Materialien zum Nahostkonflikt
Helga Merkelbach - Stand April 2009
Vorwort
für die Erwachsenen, die mit jungen
Menschen über den Nahostkonflikt sprechen möchten
(Lehrerinnen und Lehrer, Pastorinnen und
Pastoren, Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer...)
Die
Erwachsenen
Kein Thema dieser Welt ist über so viele Jahre
fast täglich in den Medien wie der Nahostkonflikt. Insbesondere die
übermittelten Bilder hinterlassen einen tiefen Eindruck. Deutsche
sind angesichts des Völkermordes an den Juden im Nationalsozialismus
mit einem besonderen Verantwortungsbewusstsein für Existenz und
Wohlergehen von Juden und Israel aufgewachsen.
Daher wohnt uns Erwachsenen, v.a. in Deutschland,
gegenüber dem Nahostkonflikt schon eine subjektive, wertende, oft
stark emotionalisierte Haltung inne, bevor wir uns überhaupt näher
mit dem Thema befassen.
Durch eine rationale Auseinandersetzung kann die
Haltung sich vielleicht verändern.
Unsere grundlegenden (westlichen, deutschen,
historisch gewachsenen) Wertehaltungen werden dennoch weiter unsere
Einschätzung prägen.
Die
jungen Menschen
Dieser starken Medienpräsenz des Themas sind
auch die jungen Menschen von Kind an ausgesetzt. Die heutige junge
Generation gehört zur dritten Generation nach dem Holocaust und hat
mit wachsendem Anteil Einwanderungshintergrund. Das bedeutet, dass
sie weniger als die sie unterrichtenden Erwachsenen eine "deutsche
Staatsräson" gegenüber Israel empfinden. Menschen mit
Migrationshintergrund vergleichen Schicksale aus Nahost mit ihren
eigenen Erfahrungen als Nicht-Deutsche und legen ihrer Beurteilung
daher andere wertende Maßstäbe zu Grunde.
So
stoßen beim Thema Nahostkonflikt die vorgeprägten Einstellungen von
einem Erwachsenen auf eine Vielfalt von subjektiven Vorprägungen auf
Seiten der jungen Menschen.
Schlussfolgerung: Rolle der Erwachsenen
Daher ist es bei diesem kontroversen Thema
wichtig, dass Erwachsene, die mit jungen Menschen über den
Nahostkonflikt sprechen,
-
sich ihrer Subjektivität, ihrer wertende Haltung bewusst werden
-
und sie den jungen Menschen gegenüber transparent machen dass sie
die jungen Menschen unterstützen
-
sich ihrer zugrunde liegenden Werte bewusst zu werden
-
und mit Empathie die Gegenseite verstehen und akzeptieren zu lernen.
Erwachsene können versuchen
-
objektiv zu sein: alle möglichen Sichtweisen einbringen und ohne
Wertung erklären
-
unparteiisch zu sein: sicher stellen, dass alle möglichen Positionen
repräsentiert sind und zu keinem Zeitpunkt die eigene
Position benennen
-
ketzerisch sein: bewusst provozieren und kontinuierlich die
Gegenseite einbringen
-
engagiert sein: ihre eigene Position einbringen
M.E. lässt sich bei diesem kontroversen Thema die eigene Haltung
nicht unterdrücken, daher möchte ich engagiert dazu stehen, aber
nicht ohne sie den jungen Menschen gegenüber transparent zu machen.
Das Londoner Three-Faiths-Forum ist seit 1997
bemüht um Verständigung zwischen den 3 monotheistischen Religionen.
In
"Teaching about the current conflict in Gaza and Israel" werden die
Grundsätze von Oxfam direkt auf den Gazakrieg 2008/9 übertragen.
Materialzusammenstellung hier
Die folgende Zusammenstellung von Materialien drückt mein
persönliches Engagement aus.
- Israel und seine Position ist im
Materialangebot überrepräsentiert und mit vielen Dokumenten logisch
einsichtig, während die Seite der Palästinenser weniger häufig zu
finden ist, oft stärker emotionalisiert betrachtet wird und nicht
selten als befremdlich bis negativ bewertet wird.
- Deutsche Institutionen (wie die Bundeszentrale
für politische Bildung oder Bildungsserver der Bundesländer) sind
bemüht sich einem Antisemitismus-Vorwurf zu erwehren und stützen
somit den Trend eher die israelische Seite darzulegen, während sie
häufig die palästinensische Seite mit wertenden Begriffen und
Adjektiven versehen.
Daher lege ich hier den Schwerpunkt auf die
Möglichkeit, beiden Seiten besser gerecht zu werden, indem ich alle
vorliegenden Materialien kurz einschätze, wenn sie mehr der einen
oder anderen Seite zu neigen.
Empfehlenswertes deutschsprachiges
Material aus dem Internet
"„Real Time Players", das sind zehn junge Israelis und Deutsche
zwischen 16 und 23 Jahren, die einander ihr Land zeigen. In
Videotagebüchern, die sie selbst drehen und schneiden, geben sie
persönliche Einblicke in ihren Alltag: Kassam-Raketen in Sderot,
Nachtleben in Mainz, Schulunterricht in Jerusalem, Aufwachen in
einem Kibbuz in der Negev-Wüste. Asaad, Marie, Avital, Felix und die
anderen nehmen uns mit auf eine abenteuerliche Reise in ihr Leben.
Über die Videotagebücher lernen sie sich kennen, tauschen sich aus
und treten in einen Dialog miteinander."
(http://blog.zdf.de/realtimeplayers/2008/03/uber-dieses-blog.html)
In
Kombination mit dem englischsprachigen blog zweier Freunde aus
Sderot und Gaza geeignet: Der Palästinenser wollte schon vor dem
Gazakrieg ins Ausland zum Studium, hat es bislang noch nicht
geschafft. http://gaza-sderot.blogspot.com/
Internetseite informiert über Aktion, Sozialprojekt und Grenzzaun
Unterrichtsidee: Zum Abschluss einer Unterrichtssequenz:
Welche Botschaft möchtest du an Israelis / Palästinenser auf die
Mauer schreiben lassen? Warum?
Diana Sprick, In den Schlagzeilen: Israel und Palästina,
Arbeitsmaterialien für die Sekundarstufen, Mülheim an der Ruhr 2005,
Verlag an der Ruhr ISBN 3-86072-980-2, 12,50€
Arbeitsblätter zu einer großen Vielfalt von historischen und
aktuellen Themen,schüler-orientiert zusammen gestellt, mit pfiffigen
Methoden aufbereitet
Noah Flug, Martin Schäuble, Die Geschichte der Israelis und
Palästinenser, Wien 2007, Carl Hanser Verlag, ISBN
978-3-446-20907-7, 17,90€
Sachbuch für Jugendliche, in vereinfachter Sprache geschrieben, mit
kommentierten Medientipps zu jedem einzelnen Geschichts-Kapitel,
enthält eine Vielfalt von Informationen, die auf Grund der
Komplexität des Themas vermutlich nicht allein von jedem
Jugendlichen zu bewältigen ist
Informationen zur politischen Bildung, Heft 278 (neu Mai 2008),
Israel -
Das Heft ist im Klassensatz kostenlos von der Bundeszentrale für
politische Bildung zu beziehen:
http://www.bpb.de/publikationen/XOA93H,0,Israel.html oder auch
dort ganz und teilweise herunter ladbar. Die Informationen sind
eindeutig pro-israelisch. Auf Grund der Ausführlichkeit und
Fakten-orientierten Darstellung kann es mit Hilfe entsprechender
Fragestellung in der Oberstufe als Basis-Material eingesetzt werden.
Valérie Zenatti, Leihst du mir deinen Blick, Eine
Freundschaft zwischen Jerusalem und Gaza, Hamburg 2008
(original auf Französisch 2005),dtv pocket, ISBN 978-3-423-78223-4, 6,95€
- Tal, ein 17-jähriges jüdisches Mädchen,
mailt einem 20-jährigen "Gazaman". Es geht um die (Not-)Lage in Gaza
und die Bedrohung durch Selbstmordattentate in Israel.
Sprache und Verhalten der beiden sprechen Teenager an.
Laure Mistral, Rahel lebt in Israel, Nasser im
Westjordanland, München 2007 (original auf Französisch 2006),
Knesebeck-Verlag, ISBN 978-3-89660-469-9, 11,95€
Kinderbuch mit Sachinformationen einerseits und Darstellungen des
Lebens der beiden Kinder, geeignet ab 5. Schuljahr, enthält eine
Vielfalt an Informationen, die von Kindern auf Grund der Komplexität
nicht allein gelesen werden sollten
Elizabeth Laird, Sonia Nimr, Ein kleines Stück Freiheit, Eine
Kindheit in Ramallah, Würzburg 2006
(Original auf Englisch 2003) Arena-Verlag ISBN 3-401-02720-4, 7,90€
Kinderbuch, das eher Jungen als Mädchen anspricht, geeignet ab 5.
Schuljahr, erzählt die Geschichte eines 12jährigen palästinensischen
Jungen unter israelischer Besatzung
http://www.eza.at/index1.php?menuid=4#palestina
Österreichische Seite zur
Entwicklungszusammenarbeit, Zusammenstellung von links für die
palästinensischen Gebiete betreffen Länderinformationen und
Entwicklungszusammenarbeit, sehr gute Hinweise, wo Zahlen, Daten,
Fakten zu recherchieren sind
Friedensratschlag
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/ Die AGF (Arbeitsgruppe
Friedensforschung) in Kassel stellt fortlaufend Beiträge zusammen,
die sich mit Krieg / Frieden in allen Regionen der Welt befassen.
Ihre Auswahl (diversen Medien, Institutionen und Organisationen
entnommen) umfasst offizielle Erklärungen ebenso wie alternative
Denkweisen, Aufrufe und Originaldokumente. Deutsche Artikel werden
der linken Presse entnommen.
"Die AGF ist eine interdisziplinär angelegte
Arbeitsgruppe. Ihre Mitglieder gehören verschiedenen Fachbereichen
der Universität Kassel an und vertreten unterschiedliche
Fachrichtungen. ... Sie treten ein für Gewaltfreiheit, Einhaltung
der Prinzipien des Völkerrechts, insbesondere der Charta der
Vereinten Nationen, der Menschenrechtskonventionen und der Regeln
des humanitären Kriegsvölkerrechts, für eine Politik ziviler
Konfliktprävention und –bearbeitung sowie für die Ächtung aller
Arten von Massenvernichtungswaffen und für weltweite Abrüstung."
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/impressum.html)
Tagesschau, Multimediaschau (Bilder + Text) zu "60 Jahre Israel",
hat zunächst die Seite der Palästinenser mit im Blick, nimmt bei
aktuelleren Ereignissen deutlicher Stellung pro Israel
Das arabische Wort "qantara" bedeutet Brücke. Mit dem gemeinsamen
Internetportal Qantara.de wollen die Bundeszentrale für politische
Bildung, die Deutsche Welle, das Goethe-Institut und das Institut
für Auslandsbeziehungen zum Dialog mit der islamischen Welt
beitragen. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik
Deutschland gefördert.
Dossier zu israelisch-palästinensischem Dialog mit vielen Beiträgen,
wie mit friedlichen Mitteln eine Lösung des Konfliktes angegangen
wird
zmag.de
"zmag.de
ist ein Projekt von Menschen, die die Texte des amerikanischen
ZNet /
Z Magazine in deutscher Sprache verfügbar machen möchten. Wir
halten die im
ZNet verbreiteten Informationen für einen dringend notwendigen
Kontrast zur Berichterstattung der Mainstreammedien und das
ZNet für eine wichtige Informationsquelle. Das Projekt
ZNet Texte zu übersetzen wurde im Mai 2001 von Helmut Fiedler
gestartet."
"Während des Zweiten Golfkriegs 1991 waren durch das
Nachrichtenmonopol des amerikanischen Militärs die Massenmedien fast
gleichgeschaltet und lieferten ein oft bis zur Karikatur verzerrtes
Bild über den Nahen und Mittleren Osten. Diese Erfahrung veranlaßte
uns, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und
Erlangen, eine Zeitschrift herauszugeben, die abseits aller
Klischees über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur der
Region berichten sollte.
Als Trägerverein wurde 1994 das Informationsprojekt Naher und
Mittlerer Osten - abgekürzt INAMO - gegründet. Anfang
1995 erschien das erste Heft. INAMO war damit die erste von
Regionalfachleuten, aber nicht nur für Fachleute konzipierte
Zeitschrift, die ein interessiertes Publikum mit Analysen,
Reportagen, Berichten und Interviews kompetent über die Hintergründe
dessen informiert, was in der Region geschieht. Mehr als 250
Autorinnen und Autoren schrieben bislang für INAMO, darunter viele
international renommierte Wissenschaftler, Publizisten und
Journalisten aus Deutschland, Europa, den USA und vor allem aus der
Region selbst.
INAMO fühlt sich
ausschließlich dem Prinzip der Humanität
und dem Gedanken der Menschenrechte verpflichtet und keinen
bestimmten politischen oder ideologischen Strömungen:
So kamen bei den Schwerpunkten zu Israel (Heft 13/1998) und zu Palästina
(Heft 23/24 2000) jeweils palästinensische
und israelische Autoren zu Wort. INAMO erscheint, seit nunmehr über elf Jahren, vierteljährlich."
Materialien, die eindeutig die israelische Seite unterstützen
Deutsche Politik im Nahen und Mittleren Osten, mit vielen original
offiziellen Dokumenten der Bundesregierung, z.B. eine Rede des
Außenministers bei einer Konferenz
http://www.cap-lmu.de/themen/nahost/index.php
Deutsche "Denkfabrik" – Wissenschaftler, die Politiker bei ihrer
Entscheidungsfindung beraten, hier zu Nahost
"Das Centrum für angewandte Politikforschung ist eines der größten
universitären Institute der Politikberatung zu europäischen und
internationalen Fragen in Deutschland. Als Dach praxisorientierter
Drittmittelforschung wurde es 1995 von Prof. Dr. Dr. h.c. Werner
Weidenfeld am Lehrstuhl für Politische Systeme und Europäische
Einigung des
Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der
Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet.Seine
operativen Mittel wirbt das C·A·P über Projekte und Partnerschaften
mit Stiftungen, staatlichen Institutionen und Unternehmen ein."
(http://www.cap-lmu.de/cap/index.php)
"Das "Deutsche Institut für
Internationale Politik und Sicherheit" der Stiftung Wissenschaft und
Politik (SWP) ist eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung,
die auf der Grundlage eigener, praxisbezogener Forschung den
Deutschen Bundestag und die Bundesregierung in allen Fragen der
Außen- und Sicherheitspolitik berät. Die
wissenschaftlichen Mitarbeiter der SWP tragen durch
Analysen und Veröffentlichungen sowie ihre Mitwirkung an nationalen
wie internationalen Fachdialogen zur Meinungsbildung in ihrem
Arbeitsgebiet bei. Der
Stiftungsrat ist das oberste Aufsichts- und Entscheidungsorgan
der SWP. Neben Vertretern der Bundestagsfraktionen und verschiedener
Bundesministerien gehören ihm Persönlichkeiten aus Wissenschaft,
Wirtschaft und öffentlichem Leben an."
(http://www.swp-berlin.org/other/aufgaben.php?active=aufgaben&PHPSESSID=bf842260b60937ac1880cc7dd3933b64)
"Die 1950er Jahre und der Suezkrieg, Martin Schäuble, Noah Flug:
Die jüdischen Einwanderer hatten
einen schweren Anfang im neu gegründeten Staat Israel. Auf die
massenhafte Einwanderung konnten die Gründungsväter so schnell nicht
reagieren. Die Staatskassen waren leer – der Arabisch-Israelische
Krieg machte deutlich, dass beim Verteidigungshaushalt nicht gespart
werden durfte."
"schwerer" Anfang, "massenhafte" Einwanderung: wertende Adjektive
"Arabisch-Israelische
Krieg": Begriffswahl: Palästinenser sprechen von "nakba", auf
Arabisch "Katastrophe", Israel spricht von "Befreiungskrieg"
"
beim Verteidigungshaushalt nicht gespart werden durfte":
Zwangsläufigkeit von Handeln statt Entscheidungsmöglichkeiten von
Handlungsträgern
http://www.bpb.de/themen/N7BUCR,1,0,Nahost.htmlMargaret Johannsen gelingt eine
(pro-israelisch wertende) Zusammenfassung der Geschichte des
Nahostkonflikts, incl. Bilder und Materialhinweise, auf nur 6
Seiten.
"Krieg im Gazastreifen Dezember 2008 - Januar 2009
Die radikal-islamische Hamas hat den Waffenstillstand mit Israel
aufgekündigt und erneut Raketen gegen Israel abgefeuert. Die
Regierung Olmert reagiert mit heftigen Luftangriffen auf Gaza und
dem Einmarsch von Bodentruppen.":
"radikal-islamisch": wertende Adjektive
"aufgekündigt": Der Waffenstillstand lief automatisch nach 6 Monaten
aus. Zum Verlauf des Waffenstillstands gehören weitere Informationen
über beide Seiten.
http://wiki.zum.de/Israel
Lehrerseite "wiki.zum.de" zu Israel, vorwiegend offizielle
israelische oder deutsche links angegeben
Materialien, die eindeutig die palästinensische Seite unterstützen
http://www.palaestina.org/
Generaldelegation Palästinas" in Berlin.
Die PLO wird als einzige palästinensische politische Organisation
ausführlich dargestellt.
http://www.palaestinaonline.de/
Seite eines in Deutschland lebenden Palästinensers, der sich
einleitend "unabhängig" nennt.
Auf der Bilder-Seite warnt er selber "Palästinensische Kinder "Opfer
der Besatzungsmacht" , "Eine Präsentation" Vorsicht: Bitte Kinder
fern halten!"
Für Gegenüberstellung von Geschichtsdarstellungen ist der Text über
die Geschichte der Palästinenser geeignet.
http://www.intifada.de.vu/
Die Seite hält "Texte zum Nahostkonflikt" bereit und bekennt sich im
Titel als "Die palästinensische Perspektive". Die Beiträge umfassen
auch Musik, Cartoons, Filme neben Texten zu allen möglichen
Themenbereichen.
http://www.anis-online.de/
Anis Hamadeh ist gebürtiger Deutsch-Palästinenser, in Deutschland
geboren, deutscher Staatsbürger, veröffentlicht seine Artikel in
mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch, Französisch). Er ist
unbedingt für eine gewaltfreien Weg zu einer Lösung und äußert
Bedenken gegenüber einem Boykott Israels durch Deutsche. Als freier
Autor streitet er mit Worten und Argumenten für die Rechte der
PalästinenserInnen und scheut sich nicht, "heiße Eisen" wie
Antisemitismus-Vorwürfe anzupacken.
Seine Artikel (gesammelt alle auf seiner eigenen Homepage zu finden)
sind wegen ihrer klaren Sprache und guten Argumentation
hervorragende Basis für Diskussionen unter SchülerInnen.
Der Autor versucht den gesamten Konflikt (durch
Frontalunterricht) in einer Doppelstunde zu bewältigen und
betrachtet israelische und palästinensische Darstellungen der
Geschichte seit dem 19. Jh., um am Ende die SchülerInnen "Wer ist
Schuld?" beantworten zu lassen.
http://www.jm-hohenems.at/mat/405_Israel.pdf
österreichisches Angebot für Selbstarbeit von SchülerInnen an
Projekttagen: Der Referent wird von der österreichischen Regierung
bezahlt.
Auf der Internetseite sind die angesprochenen Themen aufgelistet.
Materialien mit (eher einseitiger, pro-israelischer) Wertung
Alle im Folgenden genannte Unterrichtseinheiten /-materialien
enthalten einen deutlichen Trend, die israelische Seite zu erklären
und die palästinensische weniger. Damit ergibt sich das Bild, dass
die Palästinenser (unerklärlicherweise) gewalttätiger sind.
http://www.alnakba.org/
(auf Englisch) Dokumentation von Al Nakba ("Katastrophe" =
israelischer Unabhängigkeitskrieg und seine Folgen für
Palästinenser): Fotos, Augenzeugenberichten, Liste zerstörter Dörfer
http://www.jungewelt.de/2009/01-09/002.php
Chaled Meschaal, Wir werden nicht schweigend sterben, 9.1.09 in
junge welt auf Deutsch erschienen
Leiter des Politischen Büros der Hamas, lebt im syrischen Exil
http://www.palestine-info.co.uk/en/
Eine Hamas Homepage ist nicht zu finden. Wikipedia gibt diese Seite
an, was sich selbst als unabhängiges Informationszentrum bezeichnet.
Es
gibt mehr Hamas-Wortlaut von anderen auf Deutsch oder Englisch
veröffentlicht.
Aufrufe,
Apelle von Nicht-Regierungs-Organisationen u.a.
http://www.humanrights-in-israel.ch/de/index.php
"Wir, die unterzeichnenden Jüdinnen und Juden,
erwarten die Beendigung der israelischen Besatzung, Besiedlung und
Blockade palästinensischer Gebiete. Wir bestehen auf würdigen
Lebensbedingungen sowie auf Sicherheit für alle Menschen in Israel
und Palästina." 2.3.2009 in Bern
http://friedenskultur.com/pdf/Bote-FFKK.pdf
Stimmen zu Gaza, Materialien für die politische Bildung, Siegener
Friedensbote, Zentrum für Friedenskultur, Siegen 2009 enthält Aufrufe und Texte zum Gazakrieg, u.a. "Deutsche Juden und
Jüdinnen sagen NEIN zum Morden der israelischen Armee", 17.1.2009,
Anzeige in SZ
inwent: Zur Vorbereitung von MitarbeiterInnen, die zur
Entwicklungszusammenarbeit
ins Ausland gehen werden von entsendenden Organisationen gemeinsam
Länder-informationen heraus gegeben
http://www.inwent.org/v-ez/lis/palaestina/index.htm
Länderinformationen zu den autonomen Gebieten
EZA: Österreichische Seite zur Entwicklungszusammenarbeit,
Zusammenstellung von links für die palästinensischen Gebiete
betreffenden Länderinformationen und Entwicklungszusammenarbeit
http://www.eza.at/index1.php?menuid=4#palestina
Rachel
Comic über Israel, von Geschichte über Geografie bis Judentum und
Wissenswertes,
kostenlos zu bestellen bei der Israelischen Botschaft oder
interaktiv im Internet:
http://rachel.israel.de/#
Der Comic spricht Kinder und Jugendliche an, unterlässt aber jedwede
Erwähnung von Palästinensern oder Nahostkonflikt; selbst die in
Israel lebenden Araber werden als "Nicht-Juden" benannt.
Geeignet ist er für jüngere Schülerinnen und Schüler (auch älteren
macht das Spielerische Spaß!), um einerseits in die Landeskunde
Israels einzuführen und andererseits genau auf diesen Mangel
aufmerksam zu machen und Fragen zu entwickeln, worauf im Comic nicht
eingegangen wird.
Zaynab's Story – A Call to Boycott Israel
http://www.inminds.co.uk/boycott-israeli-dates.php
Video (ca. 9 Minuten) auf Englisch, der am Beispiel zerstörter
Olivenbaumhaine auf palästinensischem Gebiet und Errichtung von
jüdischen Siedlungen dort auf den Zusammenhang zu Produkten
aufmerksam macht, die in Westeuropa von dort zu erhalten sind
Der Video konfrontiert mit der Brutalität israelischen Vorgehens und
dem Leiden von Palästinensern.
Geeignet ist er als Einstieg ins Thema in der Oberstufe, um Fragen
zu entwickeln, wie zu erklären ist, was hier zu sehen ist.
Vorschlag
zur eigenständigen Erarbeitung in Kleingruppen
Aufgabe:
Nach dem 2. Weltkrieg begannen Deutsche, Juden und Palästinser
gleichermaßen "aus dem Nichts", ohne Staat, nach großen
Leid-Erfahrungen.
Vergleichen Sie die Situation für Deutschland – Israel –
die PalästinenserInnen.
Suchen Sie die Vergleichsdaten dazu aus dem CIA-Factbook (oder
anderen deutschsprachigen Informationsquellen). Verwenden Sie nur
Daten, die Sie für
alle drei Gruppen finden können und stellen Sie sie nebeneinander.
Folgen Sie
dem Beispiel
Deutschland
Israel
PalästinenserInnen
autonomer Staat
1949 / 1990
1948
Teilautonomie 1994
Gebiet
357 021 km²
20 770 km²
Gaza 360 km²
Westjord. 5 860 km²
Einwohner
Einkommen pro Kopf
Überlegen Sie am Ende, welche Fragen sich aus dem Vergleich von 3
Völkern mit ähnlichen Startbedingungen nach dem 2. Weltkrieg
ergeben.
Zwei Völker - Ein Land
Juden / Israel
Araber / Palästinenser
vor Christus 2x israelische Staaten, dann
Fremdherrschaft
73 nC Palästina von Rom erobert
seit Römischem Reich: Diaspora =
Zerstreuung über Europa
Folgen:
- Diskriminierung
- Pogrome = Verfolgung
bis zu
- Shoa = Katastrophe des
Massenmords
unter Hitler (1933 – 45)
636 Palästina von Arabern erobert, seit-
dem mehrheitlich moslemisch
1517 – 1917 zum Osmanischen Reich gehörig
(türkisch)
1895 lebten in Palästina 453.000
Araber und 24.000 Juden auf 27.000 Quadratkilometer
Sehnsucht nach Nicht-Verfolgung und
ab Ende 19. Jh : Zionismus
= Sehnsucht nach Heimat im Hlg. Land
Alijahs = Einwanderungswellen von
Juden nach Palästina ab 1882
Gefühl des Verdrängtwerdens vom eigenen
Land seit Einwanderung von Juden
Sehnsucht nach unabhängigem arabischem
Staat: Panarabismus
Großbritannien verspricht 1917 Juden in
Balfour-Erklärung eine Heimstätte.
Großbritannien trifft im 1. Weltkrieg mit
Arabien die Hussein-McMahon-Übereinkunft, einen
arabischen Staat zu schaffen, wenn Araber mit gegen das
Osmanische Reich kämpfen.
Großbritannien schließt heimlich mit
Frankreich das Sykes-Picot-Abkommen, in dem ein
besiegtes Osmanisches Reich zwischen ihnen aufgeteilt wird.
Nach dem 1. Weltkrieg erhält
Großbritannien Palästina als Mandatsgebiet.
Großbritannien fördert die Einwanderung
von Juden.
Die Eingewanderten fühlen sich von den
Ansässigen bedroht, von Großbritannien
nicht geschützt und fordern Eigenständig-keit.
Mit terroristischen Mitteln kämpfen sie
gegen die britische Mandatsmacht.
Arabische Ansässige in Palästina fühlen
sich von Großbritannien um Unabhängigkeit betrogen, von
Einwanderung zunehmend bedrängt.
Es kommt zu Aufständen.
UN (= Vereinte Nationen) Teilungsplan
1947:
2 Staaten sollen entstehen: Israel und
Palästina
Gründung des Staates Israel 1948,
weitere Einwanderung von Juden
Palästinenser bleiben als Minderheit in
Israel, fliehen oder werden in Nachbar-länder vertrieben
- Flüchtlingsdasein in Lagern
- keine Integration in Nachbarländern
- in Israel benachteiligt
Kriege:
1948 Schaffung und Erweiterung des
israel. Staatsgebiets
1956 Suezkrise, Krieg gegen Ägypten
1967 6-Tage-Krieg:
Golanhöhen mit Wasserquellen
eingenommen; Besetzung palästi-
nensischen Gebietes;
illegale jüdische Besiedlung von
paläst. Gebiet
1973 Yom-Kippur-Krieg
1982 bis 5/2000
Libanon-Feldzug und Massaker von
Sabra u
Schatila (General Sharon)
1964 Gründung der PLO unter Arafat
(= Paläst.
BefreiungsOrganisation)
mit Ziel eigenen Staates
1969 erste Flugzeugentführung
1972 Mord an 11 israel. Athleten bei
Olymp. Spielen in München
1987 1. Intifada: gewalttätiger
Widerstand in israelisch
besetzten
palästinensischen Gebieten,
bekannt geworden: Steine
werfende Kinder
1994 Oslo-Abkommen (Rabin und Arafat):
- PLO verzichtet auf Gewalt, erkennt
Existenzrecht Israels an
- Israel sichert autonomen
palästinensischen Staat zu
- 1995 Rabin wird ermordet
seitdem nationalistische Regierungen
- 9/2000 Besuch Sharons auf dem
Tempelberg in Jerusalem
= Provokation wg. moslem. Heiligtum
Al Aksa
Moschee
- fortgesetzt Bau jüdischer Siedlungen in
paläst. Gebiet
- Kampf der israel. Armee gegen Terro-
risten innerhalb paläst. Gebiets
- ab 2003 Bau eines Sperrzauns um
Westjordanland
- 2000 – 04 2. Intifada = Al Aksa
Intifada:
Selbstmordattentate, Raketenbeschuss
israelischer Grenzgebiete
2001: 9-11 Terroranschlag auf das World
Trade Center in New York:
Palästinensischer Widerstand wird im
Westen in der "Achse des Bösen" gleich gesetzt mit
Terrorismus
2003 Fahrplan für den Frieden (USA, EU,
Russland, UN) Roadmap
2005 Jüdische Siedlungen in Gaza werden
geräumt
2006 Libanonkrieg, um die
Hisbollah (terroristische Bedrohung für Israel) zu
zerschlagen
Der Hamas-Sieg veranlasst Israel zu
- militärischen Angriffen auf
Hamas-Regierungsvertreter
- Luftangriffen in Gaza (Zerstörung von
Wirtschaftspotential)
- zunehmender Blockade durch Schließung
der Grenzübergänge
- keiner Verhandlungsbereitschaft mit
"islamistisch-terroristischer" Hamas
2004 Arafat stirbt
2006 Hamas gewinnt demokratische Wahlen
in den autonomen Gebieten
Bei Auseinandersetzungen zwischen der PLO
und der Hamas gewinnt die Hamas die Oberhand in Gaza, die
PLO in Westjordanland.
Hamas und andere Gruppen schießen selbst
gebastelte Raketen nach Süd-Israel.
Die Blockade führt zu existentieller
Bedrohung: Tunnelbau nach Ägypten
Juni – Dez. 2008:
Waffenstillstandsabkommen zwischen Gaza und Israel:
- Hamas hört mit Raketenbeschuss auf
(erfolgt, andere Gruppen machen weiter)
- Israel öffnet die Grenzübergänge
(erfolgt minimal)
Dez. 2008/Jan. 2009 Gazakrieg
Feb 2009 Wahlen, Regierungskoalition
weiter rechts
1,5 Mio Palästinser ohne Fluchtmöglich-
keit Luftangriffen und Einmarsch ausge-
setzt: ca. 1500 Tote, Traumatisierung,
ohne Zufuhr von Lebensnotwendigem
Phasen des Nahostkonflikts
1. Phase: bis Ende des 19. Jh: kein Nahostkonflikt:
Palästinenser (moslemische Araber) leben im Osmanischen
Reich
Juden leben in Diaspora (verstreut in alle Welt),werden
diskriminiert,
ghettoisiert, erleben Pogrome bis zur
Judenemanzipation Anfang 19.Jh.
Ende des 19.Jh. kommt (rassistischer)
Antisemitismus auf.
Ende des 19. Jh. kommt im Zuge von Nationalismus
in Europa auch bei
den Arabern der Wunsch nach eigenem Staat
(Panarabismus) und bei Juden
der Wunsch nach einer Heimat in eigenem Staat
(Zionismus).
Alijahs (Einwanderungswellen): Juden kommen aus
Europa nach Palästina.
2. Phase: bis 1947: Nahostraum – Spielball des Imperialismus
Im 1. Weltkrieg versucht Großbritannien die
Araber als Bündnispartner gegen das Osmanische Reich (MacMahon-Hussein)
und das Wohlwollen der Juden (Balfour) zu gewinnen, um sich zuletzt
im Geheimabkommen mit Frankreich (Sykes-Picot) als Mandatsmacht
Palästina zu sichern.
Weitere Juden wandern ein. Araber wehren sich
gegen jüdische Neusiedlungen und britische Mandatsmacht. Jüdische
Einwanderer wehren sich mit Terrorakten gegen die britische
Mandatsmacht und sichern sich immer mehr Landbesitz.Großbritannien
pendelt zwischen Gewalt gegen und Zugeständnissen für beide Seiten.
In Europa kommt es zum Völkermord an Juden
(Holocaust, Shoa).
Markierungspunkt: 1947 Teilungsplan der UNO
Es sollen 2 Staaten entstehen.
Israel erklärt sich als Staat. Die arabischen Nachbarn
wollen nur 1 arabischen
Staat und planen Israel anzugreifen. In einem
Präventivkrieg gewinnt Israel ein größeres Staatsgebiet als
vorgesehen. Palästinenser bleiben, flüchten oder werden vertrieben.
3. Phase: 1948 – 94: Konsolidierung der Existenz Israels und der
Nicht-Existenz
Palästinas im Kalten Krieg
Kriege Israels gegen Nachbarstaaten und gegen
palästinensischen Widerstand. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges
gilt Israel als
Vorposten des Westens gegen kommunistische PLO.
Markierungspunkt: 6-Tage-Krieg 1967
Israel besetzt palästinensische Gebiete und beginnt dort
jüdische Siedlungen.
Markierungspunkt: 1993/94 Oslo-Friedensprozess
PLO erkennt Israels Existenzrecht an. Israel will
die schrittweise Entstehung eines autonomen Staates Palästina
zulassen.
4. Phase: ab 1995 Scheitern des Friedensprozesses, erneute
Gewalt-Eskalation
vor dem Hintergrund von Terrorismus (9/11)
Verfestigung von Staat Israel und seiner Besetzung
Palästinas durch Krieg,
Grenzzaun, Blockade einerseits gegenüber größer
werdender existentieller
Not in palästinensischen Gebieten und Widerstand
mit Selbstmordattentaten
und Raketenbeschuss
Aufgaben für den Zeitraum 1947 bis heute im Nahostkonflikt
Aufgabenstellung
-
Lesen Sie ...
-
Legen Sie zur zeitlichen Orientierung eine Chronologie daneben.
-
Zur Groborientierung dienen die Arbeitsblätter
- "Zwei Völker - Ein Land"
- Phasen des Nahostkonflikts
-
Beantworten Sie die folgenden Fragen.
1. Auf welchen (4 -5) Ebenen wird gekämpft?
( Unter Ebenen ist zu verstehen, wer in der gesamten Zeit
jeweils gegen wen
Kämpft, z.B. Israel gegen Palästinenser, weiter Israel gegen
...?)
2. Finden Sie eigene passende Überschriften für die Phasen
- 1948 - 1993
- Markierungspunkt 1993/94
- seit 1995, v.a. ab 2000
Orientieren Sie sich evt. auch daran, was außerhalb dieses
Konfliktraums, also
international geschieht.
3.
Für die Zeit von 1947 bis 1979 werden v.a. 4 Kriege immer wieder
erwähnt.
Nennen Sie für jeden Krieg
- wie der Krieg genannt wird
- wer gegen wen kämpfte
- wer gewann
- worum es ging bzw. was der Krieg veränderte /
bewirkte.
4.
Welcher der 4 Kriege bzw. sein Ausgang spielt bis heute eine
wichtige Rolle und
weshalb?
5.
1978 kommt es zu einem Teil-Frieden in diesem Gesamtkonflikt.
- Name
- Wer mit wem?
- Welche Abmachungen?
6.
Welche 2 neuen Macht-Elemente tauchen im Verlauf der 60er und 70er
allmählich
auf und spielen bis heute eine Rolle?
7.
(Bezug zu 1): Auf welcher Ebene wurde der längste Krieg geführt
(1982-2000)?
- Wer begann?
- Was war das Ziel des Angreifers?
- Was geschah 1982 in dem Zusammenhang Schlimmes?
(Denken Sie an den
Begriff "Verbrechen gegen die Menschlichkeit")
8.
Listen Sie auf, was an der Lage der Palästinenser sie in den
Widerstand gegen
Israel treibt.
9.
Charakterisieren Sie mit schlagwort-artigen Begriffen, welche Art
von Widerstand
die Palästinenser im Verlaufe der Geschichte ergreifen.
- ab 1964 (wer? Mittel? Ziel?)
- ab 1973 (wer mit wem? Mittel? Ziel?)
- ab 1987 (wer? Mittel? Ziel?)
- ab 1993 (wer? Mittel? Ziel?)
- ab 2000 (wer (verschiedene!)? Mittel? Ziel?)
10. 1993/94 markiert eine Chance für Frieden im Konflikt.
- Name
- Wer vereinbart etwas mit wem?
- Was wird vereinbart?
11. Zählen Sie wichtige Faktoren auf, warum daraus kein Friede wird?
Lösungen der Aufgaben zum Nahostkonflikt 1947 – heute
1. Konfliktebenen
- Israel gegen
Palästinenser
- Israel gegen Nachbarstaaten
- Ost gegen
West
- Ölstaaten gegen Kunden (USA,
Europa)
- "islamistische Fundamentalisten" /
"Terroristen" gegen "freiheitlichen Westen"
2. Phasen
1948 - 93: im Zeichen des Kalten Krieges
1993 Oslo I - Friedensversuch
ab 1995 Spirale der Gewalt
ab 2001: vor dem Hintergrund von
islamistischem Terrorismus
3. 4 Kriege 1947 - 78
1. Unabhängigkeitskrieg / Al Nakba: 1948
nach Staatsgründung Israels; Nachbarn gegen neuen Staat;
Israel gewinnt; größeres Gebiet als
im Teilungsplan vorgesehen; Vertreibung von Palästinensern
2. 1956 Suezkrise; Frankreich und
Großbrit., unterstützt von Israel gegen Ägypten; wg.
Verstaatlichung
des Suezkanals; Gebietsgewinn Gaza
und Sinai für Israel, aber wieder Abzug
3. 1967 6-Tage-Krieg; sog.
Präventivschlag; Israel gegen Ägypten, Syrien und Jordanien;
Israel gewinnt
und besetzt Gaza, Sinai, Golanhöhen,
Westbank mit Ost-Jerusalem
4. 1974 Yom-Kippur-Krieg; Ägypten, Syrien
gegen Israel, Unterstützung durch Saudi-Arabien: kein Öl für
Unterstützer-Länder Israels
4. heute bedeuts. Krieg
1967: Grenzen gelten heute noch;
Golanhöhen = Wasser abgeschnitten; isr. Besetzung paläst.
Gebiete,
jüdische Siedlungen auf paläst.
Gebiet;
5. 1978 Teilfriede
1978 Camp David: Israel mit Ägypten; Land
(Sinai) für Frieden; US-am Wirtsch. u. Mil.hilfe der USA für
Israel; Ägypten bevorzugter Partner der
USA (Carter vermittelt zw. Sadat und Begin)
6. neue Machtelemente
- Entstehung der PLO 1964; Terrorakte,
erst gegen Israel, dann international
- Öl als Waffe (ab 1973 deutlich)
7. längster Krieg
Angreifer: Israel marschiert im Libanon
ein, im Libanon gegen paläst. Flüchtlinge (PLO);
Ziel: Zerschlagung der PLO; Einrichtung
eines Israel-freundl. Regimes im Libanon; Schwächung
Syriens;
PLO verlagert Zentrale nach Nordafrika
1982: Sabra und Schatila: Massaker an
Flüchtlingen
8. Lage Palästinenser
kein eigener Staat; Leben in
Flüchtlingslagern; immer wieder Schikanen und Übergriffe
seitens Israels;
soziales Elend und willkürliche
Gewalterfahrung
9. palästin. Widerstand
ab 1964: Gründung der PLO,
Terroranschläge gegen Israel, fordert autonomen Staat,
Zerschlagung Israels
ab 1973: PLO Verbündung mit Ölstaaten,
internationaler Terror, auch Öl als Druck gegen Unterstützer
Israels, Ziel autonomer
Staat und Zerschlagung Israels
ab 1987: Intifada der paläst.
Bevölkerung; z.T. Kinder Steine gegen israel. Besatzer,
Terroranschläge
gegen Israel; Ziel: Ende
der isr. Besatzung
Entstehung der Hamas
(Sozialmaßnahmen; im Gegensatz zu PLO IM Lande)
ab 1993: PLO; Abkommen von Oslo mit
Israel; Ziel Schaffung eines autonomen Palästinas,
Anerkennung
Israels als Staat
ab 2000: 2. Intifada der paläst.
Bevölkerung; Hamas u.a. oft religiös geprägte Gruppen;
Selbstmordattentäter;
Raketenbeschuss von Libanon, von Gaza nach Israel hinein
Forderung: Ende der isr.
Besatzung, Räumung der jüd. Besiedlung, Autonomie
7. 1993 Friedensversuch
Oslo I, Israel mit PLO (Rabin, Arafat mit
Hilfe Clinton); PLO erkennt Israel als Staat an, Israel soll
Besetzung beenden, Palästina soll
schrittweise Autonomie erhalten
1994 Gaza-Jericho-Abkommen und Oslo II im
Sinne von Oslo I
8. kein Frieden seit 1995
Mord an Rabin; Rechtsruck bei isr.
Parlamentswahlen; Siedlungspolitik Israels, noch ungelöste
Fragen, Flüchtlingselend ohne Ende, 28.9.2000 Scharons
Provokation auf Tempelberg; Wiederbesetzung Palästinas seit
Frühjahr 2002, Sperrzaun seit 2003,
Al Aksa -Intifada; Radikalisierung:
Terrorgruppen mit Selbstmordattentaten und Raketenbeschuss;
Ohnmacht paläst. "Regierung" Arafat dagegen; Übergriffe und
Besetzung durch isr. Armee; Räumung jüdischer Siedlungen in
Gaza 2005, Wahlsieg Hamas 2006, Libanonkrieg 2006; Gazakrieg
2008/9
Diskussionsthema: Schulbücher
Fragestellung:
Wie sollte ein Schulbuch aussehen, das Toleranz, Frieden,
Völkerverständigung fördert?
PRIME ist eine israelisch-palästinensische
Nicht-Regierungsorganisation, die vom Friedensforschungsinstitut
Frankfurt unterstützt wurde.
Der (2008 verstorbene) Psychotherapeut Dan Bar-On hatte zuerst
Kinder von Nazi-Tätern und Kinder von Nazi-Opfern zusammen gebracht
und sich jeweils ihre Geschichte erzählen lassen um sie miteinander
zu versöhnen. Dann zog er Menschen aus heutigen Konfliktregionen
hinzu.
Bei PRIME kooperierten er und der palästinensische Professor für
Erziehung (der selber Anfang der 1990er im israelischen Gefängnis
war), um ein gemeinsames Schulbuch herzustellen.
Auf der linken Seite steht die israelische Sicht der gemeinsamen
Geschichte, auf der rechten die palästinensische, in der Mitte sind
freie Zeilen. Das Buch wurde von einigen wenigen LehrerInnen in
Israel und Palästina im Unterricht eingesetzt. Das Bemühen, es als
Geschichtsbuch an allen israelischen Schulen beim
Bildungsministerium durchzusetzen, ist noch nicht erfolgreich
gewesen.
7.39 Minuten-Video mit englischen Untertiteln, Refuseniks mit ihren
Aussagen
http://www.wri-irg.org/de/adopt-kdv.htm
Die Organisation israelischer Kriegsdienstverweigerer Yesh Gvul hat
ein Programm zur Unterstützung inhaftierter Refuseniks eingerichtet:
"Einen Refusenik adoptieren"
http://www.yeshgvul.org.il/index_g.asp (in diversen Sprachen,
auch Deutsch)
"Yesh
Gvul ("Es gibt eine Grenze!") ist eine israelische Friedensbewegung,
welche die Aufgabe übernommen hat, Soldaten zu unterstützen, die
Anweisungen repressiver oder aggressiver Natur ablehnen. Das brutale
Auftreten der Israel Defence Force (IDF, Israelische Armee), welche
die palästinensische Bevölkerung unterdrückt, bringt zahlreiche
Dienstpflichtige in ein schweres moralisches und politisches
Dilemma."
Die Refusenik-Organisation wurde während des Libanonkrieges, 1982
gegründet.
Trauma
http://www.shovrimshtika.org/
Homepage der Organisation Shovrim Shtika: Die Organisation wurde
2004 gegründet für Soldaten, die traumatisiert waren von der
Besatzungspraxis in Gaza.
In
"Titel, Thesen, Temperamente" werden in 5.50 Minuten Ausschnitte aus
dem Film und ein Interview mit Folman gezeigt (als Video im Internet
abspielbar)
Daniele hilft ihrer älteren Schwester Hen beim Umzug in die neue
Wohnung, bei der vor allem die Sicherheit eine Rolle spielt: Hens
Sohn hat ein Kassam-Trauma.
1.55 Minuten Video-Sequenz vom 12.11.2008, deutsche Untertitel
Tamar Verete-Zehavi, Aftershock, Die Geschichte von Jerus und Nadira,
München 2009, Jugendbuch
Die 17jährige Israelin Ella erlebt ein Selbstmordattentat, das ihre
jüdische, Äthiopien-stämmige Freundin Jerus nicht überlebt. Ella
fühlt sich mitschuldig an ihrem Tod und steht unter traumatischem
Schock. Mit Hilfe eines arabischen Freundes kommt sie in Kontakt mit
der Familie der Selbstmordattentäterin. Ihre Heilung beginnt – eine
Happy-End-Geschichte ist es dennoch nicht.
Berichterstattung am Beispiel Gazakrieg 2008/9
Objektivität
Tagesschau 11.1.2009, Torsten Teichmann, Schwierige
Berichterstattung aus dem Gazastreifen, Journalisten müssen draußen
bleiben
"Die Frage ist, ob Zuschauer und Zuhörer so genau die Nachrichten
verfolgen, dass sie die Nennung der Quelle als Achtungszeichen
erkennen." – Dieser Satz aus dem Artikel bietet sich an zur
Besprechung von Objektivität in der Berichterstattung und welche
Anforderungen es an Leserschaft / Zuschauerschaft / Zuhörerschaft
stellt.
Süddeutsche Zeitung14.1.2009 Gazakrieg in den Medien, Zwischen den
Fronten
Hill of Shame
Andre Marty, Stell dir vor es ist Krieg, und einer geht auch nach
zwei Wochen noch hin, 10.1.2009
Der Schweizer Andre Marty berichtet vom Hügel an der südisraelischen
Grenze, von wo aus in der Ferne der Krieg zu sehen ist. Er gibt den
Gefühlen der ReporterInnen dort Ausdruck. - Der Hügel wird von ihnen
Hill of Shame genannt.
Dem renommierten belgischen Journalisten Dirk Musschoot gelang es
als einzigem ausländischen Journalisten heimlich während des
Gazakrieges ins Kriegsgebiet zu kommen.
Auf Deutsch gibt es nur eine kurze Notiz:
„Jetzt weiß ich, warum
Israel keinen einzigen Journalist in Gaza zulässt. Sie wollen nicht,
dass jemand sieht, welche Grausamkeiten sie dort begehen. Aber ich
bin nun mal hier und kann berichten: Israel begeht
Kriegsverbrechen!“
Im
Archiv der Maan News Agency (seit 2005 Nachrichtenagentur in den
palästinensichen Gebieten) befinden sich nachlesbar alle
Kriegsgeschehnisse, die rund um die Uhr fest gehalten wurden (auf
Englisch).
WÄHREND eines beliebigen Tagesereignisses lohnt es, wikipedia
current events aufzurufen.
Während des Gazakrieges wurden oft mehrmals am Tag Nachrichten (aus
Englisch-sprachigen Medien) zusammen getragen und mit
Herkunftsvermerk wieder gegeben.
Auf Deutsch gibt es diese Einrichtung auch, die Berichterstattung
während des Gazakrieges blieb aber in Quantität und Qualität hinter
der englischen zurück.
30.01.2009 Netzwerk für Feindschaften Gaza-Krieg auf Facebook:
Der taz-Artikel enthält links, mit denen die Internetseiten
aufrufbar sind, die sich virtuell bekriegen.
Christina Brüning, Wie der Gazakrieg im Internet geführt wird,
8.1.2009:
Der Artikel in der Welt enthält auch links zu Internetseiten.
taz und Welt können zugleich beide mit ihrer Darstellung wiederum
einander gegenüber gestellt werden.
Deutsch-Israelische Beziehungen
Das ist das schwierigste Kapitel – schwierig, weil es am
umstrittensten ist.
Diskussionsthemen
-
Können die deutsch-israelischen Beziehungen als "normal" bezeichnet
werden?
-
Welche Rolle spielen "Vergangenheitsbewältigung" und
"Erinnerungskultur" bei
der Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen?
-
Was bedeutet Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungskultur im
israelisch-
palästinensischen Verhältnis?
-
Welche Bedingungen müsste eine (Bildungs-)Reise nach Israel
/Palästina erfüllen
um der Situation dort gerecht zu werden?
-
Was sollte bei einem SchülerInnenaustausch zwischen einer deutschen
Schule
und einer Schule in Israel / Palästina berücksichtigt werden?
-
Was sollten Deutsche beachten, die in Israel / Palästina mit
Israelis / Palästinensern
ins Gespräch über ihre Lebenssituation kommen?
-
Was gehört zu einer Städtepartnerschaft zwischen einer deutschen
Stadt und einer
in Israel / Palästina gelegenen Stadt?
-
Dürfen Deutsche (vor dem Hintergrund ihrer Nazi-Vergangenheit)
Israel
boykottieren (Waren, Waffen) um gegen die israelische Politik in den
palästinensischen Gebieten (Siedlungen, Besatzung, Krieg)
wirkungsvoll zu protestieren?
Material zur Diskussion:
Die Begriffe "Vergangenheitsbewältigung" und "Erinnerungskultur"
gibt es nur in der deutschen Sprache.
Wikipedia bietet unter folgenden Begriffen dazu Informationen:
-
Deutsche Wiedergutmachungspolitik
-
Vergangenheitsbewältigung
Wikipedia auf Englisch ist interessant zu "Vergangenheitspolitik" zu
lesen, um die Einzigartigkeit im Deutschen besser zu verstehen.
Der Begriff "Second Generation" und Sekundärtrauma sind Hinweise
darauf, dass zum einen die nach dem Holocaust von Überlebenden
Geborenen ebenfalls noch traumatisiert sein können, zum anderen,
dass auch in Israel Sabras (= im Staat Israel Geborene) die Probleme
aus dem Holocaust schwierig zu verstehen finden.
Der folgende Beitrag befasst sich mit der Frage, was
Erinnerungskultur heute in Israel / Palästina beinhalten kann,
nämlich die Erinnerung an die Entstehung des Staates Israel als
"Erlösung von jahrhundertelanger Verfolgung der Juden" oder als Al
Nakba, der Urkatastrophe für die Palästinenser:
Zeittafel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft; manchmal erfährt
man nicht einmal das konkrete Geschehen sondern gleich die Wertung,
dennoch ist es eine viele Seiten umfassende, in ihrer Auswahl
interessante und sehr detaillierte Zusammenstellung und Einschätzung
http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1122/i.html
Bettina Marx fasst zusammen: "Deutsch-israelische
Beziehungen
Solidarität und Verantwortung für die Vergangenheit", anlässlich der
ersten Begegnung von K. Adenauer mit D. Ben-Gurion im März 1960 in
New York. B. Marx ist eine Journalistin, die während des Gazakrieges
israel-kritisch berichtet hat.
Diskussionsanregungen, welche Rolle Deutschland im Nahostkonflikt
spielt und spielen kann
Israeli und Israel-Kritiker Moshe Zuckermann im Interview mit Die
Zeit, 2.5.2008 zu deutsch-israelischen Beziehungen:
"
Ich sehe Deutschland vor allem als Vermittler an. Dabei spielen
zweierlei Momente eine gravierende Rolle: zum einen besagte deutsche
Verpflichtung gegenüber Israel. Zum anderen aber der "gute Draht",
den Deutschland zu anderen Ländern in dieser Region unterhält, was
sich wiederum daraus erklärt, dass es kein Land auf der Welt gibt,
das sich leisten könnte, Deutschland zu ignorieren, wenn es an
Beziehungen zum "Westen", vor allem aber zu Europa, interessiert
ist."
Jude, Israeli, friedensbewegter Aktivist Uri Avnery sagt in einem
Interview 2006 "
Die unreflektierte Einstellung der Deutschen im Nahost-Konflikt ist
nicht nur unmoralisch, sondern auch feige."
Bundeskanzlerin Merkel war die erste Kanzlerin, die vor der Knesset
eine Rede und auf Deutsch halten durfte (18.3.2008):
"ich bin zutiefst davon überzeugt: Nur wenn
Deutschland sich zu seiner immerwährenden Verantwortung für die
moralische Katastrophe in der deutschen Geschichte bekennt, können
wir die Zukunft menschlich gestalten. Oder anders gesagt:
Menschlichkeit erwächst aus der Verantwortung für die
Vergangenheit."
Israelische Menschenrechtsaktivistin im Interview über Deutschlands
Rolle in Nahost:
"
Merkel sollte den Israelis nicht nur Lippenbekenntnisse abverlangen,
sondern die Räumung der besetzten Gebiete, die Schaffung eines
palästinensischen Staates entsprechend des Völkerrechtes und die
Einhaltung der Genfer Konvention. Dazu ist Deutschland auch aufgrund
seiner Geschichte verpflichtet."
Der pädagogische Austauschdienst (PAD) fördert finanziell
Schulpartnerschaften. Diese ppt enthält die quantitative Entwicklung
von geförderten Schulpartnerschaften zwischen deutschen und
israelischen bzw. palästinensischen Schulen sowie die
Fördermöglichkeiten. Hier wird auf Austausch auch mit Schulen aus
den palästinensischen Gebieten hingewiesen.
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft fasst in einer ppt zusammen,
worauf es bei SchülerInnenaustausch mit Israel ankommt. Hier wird
Austausch mit 3 Kulturen als schwierig bezeichnet.
Das ist die webpage des Koordinierungszentrums Deutsch-Israelischer
Jugendaustausch, wo alle Informationen zu finden sind. Hier kommen
Schulpartner-schaften zu Schulen aus den palästinensischen Gebieten
nicht vor.
Interessant ist auch der link zu Länderinformationen über Israel,
die konzentriert alle Informationen zusammen stellen, die für
Jugendliche interessant sein können:
Hier wird u.a. angesichts der "zunehmenden Antipathie gegenüber
Israel" Hilfestellung für virtuelle Schulpartnerschaft mit Israel
gegeben.
Berichte über Schulpartnerschaften, Reisen nach Israel finden sich
zahlreich im Internet und können mit entsprechenden Suchwörtern
recherchiert werden.
Ein Beispiel kann der Besuch von Aliza Olmert kurz nach dem
Gazakrieg an einer Realschule sein, die ihre Schulpartnerschaft mit
Israel pflegt, dabei aber auch Palästina einbezieht.
Homepage der Schule mit Darstellung der Aktivitäten zu Israel
Städtepartnerschaften können für die eigenen Städte recherchiert
werden. Viele israelischen Städte haben mehrfach Partnerschaften mit
verschiedenen deutschen Städten, z.B. Haifa mit Mainz, Mannheim,
Bremen, Düsseldorf u.a.
Hier ist das Beispiel für einen (Original-)Partnerschaftsvertrag von
Bremen mit Haifa:
Boykott
und andere Möglichkeiten für Deutsche mit dem Nahostkonflikt
umzugehen
Die Frage, ob Deutsche israelische Produkte boykottieren dürfen
(wegen der Erinnerung an Deutsche im Nationalsozialismus, die
jüdische Geschäfte boykottierten) wird diskutiert:
Die israelische Friedensgruppe Gush Shalom nimmt Stellung zur Frage,
ob Waren aus den illegal besetzten Gebieten boykottiert werden
sollen (auf Englisch):
International Solidarity Movement ist eine internationale
Solidaritätsgruppe, die von Palästinensern gegründet wurde um im
Ausland Unterstützung für Aktivitäten in Palästina zu mobilisieren.
ISM hat einen deutschen Zweig.
Bemerkenswert ist ISM wegen der ausdrücklichen Betonung, dass sie
nur gewaltlose Aktionen befürworten. Was das heißt führt ISM
detailliert auf, so dass es zur Einschätzung offen dargelegt ist.
Ursachen und Lösungen:
Worum geht
es eigentlich beim Nahostkonflikt
Statt die Konfrontation hie Israel, da Palästinenser, hie arme
Jahrhunderte lang verfolgte Juden, da Palästinenser auf deren Rücken
eine (Er)Lösung aus dem Antisemitismus andernorts durchgesetzt
wird, weiter zu verstärken,
könnte (auch für erheblich jüngere SchülerInnen) das Thema unter
folgenden Aspekten / Fragestellungen betrachtet werden:
Welches Interesse haben sie gemeinsam?
Existenz(recht) in dieser Region
Was benötigt man zum (Über)Leben?
Land (für Essen und zum Bebauen, Wohnen,
Schutz, Zuhause)
Wasser (zum Trinken / für Bewässerung zum
Anbau)
Energie (Zugang zu Öl, Gas, Strom...; Mittel
zum Aufbau von Industrie)
sichere Grenzen (Schutz vor Übergriffen auf
menschliches Leben, Wirt-
wikipedia "Israelische Sperranlagen" umfasst von eine beide Seiten
beurteilende Beschreibung und links, die beide Seiten (Israel,
PalästinenserInnen) zu Wort kommen lässt
Warum will Israel die Westbank nicht räumen? Wie wichtig ist die
Frage des Wassers? Gespräch mit einem palästinensischen
Wasserexperten Prof. Kamal Abdul-Fattah, von Hakam Abdel-Hadi,
2.2.2009;
Stefan Deconinck, Öl
ins Feuer - Wasser im israelisch-palästinensischen
Konflikt
weltpolitik.net ist das Onlineportal für
internationale Beziehungen des Forschungsinstituts der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige
Politik (DGAP).
Erdgas
Die Behauptung "Im Nahostkonflikt geht es den USA um Öl, deshalb
stützen sie Israel" wird von vielen Menschen schnell dahin gesagt.
Es ist schwierig, diesen Bezug UNMITTELBAR herzustellen.
Israel hat (fast) kein Erdöl, etwas Erdgas.
Pipelines führen in weitem Bogen um die Konfliktregion Israel herum,
sind eher der Hintergrund für Auseinandersetzungen in der
Kaukasusregion.
Während des Gazakrieges 2008/9 wurde der Aspekt "Erdgasfunde
offshore von Gaza seit 2000" kaum laut erwähnt, er könnte aber bei
den Waffenstillstandsver-handlungen hinter verschlossenen Türen
durchaus eine Rolle spielen.
Rainer Rupp, Israel stiehlt palästinensisches Gas, Tel Aviv hat es
auf die Offshore-Energieressourcen vor der Küste des Gazastreifens
abgesehen, 20.1.2009;
Matthew Krieger, The $ 4 billion opportunity off the coast of Gaza,
Jerusalem Post, 18.1.2009
Leider ist dieser Artikel nicht mehr (kostenlos) im Internet
zugänglich: M. Krieger ist Mitarbeiter einer Consulting Firma, Ruder
Finn Israel, die dieisraelische Regierung in
Wirtschaftsfragen berät. – In diesem Fall wird vorgeschlagen, dass
Israel die Rechte am Erdgas vor der Gaza-Küste erwirbt (in den
Waffenstillstandsverhandlungen zum Ende des Gazakrieges). Die
israelische Regierung würde mit den (ausländischen) Betreibern einen
neuen Vertrag über Ausbeutung der Quellen und Vertrieb schließen.
Israel könnte dann einer Regierung von Gaza Gelder aus dem Profit
für die Entwicklung von Gaza geben – unter der Voraussetzung, dass
sicher gestellt ist, die Gaza-Regierung würde davon keine Waffen
kaufen. So habe die israelische Regierung ein Faustpfand in der
Hand, könne sich Sicherheit gegen Entwicklungshilfe kaufen.
Eine Sichtung der Friedensgruppen in Israel ist lohnend – setzt aber
Englisch-Kenntnisse voraus. Auf der Seite arendt-art.de finden sich
Hinweise auf alle
FriedensaktivistInnen und –organisationen, v.a. auf folgender Seite:
Die verschiedenen Friedenspläne, die auf internationaler Ebene
diskutiert werden, sind unter ihrem jeweiligen Namen in wikipedia
beschrieben, z.B. Roadmap
Ein ungleiches Paar, das einen erstaunlichen Friedensplan vorgelegt
hat und dafür Unterschriften sammelte, sind der palästinensische
Philosophieprofessor Nusseibeh und der ehemalige israelische
Geheimdienstchef Avalon im Jahr 2003
Eine Diskussion von Lösungen für den Nahostkonflikt könnte
folgende Fragen umfassen:
Wer sollte an Verhandlungen beteiligt sein?
Wer? Warum? Wer nicht? Warum nicht?
Welche Streitfragen müssen in erster Linie geklärt werden?
Welche Streitfragen sind zweitrangig?
Gibt es Vorbedingungen, die erfüllt sein müssen, bevor Verhandlungen
beginnen können?
Welche Rolle können MediatorInnen spielen?
Wer ist geeignet, von beiden Seiten als echte (nicht-parteiische)
MediatorIn anerkannt zu werden?
Was ist gerechter Frieden?
Hierzu empfiehlt sich der weltweite Appell von Jüdinnen und Juden
vom 2.3.2009 zur Interpretation:
"
Wir, die unterzeichnenden Jüdinnen und Juden,
erwarten die Beendigung der israelischen Besatzung, Besiedlung und
Blockade palästinensischer Gebiete. Wir bestehen auf würdigen
Lebensbedingungen sowie auf Sicherheit für alle Menschen in Israel
und Palästina."