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Ein neuerlicher aussichtsloser Versuch….
Von Fritz Edlinger


Der von Barack Obama mit mehr oder minder sanfter Gewalt durchgesetzte Wiederbeginn direkter israelisch-palästinensischer „Friedensverhandlungen“ hat sich – zumindest hinsichtlich der großartigen Inszenierung und des zur Schau getragenen Optimismus angenehm von der Annapolis-Inszenierung von George W. Bush unterschieden, dennoch sind die Erfolgsaussichten kaum besser. Der professionelleren Vorbereitung durch den Sonder-Vermittler George Mitchell steht eine deutlich kompliziertere regionale Konstellation gegenüber. Die Regierung Netanjahu ist zweifellos nicht mit der Vorgängerregierung Olmert vergleichbar und der innerpalästinensische Konflikt ist um nichts einfacher geworden. Wie es gerade jetzt gelingen sollte, eine politische Lösung, deren wesentliche Parameter ja bereits seit vielen Jahren auf dem Tisch liegen, zu finden und auch durchzusetzen, ist mehr als fragwürdig.
Da ist einmal die israelische Seite: Die Konstellation der gegenwärtigen Rechts-Regierung gestattet eigentlich Ministerpräsident Netanjahu kaum einen nennenswerten Spielraum, will er die Existenz seiner Regierung nicht ernsthaft infrage stellen. Da hilft ihm auch der Trick, seinen Außenminister und Sprecher der rechtsradikalen Minderheit in Regierung und Knesseth aus dem Verhandlungsteam heraus zu halten, kaum etwas. Und die jüngste Ankündigung, einen eventuellen Vertrag einer Volksabstimmung unterziehen zu wollen, ist aus meiner Sicht eher als rückversichernde Ausrede zu werten. Und noch etwas wird von vielen Friedensfreunden bzw. –stiftern geflissentlich übersehen: Die Israelis haben – nach dem fast vollständig beendeten (illegalen) Bau der „Sicherheitsbarriere“ und einer bereits sehr weitgehenden Trennung zwischen Israelis und Palästinensern – keine besondere Eile mit einem Frieden. Der frühere israelische Außenminister Schlomo Ben Ami weist in seinem in der deutschen Internet-Plattform Qantara veröffentlichten Essay „Friedensprozess als Phantom“ treffend darauf hin. Um es pointiert auszudrücken: Israel kann mit dem Status Quo ganz gut leben und hat absolut keine Eile mit einem Frieden, der zudem Israel zu schmerzlichen Konzessionen zwingen würde.
Auf der palästinensischen Seite ist es zumindest ebenso kompliziert: Die politische Spaltung geht de facto noch tiefer als jene zwischen den traditionellen Rivalen Fatah und Hamas. Die Reise von Mahmoud Abbas nach Washington ist selbst innerhalb seiner eigenen Partei höchst umstritten. (Siehe dazu den beiliegenden Bericht in der Jerusalem Post). In diesem Zusammenhang erscheinen mir Stellungnahmen wie jene des populären in Israel zu mehrfachem lebenslänglichen Kerker verurteilten Fatah-Führer Marwan Barghouthi, der eine Aussöhnung zwischen Fatah und Hamas und die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit als Voraussetzung für erfolgsversprechende Friedensverhandlungen bezeichnet, von großer Bedeutung. Dass diese Position inzwischen von der überwiegenden Mehrheit der internationalen Nahostexperten geteilt wird, sei an dieser Stelle in Erinnerung gerufen. Zu diesem Thema veröffentlichen wir in der Beilage eine Analyse des prominenten (jüdischen) US-amerikanischen Experten Henry Siegmann. Es ist eine höchst bedauerliche Tatsache, dass aus politischer Opportunität und Konfliktscheu nahezu alle westlichen PolitikerInnen (USA und Europa!!) diesen zunächst von Israel ausgerufenen Boykott der Hamas nachvollzogen haben. Ob man es will oder nicht, Hamas repräsentiert einen beträchtlichen Teil des palästinensischen Volkes und ist zudem durch das Wahlresultat des Jahres 2006 demokratisch legitimiert. Und ohne eine entsprechende Einbindung dieses Lagers wird es kaum eine dauerhafte Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes geben. Und noch eine pointierte persönliche Bemerkung zum Abschluss: Ein absoluter Boykott der palästinensischen Islamisten bei gleichzeitiger Anerkennung rassistischer, ultra-nationalistischer und faschistoider Politiker a la Avigdor Liebermann oder der Vertreter der Shas-Partei ist unverständlich und letztlich auch kontraproduktiv.
Wien, 5.9.2010
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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