Zweistaatenlösung laufe ab.

http://theonlydemocracy.org/2012/01/military-trial-of-17-year-old-amal-hamamdeh-

from-mufakarah-charge-spilling-water-on-soldier/

Donald MacIntyre, EU on verge of abandoning hope for a viable Palestinian state, 12. Januar 2012, The Independent; http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/eu-on-verge-of-abandoning-hope-for-a-viable-palestinian-state-6288336.html

 

 

Gewaltlose Proteste in der Westbank (20.Januar 2012) - Der Freitagsprotest im Westbankdorf Kufr Qaddoum, nordwestlich von Qalqilia wurde von israelischen Soldaten mit Tränengas beschossen und dutzende der Teilnehmer verletzt. Dan der Demonstration im Dorf gegen die Annexionsmauer und die israelischen Siedlungen in der Westbank  nahmen mehrere Vertreter der Fatah und verschiedener politischer Bewegungen teil.

Seit 2003 blockiert die israelische Armee eine Hauptstrasse zum Dorf . Die Bewohner sind zusätzlich häufigen Angriffen durch die Bewohner der benachbarten israelischen Siedlungskolonien ausgesetzt.

Gewaltlose Proteste fanden ebenfalls in mehreren Dörfern der palästinensischen Westbank statt. In Nabi Saleh wurden drei Protestteilnehmer verletzt; in Bil‘in und Ni’lin erreichten die Demonstranten die Apartheidmauer und wurden von der Armee mit Tränengas angegriffen; in Al Ma’sara wurden die Demonstranten am Dorfeingang von der israelischen Besatzungsarmee blockiert und mit Gewalt zurückgedrängt.

Troups attack Nonviolent Protest in Kufr Qaddoum, 21. Januar 2012; http://www.imemc.org/article/62873

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 6. -12. Januar 2012

 

Im Militärverfahren gegen Bassem Tamimi: Geständniss eines Minderjährigen zulässig - Major Sharon Rivlin, Militärrichter im Gefängniskomplex Ofer in der Westbank, entschied diese Woche, dass die Aussagen eines 14jährigen Palästinensers vor Gericht verwendet werden, obwohl bei der Festnahme und dem Verhör des Jungen aus Nabi Saleh zahlreiche Regeln des israelischen Jugendrechtes verletzt wurden.

Am 23. Januar 2011 nahmen bewaffnete israelische Soldaten Islam Dar Ayyoub in einer nächtlichen Razzie auf das Haus seiner Familie fest. Er wurde zu einer Polizeistation gebracht, wo vier Vernehmungsbeamte ihn mehrere Stunden ohne rechtlichen oder elterlichen Beistand verhörten; eine vom Gesetz vorgesehene Schlafpause wurde ebenfalls verweigert. Islam ist einer der beiden Hauptzeugen im Militärtribunal gegen Bassem Tamimi aus Nabi Saleh, einem bekannten Menschenrechtsaktivisten, der die unbewaffneten Proteste des Dorfes gegen die israelische Besatzung und Kolonisierung der palästinensischen Westbank organisierte. Islam selbst wurde vor Gericht gestellt, angeblich weil er Steine geworfen hat.

Das israelische Jugendrecht ist nicht Teil der Militärgesetze, denen Palästinenser in der Westbank unterstehen. Das Berufungsgericht der israelischen Armee hat aber wiederholt die Anwendung dieses Jugendrechts bei Verhören von palästinensischen Minderjährigen in den besetzten palästinensischen Gebieten gefordert.

Richter Rivlin urteilte, dass in diesem Fall die Rechte das Angeklagten nicht in solchem Grad verletzt wurden, „um sein Recht auf ein faires Verfahren ernstlich zu gefährden“. Ein Psychiater hatte vor Gericht ausgesagt, dass man die Aussagen des 14jährigen Islam unter den gegebenen Umständen nicht als freiwillig ansehen könne. Islams Verteidigerin Gabi Lasky wies die Entscheidung von Richter Rivlin als nicht akzeptabel zurück: „Diese Entscheidung ist nicht verständlich; sie legt die Tatsache offen, dass die Gesetze zum angeblichen Schutz der Rechte von Minderjährigen bei Palästinensern lediglich ein Lippenbekenntnis sind.“

Einen Tag zuvor hatte der israelische Polizeioffizier Jalal Aweida vor dem Richter ausgesagt, dass seine Verhörmethoden gegenüber Islam Dar Ayyoub als „Scherz“ gemeint waren und dem Alter des Befragten gemäss. Im Gegensatz dazu beschrieb  Islam Dar Ayyoub vor Gericht, dass er bei dem nächtlichen Verhör durch vier Vernehmungsbeamte Angst vor Jalal hatte:“... er schlug die Faust auf den Tisch und machte Gesten mit der Hand, die mir Angst einjagten.“

Die Rechtsanwälte der Demonstranten aus Nabi Saleh, Bil’in und Ni‘lin verbringen oft Stunden während der Anhörungen im Militärgericht Ofer, um im Detail zu beweisen, dass die belastenden Informationen der Anklage Fabrikationen sind, die auf erzwungenen und manipulierten Geständnissen von palästinensischen Minderjährigen beruhen. Im Fall von Bassem Tamimi sind die Hauptbelastungszeugen, Islam Dar Ayyoub, 14, und Mo'atasem Tamimi,15 zwei Minderjährige aus dem Dorf.

Bassem Tamimi wurde am 24. März 2011von einem israelischen Armeetrupp in seinem Haus festgenommen und drei Monate später vor ein Militärgericht gestellt. Die Anklage lautet auf Organisation und Teilnahme an illegalen Protesten, Aufwiegelung zum Steine werfen, Störung der öffentlichen Ordnung, eine Liste von Anklagepunkten, die nach der israelischen Militärorder 101 mit bis zu 10 Jahren Haft bestraft werden können. Diese Anklageliste des Militärstaatsanwaltes ist den Menschenrechtsaktivisten in den Nachbardörfern von Nabi Saleh, in Bil’in, Ni’lin und Beit Ommar  wohlbekannt. Bei der gerichtlichen Verfolgung von Protestorganisatoren seit 2010 wurde die Order 101- seit dem Ende der Ersten Intifada archiviert- wieder hervorgeholt, um die Teilnahme am unbewaffneten Widerstand gege die israelische Mauer und Besatzung mit Gefängnis und grossen Geldstrafen zu belegen.

Bassem Tamimi ist ein Veteran des palästinensischen Widerstandes und wurde von der israelischen Armee elf Mal festgenommen und ohne gerichtliche Verurteilung drei Jahre unter der sogenannten Verwaltungshaft inhaftiert.

Bei der Verfahrenseröffnung am 5. Juni 2010 erklärte Bassem Tamimi seine Unschuld im Bezug auf die Anklagepunkte, bekannte aber offen, dass er die friedlichen Proteste im Dorf organisierte: „ Obwohl Ihr erklärt, dass Ihr die einzige Demokratie im Nahen Osten seid, werde ich nach Militärgesetzen gerichtet, [...] die von Autoritäten angewandt werden, die ich nicht gewählt habe und die mich nicht repräsentieren.“

http://popularstruggle.org/content/military-court-approves-illegal-interrogation-minor

http://popularstruggle.org/content/bassem-tamimis-trial-police-interrogator-tells-court-intimidating-14-year-old-suspect-was-jo

 

 

Nabi Saleh erinnert an die Opfer der Proteste gegen die israelische Besatzung (6.Jan.) - Nach dem Mord an Mustafa Tamimi im Dezember 2011 und angesichts der fortgesetzten Gefährdung von unbewaffneten Demonstranten durch das brutale Vorgehen der israelischen Armee – vergangene Woche beschossen Scharfschützen die Demonstranten mit scharfer Munition- marschierten die Bewohner von Nabi Saleh und Solidaritätsbesucher aus der Umgebung und dem Ausland im Gedenken an die Märtyrer des zivilen Widerstandes. Ausserhalb des Dorfes wurde eine grosse Gruppe der Demonstranten von israelischen Soldaten am Weitermarsch gehindert, mit Tränengas, Gummimantelgeschossen und einer stinkenden chemischen Mischung aus einem Wasserwerfer angegriffen und zur Rückkehr gezwungen. Eine kleine Gruppe versuchte, das Ziel der Demonstration, eine von Siedlern annektierte Quelle des Dorfes, durch einen Gang durch die Felder zu erreichen, wurde aber ebenfalls kurz vor dem Ziel zur Rückkehr gezwungen.

Die Bewohner von Nabi Saleh beschlossen Ende 2009, regelmässige, friedliche Proteste gegen die israelische Besatzung zu organisieren. Auslöser war das Vorgehen der Bewohner der nahegelegenen israelischen Kolonie Halamish, die eine wichtige Wasserquelle auf dem Land des Dorfratsvorsitzenden Bashir Tamimi illegalerweise für den exklusiven Eigenbedarf beanspruchten: Unter dem Schutz der israelischen Armee bauten sie eine Kabine über dem Wasser, gaben dem Ort einen neuen Namen und vertrieben die legitimen Benutzer mit der Androhung von Gewalt, Steinen und Gewehrkugeln.

Aktivisten im Dorf bauten eine gewaltlose Widerstandsbewegung auf, bei der eine breite Beteiligung der Dorfbevölkerung, auch von Frauen und Kindern angestrebt und erreicht wurde.

Seit Beginn der regelmässigen Proteste belagert die israelische Armee das kleine Westbankdorf jeden Freitag, errichtet Strassenblockaden, erklärt das Dorf zur „geschlossenen militärischen Zone“ und besetzt den Ort vor und nach den Protesten, was auf eine inoffizielle Ausgangssperre für alle Dorfbewohner hinausläuft. Nächtliche Militärrazien und Verhaftungsoperationen werden wie in allen Orten des friedlichen Widerstandes durchgeführt, um Teilnehmer an den Demonstrationen, und sogar Minderjährige einzuschüchtern. Zur Zeit steht ein prominenter Aktivist aus dem Dorf, Bassem Tamimi wegen der Teilnahme am unbewaffneten Widerstand vor einem israelischen Militärgericht.

http://popularstruggle.org/content/protesters-march-nabi-saleh-memory-martyrs


 

Bil’in: Gedenken an den Tod von Jawaher Abu Rahmah am 1. Januar 2011 - Hunderte von Palästinensern, Israelis und internationalen Aktivisten kamen am 6. Januar 2012 nach Bil’in, um Jawaher Abu Rahmahs zu gedenken, die nach der Teilnahme an einem Freitagsprotest im Dezember 2010 an den Folgen der Inhalierung von Tränengas starb, das bei den Protesten gegen die israelische Mauer in der besetzten Westbank in enormen Mengen gegen Demonstranten und auf Häuser verschossen wird. Jawaher Abu Rahmah war 36 Jahre alt.

Zwei Brüder von Jawaher wurden ebenfalls Opfer der israelische Armee: Der Bruder Bassam Abu Rahmah wurde im April 2009 bei einem Freitagsprotest von einem israelischen Soldaten getōtet, der einen Hochgeschwindigkeitsgaskanister direkt auf Bassem zielte und ihn tōdlich verwundete.

Der zweite Bruder, Ashraf Abu Rahmah wurde am 21. Oktober 2011 nach einem Freitagsprotest von israelischen Soldaten abgeführt und von einem Militärgericht in der Westbank zu vier Monaten Haft verurteilt. Die Anklagepunkte sind von anderen Militärtribunalen gegen Palästinenser bekannt, die wegen ihrer Teilnahme an den Protesten gegen die israelische Besatzung inhaftiert und bestraft wurden: Organisation und Teilnahme an illegalen Demonstrationen und Streine werfen. Ashraf Abu Rahmah wurde im Juli 2008 schon einmal nach einer Demonstration festgenommen. Video des Vorfalls zeigte, dass der kommandierende Offizier einem Soldaten befahl, den gefesselten Ashraf ins Bein zu schiessen, und verursachte einen  Entrüstungssturm, der beide Soldaten vor Gericht brachte. Sie wurden wegen Fehlverhalten verurteilt, erhielten aber keine Gefängnisstrafen.

Während sich die Demonstranten im Dorf für die Gedenkreden versammelten, verschoss die Besatzungsarmee bereits Tränengas auf eine Gruppe von Jugendlichen an der Mauer. Als sich die Protestteilnhemer singend und rufend der Mauer näherten, intensivierte sich der Beschuss und mit Soldaten gefüllte Jeeps kamen von der anderen Seite der Mauer an, um Tränengas und Gummimantelgeschosse direkt in die Menge zu feuern, eine eklatante Verletzung der Armeeregeln zum Einsatz dieser „Mengenkontrollmittel“. Vergangenen Monat wurde Mustafa Tamimi im Nachbardorf Nabi Saleh durch einen direkt auf ihn gezielten Tränengaskanister getötet. An diesem Freitag schoss die Armee auch mit scharfer Munition in die Luft. Drei Demonstranten wurden verletzt; nach etwa 20 Minuten kehrte die Armee zu ihrer Position hinter der Mauer zurück und feuerte noch mehr Tränengassalven ab. Die Demonstration zerstreute sich langsam und die Teilnehmer versammelten sich im Dorf zu einer Erinnerungszeremonie.

Seit 2004 wurden über 20 Palästinenser bei den Protesten gegen die illegale Mauer in der palästinensischen Westbank getötet. Viele Teilnehmer erlitten Verletzungen; im März 2009 wurde der Amerikaner Tristan Anderson von einem Tränengaskanister am Kopf schwer verletzt und erlitt bleibenden Gehirnschaden. Emily Henochowicz, eine Amerikanerin mit israelischem Pass, wurde im Juni 2010 bei einem Protest gegen den israelischen Angriff auf die Mavi Marmara mit einem Kanister beschossen und verlor ein Auge. Beide Fälle, wie auch Bassem Abu Rahmahs Tötung, werden noch vor Gericht verhandelt.

http://popularstruggle.org/content/bilin-marks-one-year-killing-jawaher-abu-rahmah

Daniella Cheslow, Protest Death Spurs Scrutiny of Israeli Tactics, 5. Januar 2011, The Jesih Daily Forward; http://www.forward.com/articles/134473/

Amira Hass, The banality of a Palestinian's arrest, Ha’aretz, 21. November 2011

http://www.bilin-village.org/english/articles/press-and-independent-media/The-banality-of-a-Palestinian-s-arrest

 

 

Majde Mahmoud Za’aqiq: Vier Monate Gefängnis und 5500 Shekel Geldstrafe - Lehrer und Mitglied des Bürgerkomitees Beit Ommar Majde Mahmoud Za’aqiq wurde am 20. August 2011 festgenommen, als er am Ende der wöchentlichen unbewaffneten Demonstration nach Haus fahren wollte. Israelische Soldaten zwangen ihn und einen spanischen Solidaritätsaktivisten aus dem Auto und nahmen beide fest. Der Vorwurf des Steinewerfens ist fabriziert, bei den gewaltlosen Samstagsdemonstrationen in Beit Ommar werden keine Steine geworfen. Gefängnis und Geldstrafen sind ein Teil der Strategie des israelischen Apartheidsystems,  palästinensische Aktivisten des gewaltlosen, friedlichen Widerstandes einzuschüchtern. Am 22. November 2011 erfuhr das Bürgerkomitee in Beit Ommar, dass Majde für vier Monate inhaftiert wird und bei seiner Freilassung eine Geldstrafe von etwa 1500 US Dollar bezahlen muss; jede Spende ist willkommen.

Die Geschichte von Majdes Inhaftierung begann im August, dem heiligen Fastenmonat Ramadan. Die wöchentliche Demonstration vor der illegalen israelischen Kolonie Karmi Tsur, die auf dem Land palästinensischer Bauern aus Beit Ommar errichtet wurde, wurde mit Hilfe von Solidaritätsaktivisten aus der Umgebung, aus Israel und dem weiteren Ausland durchgeführt. Vor der Siedlung wurden die Demonstranten von der israelischen Armee angegriffen, geschlagen, mit Tränengas, Plastikmetallkugeln und scharfer Munition beschossen, was zu einigen Verletzungen unter den Demonstranten führte. Sieben Protestteilnehmer wurden damals festgenommen – fünf wurden am gleichen Tag freigelassen, Majdes spanischer Kollege nach zwei Tagen, nur Majde selbst sitzt immer noch im Gefängnis ein.

Majde ist ein Lehrer, geschieden und Vater von zwei Söhnen, Qassam, 5 Jahre alt, hat permanenten Gehörschaden und besucht die Ma’an Schule in Hebron. Sein Bruder Kotaibah ist drei Jahre alt. Vor allem Qassam braucht die ständige Nähe seines Vaters,weil er ein Kind ist und wegen seiner Behinderung; jeden Tag muss er zur Schule in Hebron gebracht und abends wieder abgeholt werden. Majde wurde bestraft, weil er an seinem Land festhält, an seinen Rechten und seinem Traum, in Freiheit und Würde zusammen mit seinen Kindern zu leben, wie alle Menschen auf dieser Erde.

Younes Arrar, Koordinator des Komitees in Beit Ommar,The Story of a Political Prisoner – Majde Mahmoud Za’aqiq, Palestine Solidarity Project,http://palestinesolidarityproject.org/2011/10/26/the-story-of-a-political-prisoner-majde-mahmoud-za’aqiq/

http://palestinesolidarityproject.org/2011/11/22/majde-mahmoud-za%e2%80%99aqiq-charged-for-one-more-month-in-ofer/

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 6. Januar 2011

 

Bil’in: Drei Demonstranten direkt mit Tränengaskanistern beschossen - Am 6. Januar 2012 berichtete das Popular Struggle Coordination Commitee, dass Bil’ins Freitagsdemonstration gegen die israelische Mauer und Besatzung von israelischen Soldaten angegriffen wurde. Dem seit Jahren üblichen Protokoll folgend, beschossen israelische Soldaten die unbewaffneten Aktivisten mit Tränengaskanistern und gummi-ummantelten Stahlkugeln. Um 1 Uhr nachmittags meldete das PSCC, dass, eine Stunde nach Beginn des Protestes, drei Teilnehmer direkt mit Gaskanistern beschossen und verletzt wurden und ein Protestteilnehmer von einem Gummimantelgeschoss im Rücken getroffen wurde. Breaking news, 6. Januar 2011,  http://popularstruggle.org/

 
 

Beit Ommar: Fordert Gerechtigkeit für Yousef Ikhlayl - Wann: 28. Januar 2012 - Was: Internationaler Tag der Solidarität mit Yousef Ikhlayl - Hintergrund:

Am 28. Januar 2011 wurde Yousef Ikhlayl von einem israelischen Siedler aus der (nach internationalem Recht illegalen) israelischen Siedlung Bat Ayn ermordet, als er auf dem Feld seiner Familie im Saffatal arbeitete. Yousef nahm regelmässig an den gewaltlosen Demonstrationen gegen Israels Kolonien in der besetzten Westbank teil und an den Gemeinschaftsprojekten des Palestine Soldarity Project [PSP].

Ein Jahr später gibt es bei der gerichtlichen Verfolgung des Falles keinen Fortschritt, weil Israels Generalstaatsanwalt immer noch keinen Rechtsanwalt für den Fall benannte.

Während die Wiedereröffnung der Friedensverhandlungen in Jordanien diskutiert wird -und die weitere Existenz der Siedlung Bat Ayn gesichert ist - fordert das Bürgerkomitee Beit Ommar und das PSP Gerechtigkeit für Palästinenser und ruft zur internationalen Solidarität mit Yousef und allen Opfern der israelischen Besatzung auf.

Die Freitagsdemonstration am 28. Januar 2011 wird Yousef und die anderen Märtyrer von Beit Ommar ehren, die der israelischen Besatzung zum Opfer fielen, und fordern, dass israelische Siedler und Soldaten gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden und nicht länger straffrei gehen, wenn sie Gewaltakte gegen palästinensische Bauern und Demonstranten begehen.

Organisiert Eure Eigenen Aktionen für Yousef und benachrichtigt uns, wir wollen alle Veranstaltungen weltweit auflisten: palestineproject@gmail.com.

Gerechtigkeit für Yousef!     http://palestinesolidarityproject.org/2012/01/04/call-to-action-justice-for-yousef-ikhlayl/


 

Jahresende in Beit Ommar - Am 25. Dezember demonstrierten die Einwohner von Beit Ommar gegen die illegale Siedlung Karmei Tsur in Fortsetzung der regelmässig organisierten friedlichen Proteste des Westbankdorfes gegen die Landannexionen durch israelische Siedlungen auf den umliegenden Hügeln.

Demonstranten näherten sich dem Zaun um Karmei Tsur, das auf palästinensischen Feldern errichtet wurde, und konnten einige Stücke der völkerrechtswidrigen Konstruktion abbauen, bevor die israelische Polizei erschien und sie zurücktrieb. Die Protestteilnehmer hielten eine kurze Kundgebung ab, sprachen vom Landraub durch israelische Siedler und die Erschwernisse des Lebens für die eingeborene Bevölkerung; trotz Polizeiprovokationen blieben die Demonstranten friedlich, der Protest endete ohne Verhaftungen.

Die illegale Siedlung Karmei Tsur wurde 1984 gegründet und auf konfisziertem Dorfland erbaut und hat sich durch den Bau von Aussenposten langsam über den gesamten Hügel ausgeweitet.

Am 29. Dezember erlitt ein Hirte einige Wunden im Gesicht, als israelische Soldaten eine Schockgranate auf ihn abfeuerten. Ayed Mahmud Abu Maryeh, 42 hütete seine Schafe, als die Soldaten ihn angriffen; er wurde mit leichten Gesichtsverletzungen in ein Krankenhaus in Hebron gebracht. Ma’an berichtete, dass die israelische Armee an diesem Tag eine Razzia auf Beit Ommar durchführte und mehrere Ortsbewohner angriff und kurzzeitig festhielt. Als Verwandte den angegriffenen Bewohnern zur Hilfe kommen wollten, feuerten die Soldaten Tränengas und Schockgranaten.

http://palestinesolidarityproject.org/2011/12/30/shepherd-injured-by-sound-grenade-in-beit-ommar/
http://palestinesolidarityproject.org/2011/12/25/beit-ommar-villagers-continue-to-demonstrate-against-israeli-settlements/

 

 

Nabi Saleh und Chicago erinnern an den dritten Jahrestag des Gazamassakers - Aktivisten im Westbankdorf Nabi Saleh und im amerikanischen Chicago erinnerten an den Beginn der sogenannten Operation „Gegossenes Blei“, dem drei Wochen langen Angriff der israelischen Armee auf Gaza. Durch die massive Bombardierung des von Israel blockierten Gazastreifens, bei dem die israelische Armee auch illegale Waffen einsetzte, und die Invasion wurden über 1400 Palästinenser getötet.

Hunderte von schwarzen Ballons wurden beim Freitagsprotest in Nabi Saleh am 30. Dezember mitgeführt und freigelassen. Sie trugen die Namen der vor drei Jahren getöteten Kinder Gazas. Die israelischen Sicherheitskräfte schossen grosse Mengen von Tränengas, teilweise direkt und in Verletzung der Armeeregeln, auf die Menschen.

Vor Beginn der Demonstration drangen Soldaten im Dorf ein und verhafteten zwei internationale Unterstützer; nach der Demonstration errichtete die Armee einen „ad hoc Checkpunkt“ an der Strasse nach Ramallah und nahm zwei Palästinenser fest.

Am folgenden Tag versammelten sich zweihundert Aktivisten in Chicago und liessen 344 Ballons in die Luft steigen, einen Ballons für jedes 2008/2009 in Gaza getötete Kind. Die Aktion wurde von der neugeformten Gruppe „Chicago Movement for Palestinian Rights“organisiert. Palästinensisch-amerikanische Demonstranten verurteilten die fortgesetzte, illegale Blockade Gazas und die wiederholten Bombenangriffe auf Gaza.

Am 22. Dezember 2011 wurden die Demonstranten in Nabi Saleh nicht nur mit “Mengenkontrollmitteln” beschossen, Tränengas, Schockgranaten, Plastikstahlkugeln, „Stinkwasser“ und dem „Schrei“, sondern auch mit scharfer Munition, 0.22 Kaliberkugeln aus den Gewehren der Scharfschützen. Damit setzt die israelische Armee ihre systematische Politik der brutalen Niederschlagung der friedlichen Widerstandsbewegung in den Dörfern der Westbank fort, bei der auch die Regeln der Besatzungsarmee ignoriert werden. Vor zwei Wochen, als das Westbankdorf Nabi Saleh den zweiten Jahrestag seit Beginn der regelmässigen Proteste gegen die israelische Besatzung beging,  wurde ein Dorfbewohner direkt und aus kurzer Distanz von einem israelischen Soldaten mit einem Gaskanister beschossen. Mustafa Tamimi, 28, starb einen Tag später, am 10. Dezember, an den schweren Gesichtsverletzungen.

http://palestinesolidarityproject.org/2012/01/03/nabi-saleh-chicago-commemorate-third-anniversary-of-gaza-massacre/
http://palestinesolidarityproject.org/2011/12/23/youth-shot-with-live-ammunition-at-nabi-saleh-weekly-demonstration
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Palästinensische Frauen und Kinder ignorieren israelische Gesetze und gehen nach Jerusalem - Mit Unterstützung durch  israelischen Frauen fuhren einige Dutzend Palästinenserinnen aus mehreren Dörfern und Städten der besetzten palästinensischen Westbank nach Jerusalem. Für eine Mehrheit der Palästinenser in der Westbank sind Israel und Jerusalem verbotene Zonen, die ohne schwer zu erhaltende Sondergenehmigungen nicht zugänglich sind. Seit eineinhalb Jahren werden diese Grenzüberschreitungen gegen die Apartheidpolitik Israels von israelischen und palästinensischen Frauen organisiert. Am 17. Dezember trafen sich junge Mütter aus Tel Aviv und Jaffa mit Palästinenserinnen und Kindern in einem Park in Jerusalem; die etwa 80 Teilnehmerinnen hatten Spiele, Aktivitäten und ein leckeres palästinensisches Picknick organisiert; Frauen aus Beit Ommar nehmen an dieser Herausforderung der Besatzung aktiv teil; eine der Organisatorinnen erklärt: „Unser Leben ist schwer. Wir und unsere Kinder brauchen eine Pause; es ist eine Chance, sich frei und glücklich zu fühlen. Wie die israelischen Frauen wollen wir eine politische Stellungnahme gegen die Besetzung von Palästina geben.“

Die Gruppe beschrieb die politischen Implikationen der Aktionen:
“Wir bekennen hiermit öfentlich, dass wir die Gesetze und Befehle zur Begrenzung der Bewegungsfreiheit der Zivilbevölkerung in der Westbank  jetzt und in der Zukunft brechen werden. Wir stellen die Weisheit, Moralität und Legalität dieser Verordnungen in Frage. Wir gehen den Pfad des zivilen Ungehorsams gegen ein willkürliches System, das in den vergangenen 44 Jahren Millionen Menschen ihrer Menschen- und Bürgerrechte beraubt und sie unter ein militärisches Regime gestellt hat, und hinter Wände, Barrieren und Checkpunkte.“

http://palestinesolidarityproject.org/2011/12/19/palestinian-women-and-children-defy-israeli-laws-and-visit-jerusalem/

 

 

Den Preis bezahlen: Märtyrer in Ni’lin - Das Westbankdorf Ni’lin setzt seine wöchentlichen Proteste fort, auch wenn seine Bewohner einen hohen Preis dafür bezahlen. Am 30. Dezember erinnerten die Demonstranten an zwei Mitbewohner: Mohammed Khawaje und Arafat Khawaje.

Eine Hagel von Tränengas, gummi-ummantelten Stahlkugeln und scharfer Munition der israelischen Soldaten hinter der Apartheidmauer in Ni’lin war Israels Reaktion auf eine kleine Demonstration im Gedenken an zwei junge Mitbewohner, die am 28. Dezember 2008 erschossen wurden. Mohammed fiel durch eine Kugel in die Stirn, Arafat wurde in den Rücken geschossen, als er einem verwundeten Mann helfen wollte.

Ein Demonstrant mit der palästinensischen Fahne und einem Megaphon in der Hand forderte die Soldaten auf, menschlich zu bleiben, in den Worten von Vittorio Arrigoni, einem in Gaza ermordeten Mitglied der Internationalen Solidaritätsbewegung. Die israelische Armee schoss mit scharfer Munition zurück. Gegen Ende der Demonstration fuhr ein mit Soldaten voll gepackter bepanzerter Humvee der Armee vor und beendete den Protest mit weiteren Salven.

2008 begannen die Proteste in Ni’lin mit dem Erscheinen der israelischen CAT Bulldozer. Die Apartheidmauer hat Ni’lin etwa 30 Prozent des Dorflandes gestohlen. Fünf Menschen bezahlten mit ihrem Leben. Die Proteste werden jeden Freitag fortgesetzt.

http://popularstruggle.org/content/paying-price-niilin-commemorates-its-martyrs

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand. Texte zum israelischen Apartheidsystem, 31. Dezember 2011

 Reverend Allan Boesak: Israelisches Apartheidsystem ist schrecklicher, als Südafrika je war.

 

Pastor Allan Aubrey Boesak ist ein Veteran des Kampfes gegen das Apartheidsystem in Südafrika. Er war der Präsident des Reformierten Weltbundes [World Alliance of Reformed Churches] und ist ein Unterzeichner der Antwort der südafrikanischen Christen auf das Kairosdokument aus Palästina [Kairos Palestine Document]. 2011 hat er vor dem Russell Tribunal zu Palästina in Cape Town ausgesagt, wo er mit Hanan Chahata von MEMO sprach.

Hanan Chahata: Sie haben die Antwort der südafrikanischen Christen auf das palästinensische Kairosdokument unterzeichnet. Darin sagten Sie, dass die palästinensische Erfahrung der Apartheid “ in der Umsetzung vor Ort sogar schlimmer ist als das Apartheidsystem in Südafrika.” Was meinen Sie damit?

Allan Boesak: Es ist schlimmer, nicht im Sinn, dass die Apartheid in Süd Afrika nicht ein absolut furchtbares System war, sondern in der Art, wie die Israelis das Apartheidsystem genommen, perfektioniert und sozusagen zugespitzt haben. Zum Beispiel hatten wir Bantustans und wir hatten den Group Areas Act und wir hatten getrennte Schulen und all das; aber ich glaube nicht, dass es selbst den Apartheidplanern je in den Sinn kam, eine Stadt so zu planen, dass eine pysische Mauer die Menschen trennt und dass diese Mauer die Grenzen deiner Bewegungsfreiheit aufzeigt, der kommerziellen Tätigkeit, der Arbeit, und gleichzeitig ein Mittel zur Einschüchterung und Entmenschlichung ist. Wir trugen Pässe, so wie die Palästinenser ihre Ausweise haben, aber das bedeutete nicht, dass wir nicht von einem Ort in der Stadt zu einem anderen gehen konnten. Das Gerichtswesen war natürlich absolut einseitig, alle Richter zielten in ihren Urteilen darauf ab, das weisse Privileg und die weisse Macht zu schützen und so weiter, und wir hatten in diesen Tagen eine Reihe von sogenannten Blutrichtern [hanging judges]; aber sie gingen nicht soweit, zwei getrennte Justizsysteme für Palästinenser [die vor israelische Militärgerichte gehen] und Israelis [die vor zivile Gerichte, nicht Militärgerichte gehen] offen einzurichten. Deshalb ist das israelische System in vieler Hinsicht schlimmer.

Unter einem weiteren Gesichtspunkt ist [die Situation] noch schlimmer: Wenn wir unsere Schlachten ausfochten, konnten wir doch letztendlich die international Solidarität so weit mobilisieren und aufbauen - selbst wenn wir lange dazu brauchten- dass wir schliesslich in unserem Kampf erfolgreiche waren. Die Palästinenser können das nicht. Die ganze internationale Gemeinschaft hat sich geradezu gegen sie verschworen. Die Uno, die im Kampf gegen das Apartheidsystem in Südafrika eine ziemlich positive Rolle spielte, hat diese katastrophale Position eingenommen, dass sie ihre stärksten Mitglieder nicht verärgern möchte, wie die USA, die Israel schützen. Selbst in der Uno, wo internationales Recht den Rahmen vorgeben sollte, in dem all diese Dinge beurteilt werden, wo international Solidarität keine Spekulation ist, sondern vielmehr die Grundlage, auf der die Uno ihre Ansichten und Urteile für die Zukunft aufbaut, selbst dort haben die Palästineser [diese Unterstützung] nicht.

Palästinenser werden auf eine Weise lächerlich gemacht, wie das bei Südafrikanern nicht war. In vieler Hinsicht hat die UN versucht, ihre Resolutionen zur Isolierung des Apartheidregimes durchzusetzen. Hier verabschieden sie eine Resolution nach der anderen gegen Israel und ich entdecke keinerlei Schamgefühl, obwohl man weiss, dass niemand ihre Umsetzung fordern wird. Unter Reagan zeigten die USA ihr so genanntes konstruktives Enagement [engagement programme] und ihre Unterstützung für das weisse Regime in Südafrika ziemlich offen . Aber was die USA in der Woche nach der Entscheidung der UNESCO unternahm, als UNESCO beschloss, den palästinensischen Antrag auf einen Sitz bei den Vereinten Nationen zu unterstützen, ist skandalös - der Entzug der ganzen finanziellen Unterstützung der USA, die sofortigen wirtschaftlichen Erpressungsmassnahmen. In all diesen Aspekten denke ich hat Israel dieser Tage ein Apartheidsystem, das in seiner Perfektion in mehrfacher Hinsicht viel furchterregender ist, als das Apartheidsystem in Südafrika je war.

HC: Während einer Veranstaltung zum Black History Month zu Beginn des Jahres haben Sie die amerikanische Bürgerrechtsbewegung mit dem südafrikanischen Kampf gegen das Apartheidsystem verglichen. Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen den beiden Bewegungen und dem heutigen palästinensischen Kampf?

AB: [AB hat gerade einen Artikel zu diesen Bewegungen verfasst, der nächstes Jahr in einem Buch veröffentlicht werden soll. Er spricht den Demonstranten in Nordafrika und dem Nahen Osten seine Bewunderung aus, vor allem, dass sie an ihrem grundlegenden Ziel festhalten, die Diktaturen durch gewaltlose Proteste loszuwerden.]

Ich bin davon überzeugt, dass es historische Momente gibt, die nie verschwinden und von denen man lernen kann. Südafrika hat so viel von Ghandi in Indien gelernt; Martin Luther King hat von Ghandi gelernt; wir lernten von Martin Luther King und wir hatten unsere eigenen Traditionen, und ich bin sicher, dass die jungen arabischen Menschen davon gelernt haben, als sie einige dieser Ereignisse beobachteten. 1994 (als die erste demokratische Regierung in Südafrika gebildet wurde) und die 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts liegen nicht so weit hinter uns. Viele der Menschen, die heute teilnehmen, sassen vor dem Fernseher, als wir Tag um Tag in den Strassen waren, und uns mutig den Hund stellten, den Gewehren und dem Tränengas, als wir unsere Leute begruben, ein Begräbnis nach dem anderen. Wenn ich die Beerdigungen in der arabischen Welt sehe, denke ich an die Zeit, als Erzbischof Tutu und ich 27 Menschen beerdigten ( es wurden in Wirklichkeit 42 getötet, aber die Polizei gab die restlichen Leichen nicht frei); daran denke ich, wenn ich sehe, wie jeden Freitag die Toten in der arabischen Welt beerdigt werden.

In unserem Kampf waren die verschiedensten politischen Ideologien vertreten, aber er war nie ganz säkularisiert. Der Glaube, wie Erzbischof Tutu heute morgen sagte, dass es einen Gott der Gerechtigkeit gibt, der uns helfen wird,den Kampf durchzuhalten, ist erstaunlich. Als ich zum ersten Mal tausende von Moslems sah, die sich vor Allah verbeugten, drehte ich mich zu meiner Frau um und sagte, wenn die Leute das durchhalten, dann wird bei all diese Tyrannen das grosse Zittern beginnen und sie wissen, dass sie sich gegen diese Macht nicht durchsetzen können.

Erst vor ein paar Jahren setzten die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinten Staaten und noch mehr der Kampf gegen das Apartheidsystem den moralischen Standard, nach dem die Welt hinsichtlich ihrer Entscheidungen beurteilt wurde, ob sie richtig waren oder falsch, ob sie auf der rechten Seite der menschlichen Revolution für Menschlichkeit und für Gerechtigkeit standen, für die Wiederherstellung der Würde und für die Zukunft der Kinder. Dieser besondere Augenblick in der Geschichte, wenn die Welt zur Teilnahme an dieser Revolution für das Gute, für die Zukunft und für Gerechtigkeit eingeladen ist, und wo die Entscheidung gefällt werden muss zwischen Übel und Bösem auf der einen Seite und Gerechtigkeit und Recht auf der anderen, der die Welt prägende Prüfstein für internationale Solidarität, für internationales Recht und Gerechtigkeit ist heute der Arabische Frühling.

HC: Der Arabische Frühling oder Palästina?

AB: Der Arabische Frühling findet zur Zeit statt, aber Palästina ist im Zentrum des Ganzen. Was zur Zeit geschieht, hätte ohne den fortgesetzten Kampf der Palästinenser nicht geschehen können. Sie werden nicht immer erwähnt, aber ich sage Ihnen, dass ohne [die Palästinenser] im Nahen Osten nichts dem Arabischen Frühling Ähnliches geschehen wäre.

Als wir Martin Luther King zusahen, als wir unseren eigenen Kampf durchliefen, dachten wir, dass sich das Gesicht und die Richtung der Geschichte und der Welt [änderten], ob der Westen das unterstützt oder nicht, ob sie dahinter Pläne im Dienste der Habgier verbergen oder was auch immer, ist nicht wirklich wichtig. Es ist eine unumstössliche Tatsache, dass sich etwas Wesentliches im Nahen Osten geändert hat und damit in der Weltgeschichte. Die Menschen, die diese Revolution durchmachen, werden z. B. nie wieder die gleichen Fehler machen, wie ihre Eltern und Grosseltern; sie werden nicht annehmen, dass der Westen immer gut ist und dass die Abkommen, die wir mit dem Westen schliessen, immer gut für die Menschen sind. Ein neues kritisches Element ist dazugekommen. Nie wieder werden die Menschen auf die gleiche Weise denken; ich hoffe, dass die arabischen Revolutionen tragfähig und so erfolgreich sein werden und moralisch so stark, dass der Westen gezwungen wird, sein Denken im Bezug auf die Ansichten und Positionen zu den Ereignissen zu ändern.

HC: Das Christentum ist im Heiligen Land bedroht. Viele Menschen vergessen, dass dies nicht eine Streitfrage zwischen Juden und Arabern ist; es gibt auch palästinensische Christen. Über die Jahre hat sich ein alarmierender Trend gezeigt, palästinensische Christen verlassen das Heilige Land, weil Israel ihr Leben ausserordentlich erschwert. Welche Folgen hat die Besatzung für Christen?

AB: Die christliche Gemeinde in Palästina wurde in mehrfacher Weise dezimiert. Dadurch erreichen die Israelis zwei Dinge: die Darstellung des Kampfes wird vereinfacht, als fände er nur zwischen Juden und Arabern statt, mit dem Resultat, dass Christen draussen denken, dass sie nichts und niemandem ihre Solidarität erweisen müssen. Folglich können die zionistischen Christen, diese ultrakonservativen Fundamentalisten in den USA, die so lange geholfen haben, die Aussenpolitik unter den Regierungen von Bush und Reagan zu diktieren, sagen „ Es handelt sich nicht um uns; es geht nicht um Christen und chrstliches Zeugnis, es geht um diese Moslems“; und das ist die Absicht. Ich hoffe, dass die Christen unter uns, ausserhalb des Nahen Ostens, diese Tatsache lebendig halten und Mittel und Wege finden, dieses Argument in jede politische Situation einzubringen, so dass die Diskussion, die weiterführt und zu Aktionen führt, die Realität der Christen im Nahen Osten, besonders im Heiligen Land, nicht verdrängt.

Zweitens zerstören sie die Wurzeln des christlichen Glaubens im Nahe Osten, wo alles begann. [...]

 HC: Die Zahl der zionistischen Christen wird weltweit auf 50 Millionen geschätzt. Was würden Sie ihnen raten im Bezug auf ihre Unterstützung für den Staat Israel, die, wie sie sagen, auf Begründungen aus der Bibel basiert?

AB: Wie so oft, kommt es darauf an, wie man die Bibel liest und interpretiert; und so müssen wir sicher stellen, dass wir unsere Interpretation der Bibel genauso klar, so enthusiastisch und so offen präsentieren [wie sie] und genauso bereit sind, unsere Interpretation der Bibel zu verwirklichen wie sie. Wir müssen einen Weg finden; wir waren bisher nicht einfallsreich genug. Wahrscheilich, weil wir erst vor kurzem die sehr gefährliche Natur ihrer Ansichten erkannt haben, nicht nur für Palästinenser und Moslems im allgemeinen, sondern auch für die christliche Kirche selbst. Wir können keine Ausreden mehr machen, wenn wir zunehmend sehen, wie tödlich ihre Denkart ist, wie vollkommen antichristlich und inhuman diese Logik ist.

HC: Israel fordert, dass die Palästinenser einen ausschliesslich „Jüdischen Staat“ anerkennen. Was ist Ihre Reaktion zu dieser Forderung?

AB: Es kann keinen spezifisch jüdischen Staat geben.Man kann keinen jüdischen Staat über die Köpfe, die Körper und die Erinnerungen der Menschen erklären, die das uralte, dort lebende Volk sind. Wir sprechen hier von palästinensischem Land. Die meisten Juden dort kommen aus Europa und sonstwo und haben kein Recht auf das Land; wir dürfen nicht zulassen, dass mit den Palästinensern geschieht, was meinen Vorfahren angetan wurde, die die ursprünglichen Menschen in diesem Land (Südafrika) waren, von denen aber heute kaum genug da sind, um im Zensus gezählt zu werden. Das ist palästinensisches Land und das muss der Ausgangspunkt jeder politischen Diskussion sein.

HC: In der Vergangenheit haben Sie westliche Länder dringend dazu aufgerufen, wirtschaftliche Sanktionen gegen das südafrikanische Apartheidregime zu verhängen. Unterstützen Sie einen ähnlichen Aufruf zu Sanktionen gegen den Staat Israel?

AB: Auf jeden Fall! Druck, Druck, von allen Seiten und auf möglichst viele Weise: Handelssanktionen, wirtschaftliche Sanktionen, finanzielle Sanktionen, im Bankwesen, Sport, Kultur; ich spreche aus unserer eigenen Erfahrung. Am Anfang hatten wir sehr weit gefasste Sanktionen und erst gegen Ende der 80er Jahre haben wir gelernt, dass man gezielte Sanktionen verhängen muss. Also muss man sehen, wo die Israelis besonders verletzlich sind; wo ist die stärkste Verbindung zur Aussenwelt? Und man braucht eine starke internationale Solidarität; nur so wird es funktionieren. Und Sie müssen bedenken, dass wir über viele Jahre hinweg unsere Sanktionskampagne aufgebaut haben, aber nicht zusammen mit den westlichen Regierungen. Sie haben sich erst sehr, sehr spät daran beteiligt.

Die Regierung in Indien war von Anfang an dabei, und in Europa nur Schweden und Dänemark, und das war’s. Später, von 1985-1986 an, hatten wir amerikanische Unterstützung. Wir konnten Margaret Thatcher nie zur Teilnahme bewegen, Grossbritannien nicht, Deutschlang nicht; aber in Deutschland haben die Menschen einen Unterschied gemacht, es waren die Frauen, die südafrikanische Waren in ihren Supermärkten boykottierten. So haben wir es aufgebaut. Verachte niemals die Tage der kleinen Anfänge. Es hing von der Zivilgesellschaft ab. Aber die Zivilgesellschaft in der internationalen Gemeinschaft konnte einen Aufbau nur fertigbringen, weil eine starke Stimme von innen kam; das ist jetzt die Verantwortung der Palästinenser, diese Stimme weiterhin hörbar zu machen, so stark und deutlich wie möglich. Durchdenkt die Argumente, analysiert die Logik, aber vor allem vergesst die Leidenschaft nicht, ihr macht das für euer Land.

Reaktion aus Südafrika zum Kairos Palestine Dokument: http://www.oikoumene.org/gr/resources/documents/other-ecumenical-bodies/south-african-response-to-kairos-palestine-document.html

Dr. Hanan Chehata, Reverend Allan Boesak calls Israeli apartheid  "more terrifying" than South Africa ever was, 17. November 2011, Middle East Monitor; http://www.middleeastmonitor.org.uk/resources/interviews/3079-reverend-allan-boesak-calls-israeli-apartheid-qmore-terrifyingq-than-south-africa-ever-was

 

 

Offener Brief aus dem besetzten Gaza: Drei Jahre nach dem Massaker - „Wir, Palästinenser aus Gaza, rufen drei Jahre nach dem 22 Tage langen Massaker während Israels Operation ‚Gegossenes Blei‘ die internationale Zivilgesellschaft dazu auf, 2012 zu einem Jahr zu machen, in dem die Solidarität mit uns Palästinensern den Funken der Revolutionen in der arabischen Welt auffängt und etwas Neues aufbaut....“

„Wir werden niemals den Schmerz vor drei Jahren vergessen, den kriminellen Angriff, den wir durchlebt haben, das Blut von über 1400 ermordeten Männern, Frauen und hunderten von Kindern, das in den Strassen von Gaza zwischen den Trümmern floss, unsere Betten durchtränkte  und in unser Gedächtnis gemeiselt ist. Wir werden nie vergessen. Sie sind immer noch tot, und weitere tausende sind immer noch verstümmelt.“

„Wir werden die vergangenen 63 Jahre nicht vergessen, in denen unser Land, unsere Häuser, Olivenhaine, Zitronenbäume und die uns kostbare Lebensweise von uns genommen wurden. Während israelische Soldaten die Gesichter unserer Väter in den Sand drückten, sie einsperrten und vor uns erschossen. Wir werden die skandalöse Feigheit der internationalen Gemeinschaft nicht vergessen, die die ethnische Säuberung unseres Volkes erlaubt und ermöglicht hat, uns Israels rassistischer, zionistischer Vision unterworfen hat, die uns, die eingeborene Bevölkerung von Palästina, als die in dieser Region unerwünschte ‚ethnische Gruppe‘ definiert.“

„Die USA ‚belohnen‘ Israel weiterhin mit sechs Milliarden Dollars der Steuerzahler, während die EU ihre Handels- und diplomatischen Beziehungen erweitert. Dem israelische Apartheidregime wird so ein grünes Licht gegeben, die viertstärkste Armee auf uns loszulassen, um ‚ihr Schlimmstes‘ gegen unsere Zivilbevölkerung anzurichten, von der die Hälfte Kinder sind und über zwei Drittel bei der UN registrierte Flüchtlinge.“

Auszüge aus dem Open Letter from Gaza; http://www.palestinechronicle.com/view_article_details.php?id=17347

 

Posterwettbewerb von Itisapartheid. org

Bis 1. Juni 2012 ruft Itisapartheid.org zu einem Posterwettbewerb zum Thema „Israelische Apartheid‘ auf. Für weitere Informationen gehen Sie bitte zur Webseite: info@itisapartheid.org  

 

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

 

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 16. Dezember 2011

 

Bil’in erinnert an Mustafa Tamimi - Bil’ins Einwoher, israelische und international Aktivisten trugen heute Fotos von Mustafa Tamimi mit sich, einem jungen Mann aus dem Nachbardorf Nabi Saleh, der vor einer Woche, am 9. Dezember 2011, bei einem der wöchentlichen Proteste seines Dorfes getötet wurde.

Der Protestmarsch in Bil’in gegen die israelische Mauer in der palästinensischen besetzten Westbank und die andauernde Besatzung und Kolonisiserung machte sich zur neu verlegten Mauer auf. An diesem Tag waren die Winde den Demonstranten günstig und wehten die Tränengaswolken zurück auf die Absender hinter der Betonmauer. Die Demonstranten konnten eine kurze Atempause einlegen. Trotz der teilweisen Rückgabe von Bil’ins Dorfland im Juli diesen Jahres begrenzt und kontrolliert die israelische Armee die Nutzung des Gebietes, dem Abu Lemon Park, und errichtet mit Hilfe mehrere Rollen Bandstacheldraht eine „Pufferzone“, um die rechtmässigen Besitzer aus Bil’in daran zu hindern, sich der Apartheidmauer zu nähern. Nur wenigen Teilnehmern gelang es, in diese „Pufferzone“ vorzudringen.

Viele der Jugendlichen, die eine Konfrontation mit den Soldaten in einem anderen Teil des Parkes begonnen hatten, näherten sich den Demonstranten und es kam zu kleineren Scharmützeln. Nach dem erfolglosen  Versuch, die Demonstranten mit Tränengas zu vertreiben, kamen die israelischen Soldaten schliesslich zu Fuss und mit Jeeps auf die andere Seite der Mauer, und die Demonstranten wichen auf die Hügel der Umgebung aus und kehrten ins Dorf zurück. Es wurden keine Verletzungen gemeldet. Ein ähnlicher Protest wurde im Nachbardorf Ni’lin abgehalten.   http://www.popularstruggle.org/content/bilin-commemorates-mustafa-tamimi

 

Beharrlicher Widerstand  in Kufr Qaddum - Die Einwohner von Kufr Qaddum in der nördlichen Westbank protestieren seit Juli gegen den Landraub durch die Einwohner der nahegelegenen, nach internationalem Recht illegalen Kolonie Kedumim. Das Vorgehen der Siedler wurde selbst von der israelischen Zivilbehörde in der Westbank als „Diebstahl“ bezeichnet. Die Teilnehmer des wöchentlichen friedlichen Protestes fordern zusätzlich die Wiedereröffnung einer zentralen Verbindungsstrasse zum Dorf, die seit der zweiten Intifada von der israelischen Armee blockiert wird. Nachdem der Gang vor israelische Gerichte erfolglos war, beschlossen die Dorfbewohner, ihre Rechte durch Proteste nach dem Modell des friedlichen. zivilen Widerstandes in der Westbank gegen die Mauer zu erkämpfen.

Die Demonstranten wurden von Soldaten blockiert, als sie ihren Demonstrationszug in Richtung der von Siedler konfiszierten Feldern begannen. Die Protestteilnehmer hörten einige Reden und verbrannten Reifen auf der blockierten Strasse. Die israelische Armee setzte massive Mengen an Tränengas gegen die Demonstranten ein; zusätzlich schossen sie Kanister direkt auf Menschen, in Verletzung der Regeln der Armee. Letzte Woche wurde Mustafa Tamimi aus Nabi Saleh getötet, als ein Soldate einen Gaskanister direkt aus kurzer Distanz auf ihn abfeuerte. Nachdem die Soldaten die Menge eine Stunde lang unerbittlich beschossen hatten, drangen sie mit Jeeps im Dorf ein.

http://www.popularstruggle.org/content/resistance-persists-kufr-qaddum

Ben Lorber, West Bank village steps up protests against Israel’s theft of land, The Electronic Intifada, 13. Dezember 2011; http://electronicintifada.net/content/west-bank-village-steps-protests-against-israels-theft-land/10687

 

 

23 Menschen in Nabi Saleh bei der Demonstration im Gedenken an den Tod von Mustafa Tamimi festgenommen - Eine besonders grosse Zahl von Demonstranten und Journalisten versammelte sich am 16. Dezember in Nabi Saleh, eine Woche nachdem Mustafa Tamimi, ein 28jähriger Bewohner von Nabi Saleh, während des wöchentlichen Freitagsprotestes getötet wurde, als ein Soldaten einen Tränengaskanister aus weniger als 10 Metern Entfernung vom Rücksitz eines Jeeps auf ihn schoss.

Die Demonstranten hatten sich in mehrere Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe von palästinensischen, israelischen und internationalen Aktivisten blockierte den Zugang zur benachbarten Siedlungskolonie Halamish, die auf dem Privatbesitz von Palästinensern errichtet wurde. Zehn Teilnehmer wurden dabei festgenommen. Eine kleine Gruppe hatte die von Siedlern illegal in Besitz genommene Dorfquelle von Nabi Saleh beinahe erreicht, als sie von Soldaten festgenommen wurde.

Die Hauptdemonstration wurde ausserhalb des Dorfes, an der Stelle, wo Mustafa Tamimi vergangenen Freitag tödlich getroffen wurde, von Batallions der israelischen Grenzpolizei angegriffen und mit Tränengas und „Stinkwasser“ eingenebelt, obwohl keine Steine geworfen wurden; das israelische Militär schoss Gaskanister wiederholt direkt auf die Menschen. Einige Demonstranten und Journalisten wurden leicht verletzt. Als die Streitkräfte ins Dorf eindrangen, kam es zu Zusammenstössen mit Jugendlichen. Eine weitere Gruppe von Protestteilnehmern wurde angehalten, festgenommen und zur Polizeistation Benyamin gebracht, als sie in einem Taxi in Richtung Ramallah fuhren. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Strassen blockiert und geschlossenen militärische Zonen betreten haben.

http://www.popularstruggle.org/content/21-arrested-nabi-saleh-demonstration-commemorating-death-mustafa-tamimi

 

 

Mohammed Khatib aus Bil’in nach Teilnahme am Protest in Nabi Saleh festgenommen - Mohammed Khatib, ein prominenter Mitorganisator der gewaltlosen Proteste in Bilin, wurde drei Tage von der israelischen Armee inhaftiert, nachdem er an einer Demonstration in Nabi Saleh im Gedenken an Mustafa Tamimi teilgenommen hatte. Mustafa Tamimi aus Nabi Saleh wurde am 9. Dezember bei einem der gewaltlosen Freitagsproteste (gewaltlos,was die Demonstranten angeht) von einem israelischen Soldaten mit einem Gaskanister aus kurzer Entfernung direkt beschossen und starb an seinen schweren Kopfverletzungen.

Mohammed Khatib hatte mit einer kleinen Gruppe von Aktivisten vor der Zufahrt zur illegalen israelischen Siedlung Halamish protestiert. Mitglieder der israelischen Grenzpolizei nahmen die Aktivisten fest und brachten sie zur Militärstation in der Siedlungskolonie. Dort wurde der an den Händen gefesselte Khatib von einem Siedler angegriffen und seine Nase blutig geschlagen. Eine israelische Aktivistin wurde von diesem Siedler  ebenfalls geschlagen. Weder Grenzpolizisten noch Soldaten verteidigten die wehrlosen Demonstrationsteilnehmer.  Mohammed Khatibs blutig geschlagene Nase war dann der Anlass, ihn wegen Angriffs auf einen Soldaten zu zwei weiteren Nächten im Gefängnis zu verurteilen.

Einem Mitdemonstranten aus Nabi Saleh, Mohammed Tamimi, erging es schlechter: Ein Foto wurde als Beweis vorgelegt, Mohammed Tamimi wegen Steine werfen im Gefängnis zu behalten.

Zum einen werden sämtliche Demonstrationen von israelischen Sicherheitskräften mit Kameras überwacht und Fotos werden später oft vor Gericht als Beweis für angebliche Vergehen vorgelegt. Dass der Mann im Foto nicht Mohammed Tamimi war, ist für die israelische Militärgerichtsbarkeit unwesentlich. Zum anderen werden angeklagte Palästinenser meist für die maximal gestattete Untersuchunsghaft von acht Tagen festgehalten, bevor sie einen Richter sehen. Während  Mohammed Khatib das Gefängnis am dritten Tag verlassen konnte, verblieb Mohammed Tamimi hinter Gittern. Sein Team von Verteidigern arbeitet an einem Antrag für seine Freilassung; das Popular Struggle Coordination Committee [PSCC] bittet, wenn möglich, um finanzielle Unterstützung für den legalen Fonds des PSCC!

[In seinem Brief an die Freunde Bil’ins bedankt sich Mohammed Khatib bei einer israelischen Kollegin, Ayala Shani. Sie wurde zusammen mit Mohammed Khatib und Mohammed Tamimi festgenommen und hat sich bisher – trotz zweimaliger Angebote zur Freilassung - geweigert, das Gefängnis ohne ihre beiden Mitstreiter zu verlassen.]

 

 

Hintergrund: Nabi Saleh – Eine Illustration der Besatzung -  Nabi Saleh ist ein kleines Westbankdorf mit etwa 550 Einwohnern. Jeden Freitag seit Dezember 2009 ist das Dorf der Schauplatz einer harschen militärischen Reaktion auf gewaltlose Demonstranten.

Ein chaotischen Schauer von Tränengaskanistern, oft direkt in die Menge gezielt, füllt die Luft, und die Kanister werden zu Waffen, ganz abgesehen von den giftigen Gasen, die sie abgeben.

Inmitten dieser Schlacht ringen die Dorfbewohner – zusammen mit Israelis und internationalen Unterstützern- um Atem, werden mit gummi-ummantelten Stahlkugeln beschossen und fallen manchmal unter der Schlägen der israelischen Soldaten,die dieses gewaltsame Schauspiel inszenieren.

Diese sorgfältig orchestrierte und brutale Vorstellung der israelischen Armee wurde durch eine Entscheidung der Einwohner von Nabi Saleh ausgelöst, friedliche Demonstrationen gegen die Enteignung der al-Qaws Quelle durch ihre Nachbarn, die Siedler von Halamish, zu organisieren.

Halamish, auf der Nabi Saleh gegenüberliegenden Seite des Tales, behaust eine Gemeinschaft von messianischen, religiösen Zionisten, die jeder Autorität, die ihre Kontrolle über das umliegende Land beschränken will, die Anerkennung verweigern, einschliesslich Israel, weil sie glauben, das ihnen [dieses Land] von Gott gegeben wurde.

Seit 1977 ist Halamish kontinuierlich gewachsen und nimmt jetzt ungefähr die Hälfte von Nabi Salehs ursprünglichem Landbesitz ein.

Die Brutalität des Vorgehens der israelischen Armee gegen die wöchentlichen Demonstrationen in Nabi Saleh alarmierte verschiedene Menschenrechtsgruppen, darunter die angesehene israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem, die im September einen warnenden Bericht über die Gewalt der Soldaten gegenüber den Demonstranten in Nabi Saleh herausgab, nach Ansicht der Organisation eine Verletzung grundlegender Rechte.

Der Bericht stellt das von der Armee proklamierte Gewaltmonopol im Dorf in Frage – was [die Armee] als „Mengenkontrolle“ beschreibt. Die Demonstrationen sind klein und werden mit Schockgranaten, Pfefferspray, Gummimantelgeschossen und übelriechendem Wasser behandelt.

Die Dorfbewohner haben in der Vergangenheit unter den Schikanen der Siedler gelitten, die z. B. 2009 150 Olivenbäume verbrannten. Als die Siedler aber die al-Qwas Quelle besetzten, die von Palästinensern nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch als Ort für Picknicks benutzt wurde, begannen die organisierten Proteste.

Im Frühling 2008 begannen die Siedler mit der Nutzung der Quelle, und im nächsten Jahr bauten sie für den eigegen Bedarf an. Weil die Quelle auf Privatland von Palästinensern liegt, wandten sich die Dorfbewohner an die Polizei, um die Arbeiten zu stoppen. Ihre Anfragen wurden ständig abgewiesen. Im Januar 2010 wurde Nabi Saleh informiert, dass sie nicht länger Zugang zu ihrer Quelle hatten, weil sie ein wichtiger archäologischer Ort sei, was weitere Bauarbeiten unterband.

Die Siedler setzten ihre Arbeit trotzdem fort, bauten Strassen, kleinere Gebäude und Bewässerungssysteme. Vergangenen Juli ging der Besitzer des Landes zum Obersten Gerichtshof und beantragte die Räumung der illegal errichteten Infrastruktur.

Bis zur Entscheidung des Falles darf jeweils nur ein Bewohner aus Nabi Saleh zur Quelle gehen, während die Siedler aus Halamish unbegrenzten Zugang haben.

Die Demonstrationen beschränken sich auf das Dorfinnere, der Ausgang wird von Soldaten blockiert. Meistens versammeln sich die Demonstranten, um zur Quelle zu laufen, werden aber jedes Mal von den Soldaten daran gehindert.

Der Widerstand im Dorf hat dazugeführt, dass sich die Vergeltungsmassnahmen der Armee auf Nabi Saleh konzentrieren. Nach Angaben von B’Tselem wurden 78 Palästinenser wegen ihrer Beteiligung an den Demonstrationen festgenommen oder verhört.

Die Organisation berichtet, dass militärische Staatsanwälte nach zehn Jahren Pause wieder die Order 101 einsetzen, die seit 1967 dazu eingesetzt wird, Proteste in der Westbank für illegal zu erklären und Demonstranten zu bestrafen.

Bassem und Naji Tamimi, zwei Palästinenser in der vordersten Front im Kampf um die Wiedererlangung von Nabi Salehs gestohlenem Land, wurden im Frühjahr festgenommen und mehrere Anklagen gegen sie erhoben, darunter illegales Demonstrieren, Aufwiegelung, Steine werfen und Störung der öffentlichen Ordnung.

Kinder werden ebenfalls als eine Bedrohung angesehen, und von Armeeangehörigen, die freitags das Dorfland durchkämmen, beschuldigt, dass sie Steine werfen. Regelmässige Nachtrazzien auf ihre Häuser dokumentieren ihre persönlichen Daten und ihre Aufenthaltsorte; allerdings glauben die Einwohner, dass dieses Ritual Furcht einflössen soll.

Das gewaltsame Vorgehen der Soldaten, dokumentiert von Januar bis August diesen Jahres, brachte 35 Palästinenser ins Krankenhaus, einige für leichte Verletzungen, vier mussten im Krankenhaus bleiben.Bei einigen schweren Verletzungen hielt die Armee die Ambulanz durch Strassenblockaden auf und verdoppelte damit die Dauer des Transports.

Der unverhältnismässige Einsatz von Tränengas in Nabi Saleh, so der Bericht [von B’Tselem], ist nicht mit dem Protokoll für die Zerstreuung einer Menge in bevölkerten Orten zu vereinbaren. Wenn Metallkanister in Kopfhöhe und aus kurzer Distanz abgefeuert werden, ist das kein Zerstreuen der Menge. Es ist ein Angriff, sagen die Teilnehmer.

Die „Association for Civil Rights in Israel“ hat im September mit einem eigenen Bericht zur Diskussion beigetragen und verweist darauf, dass vor allem Palästinensern in den besetzten Gebieten das Recht auf Proteste nicht verweigert werden darf, weil ihnen alle anderen Wege der Beeinflussung von politischen Entscheidungen in Israel verweigert wurden. Die [Organisation] betont, dass das Demonstrationsrecht einer Bevölkerung unter Besatzung- und das Recht auf Meinungsfreiheit- in internationalen Menschenrechtsnormern verankert ist.

Die Versuche von Opfern, Soldaten zur Verantwortung zu ziehen für ihre Aggressionen, stossen meist nur auf Schweigen.

Die Machtzentrale in Israel kümmert sich nicht um das Verhalten ihrer Repräsentanten in der Westbank und begrenzt die Freiheiten der Armee kaum.

Als Resultat können Soldaten ungestraft handeln.

Sophie Crowe, Nabi Saleh 101: Understanding the Occupation, Palestine Monitor, 7. Dezember 2011; http://www.palestinemonitor.org/?p=3253

Gili Cohen, Protesters in Israel and West Bank face increasing restrictions, report finds.Annual assessment released by Association for Civil Rights in Israel cites various means employed to silence participants in social protests, as well as in anti-occupation demonstrations. http://www.haaretz.com/print-edition/news/protesters-in-israel-and-west-bank-face-increasing-restrictions-report-finds-1.399374           

 

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 9. Dezember 2011

 

Nabi Saleh: Mustafa Tamimi von Tränengaskanister getötet - Mustafa Tamimi aus Nabi Saleh wurde während des wöchentlichen Protestes im Westbankdorf tödlich verletzt, als ein israelischer Soldat einen Tränengaskanister aus nächster Nähe direkt auf ihn abfeuerte. Der Soldat sass im Heck eines Armeejeeps und schoss aus der geöffneten Tür des Fahrzeugs auf Mustafa, der den abziehenden Armeejeeps gegen Ende der Demonstration gefolgt war, um durch zornige Worte und einige Steine zu zeigen, dass die Dorfbewohner die wöchentlichen militärischen Angriffe auf ihre antikolonialen Proteste nicht passiv hinnehmen werden. Augenzeugen berichten, dass der Soldat das Gewehr aus weniger als zehn Metern Entfernung auf Mustafa Tamimi richtete und abschoss; der Kanister zerstörte eine Hälfte von Mustafas Gesicht; er starb am nächsten Tag an seinen Verletzungen.

An diesem Freitag hatte sich eine besonders grosse Gruppe von Demonstranten in Nabi Saleh versammelt, weil das Dorf den zweiten Jahrestag seit Beginn der wöchentlichen Demonstrationen beging. Eine UN Delegation war ebenfalls gekommen, um das Vorgehen der israelischen Armee gegen die Demonstranten zu beobachten.

Nachdem die Hauptgruppe von Demonstranten etwa eine Stunde lang vergeblich und unter permanentem Tränengasbeschuss versucht hatte, die Demonstration ausserhalb des Dorfes und in Richtung der von Siedlern konfiszierten Dorfquelle fortzuführen, baute eine kleine Gruppe von Jugendlichen eine improvisierte Strassenblockade aus Steinen auf der Hauptstrasse und begann, Steine zu werfen.

Ein israelischer gepanzerter Bulldozer wurde losgeschickt, um die Steine zu entfernen; einige Armeejeeps fuhren ebenfalls vor und Soldaten stiegen aus und begannen mit dem Beschuss der Jugendlichen. Mustafa Tamimis erlitt die tödliche Verletzung während des Abzugs dieser Jeeps. Mitdemonstranten rannten sofort zu dem verwundeten Mann und hoben ihn in ein Taxi. Wenig später wurde das Taxi an einem Checkpunkt von israelischen Soldaten angehalten und Mustafa Tamimi aus dem Taxi geholt. Während einige Soldaten die Ausweispapiere von Mustafa Tamimi und von Familienmitgliedern untersuchten, die ihn ins Krankenhaus begleiten wollten, behandelten andere den Schwerverletzten. Mustafa Tamimi wurde in ein Krankenhaus in Petah Tikva bei Tel Aviv geflogen, wo er am Samstag morgen starb.

Nabi Saleh ist ein kleines palästinensisches Dorf nicht weit von Ramallah. Seit den 70er Jahren verlor es Dorfland durch den Bau einer sich stetig vergrössernden Kolonialsiedlung in der Nachbarschaft, die ausschliesslich von jüdischen Israelis bewohnt werden darf. Nachdem eine wichtige Wasserquelle des Dorfes von den Siedlern von Halamish in Beschlag genommen wurde, reagierten die Dorfbewohner aus Nabi Saleh mit wöchentlichen Protesten jeden Freitag.

**Eine persönliche Bemerkung

Jeder, der einige Zeit an einem Freitag in Nabi Saleh verbracht hat, versteht, wie persönlich dort alles verläuft. Die Familie Tamimi und die Aktivisten, die dorthin gehen, um sie in ihrem Kampf um ihr Land unterstützen, bilden die zentrale Gruppe[der Proteste] und sind meist die gleichen Leute, und die Soldaten aus der benachbarten Baracke sind normalerweise auch immer die gleichen. Jeder kennt jeden aufgrund der wöchentlichen Interaktionen. Jedes Mitglied der Familie Tamimi ist den in der Gegend stationierten israelischen Armeeeinheiten wohl bekannt, wie auch den Soldaten, die sie quälen und schikanieren. Handlungen, wie die böswillige Tötung von Mustafa Tamimi kann man als absichtlich verstehen, wenigstens von dem Soldaten, der am Drücker war. Entweder wurde [Mustafa] als Individuum ins Visier genommen oder um einer Familie das Rückgrat zu brechen, die jedes Hinterniss auf sich genommen hat, um ihr Land und ihre Rechte zu bewahren; Leute von aussen müssen den persönlichen Aspekt im Tod von Mustafa Tamimi sehen, in der Festnahme von Bassem Tamimi, in den ständigen Nachtrazzien, der Festnahme und brutalen Vernehmung von Kindern und dem ganzen Arsenal an Schikanen gegen diese Menschen.

Omar Rahman, Nabi Saleh protester hit by tear gas canister dies from wounds, 9.Dezember 2011; http://972mag.com/nabi-saleh-palestinian-shot-in-head-with-tear-gas-canister/29317

Siehe Sonderseite zum Tod von Mustafa Tamimi; Bericht zum Hintergrund der Proteste siehe: Sophie Crowe, Nabi Saleh 101: Understanding the Occupation, Palestine Monitor, 7. Dezember 2011; http://www.palestinemonitor.org/?p=3253

 

Reaktionen auf den Tod von Mustafa Tamimi: Der britische Generalkonsul in Jerusalem bedauerte am 10. Dezember im Namen der britischen Regierung den tragischen Tod von Mustafa Tamimi aus Nabi Saleh „während einer wöchentlichen Demonstration gegen die systematischen Versuche der Siedler aus der illegalen Siedlung Halamish, die Wasserquelle zu enteignen, die den Dorfbewohnern von Nabi Saleh gehört.“ Er erinnerte an den Besuch des britischen Aussenministers Alistair Burt im Juli 2011 in Nabi Saleh, bei dem Burt das Recht auf friedliche Demonstrationen unterstützt habe.

 

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem forderte am 11. Dezember  nicht nur eine Untersuchung des Verhaltens des israelischen Soldaten, der einen Hochgeschwindigkeits-Tränengaskanister auf Mustafa Tamimi abfeuerte, sonder auch der kommandierenden Offiziere und der dem Soldaten gegebenen Befehle.

B’Tselem forderte eine Klarstellung von der israelischen Armee, dass eine Untersuchung durch die Militärpolizei stattfindet in Übereinstimmung mit einer dieses Jahr abgegebenen Erklärung der israelischen Armee vor dem Obersten Gericht, nach der alle Todesfälle von Zivilisten in der Westbank von der Militärpolizei untersucht werden sollen.

Seit mehreren Jahren hat B’Tselem Vertreter der israelischen Streitkräfte gewarnt, dass Soldaten Tränengaskanister direkt auf Demonstranten in der Westbank abschiessen. Die Organisation forderte die Kommandeure dazu auf, von den Soldaten im Einsatz ein striktes Befolgen der Regeln der israelischen Armee zu verlangen. Nach den offiziellen Regeln der Armee darf ein Tränengaskanister nicht direkt aus einem Gewehr auf einen Demonstranten oder aus weniger als 40 Meter Distanz abgefeuert werden.(Haaretz)

Mehrere Demonstranten wurden durch Tränengaskanister zum Teil schwer verletzt oder getötet. 2009 wurde Bassem Abu Rahmah aus Bil’in durch einen Tränengaskanister tödlich verletzt, der Amerikaner Tristan Anderson erlitt im gleichen Jahr einen Gehirnschaden nach einer Kopfverletzung durch einen Gaskanister. Nach Informationen von B’Tselem wurde bisher kein einziger Soldat wegen des regelwidrigen Einsatzes von Tränengas vor Gericht gestellt. Im Todesfall von Bassem Abu Rahmah begann die Militärpolizei eine Untersuchung erst im Juli 2010, nachdem B’Tselem und der israelische Anwalt Michael Sfard mit einem Gang zum Obersten israelischen Gericht drohten.

 

Die Chefin der Europäischen Aussenpolitik Catherine Ashton gab am 13. Dezember eine Stellungnahme zum Tod von Mustafa Tamimi heraus, in der sie seinen ‚tragischen Tod‘ zutiefst bedauerte und eine gründliche Untersuchung des Vorfalls forderte.

 

British Government Regrets Tragic Death of Palestinian in Nabi Saleh, WAFA, 10.Dezember 2011;

http://english.wafa.ps/index.php?action=detail&id=18312

Israeli Rights Center Demands Investigation into Palestinian’s Death in Nabi Saleh, WAFA, 11. Dezember 2011; http://english.wafa.ps/index.php?action=detail&id=18320

http://www.haaretz.com/print-edition/news/palestinian-protester-s-death-an-exceptional-incident-say-idf-officials-1.400881

Ashton urges Israel to investigate Protester’s Death, WAFA, 13. Dezember 2011; http://english.wafa.ps/index.php?action=detail&id=18350

 

 

 

Beit Ummar: Protest gegen die Tötung von Mustafa Tamimi - Bei der wöchentlichen Samstagsdemonstration in Beit Ummar protestierten die etwa 40 Demonstranten, verstärkt durch eine Gruppe von Studentinnen aus Hebron, gegen den Mord von Mustafa Tamimi, der am Vortag bei der Demonstration in seinem Heimatdorf Nabi Saleh von einem Tränengaskanister tödlich getroffen wurde. Seine Beerdigung am Samstag wurde von israelischen Soldaten angegriffen und die Trauergäste verprügelt und mit Tränengas beschossen.

Einige israelische Soldaten blockierten die Demonstranten, die palästinensische Fahnen trugen und gegen das Besatzungsregime protestierten. Die Demonstration endete ohne Verletzungen und Festnahmen.

Bis Ende November wurden etwa 15 Männer aus Beit Ummar von der israelischen Armee festgenommen, meist während nächtlicher Razzien in der Stadt.

Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken?Das Palestine Solidarity Project bietet in seinem Internetladen örtliche hergestellte Keffiyehs, Schmuck und Textilprodukte an; der Erlös unterstützt die Arbeit des PSP und die Bewohner der Region. (Bestellen bei: pspembroidery@gmail.com)

http://palestinesolidarityproject.org/2011/12/11/weekly-demonstration-in-beit-ommar-protests-the-killing-of-mustafa-tamimi

 

 

Beit Jala: Hilferuf an die Welt zu Weihnachten - Als Teil der wöchentlichen gewaltlosen Demonstrationen gegen die Besatzung, die Siedlungen und die israelische Mauer in der Westbank hielten palästinensische Christen in Beit Jala Gebete auf dem Land des örtlichen Klosters ab, um gegen israelische Annexionsversuche zu protestieren. Das Palestine News Network (PNN) berichtete, dass die orthodoxe Kirche im Beit Jala diese Proteste auf dem Land zusammen mit mehreren Nicht-Regiderungsorganisationen seit einigen Wochen durchführt.

Vater Ibrahim Ash-Shomaly beschrieb die Gebete als Botschaft an die Welt, die sich auf Weihnachten vorbereitet. Die Christen und Moslems in Bethlehem, Beit Jala und Beit Sahour, und die gesamte palästinensische Bevölkerung bitten die internationale Gemeinschaft um ihren Beistand und Einsatz für die Beendigung des Unrechts. Israels Aktionen verletzten internationale Verträge und die Prinzipien aller Religionen. Mehrere Einwohner trugen Plakate mit der Aufschrift: „Kein Friede ohne Gerechtigkeit“; „Unrecht kann nicht ewig dauern“; sie bestätigten ihren Entschluss, die wöchentlichen Proteste fortzusetzen, um der ganzen Welt zu zeigen, dass Israel Unrecht im Heiligen Land praktiziere.


Saeed Bannoura, Latin Church In Beit Jala Holds Prayers On Lands Threatened By Wall, Settlements, IMEMC, 2. Dezember 2011; http://www.imemc.org/article/62603

 

 

Jerusalem: Palästinenser protestieren gegen geplante Zerstörung von Beduinendörfern in der Negev - Tausende von Palästinensern protestierten am 11. Dezember vor dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu in Jerusalem, um gegen die geplante Demolierung von mindestens 30 „nicht anerkannten“ Beduinendörfern in der Negev mit einer Einwohnerschaft von mehr als 100 000 Menschen zu demonstrieren.

Nach dem „Braver Plan“ sollen etwa eine Million Dunam Land im Besitz von Arabern/Beduinen in der Negev konfisziert und die Beduinen (insgesamt etwa 200 000 Menschen) in einem Teil des Negevgebietes auf weniger als 100 000 Dunam konzentriert werden. Mit der Konstruktion von Siedlungen und Einkaufszentren nur für jüdische Israelis würde Israel eine Politik der ethnischen Säuberung durchführen, sagte Mohammad Zeitan gegenüber Al Jazeera.Das israelische Kabinett behandle die Araber im Land mit einer kolonialen Mentalität als Sicherheitsrisiko.

Sheikh Siyah At-Toury vom Beduinendorf Al Araqeeb sagte, dass die Dorfbewohner auch nach der 32sten Zerstörung ihres Dorfes in diesem Jahr an ihrem historischen Land festhalten werden.At-Toury erklärte, dass die israelischen Pläne zur Vertreibung der Beduinen aus der Negev von israelischen Militärs entworfen werden, die die Araber und Beduinen als Feinde ansehen und nicht als Einheimische des Landes.

Saed Bannoura, Protests Held In Jerusalem Against Plans Targeting Bedouin Villages, IMEMC, 12. Dezember 2011;

http://www.imemc.org/article/62654

 

 

Bil’in: Fortsetzung der Demonstrationen trotz Tränengasbeschuss - Dutzende litten unter schweren Atembeschwerden und anderen Folgen der Tränengasinhalierung, als israelische Soldaten den wöchentlichen Protest gegen die israelische Mauer in Bil’in mit Tränengas, Schockgranaten, gummiummantelten Stahlgeschossen und einer übelriechenden chemischen Flüssigkeit, dem sogenannten Skunk, angriffen. Eine Delegation aus Belgien beteiligte sich am Protestmarsch an diesem Freitag, zusammen mit Palästinensern , Israelis und internationalen Friedensaktivisten. Seit Anfang Juli diesen Jahres marschiert der Demonstrationszug in Bilin nach dem Freitagsgebiet zum Abu Lemon Park, einem Teil von Bilins Land, das dem Dorf nach sechs Jahren Widerstand und vier Jahre nach einer Entscheidung des Obersten israelischen Gerichtes zugunsten des Dorfes zurückgegeben wurde. Wie so oft in den vergangenen Jahren trugen die Teilnehmer palästinensische Fahnen und Banner mit dem Foto von Marwan Barghouti, sie forderten das Ende der Besetzung und Freiheit für alle palästinensischen politischen Gefangenen. Die neu errichtete Betonwand wird von der israelischen Armee zusätzlich durch eine Rolle Stacheldraht verstärkt, die einen Teil des wiedergewonnenen Landes blockiert und deshalb jeden Freitag von den Demonstranten teilweise entfernt und zerschnitten wird. Nach wenigen Minuten begannen die hinter der Mauer wartenden israelische Soldaten mit dem Einsatz ihrer „Mengenkontrollmittel“, was zu schwerwiegernder Atemnot bei einigen Demonstranten führte. Sie wurden von Sanitätern der bereitstehenden Ambulanzen behandelt, während eine  kleine Gruppe von Jugendlichen mit dem Steine werfen begann.

Am 2. Dezember hatte eine Gruppe von 30 Kommunisten aus Frankreich die wöchentliche Demonstration unterstützt und gemeinsam mit den Dorfbewohnern gegen die Demolierung des Aussenpostens von Bilin protestiert. Diese Struktur wurde 2005 einige Meter von der illegalen israelischen Kolonie Modi’in Illit errichtet und diente den palästinensischen Dorfbewohnern als Beobachtungsstation, um die Aktivitäten der Sielder zu verfolgen und um Siedlerangriffe auf das Dorf zu verhindern. Mohammed Khatib vom Bürgerkomitee Bil’in kommentierte: “ Es ist eine Schande, wenn die Häuser der Siedler, auf unserem gestohlenen Land erbaut, im Nachhinein genehmigt werden, während unsere Gebäude zerstört werden, als wären wir die Gesetzesbrecher. Wenn das nicht Apartheid ist, dann weiss ich nicht, was sonst.”

Sameer Bornat, Dozens teargased in the village of Bil’in west of Ramallah. 9. Dezember 2011, Popular Struggle Coordination Committee; http://palsolidarity.org/2011/12/dozens-teargased-in-the-village-of-bilin-west-of-ramallah/

Bil’in’s Non-violent resistance, 6. Dezember 2011; http://www.palestinemonitor.org/?p=3195

 

 

Kufr Qaddoum: Armee greift Dorf mit Tränengas an - Am Freitag wurden die Teilnehmer am Protest gegen die Schliessung einer zentralen Verkehrsader beim Dorf Kufr Qaddoum von der israelischen Armee aggressiv vertrieben. Etwa 200 Menschen waren nach dem Freitagsgebet zum Eingang des Westbankdorfes marschiert, um die Wiedereröffnung einer Verbindungsstrasse zwischen Kufr Qaddoum und Nablus zu fordern. Eine Gruppe von israelischen Soldaten blockierte den Weiterzug der Demonstranten und die Mehrheit der Protestteilnehmer kehrte nach einer kurzen Kundgebung ins Dorf zurück. Als eine kleine Gruppe von Jugendlichen mit Steine werfen begann, drangen die Soldaten ins Dorf ein und beschossen Menschen, Häuser und Gärten mit Tränengas. Augenzeugen berichten, dass die Soldaten in Verletzung der Armeeregeln die Tränengaskanister direkt auf Menschen abschossen, obwohl dies in der Vergangenheit zu zahllosen Knochenbrüchen, schwersten Kopfverletzungen und Toten führte.[Die Internationale Solidaritätsbewegung, ISM, hat die Namen der bei Protesten getöteten Demonstranten von 2004-2011 aufgelistet.]

 2003 wurde die Hauptverbindungsstrasse des Dorfes nach Nablus geschlossen, weil sie an einer der illegalen israelischen Siedlungskolonien in der Westbank vorbeiführt. Damit hat sich die Fahrtzeit nach Nablus verdoppelt. Ein Bericht der Palästinensischen Autorität vom September schätzt, dass sich die Kosten der Verkehrsbehinderungen durch die israelische Armee, durch Checkpunkte etc. auf 184 Millionen Dollar pro Jahr belaufen.

Am 1. Juli 2011 begannen die wöchentlichen Proteste gegen die Strassensperrung in Kufr Qaddoum, nachdem andere Lösungsversuche gescheitert waren. Abu Musub, Vorsitzender des Gemeinschaftszentrum von Kufr Qaddoum berichtet, dass die Tränengasmenge bei jeder Demonstration zunahm: „Sie wollen die Demonstrationen stoppen, aber wir werden weitermachen, bis sie die Strasse öffnen.“ Er sagte, dass die israelische Armee jede Nacht ins Dorf kommt, oft um das Dorf mit lauten Schockgranaten zu terrorisieren. Am 29. November wurden vier junge Männer aus dem Dorf von Soldaten verschleppt; sie wurden bisher incommunicado festgehalten, niemand hat Informationen über ihren Aufenthalsort oder die Gründe der Inhaftierung. 20 oder 21 Dorfbewohner sind in israelischen Militärgefängnissen, acht wurden im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen.

ISM, Military teargases Kufr Qaddoum following nightly raids and arrests, 10. Dezember 2011; http://palsolidarity.org/2011/12/military-teargases-kufr-qaddoum-following-nightly-raids-and-arrests/

http://palsolidarity.org/2010/12/list-of-demonstrators-killed-during-protests-against-the-wall/

 

 

Ni’lin: Nachtrazzia der israelischen Armee - Mitglieder der Familie Amireh terrorisiert - In der Nacht vom 11. zum 12. Dezember führte die israelische Armee eine nächtliche Razzia im Dorf Ni’lin durch; ihr Ziel waren Familienmitglieder von Ibrahim und Saeed Amireh, die im friedlichen Widerstand gegen die Besatzung aktiv sind. Ibrahim Amireh wurde bereits mit einem Jahr Gefängnis für die Organisation und Teilnahme an den gewaltlosen Protesten bestraft. Nachdem die Soldaten rücksichtslos zwei Häuser druchkämmt hatten, schleppten sie einen Onkel der Familie zu Saeed Amirehs Haus, wo sie mit viel Lärm und Gewalt eindrangen. Die Familie wurde in einen Raum zusammengepfercht und ein 18jähriger Sohn der Familie in das Wohnzimmer gebracht  und fotografiert. Anschliessend übergaben die Soldaten ihm eine Vorladung zum Verhör im Gefängniskomplex Ofer am 15. Dezember. Für palästinensische Familien geschehen die Razzien, die nächtliche Identifizierung von Familienmitgliedern und die Vorladung zum Verhör im Kontext der kontinuierlichen Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzungsarmee: Im Dezember 2009 wurde z. B. der 18jährige Ibrahim Srour aus Ni’lin festgenommen und zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt, als er zum Verhör erschien. Nachdem er zusätzlich eine Geldstrafe abgezahlt hatte, wurde er vor zwei Monaten freigelassen.

Die Teilnehmer an den Freitagsprotesten in Ni’lin wurden Anfang Dezember ebenfalls verstärkt unter Druck gesetzt: Am 2. Dezember 2011 drang die israelische Armee erstmals nach der Freitagsdemonstration in das Dorf ein und beschoss unbeteiligte Dorfbewohner mit Gummimantelgeschossen; Soldaten feuerten auch mit scharfer Munition in die Luft.

 Saeed Amireh, Another attempt to silence us, 12. Dezember 2011; supportibrahim.org

http://palsolidarity.org/2011/12/israeli-forces-enter-nilin-with-tear-gas-and-ammunition/

 

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 28. Oktober 2011

 

 

Nilin: Palästina wiederbepflanzen! - Saeed Amireh aus Nil’in berichtet über die Aktion für neue Olivenbäume in Ni‘lin: „In Palästina sagen wir: ‚Wenn die israelische Besetzung einen Olivenbaum entwurzelt, dann pflanzen wir zehn Bäume ein‘, um zu zeigen dass wir an unserem Land unbeirrt festhalten und nicht aufgeben. [Spenden für neue Olivenbäume] unterstützen den gewaltfreien Widerstand politisch und menschenrechtlich, und auch die Bauern, die sehr viel durchstehen müssen. ...Jeder Olivenbaum bringt etwa 100 Dollar pro Jahr. Wir sind Bauern. Unser Überleben hängt von der Landwirtschaft ab.“

70% der zerstörten Olivenbäume kann das Westbankdorf Ni’lin bereits durch die bis November 2011 erhaltenen Spenden ersetzen. Bitte helfen Sie mit, dass die Aktion „Replant Palestine“ bis Jahresende alle 1100 durch den illegalen Mauerbau verlorene Olivenbäume ersetzen kann.

Während Ni’lins wöchentlicher Demonstration gegen die illegale israelische Apartheidmauer in der Westbank am 28. Oktober wurden sieben Teilnehmer verletzt; israelische Soldaten feuerten wieder massiven Tränengasmengen auf die friedlichen Demonstranten.

http://replantpalestine.org/en
http://www.nilin-village.org/


 

Bil’in: Freiheit für Ashraf Abu Rahmah! - Am 21. Oktober 2011 wurde Ashraf Abu Rahmah nach der wöchentlichen Demonstration in Bil’in von israelischen Soldaten festgenommen, und nicht zum ersten Mal, berichtete das Koordinierungskomitee des friedlichen Widerstandes [Popular Struggle Coordination Committee-PSCC] aus Bil’in.

„An einem durchschnittlichen Freitag begann keine Demonstration ohne Ashraf Abu Rahmah. Er lief immer vorraus, die palästinensische Fahne in der Hand. Üblicherweise war Ashraf immer der Letzte auf dem Heimweg, d.h. wenn er nicht verletzt oder festgenommen wurde.

Diese Woche marschierten die Demonstranten [am 28. Oktober]wie  immer und forderten den Abbau der Mauer; aber Ashraf war nicht unter uns. Einen Tag zuvor, am 27. Oktober, hatte ein Militärrichter entschieden, Ashrafs Inhaftierung für die Dauer des Gerichtsprozesses gegen ihn auf unbestimmte Zeit zu verlängern, obwohl alle Indizien auf seine Unschuld weisen.

Seine Rechtsanwälte haben bereits Einspruch eingelegt. Jetzt brauchen wir Eure Hilfe, um Israels Verfolgung von Ashraf zu beenden.

Der Richter befahl die Verlängerung von Ashrafs Inhaftierung, obwohl die Verteidigung zahlreiche Beweise vorlegte, die die Anklagepunkte in Frage stellten. Dem Gericht wurden zwei eidesstattliche Versicherungen vorgelegt, von einem Mitarbeiter von B’Tselem und einem Rechtsanwalt, die Augenzeugen der Vorgänge waren. Die Erklärungen stellten fest, dass sich Ashraf zu keinem Zeitpunkt am Steine werfen beteiligte. Video von der Festnahme Ashrafs wurde in Unterstützung der Affidavits ebenfalls vorgelegt. Das Video zeigt, wie er mit einer Fahne in der Hand friedlich auf die Jeeps zugeht, und wie die Soldaten ihn anfangs ignorieren.“ Mohammed Khatib, Bil’in.

 

 

Brief zur Freilassung von Ashraf Abu Rahmah: http://www.popularstruggle.org/content/take-action-demand-israel-release-ashraf-abu-rahmah&ref=1  - Ahshraf Abu Rahmah ist der Bruder von zwei Bewohnern Bil’ins, die bei der Teilnahme an den Demonstrationen des Dorfes getötet wurden. Sein Bruder Bassem wurde am 17. April 2009 während einer friedlichen Demonstration tödlich getroffen, als Soldaten Hochgeschwindigkeits-Tränengasprojektile aus 40 Meter Nähe direkt auf ihn abfeuerten. Ashrafs Schwester Jawaher starb am 1. Januar 2011an einem Herzinfarkt in Folge der Inhalierung von grossen Tränengasmengen.

Ashraf selbst war das Opfer einer schwerwiegenden Dienstverletzung israelischer Soldaten. Am 7. Juli 2008 wurde Ashraf nach einer Demonstration in Ni’lin festgenommen. Er stand gefesselt und mit verbundenen Augen wehrlos neben einem Armeejeep, als ein Soldat aus nächster Nähe das Gewehr auf Ashrafs Fuss richtete, feuerte und ihn am Fuss traf. Der Vorfall wurde von einer jungen Bewohnerin aus Ni’lin gefilmt und verursachte internationale Empörung. Proteste von Menschen aus aller Welt zwangen die israelischen Behörden schliesslich zum gerichtlichen Vorgehen gegen den Soldaten und den verantwortlichen Offizier, Lt. Col. Omri Borberg, der den Schussbefehl gegeben hatte. Beide wurden wegen regelwidrigen Verhaltens schuldig gesprochen.

Die Festnahme von Ashraf und die fortgesetzte Inhaftierung zeigen nach Meinung des PSCC, dass ihn die israelischen Behörden ungerechterweise für diese Vergangenheit bestrafen. Das Militärgericht wirft Ashraf Abu Rahmah die Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration und Steinewerfen auf Soldaten vor und beruft sich auf die Aussagen von einem Soldaten und dem Battalionskommandeur, die ihn angeblich aus 150 Meter Entfernung identifiziert haben.

http://www.bilin-village.org/english/articles/press-and-independent-media/Regiment-commander-soldier-convicted-in-Naalin-shooting

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 21. 10.2011

 

 

Bilin: Oliven brennen, Ashraf festgenommen  (21.10.2011) - Sobald die Demonstranten die israelische Mauer erreichten, wurden sie von der israelischen Besatzungsarmee angegriffen und mit einer unverhältnismässig grossen Menge Tränengas beschossen. Etwa zwanzig Bäume und Büsche auf dem trockenen, sonnenverbrannten Gelände fingen Feuer. Wenig später drangen einige Armeejeeps in das Dorfland ein und Soldaten nahmen  Ashraf Abu Rahmah fest, einfach weil er mit ihnen diskutierte, und brachten ihn zu Israels Ofer Gefängnis bei Ramallah, zweifellos auf der Basis von haltlosen Beschuldigungen.

Freiwillige von der Internationalen Solidaritätsbewegung [International Solidarity Movement=ISM] können bezeugen, dass Ashraf keine Steine bei der Demonstration warf und sich auf dem Heimweg befand. Aber es scheint, dass  die Teilnahme an einer friedlichen Demonstration und das Tragen einer Fahne für israelische Besatzungssoldaten Grund genug ist, um einen Palästinenser festzunehmen.

Die Demonstration am vergangenen Freitag war eine der gewaltsamsten in der letzten Zeit, berichtet die ISM. Als Palästinenser, Israelis und ausländische Aktivisten in die Nähe der Mauer kamen, begannen die israelischen Soldaten mit dem pausenlosen Tränengasbeschuss.

Die Demonstranten befanden sich im Abu Laymon Park auf kürzlich zurückerstattetem Dorfland, das durch den Bau der israelischen Mauer von Israel annektiert wurde. 2007 entschied das Oberste Israelische Gericht, dass die Route der Mauer nicht aus Sicherheitsgründen, sondern im Interesse eines zukünftigen Ausbaus der nahegelegenen illegalen Siedlung gewählt wurde. Die Präsidentin des Gerichtes forderte eine Verlegung der Mauer und nach vier Jahren Verzögerungen und der Verlegung der Mauer wurde dieser Teil des Dorflandes im Sommer 2011 an Bil‘in zurückgegeben.

Ashraf hat bei den friedlichen Protesten im Dorf zwei Geschwister verloren: Sein Bruder Bassem starb 2009 an seinen Verletzungen, als ein israelischer Soldat einen Tränengaskanister direkt auf seinen Oberkörper geschossen hatte. 2011 starb seine Schwester Jawaher an den Folgen der Tränengasinhalierung, nachdem die israelische Armee grosse Mengen von Tränengas auf den Demonstrationszug und in die weitere Umgebung abgeschossen hatte. Ashraf selbst wurde 2008 nach der Teilnahme an einem Protest im Nachbardorf Ni‘lin von einem Soldaten-auf Befehl des kommandierenden Offiziers- auf sein Bein geschossen, obwohl er bereits an den Händen gefesselt war und mit verbundenen Augen wehrlos vor den Soldaten stand. Eine Videodukumentation des Vorfalls verursachte einen Skandal in der Presse und führte zu einer gerichtlichen Verfolgung der beiden Soldaten, die allerdings mit milden Strafen davonkamen.

http://www.bilin-ffj.org/index.php?option=com_content&task=view&id=378&Itemid=1
http://www.facebook.com/?&error_code=10#!/media/set/?set=a.309998055681231.135921.100000131186902&type=1

International Solidarity Movement, West Bank, 23. Oktober 2011, Ashraf Abu Rahmah was arrested for being himself; http://palsolidarity.org/2011/10/ashraf-abu-rahmah-was-arrested-for-being-himself/

 Popular Struggle Coordination Committee, 22. Oktober 2011; http://palsolidarity.org/2011/10/ashraf-abu-rahmah-brother-of-two-bilin-casualties-arrested-during-protest/

 


 

Palästina in Oakland - Mondoweiss veröffentlichte am 26. Oktober einen Bericht von Max Blumenthal, der die Polizeireaktion auf die Protestaktion in Oakland, Kalifornien, „Occupy Oakland“ mit Reaktionen der israelischen Armee auf friedliche Proteste in der Westbank vergleicht:

 „Die Repression der Polizei, wie man sie in Oakland beobachten konnte, erinnerte mich an die Taktiken, die ich bei der israelischen Armee in ihrem Vorgehen gegen Demonstrationen des palästiensischen populären Widerstandes in Dörfern der besetzten Westbank wie in Nabi Saleh, Ni’lin und Bilin beobachtet habe. Ich war deshalb nicht überrascht, als ich erfuhr, dass die gleiche Firma, die die israelische Armee mit Tränengasmunition und anderen Waffen der Massenunterdrückug beliefert, ihre gefährlichen Waren auch an die Polizei in Oakland verkauft. Die Firma Defense Technology mit Sitz in Casper, Wyoming, erklärt, dass sie sich auf „weniger tödliche Technologie“ und andere „Mengenmanagement Produkte“ spezialisiert hat. Defense Tech verkauft alles, von gummi-ummantelten Tränengaskugeln, die zur Maximierung der Gasverbreitung mehrfach vom Boden abprellen, über 40 Millimeter Kugeln mit Schaumstoffspitze bis zu 12 Kaliber Gummimantelgeschossen.“

„Mother Jones“ berichtet, dass die Sicherheitskräfte Gummimantelgeschosse, Tränengas und Blendschockgranaten einsetzten.

Adam Horowitz , Oktober 26, 2011, Palestine in Oakland; http://mondoweiss.net/

 Die Besetzungsbewegung war am Mittwoch wieder in den Strassen von Oakland, California, nachdem ein Protestteilnehmer von einem Tränengaskanister aus kurzer Distanz am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde. Demonstranten, die ihm zur Hilfe kamen, wurden nach ihren Aussagen mit einer Blendschockgranate beschossen.

Die Protestteilnehmer forderten eine Untersuchung des Vorgehens der Polizei und den Rücktritt der Bürgermeisterin. Eine Demonstrantin schrieb auf ihr Plakat: „Wenn die Reichen von den Armen stehlen, spricht man von Geschäften. Wenn die Armen sich dagegen wehren, spricht man von Gewalt.“

Andrew Gumbel, Oakland Police and Mayor Face Fresh Protest Over Critical Wounding Veteran, 27. Oktober 2011, The Guardian, UK

 

 

Besitzer: Israel will Land in Beit Jala für die Mauer konfiszieren - Am Sonntag gab die israelische Armee eine Militärorder an Landbesitzer im Dorf Beit Jala aus, um 37 Dunum Land in diesem Westbankdorf bei Bethlehem zu konfiszieren. Nach Aussagen eines Besitzers soll die israelische Trennmauer auf den landwirtschaftlich genutzten Feldern errichtet werden. Die Besitzer haben bei der Zivilbehörde in Etzion Klage eingelegt, wurden aber abgewiesen.

2002 begann Israel mit dem Bau der Trennmauer, offiziell aus Sicherheitsgründen in Reaktion auf die palästinensischen Selbstmordanschläge in Israel während der zweiten Intifada. Nach Fertigstellung wird die über 700 Kilometer langen Barriere zu 85% im Territorium der besetzten Westbank stehen. Der Internationale Gerichtshof urteilte 2004, dass die Trennmauer illgal sei und einer Annexion gleichkomme.

Einige der vom Mauerbau und den Landkonfiszierungen betroffenen Dörfer haben regelmässige Demonstrationen als Teil einer Kampagne der breiten Bevölkerung organisiert, um Widerstand gegen den Verlust von Land und die Fragmentierung des Dorflebens zu leisten.

Die Westbankdörfer Walajah, Ni’lin und Bilin sind die bekanntesten Beispiele für die gewaltlosen Proteste gegen die Trennmauer, obwohl auch andere Dörfer in der ganzen Westbank durch zivile Proteste gegen die Annexion von Land demonstrieren.

http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=431839

 

 

Oxfam: Siedlerangriffe und Bau der Apartheidmauer bringen Einkommensverluste für palästinensische Bauern - Israelische Siedler werden dieses Jahr Verluste im Wert von 500 000 Dollar durch die Zerstörung von Olivenbäumen in der Westbank verursachen, warnten Oxfam und örtliche Komitees nach einem Bericht der Nachrichtenorganisation Ma’an.

Nach Einschätzung von Oxfam werden Bauern dieses Jahr 50 Prozent weniger Olivenöl produzieren als im Vorjahr. „Wenn ein Olivenbaum abgebrannt wird, ist das so, als würde man das Bankkonto eines Bauern verbrennen,“ sagte der Direktor von Oxfam, Jeremy Hobbs. „Über 100 000 palästinensische Familien sind von dem Einkommen der Erntesaison abhängig. Vor allen Dingen weil es [dieses Jahr]eine schlechte Ernte ist, zählt jeder Olivenbaum.“ Nach Berichten von Oxfam wurden etwa 2500 Olivenbäume im September zerstört, 7500 im ganzen Jahr. Seit 1967 wurden 800 000 Olivenbäume zerstört, ein Verlust für die palästinensische Wirtschaft, der auf 55 Millionen Dollar geschätzt wird.

Die israelische NGO Yesh Din weist daraufhin, dass in 97 dokumentierten Fällen von Baumzerstörungen zwichen 2005 und 2020 noch niemand for Gericht gestellt wurde.

Munjed Abu Jaish vom  Palestinian Agricultural Relief Committee rief die israelischen Behörden dazu auf, die Siedler nicht auf Kosten der Palästinenser zu unterstützen.“Israelische Siedler müssen wissen, dass sie nicht über dem Gesetz stehen.“

Olivenbäume von palästinensischen Bauern wurden nicht nur durch Siedlerangriffe zerstört. Zehntausende von Bäumen wurden entwurzelt, um Platz für die israelische Mauer in der Westbank zu machen. Beinah eine Million Bäume stehen in der „Saumzone zwischen der Grünen Linie und der illegalen Mauer. Tausende von Bäumen sind den Bauern nicht zugänglich, weil sie in der Nähe der illegalen israelischen Siedlungen stehen, berichtet Oxfam.

Omar Tabakhna, ein Vertreter der Union of Agricultural Work Committees betont, dass die Bauern nicht von Spenden leben wollen: ”Sie wollen auf ihrem Land arbeiten und Geld vom Verkauf eines Produktes verdienen, auf das sie stolz sind. Um das zu ermöglichen, müssen wir sicherstellen, dass ihre Rechte verteidigt werden.“

Oxfam:Settlers cost farmers over $500, 000 this harvest. Maan news,20. Oktober 2011;
 
http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=430878

 

Olivenernte in Bil‘in und in Gaza - einige Fakten - Während vieler Jahrhunderte haben palästinensische Bauern von der Kultivierung der Oliven und der Produktion von Olivenöl gelebt; 80% des kultivierten Landes in der Westbank und Gaza sind mit Olivenbäumen bepflanzt. In der Westbank allein leben etwa 100 000 Familien vom Verkauf der Oliven und des Öls. Die Bauern verdienen etwa 25 bis 50 % ihres jährlichen Einkommens durch die Olivenernte. Mit der Intensivierung der Wirtschaftskrise ist die Ernte eine Basis für das Überleben für viele. Trotz aller Schwierigkeiten halten die Festivitäten und Traditionen während der wochenlangen Ernte die palästinensischen Gemeinden zusammen und sind eine Demonstration ihrer Besitzrechte auf das Land, das keine Besatzung auslöschen kann, nur die Vernichtung der palästinensischen Gesellschaft...Angesichts dieser erschütternden Realität sagte der palästinensische Dichter Mahmoud Darwish: „Wenn die Olivenbäume wüssten, wessen Hände sie gepflanzt haben, wäre ihr Öl zu Tränen geworden...“(Sonja Karkar)

In Gaza patrouillieren israelische Panzer Gazas Bauern bei der Olivenernte

Olivenanbauer und Helfer wurden am 23. Oktober bei der Olivenernte in Gaza von der israelischen Armee beschattet. Im Laufe des Tages kreisten zwei Apachehubschrauber über ihren Köpfen und wiederholt fuhren Panzer in der Nähe der Feldarbeiter auf.

Harvesting the Olives in Bil'in 15-10-2011; http://www.bilinffj.org/index.php?option=com_content&task=view&id=376&Itemid=1

http://electronicintifada.net/content/heritage-uprooted/7126#.TppAzXKwUwM

http://palsolidarity.org/2011/10/israeli-tanks-patrol-olive-farmers-in-gaza/

 

 

 Wir wollen schlafen”: Der 10-jährige Abed Khaled berichtet aus Bil’in - Von Hamdi Abu Rahma - Abed Khaled ist Iyad Burnats zweiter Sohn. Er erzählt von seinem Leben im Westbankdorf Bil’in, vor allem von den Nächten, in denen die israelische Armee Razzien auf das Haus seiner Familie ausführt. Sein Vater ist ein führendes Mitglied des örtlichen Bürgerkomitees, das den friedlichen Widerstand des kleinen Dorfes gegen die israelische Besatzung organisiert.

“Mein Haus ist der Ort, wo ich mich am sichersten fühle, bei meinen Eltern, zusammen mit meinen Brüdern und Schwestern. Das hat sich allerdings seit den nächtlichen Razzien geändert. Bisher ist die Armee fünf Mal in unserem Haus eingedrungen, immer in der Nacht. Einmal schliefen meine Brüder und ich schon, während meine Mutter und Schwester ausgegangen waren. Wir wurden von der lauten Explosion einer Lärmbombe aufgeweckt. Soldaten wollten in unser Haus eindringen. Ich ging aus meinem Schlafzimmer, um zu sehen, was los war, obwohl mein Vater mir gesagt hatte, dass ich ins Bett gehen sollte. Kurz bevor die Soldaten ins Haus kamen, sammelte ich alle Pässe ein und steckte sie in meine Tasche. Wir hatten Besucher im Haus, sie durften aber nicht filmen oder fotografieren. Soldaten versuchten sogar, ihre Kameras zu zerstören. Aber ich habe eine Kamera in meinem Telefon und deshalb fing ich an, all diese bedrohlichen, schreienden Gesichter zu filmen, das Durcheinander und die Zerstörung. Der Offizier war schnell über mir und schlug mich, um an mein Telefon zu kommen. […] Ich war zornig und rief wiederholt: “Was macht ihr hier? Ich kann in meinem Haus filmen!” Eine international Aktivistin stellte sich zu meinem Schutz zwischen uns und fragte, warum sie ein Kind so rau behandelten. Sie liessen mich in Ruhe. Mein sechsjähriger Bruder hatte grosse Angst und versteckte sich unter der Bettdecke. Ich ging zu ihm, um ihn zu trösten. Nach einer halben Stunde gingen die Soldaten, aber keiner von uns konnte in dieser Nacht schlafen. Kurze Zeit später hielten alle Kinder in Bil’in eine Demonstration vor der Armee ab, gegen die häufigen Nachtrazzien. Wir riefen: “Wir wollen schlafen!”

Bericht in Auszügen; Bericht über den Widerstand in Bilin von Iyad Bornat: www.australiansforpalestine.net/52922

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank, 30.September 2011

 

Nabi Saleh: Nächtliche “ Datenerfassung“ der israelischen Armee - Harriet Sharwood berichtet im Guardian über die Repression des palästinensischen Widerstandes im Dorf Nabi Saleh und die Taktiken der israelischen Armee. Nächtliche Razzien der Armee in den Dörfern der Westbank sind ein Element der Einschüchterungskampagne. Mitte Januar 2011 zielte eine Nachtrazzia im Dorf speziell auf eine Bevölkerungsgruppe in Nabi Saleh: Jungen und junge Männer im Alter von zehn bis etwa zwanzig Jahren wurden fotografiert und identifiziert, um nach Ansicht der Familien ein zukünftiges Vorgehen gegen den friedlichen Widerstand zu ermöglichen. Ende Januar verhaftete die israelische Armee einen Vierzehnjährigen, dessen Aussagen als Beweise für die gerichtliche Verfolgung von zwei prominenten Aktivisetn aus dem Dorf benutzt wurden. Das Verfahren gegen Bassem Tamimi begann Ende September.

Anfang der Woche ging ich nach Nabi Saleh, einem Dorf in der Westbank, das seit beinahe zwei Jahren der Schauplatz von wöchentlichen Protesten um eine nahegelegene Wasserquelle ist.

Das kleine Dorf hat etwa 550 Einwohnern und die Quelle befindet sich auf einem Landstück, das nach Angaben der Palästinenser im Privatbesitz ist. Die Siedler von Halamish auf der anderen Seite des Tales begannen 2008 trotzdem mit den Bauarbeiten, um die Quelle zu einem Ausflugsziel ausschliesslich für Menschen jüdischer Nationalität zu machen.

Die Dorfbewohner reagierten mit wöchentlichen Demonstrationen, die ein fester Bestandteil der weitverbreiteten Protestbewegung in der Westbank wurden, zum grössten Teil gewaltlos – zumindest am Beginn.

Die israelische Armee schreitet bei diesen Protesten beinahe immer ein, meist durch den Einsatz von Waffen und Ausrüstung zur Zerstreuung der Menge, einschliesslich Tränengas, Schockgranaten, Wasserwerfer mit übelriechender Flüssigkeit, Gummimantelgeschossen und manchmal scharfer Munition.

(Ich war vergangenen Freitag in Qusra, einem anderen Dorf, kurz bevor ein Palästinenser von einem israelischen Soldaten erschossen wurde. Eine kleine Gruppe von Siedlern, vielleicht 15, waren mit israelischen Fahnen den Hügel hinuntergekommen, und eine grosse Zahl von Männern und Jugendlichen aus Qusra strömten herbei, um sie am Betreten des Dorfes zu hindern, in Reaktion auf Angriffe in der Vergangenheit, darunter die Zerstörung einer Moschee. Innerhalb von Minuten kam die israelische Armee an und begann in kürzester Zeit mit dem Tränengasbeschuss, bevor der erste Stein flog. Wenig später ging ich, nachdem ich kurzzeitig wegen des Tränengases nichts mehr sehen konnte, und erlebte die folgenden Ereignisse nicht mit. Eine Stellungnahme der israelischen Armee sprach später von ‚einem gewaltsamen Tumult, bei dem Palästinenser Steine auf das Sicherheitspersonal schleuderten. Während des Aufruhrs setzten die Sicherheitskräfte Mittel zur Zerstreuung der Menge ein und zuletzt scharfe Munition .‘ Als Augenzeugin sah ich aber, dass die ‚Zerstreung des Aufruhrs‘vor dem ‚Aufruhr‘ selbst begann.)1)

Über die Proteste in Nabi Sale wurde ausführlich berichtet. In einem Gespräch mit einem Dofbewohner erfuhr ich von einer Taktik, die mir bisher nicht bekannt war.2)

Bilal Tamimi (viele Dorfbewohner sind Teil der Grossfamilie Tamimi), berichtet, dass Soldaten oft in der Nacht kommen, um Dorfbewohner festzunehmen, auch Kinder, eine Praxis, die von B’Tselem, Defence for Children International – Palestine [DCI] und anderen Hilfsorganisationen dokumentiert wurde. Er sagte auch, dass die Armee Anfang des Jahres in der Nacht ankam, um Kinder zu fotografieren und ihre persönlichen Daten zu erfassen. Er beschrieb, was in seiner Familie geschah:

„Sie kamen zehn Minuten nach Mitternacht an und weckten mich auf. Sie fragten mich, wieviele Kinder ich habe. Sie kontrollierten meine Ausweispapiere [wo die Kinder aufgeführt sind] und sagten mir, dass ich die zwei ältesten aufwecken sollte; sie sind über 10 Jahre alt. Ich sagte, dass sie schlafen würden. Die Soldaten sagten, weck sie trotzdem auf.

Sie schrieben die Daten auf und fotografierten die Jungen. Dann sagten sie, dass sie wieder ins Bett gehen könnten.“

B’Tselem berichtete im Juli [No Minor Matter]:

„Die Fotos wurden zum Zweck der ‚Sondierung‘ gemacht: Die Armee hat keine Beweise für einen Verdacht gegen bestimmte Kinder, die sie zum Fotografieren aufweckten, sondern sie wollten ein Reservoir von Fotos sammeln, das sie später zur Identifizierung einsetzen können, sollte ein Minderjähriger sich am Steine werfen oder anderen gewaltsamen Handlungen beteiligt haben. In Reaktion auf einen Bericht zu diesem Thema in den Nachrichten von Channel 10 sagte die Armee, dass ‚sie verschiedene Methoden einsetze, um Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten‘.“[...]

Nach einem Bericht von DCI für die UN vom 1. August wurden 52% der im vergangenen Jahr von der israelischen Armee festgenommenen palästinensischen Kinder zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens weggeholt.[...]

Bilal Tamimi nimmt die Proteste in Nabi Saleh seit Januar 2010 auf, mit Hilfe einer Kamera von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem. „Unsere Demonstrationen sind gewaltlos“, sagte er mir. „Die Kamera ist unsere Waffe zur Dokumentation der Ereignisse.“

Er bestätigt, dass die Kinder aus dem Dorf „manchmal Steine werfen – aber meistens, nachdem die Soldaten Tränengas abgrfeuert haben.“ Die Dorfbewohner „leben mit dieser Situation“, sagt er, aber mit dem Ansteigen der Spannungen in der Westbank “befürchten wir, dass es schlimmer wird.“

http://www.guardian.co.uk/world/view-from-jerusalem-with-harriet-sherwood/2011/sep/28/palestinian-territories-israel

Siehe: 1) http://popularstruggle.org/content/soldiers-kill-protester-essam-oudah-after-settler-attack-village-qusra/ Friedlicher Widerstand, 23./24. September 2011

2) http://palsolidarity.org/2011/01/16455/

 

 

Hunderte demonstrieren in Palästina in Solidarität mit den streikenden Gefangenen - Proteste in Palästina werden fortgesetzt – Hungerstreik der politischen Gefangenen in der zweiten Woche

Etwa 100 Menschen beteiligten sich an einer Demonstration am Checkpunkt Betunya gegenüber dem Westbankgefänis Ofer bei Ramallah. Die Demonstranten forderten die Freilassung von politischen Gefangenen und zeigten ihre Solidarität mit den Gefangenen im Hungerstreik: „ Freiheit kann nur erreicht werden, wenn die Heimat befreit ist und die Gefangenen freigelassen werden.“ Nach dem Protest kam es zu Zusammenstössen zwischen mehreren jungen Aktivisten und der Armee, die Tränengas und gummi-ummantelte Metallgeschosse einsetzte, um die Menge zu zerstreuen.

Zusätzliche Demonstrationen wurden in Haifa und vor dem Shikma-Gefängnis in Ashkelon abgehalten, wo palästinensische Gefangene in Verletzung der Vierten Genfer Konvention festgehalten werden. Artikel 77 verbietet den Transfer von Gefangenen aus einem besetzten Territorium in das Land der Besetzer. Anfang der Woche fanden grosse Proteste in Nablus, Ramallah und Gaza statt.

Hunderte von Palästinensern in israelischen Gefängnissen haben sich einem Hungerstreik angeschlossen, um gegen die sich verschlechternden Bedingungen in Gefängnissen zu protestieren. Die Gefangenen begannen ihren Streik am 27. September, nachdem der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu die Bedingungen für palästinensische Gefangenen erschwert hatte als Teil einer Kampagne, durch Druck auf Hamas eine Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit zu erreichen. Durch die Strafmassnahmen wird der Zugang zu Büchern, Kursen und neuen Kleidern beschränkt, Einzelhaft verstärkt eingesetzt, Familienbesuche reduziert und Gefangene werden gezwungen, sich mit ihren Rechtsanwälten  in Handschellen zu treffen. Zusätzlich zu ihrem vollständigen und unbefristeten Hungerstreik weigern sich die Gefangenen, bestimmten Regeln des israelischen Haftsystems zu gehorchen, wie dem Tragen von Gefängnisuniformen und der Teilnahme an Zählappellen.

http://popularstruggle.org/content/hundreds-across-palestine-protest-solidarity-striking-prisoners.

Siehe auch: http://electronicintifada.net/blog/maureen/action-urged-israel-punishes-dozens-hunger-striking-political-prisoners

 

 

Nabi Saleh: Loyalität mit unseren Gefangenen - In Solidarität mit dem fortgesetzten Streik von palästinensischen Gefangenen in der Westbank und Israel marschierte das Dorf Nabi Saleh unter dem Motto „Loyalität für unsere Gefangenen“. Viele der inhaftierten Palästinenser wurden willkürlich wegen ihrer politischen Aktionen gegen die Besatzung hinter Gittern gebracht. Die Dorfbewohner und Aktivisten aus Israel und dem Ausland liefen in Richtung des annektierten Dorflandes, allerdings nur für kurze Zeit. Israelische Streitkräfte blockierten die Demonstranten und beschossen die Teilnehmer und die Häuser im Dorf  mit Tränengas und gummi-ummantelten Stahlkugeln. Soldaten zeigten eine Order vor, die das Dorf und die Umgebung zur „geschlossenen militärischen Zone“ erklärte, wodurch die Anreise zum Dorf für Internationale, Palästinenser, den Notdienst und Journalisten zum illegalen Akt wird. (30.9.2011)

Vertreter der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem und der Association for Civil Richts in Israel [ACRI] kamen Anfang Oktober zu einer Pressekonferenz nach Nabi Saleh und erläuterten die Resultate einer kürzlich erstellten Dokumentation zu den Protesten im Dorf. Der Bericht „Show of Force“ hatte am Beispiel mehrerer Freitagsproteste im Sommer 2011 die Methoden der israelischen Armee dargelegt, um den Einwohnern das Demonstrationsrecht zu verweigern. Abu Hossam Tamimi und Bashir Tamimi aus Nabi Saleh sprachen über den Widerstand von unten in Nabi Saleh und der Westbank gegen die israelische Besatzung.

http://nabisalehsolidarity.wordpress.com/2011/10/04/human-rights-organisations-btselem-acri-on-the-illegal-suppression-of-protests-in-nabi-saleh/

http://www.stopthewall.org/2011/10/04/injuries-and-threats-close-access-nabi-saleh-weekly-protest



 

Bil’in: Wir werden unsere Gefangenen nicht vergessen - Inhaftierte Palästinenser in israelischen Gefängnissen befinden sich seit mehreren Tagen im Hungerstreik, um gegen die verschärften Haftbedingungen – u.a. Isolationshaft, Streichung von Familienbesuchen – zu protestieren. Teilnehmer am Freitagsprotest in Bil’in, Dorfbewohner, Israelis und Internationale, hatten deshalb ihren Marsch zur Mauer unter das Thema der Solidarität mit den über 6000 Gefangenen gestellt. Viele Demonstranten litten unter dem massiven Einsatz von Tränengas an Atemnot und anderen erheblichen Folgen der Gasinhalation. Tränengasbomben verursachten auch ein Feuer auf einem Feld mit Olivenbäumen. (30.9.2011)

http://www.stopthewall.org/2011/09/30/bilin-protesters-we-will-not-forget-our-prisoners

 

 

Yatta: Wöchentliche Proteste gegen den Landraub beginnen - Aktivisten des PSP[Palestine Solidarity Project] aus Beit Ommar beteiligten sich an einer Demonstration gegen die Landannexionen durch israelische Siedler in Yatta und den umliegenden kleinen Dörfern, wo etwa 120 000 Palästinenser leben. Das Ziel der Demonstration war ein Landstück, das von zwei Siedlerfamilien besetzt wird, unter dem Schutz von nicht weniger als 30 Soldaten.

Die Demonstranten liefen auf der geschlossenen Strasse zu einem Hügel, wo fünf Häuser wiederholt demoliert und die Brunnen zerstört wurden. Überreste der Habe von vertriebenen Hausbewohnern liegen überall verstreut. Militärjeeps, Polizeiwagen und Soldaten blockierten die Demonstranten und blockierten sie am Weiterzug. Das Nationale Komitee von Yatta hat beschlossen, wöchentliche Demonstrationen gegen die Mauer, den Diebstahl von Land und die Hausdemolierungen zu organisieren; Khawlan Abu Marir ist die Leiterin des Komitees und die einzige Frau in einer leitenden Position [des friedlichen Widerstandes]in der Region.

http://palestinesolidarityproject.org/2011/09/30/demonstration-against-land-grab-in-yatta-september-30-th-2011/

 

 

Beit Ommar: Ausbau des Widerstands gegen neue Landkonfiszierungen - Die wöchentliche Samstagsdemonstration in Beit Ommar am 1. Oktober 2011 verlief friedlich; die Dorfbewohner und Solidaritätsaktivisten aus Israel und dem Ausland liefen in Richtung des Dorflandes in der illegalen Siedlung Karmei Tsur, wurden aber von 20 Soldaten mit mehreren Armeejeeps gestoppt. Die Demonstranten trugen Fahnen, forderten die Freilassung der Gefangenen und riefen die Mitgliedsstaaten der UN dazu auf, für Gerechtigkeit, Freiheit und für einen palästinensischen Staat als 194. Mitglied der UN zu stimmen.

Beit Ommar Demonstration 1. October 2011,http://palestinesolidarityproject.org/2011/10/01/beit-ommar-demonstration-1-october-2011/


Eine Gruppe von Besuchern aus Frankreich, Mitglieder einer katholischen Organisation, besuchte Beit Ommar und das Zentrum für Freiheit und Gerechtigkeit. PSP arrangierte eine Tour und zeigte ihnen die illegalen Siedlungen um die schöne Stadt Beit Ommar. “Palästinenser weren täglich gedemütigt und müssen um Rechte bitten, die in meinem Land von allen als sebstverständlich angesehen werden und um die man nie bitten muss,” sagte ein Besucher.“Die Einwohner von Beit Ommar haben so viel Geduld und Optimismus, es ist unglaublich.”

Die ganze Gruppe war mit der Tour sehr zufrieden und der Tag endete mit einer angenehme Mahlzeit in den Feldern. Sie versprachen, die gewonnenen Einsichten zu Hause weiterzuverbreiten und ihren Bekannten einen Besuch der Westbank zu empfehlen.

PSP hat ein Program für Solidaritätsbesuche [Solidarity Tour Program] und lädt Interessierte herzilich zu einem Besuch von Beit Ommar und der Westbank ein.

 

French Group visited Beit Ommar, 6. Oktober 2011, http://palestinesolidarityproject.org/2011/10/06/french-group-visited-beit-ommar/

 

Das Zentrum für Freiheit und Gerechtigkeit [Center for Freedom and Justice] in Beit Ommar bietet seit neuem kostenlose Englischkurse für alle Altersgruppen an. Internationale Freiwillige unterrichten am Zentrum; die Kurse sind sehr gut besucht und Klassen werden bald auch im Al Arub Flüchtlingslager angeboten.

http://palestinesolidarityproject.org/2011/09/30/english-classes-at-the-center-for-freedom-and-justice-in-beit-ommar/


Am Wochenende dokumentierte das PSP die Anfänge einer Landannexion auf dem Dorfland von Beit Ommar und Schoukh: Die Israelis haben eine acht Kilometer lange Umgehungsstrasse von Gush Etzion über das Dorfland zu einem neuen Aussenposten geplant. Siedler haben bereits einen Wachturm auf der Anhöhe eines Hügels gebaut – der erste Schritt zur Einrichtung einer neuen Siedlungskolonie auf dem Land von Halhoul.

Order zur Landkonfiszierung wurden bereits ausgesandt. Für die Bauern bedeutet das der Verlust von Feldern und wertvollen Traubenstöcken; Häuserdemolierungen folgen oft. Die Bewohner von Beit Ommar haben bereits gegen die neue Strasse demonstriert.  

http://palestinesolidarityproject.org/2011/10/02/new-bypass-road-planned-on-beit-ommar-and-schoukh-land/http://palestinesolidarityproject.org/2011/09/30/demonstration-against-land-confiscation-for-new-bypass-road-in-beit-ommar/


Das Dorf Battir bei Betlehem steht vor neuen Landkonfiszierungen und dem Verlust von Feldern, Brunnen, Olivenhainen und Häusern. Die israelische Armee hat bereits Ankündigungen der Landkonfiszierungen an die Besitzer ausgegeben. Das israelische Finanzministerium will das Land angeblich aus militärischen und sicherheitstechnischen Gründen kaufen.

 Das anvisierte Gelände befindet sich neben der Bahnlinie zwischen Jerusalem und der Kolonie Gilo in Ostjerusalem, wo Israel den Bau von 1100 neuen Wohnungen angekündigt hat. Diese Ankündigung führte zu heftigen internationalen Protesten [sogar von der deutschen Kanzlerin].

http://palestinesolidarityproject.org/2011/09/29/israeli-forces-hand-bethlehem-village-confiscation-orders/


 

Ni’lin: Replant Palestine - Das Westbankdorf Ni’lin hat eine Aktion zur Wiederbepflanzung von Dorfland initiiert, nachdem das Dorf durch die Besatzung etwa 1100 Olivenbäume verlor.  Es wird um Spenden gebeten, um im nächsten Frühjahr die zerstörten Olivenbäume zu ersetzen. Bitte helfen Sie mit, dass Ni’lin sein Ziel erreicht. Über 700 Setzlinge kann das Dorf bereits pflanzen. Saeed Amireh aus Ni’lin und Niklas Berg aus Schweden haben auf der Webseite eine Liste der Spenden aufgestellt, um die Spendenaktion transparent durchzuführen!  http://www.replantpalestine.org/en

 

 

Dorf Burin wird erst von Siedlern angegriffen, dann von Militär besetzt - Dutzende von bewaffneten Siedlern griffen das Westbankdorf Burin bei Nablus an und schossen mit scharfer Munition auf die Häuser. Danach besetzten israelische Soldaten das Dorf.

Am Freitagabend gegen halb sechs Uhr, während eines Fussballspieles der Jugendlichen in Burin, kam eine Gruppe von etwa 30 bis 40 Siedlern von der nahegelegenen jüdischen Siedlung Bracha den Hügel nach Burin hinunter. Die Siedler waren mit M16 Gewehren bewaffnet und zeigten ihre Absicht, zu verletzten oder zu töten, als sie spontan und wahllos das Dorf mit einem Kugelhagel überzogen.

Die Wasserspeicher, die man auf allen Gebäuden in Burin finden kann, waren dann die ersten Ziele der Siedler an diesem Abend. Aus Furcht vor einer Eskalation der Gewalt, sollten die Siedler weiter ins Dorf vordringen, sammelte sich eine Gruppe von Dorfbewohnern und warf Steine in Richtung der Siedler. Als die Siedler sahen, dass sie bei weitem in der Minderheit waren, zogen sie sich zurück, und die Armee nahm ihren Platz ein und besetzte das Dorf. Die Soldaten stationierten sich in einem Haus des Dorfes, das im vergangenen Jahr zwangsgeräumt und zur „permanenten geschlossenen militärischen Zone“ erklärt wurde.

Solche Angriffe sind in Burin und in den Nachbardörfern Madama und Assira al-Qibliyah so sehr an der Tagesordnung, dass ein Dorfbewohner [in einem Anflug von Galgenhumor]darüber schimpfte, dass das Fussballspiel unterbrochen wurde, als sein Team 5-3 führte.

Wenige Stunden vor diesem Überfall war eine grosse Gruppe von Siedlern in das Nachbardorf Huwarra gezogen und hatte Olivenbäume in Brand gesteckt. Mehr als 250 Bäume verbrannten bei diesem Anschlag. Als der Besitzer des Landstückes auf die Soldaten zuging, um sie zur Rede zu stellen, warum sie den Siedlern erlaubt hatten, seine Bäume niederzubrennen, warfen sie eine Schallbombe und riefen, er solle nach Hause gehen.

http://popularstruggle.org/content/settlers-attack-burin-followed-military-incursion



 

Wem gehört das Wasser? Vortragsreihe des Hydrogeologen Clemens Messerschmid aus Ramallah - Auf Einladung von Amnesty International und Peacewatch ist Anfang November der in Ramallah wohnhafte Hydrogeologe Clemens Messerschmid für eine Vortrags- und Diskussionsreihe in der Schweiz zu Gast.

Der Zugang zu den Wasserressourcen und deren Verteilung ist ein zentrales Thema im Nahostkonflikt und spielt auch in den „Friedensverhandlungen“ eine wichtige  Rolle.

Über die Aufteilung der Wasserressourcen in Israel/Palästina bestimmt allein Israel. So ist es zum Beispiel den Palästinenserinnen und Palästinensern per Militärdekret verboten, ohne Bewilligung Einrichtungen für die  Wasserversorgung zu bauen oder zu reparieren.  Etwa 40% der Dörfer in der Westbank sind nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Sie müssen die fehlende Wassermenge von Tankwagen kaufen. Andererseits pumpt Israel für seinen Bedarf jährlich enorme  Wassermengen aus der Westbank ab, einen grossen Teil davon aus dem Jordantal, zu dem Israel der palästinensischen Bevölkerung den Zugang verwehrt. Mit diesem eigentlichen Wasserraub verletzt Israel nicht nur humanitäres Völkerrecht, sondern auch das Recht auf Wasser für alle. Amnesty International hat 2010 eine Kampagne zum Thema geführt.

  • Bern: Sonntag, 6. November 2011, 17h  Amnesty International, Speichergasse 33

  • Fribourg: Montag, 7. November 2011, 19.15h, Université, Miséricorde, salle 3113, Vortrag auf englisch!

  • Zürich: Dienstag, 8. November, 18.15h Universität Hauptgebäude (HG), Raum  KO2-F-152

  • Basel:  Mittwoch, 9. November 2011, 19.30h,  Mission 21, Missionsstrasse 21

AI-Artikel aus: http://www.amnesty.ch/de/laender/naher-osten-nordafrika/israel-besetzte-gebiete/dok/2011/wasser-vortragsreihe-clemens-messerschmid-ramallah

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

Friedlicher Widerstand in der Westbank und Gaza, 23./24. September 2011

 

 

Qusra: Soldaten töten einen 34-jährigen Bewohner; Siedler steinigen zwei Jugendliche - Bei einem unbewaffneten Protest von Dorfbewohnern gegen die provozierende Besetzung von Dorfland durch die Bewohner eines nahegelegenen (illegalen) Siedlungsaussenposten wurde Essam Kamal Oudah von einem israelischen Soldaten erschossen. Am gleichen Tag wurden zwei Jugendliche nach der Festnahme durch Soldaten von Siedlern schwer misshandelt und mit Steinen beworfen.

Essam Oudah, Vater von acht Kindern,  hatte sich am Freitag, den 23. September 2011 mit anderen Dorfbewohnern in Richtung Dorfland aufgemacht, um gegen die versuchte Landnahme durch eine grosse Gruppe von israelischen Siedler zu protestieren, die vom Aussenposten Esh Kodesh (Heiliges Feuer) kommend eine israelische Fahne auf einigen Feldern von Qusra aufgestellt hatten, unter dem Schutz der israelischen Armee. Die Dorfbewohner wollten die erneute Annexion von Dorfland verhindern, nachdem sie seit 1999 Land  durch die illegale Errichtung von Esh Kodesh verloren hatten.

Die Soldaten stellten sich sofort vor die Siedler und begannen mit dem Beschuss der unbewaffneten palästinensischen Demonstranten, der mit Tränengas begann und schnell über Gummimantelgeschosse zum Einsatz von scharfer Munition eskalierte. Drei Dorfbewohner wurden verletzt; Essam Oudah wurde von einer Kugel aus kurzer Distanz getroffen und starb an seinen Verletzungen.

Am Abend wurde deutlich, dass der friedliche Widerstand des Dorfes zu zwei weiteren Opfern geführt hatte. Bei Sonnenuntergang kehrten zwei Teenager schwer misshandelt ins Dorf zurück: Amar Masammer,19, und Fathi Hassan, 16, hatten sich früher am Tag zu einem Olivenhain von Qusra aufgemacht, wo einige Olivenbäume Feuer gefangen hatten, und waren von israelischen Soldaten festgenommen worden. Fathi erzählte weiter, dass einige Siedler von Esh Kodesh zu den Soldaten traten und anfragten, ob sie die beiden Festgenommenen verprügeln könnten. Unter den Augen der Soldaten steinigten die Siedler die zwei Jungen, die sich mit hinter dem Rücken verbundenen Händen in keiner Weise schützen konnten. Amar wurde von einem Stein am Auge getroffen und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

http://popularstruggle.org/content/soldiers-kill-protester-essam-oudah-after-settler-attack-village-qusra
Weitere Artikel zu Qusra siehe International Solidarity Movement; http://palsolidarity.org/2011/09/20254/

Zur Kampagne gegen Siedlerangriffe, organisiert von den Widerstandskomitees verschiedener Westbankdörfer, „Refusing to Die in Silence “ siehe http://www.bilin-village.org/english/articles/testimonies/Popular-Committees-to-Launch-a-Documenting-and-Intervention-Campaign-Against-Settler-Attacks. Mehrere Teams von Freiwilligen, Palästinenser, Israelis und internationale Aktivisten, werden bereitstehen, um Siedlerangriffe zu dokumentieren und um den Opfern dieser Angriffe beizustehen. Eine Telefonzentrale in Ramallah wird Hilferufe entgegennehmen und ein Einsatzteam losschicken.

Mohammed Khatib vom Popular Struggle Coordination Committee sagte, dass die Ereignisse in der Vergangenheit zeigten, dass Palästinenser zur Verhinderun von Siedlergewalt selbst die Initiative ergreifen müssten.


 

Militärtribunal gegen Bassem Tamimi: Erster Zeuge der Anklage spricht - Major Michelle Dahan war stellvertretender Bataillonskommandant in Nabi Saleh von Januar bis Mai 2011 und wurde am Sonntag, den 25. September, als erster Zeuge der Militärstaatsanwaltschaft im Verfahren gegen Bassem Tamimi vernommen. Bassem Tamimi ist ein führender Aktivist aus dem Westbankdorf Nabi Saleh, der Ende März diesen Jahres wegen der Organisation von friedlichen Protesten gegen die israelische Besatzung festgenommen und unter Anklage gestellt wurde.

Seit Ende 2009 organisieren die Dorfbewohner von Nabi Saleh wöchentliche Proteste gegen die Landannexionen durch die Siedler der nahegelegenen illegalen Kolonie Halamish. Die Militästaatsanwaltschaft hat Tamimi angeklagt, Jugendliche bei der Durchführung von illegalen Protesten zur Gewaltanwendung angestiftet zu haben.

Dahan, der für die Proteste in Nabi Saleh verantwortliche Kommandeur, machte deutlich, dass die Demonstrationen des Dorfes regelmässig durch „Mengenkontrollmittel“ zerstreut wurden, bevor es zu Zusammenstössen kam: „Sobald der Protestzug die Hauptstrasse des Dorfes erreichte, erklärten wir [den Protest] für illegal und befahlen den Leuten, sich zu zerstreuen [...]. Wenn der Marsch sich nicht auflöste, begannen wir mit dem Einsatz von Mengenkontrollmitteln.[...].“

Während seiner Aussage beschrieb Dahan die Kinder, die bei den Protesten mit Steinen werfen, wiederholt im militärischen Sinn als „Kräfte/forces“.

Im Bezug auf die Anschuldigung gegen Tamimi, er habe ein ausgeklügeltes System der Gewalt gegen Soldaten in Nabi Saleh orchestriert, berichtete Dahan, dass Tamimi bei den ersten Anzeichen von Gewaltanwendung aus der Strasse verschwand und auf den Hausdächern auftauchte. Dahan konnte nur von einem konkreten Beispiel an einem nicht spezifischen Tag im Januar erzählen, als er beobachtete, wie Tamimi von einem Haus im Dorf  aus zu den Protestteilnehmern gestikulierte und rief. Dahan gab zu, dass er kein Arabisch kann.

http://popularstruggle.org/content/bassem-tamimis-trial-opens-military-commander-admits-violently-dispersing-nabi-saleh-protest

 

 

Ein Soldat und Whistleblower berichtet von “wahllosen” israelischen Angriffen in Nabi Saleh - Im Gespräch mit Donald Macintyre von der englischen Zeitung The Independent erzählt ein israelischer Soldat vom rücksichtslosen Tränengaseinsatz der israelischen Armee im Westbankdorf Nabi Saleh, um die friedlichen Demonstrationen der Palästinenser zu stoppen und eine Ausgangssperre an den Protesttagen durchzusetzen.

Sein Augenzeugenbericht bestätigt eine Studie der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem “Show of Force”, die zur Schlussfolgerung kam, dass Israels Vorgehen bei den Protesten im kleinen Dorf Nabi Saleh einer Verweigerung des ‘grundlegenden Rechtes’, in der Westbank zu demonstrieren, gleichkomme. Das Recht zu demonstrieren wird in internationalen Konventionen bestätigt, die Israel ratifiziert hat.

Der israelische Whistleblower gibt einige Beispiele zum wahllosen und regelwidrigen Einsatz von Tränengas bei den Demonstrationen. Nach seinen Beobachtungen geben die Vorgesetzten der israelischen Armee ihren Untergebenen widersprüchliche Signale hinsichtlich der Einsatzregeln gegenüber der palästinensischen Bevölkerung: Offizielle Armeeregeln und Grundsatzstellungnahmen des Kommandeurs der Binyamin Brigade werden vor Ort ignoriert und die kriminelle Missachtung der Regeln nicht bestraft.

Der Reservist berichtete zuerst der Organisation von israelischen Veteranen “Breaking the Silence” von seinen Erfahrungen in Nabi Saleh.

Gegenüber dem Independent erzählte er, dass er in einer Gruppe von 20 Soldaten etwa zwei Stunden vor Beginn eines Freitagsprotestes im Juli diesen Jahres ins Dorf gesandt wurde, um den Protest schon vor Beginn zu unterbinden. An diesem Tag verschossen die Soldaten 150 Tränengas-  oder Schockgranaten. Die Soldaten gingen in ein Haus und besetzten das Dach:

”Die Sonne war sehr heiss, aber wir mussten unsere Helme aufbehalten,” sagte er. Dann wurde es einigen Soldaten langweilig, und sie fingen an, Leute mit Tränengas zu beschiessen. Jeder, der nicht in seinem Haus oder in der Moschee war, wurde ein Ziel.”

Es verstösst gegen die offiziellen Regeln der israelsichen Armee, Tränengaskanister direkt auf Menschen zu feuern. Ein Kamerad des Whistleblowers hatte am Ende des Einsatzes einen Tränengaskanister übrig;

“Er hätte ihn ins offene Feld feuern sollen, aber wir liefen an einem Lebensmittelgeschäft vorbei, vor dem einige Menschen mit Kindern standen. Nachdem wir vorbeigelaufen waren, drehte er sich einfach um und feuerte ihn direkt auf sie.”

Der Soldat berichtete gegenüber dem Independent, dass er in einem einwöchigen Kurs im Einsatz von Schockgranaten, Gummimantelgeschossen und Tränengas unterrichtet wurde. Er war beeindruckt vom Kommandeur der Binyamin Brigade, Sa’ar Tzur, der bei einem mehrstündigen Besuch vor den Kursteilnehmern von Aspekten der Ethik und des menschlichen Lebens sprach, “nicht nur auf unserer Seite, sondern auch auf der anderen Seite”. Oberst Tzur betonte, dass jeder, der gegen die Regeln verstosse “dafür bezahlen werde.”

Der Offizier des Bataillons, ein religiöser Siedler aus der Westbank, war das genaue Gegenteil:

„Auf der Militärstation hing ein Kampfauftrag, der vom Kommandeur der Brigade unterschrieben war und der besagte, dass wir ‘das Lebensgefüge der Zivilbevölkerung‘ erhalten müssen, von Israelis und Palästinensern. Der Offizier der Abteilung strich das Wort Palästinenser durch und alle Soldaten um ihn herum fingen an zu lachen.”

Er sagte: “Es war sehr schwer für mich. Ich wollte in der Armee sein, um mein Land zu verteidigen. Auf der anderen Seite sah ich, dass mein Auftrag überhaupt nichts mit der Verteidigung von Israel zu tun hatte.” […]

Zum Abschluss des Interviews fügte er hinzu:”Die Schlagzeile für den ganzen Freitag müsste meiner Meinung nach lauten: Wenn die Armee nicht im Dorf wäre, würde nichts passieren, weil die Demonstration nicht gewaltsam sein wird.“

http://nabisalehsolidarity.wordpress.com/2011/09/18/nabi-saleh-military-whistleblower-tells-of-indiscriminate-israeli-attacks/[Deutsche Übersetzung in Auszügen]

Military whistleblower tells of ‘indiscriminate’ Israeli attacks, Donald Macintyre, The Independent: Friday, 16 September 2011

 

 

 

Bil’in bittet dringend um international Hilfe, um Geldstrafe für Aktivisten im Gefängnis zu bezahlen - Bis zweiten Oktober 2011 müssen Familie und Freunde von Ibrahim Srour aus Ni’lin die immense Summe von 3250 US Dollar (12 ooo Shekel) für die Zahlung einer Geldstrafe aufbringen, die ein Militärrichter zusätzlich zu 20 Monaten Haft auferlegte. Ibrahim Srours Vergehen: die Teilnahme an den friedlichen Protesten gegen Israels Mauer in der palästinensischen Westbank und den fortgesetzten Landraub im Westbankdorf Ni’lin, einem Nachbardorf von Bil’in und wichtigen Zentrum des populären Widerstandes gegen die israelische Militärbesetzung.

In der Nacht des 7. Januar 2010 wurde der 20-jährige Ibrahim Srour während einer Razzia im Dorf von israelischen Soldaten mit gezückten Waffen aus dem Haus verschleppt. Auf der Basis von zweifelhaftem Beweismaterial wurde er vor Gericht gestellt und zu 20 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 3250 Dollar verurteilt. Vor seiner Verhaftung war Ibrahim Srour der Hauptverdiener für eine grosse und arme Familie, einschliesslich eines kranken Vaters. Ibrahims Familie kann für diese Summe nicht alleine aufkommen.

Das Popular Struggle Coordination Committee bittet um Ihre Mithilfe und Solidarität.

Durch den Bau der israelischen Annexionsmauer in der besetzten Westbank verlor das Dorf Ni’lin etwa 30% seines Lands.In den drei Jahren des vom Dorf organisierten unbewaffneten Widerstandes wurden fünf Dorfbewohner von der israelischen Armee getötet, darunter ein zehnjähriger Junge.

Ibrahim wurde aufgrund von erzwungenen Aussagen eines Jugendlichen mit geistigen Behinderungen verurteilt. Das Belastungsmaterial wurde von der Militärstaatsanwaltschaft in einem anderen Militärtribunal vorgelegt und daraufhin vom Militärrichter selbst als unverlässlich zurückgewiesen; in diesem Fall wurde der Angeklagte aus Ni’lin freigesprochen.

Seit Beginn der Proteste führte die israelische Armee drei Verhaftungswellen in Ni’lin durch: Von August 2008 bis Anfang Dezember 2008 wurden mehr als 157 Menschen in Ni’lin in nächtlichen Armeerazzien festgenommen; zwischen Mai 2009 und August 2009 wurden 123 Menschen festgenommen; zwischen Januar 2010 und Juli 2010 wurden 45 Menschen verhaftet. Während dieser Kampagne nahmen israelische Besatzungssoldaten drei Mitglieder des örtlichen Bügerkomitees fest: Ibrahim Amireh, Zaydoon Srour und Hassan Mousa wurden wegen der Organisation von friedlichen Protesten gegen die Besatzung zu einem Jahr Gefängnis und 9000 Schekel Geldstrafe verurteilt.

In den Nachbardörfern Bil’in und Nabi Saleh setzte die Armee ähnliche Taktiken zur Einschüchterung des zivilen Widerstandes ein: Ende September 2011 hat ein israelisches Militärgericht den Prozess gegen den Aktivisten Bassem Tamimi aus Nabi Saleh eröffnet, ebenfalls auf der Basis von zweifelhaften Geständnissen eines Jugendlichen aus dem Dorf; nach dem nächtlichen Verhör des Vierzehnjährigen wurden mehr als 20 Dorfbewohner in Nabi Saleh festgenommen.

Bitte klicken Sie hier für eine Spende, damit Ibrahim endlich freigelassen wird.

http://popularstruggle.org/content/help-release-niilins-ibrahim-srour-israeli-prison

 

 

Wöchentliche friedliche Proteste gegen die Besatzung in der Westbank und Gaza - Beim wöchentlichen Freitagsprotest in Nabi Saleh setzte die israelische Armee neben Tränengas und Schockgranaten den „Schrei“ ein, eine Waffe, die einen konstanten hohen Ton von sich gibt, der zu Schmerzen und Orientierungslosigkeit führt. Mehrere Demonstranten wurden bei der militärischen Unterdrückung der Demonstration verletzt: Nariman Tamimi, die Frau des inhaftierten Aktivisten Bassem Tamimi, wurde von einem Gummimantelgeschoss am Oberkörper getroffen und musste eine Pause einlegen; ein französischer Fotograf war gleich zweimal im Visier der israelischen Soldaten und wurde am Bein verletzt.

Injuries Reported in an-Nabi Saleh During Demonstration, 23. September 23, 2011, Circarre Parrhesia – IMEMC; http://www.imemc.org/article/62098

 

 

In Ni’lin marschierten dutzende von Demonstranten in Unterstützung des palästinensischen Ganges zur UN und kritisierten die Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama vor der UN am Mittwoch als einseitig, weil er das über 60 Jahre dauernde Leiden der Palästinenser nicht ansprach. An der Mauer, die Israel 2008 auf dem Dorfland errichtete, warteten israelische Soldaten auf die Demonstranten und feuerten Tränengas und Schockgranaten auf die unbewaffneten Menschen.

Israeli Forces Use Gas To Stop Nonviolent Protest In N'ilin, 23. September 23, 2011, George Rishmawi – IMEMC; http://www.imemc.org/article/62095

 

 

Im Nachbardorf Bil’in trugen die Teilnehmer verschiedene Fahnen als Kommentar zu den Ereignissen der Woche in New York . Einige Protestteilnehmer marschierten zur kürzlich versetzten israelischen Mauer mit palästinensischen Fahnen, die die Zahl 194 trugen: Ein von der UN anerkannter Staat Palästina wäre das 194. Mitglied der Organisation. Andere Demonstranten trugen eine amerikanische Flagge mit dem Wort “Veto” darauf und verbrannten sie auf der israelischen Mauer. Tränengas, Schockgranaten und Gummimantelgeschosse führten zu zahlreichen Verletzungen, einige Olivenbäume fingen Feuer, das von den Dorfbewohner gelöscht wurde.

Dozens wounded in Bil’in’s weekly nonviolent protest, 23. September, George Rishmawi; http://www.imemc.org/article/62094

 

Beit Ummar erlebte eine zweite Woche kontinuierlicher Repressionen und reagierte mit verstärktem Widerstand. Am 17. September demonstrierte Beit Ommar in Unterstützung des palästinensischen Antrages vor der UN auf volle staatliche Anerkennung Palästinas. Die Samstagsdemonstration schloss eine Woche der Gewalt für das Dorf ab: Am Montag entdeckten Bauern, dass zwei grosse Felder mit Traubenstöcken (etwa zwei Quadratkilometer) von Siedlern vollkommen zerstört wurden. Am Dienstag demolierten Bulldozer zwei Gebäude und zwei Bauern aus Bei Ommar wurden am Freitag von Soldaten schikaniert, als sie ihre Schafe versorgten. Am 23. September stationierten sich Soldaten abends im Dorf, um passierende Autos anzuhalten und sporadisch Tränengas in die Strassen und Gärten zu feuern.

http://palestinesolidarityproject.org/2011/09/17/beit-ommar-demonstrates-in-support-of-un-statehood-bid/
http://palestinesolidarityproject.org/2011/09/24/israeli-army-create-late-night-checkpoint-at-entrance-to-beit-ommar-fire-tear-gas-into-town/
Repression and resistance sharpening in Beit Ommar, David Warren, Electronic Intifada, 19. September 2011
http://electronicintifada.net/content/repression-and-resistance-sharpening-beit-ommar/10393

 

 

Gaza: Projekt zum Schutz der Fischer in Gaza wird fortgesetzt - Internationale und palästinensische Aktivisten werden vom 24. September an wieder ein Projekt zur Dokumentation von israelischen Angriffen auf Fischerboote von Gaza fortsetzen. Die Arbeit des Civil Peace Service Gaza wurde seit dem 20. Juli ausgesetzt, weil das Boot des CPSG, die Olivia, von der israelischen Marine gerammt und der Motor schwer beschädigt wurde.

http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=422760

 

 

Gaza: Proteste gegen die No-go Zone in Beit Hanoun - Seit drei Jahren organisieren die örtliche Initiative von Beit Hanoun und die internationale Solidaritätsbewegung wöchentliche Proteste gegen die Bufferzone an der Grenze von Gaza. Am 20. September marschierten etwa 30 Menschen unter der heissen Sonne in das Niemandsland, ein zwischen 300 und 800 Meter breiter Streifen Land entlang des von Israel errichteten Grenzzaunes, in dem die israelische Armee nach Belieben Bauern und Altmetallsammler mit scharfer Munition oder mit Panzerkanonen beschiesst.

Die Demonstranten marschierten in Erinnerung an die Vergangenheit, das Massaker von palästinensischen Flüchtlingen in den Lagern Sabra und Shatilla im Libanon, und voller Hoffnung auf die Zukunft, mit Blick auf die Ereignisse der Woche in New York und den Gang der Palästinenser vor die UN. Sabur Zaaneen von der Beit Hanoun Local Initiative sprach von den palästinensischen Hoffnungen und dem nicht zerstörbaren Kampf für Gerechtigkeit. Die Demonstranten kamen bis auf etwa 50 Meter an die Mauer und einen Wachturm heran; kehrten im Interesse ihrer Unversehrtheit zurück, als das Öffnen eines Fensters im Turm zu hören war.

Gaza: 29 years later, Palestinians march forward, 22. September 2011, International Solidarity Movement, Gaza; http://palsolidarity.org/2011/09/20247/


 

Qalandiya Checkpunkt: 15-Jähriger während Protest ins Gesicht geschossen - Drei Protestteilnehmer wurden verletzt und zwei von Polizisten in Zivil festgenommen; von Zusammenstössen beim Qalandiya Flüchtlingslager, nachdem Israel den Checkpunkt vor Jerusalem schliesst, berichtete das Popular Struggle Coordination Comitee am 23. September 2011.

Freitagmorgen wurde der Qalandia Checkpunkt, der wichtigste Zugang nach Ostjerusalem für Palästinenser aus Ramallah und der Westbank, von israelischen Soldaten mit NATO-Draht geschlossen. An diesem historischen Tag warteten viele Palästinenser auf die Diskussion des palästinensischen Antrages auf Anerkennung des palästinensischen Staates vor der UN Generalversammlung in New York. Die Abriegelung des zentralen Checkpunktes wurde von örtlichen Jugendlichen als Provokation verstanden und es kam zu Zusammenstössen, als bewaffneten Soldaten, die Tränengas, gummi-ummantelte Metallkugelns und scharfe Munition auf die Jugendlichen feuerten; einige Steine wurden in Richtung der Soldaten geworfen. Etwa zwanzig Demonstranten wurden von Sanitätern behandelt; zwei Demonstranten wurden schwer verletzt: Ein 15 jähriger Junge verlor ein Auge, als ein Gummimantelgeschoss aus kurzer Distanz, und damit in Verletzung von Armeeregeln, auf ihn gefeuert wurde. Ein 20- jähriger Protestteilnehmer wurde durch scharfe Munition am Unterkörper getroffen.

Zwei Teilnehmer wurden von Spezialkommandos abgeführt, die sich in Zivilkleidung unter die Menge gemischt hatten.

http://popularstruggle.org/content/15-year-old-shot-face-during-qalandiya-demonstration-losses-eye

 

 

“Ich bin Nabi Saleh" – Fotoausstellung zeigt Dorfleben ausserhalb der Proteste - Die Amerikanerin Alison Ramer kam 2006 als Mitglied der zionistischen Jugendbewegung [Zionist Youth Movement] nach Israel, beschloss aber nach kurzer Zeit, dass sie beide Seiten des Konfliktes kennenlernen wollte. Ihr erster Kontakt mit Palästinensern kam in Nabi Saleh zustande. Der örtliche Aktivist Bassem Tamimi, der wegen seiner Organisaition von Protesten im Dorf vor ein Militärgericht gestellt wurde, sagte Ramer einmal: „Du bist gekommen, um die Besatzung aus deinem Kopf zu entfernen.“ Ramer stimmt zu. Ihre Erfahrungen im Dorf haben sie dazu motiviert, eine Ausstellung mit Fotos über das Leben des Dorfes zwischen den Freitagsportesten zu organisieren. Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren erhielten digitale Kameras und wurden von dem international bekannten palätinensischen Fotografen und Videoproduzenten Issa Freij darin geschult, verschiedene Aspekte des täglichen Lebens im Dorf festzuhalten. Das Leben unter militärischer Besatzung bedeutete, dass das Projekt auf mehreren Ebenen ablief, sowohl als Kunstunterricht und Traumabehandlung, um den Kindern Wege zu zeigen, wie sie eine gewisse Kontrolle über ihre Welt wiedergewinnen können.[...]

Als professioneller Fotojournalist hatte Freij zuerst gewisse Zweifel, in wieweit die Kinder lernfähig sein würden, bemerkte dann aber, dass das Lernen auf Gegenseitigkeit beruhte: „Zuerst wählten wir ein Thema für die ganze Gruppe aus, aber dann gingen die Kinder zur gleichen Zeit an den gleichen Ort. Und das Dorf hat nur eine Strasse. Sie kamen alle mit den gleichen Fotos zurück.“

Also wurden Themen ausgegeben, was von den Kindern forderte, dass sie das innere Leben Nabi Salehs genauer ansahen und weniger das Äussere. Die Fotos gehen über die üblichen Aufnahen von Soldaten hinaus und analysieren, welche Konsequenzen die Besatzung für das tägliche Leben hat.

Einige Arbeiten zeigen den Mangel an Spielplätzen für Kinder durch Fotos, auf denen kleine Kinder mit von der Armee hinterlassenen Waffenteilen spielen. Eine andere Gruppe von Fotos behandelt das Thema des Wassermangels oder die Probleme mit der Abfallbeseitigung. Diese Themen sind den Kindern von klein auf vertraut.

Die Kinder können ihre Kameras behalten in der Hoffung, dass sie weiterhin in ihren Fotos eine alternative Erzählung über das Leben im Dorf unter der Besatzung dokumentieren.

Zur Zeit wird die Fotoausstellung in Ramallah gezeigt, wird aber später auf Tour in Europa, den USA und weltweit gehen.

“I am Nabi Salih” — photo exhibition shows there is more to village than weekly protests, Silvia Boarini, Palestine Monitor, 13. September 2011 [Artikel in Auszügen übersetzt und zusammengefasst]
http://nabisalehsolidarity.wordpress.com/2011/09/16/%e2%80%9ci-am-nabi-salih%e2%80%9d-%e2%80%94-photo-exhibition-shows-there-is-more-to-village-than-weekly-protests/

 

Übersetzt und zusammengefasst von Martina Lauer

 

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