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Anis Hamadeh - Günter Schenk
Nicht vergessen - nicht erinnern
Was ist Frieden?
Attac und der Antisemitismus
60 Jahre Auschwitz

 


"Die Deutschen sind natürlich froh..."

 Interview mit Anis Hamadeh, 24.01.2005

 
Anis Hamadeh ist palästinensischer Deutscher. Er ist Dichter und Networker, siehe www.anis-online.de. Im Februar 2004 schrieb Anis die Studie: "Der Antisemitismus-Vorwurf in kritischer Betrachtung. Darstellung und Auswertung von Pressequellen. Studie zum Attac-Workshop 'Semitismus/Nahost' am 14./15.02.2004 in Hannover (108 S. mit engl. Zsfs): www.anis-online.de/pages/_text2/0626_essay14.htm
 
 
Frage: Die UNO hat des 60sten Jahrestags der Befreiung von Auschwitz gedacht. Was hältst Du davon?
 
Anis: Eine gute und wichtige Sache.
 
Frage: Der israelische Außenminister sagte in seiner Rede wörtlich "Today again". Was meinte er damit?
 
Anis: Er meinte damit, dass jemand die Juden heute so behandelt wie es damals die Nazis getan haben. Es wurde deutlich, dass er damit Palästinenser, Araber und Muslime meinte. Dies bestätigt die Resultate meiner Studie. Als würden die Palästinenser Juden industriell ermorden, wie es die Nazis getan haben. Der israelische Außenminister hat den Genozid politisch für seine Zwecke instrumentalisiert. 
 
Frage: Der deutsche Außenminister sagte im Tagesthemen-Interview, dass Israel militärisch überlegen sein muss.
 
Anis: Die Deutschen sind natürlich froh darüber, dass die Palästinenser den Zweiten Weltkrieg ausbaden müssen. Das relativiert ihre eigene Schuld. Verwunderlich ist eher, dass die meisten Pals sich gefallen lassen, von Deutschen und von der Welt so benutzt zu werden. Als Blitzableiter oder ähnliches.
 
Frage: Und der Terror?
 
Anis: Terror hat Ursachen, in Palästina, im Irak, in Tschetschenien, anderswo. Diese Ursachen sind hinlänglich bekannt.
 
Frage: Ist es nicht verständlich, dass Deutsche sich für den Schutz von Juden einsetzen?
 
Anis: Ich wüsste nicht, wie das deutsche Verhalten oder das der israelischen Regierung Juden schützt. Im Gegenteil, die aggressive Politik Israels schürt antijüdische Ressentiments, weil Israel im Namen "der Juden" illegale Gewalt verübt. Auch in Deutschland gibt es Leute, die öffentlich im Namen "der Juden" sprechen.
 
Frage: Und der Antisemitismus?
 
Anis: Der Antisemitismus ist ein historisches Phänomen. Der Begriff ist stark suggestiv und wird instrumentalisiert. Es gibt auch heute Vorurteile gegen Juden, das stimmt leider und muss auch genauso benannt werden wie jeder andere Rassismus. Den Begriff "Antisemitismus" sollte man dabei nicht verwenden, sonst macht man sich in meinen Augen unglaubwürdig.
 
Frage: Gleichzeitig flammt die Debatte um die NPD wieder auf. Wie stehst Du dazu?
 
Anis: Die wesentlichen Aussagen der NPD zeugen von großer Dummheit. Die mediale Debatte darum ist hysterisch und unprofessionell. Die Journalisten und die Politiker haben sichtbar Angst vor der NPD, das ist lächerlich. Es ist ein Feindbild. Wenn diese Partei tatsächlich verfassungsfeindlich ist, dann soll man die Verantwortlichen bestrafen und nicht so einen peinlichen Tanz veranstalten.
 
Frage: Wie siehst Du die Wahl von Mahmud Abbas zum Präsidenten der Palästinenser?
 
Anis: Ich hätte Mustafa Barghouti gewählt, respektiere aber natürlich die Wahl und unterstütze sie. Die Welt hofft auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses wegen Herrn Abbas. Man hofft offenbar, dass die Palästinenser ihren Widerstand aufgeben. Auch in Deutschland, die Presse war da ziemlich deutlich. Der "Terror" soll aufhören, dann werde vielleicht alles gut. Die tatsächliche israelische Politik weist offensichtlich in eine ganz andere Richtung.
 
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The Germans are glad, of course...
 
Interview with Anis Hamadeh, January 24, 2005
 
Anis Hamadeh is a Palestinian German. He is a poet and networker, see www.anis-online.de. In February 2004 Anis wrote the study: "The Reproach of anti-Semitism in Critical Reflection. Representation and Analysis of German Press Sources. Study for the Attac Workshop "Semitism/Middle East" , 14./15. February 2004 in Hannover (108 pp with English summary): www.anis-online.de/pages/_text2/0626_essay14.htm
 
Question: The UN reminded of the 60th anniversary of the liberation of Auschwitz. What do you think about that?
 
Anis: A good and important thing.
 
Question: The Israeli foreign minister said in his speech: "Today again". What did he mean by this?
 
Anis: He meant that there is somebody today who treats Jews in a way like the Nazis did back then. It became obvious that he meant Palestinians, Arabs and Muslims. This complies with the results of my study. As if the Palestinians would industrially murder Jews like the Nazis did. The Israeli foreign minister instrumentalized the genocide politically for his own ends.
 
Question: In a TV interview the German foreign minister said that Israel must be superior militarily.
 
Anis: The Germans are glad, of course, about the fact that the Palestinians have to pay for World War II. This makes their own guilt relative. More astonishing rather is that most Pals just take it that they are used in this way by the Germans and the world. Like a lightning conductor or something similar.
 
Frage: And terror?
 
Anis: Terror has causes, in Palestine, in Iraq, in Chechenia, elsewhere. These causes are sufficiently known.
 
Question: Is it not understandable that Germans stand for the protection of Jews?
 
Anis: I cannot see how the German behavior or the one of the Israeli government would protect Jews. On the contrary, the aggressive policy of Israel is encouraging anti-Jewish prejudice as it is illegally committing violence in the name of "the Jews". In Germany there are also people who publically speak in the name of "the Jews".
 
Question: And anti-Semitism?
 
Anis: Anti-Semitism is a historic phenomenon. The concept is strongly suggestive and it is instrumentalized. There is prejudice against Jews today, this is unfortunately true and it must be named just like every other kind of racism. One should not, however, use the concept "anti-Semitism" in this context, otherwise one discredits oneself in my view.
 
Question: At the same time the debate about the NPD (Nazi party) comes up again? What is your position in this debate?
 
Anis: The significant assertions of the NPD display great stupidity. The media debate about it is hysteric and not professional. The journalists and politicians visibly are afraid of the NPD, this is ridiculous. It is a stereotype image. If this party indeed is against the constitution they should punish the responsible people and not perform such an embarrassing dance.
 
Question: How do you assess the election of Mahmud Abbas for president of the Palestinians?
 
Anis: I would have voted for Mustafa Barghouti, but certainly respect the election and support it. The world is hoping for a rebirth of the peace process because of Mister Abbas. They seem to hope that the Palestinians will give up their resistance. In Germany, too, the press was rather clear about that. The "terror" is to stop, then maybe eberything will turn out fine. The real Israeli policy, however, obviously speaks a completely different language.

 

Erhard Arendt


Kenneth Lewan
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