Die IDF nimmt Trauer als
Feigenblatt für Siedler
Gideon
Levy
Wer sagt denn, Barak
sei unsensibel? Wer klagt Gabi Ashkenazi an, der
schweigende Typ zu sein? Und wer verdächtigt sie,
sie könnten nicht zusammenarbeiten? Der
Verteidigungsminister und der Stabschef standen Ende
letzter Woche zusammen und verhinderten die
Zerstörung eines illegalen Außenposten (Siedlung)
von Givat Hayovel. Einige der Häuser wurden auf
privatem palästinensischem Land gebaut; mit andern
Worten auf gestohlenem Land und andere wurden auf
„Staatsland“ und „Survey-Land“ (angeblich unklare
Besitzverhältnisse) – weitere missverständliche
Begriffe, die aus Israels unerschöpflichem Vorrat
von Tricks stammen.
Die IDF zieht aus
ihrem Vorrat einen besonders lächerlichen Grund, den
wir seit einiger Zeit nicht gehört haben: Diese
Häuser sind „wichtig für die Sicherheit, weil sie
„Punkte kontrollieren, wo die IDF-Präsenz „wichtig“
sei. Als ob die IDF nicht an solchen Orten ohne
diese Häuser sein könnte.
Barak und Ashkenazi
gingen für diese Aufgabe zusammen hin, weil
trauernde Familien in zwei dieser Häuser leben: die
Familie von Major Roi Klein, der im 2. Libanonkrieg
getötet wurde, und die Familie von Major Eliraz
Peretz, der vor drei Wochen an der Gazagrenze
getötet wurde. Es ist nicht ganz klar, ob diese
vereinigte Front an der Spitze gedacht war, nur um
die Zerstörung der Häuser der beiden Familien zu
verhindern oder von allen 18 Häusern, wie der
Oberste Gerichtshof befohlen hat. Beide
Möglichkeiten lassen ernsthafte Fragen hochkommen.
Wäscht das Blut der im Kampf Gefallenen ihre Schuld
weg? Wie können wir unterscheiden zwischen einem
illegalen Siedler und einem anderen. Warum sollte
der Palästinenser, dessen Land genommen wurde, sich
darum kümmern, wenn einer der Siedler bei einer
Militäraktion getötet wurde? Hier ist das verdammte
Ding: ausgerechnet an dem Tag, an dem Barack und
Ashkenazi einen emotionalen Brief an die Präsidentin
Dorit Beinisch
veröffentlichten und
darum baten „Rücksicht zu nehmen und
Einfühlsamkeit“ zu haben, zerstörten die IDF andere
Häuser.
Die Bulldozer der
Zivilen Verwaltung zerstießen ein zweistöckiges
Haus und zwei Läden in Kifl Haris, während
gleichzeitig ein Wohnhaus und eine Fabrik in Beit
Sahour und noch eines in Al-Khader zerstört wurden.
Sechzehn Leute wurden obdachlos, unter ihnen Kinder
und ein einjähriges Baby. Die Leute der
Zivilverwaltung machten sich die Mühe und betonten,
dass dies nur der Anfang einer Zerstörungsoperation
sei.
Es ist in der IDF noch
keinem eingefallen, nachzufragen, ob vielleicht in
der Sultan-Familie in Kifl-Haris oder bei der
Musa-Familie in El-Khader mildernde Umstände
vorliegen könnten, die „Rücksicht und Sensibilität“
rechtfertigen. Könnten sie vielleicht auch einen
Sohn verloren haben? Und wenn es so wäre, würde
jemand daran gedacht haben, die Zerstörung des
Hauses deswegen zu stoppen. Lassen uns die IDF, die
Zivilverwaltung, Barak, Ashkenazi und alle anderen
nicht lachen. Jene sind doch Palästinenser und
keine Menschen.
Die Zerstörung der
Häuser in Givat Hayovel wurde 2001 entschieden, als
jeder in den Familien noch lebte. Sie bauten ihr
Haus rücksichtslos, ohne Genehmigung und sie
wussten, dass sie Land raubten. Es gibt noch viele
Siedler wie sie.
Dies war die Ursünde,
der die Sünde der Behörden folgte, die Verzögerung,
die in diesem Fall rund neun Jahre zur Erfüllung
der Peace now-Petition brauchte. Der
Peace-Now-Generalsekretär Yariv Oppenheimer sagt
jetzt, er gebe bei der Zerstörung der Häuser von
Klein und Peretz nach. Man kann ihn verstehen. Es
ist nicht einfach, ein Haus von Bewohnern zu
zerstören, die gerade ihre Trauerwoche hinter sich
haben.
Tatsächlich ist das
unmenschlich. Aber wie gewöhnlich befassen wir uns
mit Randerscheinungen, statt mit dem Wichtigen.
Während die Evakuierung der Außenposten nie einen
verbindlichen Termin haben, während der
Sasson-Bericht ein wertloser archäologischer
Artefact geworden ist, warum befassen wir uns dann
ausgerechnet mit Givat Hayovel? Gibt es nicht genug
andere Außenposten, die evakuiert werden müssen und
die keine trauernden Familien haben? Außerdem, die
ganze Sache mit den „illegalen“ Außenposten - als
ob eine Siedlung legal wäre - ist nie der Kern des
Problems gewesen. Es ist für jeden so praktisch,
die Givat Hayovel-Affäre in noch ein
selbstgerechtes und irreführendes Feigenblatt zu
wandeln.
Die Siedler fuchteln
mit ihren Häusern für eigene Zwecke herum, um noch
mehr öffentliche Sympathie heraus zu quetschen und
die Opposition gegenüber jeder Evakuierung zu
verstärken. Barak und Ashkenazi fuchteln mit
diesen Häusern herum, um zu zeigen, wie sehr sie dem
Gesetz in den (besetzten ) Gebieten Geltung
verschaffen wollen, aber nicht können. Sogar das
Rechtssystem versucht gelegentlich zu beweisen, dass
es sorgfältig das Gesetz aufrecht erhält und keinen
Unterschied macht, wenn es die Siedler betrifft. All
dies ist nur lächerlich.
Diese beiden Häuser
sollten in Ruhe gelassen werden – ja selbst der
ganze Außenposten. So lange wie die Hauptsiedlung
Eli, bleibt, welchen Unterschied macht das denn
gegenüber dem Außenposten?
(dt. Ellen Rohlfs)
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