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Weniger wäre auch hier mehr
Evelyn
Hecht-Galinski
Zu "Eine
Frage des Protokolls" von Florentine Fritzen in der F.A.Z. vom 29. Januar: Wie lange
wollen und müssen wir jüdische und nichtjüdische
Deutsche noch die intellektuelle Hilflosigkeit
dieses Zentralrates unter der Führung von Charlotte
Knobloch und ihres "Drängers" Stephan Kramer als
Generalsekretär hinnehmen? Sie sind keineswegs
übersensibel, wie Vizepräsident Korn meint, sondern
setzen ihre auf Konfrontation ausgerichtete Taktik
fort, indem sie viel zu viel sagen - weniger wäre
mehr.
Es fängt bei der Deutungshoheit über die deutsche
Sprache an und hört beim Antisemitismus in der
"Mitte der Gesellschaft" auf. Nicht der
Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft
angekommen, sondern positiverweise das kritische
Denken als Normalität. Dieses beinhaltet auch die
berechtigte Kritik an israelischen
Menschenrechtsverletzungen, wie Besatzung, Blockade
und Unverhältnismäßigkeit im Einsatz der Mittel.
Missbraucht nicht der Zentralrat, als Körperschaft
des öffentlichen Rechts, auch Steuergelder, wenn er
Israel blind unterstützende Anzeigen in
überregionalen Zeitungen schaltet?
Wozu werden die großen jüdischen Gemeindezentren
gebaut, wenn man, wie Frau Knobloch, mit "seinem
Geist in Israel weilt". Das ist eine Missachtung der
in Deutschland lebenden Juden. Ich frage mich auch
als deutsche Jüdin, wieso bei jüdischen
Veranstaltungen in Deutschland die "Hatikwah", die
israelische Nationalhymne, gesungen wird.
Warum soll der als "feinfühlig" bekannte
Bundestagspräsident Lammert mehr Sensibilität
zeigen? Sollte nicht umgekehrt der Zentralrat der
Juden mehr Sensibilität für einen normalen Umgang
zeigen. Wer immer noch nicht den Unterschied
zwischen Juden, Zionisten und Israel, also zwischen
Antisemitismus, Antizionismus und Israel-Kritik,
begriffen hat, wird zwangsläufig miteinander
vermengen, was auseinanderzuhalten ist.
Evelyn Hecht-Galinski, Malsburg-Marzell
F.A.Z.,
02.02.2009, Nr. 27 / Seite 8
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