|
Antisemitimus in Deutschland
Nicht Antisemitismus,
Israelkritik ist in der Mitte der Gesellschaft
angekommen
Evelyn Hecht-Galinski
Wie lange
sollen wir jüdische und nichtjüdische Deutsche noch
auseinander dividiert werden? Nicht unser Verhältnis
ist angespannt wie selten, sondern das Verhältnis
zwischen dem Zentralrat der Juden in Deutschland und
der deutschen Öffentlichkeit. Durch die auf
Konfrontation ausgerichtete Strategie des
Zentralrats ist es gelungen, jede Israelkritik oder
widersprechende Meinung unter Antisemitismusverdacht
zu stellen. Mir erscheint es besonders bedenklich,
wenn wir dem Zentralrat und dessen Generalsekretär,
Stephan Kramer, die Deutungshoheit über den uns
erlaubten deutschen Sprachgebrauch überlassen.
Versinken nicht mittlerweile unsere Politiker/-innen
in einer Traumatisierung, weil sie wissen, dass sie
nach nicht genehmen Äußerungen unter Umständen nicht
mehr lange Funktionsträger sind? Das wurde auch
während des Gazakrieges deutlich, als der Zentralrat
als Körperschaft des Öffentlichen Rechts - also auch
mit unseren Steuergeldern - mit großen Anzeigen in
überregionalen Zeitungen eine einseitige
Unterstützung der israelischen Regierungspolitik
betrieb. Damit wird eine unerträgliche
philosemitische Stimmung erzeugt, die mir mehr als
gefährlich erscheint. Ich selbst habe bei mehreren
israelkritischen Demonstrationen während des
Gazakrieges gesprochen vor tausenden von engagierten
Menschen - Deutschen wie Palästinensern. Auf diesen
Demonstrationen gab es keinerlei antisemitische
Parolen, sondern nur israelkritische Töne. Daher
möchte ich mich persönlich dagegen verwahren, dass
diese Demonstrationen und deren Teilnehmer/-innen in
eine falsche Ecke gedrängt werden sollen. Nicht der
Antisemitismus, sondern die Israelkritik ist in der
Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer immer noch
nicht den Unterschied zwischen Juden, Zionisten und
Israel, also zwischen Antisemitismus, Antizionismus
und Israelkritik, begriffen hat, wird zwangsläufig
miteinander vermengen, was auseinander zu halten
ist.
Evelyn Hecht-Galinski, Malsburg-Marzell
|