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Bilder zur Veranstaltung
Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der NAKBA in Frankfurt -
14.5.2008
Hartmut Barth-Engelbart
Da nicht nur die Ankündigung der
Gedenkveranstaltung „60 Jahre Israel = 60 Jahre Nakba der
Palästinenser“ auf dem Römerberg voll allen mainstream-Medien
boykottiert wurde, da sie auch in den üblichverdächtigen
mailinglisten kaum erwähnt, da jetzt auch in der Berichterstattung
kein Wort davon geschrieben oder gesendet wurde - folgt hier ein
erster (oder ein zweiter, dritter , wenn der Arbeitskreis
Palästina/Israel im Ökumenischen Zentrum Christuskirche Frankfurt am
Main und die Palästinensische Gemeinde Hessen bereits
einen Bericht rundgemailt haben) subjektiver Bericht aus den Augen,
dem Hirn und Herz des Moderators:
"HÖRE ISRAEL !" –
mit dem Vortrag dieses Gedichtes von Erich Fried von
1967
gegen den "6-Tage"-Blitzkrieg und die gesamte Besetzung Palästinas
begann in
Rufweite der Paulskirche auf dem Frankfurter Römerberg die
Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der NAKBA, der terroristischen
Vertreibung der Palästinenser aus ihrem Land.
Die Stimmgewalt des Rezitators sorgte dafür, dass die Texte auch bis
an die Tür der Paulskirche zu hören waren, wo sich eine illustre
Menge der
Haute volée, der ordentlichen Rassisten zum steuerfinanzierten
Befeiern und
Befressen der Ausgeburtsstunde eines Besatzungsregimes versammelt
hatte.
Die ebenso laut vorgetragene Solidaritätsadresse eines Berliner/NewYorker
Rabbis
enthielt die Mahnung des Alt48er Frankfurter Rabbis Stein, der
seiner
Gemeinde schon vor 160 Jahren predigte: "Für Juden gibt es so
lange keinen
Grund zum Feiern, bis alle Menschen frei von Tyrannen sind!"
"HÖRE ISRAEL !"
400 PalästinenserINNEn und etwa 100
Eingeborene deutscher Muttersprache und
noch einmal 50 Teilnehmer aus europäischen Nachbarstaaten, aus
Lateinamerika, aus Israel, Jemen .... begrüßte Hasem Nazzal, der
Vorsitzende
der Palästinensischen Gemeinde Hessen.
Umrahmt von Rezitationen und Musik und Tanz sprachen
·
Mustafa Shehadeh, Pressesprecher der palästinensischen
Generaldelegation (Botschaft) in Berlin
·
Frau Prof. Dr. Fanny Reisin, Gründungsmitglied der
Jüdischen Stimmen für einen gerechten Frieden in Nahost und
Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte
·
Matthias Jochheim, IPPNW, Frankfurt
-
Winfried
Belz, PaxChristi, Heidelberg
Grußbotschaften
wurden verlesen von
·
Uri
Avnery, Gush Shalom
·
Evelyn Hecht-Galinski, eine von vielen unabhängigen jüdischen
Stimmen für einen gerechten Frieden im Nahen Osten. Felicia Langer,
Trägerin des alternativen Friedensnobelpreises + des Aachener
Friedenspreises, schloss sich den Worten ihrer Freundin auf das
Herzlichste an
·
Dr.
Gerhard Fulda, Botschafter a.D., Mitglied des Vorstandes der
Deutsch-Arabischen Gesellschaft
·
Daniel McGowan, Geschäftsführer von „Deir Yassin Remembered“
·
Dr.
Rupert Neudeck, Gründer von Kap Anamur/Deutsche Notärzte und
Vorsitzender des Friedenskorps Grünhelme e.V. und Autor des Buches „Ich
will nicht mehr schweigen. Recht und Gerechtigkeit in Palästina
·
Dr.
Wolfgang Gehrke MdB der LINKEN und Dr. Wilken, Landesvorstand der
LINKEN in Hessen
(keine Grußbotschaft
kam von Dr. Gregor Gysi; ob eine in der Paulskirche verlesen wurde,
war wegen der Vergitterung nicht zu erfahren!)
·
Hanna
Braun (aus Israel nach London exilierte jüdische Antizionistin, die
in London vor über 20.000 Palestine-Supporters sprach)
Im Zentrum der
Veranstaltung stand die Trauer
um die zigtausenfach Ermordeten, die rund 800.000 Vertriebenen, die
über 500 zerstörten
palästinensischen Dörfer, das Massaker an hunderten
palästinensischer Kinder,
Frauen und Alten in Deir Yassin am 9. April 1948 ,.dem ersten
Höhepunkt und
zentralen Schlüsselereignis der Vertreibung des seit
den 20er Jahren wütenden
zionistischen Terrors in Palästina.
Es war aber nicht nur Trauer: alle Beiträge forderten die
Bundesregierung
und die EU auf, ihre Politik endlich an den grundlegenden
Menschenrechten zu
orientieren und sich für ein laizistisches Land Palästina
einzusetzen, in
dem alle Ethnien und Religionen friedlich-demokratisch zusammenleben
und -arbeiten können. Alle Beiträge belegten an vielen Beispielen,
dass das
herrschende Besatzungsregime die Menschenrechte und zahllose (&
zahnlose!)
UN-Beschlüsse seit über 60 Jahren mit Füßen tritt.
Unrecht mauert sich und andere ein !
Nicht nur die mittlerweile über 600 Kilometer lange Apartheid-Mauer
- die das
Besatzungsregime z.B um Bethlehem doppelt so hoch errichtete wie die
Mauer
in Berlin - belegt diesen Satz. Die Jubelfeier der Besatzer und
ihrer
Unterstützer und Freunde in der Paulskirche war mit
Sicherheitszäunen, mit
Straßensperren und einigen Hundertschaften Polizei abgesichert.
Klein-Schein-Heiligendamm in Frankfurt und die Paulskirche zum 160
Jubeljahr
der ersten deutschen Demokratie hinter Gittern.
Dagegen war die Veranstaltung auf dem Römerberg nicht
nur von den
RedeInhalten her ein Fest der Freiheit und der Hoffnung und
Sehnsucht
danach, der Gleichheit, der Schwester- und Brüderlichkeit ! Hier
herrschte
der Geist Heines und Börnes, hier war Lessings Nathan der Weise zu
Gast,
hier grüßten Einstein und Marx, und Erich Fried traf sich mit Mahmud
Darwish: "Ich bin ein Araber! Schreib es auf!" schrie er den
israelischen
Soldaten entgegen und die deutschen Polizisten vor der Paulskirche
verstanden es sehr gut, derweilen sie die Rassisten schützen mussten
vor
Schäubles Pappkameraden aus der Geisterbahn:
Islamistische Attentäter?
Dank an die Polizei !
Nur ein kleiner Zwischenfall
Ein sich selbst als "Rabbi" bezeichnender Vollbart stürmte strammen
Schrittes auf den Moderator der Palästina-Veranstaltung zu. Wegen
der
Rezitation der Fried-Gedichte, der HaBE-Texte und besonders des
Gedichtes
von Mahmud Darwish drohte er wörtlich: "Du wirst getötet! Und wenn
wir es
nicht tun, dann tut es der Gott Israels. Er wird dein Fleisch
fressen. Hüte
Dich, du wirst vom Verfassungsschutz beobachtet und überwacht. Aber
wir
verlassen uns nicht darauf. Wir werden Dich töten! Die Feinde Israel
werden
vernichtet!" Diese anscheinend vorweggenommenen Teile der Rede Bushs
vor
der Knesset waren dann schon ein Grund dafür, die Polizei zum
Eingreifen und
zur Personenüberprüfung per Handy aufzufordern. Als dann nach
weiteren
Drohungen des "Rabbis" die Polizei mit einiger Verspätung auftauchte
(klar,
die KollegINNen waren mit der in Schutz genommenen
PaulskirchenBesatzung
völlig überlastet!) hatte sich der "Rabbi" bereits in Richtung
Paulskirche
verzogen.
Zum Ende der Veranstaltung forderten die Teilnehmer eine Zugabe: die
erneute
Rezitation der deutschen Übersetzung des Mahmud Darwish-Gedichtes:
"Ausweis".
Mahmud Darwish, der in Palästina so bekannt und populär ist wie
Jannis
Ritzos in Griechenland, wie Heine seiner Zeit in Deutschland und
(leider)
viel populärer als hierzulande Erich Fried, ...
Mahmud Darwish leitete über wie zuvor zum Gesang der Frauen und zum
Tanz der palästinensischen Folkloretanzgruppe „Zeytouna“ auf
dem
Platz und zuletzt zur palästinensischen Nationalhymne, in der sich
der
Freiheitskampf vieler Völker - aber besonders zweier Völker trifft.
der des
griechischen mit dem des palästinensischen Volkes: Mikis
Theodorakis, der
die meisten der Jannis Ritsos Gedichte vertont hat, hat auch die
palästinensische Nationalhymne komponiert.
Zum Klang dieser Hymne stiegen dann über 500 schwarze Luftballons
in den
Himmel, jeder einzelne mit dem Namen eines zerstörten
palästinensischen
Dorfes.
und der Wind wehte sie allesamt hinüber zur Paulskirche, wo sie für
einen
Moment den Besatzungs-Jubilaren den Himmel verfinsterten.
Mit diesem Bild endete die TrauerFeier der Palästinenser.
Wer so hoffnungsvoll und lebensbejahend trauert, der wird nicht
verlieren.
HaBE
weiteres dazu auf
www.barth-engelbart.de.vu
“Ausweis“
von Mahmoud
Darwish
Schreib auf!
Ich bin Araber,
Ausweisnummer fünfzigtausend,
acht Kinder,
das neunte …es kommt nach dem Sommer!
Macht dich das zornig?
Schreib auf!
Ich bin Araber,
ich placke mich ab wie meine Gefährten im Steinbruch,
ich habe acht Kinder,
für sie zieh ich das Stückchen Brot
Hefte und Kleider
aus dem Stein:
Ich bettel nicht um Almosen vor deiner Tür
und mach mich nicht klein
auf deiner Schwelle
Macht dich das zornig?
Schreib auf!
Ich bin Araber,
ich habe einen Namen ohne Titel,
ich bin geduldig in einem Land,
wo jeder schon vor Zorn entbrannt.
Meine Wurzeln..
Sie wuchsen fest noch vor der Zeit,
vor Ablauf der Zeitalter,
noch bevor man das Gras abgeweidet.
Mein Vater …er stammt von Fellachen,
nein, nicht von noblen Herrn,
und mein Großvater war Bauer
ohne Besitz .. und ohne Ahnentafel!
Mich hat er die Größe der Sonne gelehrt noch vor dem Lesen.
Mein Haus ist eine Hütte
aus Schilfrohr und Pfählen.
Würde dir meine Wohnung gefallen?
Ich habe einen Namen ohne Titel!
Schreib auf!
Ich bin Araber,
ich habe schwarzes Haar
und blaue Augen.
Mich erkennt man:
am Kopfband über der Kufieh
und meine Hände sind hart wie Stein..
Wer sie anfasst, trägt eine Spur davon.
Meine Anschrift:
Ich wohne in einem abgelegenen … vergessenen Dorf.
Die Straßen haben keinen Namen dort
Und alle Männer...sind auf dem Feld und im Steinbruch.
Macht dich das zornig?
Schreib auf!
Ich bin Araber.
Du hast die Weinberge meiner Großväter geraubt
Und das Land, das ich bebaut,
ich und alle meine Kinder.
Du hast uns …und meinen Enkeln nichts gelassen
als diese Steine ..
Wird auch die uns … wie man sagt … deine Regierung nehmen?
Also!
Schreib auf .. oben auf der ersten Seite:
Ich hasse die Menschen nicht
und herrsche über andre nicht,
aber ………… wenn ich Hunger leide,
werd ich das Fleisch meiner Peiniger essen.
Vorsicht … Vorsicht .. vor meinem Hunger
und vor meinem Zorn !!
Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der NAKBA in Frankfurt -
Bericht von Hartmut Barth-Engelbart
(neuer Text >>>
Fotos
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Claudia Karas - Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der NAKBA
in Frankfurt
>>>
Ansprache von Fanny-Michaela Reisin - (pdf) >>>
Rede bei der Veranstaltung „60 Jahre Nakba“ in Frankfurt von Winfried Belz >>>
Das Programm >>>
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