|
Aktion „gegossenes Blei“ - Aktion „vergossenes Blut“
Evelyn Hecht-Galinski
Andauernde Blockade, andauernde Strangulierung,
andauernde Abriegelung, ständige Lufthoheit,
tägliche Drohnenüberwachung und ein
Aufklärungszeppelin, das war der sogenannte Abzug
Israels aus dem Gazastreifen.
Die
Hamas, die klare Gewinnerin aus den
palästinensischen Parlamentswahlen im Januar 2006,
sollte, weil es den USA und Israel nicht genehm war,
mit der aufgerüsteten Fatah ihres Sieges beraubt
werden. Als die misslang und die Hamas die alleinige
Kontrolle im Juli 2007 über Gaza übernahm, schlossen
Israel und Ägypten daraufhin die Grenzen zum
Gazastreifen. Im September 2007 erklärte Israel
den Gazastreifen zum feindlichen Gebiet. Das
Kabinett beschloss eine Kürzung der Strom- und
Treibstofflieferung an die Zivilbevölkerung. Im
Januar 2008 ermordete die israelische Armee bei
einem Militäreinsatz 19 Palästinenser. Drei Tage
später, nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen,
riegelte Israel den Gazastreifen vollkommen ab. Die
Stromversorgung für 800.000 Einwohner brach
zusammen. 5 Tage später stürmten hunderttausende
Palästinenser über die Grenze nach Ägypten, nachdem
Kämpfer der Hamas die Grenzübergänge zerbombt
hatten. Eine Woche lang deckte die Bevölkerung sich
dort mit Grundnahrungsmitteln ein. Im März 2008
ermordete Israel 125 Palästinenser und die Operation
„Heißer Winter“ fordert die höchsten Opferzahlen
seit dem Sechstagekrieg von 1967. Im April werden 5
Palästinenser ermordet. Am 19. Juni vereinbart
Israel mit 12 Palästinenserfraktionen im
Gazastreifen eine sechsmonatige Waffenruhe. Sie
läuft am 19. Dezember aus. Am 5. November kommt
der erste gezielte israelische Militäreinsatz im
Gazastreifen seit der Waffenruhe wegen eines 250
Meter langen Tunnels bis zum Grenzzaun. Sechs
Palästinenser werden bei Gefechten ermordet. In
den darauf folgenden Tagen werden nochmals 8
Palästinenser ermordet. Am 26. Dezember beginnt,
obwohl das Ultimatum erst am 28.12. abgelaufen wäre,
mit der Operation „gegossenes Blei“ .
Wer
durchbrach die Waffenruhe? Die obige Chronologie
zeigt es deutlich auf: Israel, Israel, Israel. Der
Mehrheit des jüdischen Staates befindet sich im
Blutrausch und ergötzt sich an den
„Abbombardierungen“ der Ziele im Gazastreifen, die
schon seit Monaten vorbereitet worden sind.
Die
schlimmste Aktion seit über 40 Jahren, die Israel
über die Palästinenser bringt, darf nicht ungesühnt
bleiben. Anstatt sich mit solidarischen Bekundungen
mit dem Recht Israels auf Selbstverteidigung
anzubiedern und damit grünes Licht für die
unmenschlichen Luftschläge und andere Kriegstaten
zu geben , sollte unser Außenminister, das
EU-Quartett und die amerikanische Regierung
israelische Kriegshandlungen als das titulieren, was
sie sind, nämlich: Menschenrechts verachtende,
völkerrechtswidrige und mörderische Handlungen
gegenüber einer beinahe wehrlosen besetzten und
ausgehungerten Zivilbevölkerung. Nach den heutigen
Äußerungen des tschechischen Außenministers
Schwarzenberg, dessen Land demnächst die
EU-Präsidentschaft für die nächsten 6 Monate
übernehmen wird, ist nichts Gutes zu erwarten. Die
EU will die Fackel wieder weiter an die USA reichen.
Nach den verständnisvollen Äußerungen von George W.
Bush und Condolezza Rice fühlt sich Israel noch
sicherer in seiner Kriegslüsternheit. Auch der
kommende Präsident Obama ließ aus Hawaii verlauten,
dass Bush, der noch amtierende Präsident ist und er
sich daher nicht äußern möchte. Klang das bei der
Bewältigung der Finanzkrise und den finanziellen
Hilfen der amerikanischen Autoindustrie doch ganz
anders! Da gab er sofort Statements als kommender
Präsident ab. Damit sollten die Hoffnungen der Obama
Euphorie einen Dämpfer bekommen. Nach den letzten
„Bush Ausläufen“ wenig Neues von Obama! Ist das der
erhoffte „Change“ „Yes we can!“?
Business as usual.
Liegt nicht der wahre Grund für diesen massiven und
blutigsten Krieg seit 1967 in Israels Wahlkampf?
Einer der übelsten Wahlkämpfe seit langem.
Ablenkungsmanöver korrupter Politiker, einer
ehemaligen juristischen Beraterin für „Killings“ des
Mossad im Ausland, die für den Wahlsieg alle
männlichen Kontrahenten rechts überholen will;
außerdem militante Siedlerpolitiker, die sogar laut
Noch-Premier Olmert, Pogrome in Hebron veranstalten
und andere fanatische Splitterparteien, die alle
eigene Interessen vertreten und nur in einem vereint
sind – im Hass gegenüber Palästinensern und Arabern
und sich an deren Leid ergötzen.
Auch
ich als Pazifistin lehne den Abschuss von Raketen
ab. Aber war es nicht die unmenschliche Blockade und
Totalabriegelung des größten und dicht besiedelsten
„Freiluftgefängnisses“, die die Ausgehungerten und
Verzweifelten zu diesen selbst gebauten Raketen
greifen ließ, um auf ihr Leid und ihr Dasein
hinzuweisen? Insgesamt 16 Tote in all den Jahren
durch diese Raketen. Jeder Tote ist natürlich einer
zu viel. Diese Toten hat aber die israelische
Regierung zu verantworten, die die unmenschlichen
Zustände gegen das palästinensische Volk angerichtet
hat.
Über
300 Tote allein in 48 Stunden. Und über 1000
Verletzte, von denen ein Großteil an ihren schweren
„Schrapnell“-Verletzungen sterben wird.
Welche Verhöhnung dieser Ausgehungerten, wenn ihnen
heute von Verteidigungsminister Barak
propagandistisch gestattet, Lastwagen mit
gespendeten Hilfsgütern in den Gazastreifen
geschickt wird, während die Luftangriffe und
Tötungen weitergehen. Auch die Bodentruppen stehen
schon in den Startlöchern, sind aber mit 6700
Reservisten noch nicht genügend ausgestattet, um
anzugreifen. Dafür kommt die Marine von der
Wasserseite, und Kampjets fliegen auch schon wieder
über den Libanon und bedrohen dort die Hisbollah.
Israel als hochgerüstete Militärmacht und „einzige
Demokratie im Nahen Osten mit ausgestreckter Hand“
will ihre Bodentruppen erst schicken, wenn Gaza
abbombardiert und in Schutt und Asche liegt. Die
Hamas als ungleicher und viel schwächerer Gegner
soll als Kompensation für das Fiasko des letzten
Libanon-Krieges gegen die besser gerüstete Hisbollah
herhalten, ohne Rücksicht auf die schutzlosen
Menschen im Gazastreifen.
Nicht die gewählte Hamas-Regierung, sondern die
brutalen Besatzer, nämlich die Regierung eines
radikal-jüdischen Staates gehören vor das Haager
Kriegstribunal.
Mein
Aufschrei über diese Schande soll alle
demokratischen deutschen Bürger und Bürgerinnen
wachrütteln und zum Protest, wie auch immer
ermutigen. |