Dieses Video sollte
nicht für Minderjährige ausgestrahlt werden. Dieses
Video sollte aber in jedem Haus in Israel gezeigt,
dann nach Washington und Ramallah geschickt werden.
Es sollte Kindern nicht gezeigt werden, damit sie
nicht verdorben werden, aber im ganzen Land und in
aller Welt verteilt werden, sodass jeder erkennen
wird, wer die Regierung Israels anführt. Kanal 10
präsentierte: das wirkliche und betrügerische
Gesicht von Benyamin Netanyahu. Es wurde
ausgestrahlt am Freitagabend in „Diese Woche mit
Miki Rosenthal,“. Es wurde 2001 heimlich bei einem
Besuch des Bürgers Netanyahu aufgenommen, als er im
Haus einer trauernden Familie in der Siedlung Ofra
war – und erstaunlicherweise hat es keinen Aufruhr
verursacht.
Die Szene ist
mitleiderregend und zugleich ungeheuerlich. Der
letzte von Netanyahus ergebenen Anhängern, der
glaubt, er sei der Mann, der Frieden bringt, würde
sofort seine Meinung geändert haben. Die Präsidenten
Barack Obama und Shimon Peres, die weiter daran
festhalten, dass Netanyahu Frieden bringen wird,
werden anders reden, wenn sie diesen heimlich
aufgenommen Videofilm gesehen haben. Sogar die
Abneigung des palästinensischen Präsidenten Mahmoud
Abbas, direkte Verhandlungen mit dem Mann aus dem
Video zu führen, würde verständlich sein. Was sollte
mit einem Straßenhändler diskutiert werden, der 2%
gibt, um 100% zu verhindern (?),“ wie ihm sein Vater
sagte, der den Großvater zitierte.
Israel hatte viele
politisch rechte Führer, seitdem Menachem Begin
„viele Elon Morehs“ versprach; aber es gab niemals
einen wie Netanyahu, der es mit Täuschungen machen
wollte, um sich über Amerika lustig zu machen, um
die Palästinenser auszutricksen und um uns alle in
die Irre zu führen. Der Mann im Video verrät sich
mit seinen eigenen Worten selbst als Schwindler. Und
nun ist er noch einmal Ministerpräsident von Israel.
Versuche nicht zu behaupten, dass er sich seitdem
verändert hat. Solch eine krumme Art des Denkens
ändert sich nicht in einigen Jahren.
Vergiss die Rede an der
Bar Ilan-Universität, vergiss die praktischen
Errungenschaften bei seinem letzten Besuch in den
USA; dies hier ist der wirkliche Netanyahu. Keine
Behauptungen mehr, dass die Palästinenser am
Misslingen der Oslo-Abkommen Schuld seien. Netanyahu
sagte seinen Gastgebern in Ofra die nackte Wahrheit.
Er zerstörte die Oslo-Abkommen mit seinen eigenen
Händen und Taten, und er ist sogar stolz darauf.
Nach Jahren, in denen uns gesagt wurde, dass den
Palästinensern die Schuld dafür gegeben werden
muss, kam die Wahrheit aus erster Hand heraus.
Und wie hat er es
getan? Er erinnerte sich, wie er seine Unterschrift
unter das Hebron-Abkommen von 1997 mit
amerikanischem Einverständnis an Bedingungen
knüpfte , dass es keinen Rückzug aus „ speziellen
militärischen Gegenden“ gibt und er bestand darauf,
jene Gegend selbst auszuwählen, wie z.B. das ganze
Jordantal. „Warum ist das wichtig? Weil ich von
diesem Augenblick an die Oslo-Abkommen gestoppt
habe,“ rühmte er sich. Der wirkliche Netanyahu
prahlte auch mit seinen Kenntnissen über Amerika:
„Ich weiß, was Amerika ist. Amerika ist etwas, das
leicht bewegt werden kann.“ Das ist zur Information
des Weißen Hauses.
Er nennt dann den
US-Präsident Bill Clinton als „extrem
pro-palästinensisch“ und sagt, die Palästinenser
wollen uns ins Meer werfen. Mit solch rückständigen
Überzeugungen kann keiner behaupten, er wünsche ein
Abkommen.
Diese Bemerkungen sind
sehr deprimierend. Sie bestätigen all unsere
Befürchtungen und Verdächtigungen: dass die
Regierung Israels von einem Mann geführt wird, der
den Palästinensern nicht vertraut und nicht an die
Chance eines Abkommens mit ihnen glaubt, der glaubt,
die Amerikaner in seiner Tasche zu haben und dass
er ihnen Sand in die Augen streuen könne. Es hat
keinen Sinn über Netanyahus unmögliche extrem
rechte Koalition als ein Hindernis zu irgendeinem
Fortschritt zu reden . Von jetzt an sage man,
Netanyahu wünscht ihn nicht.
Was, wenn Kadima die
Regierung verlässt und Yisrael Beitanu alleine
lässt. Nichts wird sich ändern. Was wenn Danny Danon
zur Linken geht und Zipi Hotovely sich Peace now
anschließt? Netanyahu wünscht es nicht.
Wenn er es so ehrlich
gesagt hätte, wie er es tat, als er glaubte, die
Kamera in Ofra sei abgeschaltet, dann hätte man ihm
seine extremen Positionen vergeben können. Es ist
sein Recht, so zu denken und dafür gewählt zu
werden. Die Leute werden bekommen haben, was sie
gewählt haben. Aber als Netanyahu seine wirklichen
Positionen unter Tarnnetzen verbarg und sie in
Netzen von Täuschungen verfing, verringerte er nicht
nur die Chancen für ein Abkommen, er schädigte damit
auch Israels politische Kultur. Viele Leute mögen
sich einen rechten, nationalistischen
Ministerpräsidenten wünschen, aber ein
Ministerpräsident, der ein Schwindler ist? Erwarten
wir zu viel von Netanyahu, dass er uns gegenüber
genau so spricht wie in Ofra. Warum verdienen eine
Handvoll Siedler, die Wahrheit zu wissen und wir
nicht? Sag uns die Wahrheit, Netanyahu. Rede mit uns
so, als wären die Kameras ausgeschaltet, genau so
wie du 2001 in Ofra dachtest.