28 Kilometer
Apartheidstraße
Gideon
Levy
Diese Schnellstraße
erzählt die ganze Geschichte. Sie pflasterten ein
Straße, enteigneten palästinensisches Land und der
Oberste Gerichtshof genehmigte die Enteignung:
vorausgesetzt, dass es für die lokale Bevölkerung
ist.“
Danach hinderte man die
„lokale Bevölkerung“ daran, diese Straße zu nutzen
und schließlich baute man eine Mauer, die mit Wiesen
und Bächen bemalt wurde, damit wir nicht sehen, dass
wir auf einer Apartheidstraße fahren, dass wir auf
der Achse des Bösen reisen.
Apartheid? Wovon
sprichst du? Es ist nur eine Schnellstraße zur
Hauptstadt, so ist es uns am liebsten. Schnell durch
die besetzten Gebiete fahren und das Gefühl haben,
die gibt es nicht. Auf diese Weise erfüllt die
Schnellstraße einen anderen geheimen Wunsch – wir
sehen sie nicht .
Wie viele der Reisenden
auf dieser Schnellstraße zur Hauptstadt haben nach
rechts oder links geschaut? Wie viele von ihnen
haben die 12 Straßen bemerkt, die mit Eisenblöcken
oder Müllhaufen blockiert/ gesperrt sind? (Gibt es
ein anderes Land, dass seine Straßen mit Müllhaufen
blockiert?) Und was ist mit den 22 eingesperrten und
verborgenen Dörfern entlang der Straße? Wie viele
Leute haben sich gefragt, wie ist es möglich, dass
eine Straße, die mitten durch das Land Palästina
führt, keine palästinensischen Reisenden hat? Wie
viele haben das Straßenschild bemerkt, das auf das
Ofer-Armee)-Lager hinweist, noch ein beschönigter
Name für eine Einrichtung für Hunderte von
Gefangenen, von denen einige ohne Verurteilung dort
sind.?
Wie viele haben die
Einwohner beobachtet, wie sie über den felsigen
Grund klettern, um in das Nachbardorf zu kommen. Es
sind 28 km destillierte Apartheid: Die Juden oben
auf der Schnellstraße wurden die Herren des Landes.
Die Palästinenser unten gehen zu Fuß in die Al
Tira-Mädchenschule z.B. durch einen dunklen,
modrigen Tunnel .
Auch ich habe schon
mehr als einmal überlegt, ob ich die Autobahn1 mit
all ihren Verkehrsstaus nehmen soll oder die 443
mit all ihren Ungerechtigkeiten. Bei meinen
Überschreitungen entschied ich mich zuweils für die
Ungerechtigkeiten. Es ist wie „schießen und weinen“.
Zuerst tötest du und danach bist du traurig über
das, was du getan hast. Ich bin gefahren und weinte.
Der Oberste Gerichtshof
hat noch einmal bewiesen wie wichtig sie ist. Zu
spät und zu wenig und seltsamerweise eine
Verzögerung der Erfüllung seiner Order von fünf
Monaten gesetzt. Es ist nicht gerade ein Vorbild von
Gerechtigkeit hinsichtlich von allem, das mit der
Besatzung zusammen hängt, aber es ist wenigstens ein
kleines blasses Licht : Vorsicht, Apartheid.
Die Richterin Dorit
Beinisch und Uzi Vogelman sollten empfohlen werden.
Sie haben uns daran erinnert, was vergessen worden
ist. Es gibt Richter in Jerusalem und von Zeit zu
Zeit gehen sie gegen die Ungerechtigkeit der
Besatzung vor. Sprechen wir uns nach fünf Monaten
noch einmal. Bis dahin könnte der Staat eine Reihe
von Gründen und Entschuldigungen finden, um die
Regeln nicht durchzusetzen. Palästinensische Autos
auf der Schnellstraße 443? Dass ich ( und die
Armee) nicht lache.
(dt. Ellen Rohlfs)
, Haaretz, 30.12.09
http://www.haaretz.com/hasen/spages/1138665.html
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