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Caterpillar- Mode
Gideon
Levy, Haaretz, 24.7.08
Israel
möchte gern weiter behaupten, dass es nicht das erste Land ist, das
Nuklearwaffen in den Nahen Osten eingeführt hat, aber es kann dies nicht
von einer anderen Massenzerstörungswaffe behaupten, dem Bulldozer. Die
Behauptung, dass der Terror nun eine neue Waffe adoptiert habe, eine „neue
Mode“ wie der Sicherheitsminister sie nannte, zeigt wieder einmal, wie
nützlich es für uns ist, ein einseitiges und verfälschendes Bild
aufzuzeigen.
Der
Bulldozer als zerstörerische und sogar tödliche Waffe war nicht von den
Palästinensern erfunden worden. Sie imitieren nur eine israelische „Mode“,
die so alt ist wie der Staat oder wenigstens so alt wie die Besatzung.
Vergessen wir einen Augenblick lang die 416 Dörfer, die Israel 1948 vom
Antlitz der Erde fegte – das war, bevor es D9-Bulldozer gab. Konzentrieren
wir uns auf eine neuere Mode. In den Händen der Israelis sind die Bulldozer
zu einer der schrecklichsten Waffen in den besetzten Gebieten geworden. Der
einzige Unterschied zwischen den palästinensischen mörderischen Bulldozer
und den israelischen Bulldozern liegt in der Farbe und Größe. Wie gewöhnlich
ist der unsrige größer, viel größer. Da gibt es keine Ähnlichkeit zwischen
dem kleinen Bagger, den der palästinensische Terrorist fuhr, und dem
furchterregenden D9, der von israelischen IDF-Soldaten gelenkt wird.
Seit
Beginn der Besatzung war Caterpillar einer der größeren Waffenlieferanten
für Israel, nicht weniger wichtig als jene, die Flugzeuge, Kanonen und
Panzer lieferten. Nicht umsonst versuchten Friedensaktivisten ( in den USA)
zum Boykott dieser Fabrik aufzurufen. Israel hat für seine unvorstellbare
Zerstörung schwere Maschinen angewandt. Man gehe nur nach Rafah und halte
unterwegs in Khan Yuni und sehe sich die Folgen der Zerstörung dort an:
ganze Stadtteile wurden weggefegt, was in den Häusern war – Besitz und
Erinnerungen – liegt zermalmt im Boden. Hat man jemals eine Straße gesehen,
auf der ein Bulldozer entlang gerollt war? Die parkenden Autos werden wie
Konservenbüchsen zerdrückt und Wohnhäuser werden mit allem, was drinnen ist,
zu Schutthaufen. Jede Straße in Rafah sieht viel schlimmer aus als die King
Davidstraße in Jerusalem in der letzten Woche.
2004
wurden z.B. 10 704 Palästinenser obdachlos gemacht, nachdem das israelische
Militär aus „betrieblichen Gründen“ 1404 Häuser zerstörte, vor allem im
Gazastreifen. Im Flüchtlingslager Jenin zerstörte Israel 560 Häuser: der
legendäre Bulldozerfahrer „Kurdi“ erzählte, wie er Whisky trinkend das
Jeniner Flüchtlingslager in ein Fußballfeld verwandelte“. Bei der „Operation
Regenbogen“, einer anderen Bulldozer-Operation, zerstörte Israel im
Brazil-Lager bei Rafah 120 Häuser. Nur der, der damals in Rafah und in Khan
Yunis war, kann verstehen, was unsere „wunderbaren“ Bulldozer gemacht haben.
Sag nicht,
dass unsere Bulldozer nur zerstören – sie töten auch. Wer tötete die
Friedensaktivistin Rachel Corrie? Es war ein Bulldozer, dessen Fahrer – nach
Zeugenaussagen - sie gesehen hat, bevor er sie zu Tode zermalmte. Und wie
war es mit der Shubi-Familie in der Altstadt von Nablus: ein Großvater, zwei
Tanten, eine Mutter und zwei Kinder wurden von Bulldozers begraben. Und wer
tötete Jamal Faid, einen Behinderten aus dem Jeninlager, dessen Rollstuhl
allein unter den Trümmern seines Hauses gefunden wurde. Sein Leichnam wurde
nie gefunden. War das nicht Bulldozerterror?
Die
Palästinenser entdeckten den Bulldozer ziemlich spät. Was gut für uns ist,
ist auch gut für sie. Und wie werden unserer Sicherheitskräfte diese neue
Mode bekämpfen? Durch Zerstören der Häuser der Terroristen. Natürlich mit
Bulldozern.
http://www.haaretz.com/hasen/spages/1004894html
(dt. Ellen
Rohlfs) |