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Arbeiterfotografie meldet:

am 1. Juli hat Georg Schramm in der ZDF-Sendung 'Neues aus der Anstalt' zum falschen Zitat (Iran drohe damit, Israel von der Landkarte zu tilgen) Stellung bezogen. In seinem Vortrag präsentiert er u.a. folgendes Bild:
 


Georg Schramm führt u.a. aus:
 

Wir erwarten als Initialzündung für einen Großkonflikt in kürzester Zeit einen israelischen Luftangriff mit amerikanischer Unterstützung auf die iranischen Städte Bushehr, Natans, Isfahan und Sagand. Das 'window of opportunity' ist nur kurz offen. Der Krieg muß ins Laufen kommen, solange Bush noch an der Regierung ist. Bei gutem Timing allerdings könnte es durchaus sein, daß der Konflikt ein bißchen Rückenwind für Kriegsveteran McCain bringt.

Ich rate an dieser Stelle übrigens, bei der Suche nach einem geeigneten Kriegsmotiv die Lehren aus dem Irakkrieg zu ziehen. Die derzeitige offizielle Sichtweise ist ja: der iranische Präsident Ahmadinedschad hat Israel gedroht. Er hat gesagt: "Israel muß von der Landkarte getilgt werden." Dann ist natürlich ein israelischer Angriff logisch. Das ist präventive Notwehr. Der Haken an der Sache ist natürlich: der Satz ist gar nicht gesagt worden... Der Satz "Israel muß von der Landkarte getilgt werden" ist nachweislich falsch. Richtig lautet die Übersetzung seiner Rede: "Das Besatzungsregime Israels muß Geschichte werden." Kleiner Unterschied, nicht? Dieser Satz ist eine völkerrechtlich korrekte Forderung. Da haben die katholischen Bischöfe vor ein paar Wochen sich noch viel drastischer über die israelische Ghetto-Politik geäußert. Erfreulicherweise hat übrigens unser ZDF-Oberbefehlshaber Schächter von diesem Irrtum Kenntnis bekommen und hat Anweisung gegeben, daß diese falsche Übersetzung innerhalb unserer Anstalt nicht mehr benutzt wird. Ich habe dem Folge geleistet...

Ich persönlich, Landsleute, rate an dieser Stelle: wir sollten den wahren Kriegsgrund ausnahmsweise mal auf den Tisch legen. Ich denke, die Heimatfront ist reif dafür. Wenn wir uns die Karte noch mal anschauen: der tiefer liegende Grund ist schlicht und einfach der Beginn des Endkampfes um das eurasische Becken, die letzten großen Öl- und Gasreserven dieser Erde. Bei der Gelegenheit sollten wir auch gleich reinen Tisch machen und den Leuten reinen Wein einschenken für die wahren Gründe, die tiefer liegenden Gründe für unser Afghanistan-Engagement. Auch das läßt sich ganz gut vermitteln. Nämlich, wir haben die Möglichkeit, von Afghanistan aus Sicherung der Ostflanke zu haben und beim Zangengriff beim Angriff auf die Ölreserven. Solche Motive müßten beim Blick auf die Tankstellenpreise doch eine gewisse Plausibilität kriegen. Damit müßte man's Ihnen schmackhaft machen können - um's mal zu sagen. Überlegen Sie einfach, was ist Ihnen wichtiger: Wahrung des Völkerrechts oder freie Fahrt am Wochenende, Grundgesetz oder eine warme Wohnstube. Also schicken Sie uns Ihre Söhne. Es lohnt sich für Sie.
 

Wichtig ist insbesondere die Erkenntnis: Der tatsächlich formulierte Satz "Das Besatzungsregime Israels muß Geschichte werden" ist eine völkerrechtlich korrekte Forderung.

Sendungsausschnitt bei YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=em1Q4LaBmTw
Gesamtsendung beim ZDF: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,4291327,00.html



Eine weitere Äußerung zum Thema kommt von Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Bei einer öffentlichen Anhörung des Innenausschusses des Bundestages zum Thema 'Antisemitismus in Deutschland' am 16.6.2008 sagte er u.a.:
 

[...] Zweitens ist es so, dass wir mit unser[e]n Internetangeboten, ich nenne hier als Beispiel das Online-Dossier Antisemitismus der Bundeszentrale, was ein wachsendes ist, immer neue Beiträge aufgreift, auch so etwas wie Aktivierung erleben können – nicht nur im guten Sinne – ich will das an einem Beispiel festmachen: eine Reihe von – von - Kritikern – ähm - der – unserer Arbeit – versuchen, haben versucht, Anfang des Jahres Druck auf die Bundeszentrale auszuüben, einen Satz des iranischen Präsidenten, dass Israel von der Landkarte zu verschwinden habe, in seiner Übersetzung zu modifizieren. Sie kennen diese Debatte sicherlich – äh - aus dem Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Wir haben darauf eben nicht reagiert, dass wir diese – diesen Satz von der Website genommen haben, sondern wir haben den Sprachendienst des deutschen Bundestags beauftragt, ma[l] die gesamte Rede – äh – zu übersetzen – und ich glaub, in dieser Wirkkraft hat das sozusagen nochmal auch politische Bildung gezeigt und das Potential politischer Bildung, dass man eben sich nicht durch einzelne Positionen, die billige Etappensiege eigentlich nur anstreben und so tun wollen, als ob der iranische Präsident – äh – eigentlich doch recht harmlos sei – äh - im Grunde genommen eine Dimension in die Debatte bringen, die nicht nur nicht uner- .. nicht mehr erträglich ist, sondern die man sozusagen auch mit kontroverser Auseinandersetzung – äh - im Rahmen der politischen Bildung annehmen muss und ihr gegenübertreten muss. [...]
 


Mehr zur Auseinandersetzung mit der Bundeszentrale für politische Bildung und den Medien - darunter die Reaktionen auf die Stellungnahmen des ZDF-Intendanten und des dpa-Chefredakteurs - auf der Seite http://www.arbeiterfotografie.com/iran/iran-0034.shtml
 

 

 
 

 

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