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Versöhnen, Verbinden und
nicht spalten
Sind Spaltungen der Solidaritätsbewegung
erwünscht, notwendig oder sogar gewollt?
Erhard Arendt
Auch: Chronologie >>>
Auch: Eine
unsolidarische
Solidarität, geht das?.
- Erhard Arendt >>>
Auch:
Versöhnen, nicht spalten 1 >>>
Auch: Warum ich die Stuttgarter Erklärung
nicht unterschreibe.
>>>
Sonderseite - Gilad
Atzmon>>>
Sonderseite - Reuven Cabelmann >>>
Sonderseite -
Wilhelm Langthaler >>>
Es ist um die Stuttgarter
Konferenz und
die nachfolgende Schlusserklärung
ein sehr sinnloses, unnötiges und selbstzerstörerisches
Streitgespräch entstanden. Letztlich hat
es zu unnötigen und schädlichen Spaltungen
innerhalb der Solidaritätsbewegung geführt
und auch ich, der eigentlich unparteiisch
agierte wurde mit einbezogen.
Reaktionen veranlassen mich, nun allgemein
zu den „Spielregeln“, die ich auf meinen
Seiten pflege, Stellung zu nehmen und sie
noch einmal zu verdeutlichen.
Die Möglichkeit einer
Ein-Staat-Lösung war mir schon vorher
bekannt. Ob Vision oder Utopie, es gibt
einen breiten, unterstützenswerten und
zu akzeptierenden Spielraum. So lehne
ich sie nicht ab, sehe sie aber auch
nicht als einzigen Lösungsweg an.
Ich werde auch weiterhin
„gute“ Gedanken dazu, auch zur Zwei-Staaten-Lösung,
zu jeder nur möglichen Lösungsmöglichkeit
veröffentlichen. Nicht ich, nicht wir sind
letztlich die Akteure, die entscheiden können,
müssen..
Vertreter einer auch möglichen
Zwei-Staaten Lösung als Dogmatiker zu bezeichnen,
sie zu angeblichen "Experten" in
Anführungszeichen zu degradieren
hat mich persönlich betroffen gemacht. Dies
hat, wie sich zeigte, zu einer sinnlosen
Spaltung geführt.
Ich
habe von Beginn an die Stuttgarter Konferenz
unterstützt, habe die vielen guten Reden
als Videos veröffentlich, habe kommentarlos
die Schlusserklärung veröffentlicht.
Diese Schlusserklärung
sehe ich nun mehr und mehr getrennt von
der begrüßenswerten Konferenz. Ich kann
sie so nicht akzeptieren. Kann nicht
akzeptieren wie engstirnig,
unsolidarisch und dogmatisch
gehandelt wird.
In ihr tauchen Formulierungen
auf, die spaltend wirken. Sie disqualifizieren unfair
und unqualifiziert andere Lösungsmöglichkeiten
und deren Vertreter, sie polarisieren nicht
nur sondern wie sie in den letzten Tagen
vertreten wurden, spalten sie.
Folgende
Beispiele aus der kritisierenswerten
Stuttgarter Schlusserklärung sind für mich
einseitig, umgekehrt dogmatisch und kritisierenswert:
„dass das dogmatische Festhalten
an der Zwei-Staaten-Lösung
die tatsächlichen Realitäten ignoriert“
„Dies propagiert fälschlicherweise
die Möglichkeit einen Frieden zu erreichen“
„Das Festhalten an der Zwei-Staaten-Lösung
verurteilt die PalästinenserInnen mit israelischer
Staatsangehörigkeit dazu, als Bürger zweiter
Klasse in ihrem angestammten Land zu leben“
„Die Zwei-Staaten-Lösung kann zu nichts anderem
führen als der Vertiefung und Zementierung
der Ungleichheit.“
Es zeigt sich eine sehr verengte, dogmatische
Sicht, ein unnötiges Festlegen auf nur einen
Lösungsweg. Die unterschiedlichen Visionen
einer Ein-Staaten-Lösung bleiben übrigens
umbenannt, eine Abgrenzung von nicht vertretbaren
Lösungsmöglichkeiten findet nicht statt.
Ebenso wie es Ein-Staaten Lösungen (die
der Siedler) gibt, die wir ablehnen könnte
es natürlich Zwei-Staaten Lösungen geben
in der Palästina als gleichberechtigter,
selbstständiger Staat existiert. Alle Lösungen
sind aufgrund der derzeitigen realpolitischen
Situation in Israel unrealistisch weil nicht
zu verwirklichen. Die Spaltung innerhalb
der Palästinenser ist ein weiteres
Hindernis.
Keine der derzeitigen Lösungsmöglichkeiten
ist zurzeit, aufgrund des Verhaltens Israels
realisierbar.
Trotzdem, über die
Ein-Staat Lösung habe ich informiert.
Werde ich auch weiterhin – wie über
andere Lösungsmöglichkeiten neutral
berichten. Vielleicht wird diese leere Worthülse auch noch mit Inhalt
gefüllt.
Schon kurz nach der Veröffentlichung
der Schlusserklärung schrieb Frau Dr. Viktoria
Waltz:
„Dies bringt eine zusätzliche
Spaltung der Bewegung und ist Bevormundung
sowohl des palästinensischen Widerstands
als auch der Solidaritätbewegung und das
finde ich nahezu kriminell“.
Eine andere Aktivistin schrieb
schon bevor die endgültige Schlusserklärung
veröffentlich wurde warnend:
„Ich plädiere ganz nachdrücklich
für einen unaufgeregten Umgang miteinander.
Wir haben doch eigentlich genug damit zu
tun, über die Politik Israels entsetzt zu
sein, nun ziehen wir es vor, gegenseitig
über uns selbst entsetzt zu sein. Das wird
unsere politischen Gegner freuen. Schade,
aber es muss doch irgendwie anders gehen.“
Die derzeitige
Entwicklung, die immer mehr eskaliert, zeigt,
wie recht sie hatten….
Nun ist das, was auch ich
befürchtete, eingetreten. Es gibt eine mehr
als unnötige von bestimmten Personen
zunehmend bösartig betriebene
Spaltung innerhalb unserer
Solidaritätsbewegung. Sie war teilweise
mehr oder weniger in einem
erschreckenden privaten Emailwechsel
erkennbar. Einzelne versuchen sich
auf Kosten der Solidarität, auf Kosten
anderer zu profielieren.
Immer deutlicher erkennbar
waren auch spalterische persönliche Angriffe.
Mittlerweile kann man sie nicht mehr als
nicht beabsichtigt endschuldigen.
Diese wurden nun mehr und mehr entstellend
in die Öffentlichkeit getragen. Das bewegt
auch mich dazu Stellung zu nehmen.
Ich hatte
in den genannten Grenzen beiden Seiten NEUTRAL
eine öffentliche Plattform geboten.
Eine schon
immer existierende „Spielregel“ meiner Seiten
ist es aber, dass ich Texte, in denen andersdenkende
Friedensaktivisten, Positionen delegitimiert,
verunglimpft und beleidigt werden, nicht
akzeptiere und veröffentliche.
Als in den anfänglichen Diskussionstexten
anerkannte Experten, weil sie nicht einseitig
einer Ein-Staat Lösung vertreten wollten,
diffamiert wurden, man sie „Experten“ in
Anführungszeichen, Dogmatiker nannte, weckte
das zunehmend meinen Widerspruchgeist.
Als diese Entwicklung sich
andeutete, habe ich noch – ohne zu werten
- einzig und allein an diesem Punkt Einspruch
erhoben und gesagt, dass ich Texte, in denen
Mitglieder des Netzwerks, nur weil sie andere
Meinungen vertreten, delegitimiert werden,
nicht veröffentlichen werde.
Hier warf mir dann z. B.
Frau Evelyn Hecht-Galinski unter anderem
vor: „Schade, dass Du mit zweierlei Maß
misst.“
Sie wusste aber, dass ich
auch zu anderen Zeiten,
ohne angeblich mit „ zweierlei Maß“
zu messen auch Veröffentlichungen verweigert
habe. Meine Grundregeln
ist schon immer VERBINDEN STATT SPALTEN
gewesen.
Das sah ich alles als Diskussion
unter Freunden. Die Verfasser des Textes
hatten auch die strittigen Formulierungen
entfernt, und ich schrieb Frau Evelyn Hecht-Galinski
, dass die Angelegenheit längst geklärt
ist, und ich deswegen natürlich den Text
nun veröffentlicht hätte.
Auf Umwegen
erfuhr ich nun heute zu meiner
Verwunderung - ohne dass ich vorher
davon Kenntnis hatte - dass Frau Evelyn
Hecht-Galinski
- sicherlich eine
bisher verdienstvolle Aktivistin -
nun an einem scheinbar größeren Kreis
Emails verteilt, in denen sie
verbreitet:
„Ab sofort
schreibe ich nicht mehr für das Palästina
Portal.“
In einem aktuellen
Artikel schreibt sie ebenfalls
spaltend, als wäre das Rad gerade
erfunden worden:
„Vergessen wir die „Experten“
von gestern und lernen wir von den Betroffenen
von heute kennen. Vergessen wir die Utopisten,
halten wir uns an die Visionäre“
Sie weiß, dass ich
extremistische
Positionen
ablehne und deswegen seit Jahren
z. B. keine Texte mehr von
Gilad Atzmon
veröffentliche.
(Siehe auch den Text von
Dr. Watzal)
In ihrem neuen Kommentar
- davon muss ich mich distanzieren -
schreibt sie:
„Dieser begnadete Jazz-Saxophonist
wird von verschiedenen „Kreisen“ verunglimpft,
weil man hier noch nicht so weit ist, sich
vorurteilsfrei mit seinen richtigen und
hoch intelligenten Thesen auseinanderzusetzen“
Ich denke Atzmon zu kritisieren,
heißt ihn nicht zu „verunglimpfen“. Wir
sind noch nicht alle gleichgeschaltet. Manch
seiner Thesen sind ganz und gar nicht „richtig
und hoch intelligent“ und aus der „Auseinandersetzung“
mit ihm entstand entstand bei vielen ein
sehr kritisches Urteil.
Dazu aber mehr auf
einer Sonderseite über Gilad Atzmon>>>
Weiterhin werde
ich unterschiedliche Positionen vorstellen
und vertreten lassen. Auch – wenn sie nicht
destruktiv und extremistisch sind – die
der Anhänger der Ein-Staat-Lösung. Weiterhin
werde ich mich für ein MITEINANDER gegen
Spaltungsversuche aussprechen und entsprechend
handeln.
Norman Paech hat schon
früh die Bedeutung der Stuttgarter Erklärung
auf das richtige Maß zurückgeführt,
als er schrieb:
Liebe Freundinnen
und Freunde, seit kurzem erhalte ich Mails,
die mich auffordern, die Stuttgarter Erklärung
zu unterschreiben, andere warnen mich davor.
Da ich durch den wildwuchernden Mail-Verkehr
nicht mehr durchschaue, möchte ich noch
einmal meine Entscheidung kurz erklären,
warum ich die Stuttgarter Erklärung angesichts
dieser Diskussion nicht unterschreibe.
Wie ich schon auf der Konferenz gesagt habe,
halte ich die Ein- wie auch die Zweistaatenlösung
derzeit gleichermaßen für unrealistisch.
Israel wird das Besatzungsregime mit all
seinen Verbrechen und Zerstörungen weiterführen,
geduldet von den USA und den Staaten der
EU. Unsere Haupt- und dringendste Aufgabe
ist es daher, diese Besatzung, den Kern
allen Übels, zu beseitigen. Dieses haben
wir vor allem gegenüber unseren eigenen
Regierungen durchzusetzen. Dazu haben wir
uns auf die BDS-Kampagne zu konzentrieren,
um den Druck auf die israelische Regierung
zu erhöhen. Dies allein wird noch erhebliche
Aufklärungsarbeit und Anstrengung in unserer
Gesellschaft erfordern.
Erst wenn die Besatzung aufgehoben ist,
wird sich das Problem stellen, in welcher
staatlichen Organisation Juden und Araber
in Palästina miteinander leben wollen. Doch
das ist allein ihr Problem, welches wir
jetzt nicht mit dogmatischen Positionen
zu bestimmen haben. Wenn derzeit in der
israelischen wie palästinensischen Diskussion
die Ein- bzw. Zwei-Staaten-Lösung erwogen
wird, so haben wir ihr zunächst aufmerksam
zu folgen, mit mehr Sympathie für die eine
oder andere Lösung. Eine Dogmatisierung
eine der beiden Positionen, wie sie in der
jetzigen Diskussion erfolgt, vermag allenfalls
die Solidarität mit den Palästinensern zu
spalten und den primären Kampf gegen die
Besatzung zu schwächen - trotz aller Freundschaftsbekundungen.
Wer der Meinung ist, dass der Kampf gegen
die Besatzung nur auf der Basis einer der
beiden Staatslösungen richtig und wirksam
zu führen ist, sollte sich ernsthaft fragen,
ob er damit nicht schon die Ohnmacht der
Bewegung durch ihre Spaltung hervorruft.
Ich weiß nicht, warum eine Abschlusserklärung
auf der Konferenz versäumt worden ist. Der
Versuch, sie jetzt nachzuholen, hat sie
vollkommen verselbstständigt und ganz unabhängig
von der Konferenz zum Forum eines allgemeinen
Glaubenskrieges gemacht. Sie ist nutzlos,
da sie nicht auf der Tagesordnung steht.
Denn das offizielle Bekenntnis zu einer Zwei-Staaten-Lösung durch Israel, PLO, USA
und EU wird durch ihre Praxis forcierter
kriegerischer Besatzung ad absurdum geführt.
Und das Gegenbekenntnis zu einer Ein-Staaten
Lösung wird unter den Bedingungen fortdauernder
Besatzung nur noch schärfere Apartheidsbedingungen
herbeiführen.
Ich habe nichts dagegen, wenn die gegenwärtige
Version der sog. Stuttgarter Erklärung so
in die Medien eingeht, wie sie dort schon
zitiert wird.
Aber verlangt bitte keine
Eidesleistung in Form von Unterschriften.
Sie bewegen nichts. Man wird an ihnen höchstens
später einmal erkennen, wer nicht unterschrieben
hat. Unsere Aufgabe ist die Bewegung gegen
die völkerrechtswidrige und unmenschliche
Besatzung und dafür brauchen wir Einigkeit.
Mit solidarischen Grüßen
Norman Paech

Liebe Leser,
bitte engagieren Sie sich auch für ein MITEINANDER
…..
Ergänzende Links und
Kommentare
7.1.2011 -
Abraham Melzer
- (...) man kann zu Gilad
Atzmon stehen wie man will und ich zB
möchte mich nicht mit seinen krankhaften
Visionen identifizieren, aber zu
schreiben, dass seine Position von
„orthodoxen Juden“ vertreten werden ist
ganz einfach falsch. Es sind die
Ultra-Orthodoxen, die Neturei Carta
Anhänger, die schon immer gegen den
Staat Israel waren und in Israel eine
äußerst kleine Minderheit von wenigen
tausend Seelen darstellen. Sie waren
schon immer gegen den Zionismus, und mit
Recht, und haben den Staat Israel nie
anerkannt, und das aus ihrem Standpunkt
aus gesehen auch vollkommen mit Recht.
Aber Gilad Atzmon ist von diesen genauso
weit entfernt, wie er vom Zionismus
entfernt ist.
Mich stört seine Radikalität und die
Tatsache, dass er bereit zu sein scheint ist sich mit
Antisemiten und Nazis zusammen zu tun,
um sein Ziel zu erreichen. Es ist heute
auch absolut absurd und pathologisch
gegen den Staat Israel zu sein, wo
inzwischen immerhin mehr als fünf
Millionen Nicht-Palästinenser leben. Ich
und mit mir viele andere, bin gegen die
Apartheid-Politik dieses Staates. Ich
bin für eine Einstaaten-Lösung, weil die
Zweistaaten-Lösung überhaupt nicht mehr
möglich ist, aber ich habe vollstes
Verständnis für Palästinenser, die eine
Zweistaaten-Lösung wollen, weil auch sie
ihren eigenen, rein palästinensischen
Staat haben wollen. Deshalb sollten wir
endlich diese Debatte dorthin verlegen,
wo sie hingehört, in den Mülleimer. Es
ist nicht unsere Debatte. Es ist die
Debatte der Palästinenser und wir können
und wollen es ihnen auch nicht abnehmen.
Und es ist übrigens auch die Debatte der
Israelis, denn wir können auch nicht
über deren Kopf hinweg entscheiden und
schon gar nicht Entscheidungen
durchsetzen. Also was soll das Ganze? An
wen soll diese sogenannte Resolution,
auch wenn sie inzwischen von 900
Menschen unterschrieben wurde, gesandt
werden? An Benjamin Netanjahu, damit er
sie in den Papierkorb wirf oder sich
damit seinen Hintern abwischt? Es ist
doch dumm und schwachsinnig seine
Energien in eine Debatte zu investieren,
die zu nichts führt. Absolut gar nichts.
Und deshalb sollten Leute, die Visionen
haben, zum Arzt gehen. Ben Gurion sagte
zwar, wer keine Träume hat (Visionen)
ist kein Realist, aber er meinte eben,
man muss in der Politik in erster Linie
Realist sein und erst in zweiter Linie
Träume haben. Realistisch gesehen ist
weder die Einstaaten- noch die
Zweistaaten-Lösung machbar.
Das Einzige was wir machen können, wenn
wir uns nicht lächerlich machen wollen,
ist aufklären, informieren, eine
anständige BDS Kampagne durchführen, die
nichts mit „Kauf nicht bei Juden“ gemein
haben soll und versuchen Druck auf
unsere Politiker und Medien auszuüben,
damit sie nach und nach Israel
politisch, gesellschaftlich und
ökonomisch isolieren. Und eines Tages
wird es kommen. Und wie es heute in
Israel aussieht und wie es sich dort
entwickelt, ist Israel auf dem besten
Wege sich selbst abzuschaffen und zu
delegitimieren.
Der Versuch mit allen Mitteln Leuten
dazu zu bringen eine Resolution zu
unterschreiben, die zwar sehr schön,
human und visionär ist, aber wertlos,
spaltet und provoziert. Hört deshalb auf
damit. Es reicht.
Der Kongress in Stuttgart war wunderbar
und hat uns allen viel zum Nachdenken
gegeben. Denken wir also nach und hören
wir uns zu streiten. Es gibt noch viel
zu tun. Packen wir es an. Abi
Melzer
www.dersemit.de
Zur
„Vision“ einer
Einstaatenlösung - Dr.
Ludwig Watzal
Knut Mellenthin -
Streit um den Jackpot - Anerkennung eines
palästinensischen Staates – oder Verewigung
der israelischen Besatzung und Annektion
Stellungnahme zum
Text vom 24.12.2010 - von Dr. Ludwig Watzal
Stuttgarter Erklärung - Viktoria
Waltz
-
An die Erklärer und Unterschreiber,
warum unterschreiben um jeden Preis
nicht gut ist
Thomas Immanuel Steinberg
- Zukunftsgemälde, mal hell, mal düster
- Statt unsere Hausaufgaben zu machen,
führen wir eine trügerische Debatte um
die Zahl der Staaten im ehemaligen
britischen Mandatsgebiet Palästina
Abstraktes Postulat
-
Debatte. Die Forderung nach einem
gemeinsamen Staat für Israelis und
Palästinenser geht an der politischen
Realität des Nahen Ostens vorbei
- Moshe Zuckermann
Ein- oder
Zweistaatenlösung für Palästina? -
Dr. Ludwig Watzal
Wider die
Einstaatenlösung als Dogma - Dr.
Ludwig Watzal
Leserzuschriften zum kurzen Mailwechsel -
Thomas Immanuel Steinberg
+Gisela
Siebourg - Liebe
KonferenzteilnehmerInnen, auch ich
möchte mich noch einmal melden und
erklären, dass ich den heutigen Emails
von Henning, Ingrid sowie Norman Paech
zustimme - die Argumente noch ein
weiteres Mal darzulegen erübrigt sich
damit. Es tut es mir leid sagen zu
müssen, dass ich meine Unterschrift
nicht unter die Erklärung setzen kann.
An die
Erklärer und Unterschreiber, warum
unterschreiben um jeden Preis nicht
gut ist: Dr.
Viktoria Waltz - tut mir leid, ich
finde die Angelegenheit eine dumme
Vermischung von einer!
Einstaatenlösung mit den notwendigen
Forderungen nach Einhaltung der
Beschlüsse und Menschenrechte und
des Boykotts etc. . Dies bringt
eine zusätzliche Spaltung der
Bewegung und ist Bevormundung
sowohl des palästinensischen
Widerstands als auch der
Solidaritätbewegung und das finde
ich nahezu kriminell - wo die
Bewegung sowieso schwach ist und der
Gegner so immens aktiv und stark und
sich gerade wieder neue Finanzen auf
seine Konten scheffelt um noch mehr
Propaganda für Israel machen zu
können. Ich bin echt sauer und hatte
schon ein merkwürdiges und nun
scheints richtiges Gefühl bei der
Stuttgarter Initiative, die sich
ziemlich plötzlich als nationale
Konferenz auszuwachsen schien mit
dieser Einbahnschiene - ein Coup.
Dabei hätten wir wirklich nichts
dringenderes notwendig als eine
nationale Konferenz, die die
international anerkannten Rechte als
Basis geltend macht und unseren
Machthabern vorhält. Ich kann mir
auch nicht denken, dass Ilan Pappe
damit so einverstanden sein kann, der
da im Textgemisch wie ein Zeuge
gehandelt wird, denn in München hat
er noch gesagt, welche der Lösungen
richtig ist sei nicht die zentrale
Frage und auch nicht von hier aus
entscheidbar, man kann sicher alles
diskutieren, aber sich festlegen? -
wichtig sei,, dass Israel seinen
Part macht, zurückgeht auf vor 67,
die eigene Verantwortung an der
Nakba und das dadurch geschaffene
Flüchtlingsproblem anerkennt und
erst dann auf gleicher Augenhöhe
verhandeln kann... Ich kann mir
nicht vorstellen, dass Pappe jetzt
nur die Einstaatenlösung propagiert
hätte. Wer ist da denn wirklich
dahinter? Fraktionen? Das ist doch
tödlich. So viel Erfahrung dürften
Linke doch inzwischen haben, dass
sowas nur den Gegnern in die Hände
spielt.
Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn
mehr Palästina-Freundinnen und
Freunde und die Linke Presse sich
Finkelstein in Berlin angehört
hätten - ein sachlicher Aufruf, sich
auf die Menschenrechtsverletzungen
Israels zu konzentrieren und deren
Einhaltung gegenüber den Regierenden
und Regierten ins Zentrum der
Forderungen und Beweismaterialien zu
rücken - Meinungen und Wünsche und
wie auch immer berechtigte
moralische Zurechtweisungen der
Palästinensischen Führung und aller
anderen bringen es nicht. Aber alle
wollen ja gern unterschrieben, weil
ja auch Richtiges drinsteckt - aber
es wirkt für einge andere
ausschließend und das kann sich die
Bewegung nun wirklich nicht leisten. Gruß
Viktoria Waltz
17.12.2010 13:37 - eMail von Paul
Grasse
Liebe Stuttgarter Soli-Aktivisten,
liebe GenossInnen, liebe Freunde,
Ich hatte mich schon einmal kurz
geäußert, als Ihr angegfangen habt,
das Papier zu diskutieren. Richtig
finde ich, dass diese Konferenz
einen Abschluss gebraucht hätte.
Allerdings kann man so etwas nicht
nachholen und vor allem nicht
nachholend legitimieren. Ich will
sagen, dass eine Resolution auf dem
jeweiligen Event besprochen werden
muss und nicht im Nachhinein von
einigen verfasst werden kann.
Nun war die Konferenz derart
strukturiert, dass eine wirkliche
Debatte um die heißen Punkte (BDS,
Right of Return, one state) im
Publikum nicht geführt werden
konnte. Das ist kein Problem, ist
nur eben nicht mit einer
Entscheidungsfindung vereinbar.
Gezeigt hat sich das im allerletzten
Podium, wo dann erstmals eine
Debatte im Publikum durchgesetzt
werden konnte. Der scheinbare
Konsens, der beide Tage vorher
geherrscht hatte, brach hier sofort
auf. Das Papier gibt aber trotzdem
den scheinbaren Konsens wieder, der
auf den meisten Podien der Konfrenz
tatsächlich geherrscht haben mag,
aber nicht im Publikum.
Ich finde die inhaltlichen Ansagen
in dem Papier durchaus richtig. Ich
finde aber nicht, dass diese
ziemlich fortgeschrittenen Punkte
zur Voraussetzung eines
solidarischen Engagements gemacht
werden dürfen. Das wird der
Solibewegung eher schaden als
nützen.
Es gibt nun einmal für die nötigen
politischen Debatten keine
Abkürzung. Es ist meiner
Einschätzung nach nicht möglich, das
Ziel der Ausweitung der Solibewegung
v.a. auf Gewerkschaften mit dieser
Plattform zu erreichen, die Latte
ist schlicht zu hoch.
Einen gravierenden Fehler finde ich
die prominente Erwähnung von Atzmon.
[Anmerkung: Gilad Atzmon wird
eingangs aufgeführt wie alle anderen
Akteure auch] Ich finde zwar nicht,
dass er ein Rassist ist, das möchte
ich vorweg schicken. Seine
"Radikalität" und die
kulturalistischen Ansätze sowie die
in Deutschland doch recht schräge
Relativierung des deutschen
gegenüber dem israelischen
Militarismus (israelisch schlimmer,
weil Demokratie) würde ich auf
seinen biographischen Hintergrund
zurück führen.
Von Marx kennen wir eine ähnliche
Vermischeung von materieller und
Kulturkritik in Hinsicht auf das
Judentum. Er ist kein Antisemit und
kein Rassist, richtig, solche
Debatten um die tieferen
theologischen Eigenheiten des
Judentums können auch gern unter
jüdischen oder säkularen Theologen
oder Religionswissenschaftlern
geführt werden. Aber es ist wenig
zielweisend, Menschen, die vom
Judentum sehr wenig wissen, damit zu
konfrontieren, dass das Judentum
keinen Frieden kenne etc.
Das ist im Effekt eine totale
Verkürzung und schneidet den Weg ab,
als Solidaritätsbewegung gemeinsam
mit religiösen Juden zu arbeiten.
Rassismus ist immer die Spaltung der
Unterdrückten durch die
Herrschenden, das ist nicht Atzmons
Geschäft. Aber dennoch ist der
Hintergrund des Zionismus
Imperialismus und nicht die jüdische
Religion.
Nicht jeder teilt die Analyse von
Funktion und Praxis des Rassismus.
Deshalb dient die Erwähnung von
Atzmon unseren Gegnern und lädt sie
zur Instrumentalisierung des
vermeintlich "antisemitischen" Gilad
Atzmon ein. Ich finde einfach,
dass das nicht nötig.
Effektiv denke ich und sehe mich da
mit Inge Höger und auch Annette
Groth einig, dass es am Besten ist,
wenn ich und auch andere Linke (ich
weiß, es haben auch schon Linke
unterschrieben, das können die
individuell entscheiden) das so
nicht unterezichnen.
Gleichzeitig bin ich aber auch
dagegen, sich zu distanzieren. Meine
Empfehlung an Aktivistinenn, mit
denen ich spreche, ist, sich
sozusagen "verhalten" zu verhalten,
also gar nicht.
Dessen unbenommen danke ich Euch für
die hervorragende Konferenz und
hoffe, dass sie ein Auftakt und kein
Schlusspunkt zu einer besseren,
stärkeren, breiteren
Palsätina-Soliarbeit in Deutschland
sein wird. Mit solidarischen Grüßen,
Paul Grasse
Dokumentation - Pro und Contra Ein-Staatenlösung
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