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Inwieweit gibt es eine berechtigte Furcht vor dem Islam ?
Vortrag im Interkulturellen Gesprächskreis Ahrensburg am 5. 9. 2007  in der
Volkshochschule gehalten von  Esther Thomsen

 

Das Thema unseres heutigen Abends stellt die Frage , inwieweit es eine berechtigte Furcht vor dem Islam gibt. An einem Tag, an dem 3 muslimische Terroristen verhaftet worden sind, ist sie besonders aktuell.

Natürlich gibt es den Islam genauso wenig wie das Christentum, deshalb müssen wir unterscheiden, was die Mehrheit der Muslime glauben und was Fundamentalisten und Extremisten vertreten. Da im Journalismus nur „schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind“ , muss man sich nicht wundern, wenn Meinungsumfragen belegen, dass ein Großteil der Deutschen Angst vor dem Islam hat. Da die meisten keinen direkten Kontakt mit Muslimen haben, sind sie auf die Medien angewiesen. Eine Untersuchung der Sendungen von ARD und ZDF von 2005 bis 2007 zum Thema Islam zeigt, dass sich 81% mit negativen Themen beschäftigen wie Terroranschläge , Karikaturenstreit , Kofferbomber, Papstrede in Regensburg, „Gefährliche Islamisten“,  „Hassprediger“, „Islamisten als Nachbarn“: hier erscheint die Religion als Gefahr, weil sie gewaltbereit dargestellt wird  und Konflikte in die Gesellschaft bringt.. Nur 8% zeigen den normalen Alltag von Muslimen und 11% ihre Kultur und Religion.

Hinzu kommen noch islamfeindliche Internetseiten und  Schriften wie die von Hans-Peter Raddatz: „Von Allah zum Terror?“, der vor dem Expansionsdrang des Islam warnt und ihm generell  Friedfertigkeit abspricht, oder das Buch  von Henryk M. Broder, „Hurra wir kapitulieren“. Broder warnt darin die Europäer vor einer Politik der Beschwichtigung, sie gerieten damit in Gefahr, die „Transformation Europas zu einem islamischen Kontinent zu beschleunigen“. Er zitiert als Motto Winston Churchill: „Ein Beschwichtiger ist einer, der ein Krokodil füttert in der Hoffnung, dann als letzter gefressen zu werden.“-  Den Islam mit einem gefräßigen Raubtier zu vergleichen, das sich anschickt Europa zu verschlucken, ist nicht gerade beruhigend!  Da wundert man sich nicht mehr, dass sich 23.000 Kölner in einem Bürgerbegehren gegen den Neubau einer Moschee gewehrt haben  - und dass ein Gesprächsteilnehmer im Deutschlandfunk behauptete, der Gebetsaufruf vom Minarett mit dem Bekenntnis: „Es gibt keinen Gott außer Allah“ sei eine Kriegserklärung an den christlichen Gott. Keiner hat diesen Mann aufgeklärt, dass auch die arabischen Christen kein anderes Wort für Gott als Allah haben. Man müsste also besser übersetzen „Es gibt keinen Gott außer Gott!“ Es ist das Bekenntnis zum reinen Monotheismus. Mohammed sieht sich in einer Traditionslinie mit den Propheten der Bibel und Jesus, den er als  Gottes Diener und Wort der Wahrheit bezeichnet. Juden und Christen werden im Koran ahl al kitab , Leute der Schrift, genannt, die respektiert werden.  Koranzitate: „Und sagt zu den Leuten der Schrift: Wir glauben an das, was als Offenbarung zu uns und zu euch herabgesandt worden ist. Unser und euer Gott ist einer. Ihm sind wir ergeben.“ (29,46) und „In der Religion gibt es keinen Zwang“ (2,,257) – „Wenn es Gott nur gewollt hätte, so hätte er euch allen nur einen Glauben gegeben, So aber will er euch in dem prüfen, was euch zuteil geworden ist. Wetteifert daher in guten Werken, denn ihr werdet alle zu Gott  heimkehren, und dann wird er euch über das aufklären, worüber ihr uneinig wart.“ (5, 49) Eine Stelle, die Lessing zu „Nathan der Weise“ inspiriert hat.

Das Schlagwort von der „Ausbreitung des Islam mit Feuer und Schwert“ ist von den Historikern längst widerlegt. Die unvergleichlich schnellen Eroberungszüge unter den ersten Kalifen hatten wirtschaftliche und politische Vorteile aber keine Missionierung zum Ziel. Es sprach sich nach einigen siegreichen Schlachten schnell herum, dass die Muslime den Städten ehrenvolle Übernahmebedingungen gewährten. Berühmt ist der 2- Vertrag von Kalif Omar mit Jerusalem von 636 und der seines Feldherrn mit Damaskus, den ich zitiere: „Im Namen Gottes des barmherzigen und gnädigen. Das  folgende hat Halid ibn al-walid den Einwohnern von Damaskus gewährt, als er die Stadt betrat. Er hat ihnen eine Sicherheitsgarantie (aman) gegeben für ihr Leben, ihr Hab und Gut, ihre Kirchen und ihre Stadtmauer; keines von ihren Häusern soll zerstört oder (von Arabern) bewohnt werden. Dafür haben sie die Bürgschaft Gottes und den Schutz seines Gesandten – Gott segne ihn und schenke ihm Heil -, und seiner Nachfolger und der Gläubigen; nur Gutes soll ihnen widerfahren, wenn sie Tribut entrichten.“(D.h. eine  Kopfsteuer, die von allen männlichen Schutzbefohlenen erhoben wurde und manchmal geringer war, als die von Byzanz erhobenen Steuern)

Die Muslime waren so klug, lieber Steuern zu kassieren und von den Kenntnissen der Unterworfenen in Wissenschaft und Verwaltung zu profitieren, als sie zu missionieren oder auszurotten. Die Besiegten bekleideten bald hohe Ämter. Die Werke der griechischen Philosophen wurden ins Arabische übersetzt, In dieser Fassung wurde das antike Erbe an Scholastik und Renaissance überliefert. Bagdad und Kairo wurden Zentren der Gelehrsamkeit.  Es war also die Toleranz der Muslime, die einen meist kampflosen Übergang ermöglichte, der von einigen Besiegten sogar als Befreiung erlebt wurde, denn die byzantinische Reichskirche hatte alle monophysitischen Christen in Ägypten, Palästina und Syrien als nicht rechtgläubig unterdrückt. (Es gibt heute noch in Ägypten 10 Millionen koptische Christen). Auch die germanischen Arianer und später die von der Inquisition verfolgten Bogomilen auf dem Balkan hießen die Muslime willkommen. In Spanien führte die Zusammenarbeit von Muslimen, Juden und Christen zu einer Hochblüte von Kultur und Wissenschaft, die erst mit der  Reconquista 1492 und der Vertreibung der Juden und Muslime, die sich nicht taufen lassen wollten, ein Ende fand. Insgesamt hat vermutlich die Christliche Kirche bis dahin mit Ihrer Inquisition und den Kreuzzügen mehr Menschenleben ausgelöscht als der Islam.

Um verständlich zu machen, wie es zu extremen terroristischen Gruppierungen im Islam gekommen ist, erinnere ich zunächst an seine Hauptrichtungen. 90% der 1,2 Milliarden Muslime sind Sunniten, d.h. sie erkennen den Koran als Gottes Wort und die Sunna, d.h. Gewohnheit, als maßgeblich für ihr Leben an. Die Sunna ist überliefert in den Hadithen, das sind Sammlungen über Leben und Wirken Mohammeds. Die Sunniten haben vier anerkannte unterschiedliche Rechtsschulen (nach bedeutenden Gelehrten der klassischen Zeit benannt, die malikitische, die hanafitische, die schafiitische und die hanbalitische Schule, von denen die hanafitische dem vernünftigen Ermessen den größten Spielraum gibt (Türkei), während die hanbalitische  die traditionalistisch strengste ist, (praktiziert in Saudi-Arabien).) .... Alle Sunniten erkennen die ersten vier Kalifen als rechtgeleitet an.

Dagegen erkennen die Schiiten oder Schiat Ali (Alis Partei) nur Ali, den Vetter und Schwiegersohn Mohammeds und seine Nachkommen als rechtmäßige Nachfolger des Propheten an. Ali wurde nach 5jähriger Amtszeit ermordet. Seine Söhne Hassan und Hussein konnten ihren Anspruch auf das Kalifat nicht durchsetzen. Hussein stellte sich in Kerbela einer Übermacht des Kalifen Yezid im Kampf für sein Recht und wurde getötet. Seitdem gedenken die Schiiten seiner und Alis als Märtyrer am Ashura-Tag mit Prozessionen und Selbstgeißelungen (Hier liegt der Beginn des Märtyrerkults für erlittenes Unrecht).

Im Iran wurde die Schia Staatsreligion, im Irak leben 60% Schiiten und im Libanon haben sich die Schiiten nach der Besetzung durch Israel 1982 zur Hisbollah, Partei Gottes,  zusammengeschlossen. Sie begingen als erste Selbstmordattentate als Widerstands- Aktionen gegen einen überlegenen Feind. Dadurch sah sich Israel im Jahr 2000 gezwungen, den Südlibanon zu räumen. 

3- Gemeinsam sind allen Muslimen die fünf Säulen des Islam:  Glaubensbekenntnis, tägliches Gebet, die Sozialabgaben, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka ( Eine Besonderheit der Zwölfer Schia ist noch, dass sie die Wiederkehr des 12. Imam, der als Kind entrückt worden sein soll, als Erlöser (Messias) erwarten.)

In Saudi-Arabien konnte der Reformer Wahab Anfang des 19. Jh.s unterstützt von dem Herrscherhaus Saud, einen besonders rigorosen, intoleranten Islam mit der Scharia, dem islamischen Recht der Frühzeit, einführen. Man beseitigte in Mekka und Medina, Najaf und Kerbala alle Spuren von Heiligen– und Gräberverehrung. - Man könnte die  Wahabiten als die ersten Fundamentalisten der Neuzeit bezeichnen. Sie lehnen heute noch die Schiiten als Ketzer ab.

Die Hinwendung zur eigenen früher glanzvollen Geschichte oder auch die Radikalisierung einzelner Gruppierungen im Islam wird nur verständlich, wenn wir uns die tiefe Demütigung klarmachen, die im 19. Jh. die muslimische Welt insgesamt durch das   Eindringen der Kolonialmächte Frankreich und England erlitt.  Über Bengalen und das Mogulreich in Indien hatte England sogar schon in der Mitte des  18. Jh. gesiegt. Ebenso als Niederlage wurde die Auflösung des osmanischen Reiches nach dem ersten Weltkrieg und seine Aufteilung in französische und britische Mandatsgebiete erlebt. Man öffnete sich zwar dem Einfluss Europas und ließ seine Kinder dort studieren, man wollte an den Fortschritten der Moderne in Wissenschaft und Technik teilhaben, aber nicht der Gefahr der Verwestlichung erliegen, sondern am eigenen Erbe festhalten.  Es entwickelte sich eine salafiyya genannte Bewegung, die sich auf die salaf, die Vorväter, bezog  und auch in Indien Verbreitung fand. - 

Ich nenne im folgenden vier Reformer, die die Entwicklung im Islam stark beeinflusst haben. Einige bejahen durchaus die Moderne, betonen aber die Rationalität und Fortschrittlichkeit auch im Islam: Schon der Koran ermahne zur Naturbeobachtung. Empirische Wissenschaften seien islamisch. Veränderte Verhältnisse verlangten, sich nicht an starre Regeln einer mittelalterlichen Rechtsschule zu halten. Man solle das Recht auf eigene Rechtsfindung – idschtihad -  wahrnehmen, so forderte der europäisch gebildete Inder Muhammad Iqbal (1877- 1938) , ein bedeutender Dichter und Gelehrter. Nach ihm ist „der Koran eine Lehre zur Weiter- und Höherentwicklung. Der Mensch als Statthalter Gottes auf Erden, sei gehalten, seine Persönlichkeit in stetem Kampf mit den Mächten des Bösen zu entfalten und sich zum vollkommenen Menschen zu entwickeln.“...Auch der Staat muss alle seine Möglichkeiten entfalten, nur so kann er – wie auch der Einzelmensch – Toleranz üben. Denn Toleranz ist die Haltung des Starken gegenüber dem Ich des geachteten Partners. Der Islam ist für ihn die Grundlage des idealen Staatswesens, da er allein den wahren Monotheismus und die wahre Brüderlichkeit aller Gläubigen pflege.“ (A. Schimmel, S. 122f.)   Auf seine Anregungen geht die Gründung Pakistans zurück. Dort wird er als geistiger Vater verehrt. Er hatte übrigens die Trennung von Staat und Religion in der Türkei begrüßt. Er und der Politiker Jinnah wollten  für Pakistan den säkularen Staat. Solange sein Einfluß in Pakistan noch stark ist, muss man nicht die Machtübernahme durch die Taliban befürchten.

Diesen friedlichen Reform- und Modernisierungsplänen setzte sein Landsmann  Abdul A’la Maududi (1903 – 1979) ein kämpferisches Konzept entgegen. Er glaubte dass die Macht des westlichen Säkularismus den Islam zerstören wolle. Er gründete 1941 die Dschama’at i Islami. Die Revolution gegen die Kolonialmächte sei für jeden Pflicht. Maududi forderte einen universalen dschihad (meist fälschlich als Heiliger Krieg übersetzt; ich erkläre die ursprüngliche Bedeutung später). Wie der Prophet die dschahilija (die Unwissenheit und Barbarei der vorislamischen Epoche) bekämpft hatte, so sollten die Muslime mit allen Mitteln die moderne dschahilija des Westens

4- bekämpfen. Maududi behauptete, der dschihad stünde im Zentrum des Islam. Das hatte bisher noch niemand gesagt. Die Angst vor kultureller und religiöser Überfremdung hatte zu einer extremen und gewalttätigen Auslegung des Glaubens geführt mit Auswirkungen auf andere extremistische und terroristische Gruppierungen.

Die einflussreichste Reformbewegung in der arabischen Welt ging von dem Ägypter Hassan al Banna (1906 – 1949) aus. Er gründete 1928 die Muslimbruderschaft, die bald zu einer Massenbewegung wurde.. Banna war von der Armut der Bevölkerung tief berührt und entwarf ein 6 Punkte Programm:   1. die zeitgemäße Interpretation des Koran; 2. die Einheit der islamischen Nationen; 3. die Anhebung des Lebensstandards und die Durchsetzung von gesellschaftlicher Gerechtigkeit und Ordnung; 4. der Kampf gegen  Analphabetismus und Armut ; 5. die Befreiung muslimischer Länder von der Fremdherrschaft; 6. die Förderung von Frieden und Brüderlichkeit im Sinne des Islams überall auf der Welt. Al Banna baute Schulen, Fabriken und Krankenhäuser, leitete Abendschulen, hatte Einfluss  in Armee und  Gewerkschaften. Als eine Art Staat im Staate wurde sein Verein mal verboten, mal wieder zugelassen. 1949 wurde Al Banna erschossen (wahrscheinlich auf Befehl des Königs). Die Hamas hat Bannas Programm übernommen.

Mit dem Eintritt von Sayyed Qutb (1906 – 1966) in die Moslembruderschaft 1951 vollzog sich die Hinwendung zur Gewalt.  Nach 3 Jahren Studium in den USA war Qutb zutiefst von der moralischen Verderbnis der westlichen Welt überzeugt und sah nur noch im Islam die Lösung für alle Probleme. Er glaubte, „Die göttliche Ordnung“ als Gegenentwurf zum „Heidentum“ müsse mit Gewalt durchgesetzt werden. Die westlichen Entwürfe: Demokratie oder Kommunismus hätten sich als Fehlschlag erwiesen. Gleichwohl macht er Anleihen bei Karl Marx, die er auf den Islam überträgt: (Zitat, Mandani, S. 66) „Der Islam ist eine Freiheitserklärung für jeden Mann und jede Frau, die keinem anderen menschlichen Wesen dienen sollen. Er strebt danach, all jene Systeme und Regierungen umzustürzen, die darauf begründet sind, dass ein Mensch über den anderen herrscht oder die einen die anderen versklaven.“ Eine Avantgarde muss den Machtwechsel herbeiführen. Hier greift Qutb Maududis Lehre vom Dschihad auf  und radikalisiert sie noch. Nicht nur gegen den Westen, auch gegen muslimische Regime besteht die Pflicht zum Dschihad, wenn sie andere unterdrücken. Sie gehören dann zur vorislamischen dschahilija, sind keine echten Muslime mehr; das rechtfertigt dann jede Art von Gewalt gegen sie. Anders als der gemäßigte al Banna, der für soziale Reformen innerhalb seiner Gesellschaft kämpfte, glaubte Sayyid Qutb nach jahrelangem Aufenthalt in Nassers Gefängnissen nicht an die Möglichkeit mit säkularen Intellektuellen zusammen die Gesellschaft reformieren zu können. Nach einem Attentatsversuch auf Nasser ließ dieser ihn 1966 hinrichten.

Seit 1972  bekennt sich die Führung der Moslembrüder zur Gewaltlosigkeit. Sie gelten heute als gemäßigt und nehmen erfolgreich an Parlamentswahlen teil; allerdings sind sie nicht als Partei zugelassen.   Ende der 70er Jahre spalteten sich 2 gewaltbereite Gruppen ab, die sich stärker den Ideen von Sayyid Qutb verpfichtet fühlten. Sie nannten sich „Takfir wa’l hidschra“ und „Islamischer Dschihad“. Auf das Konto dieser  Gruppe geht die Ermordung von Präsident Anwar al-Sadat (1981). Zu ihr gehörte der Kairoer Arzt Aiman al-Sawahiri, der wie viele Qutb-Anhänger als Gotteskrieger gegen die ungläubige Sowjetunion in den Afghanistankrieg zog und dann Osama Bin Ladens Chefideologe wurde. 

Mit ihren Schriften und ihren Forderungen nach einem universalen bewaffneten Dschihad im Namen Gottes wurden Maududi und Qutb also zu Vordenkern des radikalen, terroristischen  Islam, wie ihn al Qaida und die Taliban repräsentieren, die eine gefährliche Minderheit darstellen mit zunehmender

5- Anhängerschaft. Zusammenfassend sagt Abbas Beydoun (ein libanesischer Autor) dazu: „Die Gewalt, die wir heute erleben, ist eine islamische Gewalt nach der kolonialistischen Invasion“ (auch Israel zählt zu den Kolonialstaaten), eine Invasion,  die von vorher nicht gekannter Brutalität war und Mord und Kollektivstrafen und kulturelle Verachtung einschloss“ (Der Islam und der Westen,S.83)

 Mahmoud Mandani behauptet darüber hinaus (in seinem Buch „Guter Moslem, böser Moslem“) , dass die islamistisch-terroristischen Bewegungen vor allem  im antikommunistischen Stellvertreterkrieg von 1979 bis 1989 in Afghanistan ihre Schlagkraft erhalten haben, wo sie - von den USA, Saudi-Arabien und Pakistan massiv unterstützt – durch die CIA mit  modernsten Waffen ausgerüstet  wurden. Nachdem die Gotteskrieger den einen Satan besiegt hatten, schickten sie sich an, den 2. großen Satan mit Terror zu bekämpfen, nämlich die USA, die sie gefördert hatte. Aber auch in islamische Länder brachten die vagabundierenden Mudschahedin den Terror, vor allem nach Algerien, Ägypten und später Riad  Marokko, Tunesien, Istanbul, wo sie von der Bevölkerung abgelehnt wurden. -

Eine neue Qualität erreichte der Kampf gegen die USA mit den Anschlägen vom 11. September 2001. „Der Tod wird Euch finden“! Dieser Buchtitel fasst die Absicht der 19 Attentäter (die meisten stammten aus Ägypten und Saudi-Arabien) zusammen und beschreibt unser Schockerlebnis. Der Tod traf fast 3000  Menschen und fragte nicht, nach schuldig oder unschuldig.  Die westliche Welt erlebte, dass sie nicht unverwundbar ist. Muslime gerieten unter Generalverdacht. Es nützte wenig, dass Sheikh Tantawi von der ehrwürdigen Al-Azhar Universität in Kairo, den Islamismus der Täter als Verfälschung des Islam bezeichnete, denn der Koran verbiete den Selbstmord und die Tötung Unschuldiger. –

Präsident Bush rief in seiner Rede an die Nation zum „Krieg gegen den Terror“ auf (zuerst sprach er sogar von „Kreuzzug“). Er benannte sofort Nordkorea, Irak und Iran als die Achse des Bösen, weil sie mit Terroristen liiert seien und aufrüsteten – „sogar mit Massenvernichtungswaffen - „um den Weltfrieden zu bedrohen“. Den Krieg gegen den Schurkenstaat Afghanistan sah er als gerechtfertigt an, weil die Terroristen vernichtet werden müssen, die „unsere Freiheiten unsere Werte und unsere Zivilisation hassen“ (George W. Bush). Osama Bin Laden kündigte daraufhin Rache an „gegen den neuen Kreuzzug, den der Westen.. zur Vernichtung des Islam vorbereitet“. Beide Bush und Bin Laden haben ein schwarz-weißes Weltbild: Wir sind gut, sie sind böse. Wer nicht bedingungslos für uns ist, sagte Bush, der unterstützt den Terrorismus.

Beim Krieg gegen das Talibanregime, das selbst von Teheran als Steinzeitislam ettikettiert wurde, gab es noch eine breite Unterstützung auch von muslimischen Staaten. Aber beim Irak, der – anders als behauptet - keine Verbindung zu Al.-Qaida hatte und auch keine Atomwaffen, machten Frankreich und Deutschland nicht mehr mit und auch die arabischen Staaten warnten, Bush würde das Tor zur Hölle öffnen. Die muslimische Welt sah in Bush’s Krieg einen Kreuzzug gegen den Islam verbunden mit den ökonomischen Interessen an den Ölreserven. - Die Bilder von den Friedensdemonstrationen in Europa und den USA waren für die Muslime ein wichtiges Signal, dass nicht alle mit der Kriegspolitik einverstanden waren.

Zum Feindbild Islam hat wesentlich auch der Pentagonberater Samuel Huntington beigetragen mit seinem Buch: „Kampf der Kulturen“ (The Clash of Civilizations). Er spricht dort von der „muslimischen Neigung zum gewaltträchtigen Konflikt“ (S.421) „Die Grenzen zum Islam sind blutig und das Innere ist es auch“ (420).“Das tiefere Problem für den Westen ist nicht der islamische Fundamentalismus, Das tiefere

6- Problem ist der Islam, eine andere Kultur, deren Menschen von der Überlegenheit ihrer Kultur überzeugt und von der Unterlegenheit ihrer Macht besessen sind. Das Problem für den Islam ist nicht die CIA oder das US amerikanische Verteidigungsministerium. Das Problem ist der Westen, ein anderer Kulturkreis, dessen Menschen von der Universalität ihrer Kultur überzeugt sind und glauben, dass ihre überlegene, wenngleich schwindende Macht ihnen die Verpflichtung auferlegt, diese Kultur über die ganze Erde zu verbreiten.“ (350). Die USA müssten sich mit Europa eng zusammenschließen und ihre globale Rolle als Führungsnation der westlichen Kultur übernehmen (507). Huntington warnt die westlichen Staaten, sie müssten zusammenhalten, wenn sie nicht einzeln vernichtet werden wollten. We have to hang together, if we don’t want to hang separately“! (Kampf der Kulturen oder Weltkultur, S. 37) – Krieg scheint damit unvermeidbar und auch Bush’s Präventivkrieg gegen den Irak gerechtfertigt, sowie sein missionarisches Sendungsbewusstsein, den Besiegten Freiheit und Demokratie zu bringen. Doch statt den Terror zu besiegen, hat Bush ihm mit diesem Krieg

zur Ausbreitung in der ganzen Welt verholfen. Auf Bali ein Anschlag auf eine Touristendiskothek: 202 Tote. Madrid 2004 Anschlag auf Nahverkehrszüge: 191 Tote ; in London 2005 52 Tote. 2006 zwei Kofferbomben in Köln zum Glück nicht explodiert. Im Irak seit 2003 eine schreckliche Bilanz: über 1 Million getötete Iraker, darunter viele Frauen und Kinder, 3735 getötete Amerikaner, unzählige Verwundete und 4 Millionen Iraker auf der Flucht! (Eine Art ethnische Säuberung, die Schiiten fliehen in den Süden, die Sunniten in den Nordwesten). Die Hauptlast des Flüchtlingsstroms tragen Syrien und Jordanien und Iran. Die USA nehmen nur wenige auf.

Und der nächste Präventivkrieg wird schon vorbereitet – wie Analysten in den USA vermuten. In seiner Rede am 28.8.07 beschuldigte Bush die iranischen Revolutionsgarden, die Aufständischen im Irak mit Waffen zu versorgen. Seine Kommandeure sollten daher Teherans „mörderischen Aktivitäten“ entgegentreten. Die Weiterentwicklung der Atomtechnologie durch den Iran drohe eine instabile Region „unter den Schatten eines nuklearen Holocaust“ zu bringen; “Iran’s Aktionen bedrohen die Sicherheit  von Nationen überall!“ „Wir werden die Gefahr bekämpfen, bevor es zu spät ist!“ Diese Ankündigungen machen mir Angst. Auch dass Bush die Revolutionsgarden zu Terroristen erklärt hat, werten Fachleute als Vorzeichen für einen kommenden Militärschlag. Die versprochenen Waffenlieferungen an Israel für 30 Milliarden $ (in den nächsten 10 Jahren), an Ägypten für 13 Milliarden $, an Saudi-Arabien für 20 Milliarden $ und auch noch an Jordanien, ausdrücklich zur Stabilisierung gegen Iran, Syrien; Hisbollah und Hamas gedacht, lässt für den Frieden nichts Gutes ahnen. Statt auf Verhandlungen vertraut man auf die Überlegenheit der eigenen Waffen. 

Der Theologe Hans Küng hat dem amerikanischen Konzept der Konfrontation vehement widersprochen. Statt eines Zusammenpralls der Kulturen müsse es einen                    Dialog der Kulturen geben. Er berichtet in seinem Buch „Der Islam“, dass als Antwort auf  Huntington die UNO Vollversammlung das Jahr 2001 zum Jahr des Dialogs erklärt hatte auf Antrag des damaligen iranischen Präsidenten Khatami, der die Hoffnung ausdrückte, „dass durch solch einen Dialog die Verwirklichung von universeller Gerechtigkeit und Freiheit angestoßen werden möge. Zu den kostbarsten Errungenschaften dieses Jahrhunderts gehört, dass der Dialog und die Ablehnung von Gewalt, die Förderung des Verstehens auf den Feldern Kultur, Wirtschaft und Politik, die Festigung der Grundlagen von Freiheit. Gerechtigkeit und Menschenrechten als notwendig und bedeutend akzeptiert werden...Wenn die Menschheit...Feindseligkeit und Konfrontation durch Diskurs und gegenseitiges Verstehen ersetzt, dann wird sie künftigen Generationen ein unschätzbares Erbe

7- hinterlassen.“ (S. 776) – Diese Worte stießen auf allgemeine Zustimmung, gerade auch bei den muslimischen Staaten, die maßgeblich an dem „Manifest für den Dialog der Kulturen“ beteiligt waren. – (Schade, dass das Manifest in Amerika keine Beachtung fand und Khatami einen so verbohrten Nachfolger bekam!)

Zum Abschluss meiner Ausführungen möchte ich betonen, dass die Mehrheit der Muslime die Taliban und Al-Qaida, die mit einem weltweiten dschihad gegen die Ungläubigen Terror und Schrecken verbreiten wollen, als unislamische Irrlehre ablehnt.

Gläubige Muslime beschreiben ihre Religion so:   Schon das Wort Islam enthalte die Wortwurzel s-l-m, was heil sein bedeute und auch in den Worten für Frieden silm und salam enthalten sei. „Islam heißt: sich ganz Gott hingeben,..umschreibt sowohl den Zustand des Heils...als auch den des Friedensschlusses mit Gott, mit den Menschen und mit sich selbst.“ (M.S. Abdullah, S. 13) Wie ist dann aber das Wort Dschihad zu verstehen?  Ganz bestimmt nicht als Heiliger Krieg sagen die Rechtsgelehrten, denn die Wörter für Krieg heißen im Arabischen „qital“ und „harb“. Die Grundbedeutung von Dschihad ist „sich bemühen, sich anstrengen auf dem Weg Allahs. Man unterscheidet –wie schon Mohammed – den großen Dschihad, damit ist der Kampf gegen die eigenen schlechten Eigenschaften gemeint, also das Bemühen ein besserer Mensch zu werden, vom untergeordneten kleinen Dschihad, dem Kampf für die Selbsterhaltung, aber auch für Verfolgte und Unterdrückte und für die Verteidigung der Glaubensfreiheit, was man eventuell als gerechter Krieg wiedergeben könnte. Islamische Theologen weisen darauf hin, dass kriegerische Handlungen von Mohammed eigentlich nur zu Verteidigung und Schutz der Gläubigen gerechtfertigt werden. Viele Verse – vor allem die blutrünstigen - bezögen sich auf den Kampf mit den ungläubigen Mekkanern , deren große Übermacht der Prophet in der Schlacht von Badr besiegt hatte. „ Wenn ihr  im Krieg mit  den Ungläubigen zusammentrefft, dann schlagt ihnen die Köpfe ab, bis ihr eine große Niederlage unter ihnen angerichtet habt. Die übrigen legt in Ketten und gebt sie, wenn des Krieges Lasten vorbei sind  entweder aus Gnade umsonst oder gegen Lösegeld frei...Die für Allahs Religion kämpfen (und  sterben), deren Werke sollen nicht verloren sein Allah wird sie leiten und ihr Herz in Frieden bringen und sie in das Paradies führen, das er ihnen angekündigt hat. „ (Sure 47, 5-7) und Sure 22,39f: „Erlaubnis zu kämpfen ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil Ihnen Unrecht geschah – und Gott hat fürwahr die Macht ihnen zu helfen -, jenen die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sprachen: Unser Herr ist Gott! ..Und kämpfet für Gottes Sache gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht...Und bekämpft sie bis keine Verfolgung mehr ist.“ ..“Wenn sie (die Feinde) sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und lass vom Kampf ab!“(8,61) Terroristen wie al-Qaida können sich nicht auf Mohammed berufen bei ihrem gnadenlosen Dschihad gegen alle, die nach ihrer radikalen Meinung zur dschahilija gehören, ganz gleich ob Juden und Christen, die Leute des Buches, oder andere Muslime oder Atheisten. -  Für Mohammed gehörten nur die Götzendiener wie die von Mekka dazu und die hat er nach dem Kampf durch eine kluge Politik für sich gewinnen können.

Nicht der kämpferische, kriegerische Mensch ist das Ziel islamischer Erziehung und Ethik, sondern der dem Islam, dem Frieden dienende Mensch“ sagt Muhammed S.Abdullah, S. 123) Er zitiert dazu Sure 5, 33: „Wenn jemand einen Menschen tötet, so soll es sein als habe er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als habe er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“ Und im berühmten Pflichtenkatalog Sure 17, 22-39, Vers 33 steht: „Tötet kein Leben, das Gott unverletzbar gemacht hat“. Schließlich

8- noch Sure 49, 14 zum Frieden zwischen den Völkern: „O ihr Menschen, wir haben euch von einem Mann und einem Weib erschaffen und euch in Völker und Stämme eingeteilt, damit ihr liebevoll einander kennen mögt. Wahrlich, nur der von euch ist am meisten bei Allah geehrt, der am frömmsten unter euch ist; denn Allah weiß und kennt alles.“ Dazu noch Hans Küng, der in seinem Schlusskapitel darauf hinweist, dass es ein auch mit dem Islam gemeinsames Weltethos gibt, das 4 elementare ethische Verpflichtungen enthält:

° 1. Eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor dem Leben.

° 2. Eine Kultur der Solidarität und der gerechten Wirtschaftsordnung (hier unterstreicht Hans   Küng die zentrale Bedeutung von Gerechtigkeit im Koran: „IHR Gläubigen; steht Gott gegenüber als Zeugen für die Gerechtigkeit ein! Und der Hass, den ihr gegen Leute hegt, soll euch nicht dazu bringen, dass ihr nicht gerecht seid. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht.“ (Sure 5, 8) „Eine ungerechte Gesellschaftsordnung kann keine islamische Ordnung sein. Der Koran verlangt, dass die Überschüsse... an die Bedürftigen und Arman verteilt werden.“

° 3.  Eine Kultur der Toleranz und des Lebens in Wahrhaftigkeit

° 4. Eine Kultur der Gleichheit und des Humanitätsprinzips        

(dazu gehört: „Die Frauen haben (in der Behandlung von Seiten der Männer) dasselbe zu beanspruchen, wozu sie (ihrerseits den Männern gegenüber) verpflichtet sind, (wobei) in rechtlicher Weise (zu verfahren ist).“... „Gott hat den Menschen vor allen anderen Geschöpfen ausgezeichnet und ihn zu einem Statthalter auf Erden eingesetzt“ Sure 2, 30 ; und die Goldene Regel der Gegenseitigkeit wie in der Sunna überliefert: „Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selber wünscht“.) (Küng, S.779f)  Küngs Anerkennung des Islam geht sogar noch einen Schritt weiter als die der Katholischen Kirche, die im 2. Vatikanischen Konzil 1964 „auch die Muslime mit Hochachtung betrachtet, die den alleinigen Gott anbeten..., der zu den Menschen gesprochen hat“, dann müssten seines Erachtens alle christlichen Kirchen „auch den einen mit  Hochachtung betrachten“, „...der allein die Muslime zur Anbetung dieses Gottes geführt hat und nun einmal durch ihn „dieser Gott zu den Menschen gesprochen hat“: Muhammad, den Propheten! -

Zuletzt noch einige Angaben aus dem Verfassungsschutzbericht von 2006: Die Zahl der Muslime in Deutschland beträgt 3,2 Millionen.  Der weitaus größte Teil aller Muslime verhält sich gesetzestreu, nur eine Minderheit von 1% (32.000) hat sich islamistischen Organisationen angeschlossen, für die nur Koran und Scharia verbindlich sind. Von diesen sind mehrere hundert gewaltbereit und befürworten Al-Qaida. Hisbollah- und Hamasanhänger sind dagegen auch in Krisenzeiten (Libanon) nicht auffällig geworden und distanzieren sich von der Ideologie Al-Qaidas

Auch bei noch so guter Wachsamkeit lässt sich die Gefahr von Terroranschlägen nur reduzieren aber nie ganz verhindern. Doch ist bei uns die Wahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen um ein Vielfaches höher. -

Die Zunahme des Terrorismus hat politische Gründe, die nicht zuletzt die USA und Israel mit ihrer harten Besatzungspolitik zu verantworten haben. Der Aufstand im Irak richtet sich gegen die US-Truppen und alle, die mit ihnen zusammenarbeiten; auch die unter Saddam geschützten christlichen Minderheiten werden verfolgt, weil man sie mit dem feindlichen Westen verbindet. Über die Hälfte von ihnen sind seit 2003 geflohen. Die bislang schlimmsten Selbstmordattentate trafen im August die Minderheit der kurdischen Jesiden, die – wie die Christen -  keine eigene Miliz haben, mit 500 Toten, 70% Frauen und Kinder. - Innermuslimische

9-  Auseinandersetzungen,  bei denen es um Machtverteilung geht, haben zugenommen. Es ist umstritten, wer für die Sprengung der berühmten goldenen Kuppel der schiitischen Pilgerstätte in Samarra Anfang 2006 verantwortlich war. Jedenfalls hat  sie ihr Ziel erreicht, die Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten anzuheizen. Im Juni 2007 wurden noch die beiden Minarette gesprengt. „Sollen sie sich doch gegenseitig umbringen“, kommentierte ein amerikanischer Politiker.

Das Konzept einen Bürgerkrieg anzufachen wurde auch in Palästina nach den demokratischen Wahlen 2006 erfolgreich erprobt. Die USA  (und Israel) rüsteten die Verliererpartei Fatah mit Waffen aus, um die siegreiche Hamas in die Knie zu zwingen, nachdem man ihre Politiker gleich dutzendweise inhaftiert hatte. Auch Europa machte mit bei der Sanktions- und Aushungerungspolitik, jetzt verschärft gegen den Gazastreifen, in dem der designierte Premierminister Haniyeh einem Coup der Fatah zuvorkommen konnte. Präsident Abbas wird gedroht, er dürfe keinen Kontakt zur Hamas aufnehmen, sonst gäbe es keine Gespräche und kein Geld mehr.  Uri Avnery von der israelischen Friedensbewegung Gush Shalom warnt vor dieser falschen Politik. Um eine Katastrophe zu vermeiden, sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die besetzten Gebiete zu räumen, Frieden zu schließen und mit den Nachbarn Beziehungen zu knüpfen, wie die arabische Initiative vorschlägt.  Der ungelöste israelisch-palästinensische Konflikt sei die Hauptursache für den Aufstieg des islamischen Radikalismus, den Uri Avnery mit einem Erdbeben vergleicht, „das eines Tages einen zerstörerischen Tzunami verursachen kann“.  Diese Meinung wird von Vielen geteilt. Der Autor Robert Fisk klagt angesichts der Tragödie im Nahen Osten die Ignoranz und die Doppelmoral des Westens an, der völlig unglaubwürdig geworden ist, wenn er von Menschenrechten, Demokratie oder Freiheit redet. . Werden die Europäer weiter Komplizen des Unrechts sein?. Werden wir vielleicht die Wiederbesetzung des Gazastreifens unterstützen? Werden wir zu allem schweigen, nicht wagen Israel zu kritisieren?  Wir werden es so halten –fürchtet der Autor- „bis die gesamte Region vor unseren Augen explodiert“.

Nachtrag: Seit Abu Hanifa (8. Jh.) ist es üblich geworden die Welt in Haus des Islam oder Friedens (dar al-islam) und Haus des Krieges (dar al –harb) einzuteilen. Was in der Geschichte manchmal als Aufforderung, angrenzende feindliche Gebiete für den Islam zu erobern, aufgefasst wurde. Später wurde es wieder defensiv ausgelegt: Abgrenzung und Schutz für die Muslime. Verträge mit nicht feindseligen Ländern. Für Abu Hanifa ist entscheidend, ob Länder Muslimen Rechtssicherheit gewähren, dann dürfen sie nicht länger als „Schlupfwinkel des Krieges“ angesehen werden, sondern gelten als islamisch. (Abdullah, S. 128f) Nach hanafitischer Rechtslehre gehört die Bundesrepublik eindeutig nicht zur Welt des Krieges!

Nachtrag: Wahlen in der Türkei. Sie haben bei einigen Ängste ausgelöst, sie sprachen von „Schicksalswahl“ und befürchten den „Wandel der Türkei zum Gottesstaat“. Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung von Erdogan hat 47% der Stimmen erhalten, sie wird zwar als islamisch-konservativ bezeichnet, aber sie bekennt sich zur Trennung von Staat und Religion, zur Wahrung des Laizismus, zu den Menschenrechten, zu einer liberalen Wirtschaftspolitik und sie erstrebt die Vollmitgliedschaft in der EU. Präsident Gül hat versichert, dass er für alle Türken – nicht nur  Muslime, sondern auch Atheisten ein guter Präsident sein will. Im Kopftuch seiner Frau kann ich keine Bedrohung erkennen. Nur 4% seiner Wähler haben sich für die Einführung der Scharia ausgesprochen, 96% aber dagegen. -

Arte brachte neulich eine Sendung über Anhänger des aufgeklärten Islam (mit Beispielen aus Frankreich und Jordanien),  die trotz aller Bedrohungen den radikalen Islam bekämpfen. Sie glauben, dass Mohammed heute auf ihrer Seite stehen würde.

Quellen:  

Karen Armstrong: Kleine Geschichte des Islam, 2001, Berliner TB;

 Muhammad Salim Abdullah: Islam für das Gespräch mit Christen, 1992;

Annemarie Schimmel : Der Islam, eine Einführung, Reclam 1990;

Heinz Halm: Der Islam, Geschichte und Gegenwart, 2002;

Hans Küng: der Islam, Piper Verlag 2004;

Der Koran, Reclam oder Goldmann Verlag;

Michael Thumann: Der Islam und der Westen, 2003;

Samuel Huntington: Kampf der Kulturen, 1996; 

Diskussion 1997 Alfred Herrhausen Gesellschaft: Kampf der Kulturen oder Weltkultur?;

Mahmoud Mandani: Guter Moslem, böser Moslem, Amerika und die Wurzeln des Terrors,  2006;

Michael Lüders: Allahs langer Schatten, Warum wir keine Angst vor dem Islam haben müssen, 2007  

Wörterbuch: Ethik der Weltreligionen von Klöcker/Tworuschka, 1995  

Henryk M. Broder: Hurra, wir kapitulieren! , 2006

Verschiedene Artikel aus dem Internet        

 
 

 

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